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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.06.2017

Begeisternder und emotionaler Abschlussband!

Feel Again
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"Feel Again" ist der Abschlussband der "Again"-Reihe, auf den wohl alle Fans nur gewartet haben. Ich denke, es muss nicht extra erwähnt werden, dass auch ich ein riesen Fan von Mona Kasten bin und mich ...

"Feel Again" ist der Abschlussband der "Again"-Reihe, auf den wohl alle Fans nur gewartet haben. Ich denke, es muss nicht extra erwähnt werden, dass auch ich ein riesen Fan von Mona Kasten bin und mich nicht nur darauf gefreut habe, den neuen Band der Autorin zu lesen, sondern auch Sawyer und Isaac auf der Suche nach der großen Liebe zu begleiten. Denn, wer die anderen beide Bände der Reihe kennt, der weiß, wie schwer vorstellbar die Konstellation zwischen der rotzfrechen Sawyer und dem nerdigen Isaac ist.

Eben gerade deswegen war ich doch umso verwunderter, dass Sawyer und Isaac einzeln und auch zusammen sich zu meinem Lieblingspärchen der drei Bände entwickelt haben. Beide Charaktere haben mich persönlich nicht nur wegen ihrer Tiefe überzeugt, sondern vor allem durch die Entwicklung, die beide durchmachen (müssen). Ich war doch überrascht, wie leicht es mir fiel, Sawyer zu verstehen, mich in sie hineinzuversetzen und so manchen verletzenden Satz oder extremen Ausfall ihrerseits zu verzeihen oder gar zu verstehen. Ich habe eine absolute Schwäche für gebrochene Charaktere, für schwere Schicksale und für Charaktere, die sich dadurch eine Seite zugelegt haben, die sie vor anderen und auch vor sich selbst schützt. Für mich hat sich Sawyer auch vor allem deswegen zu meiner Lieblingsprotagonisten entwickelt, weil sie sich im ersten Band doch wie eine richtige Bitch (sorry!) aufgeführt hat, im zweiten schon angenehmer im Auftreten war und man im dritten und letzten Teil auch erfährt, warum sie so zu anderen ist. Dass ihr Auftreten im Auftaktband keine Charakterschwäche ist, sondern das Resultat eines harten Kampfs in der Vergangenheit. Ihre Geschichte hat mich wirklich sehr berührt – gerade in Situationen, in denen ihr Liebe, Zuneigung und Geborgenheit entgegengebracht wurden und sie damit überhaupt nichts anzufangen wusste. Das hat mehr als ein Mal mein Herz zerrissen und meine empathische Seite zum Weinen gebracht.

Dass es dann gerade Isaac ist, der sich in ihr Herz stiehlt, ist herzzerreißend süß, überraschend und perfekt zugleich. Denn von ihm hätte man es wohl von allen Charakteren in den drei Büchern am wenigsten erwartet. Nicht nur Sawyer entwickelt sich zum Positiven, sondern auch Isaac blüht vollkommen auf, wird selbstbewusster und kämpft sich mehrfach zu ihr durch, obwohl sie ihn oft genug abblitzen lässt. Beide Protagonisten sind so wunderbar gezeichnet, so realitätsnäh und authentisch. Und das färbt dann letzten Endes auch auf die Beziehung und ihre Liebe zueinander ab, die genauso süß und echt ist wie die beiden Figuren selbst.

Die Liebesgeschichte der beiden fand ich wunderschön aufgebaut und inszeniert. Wie die beiden sich im Steakhouse kurz und oberflächlich unterhalten, immer mehr Zeit miteinander verbringen, Sawyer Isaac Nachhilfe im Flirten gibt, wie sie anfangen sich füreinander zu interessieren, Gefühle entwickeln, sich verletzen und man einfach nur darauf hofft, dass einer von beiden doch bitte den ersten Schritt macht und auf den anderen zugeht. Der Aspekt der Fotografie, der im Klappentext erwähnt wird, hat mir da auch besonders gut gefallen (und mir Sawyer wahrscheinlich auch deswegen näher gebracht). Da ich selbst eine Schwäche für Fotografie habe, fand ich diese Beschreibungen toll und sie geben dem Buch, für mich persönlich, einen besonderen und einzigartigen Touch. Nicht nur, weil ich meine Kamera wohl genauso liebe wie Sawyer ihre, sondern auch, weil ich weiß, wie aufmunternd das Fotografieren sein kann, wenn es einem selbst schlecht geht und man schwere Zeiten durchmacht.

Ein bisschen schade fand ich, dass die vorherigen Charaktere in diesem Buch ein wenig verloren gegangen sind. Ab und zu liest man noch von Dawn, eher gegen Ende des Buches auch von Kaden, aber Allie und Spencer werden nur noch sehr wenig erwähnt. Von den beiden hätte ich, so zum Schluss, auch wieder gerne mehr gelesen, fand es aber auch nicht besonders schlimm, dass der Fokus auf den beiden Hauptprotagonisten lag. Bei Bedarf lese ich einfach Band eins und zwei nochmal :D

Mona Kasten hat sich meiner Meinung nach in "Feel Again" im Bezug auf den Schreibstil selbst übertroffen. Ich mochte Allie und Dawn sehr gerne und habe auch ihre Probleme verstanden. Jedoch habe ich in keinem Band so mitgefühlt wie bei Sawyer, was ich nicht nur auf ihre persönliche Geschichte, sondern auch auf den Schreibstil der Autorin zurückführe. Sie fesselt damit nicht nur, sondern bringt die Gefühle der Protagonisten auf den Punkt und gleichzeitig dem Leser so nahe, dass er das Gefühl hat, selbst so zu fühlen, selbst seine Eltern verloren zu haben, selbst verloren und gebrochen zu sein, sich selbst unsicher und ungeliebt zu fühlen, nur um sich dann nachher umso mehr für das Liebespaar zu freuen. Für mich ist Mona Kasten eine wunderbare Autorin, deren Bücher man einfach lieben muss.

Auch das Cover gefällt mir sehr gut. Viele haben sich ja an der pinken Umsetzung gestört, aber ich persönlich mag sie sehr gerne und ich denke, sie wird zu den anderen beiden Bänden auch sehr schön aussehen.

Fazit
Für mich ist "Feel Again" ein perfekter und mehr als gelungener Abschluss einer insgesamt sehr überzeugenden New Adult Reihe, von der ich mir eigentlich noch mehr Bände gewünscht hätte. Der letzte Band konnte vor allem aufgrund der sehr starken Charaktere, der interessanten Liebesgeschichte und dem einnehmenden Schreibstil der Autorin überzeugen. Ich kann also eine absolute Leseempfehlung aussprechen – für dieses Buch und für die beiden Vorgänger.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Rezension | Ausgezeichnete Morde von Teresa Pütz (Hrsg.)

Ausgezeichnete Morde
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Wie ihr sicher in meiner Rezension zu Stephens King "Omi" (hier) erfahren habt, bin ich kein Fan von Kurzgeschichten, da sie meiner Meinung nach zu wenig Raum für eine Identifizierung mit Charakteren ...


Wie ihr sicher in meiner Rezension zu Stephens King "Omi" (hier) erfahren habt, bin ich kein Fan von Kurzgeschichten, da sie meiner Meinung nach zu wenig Raum für eine Identifizierung mit Charakteren bieten und ein Einlassen auf die Geschichte und deren Atmosphäre aufgrund ihrer Kürze einfach sehr erschweren. Trotzdem habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut, alleine schon wegen meines Lieblingsautors Sebastian Fitzek, der hier mit seinem Werk "In einer kleinen Straße" vertreten ist. Weil ich diese Meinung von Kurzgeschichten schon seit Jahren vertrete, war ich umso überraschter, dass mich dieses Buch von vorne bis hinten fesseln konnte und das sogar mit jeder einzelnen Geschichte.

Zu den Fakten: Ausgezeichnete Morde enthält elf Kurzgeschichte von den oben genannten Autoren; Nina George – vielleicht dem ein oder anderen bekannt durch ihr Werk "Das Lavendelzimmer" – ist als einzige mit zwei Kurzgeschichten vertreten. Im vorderen Teil befindet sich ein Inhaltsverzeichnis mit Name der Autoren und den Titeln. Nach jeder Kurzgeschichte folgt ein "Über den Autor" und der Hinweis auf weitere bereits erschienene Werke und deren Kurzbeschreibung, was mir besonders gut gefallen hat. Ausgezeichnete Morde endet mit einer Auflistung und mit Erklärungen von einigen wichtigen Krimi- und Thriller-Auszeichnungen.

Zugegebenermaßen habe ich von den gelisteten Autoren nur Sebastian Fitzek gekannt, was ich jedoch nicht weiter schlimm fand, denn mir haben durchweg alle anderen Autoren ebenfalls sehr gut gefallen. Natürlich habe ich mir eine Kurzgeschichte ein wenig länger und eine andere ein wenig kürzer gewünscht, was auf persönlichem Geschmack gründet, keineswegs auf Langatmigkeit oder eines schlechten Plots. Obwohl alle Geschichten sich mit den Themen Mord, Entführung oder sonst einer grausigen Tat befassen, unterschieden sie sich thematisch voneinander und bieten genügend Abwechslung. Nervige Wiederholungen bei der Idee oder der Umsetzung konnte ich nicht feststellen.

Meine persönlichen Favoriten waren (natürlich) zum einen "In einer kleinen Straße" von Sebastian Fitzek, weil sein Schreibstil meiner Meinung nach individuell ist und er es wie kein anderer versteht, Spannung zu erzeugen; zum anderen haben mir auch "Wo es dem Verbrecher schmeckt" von Friedrich Ani und Harald Gilbers "Der schöne Mister Manville" gefallen.

Das Cover liefert zu den wunderschönen und spannenden Kurzgeschichten – also zu einem inhaltlich sehr starken Buch – eine ebenso starke und schöne Gestaltung und eine passende Verpackung. Ich bin ein Fan von Relief-Lack beim Cover-Layout und finde ihn perfekt eingesetzt.

Fazit
Ausgezeichnete Morde verspricht eine perfekte Zusammenstellung und Mischung von interessanten und spannenden Kurzgeschichten. Der solide Aufbau des Buches (Kurzgeschichte – Informationen über den Autor – andere Werke) fand ich eine gelungene Lösung, was dazu geführt hat, dass das ein oder andere Buch sogar auf meiner Wunschliste gelandet ist. Ein unbedingtes Muss für alle Kurzgeschichten- und/oder Krimi-Liebhaber!

Veröffentlicht am 27.06.2017

Positiv überrascht!

Die Wellington-Saga - Versuchung
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"Versuchung" ist eins dieser Bücher, von denen ich etwas vollkommen anderes erwartet hatte. Auf mich wirkte das Cover direkt wie das eines Erotik-Romans und auch der Klappentext ließ ansatzweise darauf ...

"Versuchung" ist eins dieser Bücher, von denen ich etwas vollkommen anderes erwartet hatte. Auf mich wirkte das Cover direkt wie das eines Erotik-Romans und auch der Klappentext ließ ansatzweise darauf schließen. Zwar bietet das Buch ein paar (wenige) erotische Szenen, doch für mich war es eher ein ganz normaler Liebesroman – und ich denke, ich muss nicht betonen, dass mir das wesentlich besser gefallen hat und daher meine vorherigen Erwartungen in diesem Fall bereits übertroffen wurden.

Eine weitere Überraschung war für mich das Setting bzw. die Welt und der Hintergrund, warum Georgia und Alejandro sich kennenlernen. Ich bin ja überhaupt kein Pferdemensch. Nicht, dass ich sie nicht schön finde, ich kann nur einfach nicht die Faszination für diese Tiere und die Leidenschaft für den Reitsport verstehen – so konnte ich dann auch anfangs nicht wirklich etwas mit Polo anfangen, das eins der Hauptmotive und Hauptelemente in diesem Buch ist. Dazu muss ich sagen, dass es Nacho Figueras und Jessica Whitman spielend gelungen ist, mir diese Welt nahe zu bringen und mich sogar sehr wohl mit dem Reiterhof, dem Polospiel und den Pferden zu fühlen. An manchen Stellen fand ich die Sportart sogar mehr als faszinierend und bin auch den Spielbeschreibungen sehr gerne gefolgt. Die eigentliche Handlung – nämlich die Liebesgeschichte zwischen Georgia und Alejandro – fügt sich in diese Beschreibungen des Sports, der Tiere und der reichen, gehobeneren Welt mühelos ein. Genau wie Georgia hatte ich stellenweise meine Probleme, eben mit dieser Welt klar zu kommen, mit den Lügen, Intrigen, Habgier, Macht, der Sicht der reichen Menschen auf die armen, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt. Was ist eine Liebesgeschichte auch schon ohne Lügen, Streitereien und künstlich erzeugten Missverständnissen?

Auch die Charaktere haben mir zugesagt, obwohl ich mit einigen Schwierigkeiten hatte. Georgia hat mich aufgrund ihrer bodenständigen und schlichten Sicht auf die Dinge und ihrem symapthischen und tierlieben Auftreten sofort überzeugt. Sie ist eben nicht an Reichtum gewöhnt, kann sich nur schwer in ihrer neuen Welt zurechtfinden und tritt dabei sehr oft in das ein oder andere Fettnäpfchen, wobei ich durchgehend mit ihr mitgefühlt habe und verschiedene Reaktionen der Familie Del Campo wirklich überzogen fand. Alejandro wirkt dagegen anfangs sehr distanziert und so manche Handlungsweise, vor allem im Umgang mit seiner Tochter und mit Georgia, konnte ich lange nicht nachvollziehen. Er kämpft mit einem Schicksalsschlag, muss sich um die Familie und das Familienunternehmen kümmern und will niemanden enttäuschen, was mich letztlich doch dazu gebracht hat, ihn zu mögen. Schließlich ist er manchmal einfach überfordert, weiß viele Dinge einfach nicht besser und das Andenken an seinen Vater belastet ihn sehr. Es gibt auch andere Charaktere, die ordentlich Schwung in die Geschichte bringen. Ich denke da zum Beispiel an den Haupttierarzt der Familie Del Campo, der Georgia ihren neuen Job mehr als missgönnt und ihr Steine in den Weg legt; oder an die Freundin der Familie, die sich bei Georgia einschleimt, aber sie hinter ihrem Rücken durch Intrigen und Lügen unbeliebt macht und ein doppeltes Spiel spielt.

Einziges Manko an diesem Buch und leider auch verantwortlich für den Stern Abzug, ist das Ende des Romans, das leider mehr als unbefriedigend ist. Wie in vielen anderen Liebesgeschichten auch, gibt es gegen Ende nochmal richtig Drama, so dass einer der beiden Hauptprotagonisten den ersten Schritt machen und auf den anderen zugehen muss. Eben genau das passiert – nur leider viel zu plötzlich und zu abrupt mit einem Zeitsprung und eindeutig zu wenig Erklärungen. Viele neue Fragen werden aufgeworfen und letztlich wirkt es einfach nur so, als hätte man das Buch schnell zu Ende bringen müssen – eine ausführlichere Version hätte mir da um einiges besser gefallen. Im Hinblick auf den zweiten Teil, der nicht mehr Georgia und Alejandro als Liebespaar behandelt, war das eben leider mehr als enttäuschend und lässt den Leser mit der Hoffnung zurück, dass Fragen eben in jenem Band zwei geklärt werden, aber vermutlich eher nur am Rande. Ich denke, das hätte man für den Leser befriedigender und besser lösen müssen. Unter anderem auch für diejenigen, die die Reihe nicht weiter verfolgen werden, sich aber trotzdem einen schönen Abschluss gewünscht haben.

Gefallen hat mir jedoch der Schreibstil der beiden Autoren. Man merkt Nacho Figueras seine Leidenschaft für Pferde und den Sport Polo definitv an und oft schweift er gerade bei Beschreibungen dessen sehr aus, doch mir hat das doch gut gefallen. Ansonsten lässt sich das Buch leicht und flüssig lesen und bietet trotz leicht klischeebehafteter Charaktere ein Auf und Ab der Gefühle und eine tolle Liebesgeschichte.

Fazit
Im Großen und Ganzen hat mir "Versuchung" von Nacho Figueras und Jessica Whitman sehr gut gefallen und hat viele Motive zu Tage gefördert, von denen ich mir nicht hätte vorstellen können, dass sie mir gefallen. Überzeugend fand ich die Welt der Reichen und Schönen und der Kontrast, den Georgia dazu bildet. Für den nächsten Band würde ich mir jedoch ein schöneres Ende wünschen.

Veröffentlicht am 27.06.2017

Toller und empfehlenswerter Auftakt

Du gehörst mir ...
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"Du gehörst mir..." ist der erste Teil der Dilogie "Addicted to Sin" und ist mir das erste Mal durch die Optik und Haptik des Covers aufgefallen. Diese Nachahmung eines Sofas und der Klappentext versprechen ...

"Du gehörst mir..." ist der erste Teil der Dilogie "Addicted to Sin" und ist mir das erste Mal durch die Optik und Haptik des Covers aufgefallen. Diese Nachahmung eines Sofas und der Klappentext versprechen einen besonderen Erotikroman und tolle Sitzungen mit Psychiater Dixon, die man mit diesem Buch auch definitiv bekommt – sobald man es schafft, Moral, Gewissen und Verantwortungsbewusstsein außen vorzulassen.

Genau da lag auch anfangs mein Problem. Ein Psychiater, der sich sexuell auf seine Klientinnen einlässt? Das klang für mich zuerst irgendwie aufregend, aber auch definitiv falsch. Vor allem nach dem ersten Kapitel dachte ich nur: Ehm, okay? Nach und nach bekommt man aber einen Einblick in Dixons Welt, seine Gedanken und seine Gefühle und irgendwie gelang es mir doch ganz gut, sein fragwürdiges Verhalten zu akzeptieren und mich auf die Handlung einzulassen. Geholfen hat dabei definitiv, dass das Buch mehrheitlich aus seiner Sicht geschrieben ist und man so erfährt, dass sich auch das männliche Geschlecht manchmal so seine Gedanken macht, aber oft auch einfach nur triebgesteuert handelt. Ob mir das Dixon sympathischer gemacht hat, weiß ich nicht, aber es hat auf jeden Fall vieles erklärt und ihn öfter unschuldiger dastehen lassen, als ich es nach dem Lesen des Klappentextes gedacht hätte.

Dieses Psychiater-Motiv ist mir vollkommen neu (ich habe noch kein Buch in dieser Richtung gelesen, ihr etwa?) und deshalb war ich sehr gespannt, was ich mir darunter vorstellen soll – und welchen Charakter Dixon hat. Alles in allem ist er sicher jemand, den die Mehrheit mag. Er trifft aber manchmal zweifelhafte Entscheidungen, die für mich nicht immer Sinn ergeben. Zum einen, weil er sie oft aus pragmatischen Gründen trifft, an anderer Stelle aber sehr emotional; zum anderen tritt er als Held auf, der Madison beschützt und doch verhält er sich auch oft wie ein Idiot, insbesondere ihr gegenüber. Sein Charakter ist nicht ganz so leicht einzuordnen oder zu verstehen, vor allem, da er auch eine verletzliche Seite hat (von der ich gerne noch mehr lesen würde!). Doch trotzdem mochte ich ihn als Hauptprotagonisten sehr gerne. Dadurch, dass er ein Mann ist und vieles auch wie ein Mann begründet, konnte ich zwar nicht immer so mitfühlen, wie ich es mir gewünscht hätte, konnte aber seine Entscheidungen weitesgehend nachvollziehen – auch wenn ich sie als Frau wohl anders getroffen hätte.

Die beiden weiblichen Hauptprotagonisten könnten ebenfalls unterschiedlicher nicht sein, wie aus dem Klappentext schon hervorgeht. Madison fand ich als "Unschuld vom Lande" sehr gut getroffen, weswegen ich ihr auch gleich wesentlich mehr Sympathie entgegengebracht habe, als Juliet, die doch eher in die Klischee-Schublade fällt. Madison selbst wird im Laufe der Geschichte mehrfach interessant ausgearbeitet, mit ihrer Verganegnheit und ihrem Schicksal, mit dem sie sehr hadert und das sie auch erst sehr spät Dixon anvertraut. Auch sie hat ein paar eigene Kapitel bekommen, was ich toll fand, denn schließlich wollte ich unbedingt wissen, was in ihrem sensiblen Inneren vorgeht und wie sie mit ihren Gefühlen für Dixon umgeht. Mit Juliet konnte ich dagegen einfach überhaupt nichts anfangen. Sie ist teilweise so übertrieben und aufdringlich, dass ich mir sogar fast sicher bin, dass die Autorin das auch so gewollt hat. Sie ist eben das genaue Gegenteil der süßen, lieben Madison: angeblich sexsüchtig, allzeit bereit, nicht auf eine feste Beziehung aus und einfach irgendwie ... billig. Wie Dixon sich in die Lage gebracht hat, zwischen den beiden Frauen wählen zu wollen, war für mich da teilweise wirklich haarsträubend zu verfolgen.

Die Handlung an sich lässt ein wenig zu wünschen übrig, wie das in Erotikromanen oft der Fall ist und womit ich auch gerechnet habe (und jeder andere Leser rechnen sollte). Dixon quält sich sehr lange mit der Frage, für wen er sich entscheiden soll und wer ihn auf lange Sicht glücklicher machen wird. Er arbeitet hart, treibt sich viel mit seinen besten Freunden rum, bastelt ein wenig an seiner Zukunft, aber sonst hält er sich eigentlich nur mit den Gedanken an Juliet und an Madison auf. Das war für mich persönlich zwar keineswegs langweilig, und doch war ich sehr überrascht hat, als gegen Ende die Handlung an Fahrt aufnimmt und die Geschichte mit einem – sagen wir mal – seichtem Cliffhanger endet. Ich hatte zwar schon geahnt, dass da was übles nachkommt und die Entscheidung noch lange nicht getroffen ist, aber ich bin doch sehr gespannt auf die Fortsetzung, da der Schluss sehr schön und spannend geschrieben ist.

Monica James' Schreibstil hat mir sehr gut gefallen und hat die Geschichte auch überzeugend in meinem Kopf entstehen lassen. Er ist auf jeden Fall dem erotischen Genre angemessen, auch wenn mir das persönlich manchmal ein bisschen zu viel/zu derb ist. Trotzdem kann man das Buch gut durchlesen, da die Sprache angenehm leicht und flüssig ist und der Lesefluss kaum unterbrochen wird.

Das Cover ist für mich persönlich ja ein besonderes Highlight. Wie im ersten Abschnitt schon erwähnt, ist es mir zu allererst wegen der Haptik aufgefallen. Diese Sofa-Veredelung ist super für dieses Genre. Man "spürt" das Ledersofa richtig und garantiert damit auf jeden Fall einen Blickfang und ein Alleinstellungsmerkmal.

Veröffentlicht am 23.06.2017

Sehr spannendes Debüt

Glaube Liebe Tod
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Nachdem ich in letzter Zeit eher im Fantasy-/Jugendbuch-Genre hängen geblieben bin, wollte ich endlich mal wieder einen Krimi lesen, natürlich am besten einen richtig guten und spannenden. Da Krimis leider ...

Nachdem ich in letzter Zeit eher im Fantasy-/Jugendbuch-Genre hängen geblieben bin, wollte ich endlich mal wieder einen Krimi lesen, natürlich am besten einen richtig guten und spannenden. Da Krimis leider die Eigenschaft haben, sich sehr zu ähneln, wollte ich etwas sonderbares und einzigartiges und ich bin auf das Buch "Glaube Liebe Tod" gestoßen – das ein bisschen weggeht von den mürrischen, überarbeiteten, lasterfröhnenden Ermittlern und eher was neues erzählt. Was bietet sich da besser an als ein Seelsorger, ein Polizeipfarrer, der gerne ermittelt und scheinbar des öfteren über das Ziel hinausschießt?

Ich fand die Geschichte rund um Polizeiseelsorger Martin Bauer sehr interessant und faszinierend. Schon die ersten Seiten haben mich total mitgerissen und waren sehr rasant geschildert. Insgesamt ist die Handlung und der Fall sehr spannend erzählt. Der Fall wird immer wieder in verschiedene Richtungen gelenkt, aber die Lösung ist doch lange nicht wirklich greifbar. Die Erzählung aus Sicht eines Polizeipfarrers fand ich vor allem deswegen so gelungen, weil er das gleiche Bedürfnis hat, den Tod eines Kollegen aufzuklären und den Täter zu schnappen, aber weit mehr Möglichkeiten ausschöpfen kann als ein normaler Polizist oder Ermittler. Dadurch, dass er als Ermittler nie wirklich ernst genommen wird, aber die Fähigkeit besitzt, bei verschiedenen Gruppen (sei es die Familie des Toten, Polizisten, Zeugen …) durch ein einfaches, vertrauenswürdiges Gespräch Informationen zu bekommen, kommt er doch oft weiter und schneller voran, ohne den offiziellen Dienstweg gehen zu müssen. Der Nachteil an der Sache ist aber auch, dass er sich oft wie ein Polizist und Ermittler aufführt, in verschiedene gefährliche Situationen kommt, ohne entsprechende Rückendeckung zu haben. Dieser schmale Grad macht das Buch sehr interessant und zu etwas besonderem. Über den Fall an sich, welche Kreise er zieht, wer verdächtig ist und ob es sich nicht doch einfach um einen Suizid handelt, möchte ich eigentlich nichts sagen. Schließlich möchte ich euch den Hauptinhalt und die Spannung nicht vorwegnehmen. Zusätzlich möchte ich aber noch für all diejenigen, die skeptisch sind bei einem Pfarrer als Hauptprotagonisten, erwähnen: Die Bibelzitate und die christliche Denkensweise werden zwar aufgegriffen, halten sich aber in Grenzen, weswegen das Buch sicher auch von Personen gelesen werden kann, die keiner Religion angehören, mit den christlichen Werten nichts anfangen können oder schlichtweg einfach nicht gläubig sind.

Obwohl der Fall spannend und interessant aufbereitet ist, treten gerade gegen Ende leider ein paar Längen auf, die man hätte vermeiden können. Gerade in Krimis mag ich dieses aufgesetzte „Ist er jetzt der Mörder oder wohl vielleicht doch nicht?“ einfach nicht, nur um noch ein paar Seiten mehr rauszuholen. Vor allen Dingen dann nicht, wenn es bereits längst klar ist, wer es getan hat und aus welchem Grund. Ich hätte das Buch sicher auch gelesen, wenn es statt 416 nur 350 Seiten gehabt hätte. Das Ende des Falls und der Schluss des Buches haben mich dafür aber entschädigt, denn den fand ich sehr gut umgesetzt – vielleicht ein bisschen zu abgedreht, aber wer das besondere Etwas mag und nichts gegen das Übertriebene hat, dem wird es genauso gut gefallen, wie mir.

Martin Bauer ist ein interessanter Charakter, der für mich auch im Buch durchweg gleich interessant und überzeugend bleibt. Ich hatte zwar die Befürchtung, dass sich sein Charakter, nach den ersten paar sehr spannenden und actionreichen Seiten, legt und er sehr langweilig wird, aber mir hat er in seinem Auftreten und in seinem Denken weiterhin gut gefallen. Vor allem, wie er die Dinge sieht, wie er richtig und falsch einschätzt, dass er seine Grenzen zwar kennt, aber gerne auch bereit ist, für das Wohl anderer darüber hinauszuwachsen. Sein gutes Auge, seine Menschenkenntnis und seine Empathie machen ihn zu einem sehr guten Pfarrer und zu einem noch besseren Seelsorger.

Was mich allerdings an Martin Bauer gestört hat und was ich auch als Charakterschwäche empfinde, war sein Verhalten gegenüber seiner Tochter. Ganz im Ernst? Wenn meine minderjährige Tochter, ohne mein Wissen ins Nachbarland reist um dort an einer Demonstration teilzunehmen, in einer Nacht und Nebelaktion verschwindet, obwohl es vorher ganz klar verboten war, dann wäre ich nicht so cool und locker drauf und würde mir denken „Ach lass sie nur“. Ich würde spätestens zehn Minuten später im Auto sitzen und sie abholen. Faszinierend dabei war, dass Bauer ja selbst dauernd seine Gedanken darauf lenkt und sich fragt, wieso ihm seine Tochter nicht so wichtig ist wie der aktuelle Fall und warum er nicht einfach losfährt um sie zu holen. Das alles fand ich wirklich sehr seltsam und kurios und hat zwischenzeitlich auch genervt. Stellenweise habe ich mir gewünscht, er möge sich bitte endlich ins Auto setzen, seine Tochter abholen und sie nach Hause bringen, damit er sich dann in Ruhe auf den Fall konzentrieren kann.

Ich habe mich natürlich im Vorfeld über die beiden Autoren informiert – schließlich hat mich interessiert, warum zwei Autoren sich zusammengeschlossen haben, um ein Buch zu schreiben. Ich weiß, dass das öfter vorkommt, aber aus irgendeinem Grund hat mich meine Neugier gepackt und ich habe mir die Autorenseiten genauer angesehen. Dabei ist mir dann aufgefallen, dass beide Autoren, Jörg Reiter und Peter Gallert, Drehbuchautoren sind, was man meiner Meinung nach auch auf jeden Fall im Buch wahrnimmt. Es gibt mehrere spektakuläre Szenen, die Geschichte ist actionreich und lebt von den eindeutigen Bildern, die im Kopf des Lesers erzeugt werden. Das deutet natürlich auf seinen sehr guten Schreibstil hin, der nicht nur spannend erzählt, sondern auch mühelos den Leser in seinen Bann schlägt.

Fazit
Mir hat der Fall in "Glaube Liebe Tod" und die besondere Komponente des Polizeiseelsorgers sehr gut gefallen. Einige kleinere Schwächen, wie der nervige Nebenplot seiner Tochter und die Längen gegen Ende hätten man sicher vermeiden oder besser machen können, lassen den Krimi aber trotzdem als sehr solides, spannendes und solides Debüt-Buch erscheinen.