Alles hat seinen Preis …
das muss auch Genevieve Magâme auf die harte Tour lernen.
„Play of Hearts“ ist der erste Teil einer romantisch-magischen Geschichte von Juli Dorne, in der nicht nur die Protagonistin, ...
Alles hat seinen Preis …
das muss auch Genevieve Magâme auf die harte Tour lernen.
„Play of Hearts“ ist der erste Teil einer romantisch-magischen Geschichte von Juli Dorne, in der nicht nur die Protagonistin, sondern auch die LeserInnen mehrfach vor die Frage gestellt werden, was wahr ist und was Illusion …
Erzählt wird aus der Sicht von Genevieve Magâme, die seit ihrer Kindheit verflucht ist – ein Fluch, der einer Tragödie gleichkommt, einer Bürde, so unermesslich schwer. Denn Evies Berührung bringt den Tod.
Als kleines Mädchen wollte sie nichts mehr als einen Freund, denn die Menschen ihrer Heimat mieden die Familie Magâme. Dass die damals sechsjährige im Spiegelkabinett ihrer Großmutter einen Deal eingeht, hoffnungsvoll, dessen Folgen sie damals, in kindlicher Verzweiflung, nicht greifen konnte, brachte Evie ein Leben in Einsamkeit, in Isolation.
Mehr als ein Jahrzehnt sollte vergehen, bis sie auf Arthur trifft. Ihre große Liebe – den Menschen, der bereit ist, Genevieve, allen Warnungen zum Trotz, die Vorsicht in den Wind schießend, zurück zu lieben. Und dafür einen Preis bezahlt, den Evie nicht akzeptieren will … Nur die Hauptattraktion eines berüchtigten, mystischen Zirkus kann ihr jetzt noch helfen.
Doch ist Rémi gewillt, eine junge Liebe zu retten?
„Play of Hearts“ beginnt eher ruhig und gemächlich, was es der Leserschaft ermöglicht, die Protagonistin und ihre Situation samt den Gegebenheiten kennenzulernen. Folgt der erste Teil einer gewissen greifbaren Struktur, verliert sich diese im Verlauf, was das Geschehen insgesamt ein wenig verzehrt. In Kombination mit den zahlreichen Illusionen, die das Setting mit sich bringt, fragwürdigen Figuren und Ungereimtheiten wirkte die Storyline des Öfteren verwirrend. Nichtsdestotrotz ist der Stil der Autorin ein gekonnter Mix aus verträumt und klar, Ton und Idee waren durchweg mitreißend, wenn Genevieve auch sehr naiv und kindlich erscheint. Fantasy-Elemente und Wesen sorgen zwar für magische Momente, doch aufgrund eines lückenhaften Worldbuildings und vielen, bis zum Schluss ungeklärten Fragen konnten mich auch diese nicht zu 100 % überzeugen – das ändert nichts daran, dass Juli Dorne eine Geschichte konzipierte, die zum Miträtseln animiert, deren Geheimnisse unbedingt aufgeklärt werden wollen.
Im Gegensatz zu Arthur fand ich Rémi interessant. Unbeliebt, abweisend und distanziert war es schön, langsam hinter seine Fassade zu dringen, ihn und seine Gefühle zu verstehen.
Ein großer Pluspunkt ist Evies deutliche Entwicklung, die zwar Zeit braucht, daher aber authentisch ist. Und auch das Kennenlernen mit Enif, Atlas und Co, mit ihren Leben und Eigenheiten, sorgt nicht nur für ein gewisses Mehr an Tiefe, sondern gibt auch dem Found-Family-Trope Kontur, der Dynamik des Zirkus Wärme. Gleichermaßen gewagt wie überraschend empfand ich die sich anbahnende Dreiecks-Love – angefüllt mit Zweifeln und Wanken brachte diese Spannungen mit sich.
Der Verlauf selbst wankt zwischen Höhen und Tiefen, Realität und Fiktion, schafft es aber, zu unterhalten.
Band eins des „The Hearts Duett“ endet vorhersehbar, doch auf eine Weise, die das Finale unabdingbar werden lässt.
„Truly Forbidden“ hat mich auf mehreren Ebenen überrascht – beginnend bei dem Genre, denn es handelt sich nicht, wie durch diverse Social-Media-Auftritte behauptet und durch das Cover vermutet, um eine ...
„Truly Forbidden“ hat mich auf mehreren Ebenen überrascht – beginnend bei dem Genre, denn es handelt sich nicht, wie durch diverse Social-Media-Auftritte behauptet und durch das Cover vermutet, um eine Dark Romance (geschweige denn um eine Romantasy xD).
Vor fünf Jahren verließ Calla Livitin ihre Heimatstadt, um in New York zu studieren. Ein Fauxpas kurz vor ihrer Abreise und all die mit Staindrop verbundenen Erinnerungen machten es ihr unmöglich, zurückzukehren. Bis sie ihrem Vater die letzte Ehre erweisen und für ein paar Wochen ihrer Mutter zur Seite stehen will. Dass eine Begegnung mit ihrer ehemals besten Freundin und ein Aufeinandertreffen mit Ambrose nicht lange auf sich warten lassen, hindert die Kellnerin nicht an ihrem Plan, zu bleiben. Doch Dot braucht dringend einen Job. Und in Rows 3 Sternerestaurant, dem von den BewohnerInnen abgelehnten Projekt des einstigen Lieblings, wird dringend Personal gebraucht.
Aber Ambrose würde lieber auf dem Mars wohnen als das Mädchen, dem er einst die Unschuld nahm, für die er damals alles aufgeben wollte, hätte sie ihn nur gebeten, zu bleiben, heute eine Frau, in seiner unmittelbaren Nähe zu dulden … Eigentlich.
Denn Row ist noch immer Row und Cal … ist noch immer die tollpatschige, unbeholfene, schrullige Kindheitsfreundin seiner Schwester …
Shen bediente sich skurriler Situationen und unglaublich witziger Wortgefechte, die direkt aus einer RomCom stammen könnten. Zudem finden sich die Tropes „Smalltown“, „Brothers-best-friend“, „First-Love“, „GrumpyxSunshine“ & „Second-Chance“. Auch die sehr spezielle Charakterzeichnung sorgt einerseits für viel Humor und pure Unterhaltung, einen gewissen Wohlfühlfaktor, andererseits für rührende, schockierende Momente:
L. J. Shen
Calla Livitin wirkt wie eine lebensfrohe, übersprudelnde und selbstbewusste junge Frau, die Sinn für Humor und Peinlichkeiten hat. Doch als Kind einer Einwandererfamilie, die ihr Erbe stolz in die Kleinstadt trug, hatte Dot eine schwere Kindheit samt Jugend, die einzig durch ihre Eltern und die Casablancas erträglich wurde. Mobbing, Misshandlung und Missbrauch lehrten sie, niemandem zu vertrauen, vor allem keinen Männern, förderten ihre nervösen Ticks, begünstigten eine Sozial- sowie Androphobie. Auch nachdem sie – gedemütigt und Dylan beraubt – ihrer Heimat den Rücken gekehrt hatte, konnte sie sich nicht von dem Einfluss ihrer Vergangenheit lösen. Nur McMonster, einem Gesichtslosen, den sie im Forum für Menschen mit Angst vor Männern kennenlernte, gibt ihr Halt.
Nun, wieder hier, ist es der People-Pleaserin ein Bedürfnis, zu helfen, doch um gegen Ungerechtigkeiten und Intrigen, die die Stadt beherrschen, aktiv vorgehen zu können, muss sich Dot erst ihrem eigenen Trauma entgegenstellen. Und dann … dann kann sie vielleicht aus ihrem Traum, für den sie in Staindrop genügend Futter bekommt, Realität machen, den letzten Wunsch ihres Vaters erfüllen und Liebe zulassen.
Row hat sich seinen Erfolg und seinen Ruf hart erarbeitet, verschaffte sich weltweit mit der Kombination aus direktem Arschl*chverhalten, Geschäftssinn und seinem Talent für die Gourmetküche Respekt. Das ‚Descartes' sollte der verarmten, festgefahrenen Einwohnerschaft von Staindrop zu Aufmerksamkeit und Wachstum verhelfen, doch seine Pläne sorgen für brodelnden Unmut. Für Hassmails, Vandalismus und Stalking. Aber Ambrose Casablancas kümmert das nicht. Denn sobald das neue Jahr anbricht, wird er nach London aufbrechen und seine Karriere vorantreiben … Wäre es nur nicht so schwer, Dot jeden Tag zu sehen, sich gegen das zu wehren, was unausweichlich ist. Die Versuche, nicht mehr in der exzentrischen Frau zu sehen als einen One-Night-Stand, den er nie vergessen konnte, als ein unverbindliches Abenteuer, kommen ihm, seiner Gefühlskälte, in die Quere und bringen alles durcheinander … Perfektes Chaos.
Es gibt so viel über die Figuren zu sagen, die so unglaublich authentisch und echt gezeichnet wurden, dass es mir schwerfiel, sie ziehen zu lassen. Denn vor allem die Protagonisten sind absolute Herzmenschen!
L. J. Shen baut ihre Storyline nach und nach auf, lässt uns die Gegebenheiten, die Konflikte und die Stimmung – sowohl zwischen einzelnen Parteien als auch innerhalb der Kleinstadt – ergründen und gewährt uns intensive und detaillierte Einblicke in Dot & Row. Dass nicht nur Cal kämpft – mit der Trauer um ihren Vater, ihrer Perspektivlosigkeit und einer tragischen Vergangenheit inkl. schwerem, fest verankertem Trauma –, sondern auch Ambroses defensive Einstellung und sein unfreundliches Verhalten einen unerwarteten, schrecklichen Ursprung haben, lässt die Art des erfolgreichen Kochs nachvollziehbar werden, weckt Mitgefühl und den Drang, beide in Umarmungen zu hüllen.
So bemüht distanziert und erzwungen das „erwachsene“ Miteinander zwischen ihnen begann, so ehrlich, innig und explosiv wandelt sich diese Dynamik, die für Seufzer, Herzklopfen und „Ich will das auch!“ sorgt. Es war wunderschön, ein stetiges Auf und Ab, wankelmütig, total witzig und sehr emotional. Denn Row ist so viel mehr und Cal so voller Angst …
In „Truly Forbidden“ treffen wir auf weitere, die Handlung bereichernde Figuren – Dylan, die ebenfalls eine Ladung Probleme mit sich trägt und dennoch eine wunderbare, forsche beste Freundin ist, die man selbst in seinem Leben will. Rhyland – Rows „bester Freund“ und ein Charmeur, Kieran und die coolen Mütter der Hauptakteure. Auch Personen, die zwielichtiger nicht sein könnten, finden sich in der Kleinstadt.
Shens Stil ist wie gewohnt direkt, gefühlvoll und malerisch. Sowohl das Setting als auch die Charaktere und der Verlauf kamen bildreich und atmosphärisch zur Geltung, die melancholischen Aspekte überschatteten nie die Leichtigkeit. Es gab Schmerz, Tränen und Erleichterung, Wahrheiten, die die Kraft haben, einen Menschen zu zerbrechen, Wege, die nur noch, mutig, gegangen werden müssen, kraftvolle Aussagen und so vieles, das mich tief bewegt hat.
Die Intentionen und Zweifel des Einzelnen wurden nahbar dargelegt – auch jene derer, die kein Verständnis verdienten. Callas und Rows gewaltiges Wachstum, sowohl miteinander als auch jedeR für sich, ist reich an Abwechslung, Höhen und Tiefen.
Ein Genuss.
Der augenscheinlich recht üppige, jedoch von Anfang an mitreißende Verlauf besteht aus wichtigen, sensiblen Themen, Gänsehautmomenten, Heartbreaking-Vibes und Cozy-Feels; aus spannenden, temporeichen und überraschenden Ereignissen, aus Romantik, Witz und Spice. Wir finden ebenso viele anrüchige wie bizarre Gedanken, etliche Fragen, die nach und nach beantwortet werden, ergreifende Offenbarungen und Ängste, die so tief sitzen, dass sie alles Gute, jeden Funken Glück von sich stoßen …
Doch für Ambrose Casablanca gibt es nur alles oder nichts – wofür wird sich Calla Livitin entscheiden, wenn die Angst in ihren Knochen sitzt?
Fazit: Ich kann euch allen diese herzerwärmende, einheizende, unterhaltsame und definitiv nicht darke Romance sowas von empfehlen. Vorsicht: Suchtgefahr!
Anm.: Im Buch finden sich einige Fehler in Form von vergessenen/falschen Worten.
Die Nacht ihres 25. Geburtstags wird Vida Torres niemals vergessen, was nicht zuletzt daran liegt, dass sie in dieser nur knapp einem Übergriff entkommen ist. Auch ihr Retter – Krystian Mazur, widersprüchlich ...
Die Nacht ihres 25. Geburtstags wird Vida Torres niemals vergessen, was nicht zuletzt daran liegt, dass sie in dieser nur knapp einem Übergriff entkommen ist. Auch ihr Retter – Krystian Mazur, widersprüchlich in seinem Auftreten und seinen Handlungen, trägt dazu bei, dass sie sich immer an diesen Abend erinnern wird. Der Schock über das, was hätte passieren können, und die Irritation darüber, dass sie samt mordsmäßigem Kater und Filmriss gerade im Bett jenes Eisprinzen aufwacht, der Vida wenige Stunden zuvor schroff abgewiesen, jedoch stets beobachtet hat, hallen noch lange in der Calltakerin nach. Und während sich ein Funke Hoffnung in ihr daran klammert, dass er trotz Unstimmigkeiten der Gute in ihrer Geschichte ist, ist Krystian, allen Versuchen, Vida zu vergessen, bereits verloren…
Erzählt wird hauptsächlich aus Vidas Sicht. Zwischendurch mischen sich zwar Krys’ Gedanken und Empfindungen ein, die machen es aber nicht leichter, den Schmuckdesigner zu greifen und zu durchschauen. Zusätzlich wird die Romance von einer Perspektive gespickt, die 5 Jahre zurückliegt und eine verletzte Teenagerin zeigt, die sich nach und nach veränderte, düsterer wurde, weniger. Je besser Vida ihre Zufallsbekanntschaft kennenlernt, je mehr sie sich auf den wechselhaften Mann einlässt, umso inniger und intensiver wird ihr Verhältnis. Trotz der Gewissheit, dass Krystian etwas verheimlicht, dass ihn etwas belastet, kann sie sich der Anziehung, seiner aufmerksamen, liebenswerten Art, nicht verwehren. Doch wird ihr Herz noch immer höher schlagen, wenn sie sein Geheimnis kennt?
Franci Edens Stil war hervorragend, oft humorvoll und durchweg authentisch. Es war leicht, sich in die Story, die mit allerhand kleinen Details gespickt war, fallen zu lassen, Vidas Zweifel zu teilen, sich in Krys zu verlieben und zeitgleich auf den Knall zu warten, der alles zusammenbrechen lässt… Vida, gezeichnet von ihrer letzten Beziehung, ist ebenso stark und taff wie gemütlich und rücksichtsvoll. Sie hat einen Hang zu Zucker und Kaffee und kann kitschigen Liebesromanen nur wenig abgewinnen – im Gegensatz zu Kry. Sie ist das Chaos in seiner ordentlich-sauberen Welt, die einzige, die an seiner Beherrschung kratzt, gegen die er sich wehren sollte…
Wenn der männliche Loveinterest auch einer angespannten Greenflag gleichkommt, schafft es Eden doch, dass ein unbekannter Haken groß aufleuchtet, der Grund für Krystians Verhalten, für die Dinge, die nicht passen.
Die Atmosphäre ist ziemlich oft cozy, romantisch und soft. Hauptsächlich sind es Clarisses Worte, die für eine ungute Vorahnung sorgen, Fragen aufwerfen, die eine Antwort verlangen. Zwar sind kleinere Spannungselemente in der Geschichte verstreut, das Wissen um etwas Verborgenes, vielleicht Gefährliches, und ein Schwall Misstrauen, jedoch empfand ich die Inszenierung für eine Romance-Suspense als schwach – mir fehlte es großflächig an Spannung(en), Beklemmung und signifikanten Ereignissen.
Versteht mich nicht falsch: „Say my Name“ liest sich wirklich klasse, die Kapitel sind recht kurz, was die Story insgesamt flott vorantreibt, es gibt Witz, Spice und die Autorin spricht zahlreiche wichtige Punkte an, u.A. (Cyber)Mobbing, psychischen und physischen Missbrauch, Stalking und K.-o.-Tropfen. Die wechselnden Perspektiven wurden stimmig platziert, die Protagonistin sehr nahbar ausgearbeitet und Sam und Alec, zwei Freunde, die wünschenswert sind, bereichern den Verlauf ungemein. Dennoch fiel es mir aufgrund des Mangels an Höhepunkten und Geschehnissen schwer, interessiert zu bleiben, weswegen ich auch deutlich länger gebraucht habe, dieses Buch zu beenden, als für mich üblich. So gut der Stil von Eden ist, so häufig dümpelt der Verlauf, der bei knapp 500 Seiten nicht allzu kurz ist, gemütlich vor sich hin.
Gegen Ende nimmt die Handlung gezielt Fahrt auf, Fäden verbinden sich, Wahrheiten und Erkenntnisse überraschen und tauchen alles, was geschah, in ein anderes Licht. …
Fazit: „Say my Name“ ist durchaus eine empfehlenswerte Romance, die echte Probleme behandelt und eine häufig unterhaltsame Geschichte erzählt. Jedoch wurde meine Erwartung an den Suspense-Faktor in keiner Weise erfüllt.
Eine Göttin, die einst alles Leben erschaffen hat – und verraten wurde.
Vier Reiche, regiert von verfluchten Dynastien.
Eine junge Frau, deren Bestimmung es ist, Generationen zu befreien.
Doch wie, wenn ...
Eine Göttin, die einst alles Leben erschaffen hat – und verraten wurde.
Vier Reiche, regiert von verfluchten Dynastien.
Eine junge Frau, deren Bestimmung es ist, Generationen zu befreien.
Doch wie, wenn niemand die Wahrheit kennt?
„𝐓𝐡𝐞 𝐇𝐚𝐥𝐟 𝐊𝐢𝐧𝐠“ ist ein abenteuerlicher Fantasy-Roman, für den eine interessante, von fanatischem Glauben und Intrigen durchzogene Welt erbaut wurde.
Nur noch drei Monde trennen Cerise von ihrem zwanzigsten Lebensjahr – nur noch diese kurze Zeitspanne bleibt der Seherin in Ausbildung, um endlich ihre Fähigkeiten als Orakel zur Schau zu stellen. Alles anrufen der Großen Göttin, alles Training blieb bisher erfolglos – sollten sich ihre Kräfte nicht zeigen, wartet auf Cerise ein Leben als unbegabte Zweitgeborene. Als eine seltene Offenbarung die Ehrwürdige Mutter ereilt, ändert sich Cerises Weg: Statt auf ihre erste Vision zu warten, wird sie als neue Tempelbotschafterin nach Mortara gesandt. Mit der ungesagten Bürde, die Flüche zu brechen und das tragische Schicksal der Adeligen und Erstgeborenen der vier Dynastien zu wenden.
Neben Verpflichtung und Ehre kommen Cerise mit dem Aufbruch in die Fremde Zweifel: Denn hier, im Tempel, lag ihr Lebensmittelpunkt – ihre Vergangenheit, Gegenwart und ihre Zukunft. Was, wenn sie dieser gewaltigen Aufgabe, der Rolle als »Gesegnetes Orakel«, nicht gerecht wird?
Melissa Landers führt uns in eine Welt des Glaubens und der Buße, verflucht und verdammt. Die Reiche Solon, Petros, Calatris und Mortara sind geprägt von Religion und (politischen) Konflikten. Die Verehrung der Göttin und die Furcht vor (ihren) Strafen sind allgegenwärtig. Gleichzeitig wird durch TempeldienerInnen und Priester das Bild einer Frau gezeichnet, die es zu unterdrücken, zu vernichten gilt. Dementsprechend finden sich F*natismus und ideologische Züge in der Handlung – vor allem nimmt sich die Autorin Zeit, um Glauben, bedingungslose Verehrung und die durch den Menschen selbst geschaffenen Regeln und Richtlinien gekonnt zu hinterfragen und zum Nachdenken anzuregen. Diese Aspekte wurden durch klare Hierarchien und Ideologien unterstrichen. Vielen Elementen und Themen haftet eine gewisse Originalität an, waren faszinierend und auf verständliche Weise inszeniert. Stilistisch zieht uns ein angemessener Ton, detailreiche und einfühlsame Beschreibungen in das Geschehen, in dem das System, die Magie sowie der „Ursprung“ der Flüche und die verschiedenen Schicksale interessant dargelegt wurden.
Kaum in ihrem neuen Zuhause angekommen, bestrebt, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um ihre Pflichten zu erfüllen, bekommt Cerise einen Vorgeschmack von Ungerechtigkeit und Hinterlist, wird Teil von Anschlägen und spürt den Hass, der König Kian zuteilwird. Dabei ist sein Los ein hartes und sein Tod nah. Mit diesem wird der Thron der Mortara-Dynastie zum ersten Mal unbesetzt sein – die Konsequenzen? Verheerend.
Bei ihrer Recherche stößt Cerise auf ein von Shiera selbst verborgenes und geschütztes Artefakt, welches die Lösung all ihrer Probleme sein könnte. Doch es hat einen Grund, wieso bisher niemand das Petrus-Schwert erringen konnte. Gemeinsam mit Nero, Kian, Daerick, Vater Padron, General Petros und dem wundersamen Welpen Blue macht sich die Botschafterin auf den Weg. Zeit und Druck, die unberechenbaren Gefahren im Nacken … Als das Ziel zum Greifen nah, Cerise bereit ist, ihre vermeintliche Bestimmung zu erfüllen und Hoffnung durch die Lande pulsiert – bleibt die Frage, wie viele Rückschläge und Wahrheiten die junge Frau noch ertragen kann. Wie viele Lügen in ein Leben passen?
Abgesehen von Cerise, die trotz ihrer einengenden, richtungsweisenden Erziehung nicht auf den Kopf gefallen, frei in ihrem Denken ist und sich mehrfach behauptet, wurden vor allem ihre Mitreisenden ausreichend, teilweise greifbar, teilweise undurchschaubar ausgearbeitet. Die Suche ist beschwerlich, hält Hürden bereit und vermittelt Cerise doch das lang ersehnte Gefühl von Zugehörigkeit, führt sie näher zu sich selbst und gibt ihr Antworten. Zugleich verfestigt sich ihre Beziehung mit dem verfluchten König. War der Wechsel von kalt zu heiß abrupt und schwer zu fassen, gab es später etliche innige, echte Momente. Lediglich die gewählte Darstellung der körperlichen Szenen empfand ich als unpassend – dabei entging mir Landers Ziel, die gepredigte Enthaltsamkeit/die Verteufelung von und die „Beschmutzung“ durch Intimitäten kritisch zu beäugen, nicht.
„The Half King“ ist ein spannender Fantasy-Roman, in dem Unterhaltung, Stärke und Romantik nicht zu kurz kommen. Tiefere Themen – u.A. Verfolgung von „Minderheiten/Anomalien“, Unterdrückung der Frau, Manipulation und Selbstverletzung –, Ereignisse, echte Emotionen und Informationen halten sich angenehm die Waage. Hinzu kommen Verzweiflung, Verluste, Verrat und etliche Twists, begründet in sinnigen, unerwarteten Offenbarungen und Einblicken. Die geschaffene Mythologie, Cerises Besonderheiten und ein stetiges Misstrauen sorgen für eine geheimnisvolle Atmosphäre, während Zeitdruck und Gefahren die Storyline vorantreiben. Zwar wird in diesem Buch nicht alles zur Gänze abgeschlossen, jedoch ist es hauptsächlich der Epilog, der auf eine Fortsetzung hindeuten lässt. Wir dürfen gespannt sein – bis dahin gibt's eine Leseempfehlung!
„The Last Bookstore on Earth“ ist das Debüt von Lily Braun-Arnold und entführt uns in ein postapokalyptisches Szenario, in eine Welt, die durch unberechenbare Wetterphänomene zerstört wurde, in der die ...
„The Last Bookstore on Earth“ ist das Debüt von Lily Braun-Arnold und entführt uns in ein postapokalyptisches Szenario, in eine Welt, die durch unberechenbare Wetterphänomene zerstört wurde, in der die wenigen Überlebenden bereit sind zu tun, was getan werden muss … Ausgenommen der 17-jährigen Elizabeth, die sich seit dem „Sturm“ in einer Buchhandlung verbarrikadiert, hin und wieder mit BesucherInnen Literatur oder ihren „Post-Service“ gegen Nahrung und potenziell nützliche Sachen tauscht.
Seit Eva aufgebrochen ist, um eigene Wege zu gehen, ist Liz allein, hat sich eine Routine geschaffen, einen fragilen Safe-Place, den sie nicht aufgeben will. Bis eine ungehobelte Einbrecherin ihren Alltag durcheinander und neben Diskussionen und Konflikten auch Gefahren mit sich bringt. Und ein längst vergessenes Gefühl von Gemeinsam in Liz weckt …
Doch der nächste „Sturm“ wird kommen – egal, ob die marode Bleibe einer neuerlichen Welle ätzenden Regens und wütendem Unwetter standhalten kann.
„Wir schreiben über uns. Wir schreiben alles auf. Wir schreiben, bis alles andere verschwindet, nur für den Fall, dass wir es auch tun.“
Vorab: Das Konzept Dystopie wurde hier nicht konsequent durchgezogen, der Verlauf ist größtenteils eher unspektakulär, gar langsam und geizt an für die Storyline zuträglichen Informationen. Eine »atemberaubende Thrilleratmosphäre« fand ich hinter dem wunderschönen Cover ebenso wenig wie eine »berührende Liebesgeschichte«.
Erzählt wird einzig von Elizabeth – naiv und unbeholfen, bedacht darauf, weder mit Gewohnheiten zu brechen, noch ihre moralischen Grenzen der neuen Realität anzupassen. Kurz: wie sie bisher überlebte, vor Maeves eindringen, bleibt fraglich. Liz lebte in den Tag hinein, klammert sich an die Hoffnung „Alles wird sich fügen“, hat im letzten Jahr keinen Gedanken an Wasser und Nahrung – das Wegfallen von beiden – verschwendet und die Reparaturen am Gebäude? Pah! Erst ihre neue Mitbewohnerin rückt all das, das Überleben, in den Vordergrund.
Trotz der harschen, distanzierten Fassade, der Tatsache, dass Maeve „Dinge“ getan und Geheimnisse hat, ist ihre Verletzlichkeit, ihre Erschöpfung zu spüren. Genau wie jene Müdigkeit von Elizabeth. Während die eine versucht, mit Härte und Arbeit gegen Erinnerungen und Gedanken anzukommen, flüchtet sich die andere zwischen Buchdeckeln, schreibt über die, die ihr Heim aufsuchten. Je mehr Tage vergehen, umso näher rücken die zwei unterschiedlichen Mädchen zusammen. Dabei hat sich Liz geschworen, niemals wieder einen anderen zu brauchen, haben sie doch bisher alle verlassen …
Und vielleicht sollte sie wirklich keiner Fremden vertrauen.
„The Last Bookstore on Earth“ basiert auf einer originellen Idee, deren Potenzial leider kaum angerührt wurde. Sowohl die Katastrophe selbst als auch die Figuren und das „davor“ werden auf eine Art oberflächlich behandelt, die es schwer macht, mitzufiebern -und zufühlen. Anekdoten und weitere Erinnerungen, die die gegenwärtige Handlung rege unterbrechen, minimieren zusätzlich das Vorankommen und die Spannung; auch die Kapitel, die uns in die Monate vor den ersten „Sturm“ führen, sind nur bedingt relevant, jedoch zumindest so aufschlussreich, dass wir einen Eindruck von Liz’ familiärer, angespannter Situation bekommen und uns gewahr werden, dass die Menschen wussten, dass sie ahnten, das etwas Zerstörerisches kommen wird.
Da weder Elektrizität noch technische Errungenschaften vorhanden bzw. funktionsfähig sind, und wir lediglich durch Liz, die in New Jersey lebt(e), und durch Maeve, die aus New York stammt, einen Eindruck von den Ausmaßen der Naturkatastrophe bekommen, bleibt fraglich, wie es um andere Kontinente steht. Wirkt dieser Umstand frustrierend und lückenhaft, ist er doch logisch. Dennoch fehlte mir „mehr“ – über die Ursachen und Auswirkungen, über Empfehlungen und Maßnahmen der Obigen – solche Informationen hätten die Rückblenden aufgewertet und dem Szenario Tiefe verliehen.
Die beiden Hauptfiguren, ihre jetzigen Versionen, wurden hingegen nahbar ausgearbeitet, ihre freundschaftliche Entwicklung war oft humorvoll und stellenweise herzerwärmend. Obgleich es zwischen Maeve und Liz leise knistert, sind romantische Empfindungen nur zu erahnen.
In den letzten Kapiteln steigt das Tempo signifikant an, die Zeit läuft, die Gefahren sind zu nah – es wird emotional und mitreißend. Bis ein – mMn – unbefriedigendes, zu schnelles Ende die Geschichte beendet.
Positiv möchte ich den Stil von Lily Braun-Arnold erwähnen, der einfach wunderbar zu lesen war und mich trotz meiner Kritik an der Geschichte durch die Seiten zog. Gefühlvoll, modern, mit passendem Zynismus und einem sarkastischen Unterton, sorgt die Autorin trotz aufwallender Beklemmung und Tristesse für unterhaltsame Lesestunden.
Dieses Buch ist keine übliche Dystopie, umfängt uns nicht mit der typisch drückenden, vorsichtheischenden Atmosphäre. Auch stehen weder Ereignisse noch Spannung im Vordergrund. Eher nehmen Liz „Wachsen“, ihre Gedanken den Fokus ein, die Frage, was Menschen bereit sind zu tun, wenn sie keinen Ausweg mehr sehen, ihnen nicht anderes übrig bleibt als zu kämpfen.
Lily Braun-Arnold thematisiert Freundschaft und Vergebung, appelliert daran, das Glück zu suchen, wenn auch die Welt untergeht. Die Schönheit im Schrecken zu finden.
„Es sieht schön aus. Ich bin jedes Mal überrascht, in diesen Tagen Schönheit zu finden. Die Ästhetik der Apokalypse ist nicht immer ansprechend, aber dieser Sonnenuntergang ist wunderschön. Pinterestwürdig. Eine Pinterest-Pinnwand zum Walduntergang.“