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Veröffentlicht am 21.05.2020

Das Leben einer Philosophin

Die drei Leben der Hannah Arendt
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Bei diesem Buch handelt es sich um eine Graphic Novel, ein moderner Comic, die über das Leben der deutschen Philosophin Hannah Arendt erzählt. Der Autor Ken Krimstein beginnt die Erzählung in der Kindheit ...

Bei diesem Buch handelt es sich um eine Graphic Novel, ein moderner Comic, die über das Leben der deutschen Philosophin Hannah Arendt erzählt. Der Autor Ken Krimstein beginnt die Erzählung in der Kindheit von Hannah Arendt in Hannover, wo sie 1906 geboren wurde. Ihren Vater verlor sie früh aufgrund einer Krankheit. Ihre Mutter erzog sie alleine weiter auf. Im Kindesalter wurde Hannah bereits beschimpft, weil sie Jüdin gewesen ist. Im Jahr 1933 spitze sich die Lage zu für jüdische Familien. Deshalb floh Hannah mit ihrem zweiten Mann Georg Blücher und mit ihrer Mutter über Karlsbad, Genf, Paris und zum Schluss nach New York, wo sie bis zu ihrem Tod lebte. 1975 verstarb sie. In dieser Graphic Novel werden drei Lebensabschnitte, die jeweils für eine Flucht vor der Nazi Diktatur stehen, erzählt. Ken Krimstein gibt Auszüge aus dem privaten und wissenschaftlichen Leben der Philosophin wider. Es werden nicht alle Aspekte tiefgründig erläutert, aber man bekommt einen Einblick, welche starke Frau Hannah Arendt ihrer Generation gewesen ist. Ihre politischen Ansichten sowie das ambivalente Verhältnis zu dem Philosophen Martin Heidegger, mit dem sie eine Affäre hatte, stehen im Mittelpunkt dieser Graphic Novel.
Da ich selbst vorher schon vor einiger Zeit die Biografie von Hannah Arendt gelesen hatte, konnte ich diese Novel gut nachvollziehen. Meiner Meinung nach hat der Autor die Zeichnungen des Lebens und der Umstände zwischen der Studienzeit und dem Tod von Hannah Arendt gut wiedergegeben. Für LeserInnen, die bisher wenig über sie wissen, werden sicherlich die eine oder andere Information anhand von Personen oder Ereignissen nachlesen. Sich tiefer mit der Biografie der Philosophin zu beschäftigen ist lohnenswert. Ihre politischen Ansichten sind heute genauso aktuell wie damals.

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Veröffentlicht am 15.05.2020

Frauen und einbetonierte Männer als Opfer

Der gute Cop
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In der kanadischen Stadt Dundurn wir das Ermittlerteam um den Detective Superintendent MacNeice mit zwei verschiedenen Fällen beauftragt. Junge Frauen mit Migrationshintergrund, die gut ausgebildet sind ...

In der kanadischen Stadt Dundurn wir das Ermittlerteam um den Detective Superintendent MacNeice mit zwei verschiedenen Fällen beauftragt. Junge Frauen mit Migrationshintergrund, die gut ausgebildet sind und in angesehenen berufen arbeiten, werden auf der Straße ermordet. Parallel findet man im örtlichen Hafen tote Männer – insgesamt fünf Männer – die alle in Beton gegossen wurden. Allerdings drei Männer schon seit Jahrzehnten im Beton gegossen. Die beiden anderen Männer erst seit wenigen Jahren. MacNeice und sein Team finden heraus, dass es Rivalitäten zwischen drei Unternehmen in der Betonbranche gibt. Der Bürgermeister will ein neues Gebäude errichten lassen, aber dabei sollen die Rivalitäten und die Morde nicht zu viel an die Öffentlichkeit kommen. MacNeice und seine hinzugezogene Kollegin Fiza Aziz haben einige Wochen gegen böse Jungs, die in der Biker Szene agieren, anzukämpfen – nicht nur gegen einen Einzeltäter, der Frauen aufschlitzt.
Dieser Krimi von dem kanadischen Autor Scott Thornley ist der erste, der im deutschen Büchermarkt veröffentlicht wurde. Am Anfang der Geschichte merkt man schon, dass es kein einfacher Krimi ist. Denn ein Geflecht aus Frauenmorden, Biker Gangs, in Beton gegossene Männer und Konkurrenz zwischen Beton-/Kiesgruben-Unternehmen bilden eine komplexe Geschichte, inmitten das Ermittlerteam von Detective Superintendent MacNeice. MacNeice führt das Team an, beauftragt vom örtlichen Bürgermeister von Dundurn, um die Morde der Männer im Hafengelände aufzuklären. Gerade beginnt der erste Fall, werden aufgeschlitzte Frauen mitten auf der Straße entdeckt. Ein unauffälliger Mörder treibt sein Unwesen. Der Autor lässt zwei Kriminalfälle parallel erzählen, ohne dabei den roten Faden zu verlieren, was ihm gut gelungen ist. Mitten in der Geschichte tauchen kleine zu ausführliche Szenen auf, die man kürzer geschrieben haben könnte. Aber der Krimi wird dadurch wieder wettgemacht, dass der Hauptprotagonist MacNeice – zwar seine privaten Probleme hat – aber ein sehr sympathischer Ermittler in seinen Handlungen und Gedanken darstellt. Er vereint sein Team, so dass es solidarisch und konstruktiv arbeitet. MacNeice ist seit wenigen Jahren Witwer und wird von Albträumen nachts geplagt. Dieser private Aspekt ist nicht übermäßig dominant, sondern eher menschlich dargestellt. Es ist ebenso kein auffälliger Trinker, eher im Gegenteil hat er gerne einen passenden Spruch auf den Lippen, genauso auch seine Kollegen im Team. Demnach erzählt Scott Thornley einen komplexen, nachvollziehbaren und spannenden Krimi mit kleinem Actionanteil. Geografisch und aufgrund der Polizeititel fühlte ich mich beim Lesen eher in Großbritannien als in Kanada. Mehr Flair der kanadischen Kultur hätte ich mir gewünscht.
Mir hat dieser Krimi als Neuling auf dem deutschen Büchermarkt gut gefallen, besonders das Ende im Gegensatz zu manche anderen Krimis oder Thriller, die kurze Endphasen haben. Hier schleicht sich die Geschichte aus. Man könnte diesen Krimi auch gut verfilmen meiner Meinung nach. Ich bin schon gespannt auf die nächsten Kriminalfälle aus der Feder von Scott Thornley.

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Veröffentlicht am 05.05.2020

Starke Figuren in einem explosiven Debütroman

Das wirkliche Leben
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Eine vierköpfige Familie lebt irgendwo in Europa in einer gut bürgerlichen tristen Siedlung mit Haus, Garten und ein paar Haustieren. Im Mittelpunkt steht die Ich-Erzählerin, die Tochter der Familie, ...

Eine vierköpfige Familie lebt irgendwo in Europa in einer gut bürgerlichen tristen Siedlung mit Haus, Garten und ein paar Haustieren. Im Mittelpunkt steht die Ich-Erzählerin, die Tochter der Familie, die allerdings namenlos bleibt, erlebt eine Kindheit und Jugend, die mehr mit Brutalität konfrontiert wird als mit Liebe. Der Vater, ein Jäger und Sammler von ausgestopfte Tieren tyrannisiert die Familie auf physische und psychische Art und Weise. Seine Ehefrau schüchtert er jahrelang ein, so dass sie den Kampf, sich zu wehren, aufgibt. Gilles, der Sohn und der einzige in der Familie, der einen Namen von der Autorin bekommt, hält in den ersten Lebensjahren ein inniges Verhältnis zu seiner Schwester bis zu dem Zeitpunkt, als der Vater den Sohn mit Waffen begeistert. Letztendlich schreckt der Vater vor nicht zurück, ob Mensch oder Tier, die er demütigt und verletzt.
Adeline Dieudonné beeindruckt mit ihrem Debütroman, indem sie mit Wucht, Explosivität und Nüchternheit starke Figuren sprachgewaltig und lebendig entwickelt hat. Starke Figuren deshalb, weil sie brutal und intensiv handeln, vor allem die Hauptprotagonistin, die hier als Ich-Erzählerin in der Rolle der Tochter dargestellt wird, und deren Vater, der eine einseitige Vaterrolle wiederspiegelt. Weit weg von Liebe und Emotionen wird dieser Roman erzählt. Dieser Roman ist zeit- und raumlos, denn er könnte in Belgien, aber auch in Deutschland, Schweden oder in England erzählt worden sein. Diese Familienkonstellation Vater, Mutter, Tochter und Sohn assoziieren ein Familienbild, dass in den deutschen bürgerlichen Stadtsiedlungen der 1960er oder 1970er Jahre handeln könnte, oder in den 1980er Jahren in England oder jedem anderen europäischen Land. Familien, wie sie hier dargestellt wird, gab und gibt es sicherlich noch, und man wünscht sich dabei, in solchen Verhältnissen nicht aufwachsen zu wollen. In Nebenschauplätzen spielen eine Nachbarsfamilie und ein Professor eine Rolle, die die Ich-Erzählerin bestärken und positive Momente aufflackern lassen. Ein Stück Hoffnungsschimmer.
Anhand der Szenen in der Geschichte sieht man, wie Machtverhältnisse in Familien und zwischen Geschlechtern entstehen, und was diese Verhältnisse aus Menschen macht. Man hofft während des Lesens immer wieder auf Vernunft und eine Umkehrung der negativen Verhältnisse zwischen den Figuren.
Ein gut erzählter und nachhaltiger Coming-of-Age Roman in der Hülle eines Debütromans. Mein bisheriges Lesehighlight im Frühjahr 2020.

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Veröffentlicht am 27.04.2020

Wenn man die Kindheit verliert

Marta schläft
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Nadja kam als gebürtige Polin nach Deutschland, und verlor schnell ihre Kindheit, weil sie in jungen Jahren wegen einer Straftat verurteilt wurde. Heute viele Jahre später arbeitet sie in einer Kanzlei. ...

Nadja kam als gebürtige Polin nach Deutschland, und verlor schnell ihre Kindheit, weil sie in jungen Jahren wegen einer Straftat verurteilt wurde. Heute viele Jahre später arbeitet sie in einer Kanzlei. Parallel wird die Geschichte ihrer Freundin Laura erzählt, die ein unzufriedenes Hausfrauenleben führt. Als die Freundin Laura von Nadja Hilfe benötigt, wird Nadja schnell vorverurteilt, und ihre Vergangenheit bereitet ihr psychische Probleme. Nach und nach erfährt man, warum Nadja bisher ein schwieriges Leben geführt hat, für das sie zweimal büßen musste.
Die Autorin Romy Hausmann hiermit ihren zweiten Thriller nach „Liebes Kind“ über eine junge Frau, deren Kindheit anders verlief als bei anderen Kindern. Romy Hausmann konstruierte drei Erzählstränge, indem über die Hauptprotagonistin Nadja, ihren Nebenfiguren Laura und Gero und deren Beziehung sowie über mehrere Briefausschnitten erzählt wird. Anfangs verwirren die unterschiedlichen Erzählungen, die sich erst am Ende zusammenfügen und verständlich werden. Eine Geschichte mit Briefausschnitten an sich finde ich als Methode gut, aber in diesem Thriller fehlte mir durch diese Briefe eine aufbauende Spannung. Nadja als Verurteilte und Mörderin stellte die Autorin in das angemessene Licht der Aufmerksamkeit. Die Affären, die eher kleine Nebenschauplätze darstellen, fand ich unpassend. Eine Liebesgeschichte mit der Hauptprotagonistin Nadja im Mittelpunkt hätte ich besser gefunden. Dadurch, dass die Erzählstränge am Anfang verwirren und durch die Erzählperspektiven durcheinanderwirbeln, fehlte mir ausreichend Spannung und der rote Faden im Laufe der Geschichte. Der Unterhaltungswert ist deshalb aus meiner Sicht gesunken.
Im Rahmen einer Leseaktion von jellybooks und dem dtv Verlag durfte ich diesen Thriller lesen. Somit möchte ich mich bei beiden Institutionen bedanken, dass ich diesen Thriller lesen durfte.

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Veröffentlicht am 19.04.2020

Tolles Ermittlerduo mit Humor und Risiko

Heißes Pflaster
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Die beiden Ermittler Hanna Seiler und Milo Novic müssen innerhalb von Leipzig ihren zweiten Fall lösen. Guido Ehrlich – der Amtsleiter des Leipziger Liegenschaftsamtes – wird tot am Ufer eines Sees gefunden. ...

Die beiden Ermittler Hanna Seiler und Milo Novic müssen innerhalb von Leipzig ihren zweiten Fall lösen. Guido Ehrlich – der Amtsleiter des Leipziger Liegenschaftsamtes – wird tot am Ufer eines Sees gefunden. Er war vor seinem Tod bekannt dafür, dass er sich für die Schwachen der Gesellschaft stark machte, nämlich die Obdachlosen, Punker und Menschen aus der linken Szene. Diese Gesellschaftsgruppe ist in den Augen des Immobilienmoguls Gerd Wenger ein Dorn im Auge. Wenger ist dagegen bekannt, dass er alte Häuser aufkauft, saniert und wieder teuer verkauft. Ein Konflikt steht zwischen den Linken und Gerd Wenger. Und ausgerechnet sein Sohn Mark verliebt sich in Annie, die zur linken Szene dazu gehört. Außerdem steht Gerd Wenger symbolisch für konservative Werte, und wird in die politisch rechte Ecke gestellt. Deshalb laufen die Gerüchte in Leipzig, dass Gerd Wenger den Amtsleiter Guido Ehrlich umgebracht beziehungsweise umbringen lassen hat. Hanna Seiler und ihr Kollege Milo Novic geraten in politische und explosive Gegebenheiten, um diesen Mordfall zu lösen.
Alex Pohl als gebürtiger Leipziger kennt seine Stadt so gut wie seine eigene Westentasche. Somit liegt es nahe, dass der Autor seine fiktiven Kriminalfälle in seiner Heimatstadt entwickeln lässt. Hanna Seiler stellt eine verwitwete Ermittlerin und alleinerziehende Mutter dar, deren Mann Franz Seiler ebenfalls bei der Leipziger Polizei gearbeitet hat und bei einem Ersatz ums Leben kam. Warum er ums Leben kam, bleibt immer noch ein Rätsel nach diesem zweiten Kriminalfall. Hannas‘ Kollege Milo stellt einen gebürtigen Serben dar, der alleinstehend ist, aber noch eine Schwester namens Romana hat. Allerdings weiß kaum jemand, dass er eine Schwester hat, denn sie verkehrt ebenfalls in der linken Szene, und ist somit der Gegenpart von Milo. Beide Ermittler handeln sachlich mit einem gewissen Humor, und nehmen gerne auch Risiko auf sich. Bei diesem Mordfall stoßen sie trotzdem physisch und psychisch an ihre Grenzen, auch wenn der Autor es nicht so eindeutig betont, aber man kann sich gut in die Szenen hinein versetzen und nachvollziehen, wie es den beiden in den jeweiligen Szenen ergehen muss. Alex Pohl entwickelt die Figuren nach und nach, so dass man auch schon mal auf der falschen Fährte ist, wenn es darum geht, welche Figur böse oder gut ist. Dieser Mordfall ist politisch und gesellschaftlich belastet und stellt die Figuren vor hohe Herausforderungen. Diese Elemente bereiten der Leserschaft einen sehr guten und spannungsgeladenen Krimi. Man darf sich auf weitere Kriminalfälle aus der Feder von Alex Pohl jetzt schon freuen, wenn er seinen Schreib- und Erzählstil auf diese Art und Weise beibehält.
Dieser Krimi brachte mir viel Lesevergnügen mit Humor und Spannung bis zur letzten Seite. Deshalb muss ich bald den ersten Band dieses Ermittlerduo Hanna Seiler und Milo Novic unbedingt nachlesen, damit ich zukünftige Fälle der beiden weiterhin auch mit voller Erwartung und Neugier lesen kann.

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