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Veröffentlicht am 20.09.2025

Nicht NOCH ein Konflikt

Ab jetzt beginnt die Ewigkeit
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Mit diesem Buch hat mich eine Hass-Liebe verbunden. Das Setting ist super: Stockholm als Kulisse, die schwedisch-estnische Geschichte, auch das Fernsehen. Aber die Konflikte werden SO simple gelöst, dass ...

Mit diesem Buch hat mich eine Hass-Liebe verbunden. Das Setting ist super: Stockholm als Kulisse, die schwedisch-estnische Geschichte, auch das Fernsehen. Aber die Konflikte werden SO simple gelöst, dass ich wollte, dass es aufhört.

Rezi enthält Spoiler!

Worum geht es?

Vendela ist nicht-schlank und Tochter einer berühmten Moderatorin - zwei Probleme, die der Jung-Moderatorin Sorgen bereiten. Sportjournalist Samuel kämpft als PoC nicht nur gegen Rassismus, sondern auch um seinen guten Ruf, der nach einem Vorfall gelitten hat. Dazu kommen noch zahlreiche Intrigen, die beiden das Leben schwer machen.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Bis 30 % plätschert das Buch dahin. Vendela und Samuel werden als gute Freunde dargestellt, obwohl kaum Chemie zwischen den beiden ist. Ich habe keinen Humor, keine gemeinsamen Interessen gespürt, nur Respekt für die Arbeit des anderen. Und dass sie auf der Suche nach ihrem Platz im Sender und ihrer Vergangenheit sind.

Immerhin gibt es kaum Liebesszenen, ich erinnere mich vage an eine explizite Szene.

Interessant wird es erst, als eine zweite Erzählebene hinzukommt. Im Jahre 1951 sehen wir Vendelas Großmutter, die von Estland nach Schweden flüchtet und dabei ihre (erste) Tochter zurücklässt. Es handelt sich um die Zeit der "Estnischen Sozialistischen Sowjetrepublik". Zwischen 1941 und 1990 stand Estland unter der Herrschaft der Sowjetunion und tausende Partisanen (z.B. Waldbrüder) wurden nach Sibiren deportiert. Dieser reale Hintergrund trägt das Buch gut, auch, weil es interessant ist, wie unterschiedlich Großmutter und Enklelin leben, auch wenn sie sich im Buch nie begegnen.

Das Thema "Wurzeln" ist bei Vendela deutlich präsenter. Aber auch daraus macht die Autorin nicht viel: Ihre Mutter Krissi ist anfangs wenig begeistert, stimmt aber letztlich zu, dass ihre Tochter sogar einen Fernsehbeitrag daraus macht. Krissis Bedenken werden kaum aufgelöst, obwohl es belastend sein kann, so etwas über die eigene Mutter zu hören. Auch die Frage, warum die Großmutter beiden Familien nichts voneinander erzählte, wird für mich eher unbefriedigend beantwortet.

Auch Samuel, der adoptiert wurde, sucht seine leiblichen Eltern, muss aber erstmal den Widerstand seiner Mutter überwinden. In diesem Punkt war er mir wirklich unsympatisch, denn er sieht in der Ablehnung seiner Mutter eine übertriebene emotionale Reaktion. Ich finde es aber verständlich, dass die Mutter Angst hat, dass all ihre Leistung infrage gestellt wird. Es bringt das familiäre Gefüge durcheinander. Leider wird auch das nur mäßig aufgelöst.

Vendela nimmt viel Raum ein, ich kann mir aber nicht vorstellen, was an ihr im negativen Sinne "normal" ist. Der Konflikt mit der Mutter ist gut gedacht: Sie kritisiert ihre Tochter, weil sie "impulsiv" ist - das ist Vendela an einer (!) Stelle im Buch. Die unterschiedlichen Sichtweisen der Mutter und des Lesers prallen aufeinander: Vendela ist nicht impulsiv, aber weniger medienaffin. Sie nutzt das Fernsehen nicht aus, sie bleibt bei sich. Wie verletzend es ist, dass die eigene Mutter ihr sowenig zutraut, das wird immer wieder aufgegriffen, aber konfrontiert wird selten.

Hinzu kommt, dass Vendela von ihrer besten Freundin Moa beneidet wird und lernen muss, dass ihre eigenen Selbstzweifel nicht der Mittelpunkt der Welt sind. Außerdem wird sie in eine Intrige von Samuels Ex-Freundin Filippa hineingezogen. Und eine sexuelle Belästigung gibt es auch noch.

Samuel wird als Womanizer mit Herz dargestellt, man erfährt aber nicht, warum er das gemacht hat. Und zum Zeitpunkt der Handlung hat er auch keine Beziehungen mehr.

Der zentrale Konflikt im Buch ist der Kampf um eine Stelle als feste:r Moderator:in im Frühstücksfernsehen. Der Ausgang ist jedoch vorhersehbar.

Es gibt im Buch viele kleine Konflikte, denen es an Drama fehlt und die man mit einem guten Gespräch hätte schneller lösen können. Immerhin schafft es die Autorin, beide Hauptfiguren auch ein bisschen unsympatisch und damit menschlich zu machen.

Das Drumherum eines Fernsehsenders ist gut gestaltet, der Stress, die Moderationen usw. Ich fand es aber komisch, dass Vendelas Sommerserie relativ spontan entsteht, obwohl die Recherche zum Thema real wohl Monate gedauert hätte.

Das Beste am Buch ist Stockholm. Die Figuren bewegen sich darin, als wäre das völlig normal - nicht, als hätte ein:e Autor:in nur recherchiert. Freunde der Stadt werden Freude an all den vielen Orten haben. Auch ein Sänger namens Arash wird erwähnt - scheinbar eine Referenz an den iranisch-schwedischen Sänger.

Gut gefällt mir auch das Cover, weil es Samuel als PoC zeigt - habe ich selten auf Titelbildern gesehen. Der Titel ist jedoch beliebig.



Fazit

Trotz des guten geschichtlichen Hintergrunds ist das Buch vorhersehbar, die Chemie kaum vorhanden, die Fallhöhe gering. Gute Voraussetzungen, mäßig ausgeführt.



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Veröffentlicht am 31.08.2025

Gut recherchiert, die Dramaturgie schwächelt

Liebe im Klang der Stille
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Dieser Text ist mein erster mit einer "behinderten" Figur, ich habe aber über Social Media ein paar Einblicke bekommen und war gespannt, wie das umgesetzt wird.

Rezi enthält Spoiler.

Worum geht es?

Cellistin ...

Dieser Text ist mein erster mit einer "behinderten" Figur, ich habe aber über Social Media ein paar Einblicke bekommen und war gespannt, wie das umgesetzt wird.

Rezi enthält Spoiler.

Worum geht es?

Cellistin Kate fängt beim Orchester in Chicago an und lernt dort die gehörlose Vivian kennen. Neben der beruflichen Unsicherheit wegen des befristeten Vertages bereitet Kate auch Sorge, dass es ihrem Sohn gut geht. Durch Vivian geräte sie außerdem in das Spannungsfeld aus hörender und gehörloser Welt.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Von Chicago sieht man einiges, wer schon einmal da war, wird sich an einige Orte erinnern. Die Autorin hat sich hier um Faktentreue bemüht, was auch andere Aspekte im Buch betrifft.

Das Thema Gebärdensprache bzw. ASL wurde sehr gut umgesetzt, und das hat mich das ganze Buch lang gefesselt. Die Autorin hat hier auf Details geachtet z.B. dass man die Gebärden nicht gesehen werden, wenn man sich nicht zu der Person wendet. Oder dass es statt einer Klingel ein Lichtsignal gibt. Er vermittelt ein gutes Bild der Sprache. Gleichzeitig ist er nicht überfrachtet mit Beschreibungen von Gebärden. Das ist auch sinnvoll, weil die Gebärdensprachen verschiedener Länder Worte unterschieldlich zeigen.

Allerdings vereinfacht der Text auch oft. Vivian kann z.B. gesprochene Sprache (vorgeblich) perfekt von den Lippen ablesen, nur an konflikt-reichen Stellen klappt das nicht. Außerdem spricht sie fließend Englisch (bzw. Deutsch). Jede Person ist anders, und am Anfang wird erklärt, dass die Sprachmelodie von gehörlosen Menschen monotoner ist, weil sie gesprochene Sprache überwiegend über die Muskulatur lernen und umsetzen. Trotzdem hörte sich Vivian für mich normal an.

Am Ende greift die Autorin jedoch zu einem Kunstkniff und deckt auf, dass Kate, aus deren Perspektive der Text geschrieben ist, irrt. Sie hatte das Gefühl, dass Vivian sie gut versteht. Doch diese schildert, dass sie nur einen Teil der Worte von den Lippen liest und den Rest rät. Außerdem dachte sie, sie müsse ASL nicht lernen, weil sie mit gesprochener Sprache kommunizieren. Vivian dagegen ging davon aus, dass Kate das irgendwann tut.

Übrigens wird im Buch der Eindruck erweckt, dass man als Anfänger in der Gehörlosen-Community ständig korrigiert wird - und dass es an Kates Ego liegt, wenn sie das verunsichert und verletzt. Wenn ich mit Nicht-Muttersprachlern kommuniziere, frage ich vorher oder ich wiederhole es nett.

Das Thema Sprache betrifft auch Kates Sohn, denn dieser redet nicht wie ein Drei- bzw. Vierjähriger, sondern sehr normal. Das fand ich komisch.

Mich hat das Buch wirklich gefesselt, aber wenn ich die interessante Thematik ausblende, bleibt leider nur mittelmäßig viel übrig. Von Kates Leidenschaft für Musik merkt man wenig, was Vivian genau macht und wie sie als Gehörlose im Job lebt, bleibt auch unklar. Kleinere Konflikte ergeben sich durch den Vater des Kindes und durch Vivians Mutter, die die Behinderung ihrer Tochter nicht akzeptieren wollte. Nett, aber wirklich für Drama sorgt das nicht. Vor allem, weil es schnell gelöst wird. Auch Vivian als Figur bleibt blass, ich hätte den Wandel von der Eiskönigin zur Mutter gern stärker gehabt. Warum Vivian sehr schnell in Max vernarrt ist, darüber kann man nachdenken. Wahrscheinlich wollte sie Max die Liebe geben, die sie gern gehabt hätte. Noch eine Unstimmigkeit: Kate informiert sich über das Cochlea-Implantat, denkt aber nicht daran, dass das Korrigieren einer Behinderung zu Konflikten innerhalb der Gemeinschaft und bei der Person selbst führt.

Ich fand's auch gut, dass Max soviel Raum einnimmt - er ist nicht nur Anhängsel, er ist ständig präsent - was auch real ist.

Die erotischen Szenen sind wenig und ebensowenig kreativ, die Orte wechseln, die Techniken sind bekannt. Tatsächlich hätte man sie weglassen können und es wäre nicht aufgefallen.

Eine Triggerwarnung (und kleiner Spoiler) für Menschen mit Emetophobie: Zwischen 27 % und 30 % ist Max krank, zwischen dem Anfang von Kapitel 31 (89 %) und dem Mittelteil (91 %) kämpft Kate mit ihrer Nervosität. Die erste Stelle ist nur wenig relevant für die Handlung, die letzte Stelle auch nicht, weil der Ausgang vorhersehbar ist. Die Autorin wollte wohl auch hier besonders korrekt sein, aber eine Triggerwarnung im Buch oder Klappentext wäre gut gewesen. Denn das Problem zieht sich über mehrere Seiten.

Ein Wort zum Cover

Die deutsche Ausgabe orientiert sich am englischen Cover und die deutsche Variante sieht sogar stimmiger aus, weil sich der Schriftzug durch das fehlende Leuchten besser einfügt und weil die Buchstaben nicht so riesig sind. Obwohl "Loudest Silence" auch optisch Lautstärke vermittelt. Trotzdem sieht's hübsch aus. Aber nicht für ein Buchcover. Als semi-abstraktes Kunstwerk finde ich es super und es fällt auf. Aber wenn ich durch eine Bücherliste scrolle, sieht das auf den ersten Blick nicht professionell aus, weil es einem Gemälde ähnelt und ganzseitig ist. Auf den zweiten Blick wirkt es durchdacht, aber es orientiert sich nicht an meinen Sehgewohnheiten.

Fazit

Das Buch zu beurteilen ist schwer, weil es von der Thematik lebt. Und diese ist sehr gut umgesetzt. Wenn man schon Erfahrung mit gehörlosen Figuren hat und/oder den Fokus auf eine interessante Handlung, tiefe Konflikte und Figurenentwicklung legt, dann kann man sich das überlegen. Ich würde es trotzdem empfehlen, weil ein guter Einstieg in die Welt der Gehörlosen ist.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Fehlenden Reflexion

Die Skandalösen
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Mich hat am Buch der Titel gereizt und der Blick auf Frauen, die ich bereits kannte - Lou Andreas-Salomé, George Sand, Coco Chanel, Prinzessin Diana. Irgendwie bin ich mit dem Buch aber nicht wirklich ...

Mich hat am Buch der Titel gereizt und der Blick auf Frauen, die ich bereits kannte - Lou Andreas-Salomé, George Sand, Coco Chanel, Prinzessin Diana. Irgendwie bin ich mit dem Buch aber nicht wirklich war geworden.

Worum geht es?

Nach einer kurzen Einleitung schildert das Buch auf je 20 Seiten das Leben der Frauen. Am Ende gibt es noch ein Literaturverzeichnis. Der Großteil der Frauen stammt aus dem Adel.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Das Buch beginnt mit Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg und Georgina von Devonshire - und verliert sich dort erstmal in deren Vorfahren. Das hat den Einstieg für mich erschwert, weil ich nicht wusste, um wen es genau geht. Bereits hier wird deutlich, dass die Autorin gern abschweift und der rote Faden nicht immer klar ist. Vielleicht ging es darum, Seiten zu füllen? Außerdem sind die Sätze teilweise komplex, was mich gestört hat. Ich fand die Schilderung bei diesen Frauen auch etwas trocken.

Bei Lou Andreas-Salomé konzentriert sich das Geschehen vor allem auf ihre Männer - ihre Leistungen, die sie gemeinsam mit diesen erbracht und wie sie ihr Schaffen gefördert hat, werden wenig betrachtet.

Ohnehin hatte ich im Buch oft das Gefühl, dass "skandalös" bedeutet, dass die Frauen viele Affären haben und letztlich allein bleiben. Auch wenn die Autorin immer wieder betont, dass die Frauen selbstständig waren, kommen ihre Erfolge wenig zum Tragen. Ich habe nur bei wenigen Frauen ein Gefühl für sie bekommen.

Lebendig und kritisch wird das Buch bei Coco Chanel und Prinzessin Diana: Bei Chanel stellt sie ihre Arbeit als Kollaborateurin während der deutschen Besatzung in den Vordergrund und hinterfragt, warum sie schnell rehabilitiert wurde. Bei Diana arbeitet sie heraus, dass ihr mediales Auftreten auch den Blick auf das britische Königshaus aufgebrochen hat - von einem Mysterium hin zu einer nahbaren Familie, was deren Status gefährdet. Diese Reflexion fand ich toll. Und dass ich mit Charles und Diana zwei kaputte Personen gefunden hatten, die wohl nicht glücklich werden konnte.

Diese Einordnung hat mir bei vielen Frauen im Buch gefehlt - "skandalös" ist ein plakatives Wort, aber es wird nur selten deutlich, was diese Frauen von anderen mit ähnlicher Biografie unterscheidet. Was macht ausgerechnet sie so "skandalös", wenn es doch andere Frauen gibt z.B. Ehefrauen von Künstlern oder Vorreiterinnen der Frauenbewegung? Vielleicht hätte auch eine Einordnung in die Zeit geholfen, das deutlicher zu machen.

Fazit

Für mich passieren hier mehrere Bausteine nicht zusammen: Die Auswahl, die Reflexion, der Schreibstil. Es gibt Bücher, die länger sind, aber sich besser lesen und Frauen darstellen, die mehr als "skandalös" waren.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Was war das?

Everything I Want With You
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Ich bin schon oft über die Bücher der Autorin gestolpert, habe aber nie reingelesen. Hier hat mich aber die Grundgeschichte um den Bibliothekar und das schöne Cover gereizt. Leider war der Text inhaltlich ...

Ich bin schon oft über die Bücher der Autorin gestolpert, habe aber nie reingelesen. Hier hat mich aber die Grundgeschichte um den Bibliothekar und das schöne Cover gereizt. Leider war der Text inhaltlich ziemlich leer.

Rezi enthält Spoiler!

Worum geht es?

Drummer Spencer landet nach einem missglückten Promo-Auftritt in einer Bar und wird dort von Oliver, dem Sohn seiner Managerin, aufgelesen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesgeschichte. Doch Spencer hat Angst vor einem Outing und Oliver bekommt einen Stalker. Probleme, die gelöst werden müssen.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Bis 67 % plätschert die Geschichte vor sich hin. Die Figuren sabbern sich an, Spencer steht immer im Konflikt zwischen seinem Image als Boyband-Mitglied und seiner queeren Orientierung. Die beiden verlieben sich. Weder über die Leidenschaft für Musik noch über Olivers Spaß an Büchern erfährt man viel, das Einzig besondere ist, dass sich Spencher proteinreich ernährt. Es gibt, neben der Liebe, kein Thema, an dem sich die Figuren abarbeiten. Mit einem witzigen Schreibstil oder sprachlichen Finessen punktet das Buch auch nicht. Es rauscht einfach durch.

Im letzten Drittel tritt das Stalking-Thema auf den Plan. Anfangs hat mich das gepackt, weil wir Nachrichten des Täters lesen und weil ich Mitgefühl mit Oliver hatte, der keinem etwas Böses tun könnte. [Spoiler] Doch die Lösung erfolgt sehr schnell. Und es wird indirekt erzählt - wir bekommen keinen Showdown, keine Nachrichten, die bedrohliche Stimmung wird nicht effektvoll aufgelöst, sondern versandet. Vor allem an der Logik hapert es: Angeblich weiß Oliver nicht, wer ihn bedrohen könnte - doch dann fällt ihm ein, dass er vor Jahren eine Affäre mit dem falschen Mann hatte, was nicht nur ihn, sondern auch die Mutter belastete. Dass ihm ein so prägendes Erlebnis entfällt, dass die Erinnerungen nicht hochkommen, fand ich sehr komisch. [/Spoiler] Die Autorin fokussiert sich auf die Liebesgeschichte. Aber das trägt nicht über 368 Seiten.

Gut finde ich, dass die anderen Bandmitglieder nicht gewollt auftreten. Bei Reihen erlebe ich es oft, dass die Figuren in den anderen Büchern auftreten MÜSSEN, hier fand ich das ganz natürlich. Der Nachteil ist aber, dass es keine Nebenfiguren gibt, die irgendwie interessant sind.

Explizit wird es auch, leidenschaftlich wenig. Die Szenen sind gut beschrieben, aber nicht mitreißend.

Und auch hier: Ich LIEBE das Cover, es ist wunderschön, es passt zur Reihe - es passt aber weder zum Titel noch zum Inhalt.

Fazit

Ich hätte das Buch gern gemocht, aber leider verschwindet es schnell aus meinem Kopf. Vergleichen mit den Klappentexten der anderen Büchern wirkte es hier, als wollte die Autorin Spencer seinen Auftritt geben, ihr fehlte aber eine gute Story. Immerhin war die Idee mit dem Epilog/der Danksagung nett.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Knapp daneben

Küsse im Gepäck
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Bei diesem Text hat mich, mal wieder, die Mischung aus Journalismus und dem Handwerker gereizt, der zum Milliardär wird. Letztlich war eine Szene im letzten Drittel sehr beeindruckend - der Rest aber austauschbar.

Worum ...

Bei diesem Text hat mich, mal wieder, die Mischung aus Journalismus und dem Handwerker gereizt, der zum Milliardär wird. Letztlich war eine Szene im letzten Drittel sehr beeindruckend - der Rest aber austauschbar.

Worum geht es?

Max erfährt, dass er der Sohn eines verstorbenen Milliardärs ist, zwei Geschwister hat und seinen Job aufgeben kann. Er muss lernen, mit der Aufmerksamkeit umzugehen. Klatsch-Journalistin Sarah kämpft um die Ehrlichkeit im knallharten Schmierenblatt-Geschäft.

Kurz ein Wort zu Cover und Titel

Oft finde ich die deutsche Variante schlimmer als die englische, hier nimmt sich das aber nichts. Das deutsche Cover hat weder etwas mit dem Straßenbau (in dem Max arbeitet), noch mit dem Millionärs- oder dem Journalismus-Thema etwas zu tun. Es ist total austauschbar. Aber das rote Kleid fällt auf. Beim Titel dachte ich an Reisen. Damit ist der Titel sogar missverständlich. Der englische Titel "The Forgotten One" (der Vergessene) spielt immerhin darauf an, dass erstmal keiner von Max Kenntniss hat. Aber auch hier ist die Uhr auf dem Cover nichtssagend.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Es ist leider ein Text, der schnell aus meinem Kopf verschwindet. Die Nebenfiguren, vor allem die Geschwister und die Schwägerin, sind gut ausgearbeitet, ich habe sie ins Herz geschlossen und sie wirkten plastisch. Mehr wäre gut gewesen, aber sie passen in die Story. Leider ist vor allem Sarah ziemlich blass. Von ihrer journalistischen Tätigkeit sieht man fast nichts, es wirkt, als würde sie nur im Internet recherchieren. Es fehlt einiges. Max war mir als Handwerker sympatisch, aber das verläuft sich. Er wird aggressiv beschrieben, ist es aber selten. Obwohl ich vor allem den Aspekt interessant fand, wie er mit den Medien umgeht. Das plätschert nur vor sich hin. Nur am Ende gibt er der Presse ein Statement mit einem guten moralischen Aspekt. Ich fand das toll. Und ich fand es gut, dass es kein Versteckspiel zwischen Sarah und Max gibt. Allerdings hatte ich mir trotzdem etwas Pfeffer gewünscht.

Der Geschichte fehlt es vor allem an einer spannenden Geschichte. Im letzten Viertel gibt es ein Problem, das aber schnell gelöst wird. Auch das zweite, kleinere wird schnell behoben, auch wenn ich den emotionalen Gedanken dahinter toll fand. Schade, dass man das nicht näher ausgeführt hat.

Der Autorin liegt das Grundthema "vernachlässigte Kinder" am Herzen, betont sie im Vorwort, und das taucht an verschiedenen Stellen auf. Trotzdem war das nicht genug. Wenn die Geschichte aus dem Vorwort emotional packender ist, dann spricht das nicht für den Text.

Genretypisch werden zwischen Sarah und Max Körperflüssigkeiten ausgetauscht und Liebe beteuert. Bemerkenswert ist, dass sie eine Spirale nutzt, er sterilisiert ist. Bei 76 % wird aber der Eindruck erzeugt, dass sie keine Kondome benutzen - STDs scheinen im Buch nicht zu existieren.

Fazit

Das Buch lässt sich nett lesen und das Grundthema ist gut. Letztlich ist es aber zu sehr auf die Liebesgeschichte zuschnitten, um zu bewegen.

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