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Veröffentlicht am 26.05.2024

Literatur von Frauen

Fräulein Schopenhauer und die Magie der Worte
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Adele Schopenhauer scheint eine außergewöhnliche Frau gewesen zu sein, die ihr ganzes Leben im Spannungsbogen zwischen gesellschaftlicher Anpassung und der Erfüllung ihrer wahren Träume und Fähigkeiten ...

Adele Schopenhauer scheint eine außergewöhnliche Frau gewesen zu sein, die ihr ganzes Leben im Spannungsbogen zwischen gesellschaftlicher Anpassung und der Erfüllung ihrer wahren Träume und Fähigkeiten gelebt hat. Sie erlebt schon früh den Selbstmord ihres Vaters, der von der Familie als Unfall angezeigt wird, da zu der damaligen Zeit solche Vorfälle gesellschaftlich geachtet und mit Ausschluss der Familie aus gewissen gesellschaftlichen Kreisen verbunden sind. Von da an muss die Mutter mit ihren beiden Kindern auf eigenen Füßen stehen. Dies gelingt ihr, durch das Geben literarischer Salons und das Verfassen eigener zeitgenössischer Roman. Adele steht im Licht ihrer Mutter und versucht diese nach bestem Wissen und Gewissen zu unterstützen. Auch als diese einen Hirnschlag erleidet, kümmert sie sich rührend um sie. Hinter den Kulissen ist sie aber das "wahre" Familienoberhaupt, verhindert eine finanzielle Schieflage und gilt aber als gesellschaftlicher Sonderling, da sie keine Heiratsambitionen hegt, Im Gegenteil erfährt sie leidenschaftliche Gefühle zu ihren Freundinnen und findet im Verlauf ihres Lebens auch eine wahre Liebe zu einer innigen Freundin, muss diese aber gesellschaftlich geheim halten. Im Zwiespalt ist sie ihr gesamtes Leben zwischen Mutter und Bruder (Arthur Schopenhauer), der sich gegen ein modernes und starkes Frauenbild ausspricht und so der Schwester und Mutter jedliche Kompetenzen abspricht.

Auch wenn das Buch keine Autobiografie sondern eine frei erfundene Darstellung des Lebens Adeles Schopenhauers ist, hat mir das Buch sowohl von der Geschichte als auch vom Schreibstil her sehr gut gefallen. Die unterschiedlichen geschichtlichen Entwicklungen und das relativ frauenunfreundliche gesellschaftliche Bild werden genauso gut dargestellt wie die Bemühungen der Frauen in ihrem relativ engen Rahmen doch ein möglichst selbstbewstimmtes Leben zu führen. Für alle heutigen Frauen eine inspirierende Geschichte.

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Veröffentlicht am 26.05.2024

Täter oder Opfer?

Verwesung
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Das Buch beginnt mit einem Zeitsprung als David Hunter noch als junger forensischer Anthropologe in London arbeitet und mit seiner Frau und seiner Tochter ein glückliches Familienleben führt. Er wird als ...

Das Buch beginnt mit einem Zeitsprung als David Hunter noch als junger forensischer Anthropologe in London arbeitet und mit seiner Frau und seiner Tochter ein glückliches Familienleben führt. Er wird als Polizeiberater zu einem Fall konsultiert, in welchem der vierfache Mörder "Monk" seine Opfer im Moor vergraben haben soll. Ein Grab konnte nun entdeckt werden und die Ermittler bitten David Hunter bei der Untersuchung der Leiche und der Suche nach weiteren Gräbern zu finden. Dies misslingt jedoch und endet auch fast mit der Flucht des Beschuldigten. Acht Jahre später ist die Suche nach den Opfern eingestellt als Monk doch die Flucht gelingt. David Hunter wird kurz danach von zwei Zeitgenossen der damaligen Suche kontaktiert: einerseits von einem ehermaligen Freund und Polizei-Inspektor, der ihn vor Monk warnt und von Sophie, die damals versucht hat mittels Untersuchung der Umgebung die Gräber in unmittelbarer Nähe zu finden. Durch die Kontakte wird der Fall für David wieder präsent und er muss sich auf Spurensuche begeben, um alte Wunden heilen zu lassen.

"Verwesung" ist ein sehr guter Krimi, der mit vielen Verstrickungen und unterschiedlichen Charakteren und deren Entwicklungen aufwarten kann. Dazu ist er - wie die vorherigen Bände - sehr gut und spannend geschrieben. Etwas überraschend war für mich, dass ich den "wahren Fall" ziemlich schnell erspürt habe. Trotzdem war es spannend bis zum Schluss, weil im Buch immer wieder neue Fährten entstehen, sodass ich bis kurz vor Schluss immer an meinem eigenen Urteil gezweifelt habe.

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Veröffentlicht am 15.04.2024

Manchmal muss man das Leben nicht verstehen, sondern nur leben.

Die Mitternachtsbibliothek
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Nora Seed möchte nicht mehr leben. Sie erlebt Einsamkeit und fühlt sich von allen Menschen in ihrem näheren Umfeld verlassen. Als sie dann auch noch ihren Job verliert, ihr Klavierschüler den Unterricht ...

Nora Seed möchte nicht mehr leben. Sie erlebt Einsamkeit und fühlt sich von allen Menschen in ihrem näheren Umfeld verlassen. Als sie dann auch noch ihren Job verliert, ihr Klavierschüler den Unterricht bei ihr beendet und ihre Katze tot am Straßenrand gefunden wird, sieht Nora keine andere Lebensperspektive und versucht sich mit einem Tablettencocktail das Leben zu nehmen.

Doch zu ihrer Überraschung ist sie nicht sofort tot, sondern landet in einer Art Zwischenwelt: der Mitternachtsbibliothek. Eine Bibliothekarin, die wie ihre alte Schulbibliothekarin aussieht führt sie durch diese Zwischenwelt und zeigt ihr unterschiedliche Leben, die Nora hätte leben können: Als erfolgreiche Polar- und Gletscherforscherin, als Sängerin einer berühmten Band, als Katzenmama, als Ehefrau ihres letzten festen Freundes mit dem sie gemeinsam einen Pub betreibt, als Mutter und Frau eines Chirurgen, der sie einmal auf einen Kaffee eingeladen hat, als Winzerin oder als Olypiasiegerin im Schwimmen. Eins wird Nora beim bereisen der Leben nach und nach klar. Sie kann bestimmte Entscheidungen im Leben treffen, doch das Leben hält immer noch wieder unerwartete Überraschungen bereit und lässt sich nicht in allen Bereichen vorhersehbar gestalten. Sie gelangt zu der Erkenntnis, dass man nicht immer alles verstehen und begreifen kann, was im Leben passiert, sondern das man manchmal das Leben, gerade wenn es nicht so läuft wie man es sich vorgestellt hat, einfach nur leben muss. Eine weitere Erkenntnis ist, dass sie, obwohl sie es nicht mitbekommen hat, doch Einfluss auf das Leben anderer Menschen gehabt hat. Manchmal in negativer Art und Weise, doch meistens sehr positiv. Als Mensch in seiner eigenen Lebenswelt erfährt man diese Effekte jedoch häufig nicht, weil sie eher nebensächlich erscheinen. Und die wichtigste Erkenntnis ist, dass sie doch nicht sterben möchte, sondern ihren Lebensmut zurückgewinnt, um ihr eigenes Leben wieder in positivere Bahnen zu lenken.

Ich habe das Buch gelesen, weil ich mich derzeit selber in einer sehr schwierigen Phase befinde. Seit ein paar Jahren veräuft das Leben überhaupt nicht so wie ich es mir vorgestellt habe und ich kann es nur begrenzt verändern - zumindest in einem bestimmten Bereich nicht. Anfang des Jahres habe ich aber beschlossen mich aus dieser Warteschleife zu befreien und mich über die kleinen Dinge des Lebens zu freuen und aktiv Lebenshighlihts zu gestalten. Dieses Buch hilft mir sehr dabei und gibt mir Hoffnung auf ein erfülltes Leben, das zwar anders läuft als erwartet, aber dafür andere Sachen bereit hält, die ich sonst nicht erfahren hätte. Und in einem parallelen Leben sieht mein Leben ganz anders aus. Das macht Mut und schenkt einen Perspektivwechsel, der die Einmaligkeit des Lebens betont. Ähnlich wie Nora fühle ich mich noch ziemlich unter Wasser und es ist noch ein weiter Weg bis an die Oberfläche, aber ich weiß, dass ich schwimmen kann und das auch wieder seichtere Gewässer kommen werden.

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Veröffentlicht am 15.04.2024

Eine Urlaubslektüre

Die Detektive von Cismar
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Franzi möchte eigentlich viel lieber mit ihrer Freundin in den Sommerferien nach Mallorca fliegen, doch ihre Eltern schieben ein veto ein und nehmen sie mit in den Familienurlaub nach Cismar an die Ostsee. ...

Franzi möchte eigentlich viel lieber mit ihrer Freundin in den Sommerferien nach Mallorca fliegen, doch ihre Eltern schieben ein veto ein und nehmen sie mit in den Familienurlaub nach Cismar an die Ostsee. Als sie dort ankommen ist Franzi sehr enttäuscht - es regnet fast ununterbrochen, der Strand ist über eine Stunde entfernt, die einzigen Attraktionen sind Führungen im ortsansäßigen Kloster und ein angekündigtes Schneckenrennen und dann ist da auch noch ihr kleiner Bruder Benny auf den Franzi stundenlang aufpassen muss, während ihre Eltern entspannten Wellness-Urlaub machen.
Doch zum Glück ist Franzi Detektivin und entdeckt merkwürdige Dinge in Cismar. Beispielsweise gibt es Figuren im Kloster, deren Kopf gestohlen wurde, weil darin angeblich heilige Reliquien sein sollen. Und auch der Nachbar in ihrer Pension verhält sich merkwürdig. Er schleicht sich nachts aus seinem Zimmer, sieht sehr bleich aus und taucht immer wieder urplötzlich irgendwo auf. Da bleibt die Vermutung, dass es sich in Wirklichkeit um einen Vampir handelt nicht aus. Doch richtig spannend wird es als Franzi eine Flaschenpost mit einem Hilferuf am Strand findet. Es führt zu einem heruntergekommenen Haus, indem angeblich niemand mehr wohnt. Doch als Franzi es sich genauer anschaut, entdeckt sie Hinweise, dass das Haus wohl doch nicht so verlassen ist. Gemeinsam mit den Detektiven Hein und Hinnerk versucht sie das Rätsel des Hauses zu lösen.

Ein toller Kriminalfall für kleine Detektive, der natürlich besonders lesenswert ist, wenn man selbst mit der Familie Urlaub an der Ostsee macht.

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Veröffentlicht am 26.03.2024

Ein Sommer des Erwachsenwerdens

Der große Sommer
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Ich habe das Buch von einer Freundin ausgeliehen bekommen und hätte es mir selbst so nicht gekauft - sowohl vom Cover als auch vom Klappentext her finde ich die Geschichte nicht besonders reizend. Allerdings ...

Ich habe das Buch von einer Freundin ausgeliehen bekommen und hätte es mir selbst so nicht gekauft - sowohl vom Cover als auch vom Klappentext her finde ich die Geschichte nicht besonders reizend. Allerdings hat mich das Buch positiv begeistert und ich empfehle es für eine Lektüre der besonderen Art und Weise für Zwischendurch. Da ich eher Krimis und Fantaysiegeschichten bevorzuge, fällt dieses Buch überhaupt nicht in mein Genre. Ich kann auch keinen wirklichen Grund nennen, warum mich das Buch überzeugt hat, außer, dass es einfach wirklich gut gelungen ist.

Es handelt von einem jungen Menschen, der seine erste große Liebe erlebt, von sich verändernden Freundschaften berichtet, in den Ferien lernen muss, um in die nächste Klassenstufe versetzt zu werden, sich mit seiner eigenen familiären Vergangenheit auseinander setzten muss, ein paar jugendliche Dummheiten begeht und mit den Konsequenzen konfrontiert wird und letztendlich aus der Summe dieser ganzen Erlebnisse in einem Sommer erwachsen wird und zu sich selbst findet. Ich selbst habe so einen Sommer erlebt - und danach, in der elften Klasse, war alles anders. Der Sommer war ebenfalls wie Frieders: aufregend, spannend, teilweise aber auch langweilig, atemberaubend, neugierig machend, herausfordernd - alles ziemlich gleichzeitig und dadurch verändert man sich zwangsläufig.
Besonders gut hat mir dabei der Schreibstil gefallen. Mir fehlen irgendwie die Worte, um diesen richtig zu beschreiben. Er war flüssig, aber sehr unaufgeregt. Die Schilderungen haben sich aneinandergefügt, ohne eine besondere Spannung aufzubauen, aber trotzdem hat die Geschichte eine Sogwirkung für mich entwickelt. Vielleicht ist es einfach diese Mischung. Ich konnte als Leser gut nachvollziehen vor welcher Enttäuschung Frieder steht als er nicht mit seiner Familie in den Urlaub fahren konnte, weil er zu seinem Großvater geschickt, den er eher als einen alten Mann einer anderen Generation sieht und wenig Verbindung zu ihm hat, um dort im Zimmer lernend "eingesperrt". Doch nach und nach verändert sich sein Verhältnis und er entdeckt seine eigenen persönlichen Qualitäten, die er aufgrund der schulischen mangelnden Leistungen lange nicht gesehen hat.

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