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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.02.2021

Guter Ansatz aber ausbaufähig

Sechs Leben
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Die Thematik des Buchs hat mich sofort angesprochen: Stell dir vor, du lebst in einer Welt, in der man ein Leben haben könnte. Ein Leben wie wir es hier aktuell alle haben. Es gibt aber auch Personen, ...

Die Thematik des Buchs hat mich sofort angesprochen: Stell dir vor, du lebst in einer Welt, in der man ein Leben haben könnte. Ein Leben wie wir es hier aktuell alle haben. Es gibt aber auch Personen, die das Privileg haben bis zu sieben Leben leben zu dürfen. 😱
91 Prozent der Menschen sind Monoleben und müssen wie du und ich damit zurechtkommen. Die restlichen neun Prozent der dortigen Bevölkerung sind Multileben. Das Ergebnis, wie viele Leben dir zur Verfügung stehen, bekommst du mit 15 Jahren durch einen genetischen Test mitgeteilt. 🤩

Die Hauptfigur, der 15-jährige Gabriel, hat kurz vor Beginn des Buchs sein Testergebnis bekommen: Er hat SECHS LEBEN, die titelgebend sind. Sechs Leben haben gerade mal ein Prozent der Menschen! Er ist ein verdammter Glückspilz! Leider geht er mit seinem Glück und seinen Leben nicht sehr vorsichtig um. Wieso auch? 🤷‍♀️ Es bleiben ja fünf Leben übrig, falls ihm etwas passiert und er sterben würde. 15-Jährige sind nicht gerade sehr weitdenkend... Du kennst das sicher, wir waren ja alle mal 15. 😅🙈

Dieser Luxus mehr Leben zu haben als Andere, bringt auch Probleme mit sich. Was fängt man mit seinen Leben an? Erlernt man einen gefährlichen Beruf, den sich Monos nicht zutrauen? Rettet man Leben? Muss man etwas bedeutsames schaffen, wenn man siebenmal so viel Zeit hat? Geht man eine Beziehung als Multi lieber nur mit anderen Multis ein oder kann man sich auch in einen Mono verlieben? Ist man ein Held, wenn man eines seiner vielen Leben für jemand anderen opfert oder ist das selbstverständlich?
Das Buch wirft viele solcher Fragen auf, die mich nachdenklich gestimmt haben und definitiv Diskussionsstoff bieten. 🔥

Bezüglich des Schreibstils bedient sich das Buch, einem Jugendbuch angemessen, einer einfachen Sprache und kurzen Kapiteln, die sich flüssig lesen lassen. Den Beginn macht das Kapitel mit dem Namen „Sechs“. Jedes Leben ein neues Kapitel. Wie viele Leben Gabriel bleiben? Das müsst ihr selbst herausfinden! 👀

„Sechs Leben“ hat mich gut unterhalten und sich schnell gelesen. Es regt zum Nachdenken an und ist sicher für Schulklassen eine tolle Lektüre, da es viele Szenen gibt, die sich diskutieren lassen.
Für Vielleser und Fans ausgereifter Dystopien ist es jedoch nicht empfehlenswert. Die Welt und die Charaktere bleiben leider viel zu blass. Der Fokus liegt eindeutig auf den moralischen Aspekten.
Von mir gibt es also nur eine eingeschränkte Empfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.01.2021

Das erste Jahreshighlight!

Wenn Schweigen tötet
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„Wenn Schweigen tötet“ war mein erstes Buch von John Marrs und ich wurde nicht enttäuscht. Das Cover hat mir direkt sehr gut gefallen, da es so toll zum Klappentext passt:
„Nina kann Maggie niemals verzeihen, ...

„Wenn Schweigen tötet“ war mein erstes Buch von John Marrs und ich wurde nicht enttäuscht. Das Cover hat mir direkt sehr gut gefallen, da es so toll zum Klappentext passt:
„Nina kann Maggie niemals verzeihen, was sie getan hat. Und sie kann sie niemals gehen lassen. Jeden zweiten Abend essen Maggie und Nina zusammen. Wenn sie fertig sind, bringt Nina Maggie zurück in ihr Zimmer im Dachgeschoss und legt sie in Ketten. Denn Maggie hat Dinge getan, die unverzeihlich sind, und jetzt bezahlt sie den Preis dafür. Aber in der Vergangenheit gibt es vieles, was Nina nicht weiß, und Maggie wird dafür sorgen, dass es so bleibt – auch wenn es sie tötet. Denn in diesem Haus ist die Wahrheit gefährlicher als jede Lüge.“
Die Plotidee gefiel mir auf Anhieb ausgesprochen gut und ich wurde direkt nach wenigen Seiten das erste Mal vom Autor überrascht, da ich die Beziehung und das Alter der beiden Frauen ganz anders eingeschätzt hatte. Ich verrate euch an dieser Stelle aber nichts, um auch euch die Überraschung zu lassen. Es sei nur so viel gesagt, dass dies bei Weitem nicht die einzige Überraschung war, die mir der Autor vor den Latz geknallt hat.
Das Buch wird aus der Ich-Perspektive von Nina und Maggie erzählt, was mir sehr gut gefiel. Man konnte sich in beide Figuren hervorragend hineinfühlen, obwohl beide Frauen – nennen wir es „psychisch ganz schön aus der Reihe tanzen“. Der Autor mutet seinen Charakteren und den Lesern emotional eine echte Achterbahnfahrt zu. Nichts ist, wie es scheint. Ständig änderte sich meine Einstellung zu den beiden Hauptfiguren. John Marrs stellte mich beim Lesen vor einige moralische und ethische Fragen. Auch der Begriff „Schuld“ spielt im Buch eine zentrale Rolle. Wer hat sie auf sich geladen, in welchem Ausmaß und warum? Wie würde man selber handeln, wenn man in Ninas oder Maggies Haut stecken würde? Ein spannendes Thema!
Die Handlungsstränge des Buchs spielen in verschiedenen Zeitebenen. Es gibt eine Handlungsebene vor 25 Jahren, eine vor zwei Jahren und es gibt die Gegenwart. Geschickt hat Marrs diese Zeitebenen und die wechselnde Erzählperspektive eingebaut (Wichtig: Ohne, dass es anstrengend wurde, sich als Leser zu orientieren.). Nach und nach werden Geheimnisse gelüftet, Puzzleteile ergänzt oder eben auch komplett gewendet und zack siehste auf einmal, es ist gar kein Puzzle, sondern ein Memory-Spiel und du hast die ganze Zeit ein falsches Spiel gespielt und wunderst dich, warum du nicht gewinnst.
Neben den schon erwähnten Punkten hat mich besonders die Atmosphäre im Buch angesprochen. Auch wenn (für kurze Zeit) mal kein Puzzleteil enttarnt wurde, hat es mich unheimlich gefesselt von Ninas und Maggies Alltag oder Vergangenheit zu lesen. Die kurzen Kapitel haben ihr übriges getan, dass ich einfach weiterlesen MUSSTE! Und wenn ich das nicht konnte, weil ich arbeiten war oder kochte, ertappte ich mich immer wieder dabei, wie ich an die zwei Frauen und ihre schwierige Beziehung dachte.
Und nun zu einem sehr wichtigen Punkt bei Psychothrillern: Das Ende. Dazu kann ich auch nichts verraten ohne massiv zu spoilern, aber es war in meinen Augen absolut stimmig und genauso gut wie das restliche Buch!
Es ist noch sehr früh im Jahr, aber ich wage mich aus dem Fenster zu lehnen und sage euch: Das hier ist definitiv ein Lesehighlight 2021!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.01.2021

Toller Fantasy-Titel abseits des Mainstream

Die Erwählten - Tödliche Bestimmung
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Zunächst einmal muss ich gestehen, dass ich diesen 576-Seiten-Wälzer eine ganze Weile vor mir hergeschoben habe, da die ersten Rezensionen, die ich dazu gelesen habe, nicht gerade positiv ausfielen. Im ...

Zunächst einmal muss ich gestehen, dass ich diesen 576-Seiten-Wälzer eine ganze Weile vor mir hergeschoben habe, da die ersten Rezensionen, die ich dazu gelesen habe, nicht gerade positiv ausfielen. Im Nachhinein frage ich mich, warum ich so doof war, mich davon abhalten zu lassen, fand ich doch die Idee hinter dem Buch fand ich von Anfang an großartig.

Ihr habt euch vielleicht auch schon einmal gefragt, wie es den Figuren ergeht nachdem sie das Böse besiegt haben? „Die Erwählten – Tödliche Bestimmung“ greift genau diese Frage auf. Die Handlung setzt zehn Jahre nachdem die fünf Erwählten die Welt vor dem „Dunklen“ - und somit wohl auch vor dem Untergang - gerettet haben ein. Alle fünf haben mit Problemen zu kämpfen: Depressionen, PTBS, Drogensucht, hier wird vieles thematisiert und nichts davon wirkt unglaubwürdig. Und all diese Probleme wären schon genug, aber dann werden die Freunde durch Magie in ein Paralleluniversum gezogen, das ihrer Welt nicht unähnlich ist. Das einzige Problem: Hier lebt „der Dunkle“ noch und sie müssen erneut gegen ihn antreten.

Die fünf Erwählten, Sloane, Matt, Ester, Albie und Ines, gehen, wie schon erwähnt, sehr unterschiedlich mit ihren Erlebnissen um. Jeder von ihnen ist auf eine gewisse Weise durch die Vergangenheit und den Kampf gegen „den Dunklen“ geprägt und obwohl das Buch überwiegend Sloanes Sicht betrachtet, lernt man auch die anderen Figuren gut genug kennen. Die Autorin hat bei der Charakterzeichnung das Hauptaugenmerk jedoch nur auf drei der fünf Figuren gelegt, was ich aufgrund der Handlung absolut nachvollziehbar fand. Der Schreibstil von Veronica Roth war die meiste Zeit sehr nüchtern, klar und emotionslos. Das störte mich jedoch nicht. Ich fand es eher passend, da es Sloane gut widerspiegelte.

Das Buch ist in drei Teile untergliedert: Jeder Teil gefiel mir auf seine Art sehr gut. Im ersten Teil erfuhr man u.a. über Zeitungsartikel, geheime Akten und Zeugenaussagen einiges über die Vergangenheit der fünf Erwählten. Hier hätte ich mir sogar noch mehr Rückblenden gewünscht, um die Handlung besser zu verstehen. Im zweiten Teil landet man in der bereits angesprochenen Parallelwelt voller Magie. Zur Auflockerung gab es auch hier z.B. Ausschnitte aus Büchern oder Briefe zu entdecken, um diese Welt und ihre Politik besser zu verstehen. Als bekennender Harry Potter-Fan der ersten Stunde war ich direkt ganz gebannt. Ich LIEBE es einfach Welten zu entdecken, die voller Magie stecken! Die Autorin hat hier ein wunderbares Setting erschaffen. Action- und handlungsreicher wurde es dann erst im dritten Teil des Buchs, was mich aber überhaupt nicht störte. Ich fand den langsamen Spannungsaufbau hin zum finalen Showdown sehr passend.

Ich muss jedoch zugeben, dass ich auf den letzten 50 Seiten sehr stark aufpassen musste, damit ich der Handlung und auch der magischen Logik des Buchs folgen konnte. Die geschaffene Geschichte wurde immer komplexer und durch das langsamere Erzähltempo, das man aus Teil eins und zwei gewohnt war, fiel mir der Übergang etwas schwer. Es gab jedoch viele spannende Szenen und überraschende Wendungen, die mir richtig gut gefielen.

„Die Erwählten – Tödliche Bestimmung“ scheint für mich thematisch abgeschlossen, es soll jedoch ein zweiter Band erscheinen. Genug Potenzial sehe ich dafür trotz der abgeschlossenen Handlung aus Band 1 auf jeden Fall. Die Gründe hierzu kann ich ohne Spoiler aber nicht verraten.

Abschließend bleibt zu sagen, dass mir dieses Buch mit minimalen Abstrichen richtig gut gefiel und ich die vielen negativen Meinungen nicht ganz nachvollziehen kann. Vielleicht liegt es daran, dass die meisten Leser/innen des Genres sich um eine gute Liebesstory betrogen sehen? Ich für meinen Teil fand es super, dass es kein Romantasy-Roman war. Aber trotz all den Sachen, die mir wirklich gut gefielen, hat „das gewisse Extra“ gefehlt, das ich nicht benennen kann, das aber dafür sorgt, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand möchte. Wenn ich nämlich nicht gerade eine Seite nach der anderen „durchgesuchtet“ habe (wie mein Freund es genannt hat), hatte ich nicht immer den Drang weiterzulesen. Ich konnte das Buch auch unterbrechen. Sobald ich dann aber abends im Bett wieder angefangen habe zu lesen, war ich absolut begeistert und habe einige Tage ein echtes Schlafdefizit gehabt. Ich empfehle euch das Buch auf jeden Fall gern weiter, wenn ihr Lust auf eine etwas andere Fantasy-Geschichte habt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.01.2021

Empfehlenswert für alle Fans

Feuer kann einen Drachen nicht töten
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Ein Buch zur Serie „Game of Thrones“, natürlich konnte ich da nicht widerstehen. Allein die Aufmachung ist ein absoluter Hingucker. Den Schutzumschlag dieses hübschen Covers kann man auffalten und hat ...

Ein Buch zur Serie „Game of Thrones“, natürlich konnte ich da nicht widerstehen. Allein die Aufmachung ist ein absoluter Hingucker. Den Schutzumschlag dieses hübschen Covers kann man auffalten und hat dann ein Poster zur Serie. Eine sehr schöne Idee. Schade ist allerdings, dass das Buch darunter lediglich ein rotes Hardcover ohne jedes Extra ist. Sofern man das Poster also aufhängt, sieht das Buch im Regal ziemlich „gewöhnlich“ aus. Als weiteres Extra finden sich im Buch ein paar Hochglanzseiten mit Bildern vom Set, die mir sehr gut gefielen.
Auf 447 Seiten erwarten den Leser in 32 Kapiteln allerlei Hintergrundinformationen zur Serie. Der Autor geht dabei chronologisch vor. Zunächst wird über den Werdegang George R.R. Martins berichtet und wie er zu seiner Idee der sieben Königslande gefunden hat. Danach wir darüber berichtet, wie Game of Thrones den Weg ins Fernsehen gefunden hat und diese Berichte werden dann Staffel um Staffel erweitert. Derr Autor geht auf besondere Widrigkeiten ein, wie zum Beispiel unpassendes Wetter, Budgetknappheit, schauspielerische Herausforderungen, die z.B. durch Kostüm oder Maske entstanden sind. Ich fand die Darstellungsform sehr gelungen und fühlte mich gut unterhalten. Beim Lesen kam keine Langeweile auf, im Gegenteil. Ich bekam wieder richtig Lust die Serie ein x-tes Mal anzusehen. Denn selbst wenn man die Folgen alle schon mehrfach gesehen hat, eröffnet dieses Buch einen ganz anderen Blickwinkel auf die Verfilmung. Hier kommen so viele verschiedene Personen zu Wort (z.B. die Schauspieler, die Showrunner, George R.R. Martin und die HBO-Chefetage), dass es einen vielseitigen Einblick gewährt und man sich fast so vorkommt, als wäre man bei den Dreharbeiten dabei gewesen. Leider fand ich es etwas unglücklich, dass man bei der Fülle an Namen nicht konsequent den jeweiligen Namen UND die Funktion, bzw. den Seriencharakter genannt hat. Das erschwerte manchmal die Zuordnung.
Ganz besonders hervorheben möchte ich, dass in diesem Buch viele Entscheidungen und Entwicklungen der Serie gut erklärt sind. Man kann nachvollziehen, warum manche Szene anders ausfiel, als man erwartet oder vielleicht auch erhofft hatte. Ganz besonders das Serienfinale stand bekanntlich in der Kritik der Fans. Auch ich war nicht mit allem glücklich. Das Buch wirft aber auch darauf eine andere Sichtweise und ist ein würdiger „mentaler“ Abschluss für ein Fangirl wie mich.
Für die Fans, die „nur“ die Buchreihe „Das Lied von Eis und Feuer“ gelesen haben, wird das Buch vermutlich weniger interessant sein. Das Buch konzentriert sich wirklich fast ausschließlich auf die Serie.
Ich habe bisher nur die Serie gesehen und habe mir aber fest vorgenommen, falls George R.R. Martin die Bücher jemals fertigstellen wird, auch diese noch zu lesen. Mal sehen, ob es dazu kommt. 😉
Allen Serienfans, die nicht genug von Game of Thrones bekommen können, empfehle ich dieses Buch gern als zusätzliche Lektüre. Man erfährt so vielen Details, die vorher noch nicht veröffentlicht wurden und taucht vollkommen neu in Westeros und Essos ein. Ein würdiger Abschluss für diese grandiose Serie!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.01.2021

Enttäuscht

55 – Jedes Opfer zählt
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Du arbeitest als Polizist in einer Kleinstadt am Ende der Welt, nahe des australischen Outbacks. Es ist ein Tag wie jeder andere bis ein Mann namens Gabriel auf dem Revier auftaucht, der blutüberströmt ...

Du arbeitest als Polizist in einer Kleinstadt am Ende der Welt, nahe des australischen Outbacks. Es ist ein Tag wie jeder andere bis ein Mann namens Gabriel auf dem Revier auftaucht, der blutüberströmt und verängstigt davon berichtet, dass er gerade einem Serienkiller entkommen sei, der sich Heath nennt. Du hast diese Information noch gar nicht richtig verarbeitet, da taucht ein weiterer Mann auf dem Revier auf. Er heißt Heath und erzählt dir genau diese Geschichte erneut. Der Serienkiller, dem er entkommen ist, heißt laut ihm allerdings Gabriel. 😱

Verzeiht mir den Ausdruck, aber: Was für ein krasser Scheiß, oder? 😆😱

Diese Plotidee hatte mich in einer Nanosekunde überzeugt: Das Buch muss ich lesen! Sicher wird es ein spannender, tempo- und wendungsreicher Thriller, bei dem man miträtseln kann. Ähm… näää. Schon mal vorweg: Ich habe nicht das bekommen, was ich erhofft hatte. Aber der Reihe nach.

Nicht du bist natürlich der Kleinstadtsheriff, dem dieser abstruse Tag widerfährt. Die Hauptfigur in der Geschichte ist Police Sergeant Chandler. Chandler ist ein ruhiger, sympathischer Charakter, der mir für einen Polizisten fast schon zu "nett und weich" vorkam. Er ist eine wahre Seele von Mensch. Außer es geht um seinen alten Freund Mitch. Da kann er dann auch richtig schlechte Laune bekommen. Leider ist Mitch der zuständige Inspector und damit Chandlers direkter Vorgesetzter, den er wohl oder übel zu einem solchen Fall hinzuziehen muss. 💩🙈

Und da sind wir schon bei einem der Probleme, die ich mit dem Buch hatte. Stellenweise entwickelt sich die Story zu einem wahren "Beziehungsdrama" zwischen Chandler und Mitch. Man weiß nicht, was in der Vergangenheit zwischen den beiden Männern vorgefallen ist, aber es wird oft genug betont, wie wenig grün sich die beiden sind. Ich habe es allerdings direkt verstanden, man hätte es nicht auf jeder Seite widerholen müssen. 😉
Allein dadurch, dass sich die beiden Männer so extrem in ihrem Wesen und ihren Handlungen unterscheiden, ergeben sich Differenzen. Mitch ist extrem ehrgeizig und machtbesessen. Durch seine überhebliche Art war er mir auch schnell unsympathisch. Der Autor spielt hier also ein richtig klischeehaftes „Good Cop – Bad Cop“-Spiel mit dem Leser (und den beiden Verdächtigen). Und was soll ich sagen? Ich mag keine Klischees. 🙊🤷‍♀️

Die Nebenfiguren hatten nahezu keinen Raum neben den beiden Verdächtigen und den zwei Polizisten. Notgedrungen gab es sie aber, da eine Polizeistation selten nur mit einem Sergeant besetzt ist. Sie sind aber weder durch ihre Handlungen noch durch ihre Wesenszüge besonders aufgefallen.

Die Handlung kehrt immer wieder durch Rückblenden ins Jahr 2002 in die gemeinsame Vergangenheit der beiden Polizisten zurück. Mir war sehr lange überhaupt nicht klar, wie dieser Rückblick in die Geschichte passt. Das hat leider immer wieder meinen Lesefluss gestört. 😐

Das Gute: Während des gesamten Lesens hatte ich keinen blassen Schimmer, ob ich nun Heath oder Gabriel verdächtigen sollte. Beide haben sich fast gleichermaßen verdächtig verhalten. Zwischendurch hatte ich auch eine komplett andere Theorie, die sich jedoch (zum Glück) nicht bewahrheitet hat.

James Delargys Schreibstil hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Auf der einen Seite gefielen mir seine sehr bildhaften Beschreibungen wirklich gut. Ich habe mir alles sehr gut vorstellen können: Das Outback, die Hitze, das Revier, die Stadt. (Lediglich Chandler ist für mich nicht optisch greifbar gewesen.) Auf der anderen Seite fehlte mir die Spannung und das Tempo. Es gibt Autoren, die diesen Aspekt beim Schreiben wesentlich stärker vorantreiben als Delargy es hier getan hat.

Auf den letzten 100 Seiten hat der Autor jedoch endlich das Tempo angezogen und ich habe sie in einem Rutsch bis nachts halb zwei durchgelesen. Vom Ende war ich dann aber leider enttäuscht. Die Auflösung als solches gefiel mir, auch wenn es etwas viel gewollt war. Der Fall ist abgeschlossen. Aber ans Ende einen solchen Cliffhanger zu setzen? Puh! Einige Leser/innen denken, es gäbe einen zweiten Teil. Ich jedoch bin mir ehrlich gesagt nicht sicher und befürchte eher, dass das Ende vom Autor so gewollt ist und das ist absolut nicht mein Fall. Cliffhanger und lose Enden schön und gut… aber nicht in diesem Ausmaß. 😮

Abschließend kann ich – so leid es mir auch tut – keine Leseempfehlung aussprechen. Für mich hatte das Buch unheimlich viel ungenutztes Potenzial, was leider auch ein bildhafter Schreibstil und eine tolle Grundidee nicht wettmacht. Das Tempo und die Spannung fehlten mir. Das Ende empfinde ich als unbefriedigend. Also sorry an alle, die ich angefixt habe, für mich leider kein Must Read. Sollte ein zweiter Teil wirklich kommen, werde ich ihn nun natürlich lesen „müssen“ – aber nur wegen des fiesen Cliffhangers am Ende.

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