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Veröffentlicht am 12.01.2026

Absolut überzeugend

Devil's Deal
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🖤🌔(𝔸𝕦𝕔𝕙) 𝕂𝕖𝕚𝕟𝕖 𝕃𝕦𝕤𝕥 𝕞𝕖𝕙𝕣 𝕒𝕦𝕗
Moechtegern-Bad-Boys?
Auf unglaubwuerdige StrongFMCs?
Auf halbgares Moralisch Grau?
𝔻𝕒𝕟𝕟 𝕚𝕤𝕥 𝔻𝔸𝕊 𝕕𝕖𝕚𝕟 ℙ𝕒𝕘𝕖𝕥𝕦𝕣𝕟𝕖𝕣 ⤵️



𝗝𝗮𝗴𝗮 wird zeit ihres Lebens von der Dorfgemeinschaft ...

🖤🌔(𝔸𝕦𝕔𝕙) 𝕂𝕖𝕚𝕟𝕖 𝕃𝕦𝕤𝕥 𝕞𝕖𝕙𝕣 𝕒𝕦𝕗
Moechtegern-Bad-Boys?
Auf unglaubwuerdige StrongFMCs?
Auf halbgares Moralisch Grau?
𝔻𝕒𝕟𝕟 𝕚𝕤𝕥 𝔻𝔸𝕊 𝕕𝕖𝕚𝕟 ℙ𝕒𝕘𝕖𝕥𝕦𝕣𝕟𝕖𝕣 ⤵️



𝗝𝗮𝗴𝗮 wird zeit ihres Lebens von der Dorfgemeinschaft ausgegrenzt und geächtet. Nicht zuletzt ihr rotes Haar ist es, das für Vorsicht sorgt. Auch der Posten als Flüsterin, der ihr rechtmäßig nach dem Ableben ihrer Mentorin, ihrer Vertrauten, zugestanden hätte, wurde ihr aus Vorbehalten verwehrt. Täglich muss die introvertierte, ehrgeizige Frau fürchten, verbannt zu werden, und gerade die Festivitäten zur Sommersonnenwende erhöhen die Gefahr …
Als Jaga in der diesjährigen Kupalanacht in den Kreis der – sonst fernen – Götter gezogen wird, macht sie zu ihrem Leidwesen Bekanntschaft mit dem Teufel und entfacht in ihm eine abgrundtiefe Begierde. Weckt seinen Jagdinstinkt, der ihn von nun an stetig zu der 21-Jährigen führt. Trotz seiner Versprechen und fadenscheinigen Bemühungen, trotz seiner Drohungen, bietet Jaga ihm die Stirn und schlägt seinen Wunsch, sich ihm gänzlich hinzugeben, ihm unterwürfig und stets zu Diensten zu sein, aus. Ihre Seele dem Teufel opfern? Nicht mit Jaga, die in der irdischen Welt noch etwas Dringendes zu erledigen hat …
Aber 𝗪𝗼𝗹𝗮𝗻𝗱s Geduld ist nicht grenzenlos, die Zeit für Spiele begrenzt, und so nimmt er der Hexe nach und nach alles …

„𝐃𝐞𝐯𝐢𝐥'𝐬 𝐃𝐞𝐚𝐥: 𝐃𝐮𝐧𝐤𝐥𝐞 𝐕𝐞𝐫𝐬𝐮𝐜𝐡𝐮𝐧𝐠“ wird als 𝗗𝗮𝗿𝗸-𝗥𝗼𝗺𝗮𝗻𝗰𝗲-𝗙𝗮𝗻𝘁𝗮𝘀𝘆 beworben und genau das bekommen die LeserInnen auch!
Vielschichtig und konträr empfinden und agieren die Protagonisten, wobei wir das Geschehen, das stellenweise in ruhigen Tönen dahin gleitet, andernorts rasant, tempo- und wendungsreich hereinbricht, einzig aus Jagas Perspektive verfolgen. Abgesehen von der durchweg beklemmenden Stimmung, einer historischen Note und der dichten Atmosphäre, die aufgrund des altertümlichen und begrenzten Settings verstärkt wird, sind die Romance-Komponente, insofern man von solch einer sprechen kann, wie auch die Charaktere durchweg gelungen.
𝗟𝗮𝘆𝗹𝗮 𝗙𝗮𝗲 verzichtet darauf, ihre Figuren durch aufwallende Gefühle oder körperliche Anziehung zu verklären. Heißt: 𝘋𝘦𝘳 𝘛𝘦𝘶𝘧𝘦𝘭 𝘣𝘭𝘦𝘪𝘣𝘵 𝘥𝘦𝘳 𝘛𝘦𝘶𝘧𝘦𝘭. Das Böse. Das Intrigante. Er manipuliert, wütet, erpresst. Sein Interesse an Jaga ändert nichts an seinem Verhalten, schenkt ihm nicht plötzlich ein Gewissen. Und Jaga? Die bleibt ihren Wünschen und Plänen treu, so verlockend Woland wispert. Wehrt sich, versucht, sich zu bereichern, will niemals Besitz sein – sich der Konsequenzen bewusst. Die einst Ausgestoßene entdeckt im Verlauf, während sie endlich die Oberhand im Dorf gewinnt, sich beweisen kann, ihre dunkle, nicht immer gütige Seite. Entdeckt, was in ihr verschlossen ist.

Beide halten an ihren Überzeugungen und Prinzipien fest, an ihrem – definitiv in Teilen fragwürdigen – Wertesystem und ihren moralischen Vorstellungen, verfolgen vehement eigene Ziele, beherbergen Geheimnisse. Verfangen sich in Diskussionen und Verhandlungen, gehen Deals ein, wägen ab. Dabei bekommen wir Einblick in ihre ambivalenten Empfindungen, in die Sehnsucht danach, den eigenen Standpunkt nur ein wenig zu verrücken, den Drang, der Lust nachzugeben. All das macht Jaga und Woland, ihr Auftreten und Handeln wie auch die komplette Story, glaubhaft. Faes Ton ist dabei erwachsen, ernster und bedacht, ist nie einfach oder einfallslos. Selbst die anzüglichen, verruchten Momente und Gedanken und die expliziten Szenen wurden klar und hart in Worte gepresst. Ohne Verniedlichung, klischeehafte Bezeichnungen oder Kosenamen.
Gerade die Motive des Teufels bleiben lange verborgen, sorgen für eigene Vermutungen und Überlegungen. Was klar wirkt, wird so manches Mal umgeworfen, was den Reiz der Dark-Fantasy ausmacht. Jede Liebkosung, jede aufmerksame Geste Wolands geht mit Berechnung einher. Denn der Teufel ist kein Held in dunkler Rüstung.

Je weiter der Verlauf voranschreitet, je mehr Jaga in die Welt des „Übernatürlichen“ eintaucht, umso mehr sie sieht und versteht, umso mehr Raum bekommen die mythischen Aspekte – beginnend bei verschiedenen Wesen und Gottheiten bis hin zu Überlieferungen und Wahrheiten, die von Sagen befreit werden. Obgleich ich mich viel mit Mythologie beschäftige und mein Interesse hieran groß ist, bin ich in Sachen slawischer Folklore wenig bewandert. Ein Glossar über auftretende „Geschöpfe“ am Ende sowie eine Aussprachehilfe und Einführung zu Beginn waren demnach sehr hilfreich.
Selbst der feministische Bezug damaliger Zeiten ist gegeben, unterwerfen sich die Frauen doch nur bedingt der Ehe und dem Mann. Der Wunsch nach Selbstbestimmung ist zumindest in Gesprächen und heimlichen Geschäften zu spüren. Zudem fließen die Normalität der Regelblutung und das körperliche und psychische „Unbehagen“ ein. Die Autorin benennt die weibliche Unterdrückung ebenso direkt wie die trickreiche, oft gewaltsame, durchweg bedrohliche und verlogene Vorgehensweise von Woland. Ohne zu beschönigen und zu verklären, ohne das Ziel, zu bekehren. Diese Konsequenz hebt „Devil's Deal“ in vollkommen andere Gefilde, als von den trendigen, auf dem Markt verbreiteten (Dark) Romantasy gewohnt. Denn dementsprechend sind auch die hier stattfindenden Entwicklungen weitaus nachvollziehbarer, realitätsnäher und harscher. Nicht vorhersehbar und unübertroffen heimtückisch.

Mir haben die komplexe und detailreiche Ausarbeitung von Setting, Hintergründen und Gegebenheiten, die Facetten, die die Autorin aufgegriffen hat, wirklich imponiert und gefallen, während etliche Fragen und Unklarheiten erst nach und nach – logisch, durchdacht – eine Antwort finden. Stil und Aufbau, Ernsthaftigkeit und der Mix aus derb und zart, Betrug und Täuschung – ohne etwas zu romantisieren – machten dieses Buch zu einem, das Aufmerksamkeit erfordert, in vermeintlicher Sicherheit wiegt und in die Tiefe geht – sei es beim Plot, beim Worldbuilding, bei den Figuren oder der konfliktreichen, nicht rosaroten „Beziehung“.

„Devil's Deal: Dunkle Versuchung“ ist keine verwaschene, oberflächliche und typisch seichte Fantasy-Romanze, in der die Liebe über den Prinzipien und dem eigenen Sein steht. Nein, Layla Fae hat eine düstere Geschichte mit Mythen und Gräueln geschaffen, in der die Protagonisten dämonisch intrigieren und Selbstlosigkeit selten auf dem Plan steht, in der Ereignisse erschaudern lassen, komplett überraschen, gar schockieren, und Entscheidungen ihren Preis erfordern. Mit der direkten Wortwahl, der historisch anmutenden Welt, der Magie und dem wankelmütigen Machtgefälle, mit mystischen Geschöpfen und der Grauschattierung des Einzelnen hat mich diese düstere Fantasy-Story vollkommen vereinnahmt und überzeugt.
[Übrigens: Zwar erscheint Teil 2 im April, ich finde aber, dass dieses Buch auch als Standalone funktioniert.]

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Veröffentlicht am 09.01.2026

Weder sonderlich romantisch noch fantastisch oder gar aufregend

Kingdom of crystal Hearts
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„𝐊𝐢𝐧𝐠𝐝𝐨𝐦 𝐨𝐟 𝐜𝐫𝐲𝐬𝐭𝐚𝐥 𝐇𝐞𝐚𝐫𝐭𝐬“ führt uns auf den Kontinent Brillant, der aus vier Reichen besteht und von einer Königin regiert wird, deren Grausamkeit und Härte ihr vorauseilen. Anlässlich des 20. Geburtstages ...

„𝐊𝐢𝐧𝐠𝐝𝐨𝐦 𝐨𝐟 𝐜𝐫𝐲𝐬𝐭𝐚𝐥 𝐇𝐞𝐚𝐫𝐭𝐬“ führt uns auf den Kontinent Brillant, der aus vier Reichen besteht und von einer Königin regiert wird, deren Grausamkeit und Härte ihr vorauseilen. Anlässlich des 20. Geburtstages ihres Sohnes reist Rhaella nun durch das Land – hält dekadente Feierlichkeiten und protzige Festivitäten ab, während große Teile des Volkes, die Gemeinen, hungern und verzweifeln, täglich unzählige Menschen in den Minen sterben, um dem Adel zu noch mehr Macht und Reichtum zu verhelfen. Die Rebellion sieht jetzt den Zeitpunkt gekommen, dem Schrecken ein Ende zu bereiten, das Volk endlich von der Regentin und dem unbeteiligten, gleichgültigen Thronfolger zu befreien.
Veränderung muss her, ein Wandel, bevor noch weitere Leben enden …

Elodie Cabot lebt seit jeher in Granat, dem Armutsviertel von Karmenit, und ist seit dem Verlust ihrer Eltern Teil des Widerstands. Nachdem auch ihre geliebte Schwester verschwand, wurde die Wut der jungen Jägerin, ihr Rachedurst, ihr Wunsch nach Vergeltung mit Händen greifbar. Ihr Part beim Attentat auf die Königin war klar, doch alles kam anders. Plötzlich teilt sich Elodie unter dem Namen Lady Magnolia Burbon mit der Regentin eine Kutsche, pilgert mit ihr von Reich zu Reich, schläft in den weichsten Betten und speist exzellent. Über ihr das Damoklesschwert, immer die Angst im Nacken, als einfache Gemeine enttarnt, als Hochverräterin gehängt zu werden. Nur ihrer Zofe ist es zu verdanken, dass Elodie als Adelsmitglied – wenn auch unkonventioneller, vorlauter Art – vernommen wird. Bis die Vorsicht schwindet … und die Ereignisse eine dramatische Wendung nehmen …

♡ »𝐈𝐡𝐫 𝐤𝐨𝐞𝐧𝐧𝐭 𝐦𝐢𝐜𝐡 𝐬𝐜𝐡𝐥𝐚𝐠𝐞𝐧, 𝐈𝐡𝐫 𝐤𝐨𝐞𝐧𝐧𝐭 𝐦𝐢𝐜𝐡 𝐛𝐫𝐞𝐜𝐡𝐞𝐧.
𝐀𝐛𝐞𝐫 𝐠𝐥𝐚𝐮𝐛𝐭 𝐧𝐢𝐜𝐡𝐭, 𝐝𝐚𝐬𝐬 𝐈𝐡𝐫 𝐦𝐢𝐜𝐡 𝐣𝐞𝐦𝐚𝐥𝐬 𝐛𝐞𝐡𝐞𝐫𝐫𝐬𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐰𝐞𝐫𝐝𝐞𝐭.« ♡

Positiv hervorheben möchte ich den Stil von Sina Brings, der insgesamt wirklich schön – heißt: bildreich, klar und gefühlvoll – war. Schnörkellos werden wir durch die Geschichte geführt, sehen die Missstände des Kontinents, spüren den Schrecken der Bevölkerung, wenn Rhaellas Name fällt. Unrecht und Leid ziehen sich unterschwellig durch die Seiten, Angst und Gewalt.
Elodie, die uns durch die Erzählung führt, wirkt in vielen Momenten wie eine starke Persönlichkeit. Auch ihre Situation – begonnen in ihrer verlustreichen Vergangenheit über ihren Platz in der Rebellion, ihren Feuereifer, den Sturz der Herrschenden, wenn auch blutig, einzuleiten, bis hin zu ihrer jetzigen verqueren Position – war nachvollziehbar dargelegt. Jedoch mangelte es u. A. an einer griffigen Ausarbeitung dem Romance-Plot und dem männlichen Loveinterest betreffend.
Denn Rafe Tharendor von Eldorin – auffällig durch seinen Blick, intensiv und dunkel – ist mehr Statist als tatsächlich integriert, was nicht an seiner Wortlosigkeit liegt. Woher also die romantischen Gefühle kamen oder wie die Magie in dieser Welt funktioniert, bleibt lediglich eine Ahnung. Denn auch in Sachen Worldbuilding konnte der Romantasy nicht überzeugen. Dafür kam es, wie zu erwarten, zu einer expliziten Szene. Ob ich diese, im Angesicht der Umstände und der vorherrschenden Stimmung, Rafes allgegenwärtiger Distanz, so passend fand? Eher nicht. Ich kann diesem „Hauptsache Spice“ nichts abgewinnen. Hier wäre der Aufbau einer glaubhaften und nachvollziehbaren emotionalen Verbindung oder Einblicke in die Edelsteinmagie weitaus relevanter gewesen.

Zusätzlich irritiert der Stillstand, in den die Handlung zügig abdriftet. Wiederholende Informationen, kreisende Gedanken, immer gleiche Abläufe und sich ähnelnde Formulierungen sowie Elodies Gefühlswirrwarr – hin- und hergerissen zwischen Zukunfts- bzw. Todesangst, der Zuneigung für den stummen Prinzen und dem Zweifel ob ihrer Tat – sorgen trotz der relevanten Punkte, die Brings einfließen lässt, für Eintönigkeit. Dabei erwacht in der vermeintlichen Lady, während sie Stunde um Stunde mit Rafe und Medicus Renauld verbringt, etwas, das sie den Hass auf den Adel, die Verteufelung einer gesamten Gesellschaftsschicht, hinterfragen lässt.
Dass die Atmosphäre durchweg beklemmend ist, Misstrauen durch die Seiten fließt, eine unbestimmte Vorsicht, untermalt die Zustände von Brillant und die Anspannung der Hochverräterin. Auch die einen oder anderen (vielleicht vorhersehbaren) Wendungen und Gänsehaut verursachenden Momente gibt es im Verlauf, aber leider traf auch das viel zu rasche Ende nicht meinen Geschmack.

„Kingdom of crystal Hearts“ ist ein solider, wenn auch oft zäher und unspektakulärer Roman, in dem die Autorin mit Rafes Handicap Aufmerksamkeit für stumme Menschen/Gebärdensprache generiert und einige wichtige, aktuelle Themen anschneidet – sei es die weitverbreitete Armut, die dem Überfluss der Oberen gegenübergestellt wird, der Versuch, gegen Ungerechtigkeiten aufzubegehren, und die Tatsache, dass wir letztlich alle gleich sind.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Romantasy mit märchenhaftem Flair und dunklen Tönen

A Beauty for the Beast
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Für den geächteten Prinzen, der sein Volk mit harter Hand regiert, läuft langsam die Zeit ab – der Moment, der ihn wahrhaftig und unwiderruflich in ein Monster verwandeln wird, naht. Nur die Liebe, echt ...

Für den geächteten Prinzen, der sein Volk mit harter Hand regiert, läuft langsam die Zeit ab – der Moment, der ihn wahrhaftig und unwiderruflich in ein Monster verwandeln wird, naht. Nur die Liebe, echt und aufrichtig, kann ihn retten … Als sich ein Fremder Zutritt zu seinem Schloss verschafft, von Hunger und Kälte getrieben, bietet er dem Bettler einen Deal an, denn Varek sieht seine Chance, den Fluch, der auf ihm lastet, endlich zu brechen: Er will für ein Jahr die Tochter des Eindringlings. Und plötzlich findet sich Isabell in prächtigen Gemächern wieder, ihrer Freiheit beraubt. Doch statt vor dem Hochmut des Prinzen in die Knie zu gehen, bietet Bell ihm die Stirn. Und schneller als gedacht entbrennen zwischen der Schönen und dem Biest Gefühle, die über Verlangen und Leidenschaft hinausgehen …

In „A Beauty for the Beast“ adaptiert Liz Rosen den französischen Klassiker „La Belle et la Bête“ und schenkt dem Bekannten mit bildreichen Worten „frische“ Nuancen, überraschende Wendungen und dunkle Töne. Die Autorin schuf ein vorstellbares, märchenhaftes Setting, lässt uns an Bells Seite die Kälte des mystischen Schlosses durchdringen. Mitten hinein in furchteinflößende Schatten, hallende Einsamkeit, einst dekadente Säle. Schmerzhafte Geheimnisse.

Aufgrund der Kürze der Dark-Romantasy ist nicht mit allzu viel Tiefe innerhalb der Storyline zu rechnen. Hier und da wirkten die (romantischen) Entwicklungen und auch der Stil sehr einfach. Nichtsdestotrotz waren Isabell und Varek, die aus wechselnder Perspektive erzählen, interessante Figuren mit Eigenheiten, Hintergründen und einer Geschichte. Gerade das „Biest“ überzeugt mit seinem – unberechenbaren, wankelmütigen – Wesen, das aus seiner Vergangenheit und dem Fluch geboren, von Einsamkeit, Schuld und (Selbst)Hass gezeichnet ist. Auch Bell hinterlässt Eindruck, beweist sie mehrfach Stärke und Mut, wächst im Heim ihres vermeintlichen Wärters über sich hinaus. Die Dynamik der beiden wandelt sich von distanziert und argwöhnisch, von Misstrauen bei jeder Begegnung, zu einer, in der Achtsamkeit und Respekt dominieren, Verlangen in jedem Blick.
Im Verlauf werden wir mit actionreichen Szenen und einer vor allem zu Beginn düsteren Atmosphäre konfrontiert, mit schlagfertigen, offenen Gesprächen und den verschiedensten Gefühlen. Rose würzt ihr dunkles Märchen mit ausreichend (und direktem) Spice, der sich stimmig in die Handlung fügt.
Wichtiger sind jedoch die Erkenntnisse und Erinnerungen, die „A Beauty for the Beast“ bereithält: Jeder Mensch ist mehr als sein Äußeres, als der Schein; besteht aus einem Sammelsurium aus Facetten. Und die größte Liebesgeschichte ist immer die, die wir mit uns selbst schreiben.

»Es ging nie darum, geliebt zu werden – es ging darum, lieben zu können. Mich selbst. Andere. Das Leben.«

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Atmosphärische Romantasy, die auf ruhige Töne setzt

Her Aria of Blood and Light
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In „Her Aria of Blood and Light“ führt uns Mila Rosgeber in ein Land, das noch immer unter den Auswirkungen eines längst verjährten Bürgerkriegs leidet, in ein Reich des Ewigen Winters, zu einem verängstigten ...

In „Her Aria of Blood and Light“ führt uns Mila Rosgeber in ein Land, das noch immer unter den Auswirkungen eines längst verjährten Bürgerkriegs leidet, in ein Reich des Ewigen Winters, zu einem verängstigten Volk, mitten hinein in weitreichende Veränderungen, aufglimmende Rebellion und zu der Härte ungeahnter Mächte …

Hauptsächlich verfolgen wir das Geschehen aus der Perspektive von Katerina Taviles – heute eine für ihre Stimme gefeierte und bis in die Riegen des Kaiserlichen Hofstaates bekannte Opernsängerin, doch hinter Professionalität und Höflichkeit versteckt die junge Frau eine vor Trauer verzerrte Seite – denn seit dem großen Aufstand ist sie eine Waise und nur durch einen glücklichen Zufall in Gestalt ihres Ziehvaters noch am Leben.
Zu Beginn werden wir Teil von Katerinas Alltag, von ihrer musikalischen Leidenschaft und der alles verändernden Begegnung mit dem geheimnisvollen Jason Sanseran. Die Treffen mit dem Fremden werden von einem aufgeregten, jedoch nicht deutbaren Kribbeln begleitet. Von Fragen und Unklarheiten. Von Erinnerungslücken und nagenden Kopfschmerzen bis hin zu Gefühlen der Unruhe und Unsicherheit …

„Egal, wie viele Leben sie leben würde. Egal, zu was für einer Kreatur sie geworden war. Ihn würde sie immer erkennen.“

Einblicke in Jasons Gedanken und Abschnitte in sein Tun geben der Story etwas Mystisches, Bedrohliches – und dem vor langer Zeit Erwachten Kontur. Je mehr wir seinem obsessiven Wesen und der Wahrheit seines Seins auf die Schliche kommen, umso unberechenbarer wird der Elidat.
Hier und da werden wir in Vergangenes zurückgeworfen, was zum einen Katerinas Verhalten, ihre Ängste, noch greifbar werden lässt, zum anderen Jasons – herrische, besitzergreifende, manipulative – Art mit etwas durchtränkt, das gleichermaßen Verständnis wie Mitgefühl entfacht. Zwischendurch schnappen sich auch andere Figuren eine Sequenz, gewähren uns ihre Sicht auf gegenwärtige Ereignisse und – wie auch das Auftauchen und die Rolle von Dave Merdian – verleihen dem Ganzen neue Blickwinkel sowie die dringend nötige Abwechslung.
Denn Milas sehr, sehr ruhige Erzählweise in Kombination mit einem langsamen Tempo, das durch ausschweifende und bis ins Kleinste festgehaltene Beschreibungen von jedem Handgriff, jedem Lichtstrahl, jeder Regung zusätzlich gedrosselt wird, lässt die Romantasy oftmals langwierig erscheinen. Dabei war der Stil der Autorin wirklich toll – atmosphärisch, klar und regelrecht malerisch, während sich ein Hauch Melancholie und Schwermut, eine gewisse Distanz, die die Stimmung des Buches unterstreicht, durch die Seiten zieht.
An so mancher Stelle, die für Verständnis und Authentizität wichtig gewesen wäre, kommt Rosgebers Detailverliebtheit hingegen zu kurz – bspw. fehlte es mir an Hintergründen über die unsterbliche Art, auch die romantische Entwicklung zwischen Dave und Katerina oder die Verwandlung der Opernsängerin waren eher abrupt und genauso wenig nachvollziehbar wie die rasche Akzeptanz. Ehrlich gesagt kam ich auch nicht umhin, in der frisch erwachten Protagonistin ein typisches Klischee zu sehen – erstmalig, augenblicklich kontrolliert, kaum anfällig für Irritationen und sofort kampffähig.
Das Finale ging meinem Erachten nach zu schnell und zügig vonstatten, schließt die Geschichte jedoch – trotz des einen oder anderen offenen Handlungsstrangs – größtenteils stimmig ab.

Insgesamt konnten das historisch angehauchte Setting, die hier geschilderte Idee der „Unsterblichkeit“, die Romantik in den Worten und der Aufbau der Geschichte, die von einer tragischen, tiefsinnigen Note begleitet wird, überzeugen. Immer wieder finden sich neben Spannung, Dunkelheit und Opfern auch Gefühl und einschneidende Wendungen. Im Verlauf begegnen wir allerhand Charakteren – von FeindIn zu FreundIn, von Mensch zu Ewigem –, werden mit aufkommenden Unruhen und der politischen Lage des Landes konfrontiert, mit Rebellion und Kampf, Täuschung, Bündnis und totgeglaubten Mächten.
Mila Rosgeber führt uns in das Leben und die Veränderungen von Katerina Taviles, in eine Welt, in der weder Winter noch Kälte je versiegen. Erzählt von Schicksalsschlägen, prägenden Verlusten und von der Stärke, die es braucht, immer wieder aufzustehen. Weiterzugehen.

»Sein Ende ist meine Freiheit«, wisperte Katerina an die funkelnden Sterne gerichtet. So wertlos diese Freiheit auch geworden war.“

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Mehr als eine romantische Komödie. Viel mehr.

The Friend Zone
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„The Friend Zone“ ist eines dieser Bücher, die äußerlich locker und süß anmuten, sich nach einer witzigen RomCom anhören, jedoch im Inneren mit einer ungeahnten Schwere, mit Tiefe und sensiblen Themen ...

„The Friend Zone“ ist eines dieser Bücher, die äußerlich locker und süß anmuten, sich nach einer witzigen RomCom anhören, jedoch im Inneren mit einer ungeahnten Schwere, mit Tiefe und sensiblen Themen glänzen. Vieles, was Abby Jimenez aufgreift, hat mich sehr berührt und neben Mitgefühl auch Verständnis geweckt.

Zwar verlief die erste Begegnung von Kristen Peterson und Josh Copeland nicht optimal, doch beide reißen sich für ihre besten Freunde zusammen. Immerhin liegt es in Joshs und Kristens Pflicht als Trauzeugen, die Vorbereitungen für die Hochzeit des Traumpaares optimal zu gestalten. Ausgerechnet in dieser stressig-euphorischen Phase kündigt Kristens Handwerker, der für ihr Unternehmen ‚Doglet Nation’ unerlässlich ist. Josh bietet ihr seine Hilfe an und schon bald sprühen zwischen ihnen die Funken, die der guten Sorte. Langsam, aber mit einer unerschütterlichen Gewissheit nähern sich die Dog-Mom und der Feuerwehrmann an … Wäre da nur nicht Tyler, mit dem sich die Selbstständige schon bald ihre Wohnung und ihre Zukunft teilen wird, und ihr Geheimnis, das bisher nicht mal ihre beste Freundin kennt... Eines, mit dem Josh niemals leben und glücklich werden könnte. Kristen setzt alles daran, ihn in der Friendzone und auf Abstand zu halten. Nur, ist das gar nicht so einfach.

Als ich diese humorvolle Romance begonnen habe, rang ich gerade mit den monatlichen – für mich seit jeher quälenden – Schmerzen und fühlte mich SOFORT verstanden. Gesehen. Denn die Protagonistin kämpft schon jahrelang mit ihrem – außer Kontrolle geratenen – Zyklus, den Begleiterscheinungen der Uterusmyome, mit Anämie, Schwindel, starken Krämpfen und den dadurch bedingten Einschränkungen. Um endlich wieder mehr Lebensqualität zu erhalten, entscheidet sich Kristen für einen drastischen Eingriff.
Es ist so, so wichtig, dass offen über die Blutung und etwaige nicht normale Verläufe gesprochen wird, dass sie thematisiert und diskutiert wird, dass derartige Probleme gehört und ernst genommen werden.

Mit Peterson schuf Abby Jimenez eine äußerst komplexe, authentische, menschliche Figur, die unglaublich viele Punkte aufweist, um sich mit ihr zu identifizieren, um sich selbst zu erkennen. Ich fand mich jedenfalls in vielen (inneren) Konflikten, Denkmustern und Verhaltensweisen wieder. Kristen ist taff, hingebungsvoll und sehr direkt, bekommt schlechte Laune, wenn sie hungrig ist, hält an ihren Prinzipien fest und wird doch regelmäßig von dem Gedanken, niemals zu genügen, dem Drang, stets die Starke, die Kontrollierte mimen zu müssen, heimgesucht.
Den zweiten Part nimmt Josh ein – Josh, der fürsorgliche, aufmerksame Feuerwehrmann, der erst seit Kurzem in Kalifornien wohnt und sich, selbst mit sechs Schwestern aufgewachsen, eine große, eigene Familie wünscht. Für mich war er die Definition von Greenflag: Copeland achtet auf Kristens Bedürfnisse, akzeptiert ihre Eigenheiten, verliebt sich in ihre Macken, fordert sie heraus und lässt ihre Hand nicht los, weder bei den kleinen noch den großen Schlachten. Josh geht sogar im Umgang mit Stuntman Mike vollkommen auf – und hallo? Ein liebevoller, attraktiver, tierlieber Handwerker mit Sinn für Humor, der sein Leben für die Gesellschaft riskiert? Sabber!
Die Dynamik der beiden war von Anfang an äußerst unterhaltsam, spritzig, manches Mal anzüglich, prickelnd und ein Mix aus heiß - kalt. Zwar ist Kristen nicht bereit, Joshs Traum von einer eigenen Familie durch ihren augenscheinlichen Mangel, ihre scheinbaren Unzulänglichkeiten, zu torpedieren, aber diesen Book-Boyfriend hält nicht mal eine kalte Schulter davon ab, sich – mit Bedacht und Vorsicht – immer wieder jener Frau zu nähern, die sein Herz mit einer Urgewalt erobert hat … Und ist Liebe nicht manchmal auch Opfer bringen, Kompromisse eingehen und das Gemeinsam über Hürden tragen?

Durch Einblicke in Joshs anspruchsvollen Job werden wir u.A. mit der Verschwendung von Kräften/Ressourcen aufgrund zahlreicher fälschlicher „Notfälle“ konfrontiert, was der Handlung einen weiteren wichtigen Aspekt schenkt. So ulkig manch Einsatz scheint, so nachvollziehbar war die Frustration der Wachleute. Integriert sind auch die Möglichkeiten (und bürokratischen Hürden) der Adoption und Leihmutterschaft, etwas, das zahlreiche Menschen betrifft und belastet, dennoch selbst heute weitläufig tabuisiert wird. Jimenez spricht von anerzogenen Minderwertigkeitsgefühlen, leiser Rebellion, von Body-Shaming, das bereits bei einer taktlosen Frage beginnt, von gesellschaftlichen Erwartungen und Rollenbildern, von der falschen Norm, in die etliche Frauen nicht passen können oder wollen. Von Kinderlosigkeit und tiefgreifenden Verlusten.

Neben der Strangers-to-Friends-(with benefits)-to-Lovers-Entwicklung, Missverständnissen und Konflikten warten ein toll inszeniertes Setting, ein niedlicher Sidekick und die besten Freunde. Sloan und Brandon, die bereit sind, sich das Jawort zu geben, deren Verbundenheit spürbar ist. Doch das Schicksal geht zu oft seltsame, grausame Wege …

Stilistisch werden wir in einem klaren, stellenweise amüsanten und oft ernsten Ton durch die unerwartet tiefsinnige Storyline geführt, bildreich und voller Gefühl. Nicht ohne schmerzhafte Offenbarungen, tragische, schockierende Wendungen – WTF-Twists inklusive –, bedingungslose Liebe und wahre Freundschaft. „The Friend Zone“ war ergreifend, aufregend und mitreißend, sorgte für Lachen und Tränen im selben Maße, für Seufzer und den Wunsch, sofort jemanden in den Arm zu nehmen.
Ich empfehle auch einen Blick auf das Nachwort.

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