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Veröffentlicht am 02.05.2026

Übersichtliches, ausführliches Redewendungen-Nachschlagwerk

Duden – Wer hat den Teufel an die Wand gemalt?
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„Wer hat den Teufel an die Wand gemalt?“ beinhaltet eine umfassende Sammlung von Redensarten, deren Herkunft und Bedeutung (Erschienen 2026 in Dudenverlag).

Mich als sprachlich interessierte Person hat ...

„Wer hat den Teufel an die Wand gemalt?“ beinhaltet eine umfassende Sammlung von Redensarten, deren Herkunft und Bedeutung (Erschienen 2026 in Dudenverlag).

Mich als sprachlich interessierte Person hat das Buch sofort angesprochen, nicht nur aufgrund des ins Auge springenden Covers, sondern hinsichtlich des gebotenen Inhalts. Ich wurde auch nicht enttäuscht.

Das Buch ist optisch ansprechend gestaltet, die Redewendungen sind alphabetisch nach Begriffen geordnet, sodass man, sucht man etwas Bestimmtes, rasch fündig wird. Obwohl ich die meisten Aussprüche bereits kannte und auch vielfach mit deren Bedeutung richtig lag, gab es dennoch für mich überraschende Erklärungen, wie z.B. dachte ich tatsächlich, sich „verfranzen“ hätte etwas mit „Fransen“ zu tun. Aber nein, der Ausdruck hat militärischen Ursprung. Manches, möglicherweise eher in Deutschland gängig, war mir als Österreicherin fremd, wie z.B. einen Igel in der Tasche haben (geizig sein) oder „den heiligen Ulrich anrufen“ (sich erbrechen).

Es hat mich zwar wenig erstaunt, dass die meisten Redewendungen bis auf die Bibel oder die griechische Mythologie zurückzuführen sind, auf lateinischen Aussprüchen basieren oder aus dem Jüdischen sich entwickelt haben. Trotzdem, die ausführlichen, gut recherchiert wirkenden Erklärungen fand ich sehr interessant und wissenswert.

Diese Duden-Ausgabe werde ich sicher immer wieder zur Hand nehmen, um die eine oder andere Interpretation zu verinnerlichen. Denn einmal alles durchzuschmökern reicht nicht, um es sich bleibend einzuprägen. Es ist ein gelungenes Nachschlagwerk. Sehr empfehlenswert für jeden, der an der Entwicklung der Sprache und Bedeutung von Aussprüchen interessiert ist.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

In vento veritas (Im Wind liegt die Wahrheit)

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl
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„Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl“ von Fabio Nola ist der zweite Band der Neapel-Krimi-Reihe. Der Fall steht zwar für sich alleine, dennoch würde ich raten, zuvor noch den ersten Band zu lesen.

Das ...

„Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl“ von Fabio Nola ist der zweite Band der Neapel-Krimi-Reihe. Der Fall steht zwar für sich alleine, dennoch würde ich raten, zuvor noch den ersten Band zu lesen.

Das Cover mit in einer Bucht liegenden Booten und dem Blick auf den Vesuv stimmt auf den Schauplatz des Krimis gut ein und vermittelt südliches Flair. Mir gefällt auch, dass es stilmäßig dem ersten Band angepasst ist. Das 2026 erschienene Buch ist in Abschnitte pro Ermittlungstag und hier wiederum in kurz gehaltene Kapitel unterteilt. Die Handlung spielt in der Gegenwart, primär während der Karwoche. Das Leben der Menschen in Neapel ist in die Krimihandlung facettenreich eingebaut, der Trubel und Feiertagsbräuche sind anschaulich beschrieben und ausführlich erklärt. Das Lokalkolorit äußert sich nicht nur sprachlich durch italienische Ausdrücke bzw. in Napulitano (Glossar ist vorhanden), sondern es wird an und für sich ein sehr lebendiges Bild der Stadt Neapel vermittelt, von Wetter, Gerüchen und Geräuschen angefangen über poetisch anmutende Stimmungen bis zu Schilderungen der Schattenseiten der Stadt, wo Kriminalität und Armut hausen. Die Protagonisten und Nebenfiguren verkörpern eine eigene Spezies von Menschen, eben Neapolitaner, die sehr tiefgehend charakterisiert sind.

Erzählt wird aus Sicht von Gaetano. Seine Person steht eindeutig im Mittelpunkt des Romans. Man kann nicht nur seine Ermittlungsschritte genauestens nachvollziehen, sondern auch seine privaten Gedanken und Empfindungen. Er steht einerseits dienstlich unter Druck, den Fall so rasch wie möglich lösen zu müssen, andererseits belasten ihn private Probleme schwer. Eigentlich wollte er mit seiner Familie Ostern feiern, doch eine angeschwemmte Leiche macht nicht nur seine privaten Pläne zunichte, sondern die des gesamten Teams, das nun während der Osterfeiertage arbeiten muss. Gaetano ist nach Befragung jener Menschen, die den Toten gut kannten, überzeugt, dass das, was auf den ersten Blick nach Selbstmord aussieht, keiner war. Selbstmord passt seiner Ansicht nach nicht zum Charakter des Opfers. Mit Unterstützung seines Teams widersetzt er sich seinem Vorgesetzten und verfolgt hartnäckig und eigensinnig sein Ziel, den Mörder zu finden. Die Mördersuche erweist sich als mühsam, ist von etlichen Irrwegen gezeichnet, wird durch Lügen und Intrigen behindert. Vor allem mit Hilfe seiner jungen Kollegin Beppa Bellucci, die als Tochter eines Fischers sich mit Meeres- und Windströmungen bestens auskennt, gelingt es ihm, nicht nur den Mörder ausfindig zu machen, sondern auch die komplexen Machenschaften des Mordopfers aufzudecken, die letztlich zu dessen Tod geführt hatten.

Mir hat an dem Krimi einerseits der Erzählstil sehr gut gefallen, der ein so realistisches Stimmungsbild von Neapel wiedergibt, andererseits der charaktervolle Commissario Gaetano und die einsatzfreudige, quirlige Beppa. Obwohl die Handlung eher ruhig verläuft, nicht von prickelnden riskanten Aktionen geprägt ist, ist sie bedingt durch unerwartete Wendungen unentwegt spannend. Ein interessanter Fall, der Lust auf weitere macht.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Caro und Jan – doch mehr als Freundschaft?

Mordseeparty
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„Mordseeparty“ von Emmi Johannsen ist bereits der siebente Band der Borkum-Krimi-Reihe mit den Hobby-Detektiven Caro Falk und Jan Akkermann.

Das Cover stimmt – wie bei den Vorgängerbänden – auf den Schauplatz ...

„Mordseeparty“ von Emmi Johannsen ist bereits der siebente Band der Borkum-Krimi-Reihe mit den Hobby-Detektiven Caro Falk und Jan Akkermann.

Das Cover stimmt – wie bei den Vorgängerbänden – auf den Schauplatz Borkum ein und vermittelt zugleich ein gewisses Urlaubsfeeling. Das Buch erschien 2026. Der Schreibstil ist flüssig, die Kapitel sind kurz, die Handlung spielt in der Gegenwart. Lokalkolorit ist unaufdringlich aber spürbar in die Handlung verwoben. Anhand der im Umschlag befindlichen Landkarte von Borkum findet man sich hinsichtlich der Örtlichkeiten sehr gut zurecht.

Schon nach wenigen Seiten war ich wieder heimisch auf Borkum, in Caros Umfeld. Zwar wäre es ratsam, die Bücher der Reihe nach zu lesen, um die private Entwicklung der Protagonisten verfolgen zu können, doch auch wenn man wie ich nur vereinzelte Bände gelesen hat, vermisst man keine wesentlichen Informationen.

Die Gedanken des Mörders im Prolog bewirkten, dass mich das Buch ab der ersten Seite in seinen Bann zog. Die Frage, wer sich dahinter verbirgt, beschäftigt einen bis zum Finale. Der Spannungsbogen hält sich bedingt durch immer wieder neu auftauchende Fakten, Wendungen und Verdächtige auf gutem Niveau. Das gibt auch viel Spielraum zum Miträtseln. Das Opfer war kein liebenswerter Mensch gewesen und hatte sich eine Reihe von Feinden gemacht. Geschickt holen Caro und Jan vor Ort Informationen über den Ermordeten ein, bis sie letztlich auf den entscheidenden Hinweis stoßen, der zur Entlarvung und Festnahme des Täters führt.

Sehr harmonisch sind Caros Privatleben – sie feiert im Kreise ihrer Großfamilie ihren Vierziger – und die Recherchen ineinander verwoben. Ob Haupt- oder Nebenfiguren, alle Charaktere sind sehr gut vorstellbar und lebendig gezeichnet. Im Mittelpunkt stehen natürlich Caro und Jan, beide sympathisch, engagiert, unerschrocken und wissbegierig – ein Paar, das bislang nur durch Freundschaft verbunden war. Doch langsam merken sie, dass da mehr Gefühle im Spiel sind. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich ihre Beziehung weiterentwickeln wird.

„Mordseeparty“ hat mir spannende und unterhaltsame Lesestunden beschert, mir das Leben auf einer Insel wie Borkum nahegebracht und Lust auf weitere Fälle diese Ermittler-Duos gemacht. Gerne empfehle ich diesen Nordseekrimi weiter und freue mich schon auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 25.04.2026

Emotionale Familienreise in den Süden

Andere nennen es Urlaub
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„Andere nennen es Urlaub“ von Franka Bloom ist ein sowohl gefühlvoller als auch humorvoller Roman, der nebenbei auch noch wunderbares Urlaubsfeeling vermittelt .

Was mir das frisch-fröhliche bunte Cover ...

„Andere nennen es Urlaub“ von Franka Bloom ist ein sowohl gefühlvoller als auch humorvoller Roman, der nebenbei auch noch wunderbares Urlaubsfeeling vermittelt .

Was mir das frisch-fröhliche bunte Cover an Lesevergnügen und südlichem Flair versprochen hat, hat das 2026 erschienene Buch bestens erfüllt.

Die Handlung spielt in der Gegenwart, teils in Berlin, aber vorwiegend in Triest und Umgebung, was ich sehr genoss, weil ich an diesen Schauplätzen vor Jahren war und schöne Urlaubserinnerungen geweckt wurden. Eingebettet in italienischem Dolce Vita ist dies eine abwechslungsreiche, sehr emotionale Familiengeschichte mit sympathischen Protagonisten.

Im Mittelpunkt steht Netti, Alleinerzieherin eines Sohnes im Teenageralter, die mit diversen Nebenjobs und kleinen Engagements als Schauspielerin mehr schlecht als recht über die Runden kommt. Seit vor kurzem ihre Mutter verstarb, muss sie sich auch um ihren Vater Bruno kümmern, der in Trauer und Lethargie versunken ist und alleine kaum zurechtkommt. Ihre beruflich erfolgreiche Schwester Ellen ist ihr hier nur eine recht unverlässliche Hilfe. Netti ist gestresst, fühlt sich urlaubsreif. Da bietet sich eine günstige Mitfahrgelegenheit nach Italien. Ellen überredet Netti, Bruno mitzunehmen, da dieser ebenfalls Tapetenwechsel benötigt. Daraus entwickelt sich eine turbulente Fahrt mit Hoppalas, humorvollen Dialogen, einem Wechselbad an Gefühlen. Da primär aus Nettis Sicht erzählt wird, offenbaren sich vor allem ihre Wesenszüge, ihre Ängste, Unsicherheit, ihre Sehnsüchte. Während dieser Reise ergeben sich tiefsinnige Gespräche, die Familienmitglieder sehen einander mit anderen Augen, geben Fehler zu, klären Missverständnisse, erfahren eine positive charakterliche Entwicklung. Ich habe diese Menschen im Laufe der Lektüre richtig liebgewonnen.

Mir hat dieser unterhaltsame und gleichsam berührende Roman ausgezeichnet gefallen. Der Schreibstil ist kurzweilig, die Themen sind aus dem Leben gegriffen, stimmen auch nachdenklich. Es ist eine Geschichte, bei der man sich wohlfühlt und die ich gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Politthriller, packend mit bedrohlichem Zukunftsszenario

Die Praktikantin
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„Die Praktikantin“ von Horst Eckert ist ein packender Polit-Thriller, der im Journalisten-Milieu angesiedelt ist.

Das 2026 erschienene Buch gliedert sich pro Handlungstag in neun Abschnitte bzw. in 87 ...

„Die Praktikantin“ von Horst Eckert ist ein packender Polit-Thriller, der im Journalisten-Milieu angesiedelt ist.

Das 2026 erschienene Buch gliedert sich pro Handlungstag in neun Abschnitte bzw. in 87 extrem kurz gehaltene Kapitel. Deren Kürze bzw. die jeweiligen Orts- und Perspektivenwechsel jagen einen als Leser regelrecht durch die Handlung. Der Schreibstil ist flüssig, von Beginn an mitreißend, spannungsgeladen, abwechslungs- und temporeich. Die Handlung spielt in der Gegenwart, gewährt sowohl einen eindrucksvollen Einblick in den Arbeitsalltag von Journalisten als auch in politische Machenschaften und Ranküne. Gekonnt fließen Fiktion und reale Hintergründe ineinander über, wobei manche Zukunftsvisionen nicht nur bedenklich, sondern regelrecht bedrohlich wirken, schockieren und nachdenklich stimmen.

Das Buch ist ab der ersten Seite fesselnd. Man wird regelrecht hineingezogen in das Geschehen. Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei Personen, die beim Zeitungsverlag „Morgenpost“ beschäftigt sind: die junge Praktikantin Carla Bergmann und der routinierte Investigativjournalist Jan Koller, aus deren Sicht man den Ermittlungen folgt. Aus einer kurzen, unscheinbaren Meldung im Polizeibericht, der Carla nachgeht, entwickelt sich eine höchst gefährliche Recherche. Bevor Carla sich mit ihm treffen kann, wird ein Interviewpartner vor ihren Augen getötet. Trotzdem verfolgen Jan und Carla Spuren bis nach Kiew und entdecken, dass ein deutscher Rüstungskonzern zweifelhafte Ziele verfolgt.

Jan und Carla sind sympathische Protagonisten, aus tiefstem Herzen und mit vollem Einsatz Journalisten. Jan ist ein alter Hase, der über langjährige Erfahrung und maßgebliche Beziehungen verfügt, aber Carla als Newcomerin beeindruckte mich noch mehr mit ihrer Zielstrebigkeit, exzellentem journalistischen Spürsinn, Mut und Idealismus. Die beiden bilden ein exzellentes Team. Ich hoffe, es gibt eine Fortsetzung, denn ich möchte gerne noch weitere Fälle mit ihnen lesen.

Mich hat dieser Thriller vollauf begeistert, hat mich kaum losgelassen, bot alles, was ich mir von diesem Genre erwarte: stetige Spannung, Action, Gänsehautfeeling, Mitfiebern, überzeugende Ermittler, überraschende Wendungen und schlüssige Lösungen. Dazu kommt noch der hochaktuelle Bezug.

Eine unbedingte Leseempfehlung! 5 Sterne!

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