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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.07.2020

Ein Buch für die Seele.

Time to Love – Tausche altes Leben gegen neue Liebe
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Leena ist arbeitssüchtig. Ihr Job bestimmt ihr Leben, ist die Rettung vor der Trauer um ihre verstorbene Schwester. Gerade deshalb zieht es Leena den Boden unter den Füßen weg, als ihre Chefin sie zu einem ...

Leena ist arbeitssüchtig. Ihr Job bestimmt ihr Leben, ist die Rettung vor der Trauer um ihre verstorbene Schwester. Gerade deshalb zieht es Leena den Boden unter den Füßen weg, als ihre Chefin sie zu einem Erholungsurlaub verdonnert. Leena rettet sich zu ihrer Großmutter. Die fast achtzigjährige Eileen ist derweil auf der Suche nach einer neuen Liebe, doch in ihrem Heimatdorf ist die Auswahl mau. Die beiden beschließen, ihre Probleme gemeinsam zu lösen: Sie tauschen die Leben. Eileen zieht in die WG ihrer Enkelin und mischt die Londoner Dating-Szene auf, während Leena auf dem Land zur Ruhe kommen soll. Bevor jemand fragt: Ja, die Idee ist so verrückt, wie sie klingt.
Nachdem mich „Love to share“ mit seinem Wohlfühl-Charakter absolut überrascht hatte, war mir klar, dass das neue Buch von Beth O’Leary ebenfalls einziehen muss. Die Geschichte von „Time to love“ versprach ebenso herzlich, liebevoll und amüsant zu sein, wie das Debüt. Tatsächlich hat mich die erste Hälfte des Buchs dann aber straucheln lassen. Sie war gut, aber zwischendurch ein wenig überspitzt und löste schlichtweg nicht das in mir aus, was ich erwartet hatte. Wo waren der erhoffte Zauber und die Herzenswärme?
Doch dann kam die zweite Hälfte. Plötzlich war ich mitten im Geschehen und begriff, dass das Buch einfach seine Anlaufzeit brauchte – ich musste Charaktere kennenlernen, Beziehungsdynamiken verstehen, Hintergrundgeschichten begreifen. Das geht nicht innerhalb von ein paar Seiten. Es erfordert Zeit und Geduld – aber es lohnt sich, denn dafür steckte ich später nicht nur bis zu den Knien, sondern bis zum Haaransatz und darüber hinaus in dieser Geschichte. Und da waren sie dann auch: Zauber, Herzenswärme. Ich weiß nicht, wann ich beim Lesen eines Buches zuletzt so oft gelächelt habe, wann ich einen Charakter zuletzt so sehr geliebt habe und wann ich die Zusammenarbeit von Setting und Personen zuletzt als so passend empfunden habe. Vielleicht ist „Time to love“ in meinen Augen nicht haargenau so gut wie „Love to share“, aber es ist nicht minder ein Wohlfühlbuch und Urlaub-to-go für die Seele. Beschwingt, amüsant, herzlich und ehrlich. 4,5 Sterne.

Veröffentlicht am 07.07.2020

Oberflächlich, naiv, übertrieben, nervig. Vielleicht... war ich schlichtweg zu alt.

Märchenfluch, Band 1: Das letzte Dornröschen
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Ich weiß nicht, was ich zu diesem Buch sagen soll, außer der unverblümten Wahrheit: Bis auf die allgemeine Hintergrundidee hat es mir einfach nicht gefallen. Die Protagonistin war naiv, hat sich über den ...

Ich weiß nicht, was ich zu diesem Buch sagen soll, außer der unverblümten Wahrheit: Bis auf die allgemeine Hintergrundidee hat es mir einfach nicht gefallen. Die Protagonistin war naiv, hat sich über den materialistischen Charakter anderer aufgeregt, war aber selbst oft genug äußerst oberflächlich, weshalb ich mit ihr einfach nicht warm werden konnte. Die angeblich aufgebauten Gefühle kamen bei mir als Leserin nicht an, vor allem, weil ich mich permanent gefragt habe, worauf sie bitte beruhen sollen. Meiner Meinung nach hat keine Szene in diesem Buch eine Basis fürs Verliebtsein geboten. Außerdem war mir die Handlung viel zu vorhersehbar. Diese Geschichte ist ein klassischer Fall von: Wenn einfach mal alle miteinander reden würde, gäbe es keine Storyline mehr. Die Probleme erschienen mir fast schon ironisch, weil ein Großteil davon sich mir-nichts-dir-nichts aufgelöst hätte, wenn einfach mal jeder einzelne weniger Drama um sich selbst gemacht hätte.
ABER, und das sollte man definitiv nicht unerwähnt lassen, dieses Buch ist für 12- bis 15-jährige gedacht. Ich bin also ein Stück älter als die Zielgruppe. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es jüngeren Leser*innen gefällt, weil die schrille Atmosphäre und Handlung in diesen Augen vielleicht einen Großteil der Unzulänglichkeiten der in meinen Augen flachen, teilweise schon fast nervigen Charaktere und die fehlende Tiefe sämtlicher Handlungsstränge und Emotionen vertuscht. Ich glaube, ich gehörte einfach nicht zur Zielgruppe.
Deshalb kriegt das Buch am Ende auch doch 2 Sterne von mir - weil ich glaube, dass dieser Aspekt nicht völlig außer Acht gelassen werden sollte. Ich hoffe, das ist verständlich.

PS: Ich will damit nicht sagen, dass das Buch älteren Lesern nicht genauso viel Spaß machen kann, wie jüngeren. Ich habe auch an zig Büchern Freude, für die ich eigentlich zu alt bin. Aber in diesem Fall konnte es mich persönlich aufgrund der oben genannten Punkte schlichtweg nicht überzeugen und ich glaube, dass ich persönlich, oder die Einstellung und Erwartung, mit der ich ans Buch herangegangen war, dafür zu alt war.
PPS: Was mir gerade auch noch einfällt: Ich kann es nicht leiden, wenn Charaktere SO schwer von Begriff sind. Mehr... sage ich am besten gar nicht dazu.

Veröffentlicht am 27.06.2020

Gut zu lesen, aber ohne den erhofften Wow-Effekt

The Passengers
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In „The Passengers“ ist es gang und gäbe. Es fehlt nicht viel, bis alle klassischen Fahrzeuge von den Straßen verschwunden sind. Doch dann passiert das Unmögliche: Acht Menschen verlieren durch einen Hackerangriff ...

In „The Passengers“ ist es gang und gäbe. Es fehlt nicht viel, bis alle klassischen Fahrzeuge von den Straßen verschwunden sind. Doch dann passiert das Unmögliche: Acht Menschen verlieren durch einen Hackerangriff gleichzeitig die Kontrolle über ihre selbstfahrenden Autos, welche sich im nächsten Moment auf einen fatalen Kollisionskurs begeben. Und als wäre das nicht genug, wird der Todestrip live im Internet gestreamt. Die Gesellschaft soll abstimmen, wer der eine Mensch ist, der überleben darf…
Ich sage in meinen Rezensionen oft, dass meine Erwartungen an ein Buch hoch waren. Aber ich weiß absolut nicht mehr, wann sie zuletzt SO hoch waren. Nachdem ich so viel Positives über den Autor und sein vorheriges Werk gelesen hatte, war ich schon gehyped, bevor „The Passengers“ überhaupt bei mir angekommen war. Leider konnte mich der Near-Future-Thriller am Ende allerdings doch nicht hundertprozentig überzeugen.
Nicht falsch verstehen: Es ist in meinen Augen ein solides Buch, das mich beim Lesen ganz gut unterhalten hat – nur eben leider nicht mehr. Die Grundidee der Geschichte, die Verbindung Künstlicher Intelligenz mit der Frage nach Ethik und Moral, brachte für mich keinen neuen Wow-Effekt mit sich. Für mich lebte das Buch vor allem von den Geschichten der Geiseln. Ich habe gerne mitgerätselt und -gelitten und habe versucht, mir zwischendurch selbst die unheimlich verwerfliche Frage zu stellen, wen von den Passagieren ich wohl als Erstes sterben lassen würde. Mit Libby, der Protagonistin außerhalb der unkontrollierbaren Fahrzeuge, wurde ich leider kaum warm – obwohl sie vermutlich als eigentliche Sympathieträgerin geplant war. Für mich war sie ungreifbar, genauso wie ein Großteil der restlichen Geschichte. Die letzten hundert Seiten wirkten auf mich dann wie ein erzwungenes Vermeiden des Endes. Ein paar Aspekte haben mich durchaus interessiert, aber leider reichten sie nicht aus, um die Längen an diesen Stellen zu überdecken.
Mein Fazit: Ein Thriller, den man gut lesen kann, mich aber nicht unbedingt überrascht hat. 3,5 Sterne.

Veröffentlicht am 21.06.2020

So berührend, emotional, erschreckend und spannend!

Das Gegenteil von Hasen
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Ich erinnere mich gut daran, wie ich im letzten Jahr mein erstes Buch von Anne Freytag gelesen habe: „Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte“. Im Anschluss daran war ich so fassungslos, dass ich ...

Ich erinnere mich gut daran, wie ich im letzten Jahr mein erstes Buch von Anne Freytag gelesen habe: „Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte“. Im Anschluss daran war ich so fassungslos, dass ich kaum dazu in der Lage war, eine Rezension zu schreiben. Ich hatte nicht gewusst, worauf ich mich mit einem Buch von der Autorin einlasse. Dieses Mal war ich vorbereitet. Und ich dachte, dass mir das dabei helfen würde, meine Gedanken am Ende von „Das Gegenteil von Hasen“ zusammenzufassen. Falsch gedacht.
Wie vor einem Jahr sitze ich erneut fassungslos vor meinem Laptop. In meinen Augen gibt es auch für dieses Buch von Anne Freytag schlichtweg keine passenden Worte – zumindest nicht in meinem Kopf. Vielleicht, weil die Autorin sie selbst alle aufgebraucht hat. In diesem Buch sind die gewählten Wörter so viel mehr als die Hülle einer Erzählung. Sie SIND die Erzählung, machen die Geschichte lebendig, lassen sie direkt in den Kopf und das Herz des Lesers fließen. Anne Freytags Schreibstil ist außergewöhnlich. Ich kann prinzipiell verstehen, dass ihre Geschichten nicht für jeden etwas sind – doch gleichzeitig protestiert bei diesem Gedanken jede begeisterte Zelle in mir. „Das Gegenteil von Hasen“ ist emotional, vielschichtig und entwaffnend ehrlich. Es hält sich weder an Regeln noch an Klischees, kleidet eine zwar nicht mehr gänzlich neue Idee in ein umso beeindruckenderes, mitreißendes Gewand. Wer glaubt, dass Jugendbücher leichte Kost sind und eigentlich immer dasselbe beinhalten, hat bisher nur nicht zu den richtigen gegriffen. „Das Gegenteil von Hasen“ ist ein Paradebeispiel.
Die Geschichte hat mich gefesselt – von Anfang bis Ende. Die Figuren sind nicht lose auf die Seite geworfen, sondern mit unzähligen Schichten und Facetten fein säuberlich auf das Papier gewebt. Hier fühlt man sich weniger als außenstehender Leser, sondern mehr wie jemand, der all die Geschehnisse hautnah und mittendrin erlebt. Absichtlich habe ich nicht viel zum Inhalt dieses Buches gesagt – denn das, was man zwischen diesen Seiten erlebt, geht weit über ein kurzes Anreißen der oberflächlichen Thematik hinaus. Lest es, genießt es, lasst euch fallen. Klare Empfehlung.

Veröffentlicht am 16.06.2020

Fesselnder, mitreißender und spannender zweiter Teil!

City of Elements 2
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Das war er also, der zweite Band zu „City of Elements“. Der Auftakt der Reihe hatte mir bereits gut gefallen und dementsprechend hoch waren meine Erwartungen. Ich hatte gehofft, mich erneut in eine Welt ...

Das war er also, der zweite Band zu „City of Elements“. Der Auftakt der Reihe hatte mir bereits gut gefallen und dementsprechend hoch waren meine Erwartungen. Ich hatte gehofft, mich erneut in eine Welt voller Intrigen, Geheimnisse und Freundschaft fallen lassen zu können – und wurde nicht enttäuscht!
SPOILER BAND 1
Kia muss der Omilia zuvorkommen und mehr über ihre Gabe erfahren, was nur möglich ist, wenn sie sich in Todesgefahr begibt. Eine makabere Herangehensweise, die sie und Will in den Wahnsinn treibt. Will, zu dem sie sich immer mehr hingezogen fühlt. Will, von dem sie nach wie vor nicht weiß, ob seine Gefühle echt sind, oder eine Spiegelung ihrer eigenen. Will, an den sie gar nicht so viele Gedanken verschwenden sollte, gibt es doch wichtigere Probleme... Zum Beispiel die quälende Frage, ob die Gerüchte über ihre Eltern wahr sind.
SPOILER BAND 1 ENDE
Ich weiß nicht, wann es mir zuletzt so leichtfiel, in einen Folgeband reinzukommen. Es dauerte nur ein paar Seiten und schon war ich wieder mittendrin. Ein klarer Pluspunkt, der sich durch das gesamte Buch zog und dessen Ursache meiner Meinung nach in dem erneut mitreißenden und aufgeladenen Schreibstil lag. Für mich gab es gar keine Möglichkeit, den Fängen der Storyline zu entgehen.
Wie in Band eins ist mir auch hier die Ausarbeitung der Charaktere positiv aufgefallen. So viele Kleinigkeiten, die die Dialoge und Momente real erscheinen lassen, einem das Gefühl geben, die Personen zwischen diesen Seiten tatsächlich kennenzulernen. An Wendungen mangelte es ebenfalls nicht, obwohl das Buch in meinen Augen hier und da ein paar winzig kleine Längen hatte. Diese wurden allerdings so liebevoll aufgefangen und gestaltet, dass ich sie kaum bemerkt habe.
Ich glaube, ich bin jetzt noch neugieriger auf den nächsten Band und außerdem unheimlich froh, dass ich Kia und Will noch eine Weile begleiten darf. Immerhin wird es insgesamt vier Teile geben! Ich wette, dass sich das Potential der Geschichte, so gut wie es jetzt auch schon genutzt wird, über die nächsten beiden Bände bestimmt noch weiter entfalten wird. 4 Sterne gibt es von mir. 😊