Profilbild von HappyEndBuecherdeNicole

HappyEndBuecherdeNicole

Lesejury Star
offline

HappyEndBuecherdeNicole ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit HappyEndBuecherdeNicole über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.09.2017

Unterhaltsamer Abenteuerroman, so flott wie ein Mantel und Degenroman geschrieben

Das blaue Medaillon
1

Die Venezianerin Alessa ist eine geschickte Kletterin und Diebin. Gelernt hat sie dieses, zugegebenermaßen, eher unlautere Handwerk, von ihrem Großvater. Seit dem Tod ihrer Eltern vor vielen Jahren, die ...

Die Venezianerin Alessa ist eine geschickte Kletterin und Diebin. Gelernt hat sie dieses, zugegebenermaßen, eher unlautere Handwerk, von ihrem Großvater. Seit dem Tod ihrer Eltern vor vielen Jahren, die ermordet wurden, lebt Alessa nämlich bei ihm. Von ihrer Tante Zenobia, einer Schauspielerin, hat Alessa, eher heimlich, weil ihr Großvater den Beruf seiner Tochter strikt ablehnt, eine gewisse Faszination fürs Theater entwickelt, wenn sie auch niemals in Zenobias Fußstapfen treten möchte. Doch leider bleibt Alessa, nach dem krankheitsbedingten Tod ihrer Tante und der plötzlichen Ermordung ihres Großvaters nichts anderes übrig, denn der berüchtigte Meuchelmörder Mezzanotte ist ihr dicht auf den Fersen, da sich in ihrem Besitz nun eine Halskette mit einem Medaillon befindet, welche einst ihrer Mutter gehörte, die Zenobia bis zu ihrem Tod hütete. Das Medaillon ist äußerst wichtig, denn damit kann der Besitzer wichtige Dokumente auslösen, die seit dem Tod der Eltern bei einer Vertrauensperson gelagert werden. Dokumente, die von einem Verrat berichten. Gefährliche Papiere, für die Involvierte aus den höchsten Kreisen, alles tun würden, damit sie für immer unter Verschluss bleiben.

Alessa zögert nicht lange und flieht mit einer Schaustellertruppe nach Deutschland, wo ihr letzter, noch lebender Verwandter lebt. Zenobias unehelicher Sohn, der aus einer Liaison mit einem Herzog hervorging. Das Glück ist Alessa hold, denn ausgerechnet zum Herzog von Braunschweig-Lüneburg geht die Reise, da die Truppe an seinem Hofe mehrere Aufführungen vorführen sollen. Der Herzog ist zwar mittlerweile glücklich liiert und hat eine kleine Tochter, dennoch hat er Venedig nie vergessen. Alessa plant, den Herzog oder ihren Cousin um Hilfe zu bitten, doch ausgerechnet ein junger Offizier, der im Dienste des Herzogs steht und ihr zunächst misstraut, könnte sich als Retter in der Not erweisen. Derweil ist Mezzanotte Alessa nach Deutschland gefolgt…

„Das blaue Medaillon“, von Martha Sophie Marcus, ist mein erster Roman der Autorin. Sie hat einen sehr angenehmen Schreibstil und drückt sich der Zeitepoche entsprechend aus, so dass der Roman ausreichend historisches Kolorit aufweist. Was mir sehr gut gefallen hat, an der Story, war, dass die Romanheldin Alessa viele interessante Fähigkeiten aufweist, die eigentlich eher untypisch sind, für eine Frau ihrer Zeit. Dass Alessa sie dennoch besitzt, wurde plausibel von der Autorin erklärt und da der Roman bereits sehr spannend beginnt, konnte ich mich schnell hineinfallen lassen in die Geschichte des Medaillons. Es ist eher ein unterhaltsamer Abenteuerrroman, ähnlich der flotten Mantel und Degenstorys von einst, als ein Liebesroman. Zwar kommt die Liebe nicht zu kurz, wird jedoch eher zur Nebensache. Und auch das Ende des Romans zeugt davon, dass man hier womöglich noch eine Fortsetzung serviert bekommt. Nun zu meinen kleinen Kritikpunkten, die zu einem halben Punkt Abzug geführt haben. Da ich nicht weiß, ob noch eine Fortsetzung geplant ist, bitte ich diese Punkte unter Vorbehalt zu betrachten. Die Autorin führt einige Akteure ein, wie etwa den Cousin Alessas, den sie aufsucht, weil sie bereits in der Kindheit ein enges Verhältnis hatten. Doch entwickelt er sich lediglich als Staffage und sein Zwist mit Alessa wird praktisch offen gelassen. Ich fand, das hätte man besser lösen können. Genauso undurchsichtig verhält es sich mit der Geschichte rund um das Medaillon. Zwar erfährt man etwas über die besagte Verschwörung von einst, doch wird auch diese lediglich kurz erwähnt und hat eigentlich keinen aktuellen Nutzen für den Handlungsverlauf, da Mezzanotte lediglich aus eigenen Ansinnen handelt. Des Weiteren fand ich es befremdlich, dass der Herzog Alessa, nachdem er erfährt, wer sie wirklich ist, nicht viel eher, meinetwegen auch heimlich zu sich ruft. Wenn er damals, in ihrer Kindheit so vertraut mit ihr war, wundert es dann doch, dass er sich fern hält, weil es einfach nicht passt. Abgesehen von diesen aufgeführten Punkten, habe ich mich beim Lesen des Romans jedoch wunderbar unterhalten gefühlt und empfehle „Das blaue Medaillon“ allen Fans historischer Abenteuerromane gerne weiter.

Kurz gefasst: Unterhaltsamer Abenteuerroman, so flott wie ein Mantel und Degenroman geschrieben.

Veröffentlicht am 19.09.2017

Spannende Suche nach der Wahrheit...

Zeit der Schwalben
0

England 1958:

Die siebzehnjährige Liz liebt ihre Mutter über alles. Doch diese leidet an einer unheilbaren Lungenkrankheit und schwindet vor Liz Augen, Tag für Tag, ein wenig mehr dahin, was Liz das Herz ...

England 1958:

Die siebzehnjährige Liz liebt ihre Mutter über alles. Doch diese leidet an einer unheilbaren Lungenkrankheit und schwindet vor Liz Augen, Tag für Tag, ein wenig mehr dahin, was Liz das Herz bricht. Denn ihre Mutter, war vor ihrer Krankheit ein so lebenslustiger Mensch; ganz anders, als ihr steifer, strenger Vater, zu dem sie ein eher schwieriges Verhältnis hat. Ein paar Wochen vor Liz siebzehnten Geburtstag, als die Sommerferien hereinbrechen, beschließt Liz Mutter daher, ihre Tochter zu einer guten Freundin, die mit ihrer Familie am Meer in einem glamourösen Herrenhaus lebt, zu schicken, damit Liz ihr Leben zumindest für eine kurze Zeit wieder genießen kann. Liz ist unglücklich über den Beschluss ihrer Mutter, doch die lässt sich von ihrem Plan nicht abbringen und so bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich schweren Herzens von ihrem Vater ans Ziel bringen zu lassen. Obwohl Liz eigentlich die Zeit am Meer keinesfalls genießen will, weil sie ein schlechtes Gewissen ihrer Mutter gegenüber hat, taut sie doch, nach und nach, auf und freundet sich mit den Kindern der Familie und deren Freunden an. Und sie verliebt sich zum ersten Mal. Doch dann schlägt das Schicksal erbarmungslos zu…

London 2000:

Addie kann es immer noch nicht fassen. Ihre Mutter, zu der sie ein eher schwieriges Verhältnis hatte, ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Und mit ihrem Tod hinterlässt Liz viele ungelöste Fragen. Während Addies Vater sich immer mehr verschließt und in seiner Trauer gefangen ist, nimmt Addie ausgerechnet am ersten Todestag ihrer Mutter einen rätselhaften Telefonanruf an. Anscheinend hatte ihre Mutter, vor deren Tod, eine Detektei beauftragt, doch wieso? Nur wenig später steht eine junge Frau vor ihrer Haustür, die behauptet Liz Tochter zu sein. Phoebe, wie sie heißt, gibt als Geburtsdatum den 14. Februar 1960 an. Doch das ist Addies Geburtstag. Wie kann das sein, oder sagt Phoebe gar nicht die Wahrheit?

Ich habe den Inhalt bewusst etwas knapp gehalten, damit ich nicht aus Versehen zuviel im Vorfeld verrate. „Zeit der Schwalben“, ist ein Roman, der die Geschichten von Liz und ihrer Tochter Addie erzählt. Während man Liz durch ihre Tagebucheinträge besser kennenlernt, erzählt Addie ihre Geschichte in der „Ich-Form. Liz und Addie haben ein schwieriges Verhältnis miteinander. Stets glaubte Addie, sie könne es ihrer Mutter nie recht machen und wäre bloß, im Gegensatz zu ihren anderen Geschwistern, eine Enttäuschung für Liz. Und in der Tat war Liz dazu stets in sich gekehrt, in Addies Nähe. Nun, nach dem Unfalltod ihrer Mutter, hat Addie ihre Trauer in sich verschlossen, damit sie stark sein kann, für ihren trauernden Vater und ihre stets recht fordernde, schwangere Schwester Venetia. Und sie leidet immer noch unter starken Selbstzweifeln, weiß nicht, ob sie jemals den Mut aufbringen wird, etwas Eigenes im Konditorenbereich auf die Beine zu stellen. Und in diesem Moment tritt plötzlich die überschwängliche Phoebe in Addies Leben und wirbelt es völlig durcheinander. Auf der Suche nach der Wahrheit, lernt Addie dann jedoch nicht nur ihre Mutter besser kennen, sondern findet auch zu sich selbst.

Ich mochte den manchmal fast poetisch anmutenden Schreibstil von Nikola Scott sehr, wenn sie etwa Örtlichkeiten oder Gefühle ihrer Protagonisten beschreibt. Mir gingen die Empfindungen der beiden Hauptakteurinnen direkt unter die Haut, denn sie wirken sehr echt und ungekünstelt dargeboten. Man kann sich daher gut in Liz und Addie hineinversetzen, ihre Ängste nachvollziehen, genauso wie auch Addies Selbstzweifel. Auch die besondere Beziehung zwischen der jungen Liz und deren kranker Mutter fand ich sehr berührend und, ich gebe es freimütig zu, die angesprochenen Romanpassagen haben mir einige Tränen beim Lesen entlockt. Allerdings kommt der Roman völlig ohne Kitschfaktor aus und wartet mit real wirkenden Problemen und Figuren mit Ecken und Kanten auf. Es ist eine Mischung aus Selbstfindungsroman, Familiensaga und spannender, geheimnisvoller Suche, bei der ich bis fast zuletzt nicht ahnte, wie alle Puzzleteilchen zusammengehören. Obwohl ich fand, dass Liz Erlebnisse in ihrer Jungendzeit am Meer leider (zu) kurz und knapp abgehandelt wurden, was auch für ihre Romanze gilt, möchte ich dennoch keinen Punkt abziehen, weil ich den Roman ansonsten einfach perfekt geschrieben fand.

Kurz gefasst: Spannende Suche nach der Wahrheit und Selbstfindungsroman in einem. Ein emotionaler Roman der mir direkt unter die Haut gegangen ist und auch nach dem Lesen noch eine Weile in mir nachhallte.

Veröffentlicht am 19.09.2017

Gute Leseunterhaltung für Fans historischer Krimis!

Das Sündenhaus
0

Vom Galgenvogel zum Heiligen? Erstaunt stellt Gentleman und Tunichtgut Tom Hawkins fest, dass die einfachen Menschen, denen er auf seiner Reise ins ländliche, idyllisch gelegene Yorkshire begegnet, ihn ...

Vom Galgenvogel zum Heiligen? Erstaunt stellt Gentleman und Tunichtgut Tom Hawkins fest, dass die einfachen Menschen, denen er auf seiner Reise ins ländliche, idyllisch gelegene Yorkshire begegnet, ihn für eine Art Glücksbringer halten, seitdem er am Galgen hing und nur durch eine glückliche Fügung des Schicksals namens Wiederbelebung, seine Hinrichtung überlebte. Dennoch nützt es ihm recht wenig, überlebt zu haben, denn die Königin persönlich hat ihn in der Hand. Gelingt es ihm nicht, ein zurückgehaltenes Kontobuch zu finden, mit dem die Königin erpresst wird, wird sie Kitty, Toms große Liebe, für einen Mord büßen lassen. Also begibt sich Tom erneut auf detektivischen Pfaden, denn der Besitzer des Kontobuches und Erpresser der Königin, John Aislabie, fürchtet um sein Leben. Schon mehrere Drohbriefe sind eingegangen, dabei ist der Moment äußerst ungünstig, da Aislabies lange tot geglaubte Tochter Lizzie, wieder aufgetaucht ist. Vor vielen Jahren gab es einen schlimmen Brand im Wohnhaus der Aislabies, bei dem seine Frau und die jüngste Tochter starben. Doch Lizzie behauptet nun, all die Jahre bei der Frau groß geworden und erzogen zu sein, die den Brand damals legte, eine Hausangestellte.

Aislabie will alles dafür tun, seine Familie vor den neuen Drohungen zu schützen, dafür hat er sogar die Königin angeschrieben, die ihm daraufhin den klugen Ermittler Tom schickt. Aber auch Sam, den Tom als sein Mündel ausgibt, und Kitty, die etwas später eintrifft, sind wieder mit von der Partie. Obwohl Tom anfangs eigentlich lediglich seine Zwecke verfolgen will, nämlich das Kontobuch zu finden und schnell wieder nach London zu verschwinden, lässt ihn der Fall um den bedrohten Aislabie nicht los. Vor allem, als ein Mord geschieht und auch er und seine Lieben bedroht werden. Kann Tom Licht ins Dunkel bringen? Wer will John Aislabie quälen? Verdächtige gibt es genug, denn Aislabie war einst verwickelt in einen Finanzbetrug, der viele Engländer in den Bankrott trieb. Oder ist es gar ein persönliches Motiv, das den Mörder antreibt?

Nachdem die ersten beiden, wie ich fand atmosphärisch dichten und spannenden Vorgängerbände „Das Teufelsloch“ und „Der Galgenvogel“, im Gaunermilieu Londons spielten, darf sich Tom Hawkins, in seinem aktuellen Fall, nun unter die gehobene Gesellschaft begeben. Ich fand es gut, dass die Autorin ihren Detektiv wider Willen, diesmal in der Oberschicht kriminalisieren lässt und auch der Kriminalfall ist durchaus verzwickter, als es lange Zeit den Anschein hat.

Besonders gut bei der Tom Hawkins Reihe, gefällt mir der schwarzen Humor, den alle Hauptfiguren besitzen, aber, die Serie steht und fällt vor allem mit ihren Akteuren und diesmal muss ich zugeben, dass Tom, Kitty und Sam, leider auf Kosten des Kriminalfalls etwas auf der Strecke bleiben, bzw. zu kurz kommen. Gerade weil Antonia Hodgsons Figuren so liebeswert unperfekt sind, erwartet man viele humorige Dialoge und eine gewisse Weiterentwicklung ihrer persönlichen Belange. Was aber in dem dritten Band „Das Sündenhaus“ kaum gegeben ist. Vor allem Sams Weiterentwicklung bisher, fand ich total spannend, daher hätte ich mir gewünscht, dass er diesmal mehr in den Fokus tritt. Leider aber hat die Autorin diesbezüglich ihre Chance vertan, und so ziehe ich aus diesem Grunde einen halben Punkt ab. Trotz meines kleinen Kritikpunktes ist „Das Sündenhaus“ dennoch ein gelungener historischer Krimi, der mir viel Lesespaß bereitet hat. Und man spürt auch diesmal wieder, wie akribisch die Autorin ihre Hintergrundrecherche betrieben hat. So dass das historische Flair erneut gegeben ist, selbst wenn das schmutzige, dunkle London, mit all seinen zwielichtigen Gestalten in weiter Ferne ist.

Das „Showdown“ gegen Ende des Romans ist der Serie aber wieder würdig, denn es ist äußerst spannend und wartet sogar mit einem ziemlichen Schockmoment auf.

Kurz gefasst: Tom Hawkins, Detektiv wider Willen, wandelt bereits zum dritten Mal auf kriminalistischen Pfaden. Zwar kommen die Hauptfiguren diesmal etwas kurz, aber der Kriminalfall ist, wie gewohnt, verzwickt konzipiert. Gute Leseunterhaltung für Fans historischer Krimis!

Veröffentlicht am 01.09.2017

Leider für mich ein absolut enttäuschender Roman, mit einer widersprüchlichen Heldin, eher verqueres Familiendrama als Thriller.

Die Moortochter
0

Vorher:

Helena lebt mit ihren Eltern auf einem Stück unberührte Natur, fernab von jeglicher Zivilisation, in einer kleinen Hütte. Sie liebt es, mit ihrem Vater jagen zu gehen oder seinen vielen spannenden ...

Vorher:

Helena lebt mit ihren Eltern auf einem Stück unberührte Natur, fernab von jeglicher Zivilisation, in einer kleinen Hütte. Sie liebt es, mit ihrem Vater jagen zu gehen oder seinen vielen spannenden Geschichten über die Ureinwohner des Landes zu lauschen. Sie fühlt sich ihrem Vater mehr verbunden, als ihrer stillen, ängstlichen Mutter, die sie lediglich als schwaches Wesen empfindet. Was Helena zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht ahnt, ist, dass ihr Vater ein gefährlicher Psychopath ist, der Helenas Mutter bereits im Kindesalter entführte, sie gefügig machte, in die Einöde verschleppte, missbrauchte und schließlich schwängerte. Helena ist kein Kind der Liebe, sondern nur das Produkt einer unerträglichen Situation für Helenas Mutter. Dennoch liebt ihre Mutter sie und versucht sie so gut es geht zu beschützen; was Helena anfangs nicht begreift.

Danach:

Helena ist verheiratet und hat mit ihrem Mann zwei Töchter, die sie über alles liebt. Als sie jedoch erfährt, dass ihr Vater aus dem Gefängnis ausgebrochen ist, ahnt sie sogleich, dass er noch eine Rechnung mit ihr offen hat. Die eine Seite in Helena, hofft, dass ihr Vater sie trotz allem, was gewesen ist, liebt und noch einmal sehen will, die andere Seite in ihr weiß ganz genau, dass ein Psychopath wie er es einer ist, nur eines will. Seine Rache! Doch Helena wurde einst gut ausgebildet von ihrem Vater und so begibt sie sich nun auf die Jagd nach ihm. Ohne es zu ahnen, spielt sie ihm genau in die Hände. Immer wenn sie glaubt, ihm ein Stück voraus zu sein, wird sie überlistet. Doch sie weiß genau, dass sie ihn bezwingen muss, um jeden Preis- ansonsten holt er sich ihre Kinder…

Der Klappentext des Psychothrillers von Karen Dionne las sich dermaßen vielversprechend, so dass ich nicht lange zögerte, diesen Roman lesen zu wollen. Die ersten Seiten ließen sich zunächst auch interessant an. In bildhafter Art und Weise, erzählt die Protagonistin Helena ihre Geschichte. Man erfährt viel über ihren Alltag in der Abgeschiedenheit, ihrer Liebe zur Natur und dem Jagen. Und ihrer Verbundenheit zu ihrem Vater, einem Nachfahr der Ureinwohner dieses Landstrichs. Helena schildert gewisse Dinge, jedoch so sachlich und lieblos; etwa wenn es um das Töten von Tieren geht, dass man das Gefühl bekommt, sie wäre vollkommen kalt. Zwar ändert sich ihre Lebenseinstellung im Laufe der Geschichte, doch passt diese Wandlung von ihr absolut nicht ins Bild. Überhaupt fällt es einem als Leser schwer, Helena sympathisch zu finden. Man erfährt sehr viel über ihre Kindheit, da diese Rückblenden sehr ausschweifend geschildert werden, doch kommt man ihr dabei nie nah.

Auch ihre Eltern bleiben schemenhaft beschrieben und da der Alltag in der Einöde nicht gerade viel Überraschendes zu bieten hat, außer wenn Helenas Vater zwischenzeitlich den Sadisten in sich entdeckt, (übrigens fand ich es äußerst seltsam, dass Helena nicht eher begreift, wie grausam ihr Vater ist) empfand ich den Roman, ab der Mitte, als unerträglich langatmig geschrieben. Befremdlich fand ich es zudem, wie akribisch die Autorin eine Szene beschrieben hat, in der ein Reh, und sein ebenfalls von Helena getötetes Kitz, nach der Erschießung ausgeweidet und gegerbt werden. Sicherlich, jeder Nicht-Vegetarier, weiß, dass das Fleisch, dass jeden Tag auf seinen Teller kommt, nicht von Tieren stammt, die totgekitzelt wurden, doch empfand ich angesprochene Beschreibungen einfach nur als unnötig, grausam und traurig, da Helena so ungerührt davon ist. Ich frage mich, was die Autorin damit bezwecken wollte? Dem Leser sozusagen mit der Keule verdeutlichen, dass Helena etwas Gutes und Böses in sich trägt? Ihre Gefühllosigkeit in diesem Moment, passt jedoch nicht zu ihrem späteren Verhalten und so fand ich diese Romanpassagen, bestenfalls irritierend und einfach nur überflüssig.

Überhaupt hatte ich ein Problem mit der Romandeklaration. „Die Moortochter“, ist kein Psychothriller, meiner Meinung nach, sondern eher ein verqueres Familiendrama, wieder einmal, wie so oft, habe ich mich da vom Klappentext und der Verlagsbeschreibung blenden lassen. Und ehrlich gesagt passte hier irgendwie nichts. Hätte die Autorin wirklich einen Psychothriller schreiben wollen, hätte sie nicht so viele weitschweifige Rückblenden einbauen sollen, an denen wohl eher Leser gefallen finden, die mehr über das Leben in einfachsten Naturverhältnissen erfahren möchten. Denn Helenas Jagd auf ihren Vater, wird äußerst kurz und knapp geschildert. Allerdings sind diese Romanpassagen sehr spannend geschrieben, konnten mich jedoch nicht über die vielen Schwächen des Romans hinwegtrösten.

Dass Helenas Mutter, die so viel Leid erfahren musste, nur eine Randfigur in diesem Roman bleibt, man weder ihre Gedanken, ihre Gefühlswelt und ihre Sorgen vermittelt bekommt, ist eine weitere Schwäche dieses Romans.

Ein guter Roman steht und fällt mit seinen Protagonisten. Damit ein Leser am Ball bleibt, sollte zumindest einer der Akteure sympathisch und vielschichtig gestrickt sein und vor allem, was noch wichtiger ist, Herz besitzen. Leider nimmt man Helena alles ab, aber nicht das, leider! Ihre Wandlung wirkt unglaubwürdig, das kann auch das Märchen über die Tochter des Schlammkönigs, nach Hans Christian Andersen, das nebenher erzählt wird, nicht mehr ändern. Die Autorin kann sicherlich schreiben, doch sollte sie vielleicht in eine andere Genrerichtung tendieren, meiner Meinung nach.

Veröffentlicht am 01.09.2017

Spannende Story, mäßiger Thrill- aber auf jeden Fall, trotz kleiner Kritikpunkte ein gelungenes Debüt.

In der Tiefe
0

Carmen ist seit drei Jahren mit Tom zusammen; mehr als das, vor einiger Zeit haben sie geheiratet und eigentlich ist Carmen glücklich mit ihrem Mann. Eigentlich, doch sind in der Vergangenheit Dinge geschehen, ...

Carmen ist seit drei Jahren mit Tom zusammen; mehr als das, vor einiger Zeit haben sie geheiratet und eigentlich ist Carmen glücklich mit ihrem Mann. Eigentlich, doch sind in der Vergangenheit Dinge geschehen, die Carmen, Tom, in einem anderen Licht sehen lassen. Denn Tom hat auch eine andere, harte Seite. Damals etwa, als er aus Eifersucht einen betrunkenen Mann in Carmens Beisein, zusammenschlug und ihn einfach blutüberströmt liegen ließ. Oder auch Toms Geheimniskrämerei, was seine vorigen Beziehungen angeht, die Carmen suspekt ist. Dabei waren es nur zwei Frauen, mit denen Tom zusammen war. Seine Exfrau Laura, mit der er drei Kinder hat und die attraktive Zena, die beim Schwimmen im Meer ertrank. War es wirklich damals ein Unfall, dem Zena zum Opfer fiel, oder aber ist an den Gerüchten, dass Tom Zena getötet haben soll, etwas dran? Carmen ist wie elektrisiert, als sie von den Dorfgerüchten erfährt und beginnt damit, heimlich Nachforschungen zu betreiben. Denn sie will keinesfalls mit einem Mörder zusammenleben, der sich ihrer womöglich eines Tages auch entledigt…

Ich habe die Inhaltsangabe extra etwas kürzer gehalten, um nicht zuviel zu verraten und den interessierten Lesern womöglich die Spannung zu nehmen. Zugegeben, der Spannungsbogen entfaltet sich gemächlich. Man erfährt zunächst mehr über Carmens und Toms Eheleben, das eigentlich perfekt ist, allerdings hat Tom viele Geheimnisse und wirkt recht undurchsichtig. Nicht nur auf seine Ehefrau, sondern auch auf den Leser. Carmen ist eine arbeitslose Journalistin und ihr fehlt die richtige Portion Selbstbewusstsein, so dass sie sich schnell von anderen in ihrer Meinung beeinflussen lässt. Als Carmen von den Gerüchten um Zena und Tom erfährt, fürchtet sie schnell, dass sie ihren Mann nicht wirklich kennt und beginnt damit, hinter ihm „herzuschnüffeln,“ was man einerseits, aus Carmens Warte, zwar verstehen kann, was einen andererseits auch etwas befremdet, weil Carmen lieber den indirekten Weg geht, als Tom zuvor „in die Zange“, zu nehmen. Schließlich sind sie verheiratet und Carmen muss ja eigentlich nicht befürchten, dass Tom ihr gegenüber gewalttätig wird.

Die Dialoge zwischen Tom und Carmen schwenkten zwischen typischem, täglichem Small Talk eines Paares und nichtigen Streitereien hin und her, doch wirkten sie auf mich immer ein wenig gezwungen, etwas unnatürlich. Ebenfalls hatte ich ein Problem mit dem Schreibstil der Autorin. Sie kann durchaus schreiben, doch ihre Sätze, Dialoge, wirken zum Teil recht knapp formuliert, statisch und beinahe so, als würde man ein Drehbuch lesen. Dazu konnte ich Carmens geistige Übersprungshandlungen nicht so ganz nachvollziehen. Angeblich liebt sie Tom, macht er aber einmal etwas, das ihr nicht passt; selbst wenn es Kleinigkeiten sind, bedenkt sie ihn im Geiste gleich mit Schimpfworten oder möchte ihn am liebsten „umbringen“. Natürlich nicht im wörtlichen Sinne. In diesen Momenten merkt man halt, dass „In der Tiefe“ ein Debütroman ist. Dennoch, die Story konnte mich im Laufe der Zeit immer mehr gefangen nehmen. Und auch wenn der Thrill eher Nebensache bleibt, spannend fand ich Carmens und Toms Story dann doch. Ich schwanke bei meiner Bewertung zwischen 3.5 und 4 von 5 Punkten, vergebe aber doch die bessere Note, weil mich der Ausgang des Romans so überraschen konnte.