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Veröffentlicht am 14.11.2025

Wie immer ein Volltreffer

Love and Hockey: Leevi & Elys
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Leevi Nieminen ist neu bei den L.A. Hawks und endlich weit genug weg, um aus dem Schatten von Tero zu treten, mehr zu sein als der „Bruder von“. In Los Angeles will er die Chance nutzen, sich von seiner ...

Leevi Nieminen ist neu bei den L.A. Hawks und endlich weit genug weg, um aus dem Schatten von Tero zu treten, mehr zu sein als der „Bruder von“. In Los Angeles will er die Chance nutzen, sich von seiner besten Seite, der vernünftigen, zu zeigen. Ohne Skandale, ohne zu viel Spaß. Doch gleich bei einem der ersten wichtigen, Pünktlichkeit erfordernden Termine wird er von einer Verrückten in einen Unfall verwickelt und von einem Auspuff angegriffen. …
Elys Gray hat es so satt, adäquat, das Mittelmaß zu sein, das durch ihre erfolgreichen Eltern und ihren Bruder definiert wird, das maximal hübsch, aber nie schön, nie großartig, aber ok ist, das von Männern beschissen wird und in ihrer Karriere keinen Schritt vorankommt. Als Betty sich verselbstständigt und die Windschutzscheibe eines nordisch anmutenden BMW-Fahrers crasht, wird ihr bewusst, wie lange sie bereits in Enthaltsamkeit lebt. Denn welche normale Frau wird von einem vor Wut schnaubenden Mann angetörnt?
Witzig, dass die angehende Produzentin und der Eishockeyspieler nicht vor Gericht ihr Wiedersehen feiern, sondern bei einem – wortwörtlichen – Blinddate, das in eine Richtung führt, die beide Karrieren schneller beenden könnte, als Elys und Leevi miteinander im Bett landen.

Was war das wieder schön! Saskia schafft es jedes Mal, mit ihren Geschichten selbst an den tristesten Tagen für Licht und Lachen zu sorgen.
Bereits das erste Aufeinandertreffen der ungleichen Charaktere war Humor pur und auch die sich entwickelnde, respektvolle und aufmerksame Dynamik – Freundschaft mit Gedanken an mehr – wurde wunderbar inszeniert. Dazu trugen nicht nur Louis' lockerer, sehr natürlicher und gleichzeitig gefühlvoller Stil bei, sondern auch Elys' besondere (Vitamine ablehnende, den Straßenverkehr gefährdende und spontan auftauchende) Art, witzige, echte Unterhaltungen, solche, die über Smalltalk hinausgehen, und skurrile Momente. Die verzwickten Umstände – eine Datingshow, die emotionales Chaos, Eifersucht und Konfliktpotenzial bereithält, wie auch Parkers Auflage, dass seine Schwester die Finger von der Mannschaft lassen soll und keiner aus der Mannschaft seine kleine Schwester jemals anrühren darf – geben der Story Aufregung und Kribbeln. Dabei harmonieren Elys und Leevi trotz ihrer verschiedenen Lebensstile (er Sport, sie Couch, er Brokkoli, sie ein Pop-Tarts) hervorragend, verstehen die Gedanken und Gefühle des anderen, verstehen das beidseitig existierende Streben danach, endlich als eigenständige Persönlichkeit gesehen zu werden.

Wie bereits in den anderen Teilen dieser extrem mitreißenden Reihe, treffen wir auf die bekannten Jungs, verfallen wiederholt ihrem einmaligen Charme und lernen neue Figuren kennen. Es ist stets ein Vergnügen, zur Truppe der L.A. Hawks zu stoßen, und ich hoffe, wir haben noch viele weitere Gelegenheiten dazu. Vielleicht ja mit Parker, dem ich von Herzen eine zweite große Liebe gönne.
Stimmig integriert war auch das Setting um die Produktion jener Couple-Show, in der der attraktive Finne seine Traumfrau finden soll – im Nachhinein betrachtet wohl nicht die beste Idee von Elys …

Abgesehen des riesigen Unterhaltungsfaktors, der Romantik und der Schmunzelgarantie finden wir auch in „Love and Hockey“ Band 7 so viel Echtes und Ernstes. Themen, mit denen die Autorin zuverlässig Nerven trifft. Seien es die Minderwertigkeitsgefühle, die vernichtenden Selbstzweifel und die Angst, erneut verletzt zu werden, niemals zu genügen. Die Fußstapfen, in die man so unbedingt passen will, oder der Wunsch danach, mehr zu sein als „die Tochter/der Sohn/der Bruder/die Schwester von …“. Die Notwendigkeit von Vitaminen, die definitiv nicht in Pop-Tarts oder blauen M&Ms stecken, und die Sexualisierung von Männern, die viel zu häufig ausgeblendet wird. Ebenfalls gehören Familie und Freundschaft im selben Maße in Louis’ Sportsromance-Reihe wie heiße Spieler und taffe Frauen.
Mit Elys & Leevi ging „Love and Hockey“ in eine wunderbare, amüsante und berührende siebte Runde.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Es fing so vielversprechend an...

Where Good Girls go to Die (Good Girls 1)
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Ganz ehrlich? Diese Romance landete vorrangig wegen des Titels auf meiner Must-have-Liste. Als ich dann noch „Second Chance“ gesehen habe, war es um mich geschehen.

„Where Good Girls go to Die“ erzählt ...

Ganz ehrlich? Diese Romance landete vorrangig wegen des Titels auf meiner Must-have-Liste. Als ich dann noch „Second Chance“ gesehen habe, war es um mich geschehen.

„Where Good Girls go to Die“ erzählt die Geschichte von Olivia Mae Conner, die nur durch einen Zufall und nicht ganz freiwillig wieder in ihrer Heimatstadt und bei ihrem Bruder landet. Und wo Mason ist, ist auch Parker fckg James nicht weit – der Mann, der ihr das Herz gebrochen hat, wegen dem sie vor vier Jahren aus Tennessee geflüchtet ist. Noch immer geht Parker Liv unter die Haut, weckt den unangenehmen Stich in ihrer Brust, der nie aufhörte, wehzutun. Düster, tätowiert, erfolgreich – und verlobt.
Die Schwester seines besten Freundes wieder um sich, in seiner Nähe, zu wissen, bringt den Künstler um den Verstand, ihre Anwesenheit, ihre spritzigen Antworten kratzen an seinen Nerven. Dabei wird er in wenigen Tagen Emily heiraten – vorhersehbar, ruhig und sicher. Sicher nicht das, was zu seinem Wesen, zu seinem Lebensstil oder zu seinen FreundInnen passt, aber ungefährlich.
Doch je mehr Zeit er mit Liv verbringt, je besser sie einander wieder und neu kennenlernen, umso heftiger kribbeln die verdrängten Erinnerungen und Gefühle, Leidenschaft, die nie vergangen ist, Sehnsucht, die niemand sonst je stillen konnte …

Holly Renee lässt uns aus wechselnder Perspektive und sowohl im Jetzt als auch im Damals an dieser zweiten Chance teilhaben, sodass das emotionale Chaos, die Wehmut und der wachsende Zwiespalt eine greifbare Basis bekommen.
Obgleich ich in der Realität kein Fan von Untreue bin, von „Zweite-Wahl-Beziehungen“, war diese verzwickte Situation sowie die Entscheidung, die nicht nur Parker treffen muss, der Dynamik und der Aufregung zuträglich.
Die Rückblicke eröffnen langsam jene Missverständnisse, die den Bruch der Liebenden, die gebrochenen Herzen, verursachten. Doch was in der Vergangenheit auf jugendliche Impulsivität und Scham zurückzuführen ist, auf verletzten Stolz und bodenlose Enttäuschung, ist heute schlicht die fehlende Kommunikation zwischen zwei Erwachsenen. Das Drumherum schleichen und Hineininterpretieren, was Lesende wie mich auf unbefriedigte Art aufstöhnen lässt. Ebenso schade ist das beachtliche Tempo in der Gegenwart, das keine stimmige oder stimmungsvolle Entwicklung zulässt – alles geschieht und verändert sich Schlag auf Schlag, ohne tiefgründige Gespräche oder ernstzunehmende Konflikte. Diese Erzählweise vermittelt den konstanten Eindruck von Oberflächlichkeit, von fehlenden Augenblicken und relevanten Schritten, und führt dazu, dass einige Szenen halbgar bleiben – „zumindest mal erwähnt“ eben. Dabei empfand ich den Anfang als vielversprechend und Renees Stil – abgesehen von einigen Fehlern im Text und Wortwiederholungen – insgesamt als sehr gefühlvoll. Der direkte, oft (selbst)ironische Ton schenkt der – hier und da melancholischen, von verlorener Liebe und Herzschmerz gespeisten – Romance etwas Echtes und Unterhaltsames.

Großteils sind die Protagonisten interessante, da weder glatte noch fehlerfreie Charaktere, und ich war wirklich gespannt, welche Hürden und Wahrheiten sich diesem längst überfälligen Gemeinsam in den Weg stellen werden. Aber beide reagierten vor allem im fortschreitenden Verlauf öfter zu abrupt, zu einfach, was die seichte 0815-Nuance nur verstärkte. Das ändert jedoch nichts daran, dass Parker mit unerwarteter Verletzlichkeit, kleinen Gesten, zum Schmachten verführt.
Das Aufgreifen von Tattooartists und -studios wie die Figuren um Liv und Parker brachten Abwechslung mit sich, wobei Staci – mit ihrer lockeren, unverblümten Art und ihrer Büchersucht – die meisten Coolness-Points einheimste.
Spätestens in den letzten Kapiteln hat mich Holly Renee jedoch durch unnötiges, unpassendes Drama und zuuuuu viiiiiel Spice (wo es doch klärende, ernste Worte gebraucht hätte) verloren – nichtsdestotrotz hält „Where Good Girls go to Die“ nicht nur Tiefen, sondern auch Höhen, einige bewegende Momente und vielleicht ja sogar eine zweite Chance für die Liebe bereit…

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Starke Story mit einer taffen Protagonistin, Dunkelheit und Spannung

House of the Beast
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„House of the Beast“ ist eine düstere Fantasy-Story, deren Gegebenheiten von eigens erschaffenen Mythen, barbarischen Riten und Opfergaben, Machtspielen und Intrigen geprägt sind.



Als Almas Mutter schwer ...

„House of the Beast“ ist eine düstere Fantasy-Story, deren Gegebenheiten von eigens erschaffenen Mythen, barbarischen Riten und Opfergaben, Machtspielen und Intrigen geprägt sind.



Als Almas Mutter schwer erkrankt, sucht das einsame Mädchen nach Hilfe und gelangt so an ihren bis dato fremden Erzeuger. Dass dieser ein ranghoher Diener des Biestes, kalt und unberechenbar ist, raubt Alma jegliche Hoffnung. Doch Zander bietet seinem Bastard einen Deal an – sie begleitet ihn als Erbin in das Haus Avera, dafür bekommt ihre Mutter alles, was sie braucht. Kurz darauf bindet sich Alma nicht nur an das Dread Beast, sondern verliert ihr Strahlen, ihr Zuhause und den einzigen Menschen, den sie jemals wirklich liebte. Nun bleibt dem verstörten Kind nur noch ihr treuer, in ihrer Fantasie existierender Freund.

Dabei ist Aster weitaus mehr als ein Hirngespinst und lässt sich die Gelegenheit, ihre Wut, ihren Drang, sich zu beweisen, und ihren Rachedurst zu nähren, nicht nehmen.

Von jetzt an hat Alma nur noch ein Ziel: jene Position, die ihr Vater so unbedingt will. Und damit Zander und alle Averas zu demütigen.

Als die Erfüllung ihrer Pläne zum greifen nah scheint, überschlagen sich die Ereignisse, türmen sich die Geheimnisse, deren Kern Alma um jeden Preis nachgehen will. Wahrheiten, die alles infrage stellen, ihre Realität und ihre Pläne aus den Angeln heben, stürzen auf sie ein, brechen ihr Herz …





Zuerst ein großes Lob an die optische Aufmachung und die inhaltliche Gestaltung: In den Klappen finden wir eine wunderschöne farbige Zeichnung, zu Beginn eine Karte der Welt und kleine Illustrationen, die die Handlung begleiten.

Michelle Wong führt uns in einem bildreichen Stil, in einer bedrückenden Tonlage durch ihre einnehmende Geschichte, die in drei Teile gegliedert ist, sodass wir anfangs eine junge, verzweifelte Version der Protagonistin kennenlernen, bis wir, durch einen Zeitsprung, eine erstarkte, von allen gemiedene, nicht gewollte Frau antreffen. Glück ist für Alma ein Fremdwort. Lediglich Aster leistet ihr Gesellschaft, treibt sie an, formt sie. Eine Freundschaft, die bindet, mehr wird.

Da der Fokus auf der agilen Kämpferin liegt, stehen ihre Entwicklung, ihr Erleben, ihr stetig mehr aufklaffender Zwiespalt im Vordergrund. Trotz der Kälte, Almas augenscheinlicher Härte, ist unübersehbar, wie sehr die 18-Jährige unter dem Verlust ihrer Mutter, ihrem isolierten Dasein leidet, wie sehr sie sich nach Anerkennung und Geborgenheit sehnt. Im Verlauf erwachen Grausamkeiten und Monster zum Leben, Dunkelheit, Verrat und Misstrauen füllen jede freie Fläche. Obgleich sich hier und da zu ausführlich an manchen Stellen aufgehalten wurde, fesselt die Storyline mit allerhand Ungereimtheiten, der wabernden Gefahr und den undurchsichtigen Figuren. Gerade Kaim, Zander, Sevelie, Six und Fion sorgen mehrfach für Überraschungen und banden mein Interesse an sich.



Auch das Worldbuilding kommt nicht zu kurz. Vier adlige Familien herrschen über Kugara und dienen – mit Leib und Seele – den Göttern, halten an (fanatischem) Glauben, ihren Hierarchien und ihrer Macht fest, stürzen sich in die Schattenebene und in blutige Wettstreite. Die Einblicke in die hier gelebte Mythologie, in Traditionen und Gepflogenheiten sind ausgeklügelt und spannend. Zusätzliche Raffinesse erhält das System durch die Kombination mit den eher verpönten, weil Unabhängigkeit fördernden, Ideen gen (technischen) Fortschritt und fragwürdigen, schrägen (menschlichen) Experimenten.

Wong verzichtet nicht auf Verlust und tödliche Konfrontationen, nicht auf Tragik und rohe, ungeschönte Emotionen. Wir finden harsche Worte und derbe Szenen, Riten und Opfergaben, Wahnsinn und Lügen. Es war gleichermaßen mitreißend, Alma auf ihrem Weg zu begleiten, wie auch unheimlich und zutiefst bewegend. Das Ende – mit seinen schwarzen, herzzerreißenden Momenten und der Aussicht auf eine ungewisse, aber freie, eine andere Zukunft – war passend gewählt.


»Du bist das Schlimmste, was mir je passiert ist (…) Aber auch das Beste. In einer anderen Welt hätten du und ich vielleicht glücklich sein (…) können.«


Frische Elemente, die von Dunkelheit und Misstrauen, von Rivalitäten und Tragik durchtränkte Atmosphäre, die durchdringende Sehnsucht nach Rache und Vergeltung wie auch die Unsicherheit, wohin, in welche Abgründe, uns Almas Geschichte führt, samt der monsterhaften Gestalten und dieser Liebe, toxisch, bedrohlich, die nicht sein kann – all das und noch mehr machen „House of the Beast“ zu einem Dark-Fantasy-Roman, in den es sich lohnt, einzutauchen.

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Veröffentlicht am 31.10.2025

Interessanter Auftakt einer mythischen Trilogie

His Face Is The Sun – Der Thron von Khetara
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„His Face is the Sun“ ist der Auftakt einer Trilogie, die uns in das Alte Ägypten, hin zu Mythen, Prophezeiungen und Intrigen, mitten hinein in eine Rebellion und dunkle Geheimnisse führt.

Michelle Jabès ...

„His Face is the Sun“ ist der Auftakt einer Trilogie, die uns in das Alte Ägypten, hin zu Mythen, Prophezeiungen und Intrigen, mitten hinein in eine Rebellion und dunkle Geheimnisse führt.

Michelle Jabès Corpora erzählt ihre Geschichte aus vier unterschiedlichen Perspektiven – wir lernen eine Rebellin, eine Priesterin, den Grabräuber und eine Prinzessin kennen, begleiten sie auf ihrem scheinbar vom Schicksal vorgegebenen Weg, der sie in Konflikte und zueinander führt. Welches Ziel sie verfolgen (sollen) bleibt lange ungewiss. Und doch sind alle vier bereit.

Aufgrund des einfachen Stils war es trotz der wechselnden Sichtweisen nicht schwer, dem Verlauf zu folgen, sich in die komplexen Gegebenheiten einzufinden und zu verstehen. Corpora geleitet und in einem atmosphärischen Ton durch trockene Wüsten und gruselige Grabkammern, durch prächtige Räume und Armutsviertel, geizt nicht an unheilvoller Stimmung, aufrührerischen Momenten und interessanten Charakteren. Wenn auch nicht alle nahbar, manche undurchsichtig blieben, empfand ich sowohl die Entwicklung des Einzelnen als auch jene der Geschehnisse äußerst gelungen. Tempo und Spannung wachsen mit fortlaufender Handlung, sodass es kaum Längen, dafür aber malerische Beschreibungen, einige Wendungen, etliches an Gefühl und mitreißende Sequenzen gab. Zahlreiche Fragen – welch Übel dem Land droht, weswegen Khetara derart gespalten, von Unruhen geplagt ist, wo der Ursprung der Krankheit liegt, die den Herrscher dahin rafft (…) – türmen sich auf und verlangen, den verstreuten Antworten aufmerksam nachzugehen.

Da die ProtagonistInnen aus verschiedenen Schichten stammen, erhalten wir nicht nur Tiefe in ihre Wesen, sondern auch einen greifbaren Eindruck des hier gelebten – authentisch dargelegten – Systems. Der mythologischen und magischen Komponente, des Glaubens und Wirkens, konnte ich viel abgewinnen, waren diese doch origineller Natur und oft mit historischen Erklärungen, einem gewissen Realismus, der nicht minder schockierend ist, untermalt. Die Prophezeiung bleibt ein Mysterium, etwas Geheimnisvolles, nichtsdestotrotz wirkt der Beginn der Serie „Der Thron von Khetara“ wie der Anfang von etwas Großem. Diesem Gedanken zuträglich sind die subtile Aufregung und Euphorie. Und das überraschende Ende. Ich werde nun gespannt auf Teil zwei warten.

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Sehr gute, aktuelle und spannende Dilogie

Fairiegolden Town – Der König der Verdammten
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Ein gescheiterter Coup brachte die Prinzessin der Diebe in die Gewalt des gnadenlosen Lords, der nichts mehr begehrt als Macht und Kontrolle. Nun sieht sich Samuel Everett in der Bredouille: rettet er ...

Ein gescheiterter Coup brachte die Prinzessin der Diebe in die Gewalt des gnadenlosen Lords, der nichts mehr begehrt als Macht und Kontrolle. Nun sieht sich Samuel Everett in der Bredouille: rettet er die Frau, die seine Welt auf den Kopf stellte, oder sein Volk?

„(…) 𝘯𝘶𝘯 𝘸𝘢𝘳 𝘦𝘳 𝘣𝘦𝘳𝘦𝘪𝘵, 𝘥𝘪𝘦 𝘚𝘵𝘢𝘥𝘵 𝘪𝘯 𝘥𝘪𝘦 𝘏𝘢𝘯𝘥 𝘴𝘦𝘪𝘯𝘦𝘳 𝘍𝘦𝘪𝘯𝘥𝘦 𝘻𝘶 𝘭𝘦𝘨𝘦𝘯, 𝘧𝘶𝘦𝘳 𝘥𝘢𝘴 𝘓𝘦𝘣𝘦𝘯 𝘥𝘦𝘳 𝘍𝘳𝘢𝘶, 𝘪𝘯 𝘥𝘪𝘦 𝘦𝘳 𝘴𝘪𝘤𝘩 𝘷𝘦𝘳𝘭𝘪𝘦𝘣𝘵 𝘩𝘢𝘵𝘵𝘦.“

Mit „𝐃𝐞𝐫 𝐊𝐨𝐞𝐧𝐢𝐠 𝐝𝐞𝐫 𝐕𝐞𝐫𝐝𝐚𝐦𝐦𝐭𝐞𝐧“ endet die politische Fantasy-Dilogie über „𝐅𝐚𝐢𝐫𝐢𝐞𝐠𝐨𝐥𝐝𝐞𝐧 𝐓𝐨𝐰𝐧“ – es wird spannend, emotional und aufregend.
Diese Story spielt in einer Zeit, nachdem ein Krieg Fairies und Menschen unwiderruflich entzweite und zahlreiche Länder zerstörte. Liverpool scheint sich als Einziges von der Tragödie erholt zu haben, für ein Miteinander zu stehen. Verantwortlich hierfür ist vornehmlich die Skyson-Gang – unter Führung von Cormorant Samuel Everett. Darüber ist der Lord Mayor Chapman, zumindest auf dem Papier die mächtigste Instanz, nicht erfreut und sieht sich jetzt endlich in der Position, diesen Umstand zu ändern …

Haben wir in „𝐃𝐢𝐞 𝐏𝐫𝐢𝐧𝐳𝐞𝐬𝐬𝐢𝐧 𝐝𝐞𝐫 𝐃𝐢𝐞𝐛𝐞“ die Hauptakteure, die aufrührerische, stetig mehr kippende Situation des eigentlich Einheit symbolisierenden Orts kennengelernt, verfolgt, wie sich die Wege der unterschiedlichen Parteien kreuzen und sich die Gefahr in Form eines blutrünstigen Dämons über das Wasser nähert; Einblicke in den existenziell bedrohlichen Plan des Mayors und in die von Ideologien geprägten „Purebreads“ bekommen, geht die Geschichte nun nahtlos weiter. Aufgrund der Zeit, die seit dem Vorgänger vergangen ist, der komplexen Gegebenheiten und der Vielzahl von Perspektiven brauchte ich etwas, um mich erneut in der explosiven Welt einzufinden, aber davon abgesehen hatte ich eine aufregende, eindrucksvolle Lesezeit.

#JenniferBenkau schuf mit ihren eindringlichen Worten, mit lebendigen Szenarien, gewaltvollen Machtdemonstrationen, flotten Dialogen und der brodelnden Stimmung, mit deftigen Konflikten, Rebellion und klugen Diskussionen eine dichte, oft beklemmende Atmosphäre, in der hier und da Hoffnungssprenkel und Witz, Magie und sogar ein Hauch Romantik zu finden sind. Dabei wird auf Schwarz und Weiß, auf klassische HeldInnen, auf Rosapuder verzichtet, sondern auf raue, von Erfahrungen, Erwartungen und (inneren) Narben gezeichnete Charaktere gesetzt, die in moralischen Grauzonen, in dunklen Ecken, agieren. Und das macht Sabria O'Toole, Sebestien, Eliah und Co. nahbar. Verletzlich. Echt.
Rory, die sich zu Beginn ihrer Reise noch nicht über das Ausmaß ihrer Rolle und ihrer »Fracht« bewusst war, rückt nun präsenter ins Geschehen; wird gezwungen, sich mit relevanten und nachhaltigen Themen auseinanderzusetzen, ihr eigenes Vorhaben zu hinterfragen und schwerwiegende Entscheidungen zu treffen.
Eine ebenso große Entwicklung zeigt die Prinzessin der Diebe. Bria wächst über sich hinaus, stellt sich ihrem eigenen Gefühlschaos, ihrer Herkunft und ihren, von einer Gesellschaft, die von Ungerechtigkeiten und Vorurteilen, von Angst und Hass auseinandergerissen wurde, beeinflussten Intentionen. Als Bria auf der Suche nach Antworten auf eine ungeahnte Macht in ihrem Inneren und den damit verbundenen Einfluss stößt, findet sie auch Mut – solchen, der den Verlauf prägt, Samenkorn ist für jene Veränderungen, die Fairies und Menschen brauchen.
Auch Samuel, weiterhin in einer gewichtigen Position und bisher unerschütterlich in seinen Zielen, nicht bereit, Liverpools pluralistische Stellung aufzugeben, wenn gleich der Cormorant schon so viel für seine Stadt gegeben, so viel gesehen und verloren hat, lernen wir noch intensiver kennen. Sein augenscheinlich kaltes und hartes – gleichzeitig reflektiertes und bedachtes – Verhalten, seine Reaktionen, waren nachvollziehbar ausgearbeitet, sodass es einfach war, Verständnis und Mitgefühl zu empfinden. Seine Ideale zu übernehmen und mit ihm zu kämpfen.
Nicht zu vergessen sind Aiven, Kayleigh und all die anderen, die nicht nur den Trupp um Everett vervollständigen, sondern entscheidend sind, Hilfe bringen, Vernunft. Freundschaft und Zusammenhalt symbolisieren, Gleichheit.

Aufgrund der missständigen Situation, in die wir geworfen werden, der vielschichtigen Figuren und zwielichtigen Parteien fließt ganzheitlich eine subtile (An)Spannung mit, eine nervöse, Vorsicht heischende Note, die selbst in ruhigen Abschnitten dazu verführt, achtsam und aufmerksam zu bleiben. Gleichzeitig fasziniert die Autorin mit mystischen Wesen, berührt mit Tragik und erinnert uns daran, wie leicht sich Fairiegolden Town in unsere Realität projizieren lassen kann. Wie schnell sich Hetze ausbreiten, wie einfach Angst geschürt werden, ein Ganzes zerspringen kann. Mit der hier geschilderten, bewussten und systematischen Spaltung eines Reiches, den Anfeindungen und der Ausgrenzung, der endlosen Diskriminierung wird Gänsehaut erzeugt, Melancholie, etwas Düsteres.
Da zwischenmenschliche Dramen, Gefühlswirrwarr und unnötige Ausschweifungen nicht dominieren, sondern sich auf charakterliche sowie für die Stadt essentielle Entwicklungen konzentriert wird, bleiben weder Lücken offen noch Raum für Langeweile.
Jennifers Low-Fantasy-Dilogie enthält interessante Hintergründe, unerwartete Geschehnisse, alles aus dem Gleichgewicht bringende Enthüllungen und rührende Augenblicke. Zusätzlich gibt's Action, Tempo, Spaß und personifizierte Stärke. Für das Ende war ich eigentlich noch nicht bereit, aber hier fügen sich alle Fäden zusammen, Geheimnisse werden gelüftet und Fragen beantwortet, bevor uns ein runder Abschluss umfängt.

Es war gewissermaßen erfrischend, in diese komplexe, tiefgründige und aktuelle Geschichte, die sich doch – gemessen an Anspruch und Themen – deutlich von den Trends abhebt, einzutauchen. Unbedingt mehr davon!

„Fairiegolden Town“ erzählt von dem Mut, für- und miteinander aufzustehen, von dem nie endenden Kampf gegen Vorurteile und ideologisiertes, sich rasend schnell ausbreitendes Gedankengut; für eine Welt, in der Gleichberechtigung und Gleichheit herrschen. Von Freundschaft und Liebe.

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