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Veröffentlicht am 15.12.2025

Wenn Bücher Wurzeln schlagen dürfen

Botanic Hearts
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Dieses Buch hat mich stärker berührt, als ich es erwartet hätte. Auf den ersten Blick wirkt Botanic Hearts wie ein klassischer Wohlfühlroman, doch zwischen Pflanzen, Bücherregalen und provisorischen Lösungen ...

Dieses Buch hat mich stärker berührt, als ich es erwartet hätte. Auf den ersten Blick wirkt Botanic Hearts wie ein klassischer Wohlfühlroman, doch zwischen Pflanzen, Bücherregalen und provisorischen Lösungen steckt deutlich mehr Tiefe, als man zunächst vermutet.

Im Mittelpunkt steht Tansy, alleinerziehende Mutter und Leiterin einer öffentlichen Bibliothek, deren Leben durch einen Hurricane komplett aus den Fugen gerät. Nicht nur ihr Zuhause ist betroffen, sondern auch der Ort, für den sie brennt und den sie als Herzstück der Gemeinschaft versteht. Die Übergangslösung, die Bibliothek für mehrere Monate in einen botanischen Garten zu verlegen, bringt sie ausgerechnet mit Jack zusammen, der dort bald eine leitende Position übernehmen soll. Ihre erste Begegnung ist geprägt von Reibung, Missverständnissen und spürbarer Spannung, was die Ausgangslage sehr authentisch wirken lässt.

Besonders gefallen hat mir das Setting. Die Idee, Bücher zwischen Pflanzen, Gewächshäusern und Blumen unterzubringen, ist nicht nur originell, sondern auch atmosphärisch wunderschön umgesetzt. Man spürt förmlich die Ruhe, aber auch die Unsicherheit, die dieser Ort für beide mit sich bringt. Der Roman vermittelt ganz nebenbei, wie wichtig öffentliche Räume wie Bibliotheken oder Gärten für Gemeinschaft, Austausch und Heilung sein können, ohne dabei belehrend zu wirken.

Tansy ist eine starke, glaubwürdige Protagonistin. Ihre Verantwortung gegenüber ihrer Tochter, ihrem Team und den Menschen, die auf die Bibliothek angewiesen sind, verleiht der Geschichte emotionale Tiefe. Auch Briar fügt sich organisch in die Handlung ein und gibt ihr zusätzliche Wärme. Jack wiederum bleibt lange eher verschlossen, entwickelt aber nach und nach Konturen, was gut zur ruhigen, langsamen Annäherung zwischen den beiden passt.

Der Schreibstil ist angenehm, flüssig und sehr bildhaft, auch wenn er für mich nicht durchgehend herausragend war. Die Liebesgeschichte entwickelt sich ruhig und bewusst ohne große Dramen. An manchen Stellen hätte ich mir dennoch etwas mehr emotionale Zuspitzung oder Tempo gewünscht, da sich einige Passagen leicht gezogen haben.

Trotzdem überwiegt für mich klar der positive Eindruck. Botanic Hearts ist ein warmherziger, ruhiger Roman über Neuanfänge, Zusammenhalt und die Kraft von Orten, die Menschen verbinden. Kein Buch für große Spannung, aber eines, das sich wie ein sicherer, grüner Rückzugsort anfühlt. Von mir gibt es dafür sehr gute vier Sterne.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Bekannte Figur, neuer Ort, gemischte Gefühle

The Woman in Suite 11
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Dieses Buch war mein erstes von Ruth Ware und entsprechend unvoreingenommen bin ich an die Geschichte herangegangen. Dass es sich um einen Thriller mit einer bereits bekannten Hauptfigur handelt, war für ...

Dieses Buch war mein erstes von Ruth Ware und entsprechend unvoreingenommen bin ich an die Geschichte herangegangen. Dass es sich um einen Thriller mit einer bereits bekannten Hauptfigur handelt, war für mich zunächst kein Problem, denn grundsätzlich lässt sich die Handlung auch ohne Vorkenntnisse lesen. Trotzdem hatte ich vor allem zu Beginn das Gefühl, dass mir an manchen Stellen Hintergrundwissen fehlt. Rückblicke und Verweise auf frühere Ereignisse bleiben recht vage und hätten für Neueinsteiger gern etwas klarer ausfallen dürfen.

Nach einem eher schleppenden Einstieg nimmt die Geschichte langsam Fahrt auf. Lo Blacklock steht nach einer beruflichen Pause unter Druck und reist für einen Auftrag in ein luxuriöses Hotel in der Schweiz. Das Setting am Genfer See ist atmosphärisch und gut gewählt und bietet eine vielversprechende Bühne für einen Thriller. Sobald sich der zentrale Konflikt entfaltet, entsteht auch Spannung, die mich weiterlesen ließ.

Schwierigkeiten hatte ich allerdings mit der Hauptfigur. Lo trifft immer wieder Entscheidungen, die auf mich naiv und wenig nachvollziehbar wirkten. Sie lässt sich auf riskante Situationen ein, vertraut Fremden zu schnell und bringt sich damit selbst in gefährliche Lagen. Diese Handlungsweisen wirkten auf mich häufig konstruiert und nahmen der Geschichte an Glaubwürdigkeit.

Der Schreibstil ist insgesamt flüssig und gut lesbar. Die Autorin versteht es, eine gewisse Grundspannung aufzubauen und diese über weite Strecken zu halten. Dennoch fühlte sich vieles vorhersehbar an und einige Wendungen konnten mich nicht wirklich überraschen. Auch zum Ende hin blieb bei mir eher ein Gefühl von solider Unterhaltung als echter Begeisterung zurück.

Insgesamt war The Woman in Suite 11 für mich ein ordentlicher Thriller mit interessanter Kulisse, der jedoch nicht aus der Masse heraussticht. Mich konnte es nicht vollständig überzeugen, daher vergebe ich drei Sterne.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Ein Sonnenschein mit Spürsinn und Herz

Einfach Sunny
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Schon nach den ersten Seiten war ich mitten in der Geschichte und wollte Sunny nicht mehr verlassen. Dieses Buch erzählt eine rasante, warmherzige Detektivgeschichte, die Spannung, Humor und eine starke ...

Schon nach den ersten Seiten war ich mitten in der Geschichte und wollte Sunny nicht mehr verlassen. Dieses Buch erzählt eine rasante, warmherzige Detektivgeschichte, die Spannung, Humor und eine starke Botschaft wunderbar miteinander verbindet.

Sunny ist blind, mutig, schlagfertig und unglaublich selbstsicher. Sie weiß genau, was sie kann, und lässt sich von niemandem unterschätzen. Dass sie sich selbst als Sachen-Sucherin bezeichnet, passt perfekt zu ihr, denn sie nutzt ihre geschärften Sinne mit beeindruckender Leichtigkeit. Als sie Ben begegnet, der etwas verloren hat und sich damit sichtlich schwertut, entsteht zunächst ein ungleiches Duo. Ben ist ruhig, verschlossen und unsicher, doch Sunny begegnet ihm offen und ohne Vorurteile. Genau daraus entwickelt sich eine besondere Freundschaft, die von Vertrauen, gegenseitigem Respekt und Zusammenhalt lebt.

Die Suche nach dem verlorenen Gegenstand ist spannend aufgebaut und bietet viele kleine Wendungen, die zum Miträtseln einladen. Dabei bleibt die Geschichte jederzeit kindgerecht und leicht verständlich. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Erzählung zwischen Sunnys und Bens Perspektive wechselt. So bekommt man nicht nur einen tollen Einblick in Sunnys Wahrnehmung der Welt, sondern lernt auch Bens Gedanken und Unsicherheiten besser kennen. Das macht beide Figuren greifbar und sehr sympathisch.

Der Schreibstil ist humorvoll, flott und angenehm zu lesen. Die Kapitel sind überschaubar, die Sprache klar und die Schriftgröße ideal für Kinder ab etwa acht Jahren. Die farbigen Illustrationen lockern den Text zusätzlich auf und unterstreichen viele Szenen mit witzigen Details, die zum Schmunzeln einladen. Auch optisch ist das Buch sehr gelungen und das Cover spiegelt die fröhliche, lebendige Atmosphäre der Geschichte perfekt wider.

Besonders wertvoll ist, wie selbstverständlich das Thema Blindsein in die Handlung eingebunden wird. Ohne belehrend zu wirken, vermittelt das Buch Empathie, Mut und Selbstständigkeit und zeigt, dass Einschränkungen kein Hindernis sein müssen, um stark, klug und unabhängig zu sein.

Für mich ist dieses Buch ein echtes Highlight. Spannend, herzlich, inklusiv und voller Charme. Eine klare Leseempfehlung und absolut verdiente fünf von fünf Sternen.

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Veröffentlicht am 14.12.2025

Zwischen Trauer, Kunst und stillen Momenten

Memories So Golden Like Us (Blue Eternity 2)
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Memories So Golden Like Us von Gabriella Santos de Lima ist der zweite Band der Reihe Blue Eternity. Ich kannte Band eins nicht, hatte beim Lesen jedoch keinerlei Verständnisprobleme, da sich die Geschichte ...

Memories So Golden Like Us von Gabriella Santos de Lima ist der zweite Band der Reihe Blue Eternity. Ich kannte Band eins nicht, hatte beim Lesen jedoch keinerlei Verständnisprobleme, da sich die Geschichte problemlos unabhängig lesen lässt.

Im Mittelpunkt steht Blair, eine junge Künstlerin, die nach dem Tod ihres Bruders völlig den Halt verloren hat. Alkohol, Affären und das Londoner Nachtleben sind ihr Versuch, den Schmerz zu betäuben. Die Öffentlichkeit begegnet ihr mit gnadenloser Härte, während ihre Familie versucht, sie aus diesem Strudel herauszuholen. An der britischen Küste soll Blair an einem neuen Kunstprojekt arbeiten und wird dabei ausgerechnet von Connor begleitet, dem besten Freund ihres verstorbenen Bruders und ihrer heimlichen Jugendliebe.

Was mir sehr gefallen hat, ist die Art, wie Trauer dargestellt wird. Blairs Schmerz ist spürbar, roh und oft schwer auszuhalten. Kleine Auslöser werfen sie immer wieder zurück und machen deutlich, wie allgegenwärtig der Verlust für sie ist. Auch die eingestreuten Online Artikel und Kommentare haben mich beeindruckt, weil sie schonungslos zeigen, wie grausam und frauenfeindlich öffentliche Wahrnehmung sein kann. Diese Elemente verleihen der Geschichte Tiefe und eine bedrückende Authentizität.

Der Schreibstil transportiert Emotionen sehr intensiv, teilweise vielleicht sogar zu intensiv. Über weite Strecken bleibt Blair stark in ihrer Trauer gefangen, was realistisch ist, sich für mich als Leserin jedoch stellenweise zäh angefühlt hat. Ihre Entwicklung verläuft lange fast auf der Stelle und wirkt zum Ende hin dann überraschend schnell. Gerade der kreative Prozess und das angekündigte Filmprojekt rückten dabei mehr in den Hintergrund, als ich es mir gewünscht hätte, obwohl die Kunst eigentlich ein zentraler Teil von Blairs Identität ist.

Auch die Liebesgeschichte zwischen Blair und Connor hat mich nicht vollständig abgeholt. Die Nähe zwischen den beiden ist da, ebenso die gemeinsame Vergangenheit, doch emotional fehlte mir etwas Tiefe. Connor blieb für mich insgesamt zu blass und hätte mehr Raum gebraucht, um greifbarer zu werden. Die körperliche Anziehung nimmt hingegen viel Platz ein, was Geschmackssache ist, für mich aber nicht immer zur emotionalen Entwicklung der Beziehung beigetragen hat.

Trotz dieser Kritikpunkte hat mich das Buch nicht kaltgelassen. Es ist schwer, traurig und konfrontierend und setzt sich intensiv mit Themen wie Verlust, Selbstwert und öffentlicher Verurteilung auseinander. Leichte oder hoffnungsvolle Momente sind rar, was die Lektüre stellenweise belastend macht, aber wohl auch genau so gewollt ist.

Insgesamt ist Memories So Golden Like Us ein emotional starkes, aber nicht durchweg ausgewogenes Buch, das mich zwiegespalten zurückgelassen hat. Für mich reicht es daher für solide drei Sterne.

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Veröffentlicht am 22.11.2025

Hass trifft Liebe

Vicious Love
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"Meine Großmutter sagte mir einmal, dass Liebe und Hass dasselbe Gefühl seien, nur unter verschiedenen Vorzeichen erlebt. Bei beiden empfindet man Leidenschaft. Und Schmerz." - S. 13

Ich wollte eigentlich ...

"Meine Großmutter sagte mir einmal, dass Liebe und Hass dasselbe Gefühl seien, nur unter verschiedenen Vorzeichen erlebt. Bei beiden empfindet man Leidenschaft. Und Schmerz." - S. 13

Ich wollte eigentlich nur kurz reinlesen und saß Stunden später immer noch mit gemischten Gefühlen vor den Seiten. Vicious Love ist ein Dark Romance Roman, der mich fasziniert und wütend gemacht hat. Die Mischung aus Hass, Anziehung, Schmerz und Leidenschaft war genau das, was ich mir von einer Enemies to Lovers-Geschichte erhofft habe.

Die Geschichte dreht sich um Emilia, deren Eltern im Haus von Vicious arbeiten, und Baron Vicious Spencer, der sie vom ersten Moment an nicht in Ruhe lässt. Was als Katz und Maus-Spiel beginnt, entwickelt sich Jahre später, als sie sich wieder begegnen und er ihr einen Job anbietet, aber zu welchem Preis? Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander, und nach und nch versteht man, warum zwischen den beiden so starke Gefühle liegen, im Guten wie im Schlechten.

Emilia, die weibliche Hauptfigur, hat mich mit ihrer Stärke und Sanftheit gleichermaßen überzeugt. Sie lässt sich nicht so leicht unterkriegen, auch wenn Vicious ihr das Leben schwer macht. Trotzdem hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr Gegenwehr gewünscht, denn manchmal hatte ich das Gefühl, sie lässt ihm zu viel durchgehen. Gerade diese Ambivalenz hat ihre Figur aber auch realistisch wirken lassen.

Vicious dagegen war für mich eine der umstrittensten männlichen Figuren, die ich seit Langem gelesen habe. Er ist hart, verletzend und anfangs einfach unmöglich zu mögen. Doch mit der Zeit wird deutlich, wie tief seine Wunden sitzen und warum er so geworden ist, wie er ist. Seine Entwicklung im Verlauf der Geschichte hat mir gefallen, auch wenn ich mir am Ende etwas mehr Reue und Einsicht gewünscht hätte.

Die Dynamik zwischen Emilia und Vicious war intensiv und voller Spannung. Ich konnte die Anziehung zwischen ihnen in jeder Situation spüren, selbst wenn ich ihn am liebsten schütteln wollte. Besonders gelungen fand ich den Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, da man dadurch immer mehr über ihre gemeinsame Geschichte erfährt und versteht, warum sie beide so handeln, wie sie es tun.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass mir das Ende etwas zu schnell ging. Nach all der Intensität und den Emotionen hätte ich mir einen etwas ausführlicheren Abschluss gewünscht, um die Entwicklung der beiden noch stärker wirken zu lassen. Trotzdem hat mich das Buch über weite Strecken vollkommen gefesselt.

Vicious Love ist eine mitreißende und provokante Dark Romance, die polarisiert, aber genau deshalb so spannend ist. Eine Geschichte voller Wut und Leidenschaft, also nichts für schwache Nerven, aber genau richtig für alle, die starke Emotionen und intensive Liebesgeschichten lieben.

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