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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.11.2020

Humor und eine Prise Zynismus, sehr cool!

Ich hasse die Menschheit
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„Ich hasse die Menschheit – und verdammt, wie ich Untertitel hasse“ ist ein Buch, wie ich es wohl noch nie gelesen habe. Es handelt sich um keine richtige Erzählung, sondern um eine Liste, die mehrere ...

„Ich hasse die Menschheit – und verdammt, wie ich Untertitel hasse“ ist ein Buch, wie ich es wohl noch nie gelesen habe. Es handelt sich um keine richtige Erzählung, sondern um eine Liste, die mehrere hundert (Eigen-)Arten von Personen umfasst, die die Autorin regelmäßig zur Weißglut treiben und an der Menschheit zweifeln lassen. Die vollen 110 Seiten dieses Büchleins sind durchzogen von Humor, Ironie und einer Prise Zynismus. Eine Kombination, die mich mehrmals zum Lachen oder Schmunzeln gebracht hat. Erst recht an Stellen, bei denen ich mich der Meinung der Autorin nur anschließen konnte – oder mich sogar mal selbst in den beschriebenen Verhaltensweisen wiedererkannt habe.
Natürlich handelt es sich hierbei weniger um ein Buch, das man so kontinuierlich wie eine Geschichte liest, als um eine amüsante Hommage an all die kleinen und großen Dinge, über die wir uns im Leben aufregen können. Die vielen witzigen Zeichnungen und Skizzen runden die Stimmung des Ganzen perfekt ab.
Grundlegend beziehen sich die aufgelisteten Punkte auf Aspekte, die wir wohl alle gut kennen. Allerdings gibt es auch einige Anspielungen auf die Schulzeit, was bei mir zum Beispiel schon ein paar Jährchen her ist und somit für Erwachsene weniger Identifikationsmöglichkeiten bietet – mal abgesehen von dem, woran man sich noch erinnert. Das fand ich persönlich etwas schade, da die Zielgruppe so etwas eingeschränkt zu werden schien, aber das sind wirklich nur sehr wenige Punkte auf dieser langen Liste, die sich sicherlich auch gut als Geschenk unter dem Tannenbaum machen würde!

Veröffentlicht am 21.11.2020

Spannnende und informative Reise durch das Fantasy-Genre!

Wonderlands
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Könnt ihr euch noch an das erste Fantasybuch erinnern, das ihr gelesen habt? Falls nicht, welches ist das erste, an das ihr euch erinnern könnt? 💬
In „Wonderlands“ nimmt die Journalistin und Kritikerin ...

Könnt ihr euch noch an das erste Fantasybuch erinnern, das ihr gelesen habt? Falls nicht, welches ist das erste, an das ihr euch erinnern könnt? 💬
In „Wonderlands“ nimmt die Journalistin und Kritikerin Laura Miller interessierte Leserinnen mit auf eine Reise durch 3000 Jahre Literaturgeschichte. In ihrem Werk stellt sie durch Essays die herausragenden Werke des Fantasy- und Science-Fition-Genres vor, von solch alten Erzählungen wie „Die Odyssee“ über „1984“ bis hin zu „Harry Potter“ und „Tribute von Panem“. Die Essays beleuchten dabei nicht nur den Inhalt der Bücher, sondern auch einen Teil ihrer Entstehungsgeschichte oder die spannende Frage, woher die Autorinnen die Inspiration für ihre Werke genommen haben. Als Leserin habe ich vieles erfahren, was mich überrascht hat – und mit jeder neuen Seite schärfte sich das Bild eines Genres, dessen Werke viel mehr miteinander zu tun haben, als ich bisher wusste. Es war eine spannende Reise, aus der ich vieles mitnehmen konnte, wobei ich zugeben muss, dass mich manche Essays natürlich mehr interessiert haben als andere, was aber wohl ein Stück weit normal ist: Lesen ist immer Geschmackssache.
Obwohl es vermutlich logisch ist, möchte ich flüchtig betonen, dass einen die Berichte zu den erwähnten Werken spoilern (können). So habe ich mich bewusst dazu entschlossen, Essays zu überspringen, wenn ich das zugehörige Buch noch lesen möchte (z.B. „Der Report der Magd“). Manche Bücher sind aber auch erst durch das Lesen des zugehörigen Essays auf meiner Wunschliste gelandet.
Besonders lobend erwähnen möchte ich noch die Gestaltung des Buchs: Sowohl die äußere als auch die innere Aufmachung war fabelhaft. Diverse Illustrationen ließen neben Büchern auch Zeichnungen oder Filme in den Kontext der Werke wandern und kleine Randnotizen sowie Bilder der Autoren rundeten die Aufbereitung der einzelnen Seiten ab.
Alles in allem handelt es sich bei „Wonderlands“ um ein Buch, das ich jedem empfehlen kann, der mehr über die Geschichte des Fantasy- und Science-Fiction-Genre erfahren möchte, als er es sonst vielleicht getan hätte.

Veröffentlicht am 18.11.2020

Rückendeckung für schwierige Gespräche im Taschenformat!

Anleitung zum Widerspruch
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Ich glaube, wir haben uns alle schon mal in Situationen wiedergefunden, in denen wir uns gewünscht haben, einen kleinen Spickzettel für brisante Themen zu haben. Verschwörungstheorien & Diskriminierungen ...

Ich glaube, wir haben uns alle schon mal in Situationen wiedergefunden, in denen wir uns gewünscht haben, einen kleinen Spickzettel für brisante Themen zu haben. Verschwörungstheorien & Diskriminierungen bringen mich schnell an den Rand der Verzweiflung. Gerade deshalb hat mich „Anleitung zum Widerspruch“ angesprochen.
Tatsächlich war es dann aber gar nicht so einfach, das Buch an einem Stück zu lesen – was man aber meiner Meinung nach auch nicht erwarten kann. Ich glaube, dafür ist das Werk nicht gedacht. Interessant und informativ ist es definitiv - nur eben kein Roman, den man innerhalb von ein paar Tagen liest. Dieses Buch liest man, um sich für Gespräche zu wappnen, die im eigenen Umkreis auf einen warten. Und um zu verstehen, wie man sich in solchen Situationen am besten verhält, um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen, sondern ein sinnvolles Gespräch aufzubauen – oder aber wenigstens deutlich zu machen, dass man selbst eine andere Meinung vertritt als das Gegenüber. Denn das ist das wichtigste: Stellung beziehen. Mit manchen Menschen kann man nicht vernünftig reden. Aber Stellung beziehen sollten wir alle. Damit wir uns dabei wohlfühlen können, gibt es dieses Buch. Es schafft eine gute Grundlage und hat spannende Fakten geliefert, die mir selbst so noch nicht bewusst waren, mich teilweise fassungslos den Kopf haben schütteln lassen.
Manche Abschnitte oder sogar Kapitel habe ich nur überflogen, was aber schlichtweg daran lag, dass diese Parts für mich keine Relevanz zu haben schienen. Ich musste zum Glück noch nie darüber diskutieren, ob die weißen Spuren am Himmel Kondensstreifen oder Chemtrails sind. Wieder andere Kapitel waren aber umso mehr mein Fall und gaben mir das Gefühl, wirklich eine Unterstützung in der Hand zu halten. Daran liegt es vermutlich auch, dass sich manche Fakten über die Kapitel hinweg häufiger wiederholt haben: Wie schon eingangs erwähnt, ist dieses Buch in meinen Augen eben mehr Nachschlagewerk als „richtige Leselektüre“. Und auch dann sollte man trotzdem nicht zu viel erwarten: Die realen Gespräche sehen am Ende doch immer nochmal anders aus. 4 Sternchen von mir.

Veröffentlicht am 13.11.2020

Spannendes Konzept, dröge Umsetzung

COLDTOWN – Stadt der Unsterblichkeit
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Selbst wenn man so wie ich kein großer Vampir-Fan ist und auch noch nie ein Buch aus dem Bereich gelesen hat, kann man sich die grundlegende Storyline, um die der restliche Plot gebaut wird, ausmalen. ...

Selbst wenn man so wie ich kein großer Vampir-Fan ist und auch noch nie ein Buch aus dem Bereich gelesen hat, kann man sich die grundlegende Storyline, um die der restliche Plot gebaut wird, ausmalen. Und genau deshalb hat mich der Klappentext von „Coldtown“ so gecatcht – er klang nämlich nach was ganz anderem!
In einer Welt, in der Vampirismus normal ist, wurden Quarantänestädte erbaut, die verhindern sollen, dass das Virus die gesamte Welt infiziert. In so genannten „Coldtowns“ wohnen all jene, die sich nach den gefährlichen Wesen sehnen oder schon längst zu ihnen gehören. Einmal in Coldtown angekommen, gibt es kaum mehr eine Möglichkeit zurück. Und doch weiß Tana keinen anderen Ausweg, als nach einem schrecklichen Ereignis genau dorthin zu flüchten – ihren infizierten Ex-Freund und einen geheimnisvollen Fremden im Schlepptau habend.
Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schwer es mir fällt „Coldtown“ zu bewerten. Ich mochte das Grundprinzip, weil es etwas war, von dem ich so noch nie mitbekommen hatte, aber das war’s quasi auch schon. Was an sich okay wäre, weil einem schlichtweg nicht jedes Buch gefallen kann – aber bei „Coldtown“ ist es irgendwie anders. Denn ich kann euch nicht sagen, was genau mich gestört hat.
Nach langem – wirklich langem! – überlegen, glaube ich, dass der Schreibstil es mir schwer gemacht hat. Es passiert an sich zwar einiges in der Geschichte und es gibt auch unheimlich viel zu entdecken, aber es wurde so distanziert und emotionslos erzählt, dass es sich für mich so anfühlte, als ob der Storyline sämtlicher Schwung und jegliche Spannung genommen worden wären. Auch mit den Charakteren kam ich nicht zurecht. Es hat mir gefallen, dass es keine stumpfe Unterteilung in „gut“ und „böse“ gab, aber ich habe weder zu der Protagonistin noch zu den Nebencharakteren eine Bindung aufbauen können. Allem voran, weil ich ihnen ihre Emotionen nicht abgenommen habe. Vor allem der romantische Part war für mich absolut nicht greifbar, beinahe nicht nachvollziehbar. Wirklich schade, denn eigentlich wimmelt es in diesem Werk vor guten Ideen. 2 Sterne.

Veröffentlicht am 09.11.2020

Interessante Basis, die nicht ganz genutzt wurde

The Last Goddess, Band 1: A Fate Darker Than Love
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Blairs Schwester wird seit Jahren darauf vorbereitet, eines Tages in die Fußstapfen ihrer Mutter zu treten und somit ein Leben als Valkyre zu führen. Blair selbst bewegt sich lediglich am Rand der übernatürlichen ...

Blairs Schwester wird seit Jahren darauf vorbereitet, eines Tages in die Fußstapfen ihrer Mutter zu treten und somit ein Leben als Valkyre zu führen. Blair selbst bewegt sich lediglich am Rand der übernatürlichen Welt. Doch als eine ungeahnte Bedrohung die Menschheit erschüttert und mehrere Leben kostet, steckt Blair plötzlich mittendrin. Jedoch nicht allein: Auch ihr bester Freund ist auf irgendeine Weise Teil dieses perfiden Spiels…
„A Fate Darker Than Love“ war mein erstes Buch von Bianca Iosivoni. Allerdings hatte ich viel Positives von der Autorin gehört und wusste, dass sie sowohl New-Adult- als auch Fantasy-Leser bereits beeindruckt hatte. Gerade deswegen war ich umso neugieriger auf „A Fate Darker Than Love“. Die Thematik machte das Buch für mich zusätzlich interessant. Ich meine… nordische Mythologie, hallo?!
Tatsächlich hielt meine Begeisterung in diesem Maß aber nicht lange an. Zwar ließ sich das Buch gut und schnell lesen, da der Schreibstil wirklich einfach und flüssig ist, aber reichte das nicht aus, um mich an die Seiten zu fesseln. In meinen Augen fehlte es der Geschichte an Tiefgang, worunter dann auch die Greifbarkeit der Charaktere und der Spannungsbogen litt. Die Handlung dümpelte eher vor sich hin, als dass sie mich mitriss. Ich hätte mir gewünscht, dass viele Aspekte näher beleuchtet worden wären, um eine Erzählung zu schaffen, die aus mehr besteht als dem zwangsläufig nötigen Plot.
Was ich sehr gern mochte, waren die magischen Aspekte der Erzählung. Auch die Verbindung zur nordischen Mythologie wurde meiner Meinung nach gut eingearbeitet und kam nicht zu kurz. Gerade diese beiden Punkte waren dann auch zum Großteil dafür verantwortlich, dass ich beim Lesen doch noch gerne am Ball geblieben bin. Aber dafür, dass die grundlegenden Überlegungen eigentlich sehr viel boten, war mir der Rest der Geschichte schlichtweg zu vorhersehbar und zu eindimensional. Ich hoffe allerdings, dass sich das mit dem zweiten und finalen Band der Dilogie noch ändert. 3 Sternchen von mir.