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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.08.2017

Authentische und emotionale "New Adult"-Geschichte

The Score – Mitten ins Herz
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"The Score" ist der erste Teil, den ich lese, obwohl es schon der dritte Band aus der "Off-Campus"-Reihe ist. Die Geschichte von Hannah und Grace habe ich verpasst und obwohl ich bisher noch kein Buch ...

"The Score" ist der erste Teil, den ich lese, obwohl es schon der dritte Band aus der "Off-Campus"-Reihe ist. Die Geschichte von Hannah und Grace habe ich verpasst und obwohl ich bisher noch kein Buch von Elle Kennedy gelesen habe, hatte ich natürlich trotzdem hohe Erwartungen. Mittlerweile liebe ich "New Adult"-Bücher und habe durch die wundervollen Autorinnen Mona Kasten, Bianca Iosivoni und Abbi Glines auch schon so einige richtig gute Bücher in dem Genre gelesen.

Obwohl "The Score" der dritte Teil der Reihe ist, bin ich super in die Geschichte gestartet. Für mich waren Hannah und Garrett, sowie Grace und Logan zwar unbekannt, aber die Autorin hat die verschiedenen Pärchen und Nebenfiguren perfekt in die Geschichte eingepflegt und wichtige Aspekte (zum Beispiel entstandene Spitznamen, witzige und besondere Momente aus den vorherigen Büchern) nochmal hervorgehoben bzw. wiederholt, so dass ich an keiner Stelle das Gefühl hatte, irgendwas Großartiges verpasst zu haben. Was natürlich nicht bedeutet, dass ich die anderen Bücher von Elle Kennedy nicht mehr lesen werde; sie sind schon auf meiner Wunschliste gelandet. Die Mischung aus den unterschiedlichen Charakteren und einer sehr einfühlsam ausgearbeiteten Liebesgeschichte hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte wirkt sehr authentisch und realitätsnah, nicht zu übertrieben oder mit zu vielen Problemen und Drama aufgeblasen. Allerdings hatte ich mit dem Erotik-Aspekt überhaupt nicht gerechnet. Ich habe nichts gegen Sexszenen in Liebesgeschichten, auch nicht mal dann, wenn er als Mittel zum Zweck eingesetzt wird, denn so läuft es nun mal am College. Allerdings waren mir die erotischen Szenen irgendwann doch zu viel, weil ich eben nur eine schöne, leichte Liebesgeschichte erwartet hatte und es einige solcher Szenen gibt, manchmal sogar ziemlich lange ausgearbeitet.

Trotzdem hat der Plot mich überzeugt. Ich mochte das Zusammenspiel der Charaktere, ich mochte Dean und Allie zusammen, ich mochte, wie die Autorin mit den Höhen und Tiefen der Beziehung der beiden umgeht, aber auch mit ihren persönlichen Auf und Abs. Beide haben es sicher nicht einfach, beide kämpfen sich mit den verschiedenen Mitteln durch's Leben und es war sehr schön mitanzusehen, wie beide in- und aneinander ein wenig Halt finden. Aber neben Liebe und Erotik spielt die Autorin auch noch mit anderen Aspekten und Emotionen. Es gab verschiedene Stellen im Buch, die mich absolut mitgenommen und berührt haben. Der Kummer der beiden Hauptprotagonisten ist mit Händen greifbar und haben sich absolut auf mich übertragen. Die Trauer, die beide empfanden, die Hilflosigkeit, keinen Ausweg zu finden und schlechte, traurige, erschütternde Dinge zu verarbeiten, das Aufgeben und enttäuschte Hinschmeißen, als Allie einfach nicht mehr weiter weiß. Elle Kennedy hat mich da an einer Stelle eiskalt erwischt – was wahrscheinlich auch ihre Absicht gewesen war – und mich auch absolut mitgenommen, weil ich vor kurzem selbst erst so eine Situation erleiden musste.


Allie und Dean sind beide sehr tolle Hauptprotagonisten, die gestützt durch ihre besten Freunde, ein tolles Team abgeben. Mit Dean musste ich anfangs erst warm werden. Nach seinem ersten Auftreten war er nicht unbedingt der Kerl, den ich mir für Allie gewünscht hätte, aber seine positiven Charaktereigenschaften stechen desöfteren im Laufe des Plots noch hervor. Er ist mehr als nur der Frauenheld, als den er dargestellt wird, mehr als die "männliche Hure", für den ihn jeder hält. Klar, er provoziert es gerne, legt es auch darauf an, so wahrgenommen zu werden, aber er ist doch ein Mann, dessen Gedanken und Gefühle man erst wirklich verstehen kann, wenn man sich mit ihm befasst – als Außenstehender fiel mir das am Anfang schwer, aber die Kapitel, in denen er aus seiner Sicht erzählt, haben mich dann doch von ihm überzeugen können. Auch Allie ist ein toller Charakter, der mich zwar manchmal mit ihrer Wankelmütig in den Wahnsinn getrieben hat, die aber nach leicht durchschaubaren Motiven handelt. Sie möchte einfach nur geliebt werden, irgendwo ankommen und Halt finden, nachdem in ihrem Leben, vor allem in ihrer Familie, vieles nicht so lief, wie es sein sollte. Ihre Geschichte hat mich sehr bewegt, weswegen ich mir auch nichts anderes gewünscht habe, als dass sie endlich glücklich wird und denjenigen findet, den sie verdient. Anfangs dachte ich ja noch, die beiden passen überhaupt nicht zueinander und Dean wird Allie niemals glücklich machen können, aber Elle Kennedy hat mich überzeugt.

Den Schreibstil der Autorin fand ich wirklich toll. Er war genau das, was ich eben von einem "New Adult"-Buch auch erwarte: eine leichte, lockere Schreibweise, die dem Leser die Gefühle der Figuren näher bringt und diese auch auf ihn überträgt. Mitgefühlt habe ich nämlich auf jeden Fall. Auch die erotischen Szenen fand ich authentisch geschildert, was auch nicht so oft der Fall ist (oft sind sie ja so übertrieben oder plump, was ich überhaupt nicht mag). Mich persönlich hat einfach nur die Menge derer gestört. Ein bisschen weniger und das Buch hätte von mir volle Punktzahl erhalten.

Und auch das Cover gefällt mir sehr gut. Ich finde, der "New Adult"-Aspekt wurde gut eingefangen und ich persönlich bin ja auch ein Fan davon, wenn man keine kompletten Gesichter auf der Außengestaltung sieht. Ich bin wirklich traurig, dass ich nur das eBook von The Score habe. Die anderen Bände werde ich mir dann vermutlich als Printbücher kaufen, denn zusammen im Schrank sehen sie alle bestimmt super aus.

Fazit
"The Score – Mitten ins Herz" bietet eine wunderschöne Liebesgeschichte, zwei sehr authentische Hauptprotagonisten und jede Menge Emotionen und traumatische Erlebnisse, die es zu verarbeiten gilt. Mich hat der dritte Teil der "Off-Campus"-Reihe überzeugt, auch wenn ich mir persönlich ein bisschen mehr Liebe und ein bisschen weniger Erotik gewünscht hätte. Trotzdem werden die anderen Teile auf jeden Fall noch bei mir einziehen.

Veröffentlicht am 26.08.2017

Schöner und spannender Fantasy-Roman

Selkie
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Zugegebenermaßen hatte ich "Selkie" lange auf meinem SuB liegen lassen, obwohl ich mich auf das Erscheinen des Buches doch sehr gefreut hatte. Allerdings habe ich hin und wieder ein paar weniger gute Rezensionen ...

Zugegebenermaßen hatte ich "Selkie" lange auf meinem SuB liegen lassen, obwohl ich mich auf das Erscheinen des Buches doch sehr gefreut hatte. Allerdings habe ich hin und wieder ein paar weniger gute Rezensionen gelesen und dadurch ein wenig die Lust an dem Buch verloren. Weil ich aber nicht wollte, dass dies meine Meinung zum Debütwerk von Antonia Neumayer beeinflusst, hatte ich mich bewusst dazu entschieden, das Buch erst zu beginnen, wenn mich die "Selkie"-Lust wieder gepackt hatte. Letztlich bin ich sehr froh, dass ich gewartet hatte und mehr oder weniger unbeeinflusst an das 512-Seiten-starke Buch gehen konnte.

Denn die Geschichte hat mir wirklich sehr gut gefallen. Mit den Sagen der Selkie war ich im Vorhinein überhaupt nicht vertraut, weswegen das Buch auch einige Aspekte aufgewiesen hat, die mir vollkommen neu waren und die mich dementsprechend auch ziemlich überrascht hatten. Ich liebe nämlich Robben und die Verwandlung vom Mensch zum Tier fand ich wirklich sehr bewunderswert dargestellt. Insgesamt hat mich die ganze Geschichte sehr fasziniert, seien es die robbenähnlichen Wesen, die Saighdear, die mit allen möglichen Mitteln Jagd auf sie machen, dass sie Gabriel als Rekruten mit in ihren Fort nehmen und Kate ihm nachreist, um hinter ihre Geheimnisse zu kommen und ihn vor dem falschen Einfluss zu beschützen. Mich hat die Geschichte absolut mitgerissen und ich war mit jeder Seite mehr gespannt, was als nächstes passiert. Trotzdem fand ich es ziemlich schade, dass die Geschichte eigentlich erst ab etwa der 150. Seite wirklich richtig losging. Das Vorgeplänkel und die Vorgeschichte waren zwar wirklich dringend notwendig, aber ein bisschen mehr zusammengekürzt hätte mir persönlich besser gefallen und hätte die Geschichte gerade am Anfang auch wesentlich dynamischer erscheinen lassen.

Was mich allerdings mehr gestört hat, war die Charakterausarbeitung und die Gewichtung beim Auftreten der Figuren. Kate, als die Hauptprotagonistin, hat mir wahnsinnig gut gefallen. Sie hat alle Eigenschaften, die ich bei einer Heldin in einem Fantasy-Roman mag. Sie ist klug und clever, manchmal ein bisschen naiv und dazu noch tollpatschig, was sie allerdings mit Einfallsreichtum, Mut und Selbstaufopferung ausgleicht. Kate hat mich auf jeden Fall überzeugt. Allerdings bin ich kein Fan davon – war ich noch nie! – wenn man ein falsches Bild von Charakteren geliefert bekommt. Ich mag es eigentlich viel lieber, wenn ich von Anfang an weiß, wer die falsche Schlange ist, wer der Verräter ist und wer etwas böses im Schilde führt. An dieser Stelle will ich natürlich keinen Namen nenne, um euch die "Überraschung" nicht zu verderben. Ich mochte ihn allerdings sehr gerne, obwohl er immer ein bisschen komisch war. Und trotzdem war die negative Verwandlung für mich dann wiederum nicht überraschend genug ausgearbeitet; ich hatte keinen "WOW! Das hätte ich niemals gedacht"-Moment. Ich bin mir sicher, dass die Autorin das eigentlich besser kann. Dementsprechend hat mich dann auch gestört, dass Kates Love-Interest Ian circa zwei Drittel des Buches überhaupt nicht auftaucht. Ich hatte ja wirklich auf eine schöne, süße Jugend-Romanze gehofft, aber neben den ganzen Kämpfen, Verschwörungen und Rettungsmanöver war dafür leider einfach kein Platz.

Das Ende hat mich dann allerdings hundertprozentig überzeugt. Ich habe mich wirklich gefreut über die Abschlussszene zwischen Kate und Ian. Die Freude darüber, dass die beiden so wunderbar süß miteinander umgehen, gemischt mit Ians Sorge und seiner Unruhe haben sich absolut auf mich übertragen, so dass ich natürlich sofort nachschauen musste, ob es einen zweiten Teil gibt/geben wird. Diesbezüglich habe ich (noch) keine Informationen gefunden, aber das stimmt mich auch nicht unbedingt traurig, denn ich liebe solche Enden, die im Kopf des Lesers unendlich neue Möglichkeiten und Handlungsverläufe erzeugen. Zwar bleiben noch sehr viele Fragen offen (Was wird aus Alaric? Wo ist Jack auf einmal hin verschwunden? Was wird aus den Selkies? Was wird aus Kate? Hat ihr Vater ihr die Wahrheit erzählt? Was passiert mit Gabriel? Was hat es mit den Halbselkies auf sich?), aber mich persönlich stören solche Enden überhaupt nicht. Ich mache mir gerne Gedanken über alle möglichen Fragen, spinne mir gerne die Geschichte selbst zu Ende, vielleicht auch mit ganz unterschiedlichen Verläufen. Ich liebe es, wenn Autoren ihren Lesern diese Möglichkeiten bieten, ohne am Ende viel zu viel zu verraten oder vorwegzunehmen. Aber wer weiß, vielleicht kommt ja doch noch ein zweiter Teil? Freuen würde ich mich darüber natürlich auch.

Auch der Schreibstil hat definitiv überzeugt. Für einen Debütroman steckt da meiner Meinung nach schon sehr viel Können dahinter und auch wenn ich recht lange für das Beenden des Buches gebraucht habe, sind die Seiten, wenn ich mal zum Lesen gekommen bin, nur so dahingeflogen. Das ist aber natürlich auch der spannenden Geschichte zu verdanken. Auch das Cover finde ich sehr gelungen, da es viele Details aus der Geschichte enthält und sehr ansprechend gestaltet ist. Auch im Nachhinein würde ich auf jeden Fall wieder zu diesem Buch greifen. Ich bin gespannt, was die Autorin sonst noch auf den Markt bringen wird.

Fazit
"Selkie" ist ein schöner Fantasy-Roman, dessen Einführungsphase meiner Meinung nach ein bisschen zu lange gedauert hat, der aber mit der Gesamtgeschichte doch überzeugen konnte. Ian, als männlichen Hauptprotagonisten, hätte ich zwar gerne öfter gesehen, genauso wie eine Romanze zwischen ihm und Kate, allerdings war der Plot rund um die Selkies auch so spannend genug. Einen eventuellen zweiten Teil und/oder weitere Bücher der Autorin werde ich mir auf jeden Fall ansehen, sobald sie erscheinen.

Veröffentlicht am 23.08.2017

Spannend und actionreich – ein sehr lesenswerter Thriller

Projekt Orphan
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"Projekt Orphan" ist der zweite Teil der "Orphan X" oder auch "Evan Smoak"-Reihe, wobei ich zugegebenermaßen aufgrund des Gewinns bei einer Leserunde direkt den zweiten Band gelesen und den Vorgänger "Orphan ...

"Projekt Orphan" ist der zweite Teil der "Orphan X" oder auch "Evan Smoak"-Reihe, wobei ich zugegebenermaßen aufgrund des Gewinns bei einer Leserunde direkt den zweiten Band gelesen und den Vorgänger "Orphan X" ausgelassen habe. Obwohl ich dachte, dass mir die Geschichte deswegen Schwierigkeiten bereiten würde, hat mir der Plot wahnsinnig gut gefallen und fehlende Wissenslücken hat der Autor mühelos und gekonnt mit Wiederholungen und kurzen Erklärungen geschlossen. Allgemein hat mich die Geschichte rund um den Nowhere Man sehr gepackt und mich davon überzeugt, dass ich den ersten Teil auf jeden Fall nachholen muss!

Bei Thrillern ist es ja immer so eine Sache. Bei mir ist es meistens so: Entweder sie hauen bei mir richtig rein und überzeugen oder sie sind einfach nur so lala. "Projekt Orphan" hat definitiv bei mir eingeschlagen. Grund dafür ist zum einen einfach die Geschichte. Zwar ist sie ein bisschen inhaltsarm und während des Buches passiert vom Fortlauf der Geschichte nicht so wahnsinnig viel, allerdings gleicht Gregg Hurwitz dies mit wunderbar, actionreichen Szenen, logischen Handlungen und jeder Menge Spannung aus. Normalerweise schwärme ich ja oft nur bei Fantasy- oder Science-Fiction-Romanen von dem Einfallsreichtum der Autoren, aber auch hier gehört dem Autor auf jeden Fall dafür ein Lob ausgesprochen. Die verschiedenen Spannungsbögen fand ich toll und logisch ausgearbeitet und mit der richtigen Portion Gewalt, Blut und Zerstörung – so wie es sich für einen richtig guten Thriller gehört – getopt. Durch das wiederkehrende Warten auf den nächsten Knall und den nächsten Höhepunkt, von denen es einige gibt, wirkt die Geschichte von vorne bis hinten dynamisch. Ein paar traurige Momente (die Verarbeitung des Todes eines geliebten Menschen), verschiedene Flashbacks, ein bisschen Wehmut und ein Cliffhanger, der es in sich hat, runden den Plot perfekt ab.

Evan Smoak, der Hauptprotagonist und Hauptakteur des Buches, hat mir sehr imponiert. Da "Projekt Orphan" mein erstes Buch der Orphan-Geschichte ist, kannte ich seine Eigenschaften in diesem Buch natürlich nicht, war aber mehr als überrascht über seine analytischen Fähigkeiten, seinen leichten Humor, seine Art zu kämpfen und niemals aufzugeben. Darüber, dass er tötet, ohne seine Menschlichkeit zu verlieren, darüber, dass er das dringende Bedürfnis hat, immer jedem zu helfen, sei es ein unschuldiges Mädchen, ein hilfsbedürftiger Junge oder einfach nur sich selbst. Die Tricks, die er drauf hat, erinnern an so manchen "James Bond" oder "Mission Impossible" Film, was bei Gregg Hurwitz' Hintergrund als Hollywood-Drehbuchautor auch wirklich nicht wundert. Aber gerade in Situationen mit seinen Liebsten merkt man ihm seine menschliche und emotionale Seite doch an. Ich hätte mir zwar mehr davon gewünscht, seine Entscheidung am Ende ein bisschen anders vorgestellt, aber Evan ist nun mal Evan und als Nowhere Man alles in allem ein sehr überzeugender Charakter.

Aber auch die verschiedenen Bösewichte konnten mich überzeugen. Sie sind zwar stellenweise wirklich abartig und psychopathisch mit ihren neusten technischen Standards, Innovationen (Privatsphäre-Spray, Albtraum-Spritzen) und ihrem Kontrollzwang, aber dieser ständige Kampf mit Evan, wer der klügere und stärkere ist, war doch schon sehr amüsant. Vor allem, weil man sich während des ganzen Buches sicher ist, dass Evan doch ohnehin als Sieger hervorgehen wird. Die Geschichte rund um René, sein Labor und Evans Entführung fand ich super spannend geschildert und letztlich auch gut, wenn auch vorhersehbar, zu Ende gebracht. Und obwohl René jetzt erstmal aus dem Weg geschafft wurde, so weiß man doch, dass man die Orphans und Van Sciver auf jeden Fall wiedersehen wird. Schließlich wartet der Leser noch auf den großen Showdown, der vermutlich mit dem Ende schon angedeutet wurde.

Den Schreibstil von Gregg Hurwitz empfand ich als wahnsinnig gut. Zum einen ließ sich der Thriller gut lesen. Die Sprache war angenehm und ich bin auch nicht über Logik-Fehler gestolpert. Auch wenn ich ein oder zwei Mal dachte, einen erkannt zu haben, wurde ich doch am Ende eines besseren belehrt. Ich hatte wirklich das Gefühl, Hurwitz hat bei seinem Buch alles bedacht. Zum anderen hat es mir natürlich gefallen, dass ich die meisten Handlungsstränge verstanden habe, ohne den Vorgänger gelesen zu haben. Natürlich fehlten mir an der ein oder anderen Stelle ein paar Hintergrundinfos, aber ich hatte an keiner Stelle das Gefühl, den aktuellen Plot deswegen nicht zu verstehen. Auch die Kombination aus Flashbacks und der Gegenwart fand ich grandios. Nicht nur, weil es die Geschichte an sich aufgelockert hat, sondern weil man auch einiges mehr über den jungen Evan erfahren konnte. Zu guter Letzt hat mich der Autor allerdings auch mit seinem Ende überzeugt. Der Cliffhanger ist einerseits ziemlich hart, aber andererseits so gewählt, dass man es überlebt, den nächsten Teil erst in ein paar Monaten lesen zu können (auch wenn ich natürlich sofort weiterlesen möchte!). Einige Fragen bleiben offen und versprechen daher auch einen unterhaltsamen dritten Teil der "Orphan X"-Reihe.

Fazit
"Projekt Orphan" ist definitiv ein hochspannender und actionreicher Thriller, dem ein bisschen mehr Inhalt sicher gut getan hätte, der mich aber trotzdem (fast) vollends überzeugen konnte. Gregg Hurwitz ist ein genialer Autor, der mit seinem Buch einen richtig guten Thriller mit klaren, rasanten und dynamischen Kopfkino-Bildern geliefert hat. Eine Verfilmung wäre definitiv sehenswert!

Veröffentlicht am 16.08.2017

Persönliches Highlight der Reihe

Hardlove – verliebt
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"Hardlove – Verliebt" ist der fünfte Band der Hard- bzw. Hacker-Reihe und ist somit auch der Abschlussteil und das Ende der Liebesgeschichte von Erica und Blake. Nachdem ich die ersten vier Bücher in den ...

"Hardlove – Verliebt" ist der fünfte Band der Hard- bzw. Hacker-Reihe und ist somit auch der Abschlussteil und das Ende der Liebesgeschichte von Erica und Blake. Nachdem ich die ersten vier Bücher in den letzten Wochen (mehr oder weniger) hintereinander weggelesen hatte, habe ich die beiden Hauptprotagonisten sehr in mein Herz geschlossen und ich war gespannt, was der letzte Teil noch für die beiden bereithält. Werden die beiden sich endlich bekommen und glücklich miteinander werden?

Was mich an der Hard-/Hacker-Reihe besonders begeistert hat, ist, dass meine Befürchtung bezüglich des Plots nicht erfüllt wurden. Die Reihe behandelt keine On-Off-Beziehung, kein ständiges Hin und Her und kein Leugnen von Gefühlen, ewig langer Druckserei oder ein ständiges Hin und Her. Erica und Blake haben einfach nur unglaublich viel zu bewältigen. Ihr Umfeld, die beiden selbst, Menschen um sie herum legen ihnen dauernd Steine in den Weg, gefährden ihre Beziehung und lassen sowohl Erica, als auch Blake eine Achterbahn der Gefühle durchmachen. Dass das im letzten Band "Hardlove" nicht anders sein würde, hatte ich erwartet und auch bekommen. Noch ein letztes Mal müssen die beiden um ihre Liebe kämpfen, tapfer sein und füreinander einstehen. Die Handlung im genannten Buch fand ich überzeugend dargestellt und ich habe vor allem mit Erica sehr mitgelitten. Nachdem sie schon so viel miterleben und erleiden musste, war dies hier natürlich die Krönung des Ganzen und für mich auch der Höhepunkt der Reihe. Neben dem ersten Band der Reihe hat mir "Hardlove" am besten gefallen.

Wie oben schon geschrieben sind mir beide Hauptprotagonisten sehr ans Herz gewachsen, obwohl die Geschichte größtenteils nur aus Ericas Sichtweise erzählt wird. Blake ist zwar schon stellenweise ein großspuriger Millionär/Milliardär, der meint, sich alles erlauben zu können und unantastbar zu sein scheint, aber gerade in Situationen mit Erica merkt man ihm seine Emotionen an, seine Zerbrechlichkeit und seine Menschlichkeit. Gerade deswegen konnte ich ihn lieben lernen und sein Umgang mit Erica ist zwar nicht immer vorbildlich, aber doch sehr liebevoll. Beide sind auf jeden Fall sehr interessante Charaktere, die mich beide an den verschiedensten Stellen fast zur Weißglut gebracht haben. Als Leser weiß man es eben doch meist besser ;) Ich persönlich hätte bei dieser Reihe ja gerne auf den SM/-Sub-Dom-Bezug verzichtet, da er aber nicht so groß ausgeprägt und nicht zu Tode ausgelutscht wurde, habe ich mich damit abfinden können. Man merkt auf jeden Fall, dass die erotischen Szenen zwar zur Geschichte dazugehören, sie aber nicht ersetzen wollen. Es gibt sehr viele Nebenplots, viele Nebencharaktere, die auch so ihre Problemchen haben und viele Spannungsbögen, die von den SM-Spielchen doch sehr gut ablenken. Gerade in "Hardlove" ist davon eher weniger zu sehen und der Fokus liegt definitiv auf Ericas und Blakes Problembewältigung, auf ihrer Liebe und ihrer Zukunft.

Für mich war ein großer Pluspunkt, dass "Hardlove" aus beiden Perspektiven geschildert wurde. Anfangs hatte ich zwar so meine Bedenken, da ich Blakes Gedanken nicht gewohnt war, aber schließlich fand ich's toll. Blake alleine ist schon ein faszinierender Charakter und seine Kontrollsucht und seine ständige Sorge um Erica konnte ich dann doch ein wenig besser verstehen. Seine Emotionen sind definitiv gut geschildert und nachvollziehbar – in manchen Situationen eben mehr, in anderen weniger, aber so erging es mir auch oftmals bei Erica. Man muss eben nicht immer jede Handlung verstehen. Ebenso habe ich mich über das Bonus-Kapitel am Ende gefreut, das die Geschichte meiner Meinung nach perfekt abgerundet hat und bei mir nostalgische Gefühle ausgelöst hat – denn ich bin ja schon ein kleiner Erica-Blake-Fan geworden.

Der Schreibstil der einzelnen Bücher und auch von "Hardlove" hat mir sehr gut gefallen, so dass ich mir bereits schon andere Bücher der Autorin auf meine Wunschliste gesetzt habe. Die Mischung aus eigentlicher Handlung und erotischen Szenen ist gut ausbalanciert und auch die Sprache mochte ich sehr gerne. Nicht nur, dass man nur so durch die Seiten fliegt und die Geschichte auch locker an einem Wochenende beendet kann, die mühelose Identifizierung mit den verschiedenen Charakteren hat mich dabei besonders angesprochen. Mir ist es immer sehr wichtig, Handlungsstränge nachzuvollziehen, eine Entwicklung von Figuren zu beobachten und die Gefühle und Gedanken der Charaktere einordnen zu können – nur so können sie für mich "real" werden. Das hat die Autorin mit ihrer wunderbaren Geschichte und ihrem tollen Schreibstil bei mir definitiv umsetzen können.

Fazit
Für mich ist "Hardlove – Verliebt" nach einer tollen Reihe mit Spannung, Emotionen und viel Drama der perfekte Abschlussband, der genauso viel von den gerade genannten Aspekten mitbringt wie seine vier Vorgänger. Die Geschichte ist spannend und dramatisch, aber auch voller schöner und liebevoller Momente. Für mich auf jeden Fall eine tolle Reihe und ein gelungener Abschluss.

Veröffentlicht am 14.08.2017

Wunderschön emotional und spannend

Die Seele meiner Schwester
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Viele Aspekte dieser Geschichte haben mich direkt angesprochen. Zum einen bietet Die "Seele meiner Schwester" eine sehr emotionale und traurige Story, die bewegt und berührt und den Leser mit abgrundtiefer ...

Viele Aspekte dieser Geschichte haben mich direkt angesprochen. Zum einen bietet Die "Seele meiner Schwester" eine sehr emotionale und traurige Story, die bewegt und berührt und den Leser mit abgrundtiefer Trauer, mit schwerem Kummer und bodenloser Schuld konfrontiert. Zum anderen hat mich einfach interessiert, wie und warum Ella die Entscheidung trifft, in die Rolle ihrer Schwester zu schlüpfen, warum sie denkt, dass das funktionieren könnte und was sie dazu treibt.

Zugegeben: Die Plotidee hat Schwächen. Schon im Klappentext wird deutlich, dass es nicht so einfach ist, das Leben des Zwillings anzunehmen, wie es dort und im Buch selbst dargestellt wird. Man fragt sich schon, warum der eigene Freund nichts merkt und erst recht nicht die Eltern. Warum die Ärzte das nicht prüfen. Natürlich wird das in der Geschichte mehrmals aufgegriffen und ein Versuch unternommen, es glaubhaft darzustellen, aber wirklich gelungen ist das nicht. Ich verstehe das "Wunschdenken" der Eltern, den Drang zu glauben, dass es Maddy ist, die überlebt hat, nachdem man ihnen mitgeteilt hat, dass Ella gestorben ist. Ich verstehe auch den Kummer und die Sorge, die Trauer, die vielleicht den Blick trüben und es vielleicht auch einfacher war, zu glauben, dass die offene, beliebte Maddy überlebt hat, und die ruhige, einsame Ella nicht. Aber ihre Eltern hätten das doch trotzdem merken müssen? Ich persönlich konnte diese Buchschwäche leicht ausblenden, weil mich das drumherum so fasziniert und berührt hat, anderen wird das sicher anders gehen.

Die Geschichte drumherum fand ich sehr eindrucksvoll dargestellt und hat mich auch von vorne bis hinten sehr berührt. Man merkt den oberflächlichen und zugleich unterschwelligen Kummer auf jeder Seite, man verfolgt Ella bei ihrer Trauer- und Schuldverarbeitung und man erfährt, dass Maddy nicht die perfekte Schwester, Tochter und Freundin war, wie sie anfangs dargestellt wird. Ella findet unter dem Deckmantel von Maddys Identität ihre Geheimnisse heraus, sie erfährt einiges über ihr Leben und dass Maddy sie trotz der Entfremdung in den letzten Jahren sehr geliebt und bewundert hat. Zwar ist der eigentliche Plot ein wenig vorausschaubar, aber das fand ich nicht weiter schlimm, weil Maddys "großes Geheimnis" mich nicht so sehr an dem Buch interessiert hat, wie Ellas Motivation, das Leben ihrer Schwester zu übernehmen, die Konsequenzen dadurch und die Verarbeitung des Unfalls. Letztlich ergibt sich am Ende ein klares Bild von den zwei Schwestern und von der logisch aufgebauten Handlung, was mich überzeugen konnte.

Die Charaktere haben mir im Großen und Ganzen recht gut gefallen, obwohl sie schon sehr stereotypisch ausgearbeitet sind. Die zickige beste Freundin der Schwester, die man nicht leiden kann, der überall beliebte Freund, der komische Freak, der in der Schule gemieden wird und Ellas bester Freund ist. Das alles war dann doch recht klischeehaft, passte aber perfekt in die Schulkulisse und zu den Schulintrigen. Ella ist dabei natürlich der Charakter, auf den der größte Fokus gelegt wird. Ich persönlich konnte mich bestens mit ihr identifizieren. Durch ihre ruhige Art, wenige, aber sehr gute Freunde, lieber zuhause bleiben als Party machen hatte ich direkt eine gute Verbindung zu ihr, konnte ihre Missgunst ihrer Schwester gegenüber auch gut verstehen und ihre Gedankengänge nachvollziehen. Sie leidet sehr unter dem Unfall, gibt sich Mühe, ihre Schwester zu ersetzen. Was für mich nicht nur deutlich gemacht hat, dass sie gerne an Stelle ihrer Schwester gestorben wäre, sondern auch, dass sie manchmal gerne mehr wie Maddy gewesen wäre. Und Maddy wäre wohl auch gerne eher wie Ella gewesen. Die Verbindung der beiden Geschwister ist sehr stark und gut ausgearbeitet. Ebenso die Verbindung zwischen Maddy und Alex sowie Ella und Josh. Ich finde, die Autorin hat da gute Charaktere und sehr überzeugende Verhältnisse geschaffen, denn die Spannungen zwischen ihnen, die Gefühle, die Vorsicht und das Vertrauen wird sehr deutlich.

Trisha Leavers Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Sie führt packend und fesselnd durch die Geschichte, spickt das Buch perfekt mit spannenden und emotionalen Momenten und verwickelt den Leser so mühelos in ihre Geschichte. Die Sprache war für dieses Buch angemessen und auch die Schriftgröße fand ich zur Abwechslung mal sehr angenehm. Das wird definitiv nicht mein letztes Buch der Autorin gewesen sein.

Fazit
"Die Seele meiner Schwester" ist ein schönes emotionales Buch, das ich jedem nur empfehlen kann, wer großen Wert auf Gefühle legt und mit Trauer und Kummer von Protganisten gut umgehen und über den ein oder anderen Plot-Fehler auch hinwegsehen kann. Mich hat das Buch trotz Schwächen bei der Plotidee dennoch überzeugt.