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Veröffentlicht am 10.12.2025

Wohlfühlstory mit Herz und Tiefe

Die geheimnisvolle Bäckerei in der rue de Paris
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Edith Lane ist mittlerweile dreißig und weiß noch immer nicht, was sie im Leben will. Den Großteil ihres Erwachsenwerdens hat sie sich selbst, ihre eigenen Wünsche und Ziele, zurückgestellt, um für ihre ...

Edith Lane ist mittlerweile dreißig und weiß noch immer nicht, was sie im Leben will. Den Großteil ihres Erwachsenwerdens hat sie sich selbst, ihre eigenen Wünsche und Ziele, zurückgestellt, um für ihre Eltern da sein zu können. Diese Entscheidung bereut die bis dato Barista keine Sekunde lang, doch nun treibt es sie in die Ferne, Richtung Neuanfang.
Eine Stellenausschreibung für eine Führungsposition in einer Bäckerei in der Hauptstadt Frankreichs kommt ihr da gerade recht. Mit ausbaufähigen Sprachkenntnissen, aber voller Tatendrang und Euphorie macht sie sich auf den Weg nach Paris.
Um erschüttert festzustellen, dass sich die bezaubernde Bäckerei nicht in der Liebesstadt, sondern in einem kleinen Dorf außerhalb befindet. Kaum ist die erste Enttäuschung abgeflaut, trifft sie schon der nächste Tiefschlag: Geneviéves Moreau, ihre zukünftige Chefin, tritt alles andere als herzlich oder gar freundlich auf. Und selbst Manu, der Auszubildende, spart an Wärme und Worten …
Eigentlich sollte sich Edie zurück -und an die Regeln halten, immerhin will sie weder die rüstige Inhaberin verärgern noch ihren Job in der Fremde und das dazugehörige Dach über dem Kopf riskieren. Doch die Auflage, der sich im Keller befindlichen Backstube fernzubleiben, und die Geräusche des Nachts, die nicht dem urigen Gemäuer geschuldet sind, treiben die Irin dazu an, dem Geheimnis der Boulangerie et Pâtisserie de Compiègne auf den Grund zu gehen, nur um etwas zu entdecken, das ihr Weltbild und ihren Glauben aus den Angeln hebt. Gleichzeitig sorgt die Wahrheit, ungeschönt, dafür, dass sie das abweisende Verhalten von Madame Moreau und die eindrucksvolle wie tragische Geschichte der Bäckerei versteht, sie fühlt.
Nichts kann sie von jetzt an noch davon abhalten, sich der Welle aus Problemen, die unaufhörlich durch die Straße schnellt und das Lebenswerk der Moreaus mit sich zu reißen droht, mit aller Macht entgegenzustellen. Selbst wenn das bedeutet, ihr Herz bei diesem Akt zerspringen zu lassen.

Bereits in den beiden vorigen Romanen von Evie Woods habe ich ihre Art, verschiedene Schicksale und Zeitebenen miteinander zu verknüpfen und alles mit einem Hauch Magie zu spicken, sehr genossen und die Geschichten fasziniert verfolgt! So auch jetzt.
„Die geheimnisvolle Bäckerei in der rue de Paris“ wird hauptsächlich aus der Sicht von Edith Lane wiedergegeben, sodass wir die junge Frau, ihre Zweifel und Ängste, ihren Verlust und die bis heute nicht abgeflaute Sehnsucht greifen können. Ebenso spürbar waren ihre Hoffnung, die der Wechsel von Wohnort und Beruf entfachte, und die Enttäuschung, die über Edie hinwegrollte. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten, die die Verständigung mit den Franzosen und Französinnen sowie die angespannte, unterkühlte Situation am eigentlich gemütlichen Arbeitsplatz mit sich brachten, überwindet die Irin ihre sprachlichen Unsicherheiten nach und nach, kommt aus sich heraus und knüpft Freundschaften. Auch der charmante, aufmerksame Hugo Chadwick hilft Edie dabei, sich einzuleben. Ihr Herz zu öffnen, ohne zu ahnen, dass der attraktive Hobby-Fotograf etwas Wichtiges vor ihr verbirgt …

Woods versteht es, emotional verletzte, nahbare und authentische Charaktere zu zeichnen und diese in Storys zu platzieren, die nicht nur relevante Themen ansprechen – Verlust, Selbstfindung, Neuanfänge oder, wie hier, das Sterben von echtem Handwerk und kleinen Betrieben –, sondern auch historische Ereignisse umreißen, Romantik und Geheimnisse beinhalten und zusätzlich etwas magisch-wundersames. An passender Stelle wird die Gegenwart unterbrochen, sodass wir etwas über Madame Moreaus Heimlichkeit und die Geschichte über ihre herzige Bäckerei erfahren. Diese Rückblenden in ein Frankreich des Zweiten Weltkriegs geben dem Roman etwas Echtes und gleichsam Tragisches.
Macht es euch gemütlich in der Boulangerie et Pâtisserie de Compiègne, denn diese Handwerksbäckerei lässt euch nicht so schnell los …

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Originelles Worldbuilding und unterhaltsame Geschichte

The Tainted Cup
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„The Tainted Cup“ ist der Auftakt der Biopunk-Krimi-Reihe „Shadow of Leviathan“ von Robert Jackson Bennett, in der wir in eine Welt mit dystopischem Charakter geführt und mit den Auswirkungen/Möglichkeiten ...

„The Tainted Cup“ ist der Auftakt der Biopunk-Krimi-Reihe „Shadow of Leviathan“ von Robert Jackson Bennett, in der wir in eine Welt mit dystopischem Charakter geführt und mit den Auswirkungen/Möglichkeiten von Biotechnologie und Genmanipulation konfrontiert werden.

Eine skurril zugerichtete Leiche führt Dinius Kol – Gehilfe der berüchtigten Ermittlerin Ana Dolabra – in das dekadente Anwesen einer der wohlhabendsten Familien des Reiches. Doch dieser Tote ist erst der Anfang. Schon bald geraten Ana und Din in ein Netz aus Korruption und Verrat, das sich bis in die höchsten Kreise des Imperiums erstreckt …

Obgleich uns der Autor nicht nur Stück für Stück in den Mord und in die folgenden Ermittlungen einweist, sondern uns auch gemächlich in die weitreichende, äußerst komplexe Welt ,Khanum' eintauchen lässt, uns mit deren Aufbau und den Gegebenheiten, den Konventionen und Hierarchien bekannt macht, hätte ich mir in diesem Punkt noch mehr Hintergründe und Details gewünscht, um das Ganze wirklich greifen zu können.
Soviel aber: Durch das Imperium ziehen sich Ringmauern, die die einzelnen Bereiche und Schichten voneinander abgrenzen. Wichtig ist jedoch jene Barriere, die das Volk vom Meer und somit von den Leviathane, grausamen Seemonstern, abschirmt. Diese greifen das Reich jedes Jahr zur Regenzeit mit geballter Kraft an. Ein sich näherndes Ereignis, das unserem außergewöhnlichen Paar zusätzlich Druck macht. Denn schnell wird klar: Motive und potenzielle TäterInnen gibt es zuhauf …
Ebenfalls spannend: Ausgewählte Personen Khanums wurden so modifiziert, dass sie teilweise übersinnliche Kräfte oder verstärkte Sinne besitzen.

Da wir der ersten Zusammenarbeit von Ana und Din beiwohnen, sind wir auch Zeugen ihrer Annäherung, ihres Kennenlernens. Mir hat es wirklich Spaß gemacht, die zwischenmenschliche (rein berufliche/platonische) Entwicklung zu verfolgen und zugleich die beiden Individuen, ihre Eigen- und Besonderheiten kennenzulernen.
Dinius Kol, der uns durch die oft amüsante, durchweg interessante Handlung führt, hat Schwächen und seit seiner gewaltvollen Ausbildung ein Trauma, das er ebenso gut verbirgt wie seine Lüge. Der Gravierer ist neugierig, manchmal naiv, aber pflichtbewusst, ruhig und loyal. Im Gegensatz zu Ana: exzentrisch, eigenwillig, schräg – beschreibt diese Frau mittleren Alters, die unkonventionell und gleichzeitig beeindruckend präzise agiert, perfekt. Wenig Wert legt sie auf Höflichkeit und Anstand, was sie nicht nur sympathisch macht, sondern auch etwas Spritziges und Direktes in die Geschichte bringt, unverfroren und frei heraus.
Der Autor versteht es, in seine durchaus langsame, strukturierte Story Sarkasmus und Charme einfließen zu lassen und mit Überraschungen, Spitzzüngigkeit und Spannungsmomenten für Abwechslung zu sorgen. Geschickt wird uns innerhalb der fortschreitenden Ermittlungen eine Schar Verdächtiger präsentiert. Bennett verführt sowohl die LeserInnen als auch die Protagonisten zu, basierend auf den Hinweisen, logischen Vermutungen und schafft so Misstrauen gegenüber dem Einzelnen. Die Möglichkeit der Modifikation fasziniert ebenso sehr wie das im Fokus stehende, sich ergänzende Duo. Der Stil ist detailreich, schnörkellos und recht modern.

Ohne Frage benötigt „The Tainted Cup“ Aufmerksamkeit und Konzentration, aber ist mensch einmal im Denken und Wirken von Ana Dolabra und Dinius Kol angekommen, sieht sich mit Verrat und Intrigen konfrontiert, mit Mord und Anschlägen, entfaltet dieses Buch einen ungeahnten Sog.
In „Shadow of Leviathan“ trifft Biopunk-Crime auf Low-Fantasy, Politik auf schräge Charaktere. Ich bin sehr auf weitere Eindrücke der Welt und neue Fälle des Duos gespannt. „A Drop of Corruption“ erscheint bereits im Mai 2026 in der deutschen Übersetzung.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Historische New-Adult-Romance mit düsterer Atmosphäre

Society of Death. Von Rache verführt
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„Von Rache verführt“ ist der Auftakt der Dilogie „Society of Death“, in der uns Regina Meissner in das Jahr 1875 führt. Mitten hinein in eine Geschichte, die von melancholischen Tönen durchzogen ist, von ...

„Von Rache verführt“ ist der Auftakt der Dilogie „Society of Death“, in der uns Regina Meissner in das Jahr 1875 führt. Mitten hinein in eine Geschichte, die von melancholischen Tönen durchzogen ist, von Geheimnissen, die niemals ans Licht kommen sollten, und von Gefahren, die weit über studentischen Schabernack hinausgehen …

Vorab: Dieses Buch ist stimmig abgeschlossen und als Einzelband lesbar.

Wir lernen Victoria Foster als starke und selbstbewusste, wissbegierige und vielseitig interessierte Frau kennen, untypisch, zugleich jedoch erfrischend für die damalige Zeit. Als Tochter des Bürgermeisters von New Haven genießt die Protagonistin zwar ein gehobeneres Ansehen, doch letztlich sind es ihre beste Freundin und ihr geliebter Bruder, die ihr Leben mit Freude erfüllen. Dabei werden Nathaniels Tage stetig dunkler …
Victoria versucht alles in ihrer Macht stehende, um ihm zu helfen, tritt selbst den ,New Haven Circle for Mind Studies’ bei, um mehr über die Krankheit des Geistes, über die Melancholie und die Schwermut, die auch von dem 28-Jährigen Besitz ergriffen hat, herauszufinden. Doch jegliche Mühe reichte nicht. Aber statt in Trauer und Schuldgefühlen, in Wut, zu ertrinken, fokussiert sich Victoria auf die Suche nach der Wahrheit. Denn sie ist sich sicher, dass sich Nathaniel Foster nicht umgebracht hat, dass er sie niemals ohne ein Wort verlassen hätte …

Emery Grant studiert an der Yale-Universität Medizin, nicht, um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, sondern um nie wieder untätig zusehen zu müssen, um nie wieder nutzlos zu sein. Mit der leisen Hoffnung, seine Mutter eines Tages aus jenem Loch zu befreien, in das er sie gestoßen hat; um Buße zu tun. Druck, Input und der Drang, Erwartungen zu erfüllen, sind groß. Doch mit dem Eintritt in die Studentenverbindung „Skull & Bones“ scheint seine Zukunft eine glorreiche zu werden. Eine, für die es sich lohnt, Opfer zu bringen.

Als sich Emery und Victoria bei einer Vorlesung über das Thema, das beide beschäftigt und begleitet, innerhalb der elitären Akademie begegnen, ist sie sofort da. Diese Verbindung. Keiner der beiden ahnt, dass ihre Beziehung schon bald eine Wendung einschlägt, die weder Liebe noch Vergebung aufwiegen kann …

In ihrem gewohnt souveränen Stil, mit vielen Details, greifbaren Empfindungen und Tiefe, in eher ruhigen Tönen, erzählt Regina Meissner ihre Romance, die dem Genremix entsprechend ausbalanciert ist. Heißt: Das historische Feeling – inklusive Gebaren und Konventionen – wurde wunderbar, sehr authentisch ausgebaut, die romantische Komponente ist unumstritten präsent, jedoch ist Victorias Priorität – unabhängig zarter Schmachter – die Aufklärung des Todes ihres Bruders. Spannende, beklemmende Sequenzen sind der dichten Stimmung zuträglich, während wir in Emerys Perspektive – hauptsächlich zu Beginn – mit der geheimnisumwobenen Studentenverbindung konfrontiert werden. Die „Skull & Bones“ basieren übrigens auf vagen Tatsachen, was deren brutales, verborgenes Vorgehen nur noch erschreckender macht. Dabei bin ich bis zum Schluss nicht sicher, welchem Sinn oder welchem Ziel die Gruppierung nachjagt, aber sei's drum. Im Gegensatz zu den Dark-Academia-Vibes schwappte die skrupellose Bruderschaft und die von ihr ausgehende Bedrohung/Gefahr wellenartig, zumeist subtil durch den Verlauf.
Meissner platzierte um ihre Protagonisten einige Irrungen und Mysterien, stellte sie vor Hürden und schockierende Offenbarungen, zwang sie, hinzusehen. Die Nebenfiguren blieben größtenteils Schemen, dennoch sind es vor allem Elodie, die Freundschaft symbolisiert und mit ihren eigenen Konflikten Neugier schürt, und Victorias Vater, der für eine Überraschung gut ist.

Während wir Victoria bei ihrer Recherche begleiten, die sie immer tiefer in ein Netz aus Machtspielen und Manipulationen führt, sie dazu drängt, sich mit ihrem Verlust auseinanderzusetzen und ihn zu akzeptieren, kommen wir auch Emery, seinem problematischen Verhalten, seinen Prioritäten und Intentionen näher. Obgleich Ungesagtes zwischen den beiden steht, bedingungsloses Vertrauen fehlt und Regeln, gepaart mit Angst, der vollkommenen Offenheit im Wege stehen, das Bedauern über ihre Situation zu spüren ist, sind die zarten Gefühle da. Sind laut und nagend. Der Wunsch, die Hoffnung, auf ein Gemeinsam. Aber manche Vergehen und Lügen wiegen schwerer als die Liebe …

„Von Rache verführt“ ist eine historische Romance, die gleichermaßen Aufregung wie Längen, Melancholie und Romantik bereithält, die berührt und wichtige Themen – bspw. Depressionen, Sucht und Trauer – anschneidet. Regina Meissner betrachtet außerdem die damalige Stellung und Unterdrückung der Frau, zeigt, wie diese von Wissen ferngehalten, bewusst kleingehalten wurden, wie machtvoll und sicher schon immer Rang und Namen waren. Aber Victoria weiß, was sie will, ist bereit, alles und jeden loszulassen, um ihr Leben nach ihren eigenen Maßstäben und Zielen, losgelöst von gesellschaftlichen Zwängen, auszukosten. Und ob Emery einen Platz in ihrer Zukunft hat? Das solltet ihr selbst herausfinden. Aber macht euch auf unerwartete Wendungen gefasst …
„Von Liebe befreit“ erscheint im April 2026 und ich bin bereits jetzt sehr gespannt auf die Charaktere, die wir dann kennenlernen werden.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Romance mit spannenden Sequenzen und brisanten Themen

Was die Nacht nie vergisst
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„Was die Nacht nie vergisst“ ist die neueste Romance von Justine Pust, in der uns die Autorin hinter den Glanz der Reality-TV-Shows blicken lässt, während wir zugleich in ein atmosphärisches Finnland und ...

„Was die Nacht nie vergisst“ ist die neueste Romance von Justine Pust, in der uns die Autorin hinter den Glanz der Reality-TV-Shows blicken lässt, während wir zugleich in ein atmosphärisches Finnland und in zahlreiche Geheimnisse eintauchen können.

Mona Heyne ist eine in Deutschland bekannte, polarisierende Streamerin, die sich auf ihrem Social-Media-Kanal u. A. für das Tierwohl starkmacht und nicht davor zurüeckt, Promis mit ihrem rücksichtslosen Verhalten zu konfrontieren. Jetzt hat die junge Veganerin als eine von 6 Teilnehmenden der Show „Celebrity Cache“ die Chance, 500.000 Euro und Reichweite zu gewinnen. Niemand soll erfahren, dass sich Mona weder des Geldes noch des Ruhmes wegen in den Flieger setzt …
Erst am Tag des Drehbeginns lernt die Deutsche ihre Konkurrenz kennen – mit Samu hat sie hier jedoch ganz und gar nicht gerechnet. Immerhin ist der attraktive Sportler ihr One-Night-Stand der letzten Nacht. Aber damit nicht genug: Schnell sieht sich Mona in ihrem Verdacht, dass hinter den Kulissen etwas im Argen liegt, bestätigt. Irgendjemand will sie nicht in der Show sehen und hat sie mit einer Zielscheibe versehen. So gilt Monas größte Sorge nicht den Schnitzeljagden, ihrem öffentlichen Auftreten oder den fünf anderen Online-Stars. Sondern ihrer eigenen Sicherheit. Und der Wahrheit.
Wildcard-Kandidat Samu kann sich kaum etwas Demütigenderes vorstellen, als tagelang mit den Möchtegern-Promis live vor der Kamera zu posieren. Doch um das Preisgeld zu gewinnen, ist der Finne bereit, Tausenden etwas vorzugaukeln, darauf bedacht, zu keiner Zeit seine Fassade fallen zu lassen. Zu viel steht für ihn und seine Familie auf dem Spiel.

Zwei Teilnehmende einer Reality-TV-Sendung – sie, die einen Skandal aufdecken und Gerechtigkeit, und er, der seine Lüge vertuschen und ein Versprechen halten will.
Zwei Menschen, die eine Rolle einnehmen, um ihre Ziele zu verfolgen. Und einander dabei näherkommen als in ihrer gemeinsamen Nacht.

♡„Sie wollen uns zum Schweigen bringen, aber diese Zeiten sind vorbei. Ich werde nichts sagen, ich werde schreien, bis sie endlich zuhören.“

„Was die Nacht nie vergisst“ wird aus wechselnder Perspektive von Mona und dem ihr nicht unbekannten Newcomer erzählt. So werden nicht nur die Intentionen beider, ihre persönlichen Geschichten und Hintergründe greifbar, sondern auch ihre individuellen Erfahrungen innerhalb der Show. Neben unterhaltsamen und aufschlussreichen Dialogen, den Aufgaben, die die WettstreiterInnen erfüllen müssen, und Konflikten innerhalb der Gruppe halten diverse Vorfälle und bedrohliche Nachrichten das Interesse aufrecht. Zwar sind die Fragen nach dem „Warum?“ und „Wer?“ in Mona präsent, doch die Tierschützerin ist nicht bereit, sich von ihrer Recherche abhalten zu lassen. Was ist ihrer besten Freundin, die „Celebrity Cache“ im letzten Jahr als Gewinnerin verlassen hat, geschehen? …

Durchbrochen werden die gegenwärtigen Ereignisse durch Rückblenden, die dem Verlauf wie den Protagonisten Substanz verleihen, und einfühlsam geschriebene, nahezu poetische und bewegende Tagebucheinträge von Fine Garo. Auch bekommt das Format der Sendung, bspw. durch Regeln, Protokolle der Einzelinterviews, Pressemitteilungen und Auszüge aus den Kommentarspalten von Social-Media, eine sich selbst tragende Dynamik. Dank der Anonymität des Internets ist es leicht, öffentlich zu verurteilen, theoretisch Fremde herabzuwürdigen und Hass zu speien. Angestachelt von fragwürdigen Schlagzeilen bekommt die Storyline durch dieses reale Verhalten eine explosive – dabei alltägliche – Note. Pust erinnert daran, dass das, was wir auf dem Bildschirm sehen, nicht mehr ist als zusammengeschnittene Fragmente, die ein möglichst verwerfliches und dramatisches Bild zeigen sollen. Was tatsächlich dahintersteckt und passiert, wenn die Kameras aus sind, weiß niemand. Darf niemand wissen. Alles für die Quote … Alles für Sichtbarkeit und die Demonstration von Macht.

Nahbar kamen Mona und Samu zur Geltung, während die restlichen TeilnehmerInnen mehr oder weniger typische Klischees erfüllten – und/oder durchbrachen. Ira, Pamela und Mona – und ihre in großen Teilen sich gleichenden Erfahrungen – spiegeln die Stellung und die Betrachtung des weiblichen Geschlechts im Showbusiness wider. Von Sxualisierung, Sxismus, Missbrauch, Erpressung (…) bis hin zum Wegsehen der Zuständigen, zu den Zuschauenden, die anstacheln und bewerten, den Betroffenen, die ertragen und zum Schweigen gebracht, unter Druck gesetzt werden. Denn wer glaubt ihr? Einer Frau im Minirock, einer Frau, die so oft JA sagte, einer Frau, die sich an der Stange räkelt, die offen spricht?
Wer glaubt dir?

Abgesehen von diesen wichtigen, brisanten Aspekten, die viel mehr und noch immer Aufmerksamkeit benötigen, sind auch Verlust und Trauer, Existenzängste und Schuld, Tierwohl und -schutz, Freundschaft, Zusammenhalt und Frauenpower tragende Punkte dieser New-Adult-Romance.
Justine Pust führt uns in einem klaren, authentischen Stil durch den wendungsreichen, oft melancholischen, nachdenklich stimmenden Verlauf, der reich an Emotionen ist, an spannenden und aufregenden Momenten, an berührenden Aussagen und Szenen, an ernsten Themen und der einen oder anderen überraschenden Offenbarung.
Sowohl das verschneite Finnland als auch das Show-Setting waren bildreich inszeniert und wurden immer wieder von einer angespannten Stimmung, einer unbehaglichen Atmosphäre, durchtränkt.
Ausreichend Menschen werden sich mit den hier geteilten Geschichten und Empfindungen der Frauen identifizieren können, sich vielleicht selbst sehen. Mitfühlen. Und – wie ich auch – einen Hauch Verständnis empfangen.
Was die Streamerin mit ungeahnter Hilfe am Ende ans Licht zerrt? Findet es heraus. Redet darüber. Lasst euch nicht zum Schweigen bringen.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Mein Serien-Highlight des Jahres

Die Arcyrion-Akten – Fall 5: Das Versprechen
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Nun heißt es Loslassen …

„Das Versprechen“ ist der fünfte Band über die „Arcyrion-Akten“ und schließt diese wundersame Fantasy-Geschichte mit einem epischen Finale ab, mit einem, das all den Problemen, ...

Nun heißt es Loslassen …

„Das Versprechen“ ist der fünfte Band über die „Arcyrion-Akten“ und schließt diese wundersame Fantasy-Geschichte mit einem epischen Finale ab, mit einem, das all den Problemen, Hürden, Wundern, Verlusten und dem emotionalen Chaos gerecht wird. Ja, dieses Buch ist definitiv ein würdiger – und daher kein leichter – Abschluss.

Zuallererst: Um das volle Ausmaß der tiefschürfenden Veränderungen von Kiara Brooks’ Leben und des Abenteuers, in das die junge Frau gezogen wurde, der weitreichenden Entwicklungen, die sich durch verschiedene Welten ziehen, zu verstehen, sollte man die Bücher als Serie, heißt in der richtigen Reihenfolge, lesen.

Auch in diesem Teil empfangen uns eine kurze Zusammenfassung der vorherigen Geschehnisse und ein Überblick über die wichtigsten Charaktere. Erklärungen zu einzelnen Begrifflichkeiten finden sich im Anhang.
„Das Versprechen“ setzt dort an, wo wir aus „Die verlorene Heldin“ und Kiara aus ihrer Realität gerissen wurden.
Unterteilt in drei große Abschnitte begleiten wir die Talentierte in der Fremde, in der veränderten Heimat, in wankenden Dimensionen, im schlauchenden Kampf und in Zuständen, in denen die Verzweiflung droht, die Überhand zu gewinnen. In denen der Schmerz – seelisch und körperlich – so überwältigend ist, dass Aufgeben verlockend klingt. Kiara Brooks: bar jeder Hoffnung. Und doch sind es ihre FreundInnen, ihre Mutter, die unzähligen Menschen und Nicht-Menschen, Arik, der so viel gegeben hat, und die Opfer, die nicht sinnlos gewesen sein sollen, die die Ermittlerin immer wieder antreiben und aufstehen lassen, die sie an ihre Grenzen und weit darüber hinaus treiben.

Evelyne Aschwanden hat es sich nicht nehmen lassen, sich zum letzten Mal eine glorreiche Story zu ersinnen, die kaum Zeit lässt, um Luft zu holen. Dabei braucht Kiara genau das: Zeit. Etwas, das ihr durch die Finger rinnt, das weder sie noch Draven, noch Neith oder die Universen haben … Teil fünf war aufregend, spannend, tempo- und abwechslungsreich, gleichzeitig tragisch und voller Gefühl. Obgleich der Fülle an Ereignissen und den unerwarteten wie komplexen Entwicklungen wirkte die Handlung nie wirr, willkürlich oder überladen. Das System, welches die Autorin erschaffen hat, ist faszinierend, groß gedacht, logisch und interessant. Zudem besitzt es die Wirkung, zum Nachdenken zu animieren – denn wer sind wir, zu glauben, die intelligenteste Spezies im Universum zu sein? Wer sind wir, dass wir glauben, einzigartig zu sein?
Durch allerhand Details und stimmig verstreute Erklärungen war das Worldbuilding griffig und die Charaktere – mit einem Background, der zumeist kaum grausamer sein könnte – nahbar, nicht schwarz oder weiß, sondern von Wut verzerrt, von Erfahrungen geprägt, von Rache getrieben und von Angst gelähmt.

Wir müssen Abschied nehmen, Tatsachen verkraften und uns mit V. A. U. L. T. herumärgern. Aufgrund der sich wandelnden Umstände, all des Neuen, das wir erkunden und erleben, Amos, der noch immer da, noch immer in Draven ist, und der nicht abklingenden Sorge steht der Verlauf zu keiner Zeit still. Wir trauern und leiden mit den Figuren, schmieden Pläne, verfangen uns in Konflikten und spüren die Bürde auf den Schultern der Versieglerin. Denn der Fortbestand jeglichen Seins hängt von ihr ab.
Kiara hat – seit der ersten Begegnung mit den BewohnerInnen des Arcyrions – einen beachtlichen (mentalen) Wandel dargeboten. Parallel zu der menschlichen Talentierten haben sich auch Neith, Luke, Arik und Gina Monroe verändert. Sind gewachsen, zerbrochen und erstarkt. Mindy bereicherte die großartige Gemeinschaft zusätzlich mit Frische, Feingefühl und Höflichkeit. Und natürlich belebten auch andere DreuanerInnen die Story, gaben ihr Abwechslung, Facetten und sorgten für die eine oder andere Überraschung.

Neben Elementen aus Sci-Fi, (Cozy-)Crime und Urban-Fantasy finden sich in den „Arcyrion-Akten“ Found-Family, queere Liebe, Gesellschaftskritik sowie weitere aktuelle Themen – wie bspw. Integration, Selbstfindung und -liebe, Trauer und deren Verarbeitung. Am Ende der 5-teiligen Serie warten Wendungen, bewegende Momente, schwere Entscheidungen, solche, die den LeserInnen das Herz brechen, Vergebung, Weltenwanderungen und dieser eine, letzte Kampf darauf, erkundet und gelebt zu werden.

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