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Veröffentlicht am 06.09.2021

Ein einziger Tag , der ein ganzes Leben verändert

Der Weg nach Hause
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Viola lebt glücklich inmitten ihrer Familie auf Gotland und erfreut sich an ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln. Doch dann klingelt eines Tages ihr Telefon und eine bekannte Stimme katapultiert sie zurück ...

Viola lebt glücklich inmitten ihrer Familie auf Gotland und erfreut sich an ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln. Doch dann klingelt eines Tages ihr Telefon und eine bekannte Stimme katapultiert sie zurück in ihre Kinder- und Jugendzeit. Wie viele Jahre ist es her, dass sie die Stimme ihrer Freundin Lilly gehört hat?! Viola ist bestürzt und schockiert, als Lilly sich am Telefon von ihr verabschiedet, weil sie sterben wird. Kurzerhand beschließt sie, in Begleitung ihrer Tochter und Enkelin, nach Paris zu fliegen und ihre Freundin zu suchen. Für Viola beginnt eine Reise in die Vergangenheit.

Für mich war es das erste Buch, dass ich von Sofia Lundberg gelesen habe.
Ich habe etwas gebraucht, bis ich mich an ihren Schreibstil gewöhnt hatte und das Buch mich fesseln konnte. Doch nach einigen Kapiteln, gelang es mir in die Handlung einzutauchen.

Erzählt wird die Geschichte von Viola und Lilly in zwei Handlungssträngen und auf unterschiedlichen Zeitebenen. Wir befinden uns auf der schwedischen Insel Gotland. Es ist das Jahr 2019 und die achtzigjährige Viola verlebt, nachdem ihr Mann verstorben ist, glückliche Tage im Kreis ihrer Familie.
Der zweite Handlungsstrang beginn im Jahr 1948. Es kommen längst verdrängte Erinnerungen, an vergangene Tage auf Gotland und die Freundschaft zu Lilly, mit der sie gemeinsam aufgewachsen ist, zum Vorschein. Doch egal, in welchem Jahr wir uns auch gerade befinden, der 12. August spielt immer eine besondere Rolle in der Geschichte.
Ein einziger Tag, der ein ganzes Leben verändert hat.

Viola und Lilly sind, obwohl sie sehr unterschiedlich aufwachsen, wie Geschwister.
Wir begleiten sie durch ihre Kindheit und Jugendzeit auf Gotland. Erleben, wie Lilly den Tod ihrer Mutter verkraften muss und Alvin dafür sorgt, dass bei Viola die ersten Schmetterlinge fliegen. Während sie nach der Schule eine Ausbildung zur Sekretärin beginnt, bleibt Lilly keine andere Wahl, als sich einen Job zu suchen und zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen.
Sie träumt davon, irgendwann als Sängerin in dem Restaurant, in dem sie arbeitet, aufzutreten.
Wir dürfen Viola und Lilly einige Jahre begleiten und erleben die innige Beziehung, die die Beiden miteinander hatten, hautnah mit.
Doch dann trennen sich die Wege der Freundinnen und erst ein Anruf aus Paris bringt alle Erinnerungen zurück.
Die Autorin hat die Hauptcharaktere sehr glaubwürdig und mit viel Feingefühl gestaltet.
Auch die teilweise etwas traurige und melancholische Atmosphäre hat sie gekonnt eingefangen und mich mitgenommen auf eine Reise in die Vergangenheit.
Besonders Lillys Geschichte hat mich sehr berührt. Ich habe mit ihr gelitten und konnte den Zwiespalt in dem sie steckte, gut nachvollziehen.
Die Nebenfiguren blieben jedoch für mein Empfinden, sehr oberflächlich. Gefehlt hat mir auch eine etwas detaillierte Beschreibung der Schauplätze. Ich hätte die Umgebung Gotlands gerne etwas bildhafter vor Augen gehabt.

Trotzdem hat mich das Buch gut unterhalten und ich habe es gerne gelesen. Deshalb gibt es von mir 4 Sterne und eine Leseempfehlung.

Ich bedanke mich bei der Agentur Literaturtest und dem Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.09.2021

Wer Märchenadaptionen liebt und gerne zwischen den Zeilen liest, ist hier richtig!

Der Gezeitenwald - Gesamtausgabe
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Die siebzehnjährige Kayla kommt, nachdem sie durch einen Verkehrsunfall ihre Eltern und ihre Schwester verloren hat, zu ihrer Großmutter Hedwig. Diese lebt ziemlich abgelegen in einem großen Haus am Waldrand. ...

Die siebzehnjährige Kayla kommt, nachdem sie durch einen Verkehrsunfall ihre Eltern und ihre Schwester verloren hat, zu ihrer Großmutter Hedwig. Diese lebt ziemlich abgelegen in einem großen Haus am Waldrand. Kayla war das letzte Mal als kleines Kind bei ihr zu Besuch und nun soll sie hier ihr neues Zuhause finden. Auch wenn es im Haus seltsame Regeln zu beachten gibt und sie etwas braucht, um sich ihrer neuen Familie und besonders Desmond zu öffnen, fühlt sie sich bei ihrer Grandma schnell wohl.
Doch bereits in der ersten Nacht wird sie von merkwürdigen Träumen heimgesucht. Kayla ahnt nicht, dass ihre Familie ein magisches Geheimnis umgibt. Doch dann entdeckt sie eines Nachts in einer verborgenen Kammer, den Zugang zu einer anderen Welt. Sie landet auf einer geheimnisvollen Insel im Gezeitenwald, der auf merkwürdige Weise mit ihrer eigenen Welt verbunden ist. Gemeinsam mit Desmond versucht sie dem Geheimnis auf den Grund zu gehen.

„Hab keine Angst und folge deinem Herzen. Du kannst nicht zu hoch fliegen, wenn du deine eigenen Flügel benutzt.“

Die Gesamtausgabe des Gezeitenwaldes ist vereint in einer wunderschönen Hardcover-Ausgabe. Die Elemente auf dem Einband spiegeln wunderbar den Inhalt des Buches. Auch die Farben sind sehr harmonisch aufeinander abgestimmt. Sehr gefallen hat mir auch die Gestaltung der einzelnen Kapitel. Es gibt schöne Illustrationen und Zitate, die von Jules Renard, Oscar Wilde, Jane Austen, Goethe, Erich Kästner, Antoine der Saint-Exupéry und vielen anderen, zusammen mit den Zeichnungen über jedem Kapitel stehen.

Der Schreibstil von Carmen Schneider ist sehr lebendig und angenehm zu lesen. Trotzdem habe ich mich zu Beginn schwer damit getan, in die Geschichte hineinzufinden und vor allem mit Kayla warmzuwerden.
Sie versinkt, verständlicherweise, nach dem Tod ihrer Familie erstmal für mehrere Tage in ihrer Trauer und igelt sich komplett ein. Doch dann zwingt ihre Grandma sie, aufzustehen und nach vorne zu schauen.
Die Autorin hat hier ein gutes Gespür bewiesen. Sie hat Kayla die nötige Zeit gelassen, um ins Leben zurückzufinden und das Tempo aus der Geschichte herausgenommen. Doch ich hatte Probleme, ihre Handlungen nachzuvollziehen und vor allem am Anfang war sie mir etwas zu leichtgläubig.
So hat sie zum Beispiel schon mach kurzer Zeit bemerkt, dass der Vorratsraum mehr ist, als nur ein Aufbewahrungsort für Lebensmittel. Als sie auf Nachfrage von ihrer Großmutter nur kryptische Antworten erhält, lässt sich schnell damit abspeisen. Auch das Verbot, nach Sonnenuntergang das Haus zu verlassen, akzeptiert sie ohne weiteres.
Ihre Großmutter Hedwig ist eine sympathische Protagonistin, die Kayla in ihren Handlungen immer wieder bestätigt. Doch, wenn ich bedenke, dass sie ebenfalls Menschen verloren hat, die ihr wichtig warten, sie zeigte mir einfach zu wenig Emotionen und ich konnte ihre Trauer um den Verlust nicht spüren.
Im ersten Teil blieb auch Desmond für mich als Figur etwas zu blass und ich konnte seine Gedanken und Empfindungen nicht richtig nachvollziehen. Das wurde jedoch im zweiten Teil, den wir überwiegend aus seiner Perspektive verfolgen, besser, denn so bekam ich einen besseren Einblick in seine Emotionen.
Nach und nach kommen einige neue Protagonisten hinzu, wie zum Beispiel Fae, der Gargoyle Alasdair und die Hexe Malercerba. Sie und alle anderen Nebencharaktere runden die Geschichte gut ab.
Im dritten Teil verfolgen wir den Plot dann in drei unterschiedlichen Handlungssträngen. Einmal begleiten wir Kayla und Desmond, im zweiten Handlungsstrang verfolgen wir die Hexe bei der Planung für ihren Rachefeldzug und zu guter Letzt, folgen wir dem Fischer und seine Frau.
Carmen Schneider versteht es, das Geschehen sehr detailliert in Szene zu setzen und die Märchenfiguren gekonnt einzuflechten. Damit zaubert sie eine einzigartige und verträumte Stimmung, in der sie dem Leser viel über Freundschaft, selbstlosem Handeln und Empathie vermittelt.
Durch indirekte Interpretationen und Andeutungen, gelingt es ihr wunderbar, den tieferen Sinn der Geschichte zu vermitteln. Zum Beispiel bei dem alten Mann, der sein Herz in der Hand hält.
Das Erzähltempo empfand ich als angenehm. Man steuert nicht ständig auf einen dramatischen Höhepunkt zu, aber das braucht diese Geschichte auch nicht.
Im ersten Teil, hatte ich etwas Probleme, mit den Protagonisten warmzuwerden und im zweiten Teil habe ich den Zusammenhang zwischen Fleur und Kayla erst am Ende richtig verstanden. Der dritte Teil hat die Geschichte dann richtig abgerundet und Carmen Schneider ist es gelungen, die besondere und sehr märchenhafte Stimmung des Buches einzufangen.
Sie hat dem Leser durch ihre Ausdrucksweise gekonnt, den tieferen Sinn, der in ihrer Geschichte steckt, vermittelt. Nämlich das Habgier, Missgunst und Rache starke negative Emotionen sind, die den Menschen nicht guttun. Dabei hat sie sich in keiner Weise zu theatralisch oder zu blumig ausgedrückt. Im Gegenteil, sie überzeugt durch gekonnt eingeflochtene Märchenelemente und zeigt, dass sie ein Gespür für die richtige Wortwahl besitzt. Sie schafft es, ein ernstes Thema mit der nötigen Tiefe, aber auch mit soviel Leichtigkeit zu füllen, dass es mir zum Schluss schwerfiel, beim Lesen ein Ende zu finden.
Wer Märchenadaptionen liebt und gerne zwischen den Zeilen liest, der ist im „Gezeitenwald“ von Carmen Schneider auf jeden Fall an der richtigen Adresse.
Von mir gibt es für alle drei Teile des Gezeitenwaldes 4 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 25.08.2021

Ein fantastischer zweiter Teil!

Die Töchter des Meeres
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Nachdem Ally den Kampf gegen den eisigen Herrscher gewonnen hat, muss sie sich nun als Königin von Jadera, um ihr Reich kümmern. Und das ist gar nicht so einfach, denn das Volk vertraut dem jungen Mädchen, ...

Nachdem Ally den Kampf gegen den eisigen Herrscher gewonnen hat, muss sie sich nun als Königin von Jadera, um ihr Reich kümmern. Und das ist gar nicht so einfach, denn das Volk vertraut dem jungen Mädchen, das auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, noch nicht und hält sie nicht für fähig das Land zu regieren.
Sie ist also erstmal auf die Unterstützung von Callon angewiesen, ihrem Berater. Um Zeit zu gewinnen, soll sie deshalb eine Allianz eingehen und einen der Prinzen aus Serahzat oder Anathener heiraten.
Nicht besser macht die Situation, dass sie ihre Magie seit der Übernahme des Thrones nicht öffentlich gezeigt hat. Und darin liegt auch Allys größtes Problem, denn seit dem Kampf gegen den Eisigen, kann sie nicht mehr auf ihre Magie zugreifen.
Aus Angst davor, das Vertrauen ihrer Untertanen und somit den Thron zu verlieren, zieht Ally sich immer mehr zurück.
Jay ist unterdessen auf dem Weg nach Tierra, um mit den Sirenen aus dem Reich des Wassers Friedensgespräche zu führen. Dies gestaltet sich jedoch als nicht so einfach und es warten neue Bedrohungen, die auch vor dem Königsreich Jadera nicht halt machen werden.

Der zweite Teil der Reihe knüpft nahtlos an Band 1 an.
Das Cover hat mich wieder total begeistert und ich finde es, soweit das überhaupt möglich ist, noch schöner als das Cover vom ersten Teil.
Zu Beginn gibt es eine tolle Karte von Tierra, in dem der Glaspalast und alle anderen wichtigen Orte eingezeichnet sind und zwischendurch wird das Buch durch wunderschöne Illustrationen aufgelockert.
Ich bin, dank des wundervollen leichten und flüssigen Schreibstils der Autorin auch sehr schnell wieder in die Geschichte eingetaucht und hatte schnell das Gefühl, wieder mitten im Geschehen zu sein.
In Band 2 entdecken wir nicht nur das Land Tierra, sondern auch die Stadt Goya und die Unterwasserwelt der Sirenen.
April hat wieder eine epische Fantasywelt erschaffen, die sie sehr bildhaft und detailliert gestaltet hat. Auch die Atmosphäre wurde von ihr sehr gelungen einfangen und ich hatte keine Probleme, mir die Welt vorzustellen.

Wir begegnen vielen neuen Charakteren, wie zum Beispiel die Sirenen Ligaia, Myrian,
Yalia und Lilith. Aber auch etliche bekannte Figuren sind wieder dabei, wie die Drachendame Amina und Allys Pferd Finja. Ivera, die ebenfalls eine Anwärterin auf den Thron war, ist immer an Allys Seite.
Sie weiß nicht, dass diese keine Magie wirken kann und hofft, dass sie ihre große Liebe Thomáz zurück in die Welt der Lebenden holt.
Doch Ivera lässt sich auch von Allys etwas zurückweisenden Art, nicht vergrämen.
Besonders gut hat mir auch Jay gefallen und die Idee, ihm einen eigenen Handlungsstrang zu geben. Er muss vielen Gefahren trotzen und einige Hindernisse überwinden. Dabei hat er mich mehr als nur einmal überrascht.
Devan, meine Lieblingsfigur aus Band 1, kommt natürlich auch erneut in der Geschichte vor, auch wenn er hier nicht so einen großen Auftritt hat. Ich hoffe im nächsten Teil wieder mehr von ihm zu lesen.
Es gab immer wieder unvorhersehbare, dramatische Situationen, Geheimnisse und Überraschungen, die dafür sorgten, dass es während des ganzen Plots spannend blieb.

Ich hoffe, die Autorin lässt mich, nach diesem Highligt, nicht so lange auf Teil 3 warten.
Für den zweiten Teil gibt es hochverdiente 5 Sterne und eine Leseempfehung, denn diese Reihe ist ein Mustread für alle Fantasy-Fans.

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Veröffentlicht am 25.08.2021

Ein Jahreshighlight

Broken World
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Im Europa der Zukunft ist nichts mehr, wie es war.
Das Gesundheitswesen und das soziale Netz, das die Menschen aufgefangen hat, ist abgeschafft worden. Die Menschen leben nach den Naturgesetzen.
„Die ...

Im Europa der Zukunft ist nichts mehr, wie es war.
Das Gesundheitswesen und das soziale Netz, das die Menschen aufgefangen hat, ist abgeschafft worden. Die Menschen leben nach den Naturgesetzen.
„Die Starken überleben, die Schwachen sterben“.
Mitgefühl und Gnade gibt es nicht mehr und jeder ist sich selbst der Nächste.
Kranke, finanziell schwache und schutzbedürftige Personen werden nicht mehr vom Staat unterstützt. Sie leben in Gettos und müssen sich selbst versorgen. Es gibt keine Arbeit, keine Medikamente und keine Ärzte.
Die Starken und Gesunden jedoch gehören zur Elite und leben in Saus und Braus.

Die 18-jährige Yma, ist gesund und klug und somit auf dem besten Wege, zur Elite zu gehören. Doch Yma ist anders, denn sie empfindet Mitleid und hat Probleme, dabei zuzusehen, wie die Menschen leiden. Aber da schon das Wort „Helfen“ in den Mund zu nehmen, in Vahvin unter Höchststrafe verboten ist, muss sie lernen ihre Gefühle und Empfindungen zu verbergen.
Doch dann verschwindet nach einer Gesundheitsprüfung plötzlich ihre beste Freundin Kimi.
Auf der Suche nach ihr, lernt Yma Len kennen und bekommt durch ihn Einblicke in eine Welt, die sie vor eine schwere Entscheidung stellt. Will sie weiter wegschauen oder etwas riskieren und ihren Beitrag, für eine neue gerechte Welt, in der alle Menschen gleich sind, leisten?

Wow! Jana Voosen hat mit „Broken World“ eine wahnsinnig fesselnde und mitreißende Dystopie geschrieben. Diese Zukunftsvision ist gar nicht so weit von der jetzigen Realität entfernt.
Eine Welt, in der es keine medizinische Versorgung für die Menschen gibt? In der nur die Starken und Gesunden überleben und immer reicher werden und die Schwachen und Kranken, immer ärmer und in der Gesellschaft nicht akzeptiert und gesehen werden?
Kommt uns das nicht bekannt vor?
Wir brauchen uns nur etwas umzusehen und entdecken Länder, in denen diese Fiktion Realität ist.

Doch nun gibt es erstmal meine Eindrücke zum Buch.
Aufmerksam wurde ich darauf durch dieses wunderschöne Cover und den Klappentext, der mich sofort neugierig auf die Geschichte gemacht hat.
Jana Voosen hat einen tollen, sehr flüssigen Schreibstil und deshalb dauerte es auch nicht lange, bis sie mich damit in die Story hineingezogen hatte. Eloquent und fokussiert führt sie mich durch die Zeilen. Ich konnte mich diesem Buch einfach nicht mehr entziehen und habe es innerhalb von zwei Tagen verschlungen.
Es gibt keine ausschweifenden und bildgewaltigen Beschreibungen, aber sie haben mir auch nicht gefehlt. Jana Voosen hat sich bei der Schilderung des Worldbildings auf das Wesentliche konzentriert.
Die zentrale Figur ist Yma. Wir verfolgen die Geschichte aus ihrer Sicht und bekommen so einen wundervollen Einblick in ihre Gefühle und Empfindungen.
Yma ist ein gutes Beispiel dafür, dass man es mit viel Fleiß schaffen kann, zur Elite zu gehören. Sie hat viel dafür getan und nach der nächsten Gesundheitsprüfung darf sie, wenn alles gut geht, an der Liebeslotterie teilnehmen und bald mit ihrer großen Liebe Adriel zusammenziehen.
Doch niemand darf wissen, dass sie über Empathie verfügt und nicht wegsehen kann, wenn es ihren Mitbürgern schlecht geht. Deshalb versucht sie, auch wenn es ihr schwerfällt, regelkonform zu bleiben. Ihr Leben ändert sich jedoch von einem Tag auf den anderen, als sie Len trifft. Denn dieser weiß, wie es in den Bereichen aussieht, in denen die Schwachen und Kranken leben.
Yma hat mir als Hauptprotagonistin sehr gut gefallen. Sie versucht zwar lange, sich der Gemeinschaft der Elite anzupassen, doch als es darauf ankommt, zeigt sie großen Mut. Sie hat sich im Laufe der Geschichte wunderbar weiterentwickelt.
Die Autorin hat die Charaktere sehr überzeugend ausgearbeitet und auch die Nebenfiguren bereichern die Handlung und sind gut durchdacht. Meine einzige Kritik ist, dass sich die Liebesgeschichte am Ende etwas zu schnell entwickelte. Obwohl wir die Handlung aus der Sicht von Yma verfolgen, ist mir nicht bewusst geworden, dass sie diese Gefühle ihm gegenüber hat.

Die Geschichte ist durch unvorhersehbare Wendungen spannend zu lesen. Die Story verfügt nicht nur über die nötige Tiefe, sondern sie geht unter die Haut und regt zum Nachdenken an.
Bis zum Schluss war für mich nicht ersichtlich, in welche Richtung sie sich entwickeln und wohin der Weg führen würde.
Zwischendurch gab es Passagen, (wie zum Beispiel das Verhör) die mich sehr erschreckt haben.
Schade fand ich, dass ich im Vorfeld nicht wusste, dass es sich um einen Mehrteiler handelt.
Auch wenn ich eher der Typ bin, der ein Happy End am Ende der Geschichte braucht, macht, dass offene Ende neugierig auf die Fortsetzung! Ich hoffe, die Autorin lässt mich nicht zu lange darauf warten.
Für mich ist „Broken World“ ein richtiger Pageturner und gehört zu den Highlights des Jahres 2021. Dafür gibt es von mir volle 5 Sterne!

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Veröffentlicht am 16.08.2021

Vater werden ist nicht immer leicht

Mach mir’n Kind
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„Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.“
Diese alte Volksweisheit von Wilhelm Busch trifft nicht bei allen Vätern zu. Manchmal ist schon nicht so einfach Vater zu werden. Erstmal muss ...

„Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.“
Diese alte Volksweisheit von Wilhelm Busch trifft nicht bei allen Vätern zu. Manchmal ist schon nicht so einfach Vater zu werden. Erstmal muss „Mann“ sich mit der Frage befassen: „ Möchte ich eigentlich ein Kind?“ Und dann muss dieser Wunsch, ein gemeinsames Baby zu bekommen, auch noch wahr werden.
Denn es klappt es nicht immer gleich und wenn es dann so weit ist, stellt der werdende Vater fest, dass eine Schwangerschaft große Veränderungen und viele Fragen mit sich bringt.

Die Geschichte hat bei mir teilweise ambivalente Gefühle hervorgerufen, denn ich wusste manchmal nicht, ob ich mit der „besten Verlobten“ weinen oder mit ihrem Mann, dessen bester Freund Google ist, lachen sollte.
Der Schreibstil der Autorin ist einfach fantastisch. Die Seiten flogen nur so dahin und innerhalb kürzester Zeit war ich am Ende angekommen.
Melanie Amélie Opalka erzählt auf eine wunderbare Art, von den Problemen und Sorgen, die sich ergeben, als der Wunsch nach einem gemeinsamen Kind zu einer großen Herausforderung für unser Paar wird. Dabei ist es nicht einmal notwendig, den Protagonisten Namen zu geben.

Wir verfolgen den beschwerlichen Weg der Beiden aus der Sicht des Mannes, der die zentrale Figur in der Geschichte ist.
Nachdem das Baby-Projekt nach einem Jahr, trotzt „Eisprung-App“ nicht gefruchtet hat, wühlen die Beiden sich durch Berge von Broschüren und Auszügen aus dem Internet, um die passende Kinderwunschklink zu finden. In der Praxis von Dr. Sommer, der eigentlich Dr. Herbst heißt, fühlen die Beiden sich dann endlich gut aufgehoben.

Doch auch jetzt nehmen die Probleme kein Ende. Ob es um die Zuschüsse der Krankenkasse geht, die nur bei einem „Ehepaar“ fließen, oder darum die „beste Ehefrau“, nach zwei erfolglosen Versuchen zu trösten. Unser Protagonist versucht wirklich alles, um es seiner Liebsten etwas leichter zu machen. Er versorgt sie mit allem, was sie möchte, recherchiert stundenlang im World Wide Web und befragt seinen besten Freund Goggle, um für alles gewappnet zu sein.
Dabei begeht er einen Fauxpas nach dem anderen und setzt sich immer wieder in die Nesseln.

Durch die Ich-Perspektive waren seine Gedanken und Emotionen sehr gut nachvollziehbar. So fiel es mir leicht, mich in ihn hineinzuversetzen. Ich musste oft über seine Gedankengänge schmunzeln und manchmal tat er mir richtig leid, denn er hatte es nicht immer einfach mit seiner Liebsten.
Für die beste Ehefrau ist die Situation aber auch alles andere als einfach und auch als es dann endlich klappt, ist die Schwangerschaft für sie mühsam und beschwerlich.

Die Autorin hat den, eigentlich ernsten und teilweise tragischen Hintergrund, auf eine lockere, manchmal etwas ironische und flapsige Art erzählt und zu einer humorvollen Geschichte verarbeitet. Sie ist lustig und traurig und hat mich nicht nur zum Lachen und zum Weinen gebracht, sondern auch zum Nachdenken.
Dafür gibt es von mir hochverdiente 5 Sterne und eine Leseempfehlung nicht nur für werdende Eltern.

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