Kurzweilig und Originell
Mehl, Magie und MachenschaftenBesonders begeistert hat mich das ziemlich originelle Magiesystem: Magische Fähigkeiten werden hier nicht vererbt, sondern treten zufällig auf, und sind teilweise extrem spezifisch. Die 14-jährige Protagonistin ...
Besonders begeistert hat mich das ziemlich originelle Magiesystem: Magische Fähigkeiten werden hier nicht vererbt, sondern treten zufällig auf, und sind teilweise extrem spezifisch. Die 14-jährige Protagonistin Mona kann zum Beispiel ausschließlich mit Teig und Gebäck arbeiten. Sie lässt Lebkuchenmännchen tanzen, sorgt dafür, dass Brot perfekt aufgeht, und besitzt sogar einen lebendigen Sauerteigstarter (namens Bob).
Obwohl das Buch als cozy vermarktet wird (sowohl im Original als auch in der Übersetzung), trifft das nur teilweise zu. Die Geschichte beginnt sogar mit einem Mordfall: Mona findet eine Leiche in der Bäckerei ihrer Tante und gerät selbst unter Verdacht. Gleichzeitig werden in der Stadt gezielt Menschen mit magischen Fähigkeiten verfolgt, und am Ende steht sogar die Belagerung der Stadt an. Dadurch hat die Handlung deutlich ernstere und teilweise düstere Elemente, als man bei „cozy fantasy“ erwarten würde.
Ein zentrales Thema des Buches ist außerdem Ausgrenzung und Misstrauen gegenüber Magiebegabten. Magie macht Menschen „anders“, und genau dieses Anderssein führt zu Vorurteilen, Angst und politischem Machtmissbrauch. Gleichzeitig zeigt die Geschichte sehr schön, dass auch scheinbar kleine oder unscheinbare Fähigkeiten Großes bewirken können, wenn man sie kreativ einsetzt.
Alles wird aus der Sicht einer 14-Jährigen erzählt, und sie weiß auch selbst, dass sie eigentlich noch ein halbes Kind ist. Immer wieder kommt der Gedanke auf, dass sie sich mit all diesen Gefahren gar nicht beschäftigen sollte und eigentlich die Erwachsenen verantwortlich wären. Genau dieser Punkt wird auch im Buch thematisch aufgegriffen: Dass Kinder oft Aufgaben übernehmen müssen, die eigentlich Erwachsene hätten lösen sollen.
Neben der spannenden Handlung lebt das Buch vor allem von seinen Figuren. Mona ist eine sympathische, manchmal überforderte, aber sehr einfallsreiche Heldin, und auch die Nebencharaktere, etwa der Straßenjunge Spindle oder Monas resolute Tante, tragen viel zum Charme der Geschichte bei.
Wer Romance, Spice oder Gore sucht, wird hier nicht fündig. Stattdessen liegt der Fokus auf Humor, Einfallsreichtum, ungewöhnlicher Magie und einer Geschichte über Mut, Verantwortung und Zusammenhalt.
Insgesamt ist „Mehl, Magie und Machenschaften“ eine originelle Fantasygeschichte mit viel Herz, witzigen Ideen und überraschend ernsten Themen. Das Buch liest sich sehr kurzweilig und ist für mich eine klare Empfehlung.