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Veröffentlicht am 28.07.2021

Ein mörderischer Blick hinter die Kulissen des GP-Sports

Mord auf der Rennstrecke
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Kurz zum Inhalt: Lucie Girards ehemaliges Aupair-Mädchen Angie arbeitet als Hostess beim GP von Monaco, als sich ein tödlicher Trainingsunfall ereignet. Der ermittelnde Kommissar Franc Sarasin verdächtigt ...

Kurz zum Inhalt: Lucie Girards ehemaliges Aupair-Mädchen Angie arbeitet als Hostess beim GP von Monaco, als sich ein tödlicher Trainingsunfall ereignet. Der ermittelnde Kommissar Franc Sarasin verdächtigt den Teamkollegen des Verunglückten, mit dem sich Angie angefreundet hat, der Sabotage. Unbegründet, wie Angie sich sicher ist. Sie kontaktiert Lucie, sie soll helfen, den wahren Täter zu finden.
Obwohl ich Luc Wingers Krimiserie rund um die taffe Kommissarin Lucie Girard liebe, war ich doch anfangs skeptisch, ob mir das Umfeld, der doch sehr techniklastige Motorsport, gefallen wird. Zu detaillierte technische Erklärungen langweilen mich leicht. Vollkommen unbegründete Befürchtungen – im Gegenteil, ich fand das Buch faszinierend interessant und spannend.
Das begann schon damit, dass das Aupair-Mädchen Angie, das in den letzten Bänden stets nur am Rande erwähnt wurde, in den Mittelpunkt gerückt wurde und sich als vielseitige, selbstbewusste und attraktive junge Frau entpuppt.
Zu jenen Zeiten, als noch Niki Lauda seine Runden drehte, war ich eine begeisterte Zuseherin aller Rennen, kannte die Namen der Rennställe ebenso wie jene der Fahrer. Ich genoss dieses Aufflammen von Erinnerungen, als noch Niki Lauda, Graham Hill und Ronnie Peterson siegten.
Man erlebt die GP-Atmosphäre hautnah, das Gedränge der Zuschauer, die Nervosität und Hektik im Fahrerlager, in der Boxengasse, die Rivalität, selbst das Motorengedröhne vermeint man zu hören. Zudem schafft es der Autor mit seinen gut dosierten, technischen Erklärungen, dass diese nicht nur keineswegs langweilen, sondern auch für im Motorsport Unbedarfte wie mich klar verständlich sind. Anhand der im Buch befindlichen Skizze der Rennstrecke vermag man das Rennen zudem sehr gut zu verfolgen.
Lucie Girard - in ihrer sympathischen, zuvorkommenden Art - kam, sah und siegte wie eh und je, hatte alles im Griff, sogar ihren schwierigen Kollegen Franc Sarasin. Dass diesmal Lucie mit ihm anstatt mit ihren Mitarbeitern ermitteln muss und ihre Familie kaum involviert ist, trägt zum Abwechslungsreichtum dieser Reihe bei. Vielleicht liefert ja das Umfeld des neuen Kindermädchens Imani demnächst einmal Stoff für einen Fall? Band 11 hat mir jedenfalls Stunden voller Lesevergnügen geschenkt. Ich freue mich schon auf den nächsten Band!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.07.2021

Mordsmäßige Umweltsünden

Mord au Vin
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Einerseits findet sich eine mumifizierte Leiche in den Dünen und Commandant Raoul Chenier ermittelt, andererseits sucht die junge Privatdetektivin Claire Molinet eine verschwundene Studentin.
Der flüssige ...

Einerseits findet sich eine mumifizierte Leiche in den Dünen und Commandant Raoul Chenier ermittelt, andererseits sucht die junge Privatdetektivin Claire Molinet eine verschwundene Studentin.
Der flüssige Schreibstil liest sich flott, die Spannung steigert sich kontinuierlich, je mehr die Nachforschungen vorangehen; es fehlt nicht an Verdächtigen und diversen Spuren und es wird umso interessanter, je mehr sich die beiden anfangs scheinbar unabhängigen Fälle von Claire und Raoul als zusammenhängend erweisen, bis sich schließlich in einem dramatischen Showdown alles klärt.
Die beiden Protagonisten - Raoul und Claire - fand ich sofort sympathisch, allerdings erfährt man meiner Meinung nach etwas zu wenig von ihnen, ihren Gefühlen und Gedanken, auch ihrem Vorleben, warum sich beide schwer tun, sich auf eine neue Beziehung einzulassen. Die Handlungen und Reaktionen der weiteren Charaktere sind durchaus nachvollziehbar und verständlich.
Das französische Flair wurde anschaulich eingefangen, durch die französischen Worte im Text, die Landschaftsbeschreibungen, die Kulinarik. Allerdings, wenn man wie ich Bordeaux nicht kennt, kann man sich, ohne sich eine Landkarte zu Hilfe zu holen, nur schwer orientieren. Ich hätte es sehr geschätzt, gäbe es – wie in anderen Regionalkrimis - eine Landkarte der Region im Buch.
Die Informationen über den Einsatz von Pestiziden im Weinbau stimmen einen nachdenklich. Wie sieht es denn mit jenem Wein aus, den man selber trinkt? Es handelt sich doch sicher nicht nur um ein Problem in Frankreich.
Mir hat das Buch in seiner Gesamtheit sehr gut gefallen. Eine ausgezeichnete Mischung. Die Handlung war gut aufgebaut, das Umwelt-/Weinbauthema war gut dosiert und sehr informativ eingebaut und last but not least mochte ich die beiden Ermittler. Das Ende lässt ahnen, hoffen, dass aus Claire und Raoul in Folgebänden nicht nur ein gut zusammen arbeitendes Team, sondern ein Paar wird – auch mit etwas mehr Emotionen. Ich freue mich schon auf die Fortsetzungen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.07.2021

Mord erschüttert französische Idylle

Trüffelgold
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Die Pariser Kriminalkommissarin Marie Mercier verbringt nach dem Tod ihrer Großmutter ein Sabbatical in deren Haus, das sie geerbt hat und das sie renovieren will. Da passiert in diesem sonst so ruhigen ...

Die Pariser Kriminalkommissarin Marie Mercier verbringt nach dem Tod ihrer Großmutter ein Sabbatical in deren Haus, das sie geerbt hat und das sie renovieren will. Da passiert in diesem sonst so ruhigen Dörfchen plötzlich ein Mord. Sie kann nicht umhin, inoffiziell Nachforschungen zu betreiben – sehr zum Unmut des zuständigen Kommissars Michel Leblanc.
Bereits das Cover ist verlockend und bringt Urlaubsfeeling. Ein flüssiger, leichter Schreibstil, stimmungsvolles französisches Flair und liebevoll gezeichnete Charaktere, ob urig-originelle Typen oder liebenswürdige alte Menschen, dazu zwei effiziente, kluge und sympathische Ermittler, all das bereitet vergnügliche Lesestunden. Man fühlt sich einfach wohl in dieser Atmosphäre, versinkt in die Geschehnisse, würde gerne mit Leonie und Marie am Tisch sitzen und Köstlichkeiten genießen, durch französische Märkte flanieren oder im gemütlichen Café sitzen. Mit Vergnügen verfolgt man, wie sich im Zuge der Ermittlungen auch Marie und Michel näher kommen und schließlich zusammenarbeiten.
Trotz aller Harmonie kommt auch die Spannung nicht zu kurz. Gefahrenmomente beleben durchaus die Handlung. Zudem tappt man als Leser gemeinsam mit den Ermittlern lange im Dunkeln, so manche verheißungsvolle Spur versandet, Motive und Verdächtige passen nicht, bis sich letztens alles schlüssig, jedoch auch überraschend klärt.
„Trüffelgold“ ist der gelungene Auftakt für eine neue Reihe, der mich mit Vorfreude auf weitere Fälle mit Marie und Michel erfüllt.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 09.07.2021

Geliehene Schönheit

Ein letzter Frühling am Rhein
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Worum geht es? Aufgrund eines anonymen Hinweises findet die Polizei ein junges, bildschönes Model vergiftet in seiner luxuriösen Wohnung, zusammen mit einer kryptischen Nachricht, deren Sinn und Entschlüsselung ...

Worum geht es? Aufgrund eines anonymen Hinweises findet die Polizei ein junges, bildschönes Model vergiftet in seiner luxuriösen Wohnung, zusammen mit einer kryptischen Nachricht, deren Sinn und Entschlüsselung sogar für den beigezogenen Psychologen eine Herausforderung darstellt.
Ich war nicht sofort in der Geschichte, aber von Seite zu Seite, von Kapitel zu Kapitel schätzte ich den Schreibstil, die bildhaften Schilderungen von Eindrücken, Gedanken und Beobachtungen immer mehr.
Der Fokus liegt in diesem Kriminalroman in der aufwändigen Kleinarbeit der Kriminalpolizei, in den Befragungen jener Personen, die das Umfeld der Ermordeten bildeten, auf der Suche nach dem Motiv, nach dem Mörder bzw. der Mörderin. Obwohl der Fall in der Gegenwart spielt, habe ich es als wohltuend empfunden, dass es in erster Linie auf die Befragungstechnik, die Kombinationsgabe und die grauen Zellen der Ermittler ankommt, und weniger auf DNA-Analysen, Ergebnisse der Spurensicherung oder Internetrecherchen.
Zu Beginn irritierte mich der religiöse Touch, doch die Thematik Gott – Kirche – Religion und Glaube zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung, machte zunehmend mehr Sinn und beschäftigt auch die Ermittler, die immer wieder auf die Diskrepanz zwischen der Herkunft der Toten - sie ist auf dem Land aufgewachsen und war stets streng gläubig - und der Oberflächlichkeit des Jetset-Lebens in der Modewelt stoßen, in der die junge Frau zwar hektisch und im Trubel existierte, letztlich jedoch einsam blieb.
Es schwebt eine gewisse Tristesse über der Lektüre, in Form der Gleichgültigkeit der Nachbarn, die in dem Mehrparteienhaus nebeneinander her leben, uninteressiert, nichts gehört und nicht gesehen haben (wollen).
Das überschaubare Ermittlerteam, es besteht lediglich aus Kriminalhauptkommissar Kilian Stockberger, Oberkommissarin Cosima Winkler und Kommissar Miko Reichenhall, erweckte meine Sympathie insbesondere durch deren Umgang miteinander, wo man sich durchaus auch mal aufzieht und auch nach Dienstschluss noch freundschaftlich Kontakt miteinander pflegt.
Die Charaktere – sowohl der Kriminalisten als auch der von ihnen Befragten – sind anschaulich dargestellt, wobei ich vor allem den fast poetischen Schreibstil so mochte, diese über das rein realistisch Äußerliche hinausgehenden Beschreibungen, wenn z.B. das Gehabe eines Ehepaares mit einem Affenpärchen verglichen wird. Dadurch erhält der Roman auch einen humorvollen Anstrich, bringt einen zum Schmunzeln.
Solche Sprachbilder, wie ich es für mich bezeichnet habe, ziehen sich durch das gesamte Buch, witzige Assoziationen, Gedanken, Kopfkino malende Wortschöpfungen, die mich begeisterten.
„Ein letzter Frühling am Rhein“, der Auftakt zu einer neuen Reihe, besticht in erster Linie sprachlich, weniger aufgrund der erzeugten Spannung, obwohl der Fall interessant ist und letztlich schlüssig gelöst wird.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.07.2021

Die Sünden der Väter

Abgründige Wahrheit
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Nachdem ich bislang nur das humorvolle Buch des Autors „Urlaub, bis der Arzt kommt“ kannte, war es für mich besonders interessant, wie er sich als Thriller-Autor schlägt. Und Bernd Richard Knospe hat nicht ...

Nachdem ich bislang nur das humorvolle Buch des Autors „Urlaub, bis der Arzt kommt“ kannte, war es für mich besonders interessant, wie er sich als Thriller-Autor schlägt. Und Bernd Richard Knospe hat nicht nur Vielseitigkeit bewiesen, sondern ihm ist ein ganz besonderer Thriller gelungen.
Worum geht es?
Einerseits um den Schriftsteller Eric und die Verlegerin Daniela, die ihn beauftragt, die Lebensgeschichte ihres kürzlich verstorbenen Vaters in einem Buch zu verarbeiten, und andererseits um das Team der Kriminalpolizei, das in einer grauenvollen Mordserie ermittelt, die auf einen 30 Jahre zurückliegenden Polizeieinsatz zurückzugehen scheint, infolgedessen damals der Psychopath Walker gefasst wurde, der seither im Gefängnis sitzt. Es stellt sich nicht nur die Frage, wer und warum dieser Jemand bestialische Morde an seinerzeit mit Walker in Verbindung stehenden Frauen verübt, sondern was diese beiden Handlungsstränge verbindet.
Was habe ich mir von dem Thriller erwartet? Neben Spannung und Action, natürlich Nervenkitzel, Gänsehaut und Schauer, wenn das Grauen zwischen den Zeilen hervorquillt. Das alles ist B.R. Knospe gelungen und viel mehr. Denn neben Spannungsbogen und Handlungsverlauf hat mich vor allem die Lebendigkeit der handelnden Personen in den Bann gezogen.
Der Autor hat nicht nur Romanfiguren geschaffen, sondern facettenreiche Charaktere, Menschen mit Stärken und Schwächen, sympathischen Zügen, aber auch mit Ecken und Kanten, Protagonisten, deren Handlungen und Eigenheiten von Kindheit an bzw. durch ihr bisheriges Leben und die gemachten Erfahrungen geprägt sind. Genauso wie die Ermittler in kleinen Schritten sich der Lösung der Mordfälle, dem Mörder nähern, dringt man so nach und nach immer mehr durch die Oberfläche, durch das optische Augenscheinliche in deren Seele, empfindet mehr oder weniger Sympathie, ahnt zunächst nur, erhält letztendlich dann Gewissheit, hinter welcher Fassade sich das personifizierte Böse tatsächlich verbirgt.
Auch das Martyrium der Opfer wird primär nicht aktiv beschrieben, anhand der folternden Handlungen der Täter, sondern bezieht sich vorwiegend auf die Gedanken der Opfer, die letztlich ihr Leben Revue passieren lassen.
Der Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen, der stetige Wechsel zwischen Handlungsorten und Protagonisten belebt und ist abwechslungsreich. Zudem steigern die immer wieder eingebauten Cliffhanger die Spannung, sodass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte – bis sich im dramatischen Showdown alles klärt, das Böse besiegt ist und das große Geheimnis enthüllt wird.
Ein Buch, das ich wärmstens empfehle! Lediglich der Print-Leserschaft würde ich raten, sich eine Leseposition zu suchen, wo man den immerhin fast 600 Seiten dicken Wälzer auflegen kann, ansonsten ist das Halten schon recht armmuskelfordernd.
Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass „Abgründe Wahrheit“ bereits der zweite Band der Eric Teubler-Reihe ist – kann aber problemlos ohne Kenntnis des ersten Bandes „Blue Note Girl“ gelesen werden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere