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Veröffentlicht am 18.07.2021

Morbid und hochspannend

Das Buch des Totengräbers
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Wien, Ende des 19. Jahrhunderts. Leopold von Herzfeldt, ein junger Inspektor, der eine neue Stelle antritt und modernen Kriminaluntersuchungsmethoden aufgeschlossen gegenüber ist. Demgegenüber Kollegen, ...

Wien, Ende des 19. Jahrhunderts. Leopold von Herzfeldt, ein junger Inspektor, der eine neue Stelle antritt und modernen Kriminaluntersuchungsmethoden aufgeschlossen gegenüber ist. Demgegenüber Kollegen, die von den alten Verfahrensweisen nicht abweichen wollen. Gleich zu Beginn ein Mord, der nur Auftakt einer Reihe ist und Wien beunruhigt. Unterstützung erhält Leo unerwartet vom Totengräber Rothmayer des Zentralfriedhofs und einer jungen Telefonistin, die interessanter ist als es zunächst scheint.

Der Roman hat mich nicht losgelassen und ich habe ihn in zwei Tagen regelrecht verschlungen. Der Schreibstil ist flüssig und atmosphärisch, wirkt dennoch ausgesprochen leicht. Ich konnte mir das alte Wien beim Lesen so richtig vorstellen und die Protagonisten haben in meinem Kopf Gestalt angenommen. Oliver Pötzsch nimmt einen mit in das alte Wien, in eine Zeit des Umbruchs. Neue Techniken sind auf dem Vormarsch, davon profitiert auch die Kriminalistik. Der Autor zeichnet gleichzeitig ein Sittengemälde dieser Zeit, ohne zu sehr mit geschichtlichen Fakten aufzuwarten. Die Handlung bleibt spannend und im Fluss. Genial eingestreute Erkenntnisse aus der Forensik finden sich im Almanach des Totengräbers wieder, morbid und hochinteressant.

Der Schluss war für mich nicht vorhersehbar, im Nachhinein aber nachvollziehbar. Der Roman war spannend bis zum Ende. Ich hoffe, dass Leo noch einige weitere Fälle zu lösen bekommt! Unbedingte Leseempfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.07.2021

Humorvoll verpackte Familiengeschichte, durchaus mit Tiefgang

Erben wollen sie alle
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Ein humorvolles Buch über Familie, das Älterwerden, sich verlieben, sich erinnern, Wünsche und Träume.

Bianca wird 75 Jahre alt, lebt auf Mallorca in einem tollen Haus und überlegt, wie sie den Rest ihres ...

Ein humorvolles Buch über Familie, das Älterwerden, sich verlieben, sich erinnern, Wünsche und Träume.

Bianca wird 75 Jahre alt, lebt auf Mallorca in einem tollen Haus und überlegt, wie sie den Rest ihres Lebens, gemeinsam mit ihrer neuen Liebe, gestalten möchte. Alles verkaufen und die Welt entdecken? Wenn da nur nicht die erwachsenen Kinder wären, die Angst um ihr Erbe haben. Gut, dass es auch noch Enkeltochter Luisa gibt.

In die Geschichte kommt man gut rein, stilistisch liest es sich gut und die Gedanken der Hauptprotagonistin in ein Tagebuch zu packen ist gelungen und hebt sich dadurch erkennbar von dem Handlungsfaden ab. Mir hat es so gefallen. Die Charaktere – mit all ihren Stärken und Schwächen - und deren Entwicklung im Laufe des fortschreitenden Romans sind mit ihren persönlichen Unterschieden treffend beschrieben. An der ein oder anderen Stelle habe ich etwas Tiefe vermisst, aber da müsste ich spoilern, um es auszuführen.

Die auf Mallorca angesiedelte Familiengeschichte bietet gute Unterhaltung und Stoff zum Nachdenken. Tessa Henning gelingt es, das schwierige Thema Demenz so in die Geschichte einzubinden, dass es den Unterhaltungswert nicht schmälert, sondern die Handlung bereichert. Dazu kommen noch die Beschreibung der wunderschönen Landschaft rund um Sóller, das macht Lust zum Verreisen. Empfehlenswerte Sommerlektüre.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.07.2021

Fantasiereich und skurril

Flora Salmanteri und die Mini-Piraten Band 1
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Lilli und Mikko sollen zu ihrem Onkel Jim, weil ihre Eltern auf eine längere Dienstreise müssen. Und den Onkel mögen sie überhaupt nicht und er die Kinder auch nicht. Gut, dass es die Nachbarin Flora gibt, ...

Lilli und Mikko sollen zu ihrem Onkel Jim, weil ihre Eltern auf eine längere Dienstreise müssen. Und den Onkel mögen sie überhaupt nicht und er die Kinder auch nicht. Gut, dass es die Nachbarin Flora gibt, mit ihrem extrovertierten Hahn Pedro und dem Ex-Seeräuber Vorsteen: Und so erleben die Kinder ein Abenteuer, wie sie es nicht erwartet hatten.
Das Cover passt sehr gut zu der Geschichte, alle wichtigen Protagonisten sind vertreten. Man muss genau hinschauen, um auch die Mini-Piraten, um die es geht, zu entdecken – witzig gemacht. Das Buch liest sich gut und ist voll von kuriosen Charakteren, sympathischen und weniger sympathischen Leuten. Es passiert ständig etwas in der Geschichte und wird nie langweilig. Dazu die zahlreichen Illustrationen in schwarz-weiß, die gut dazu passen und auch die einzelnen Charaktere unterstreichen.
Und versehen mit einer Prise Magie wird das Buch zu einem fantastischen Erlebnis, welches das (nicht nur) kindliche Vorstellungsvermögen anregt und amüsiert. Fabulierkunst vom Feinsten! Nicht nur die Hauptprotagonisten Lilli und Mikko freuen sich auf den nächsten Aufenthalt bei ihrem Onkel, ein nächstes Abenteuer wartet bestimmt schon. Klare Leseempfehlung für Kinder ab 8 Jahren.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.07.2021

Gut als leichte Urlaubslektüre

Kartoffelbrei mit Stäbchen
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Das Buch hätte mich, nur aufgrund des Covers nicht gereizt, es besitzen zu wollen. Die Leseprobe hatte mich dann neugierig gemacht (und mich zunächst an das Buch von Jan Weiler "Maria, ihm schmeckt's nicht" ...

Das Buch hätte mich, nur aufgrund des Covers nicht gereizt, es besitzen zu wollen. Die Leseprobe hatte mich dann neugierig gemacht (und mich zunächst an das Buch von Jan Weiler "Maria, ihm schmeckt's nicht" erinnert). Jetzt war ich gespannt auf die kulturellen Unterschiede zwischen einer chinesischen und einer deutschen Familie.
Thomas Derksen, der in Shanghai mit seiner Frau (und in Nähe zu ihrer Familie) lebt, erzählt hier von seiner für die deutsche Familie nunmehr dritten, in Deutschland inszenierten, Hochzeit mit seiner Frau und der sich daran anschließenden Hochzeitsreise durch fünf Länder, gemeinsam mit seinen Schwiegereltern. Er hatte das zwar ursprünglich nicht so geplant, aber es hatte sich unausweichlich so ergeben. Der Roman zeigt deutlich autobiographische Züge und liest sich unterhaltsam. Ein Buch, welches man an einem Tag durchlesen kann. Manchmal plätschert die Handlung jedoch auch einfach so hin, ohne dass große Höhepunkte erlebbar werden. Der Autor, der mit beiden Kulturen vertraut ist, arbeitet für mein Dafürhalten etwas zu viel mit Klischees. Sei es, dass seine Mutter alle mit rheinischer Hausmannskost übertrieben heftig bekocht, so dass die chinesischen Mägen an den Rand ihrer Verdau-Kapazität gelangen, oder dass die chinesische Familie (übertrieben?) wild auf Outlets und Shopping-Erlebnisse ist und alles fotografieren und teilen muss, nur damit Freunde und Bekannte daheim übertrumpft werden. Jedenfalls wirkte es so auf mich. Nach den Beschreibungen hätte ich seine chinesischen Schwiegereltern zunächst auch deutlich älter geschätzt.
Empfehlung: wer einfache Unterhaltungslektüre für den Urlaub sucht, kann das Buch ruhig zur Hand nehmen und danach gleich weiterverschenken, ein zweites Mal lesen werde ich es nicht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.07.2021

Zwischen Magie und Mysterium

Catacombia, Band 1: Abstieg in die Tiefe
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Neugierig folgt Sam einer historischen Spur und landet in einer Welt unter der Erdoberfläche. Irgendetwas verbindet Sam mit dieser Stadt und gemeinsam mit Einstein, seinem zugelaufenen Hund, macht er sich ...

Neugierig folgt Sam einer historischen Spur und landet in einer Welt unter der Erdoberfläche. Irgendetwas verbindet Sam mit dieser Stadt und gemeinsam mit Einstein, seinem zugelaufenen Hund, macht er sich auf, das Geheimnis zu erkunden.

Mit dem Buch „Catacombia – Abstieg in die Tiefe“ startet eine neue Fantasy-Reihe der Jugendliteratur. Das Cover ist passend zum Inhalt gestaltet und macht Lust, es in die Hand zu nehmen und aufzuschlagen. Auch wenn ich mich beim Lesen an die Sage um Atlantis oder an die „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ von Jules Verne erinnert fühlte, ist es eine neue, eigenständige Geschichte, die erzählt wird. Die Beschreibungen der unterirdischen Stadt sind gelungen und anschaulich, reizvoll vereint werden alte und futuristische Bauwerke nebeneinandergestellt. Vom Schreibstil her liest es sich flüssig, passend zu einer unbekannten Zivilisation werden auch neue Worte eingeführt, gut verständlich.

Dennoch bin ich nicht vollständig überzeugt. Die Geschichte hätte durchaus spannender angelegt werden können und es gefällt mir nicht, wie über das gesamte Buch hinweg Sam als Neuling „im Regen stehen gelassen wird“. Im wird so gut wie nichts erklärt, er wird trotz seiner Unkenntnis der für ihn fremden Kultur einfach irgendwo hingesteckt und kann sehen, wie er klarkommt. Das passt einfach nicht. Trotz dieses empfundenen Mangels wird man neugierig auf den Folgeband.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere