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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2026

Ein Erbe muss angetreten werden... oder man trägt es schon in sich

Luzies Erbe
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Dieses Buch hat mich zunächst aufgrund des Covers und des Inhalts sehr an "Altes Land" von Dörte Hansen erinnert. Wo Hansen jedoch mit Humor und vor allem im Hier und Jetzt arbeitet, dringt Bürster in ...

Dieses Buch hat mich zunächst aufgrund des Covers und des Inhalts sehr an "Altes Land" von Dörte Hansen erinnert. Wo Hansen jedoch mit Humor und vor allem im Hier und Jetzt arbeitet, dringt Bürster in die Tiefe der Familiengeschichte und der Psychologie der Familie Mazur ein. Erzählt wird in zwei wechselnden Strängen. Zum einen bewegen wir uns in der Gegenwart mit den Nachkommen der gerade verstorbenen, hoch betagten Luzie durch die Wirren von Trauer, Bestattungsvorbereitungen und Familienstreitigkeiten. Zum anderen erfahren wir jedoch auch sehr viel über die junge Luzie in der Zeit des Zweiten Weltkrieges im Emsland.

Einfühlsam und unvorhersehbar erzählt Bürster mit einer mitreißenden Sprache und vielen plattdeutschen Dialogen vor allem von den gezeichneten Frauen der Familie Mazur. Man wird immer stärker in die Geschichte hineingezogen und die Seiten fliegen nur so dahin. In den kleinsten Szenen schafft sie es dabei, das Verhältnis zwischen den Protagonistinnen auszuloten.

Ein gelungenes Buch über das immaterielle Erbe einer Familie, welches dazu anregt, über die eigenen Eltern, Großeltern oder sogar Urgroßeltern neu nachzudenken und (falls dies noch möglich) mit ihnen ins Gespräch zu kommen, bevor es vielleicht dafür zu spät ist.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Spannende Fortsetzung

His Dark Materials 2: Das Magische Messer
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Auch bei diesem Teil der Trilogie hält Pullman die Geschichte um Lyra und ihre Abenteuer in "Parallelwelten" aufrecht. Hinzu kommt noch der Junge Will, welcher eine ganz eigene Bestimmung zu erfüllen hat.

Wieder ...

Auch bei diesem Teil der Trilogie hält Pullman die Geschichte um Lyra und ihre Abenteuer in "Parallelwelten" aufrecht. Hinzu kommt noch der Junge Will, welcher eine ganz eigene Bestimmung zu erfüllen hat.

Wieder hat mich überrascht, wie es Pullman schafft mich als Erwachsene mit einem Jugend-Fantasy-Roman so zu fesseln. Ich konnte das Buch aum aus der Hand legen und war vollkommen in die Handlung vertieft. Die entworfene(n) Welt(en) ist vielschichtig und äußerst interessant. Als einen Kritikpunkt würde ich die Gewaltszenen herausstellen. Diese fand ich im ersten Teil der Reihe nicht so intensiv, wie es hier der Fall ist. Das stört mich als Erwachsene nun wenig, allerdings ist eine Altersempfehlung ab 12/13 Jahren für mich nicht nachvollziehbar. So wird nicht nur schlimm gefoltert, sondern auch die Kirche massivst kritisiert. Das darf der Autor gern tun, nur lässt er diese Kritik unkommentiert so stehen. Sehr unzufrieden bin ich mit einem Satz, in dem nebenher von Genitalverstümmelungen in den südlichen Ländern die Rede ist. Dazu wird nichts rundherum erklärt. Ein Kind von 12/13 Jahren kann damit noch nicht anfangen. So hätte sich der Autor entscheiden müssen: entweder gar nicht erst ansprechen oder es in einen entsprechenden Kontext setzen. Beides tut er nicht. Schade.

Insgesamt bin ich aber vom Buch begeistert und freue mich schon darauf, den Abschluss der Reihe zu lesen.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Goebbels 2.0 - toll recherchiert, spannend und authentisch geschrieben

Der Faschist
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In seinem neuen Roman entwirft Nikodem Skobisz eine nahe Post-Corona-Zukunft, in der sich ein junger Mann nach persönlichen Rückschlägen in der Szene der Neo-Faschisten wiederfindet und dort zügig radikalisiert. ...

In seinem neuen Roman entwirft Nikodem Skobisz eine nahe Post-Corona-Zukunft, in der sich ein junger Mann nach persönlichen Rückschlägen in der Szene der Neo-Faschisten wiederfindet und dort zügig radikalisiert. Er rutscht in die Rolle des führenden Propagandisten und gestaltet dadurch die Zukunft der politischen Landschaft mit.

Skobisz nimmt hier nicht nur die psychologischen Aspekte der Radikalisierung eines Einzelnen unter die Lupe, er verdeutlicht vor allem die Unterschiede zwischen Faschismus und Nationalsozialismus, erklärt die gesellschaftspolitischen wie auch philosophischen Hintergründe der Bewegung sowie deren Gefahren und zeigt, wie schnell sich eine Gesellschaft hin zu einem radikalen System manipulieren lässt. Die persönliche Macht- und Gewaltentwicklung des Protagonisten Nikolas Schaber wird durch facettenreiche Nebencharaktere flankiert. Authentisch webt dabei der Autor seine herausragende Rechercheleistung zum theoretischen Hintergrund der faschistischen Bewegung in den Romanplot ein. Lektürehilfen in Form von ausführlichen Literaturempfehlungen sind auf der Internetseite des Autors zu finden. Sehr gern hätte ich einige Hinweise hierzu auch im Buch direkt vorgefunden.

Abschließend war die Lektüre des vorliegenden Buches hochinteressant und lehrreich. Das weitverbreitete Halbwissen, Faschismus und Nationalsozialismus seien eigentlich dasselbe, wurde durch die Lektüre glücklicherweise behoben und Wissenslücken gefüllt. Mich haben besonders die politikwissenschaftlichen und philosophischen Theorien am meisten interessiert, aber auch LeserInnen, die an den psychologischen Phänomenen interessiert sind, kommen auf ihre Kosten. Rundum ein empfehlenswerter Roman, der sich übrigens als absoluter Pageturner entpuppt.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Das Meer kann viele Farben haben, wenn man genau hinschaut...

Das Meer in meinem Zimmer
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Dieser Roman von Jana Scheerer ist "schrecklich schön", da der Inhalt viel schrecklicher und schwerer zu ertragen ist, als vom Klappentext zu vermuten, und schön, weil die Sprache der Autorin herausragend ...

Dieser Roman von Jana Scheerer ist "schrecklich schön", da der Inhalt viel schrecklicher und schwerer zu ertragen ist, als vom Klappentext zu vermuten, und schön, weil die Sprache der Autorin herausragend passend diesen Inhalt vermittelt.

Es geht eben nicht "nur" um einen verstorbenen Vater. Nein, Scheerer beschreibt in einem Erzählstrang die Geschehnisse in den 24 h ab Todesmittelung an die Familie und dazwischen schiebt sie gekonnt Rückblenden aus dem zerrütteten Familienleben vor dem Tod des Vaters Pax. Besonders diese Tableaus erschrecken immer wieder in ihrer Heftigkeit und mitunter psychischen Grausamkeit. Dabei vermittelt die Sprache der Autorin eine pragmatische Abgeklärtheit. Die Ich-Erzählerin Jolanda, älteste Tochter von Pax, bei dessen Tod gerade das Abitur abgeschlossen, nutzt eine reduzierte und durchaus mit trockenem Witz versetzte Sprache um ihre Erlebnisse darzulegen. So müssen Emotionen gar nicht explizit ausgesprochen werden, sondern werden durch die reduzierte Sprache besonders gut transportiert. Die lakonische Art des Erzählens evoziert beim Leser daher noch mehr die Emotionen der Protagonisten und lässt den dringenden Wunsch entstehen, aktiv in die quälende Handlung eingreifen zu können. Es ist bisher nur wenigen Autoren gelungen, mein Herz so fest zu packen und dabei zuzudrücken. Die Unerträglichkeit wird fast körperlich spürbar. Die Sprache der Autorin stellt für mich die größte Stärke des Buches dar.

Insgesamt handelt es sich hier um einen intensiven Roman, der es in seiner Kürze schafft eine breite Palette an Emotionen beim Leser zu erzeugen. Das Meer kann viele Farben haben, wenn man genau hinschaut...

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Feinfühliger Roman über das Besinnen auf die Familie

Ein Sonntag mit Elena
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Im vorliegenden Roman lässt Fabio Geda die Erzählerin rückblickend einen speziellen Sonntag im Leben ihres Vaters schildern. An diesem fällt der Familienbesuch aus und der Vater beschließt die zufällig ...

Im vorliegenden Roman lässt Fabio Geda die Erzählerin rückblickend einen speziellen Sonntag im Leben ihres Vaters schildern. An diesem fällt der Familienbesuch aus und der Vater beschließt die zufällig angetroffene Elena mit ihrem 13jährigen Sohn zu sich zum Essen einzuladen. Eingestreut werden Anekdoten aus dem Familienleben sowohl vor als auch nach dem besagten Sonntag. Der Leser bekommt einen immer tieferen Einblick in das Familiengefüge und es wird ihm feinfühlig vermittelt, wie wichtig der Zusammenhalt innerhalb verschiedener Generationen einer Familie (oder auch gänzlich ohne geteiltes Erbgut) sein kann.

Überrascht hat mich der Fakt, dass das Buch aus Sicht der mittleren Tochter des beschriebenen älteren Herren erzählt wird. Zunächst habe ich sehr mit dieser Erzählperspektive gehadert, da die Tochter den besagten Sonntag in jedem Detail beschreibt, obwohl sie selbst nicht zugegen gewesen ist. Das mutet zunächst wie eine Überschreitung der Figurenperspektive an. Im Buch wird es so erklärt, dass die Tochter, Guliana, sowohl ihren Vater als auch Elena später zu dem Sonntag befragt habe. Außerdem ist die Tochter Theaterregisseurin und könne sich dadurch gut Szenerien ausmalen. Nun ja, nehmen wir dies mal als gegeben hin. unabhängig von dieser subtilen Diskrepanz ist die Sprache des Autors wirklich präzise in ihren Beobachtungen. Die Übersetzung scheint hier sehr gut gelungen.

Nach der Lektüre dieses gelungenen, sehr leisen Romans hat man das Bedürfnis, Meinungsverschiedenheiten beizulegen, sich mal wieder mit engen Familienmitgliedern auf einen Tee zusammenzusetzen und einfach nur zu reden.

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