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Veröffentlicht am 03.03.2025

Skurille, interessante Ausgangslage, die durch eine Fülle oberflächlich aufgegriffener Themen untergeht.

Purple Clouds - Honeymoon
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„Honeymoon“ ist Band eins der „Purple Clouds“-Reihe von Mounia Jayawanth, deren Teile in sich abgeschlossene Geschichten erzählen. In diesem Roman geht es um Debbie White und Emory Vaughn ...

Stell dir ...

„Honeymoon“ ist Band eins der „Purple Clouds“-Reihe von Mounia Jayawanth, deren Teile in sich abgeschlossene Geschichten erzählen. In diesem Roman geht es um Debbie White und Emory Vaughn ...

Stell dir vor, du triffst dein Perfect Match, ihr verbringt einen unvergleichlichen Abend zusammen und der krönende Abschluss bildet eine kleine, feine Hochzeit. Eure rechtskräftige Hochzeit. Vier Jahre später führen euch die Zufälle wieder an denselben Ort. In dieselbe Stadt. Und immer noch ist da dieses Knistern, dieses „angekommen fühlen“ … Statt die imaginäre Verbindung zu lösen, die Scheidung zu vollziehen geht's in Phase 2 der Skurrilität und plötzlich wird alles echter. Und komplizierter … Dabei ist das doch alles nur Fake?!

Ich war sehr gespannt auf diesen New-Adult-Roman, ist die Ausgangssituation doch wahrlich witzig. Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, was die Lebensumstände der Protagonisten, ihre Probleme und aufkommenden Gefühle verdeutlicht. Bereichert wird die Handlung von Rückblenden, die uns in die magische Nacht mitnehmen, in der alles begonnen hat, sowie durch allerhand Figuren, die mehr oder weniger Raum einnehmen. Zumindest lässt sich sagen, dass Emorys heimelige WG öfter zur Sprache kam als das Magazin, dabei ist die Idee einer feministischen und offensiv kritischen Zeitung nicht nur gut, sondern auch zeitgemäß. Wie die eingebundenen – aber leider nur oberflächlich aufgegriffenen – Themen. Jayawanth spricht von Verhütung(smitteln), greift Gedanken auf, die mit Sicherheit viele Frauen kennen, von Problemen im Bett, die oft ertragen statt geäußert werden, von Mobbing und den daraus entstehendem Trauma, von Selbstzweifeln, Minderwertigkeitsgefühlen und toxischen Beziehungen. Zudem generiert die Autorin Aufmerksamkeit für ADHS und Zöliakie, für patriarchalische gesellschaftliche Konzepte – und verleitet mit all dem zum Nachdenken.
Ebenfalls den aktuellen Anforderungen entspricht die Charakterzeichnung: Deb und Emory sind beide fürsorglich und aufmerksam ihre Gegenüber betreffend. Der Ton zwischen ihnen ist hauptsächlich interessiert und rücksichtsvoll, während die beiden kleine Eigenheiten aufweisen, nicht ausschließlich korrekt, dafür menschlich handeln. Emory fällt auch äußerlich nicht in das Bild des typischen Love-Interests, gewinnt im Verlauf Erkenntnisse und durchläuft – wie auch Debbie – eine mentale Entwicklung. Aber vieles war mir zu „drüber“ – sei es die Vielzahl der Struggle und Probleme, die Hauptsache mal erwähnt werden, oder überdramatisierte, nicht dem Verhältnis, dass die beiden einvernehmlich eingingen, entsprechende Reaktionen. Hier und da hätte ich mir zwischen den Mittzwanzigern mehr erwachsene Kommunikation ihre Gefühle betreffend gewünscht.
Abgesehen dieser künstlich erzeugten Missverständnisse fand ich die Dynamik eher cozy, wenn auch nicht immer rund, häufiger seicht inszeniert. Zunehmend wies der Verlauf etliche Längen und wenig Höhepunkte auf. Vor allem Kayla war die treibende Kraft der Spannung.

Weniger Seiten, Nebenstränge und oberflächliche Einwürfe, dafür eine konsequente Ausarbeitung von Entwicklungen und Ereignissen hätten dieser Romance sicher den grauen Schleier genommen und ihr mehr Farbe verliehen. Nichtsdestotrotz gab es humorvolle, romantische und innige Augenblicke, wertvolle Messages und ein stimmiges Ende.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Ich habe wenig erwartet und wurde positiv überrascht.

Broadway Lights 1: Broken Shine
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„Broken Shine“ ist ein wunderbares Buch, das zu Herzen geht, zum Träumen und zum Schmunzeln verleitet aber auch zum Mitfühlen bringt.

Cassie erhofft sich in New York nicht nur einen Neuanfang, weit weg ...


„Broken Shine“ ist ein wunderbares Buch, das zu Herzen geht, zum Träumen und zum Schmunzeln verleitet aber auch zum Mitfühlen bringt.

Cassie erhofft sich in New York nicht nur einen Neuanfang, weit weg von ihrer Vergangenheit, sondern auch auf die Erfüllung ihres Traums, als Musical-Darstellerin auf der Bühne zu stehen. Alles scheint großartig zu sein, außer Jake. Der Hauptdarsteller macht aus seiner Abneigung gegenüber der „Neuen“ keinen Hehl und dass sich die beiden von nun an eine WG teilen sollen sorgt nicht gerade dafür, dass sich ihr Verhältnis entspannt …

Ach, ich mochte als Kind Musicals schon sehr – Elle Ellis bannte das Broadway-Setting, das New-York-Feeling und die kuscheligen WG-Vibes sehr lebendig und greifbar auf Papier. Dass Cassie eine taffe Frau ist, die jedem die Stirn bieten kann, lässt sich bereits durch die Buchbeschreibung erahnen und so gibt sie ihren unfreundlichen, abweisenden Tanzpartner rege Konter. Diese Wortgefechte waren wirklich unterhaltsam und bilden einen starken Kontrast zu den emotionalen Szenen und schweren Themen. Denn Jakes Verhalten, seine Art haben einen Ursprung … Und auch die Rückblicke in Cassies Leben zeigen eine dunkle Seite, werfen einen Schatten auf ihr Lachen.

Die Dynamik zwischen den beiden, ihre individuelle sowie die romantische Entwicklung war ganz toll und sehr nachvollziehbar inszeniert. Der Strang um das Musical, die schweißtreibende Arbeit und die Leidenschaft empfand ich authentisch, und ebenso ausreichend eingebracht wie die verschiedenen Nebenfiguren, von denen sich einige in mein Herz schlichen.

„Broken Shine“ ist eine gefühlvolle, spaßige Romance, die mit Wendungen, Spannung und facettenreichen Charakteren überzeugt und Lust macht, gleich Band zwei, die Geschichte von Seth und Zelda, zu lesen.

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Ein mitreißender und aktueller Fantasy-Roman.

Fairiegolden Town – Die Prinzessin der Diebe
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„𝗪𝗮𝗿𝘂𝗺 𝗹𝗲𝗿𝗻𝘁𝗲𝗻 𝗱𝗶𝗲 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗮𝘂𝘀 𝗶𝗵𝗿𝗲𝗿 𝗩𝗲𝗿𝗴𝗮𝗻𝗴𝗲𝗻𝗵𝗲𝗶𝘁?“

☆𝐅𝐚𝐢𝐫𝐢𝐞𝐠𝐨𝐥𝐝𝐞𝐧 𝐓𝐨𝐰𝐧 – 𝐃𝐢𝐞 𝐏𝐫𝐢𝐧𝐳𝐞𝐬𝐬𝐢𝐧 𝐝𝐞𝐫 𝐃𝐢𝐞𝐛𝐞☆

Die Fantasy-Dilogie über die „Fairiegolden Town“ spielt in einer Zeit, nachdem ein Krieg zwischen ...

„𝗪𝗮𝗿𝘂𝗺 𝗹𝗲𝗿𝗻𝘁𝗲𝗻 𝗱𝗶𝗲 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗮𝘂𝘀 𝗶𝗵𝗿𝗲𝗿 𝗩𝗲𝗿𝗴𝗮𝗻𝗴𝗲𝗻𝗵𝗲𝗶𝘁?“

☆𝐅𝐚𝐢𝐫𝐢𝐞𝐠𝐨𝐥𝐝𝐞𝐧 𝐓𝐨𝐰𝐧 – 𝐃𝐢𝐞 𝐏𝐫𝐢𝐧𝐳𝐞𝐬𝐬𝐢𝐧 𝐝𝐞𝐫 𝐃𝐢𝐞𝐛𝐞☆

Die Fantasy-Dilogie über die „Fairiegolden Town“ spielt in einer Zeit, nachdem ein Krieg zwischen Fairies und Menschen zahlreiche Städte unwiderruflich entzweit und zerstört, Leben ausgelöscht und Trümmer hinterlassen hat.
Nur Liverpool scheint sich von der Tragödie erholt zu haben, scheint zu pulsieren: Magische und nicht Magische existieren, handeln, verweilen hier Seite an Seite unter der selbsternannten Herrschaft der, über die Grenzen hinaus berüchtigten, Skyson-Gang.
Doch der eigentlich mächtigste Mann, der sich seit Jahren von den Everetts und ihrer Anhängerschaft bedroht fühlt, sieht nun, da sich eine gewaltige, schier unbezwingbare Fracht auf dem Schiffsweg angekündigt hat, die Möglichkeit, sich sein Recht zurückzuholen. Und welcher Schritt wäre eine geschicktere Basis, als für Unruhen zu sorgen, Proteste auszulösen und Hass zu säen?

Die Geschichte wird aus den Perspektiven verschiedener Charaktere zusammengesetzt, deren Wege sich nach und nach kreuzen, und, trotz der Unterschiede und auseinanderdriftenden moralischen Kompassnadeln, ein dynamisches Netz bilden. Zwar sind die anfänglichen Motive des Einzelnen individueller Natur, doch am Ende scheint das Ziel, Fairiegolden Town nicht der ideologisierten, machthungrigen und ausbeuterischen Herrschaft des Lord Mayors zu überlassen, die Parteien zu einen ... doch Verwundbarkeit war schon so oft der Auslöser für Verrat ...

Erzählt wird von Rory, einer kleinen Fee, die nichts mehr will als Freiheit, und unbewusst der Auslöser für Liverpools drohenden Untergang ist.
Kayleigh, eine empathische, fähige Tinkerin, deren Ausbildung sie zum Ort des Geschehens führte und den Part als „Stimme der Vernunft“ zumindest eine Zeit lang vehement vertritt.
Aiven, wankend zwischen Selbstmitleid, Rache und seinem Herzen.
Den Hauptteil füllen Samuel Everett – Kopf der Skysons, der nie mehr liebte als Fairiegolden Town, alles – nicht nur Gutes – für seine Stadt getan hat – und Sabria O'Toole. Die Prinzessin der Diebe verließ ihre Heimat, um sich in der Metropole zu beweisen und sich endlich zu holen, was ihr zusteht: die Anerkennung ihrer Gilde. Nie hätte Bria gedacht, dass sie in Liverpool etwas ganz anderes findet ...

Obgleich die politische Lage sowie die Atmosphäre durchweg angespannt ist, Maßnahmen und Entscheidungen fragwürdig sind, die harsche, blutige Demonstration von Macht und der drohende Krieg vorherrschen, ist der Ton sehr direkt, modern und locker, häufig bepudert mit einer gewissen Art Sarkasmus, mit Witz und Charme. Mir machte es durchweg Spaß, die Figuren, die Jennifer mMn sehr greif- und nahbar ausgearbeitet hat, kennenzulernen; mitzufiebern und zu verfolgen, welche Verbindungen sich auftun und was für Geheimnisse in ihnen schlummern. Dass keineR ein leichtes Leben führ(t)e, jedeR mit den Umständen, dem ihm zugeteilten Los ringt, und viele Taten und Gedanken unkonventionell, skrupellos; sie alle bereit sind, Grenzen zu übertreten, für ihre Überzeugungen und ein Maß an Gerechtigkeit zu kämpfen, machte die Truppe zu etwas Besonderem, vielleicht auch nur besonders gefährlich.
Weitere Figuren, wie Sebestien, Selina und Eliah bereichern den Verlauf, sind wichtig und entsprechend stark in der Handlung verankert.
Dass der allseits gefürchtete, mysteriöse Clan durch interne Konflikte und Uneinigkeit droht, zu entzweien, gibt der Story eine weitere unberechenbare Komponente. Ebenfalls gut inszeniert waren die schwellende Wut im Volk, die perfiden Manipulationen und die charakterlichen Veränderungen.

Gleichermaßen rührend wie unterhaltsam ist das sich entwickelnde „mehr“ zwischen der Prinzessin der Diebe und dem Cormorant. Durch Everetts Rolle, sein Wissen und seine grausamen Erfahrungen bekommen wir relevante Informationen über die Situation des Landes. Die Abgründe und Intentionen des Kopfs der Skysons, seine Verletzlichkeit, seine Dunkelheit zu ergründen, sorgten für Faszination. Bria, weit davon entfernt, unschuldig zu sein, scheint ihr Ziel fest im Blick zu haben. Und doch ... ihre Liebe für die Stadt, für Kayleigh und Samuel, ihr Mitgefühl und ihre Zweifel sind so deutlich zu spüren wie ihr leidenschaftliches Drängen, sich in Abenteuer und waghalsige Situationen zu stürzen.
Es gab ehrliche, echte Gespräche, tiefsinnige Aussagen, Offenbarungen und Twists, die alles infrage stellen, Erkenntnisse, die zum Innehalten brachten; Opfer, bewegende Momente und bedingungslose Freundschaften. Gesellschaftskritik und ein Potpourri an "Fairie-Wesen". Zusätzlich finden sich erschreckend viele Parallelen zu der unseren, aktuellen Situation – Benkau schreibt von Hass und Verfolgung, von Ausbeutung und Vernichtung, „Besitz“ und Quälerei von Minderheiten, davon, wie leicht sich Hetze, geschürt durch Gerüchte und Angst, verbreitet, wie schnell sich ein Volk aufwiegeln lässt, wenn es nur genug Futter bekommt.

Waren die Themen und Probleme keine leichten, Bedrohung und Verrat, Kampf und Flucht vorhanden; werden Pläne geschmiedet, Wahrheiten ergründet und wirkt die Anzahl der Charaktere auch beachtlich, war es einfach, der Handlung interessiert und aufmerksam zu folgen, sich von Jennifers sehr realen Szenario, der abwechslungsreichen Erzählung, den Emotionen und der Tragik mitreißen zu lassen. Und ehrlich? Es ist schon lange her, seitdem mich ein Fantasy-Roman zuletzt derart in Aufregung versetzt, nervös gemacht hat.

Fairiegolden Town – Die Prinzessin der Diebe: Für mich ein Highlight!

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Spannende Unterhaltung.

Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.
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„Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.“ ist ein Young-Adult-Crime mit Mystery-Charme, True-Crime-Vibes und dem Setting eines Horrorhotels.

Aus gesundheitlichen Gründen ist Robyn Jackson an ihre Wohnung ...

„Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.“ ist ein Young-Adult-Crime mit Mystery-Charme, True-Crime-Vibes und dem Setting eines Horrorhotels.

Aus gesundheitlichen Gründen ist Robyn Jackson an ihre Wohnung gefesselt, die gegenüber des berüchtigten Hotel Ambrosias liegt. Als Fan von True-Crime und mit dem Wunsch, eines Tages selbst einen Cold-Case zu lüften, zieht das Gebäude auf der anderen Seite sie in ihren Bann. Als sie einer Podcasterin versichert, dass im Ambrosia echte Verbrechen vor sich gehen und sich diesen persönlich annehmen möchte, ist sie auf Hilfe angewiesen. Und diese bekommt sie durch einen Straßenjungen. Denn die 17-Jährige ist überzeugt davon , tatsächlich eine Entführung mit angesehen zu haben. Und das Opfer war keine Fremde …

Zwar wird die Story aus der Sicht von Robyn geschildert, die aufgrund von Medikamenten mal mehr, mal weniger vertrauensvoll ist, jedoch nutzt Katie Kento E-Mails, Skizzen und Chat-Ausschnitte sowie Telefon- und Gedächtnisprotokolle, um ihrer Geschichte noch mehr Griffigkeit und Authentizität zu verleihen.
Zu Beginn lernen wir erstmal die Teenagerin, ihre Lebensumstände und die Erkrankung, die sie offensichtlich nicht nur körperlich sondern auch psychisch beeinträchtigt, kennen. Robyns Kampf wurde mit viel Gefühl beschrieben, Spurensuche und Recherche lassen öfter die Frage aufkommen, was real ist, was Fiktion. Kento baut langsam eine einnehmende Spannung auf, welche von einer bedrohlichen, dichten Atmosphäre ummantelt wird.
Ahnungen werden geschürt und widerlegt, Verstrickungen neu geknüpft und Puzzleteile fügen sich nach und nach zusammen. Kurz: die Autorin hält konstant Neugier und Interesse aufrecht, wenn auch nicht alles zu 100 % realistisch und nachvollziehbar schien.
Zwar schwang im Stil eine gewisse Distanz mit und der selbsternannten Ermittlerin haftete ein Mix aus Naivität, Unnahbarkeit und Sturheit an, jedoch vergingen die Kapitel durch einen lockeren, leichten Ton rasend schnell, bis zum großen, überraschenden Finale.

Fazit: „Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.“ ist ein Jungend-Krimi, der auch älteren LeserInnen spannende, aufregende Stunden und so manch Gänsehautmoment beschert.

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Veröffentlicht am 12.02.2025

Kein Highlight in Sachen „Spannung“

Die blaue Stunde
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In ihrem aktuellen Roman „Die blaue Stunde“ führt uns Paula Hawkins auf die Spuren einer introvertierten Künstlerin – und auf eine abgelegene Insel.

Vor fünf Jahren starb Vanessa Chapman. Ihr Vermächtnis, ...

In ihrem aktuellen Roman „Die blaue Stunde“ führt uns Paula Hawkins auf die Spuren einer introvertierten Künstlerin – und auf eine abgelegene Insel.

Vor fünf Jahren starb Vanessa Chapman. Ihr Vermächtnis, hauptsächlich Malereien und Arbeiten aus Keramik, ließ sie, trotz diverser Zerwürfnisse, der Fairburn-Stiftung zugute kommen. Jedoch befand sich auch eine Skulptur unter den Stücken, das „Division II“ – diese sorgt nun für Aufsehen, ist einer der Bestandteile eine menschliche Rippe.
Diese Entdeckung führt James Becker, Kurator des Museums und Fan der Künstlerin, an den Ort, an dem die die Verstorbene ihr Leben aushauchte. Dort trifft er nicht nur auf Grace – Freundin, Testamentsvollstreckerin und Erbin von Vanessa – sondern auch auf allerhand Ungereimtheiten und Geheimnisse...

Erzählt wird einerseits aus den Perspektiven von Grace, deren Persönlichkeit basierend auf ihren Erfahrungen schwer einzuschätzen ist, und James, andererseits erhalten wir durch Tagebucheinträge der Künstlerin eine Ahnung von ihren Gedanken und Einblicke in das Leben, das sie führte.
Sowohl die charakterlichen als auch die Ortsbeschreibungen sind – im Gegensatz zu dem Knochenfund – sehr detailreich, was die Atmosphäre der schottischen Insel wunderbar untermalt, für einen Hauch Bedrohung und Mystik sorgt. Jedoch verliert sich die Autorin rege in endlosen philosophischen Ansätzen, irrelevanten Erwähnungen und Ausschweifungen, sodass kaum Spannung erreicht wurde und mein Interesse an der Handlung selbst mehrfach abflaute.
Nichtsdestotrotz ist der Stil ausdrucksstark, eindringlich und leise. Kunstvolle, poetische Passagen zeigen, dass Hawkins mit Worten umzugehen weiß.

Beworben als „literarisches Spannungs-Highlight“ kann ich dem Roman „Die blaue Stunde“ letztlich nur 3 Sterne geben, handelt es sich doch widererwartend nicht um eine Geschichte, die Aufregung oder Plottwist bereithält, sondern um eine, die von einer einsamen Frau erzählt, die bis zum Schluss unfähig war, emotionale Bindungen zu knüpfen.

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