Berührende Geschichte über Traumaverarbeitung und Neuanfang
LeuchtturmtänzeNora ist klassische Balletttänzerin und lebt mit ihrem Mann Christopher in Chicago. Die beiden erwarten ihr erstes Kind. Durch ein schlimmes Unglück verliert Nora jedoch das Baby einige Wochen vor dem ...
Nora ist klassische Balletttänzerin und lebt mit ihrem Mann Christopher in Chicago. Die beiden erwarten ihr erstes Kind. Durch ein schlimmes Unglück verliert Nora jedoch das Baby einige Wochen vor dem Geburtstermin. Nora fällt in ein tiefes Loch und versinkt in ihrer Trauer. Auch Christopher leidet doch die beiden verarbeiten ihre Trauer nicht gemeinsam, so dass sie sich schließlich auch noch selbst verlieren und die Ehe zerbricht. Durch eine TV-Serie wird Nora auf die Outer Banks aufmerksam und beschließt irgendwann, dorthin zu gehen. Dort lernt sie eine ältere Dame namens Rose kennen, bei der sie auch eine Unterkunft findet. Wird Nora dort Trost finden können?
Mit diesem Roman legt Manuela Inusa den dritten Band ihrer Coastlines-Reihe vor. Die Romane sind aber unabhängig voneinander lesbar.
Zu Beginn lernen wir das glückliche Ehepaar Nora und Christopher kennen und auch deren Freunde, wo ebenfalls ein Kind erwartet wird.
Ich habe mich mit dem jungen Ehepaar gefreut, doch durch den Klappentext wusste ich ja bereits, dass das Baby nicht überleben und nur tot geboren werden wird. Das machte mich von Beginn an schon etwas traurig, wenn ich Noras große Vorfreude erlebte.
Als das Unglück dann geschehen ist, erhält das junge Ehepaar noch eine weitere traurige Nachricht, die für beide hart ist.
Doch noch während des Krankenhausaufenthaltes konnte ich spüren, dass zwischen den jungen Eheleuten etwas gewaltig schief läuft.
So war die Trennung für mich dann auch keine Überraschung, wobei Christopher sich aus meiner Sicht nicht besonders nett sondern eher unsympathisch verhalten hat.
Bewundert habe ich dann Noras Mut, ohne Vorbereitungen einfach loszufahren und in wenigen Tagen die weite Reise auf die Outer Banks anzutreten. Sie hat Glück und findet bei der älteren Rose eine Unterkunft und bezieht dort ein Zimmer mit „Familienanschluss“. Denn Rose spürt offenbar genau, dass Nora etwas zu verarbeiten hat. So kommt es zwischen den beiden zu sehr schönen und einfühlsamen Gesprächen, in denen auch Rose ihre Geschichte offenbart.
Es war wirklich schön zu erleben, wie Nora langsam beginnt, ihr Schicksal zu akzeptieren und ihren schweren Verlust zu verarbeiten. Dabei helfen ihr nicht nur die Gespräche mit Rose sondern auch die Ruhe und die wunderschöne Natur auf den Outer Banks. Der Leuchtturm zieht sie besonders an und dort am Strand beginnt sie plötzlich auch wieder zu tanzen. Durch ihren Job, den sie sich für den Lebensunterhalt sucht, und andere Begegnungen lernt Nora auch andere Menschen kennen und beginnt vorsichtig Freundschaften zu schließen. Auch kann sie wieder einen engeren Kontakt zu ihrem Vater aufbauen, der ihr vorher gefehlt hatte.
Wie es zu erwarten war, lernt sie auch einen netten Fischer kennen, der alleine mit seiner Teenager-Tochter lebt. Dass sich hier etwas zwischen den beiden entwickeln könnte, war auch leicht vorhersehbar.
Gegen Ende tauchen jedoch noch Schwierigkeiten auf und es gibt ein dramatisches Ereignis. Letzteres hätte ich vielleicht nicht unbedingt noch gebraucht, die Probleme hätte man auch anders auflösen können.
Es hat mir sehr gut gefallen, wie einfühlsam und sensibel die Autorin mit diesem schwierigen Thema umgeht. Sie zeigt Noras Schicksal und den Verlust sehr eindrucksvoll und übertreibt dabei auch nicht. Ich konnte sehr mit Nora und ihrem Mann mitfühlen und verstehen, warum Nora in so ein tiefes Loch gefallen ist.
Um so mehr habe ich mich für sie gefreut, dass ihr mutiger Entschluss, auf die Outer Banks zu reisen, belohnt wird und sie dort beginnen kann, wieder nach vorn zu schauen.
Das Setting dort auf den kleinen Inseln ist gut gewählt und sehr anschaulich beschrieben. Man sieht die Natur, die Wildpferde und den Strand mit dem Leuchtturm vor dem inneren Auge und spürt den Wind in den Haaren.
„Leuchtturmtänze“ ist ein sehr gefühlvoller und emotionaler Roman über Verlust, Trauer, Heilung und den Mut ganz woanders völlig neu anzufangen. Der schöne Schauplatz und authentische Protagonisten machen den Roman zu einer unterhaltsamen Lese-Auszeit!
Fazit: 4 von 5 Sternen
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