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Veröffentlicht am 19.04.2019

Die Frauen von Salaga

Die Frauen von Salaga
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Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein: Wurche ist eine Königstochter, Aminah die Tochter eines einfachen Händlers. Doch das Schicksal hat es mit beiden nicht gut gemeint, denn sie werden aus ...

Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein: Wurche ist eine Königstochter, Aminah die Tochter eines einfachen Händlers. Doch das Schicksal hat es mit beiden nicht gut gemeint, denn sie werden aus ihrem Zuhause gerissen. Im Ghana des 19ten Jahrhunderts haben Frauen nicht viel zu melden, egal aus welcher Herkunft.

In letzter Zeit habe ich immer mehr Romane gelesen, deren Handlung in Afrika angesiedelt ist. „Die Frauen von Salaga“ schienen in mein Beuteschema zu passen, und so war ich sehr auf die Lektüre gespannt. Das geschilderte Geschehen ist tragisch, doch die Autorin schafft es überhaupt nicht entsprechende Emotionen bei mir zu wecken. Das lag auch am sehr einfachen Erzählstil; sehr kurze Sätze, alles recht seicht gehalten. Das hat mir ein bisschen die Story vermiest, die ansonsten durchaus Potential gehabt hätte. Aminah fand ich als Hauptfigur etwas gelungener, ihr Charakter ist greifbarer und man kann ihr Denken und Handeln besser nachvollziehen. Wurche ist unnahbar, die Veränderungen, die sie durchläuft fand ich nicht immer stimmig. Ansonsten gab es noch allerlei völlig austauschbare Nebenfiguren, die die Handlung mehr schlecht als recht bevölkert haben. Ich hätte mir außerdem etwas mehr Überblick über gesellschaftliche und historische Hintergründe gewünscht; da mir zu dieser Epoche Infos fehlen, spielte die Geschichte für mich im luftleeren Raum. Stände es nicht im Klappentext, ich wüsste noch nicht einmal wann die Handlung angesiedelt ist. Apropos Klappentext: die angedeutete Liebesgeschichte ist bei weitem nicht so dominierend wie erwartet. Ich fand das gut, wer allerdings eine Lovestory vor historischem Hintergrund erhofft, der wird enttäuscht sein. Insgesamt fand ich „Die Frauen von Salaga“ nicht völlig verkehrt, die Story ist aber doch hinter meinen Erwartungen zurück geblieben.

Veröffentlicht am 13.04.2019

Der Vinyl-Detektiv

Murder Swing
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Vinyl ist sein Leben: den lieben langen Tag seltene LPs in staubigen Flohmarktkisten, Nachlässen, dem Internet aufstöbern, aufhübschen und die Musik genießen. Der namenlose Vinyl-Detektiv hat sein Hobby ...

Vinyl ist sein Leben: den lieben langen Tag seltene LPs in staubigen Flohmarktkisten, Nachlässen, dem Internet aufstöbern, aufhübschen und die Musik genießen. Der namenlose Vinyl-Detektiv hat sein Hobby zum Beruf gemacht und lebt eigentlich vom Verkauf seiner Schätze. Bis eine Kundin die Bezeichnung Detektiv ernst nimmt, und ihn auf die Suche nach einer besonders seltenen Platte schickt. Eine Suche, die über Leichen geht.

Andrew Cartmel hat etwas geschafft, was mir in den letzten Lesemonaten nicht mehr passiert ist: er hat mich so sehr mit seiner Story gefesselt, das ich sie einfach in einem Rutsch durchlesen musste. Das lag zum einen an seiner tollen Hauptfigur. Der namenlose Musikliebhaber war mir grundsympathisch in seiner Vernarrtheit (ein bisschen fühlte ich mich an Rob aus High Fidelity erinnert). Die Leidenschaft für sein Hobby springt auf den Leser über, ob der will oder nicht. Ich wollte. Wollte mit dem Detektiv in Kisten wühlen, mit ihm über Plattenspieler und Tonaufnahmen fachsimpeln, mit ihm durchs Wohnzimmer marschieren, auf der Suche nach dem perfekten Hörerlebnis. Die Begeisterung steckt einfach an. Doch nicht nur musikalisch kommt man als Leser auf seine Kosten, sondern auch der „Fall“ der verschollenen LP sorgt für Spannung und mehr als kurzweilige Lesestunden. Erzählt wird auf einer sehr unterhaltsame Art und Weise, Cartmel trifft mit seinem Humor bei mir ins Schwarze. Sein Witz ist nie platt sondern fein dosiert, manchmal slapstickhaft, manchmal sehr schwarzhumorig. Ich habe viel gelacht, viel gelernt und mich großartig unterhalten. Mit dem Vinyl-Detektiv würde ich jederzeit wieder meine Lesestunden verbringen wollen.

Veröffentlicht am 08.04.2019

Golden Cage

Golden Cage. Trau ihm nicht. Trau niemandem. (Golden Cage 1)
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Einst hat sich Matilda alias Faye neu erfunden: den Dorfcharme der eigenen Herkunft hinter sich gelassen, das verhasste Elternhaus, die eigene Unsicherheit. In Stockholm blüht sie auf, geht auf die Handelsschule ...

Einst hat sich Matilda alias Faye neu erfunden: den Dorfcharme der eigenen Herkunft hinter sich gelassen, das verhasste Elternhaus, die eigene Unsicherheit. In Stockholm blüht sie auf, geht auf die Handelsschule und trifft bald schon den Mann ihres Lebens: Jake. Doch ist er wirklich ein Traummann?

Camilla Läckberg zeigt in ihrem neuen Roman, was sich hinter der Fassade einer vermeintlich glücklichen Familie verstecken kann. Obwohl sie eigentlich alles hat, merkt man als Leser schnell was in Fayes selbstgewähltem goldenen Käfig fehlt: echte Liebe, Menschlichkeit, Selbstvertrauen. Man erlebt in Fayes Alltag jede kleine Erniedrigung, spürt den psychologischen Druck, der auf ihr lastet. Die Autorin schildert das alles schonungslos; auch wenn man Fayes Verhalten verurteilt, man ihr die Augen öffnen will, kann man doch verstehen warum sie so handelt wie sie handelt. Gerade in der ersten Hälfte des Buches war ich von diesem Szenario an die Seiten gefesselt. Danach hat die Handlung für mich etwas an Reiz verloren, v.a. weil einige Szenen doch etwas hanebüchen waren, und Faye dann doch einiges in den Schoß fällt. Trotzdem habe ich ihren Rachefeldzug gerne verfolgt, denn die Autorin hat einen tollen Erzählstil und sorgt immer für reichlich Spannung. Ein interessanter Spannungsroman, den ich gerne gelesen habe.

Veröffentlicht am 07.04.2019

Platt, dafür überlang und unfreiwillig komisch

Das Verschwinden der Stephanie Mailer
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Einst sind in Orphea am Premierenabend des Theaterfestivals vier Menschen ermordet worden. Der Fall scheint geklärt, doch 20 Jahre nach dem Verbrechen ist Journalistin Stephanie Mailer dabei den Fall wieder ...

Einst sind in Orphea am Premierenabend des Theaterfestivals vier Menschen ermordet worden. Der Fall scheint geklärt, doch 20 Jahre nach dem Verbrechen ist Journalistin Stephanie Mailer dabei den Fall wieder unter die Lupe zu nehmen. Doch bevor sie ihre Enthüllungen erklären kann, verschwindet sie selbst. Rosenberg und Scott, die einst den Vierfachmord aufgeklärt hatten, machen sich nun auf, Stephanies Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Ich möchte mal mit einem Zitat einsteigen, das ziemlich genau mein Lesegefühl wiedergibt: „Wie lange bleiben wir denn noch in diesem Scheißkaff?“ „Keine Ahnung. So lange wie nötig.“
Der Autor hält einen Aufenthalt von fast 700 Seiten offensichtlich für sehr nötig. Ich nicht. Schon nach kurzer Zeit wollte ich nur noch weg aus Orphea. Weg von den beschränkten Bewohnern, allen voran sämtlichen Polizisten, Ermittlern, Detektiven etc. Der Klappentext spricht von Ermittlungen „mit größter Sorgfalt“, das scheint mir ein Druckfehler zu sein; ermittelt haben die Polizisten schon, ob nun 1994 oder 2014, besonders clever oder auch nur sorgfältig arbeiten sie nicht. Dafür herrscht aber auf dem Revier Vetternwirtschaft, Sexismus und allgemein eine Stimmung, die mich an Kleinkinder erinnert hat, die sich im Sandkasten gegenseitig eins mit der Schippe überziehen. Manchmal fand ich das witzig; aber eben halt nur so lange bis klar war, dass der Autor sicherlich keine so aberwitzige Story schreiben wollte. Die Handlung wirkt verdammt oft an den Haaren herbeigezogen und künstlich aufgebauscht. Die dabei entstehenden Probleme sind jedoch oft entweder zum Kopfschütteln weil derart banal, oder extrem klischeebeladen. Dazu erzählt Dicker in ziemlich platten Sätzen, noch plätteren Dialogen und hat anscheinend nicht verstanden, dass Stilmittel (wie z.B. Rückblenden) wohldosiert eingesetzt werden müssen, damit der Leser nicht vollends genervt ist. Manche Passagen haben mir gut gefallen, ich mochte Stephanie (die ja leider viel zu schnell verschwindet) und auch den völlig überzeichneten Regisseur des Theaters. Ab und an hat sich sogar eine Prise Spannung in die Handlung verirrt. Doch insgesamt fühlte ich mich – und auch das ist wieder ein Zitat – wie „in so einem Stück für Volldeppen.“

Veröffentlicht am 06.04.2019

Tief im Spessart

Zornfried
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Ein hochtrabendes Gedicht ist der Auslöser für eine Reportagereise in den tiefsten Spessart: Jan arbeitet als freier Journalist für eine Frankfurter Zeitung und ist von den Gedichtzeilen Storm Linnés sofort ...

Ein hochtrabendes Gedicht ist der Auslöser für eine Reportagereise in den tiefsten Spessart: Jan arbeitet als freier Journalist für eine Frankfurter Zeitung und ist von den Gedichtzeilen Storm Linnés sofort wie elektrisiert. Nicht weil die besonders poetisch wären, sondern weil von Ruhm, Ehre und Kampf fürs Vaterland die Rede ist. In einem Ton, der auch Nazideutschland gut gefallen hätte. Wer ist dieser Storm Linné und was treibt er auf Zornfried, einer altehrwürdigen Burg mitten im Wald? Jan wittert eine gute Story.

Ich weiß, dass Zornfried sich als Satire verstanden wissen will; manchmal klappt das auch, aber nicht immer. Die Faszination der Neonazis für die guten, alten Werte, die geschichtsträchtige Burg, die regionalen Erzeugnisse und natürlich allem voran der unendlich verehrte Dichter wird mir eine Spur zu unreflektiert dargestellt; die Abgrenzung zwischen echter Begeisterung und Satire nicht gut genug herausgearbeitet. Das liegt auch daran, dass die Hauptfigur irgendwie meinungslos zwischen den Rechten steht, man liest wenig Provokantes, Brock sucht kaum die Konfrontation, also eigentlich das, was ich mir von der Handlung erwartet habe. So wurschteln die Neonazis auf ihrer Burg vor sich hin, Linné dichtet wie verrückt (dessen Werke sind dafür mehr als ausufernd abgedruckt), und ich habe mich als Leser mehr als einmal gefragt, was mir dieses Buch sagen will. Unterm Strich bleibt Enttäuschung zurück, da das Potential für Provokation und eiskalte Satire gegeben war – nur eben nicht genutzt wurde.