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Veröffentlicht am 07.04.2018

Ganz nettes Jugendbuch mit einer anderen Heldin

DUMPLIN'
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Willowdean (16) ist ein Teenager aus Texas mit Übergewicht. Ihre Mutter (die Willowdean nur „Dumplin“ = Knödel nennt) hat vor vielen Jahren den Schönheitswettbewerb in dem kleinen Ort, in dem sie immer ...

Willowdean (16) ist ein Teenager aus Texas mit Übergewicht. Ihre Mutter (die Willowdean nur „Dumplin“ = Knödel nennt) hat vor vielen Jahren den Schönheitswettbewerb in dem kleinen Ort, in dem sie immer noch wohnen, gewonnen und richtet ihn auch immer noch aus. Ihre Tante Lucy, die ebenso eine Dolly-Parton-Verehrerin war wie Willowdean, ist im Alter von 36 Jahren und mit einem Gewicht von 250 kg an Herzinfarkt gestorben.
Da entschließt Willowdean sich zu einer Anmeldung am alljährlichen Schönheitswettbewerb, ebenso wie einige Freundinnen, die sich ihr anschließen.

Meine Meinung:
Die Erzählung kommt mit einem sehr trockenen, witzigen Humor daher, der sich vor allem zu Beginn in der direkten Sprache Willowdeans, die sich ihres Übergewichts sehr bewusst ist, widerspiegelt. Aufgrund dieser humorvollen, aber auch insgesamt flüssigen Erzählweise, die dieses Jugendbuch auszeichnet, kommt man schnell in das Setting hinein und erlebt die Handlung wie einen amerikanischen Highschool-Film. In der Tat sind viele der Themen, auch die erste Liebe Willowdeans, klassische Teenager-Themen, ebenso wie die Hauptperson als Teenager von widersprüchlichen Gefühlen und Verhaltensweisen geprägt ist.
Vieles in der Handlung dreht sich – natürlich – um den Schönheitswettbewerb und das Übergewicht des Mädchens, aber das war nach dem Cover, dem Klappentext und der Beschreibung auch vollkommen klar.
Gut gefallen hat mir, dass Willowdean im Laufe der Handlung eine Entwicklung durchmacht und insbesondere in ihren Beziehungen zu anderen Mitmenschen viel reifer und weniger ich-bezogen wirkt.
Das Ende war ebenfalls versöhnlich und nicht überzogen, so dass der Roman, auch wenn er ggf. zwischendurch ein paar wenige eintönige Abschnitte hatte, insgesamt sehr gelungen war.

Fazit:
„Dumplin‘“ ist ein nettes Jugendbuch, das wie ein Highschool-Film auf eine unaufdringliche Art und Weise unterhält.

Veröffentlicht am 04.04.2018

Trauriges Thema - ungewöhnlich und unterhaltsam aufgegriffen und erzählt

Für immer ist die längste Zeit
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Maddy ist tot. Sie hinterlässt ihren Mann Brady und ihre 16jährige Tochter Eve. Wir erleben den Fortgang der Geschichte aus drei Perspektiven: aus Maddys, Eves und Bradys.
Nach ihrem Tod hat sich Maddy ...

Maddy ist tot. Sie hinterlässt ihren Mann Brady und ihre 16jährige Tochter Eve. Wir erleben den Fortgang der Geschichte aus drei Perspektiven: aus Maddys, Eves und Bradys.
Nach ihrem Tod hat sich Maddy zum Ziel gesetzt, eine neue Frau für ihren Mann Brady zu finden, damit er und ihre Tochter Eve nicht so allein sind. Zu Lebzeiten hat sie sich nämlich immer um alles gekümmert, während Brady und Eve eher genommen als gegeben haben.
Die Situation für die Hinterbliebenen Eve und Brady ist nicht einfach; sie hadern sehr mit dem Tod von Maddy, beschäftigen sich aber auch rückblickend mit ihrem eigenen Verhalten und ihrer Beziehung untereinander.


Meine Meinung:
In diesem Roman wird ein sehr trauriges Thema auf ungewöhnliche Art und Weise aufgegriffen. Besonders eindringlich ist die Erzählweise: Jedes einzelne Kapitel enthält drei verschiedene Abschnitte, die zunächst aus Maddys, dann aus Eves und schließlich aus Bradys Perspektive erzählt werden. Durch diesen besonderen Kniff (vor allem, dass der Anfang direkt aus Sicht der toten Maddy erzählt wird!) kommt der besondere Humor der Erzählung sofort rüber.
Daher bin ich am Anfang sehr gut in die Erzählung gekommen, was sich allerdings zur Mitte des Buches hin etwas relativiert hat, weil es dann auch langweiligere Abschnitte und am Schluss noch einen meiner Meinung nach überflüssigen Handlungsstrang gab.

Die Figuren lernt man durch die unterschiedlichen Erzählperspektiven recht gut kennen, da man immer wieder neue Details aus einem anderen Blickwinkel erfährt. Insgesamt hat mir auch gut gefallen, dass Eve und Brady nach Maddys Tod stark über ihre eigene Rolle und ihr Verhalten reflektieren und sich deutlich weiterentwickeln. Nichtsdestotrotz bleiben manche Aspekte bei den Protagonisten im Vergleich zu anderen ähnlichen Romanen eher blass.

Nicht zuletzt merkt man an einigen Stellen deutlich, dass es sich um einen amerikanischen Roman handelt. Dass man Besonderheiten rund um Highschool, College etc. beim Lesen mitbekommt, gefällt mir gut, an einigen wenigen Stellen ist jedoch die deutsche Übersetzung nicht ganz glücklich, da sie zu nah am Amerikanischen bleibt und z.B. feststehende deutsche Ausdrücke nicht ganz korrekt trifft.

Grundsätzlich habe ich mich bei der Lektüre wohl gefühlt und ich musste immer weiter lesen über die verschiedenen Abschnitte und Erzählperspektiven hinweg, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Somit hat der Roman für mich genau das richtige Maß an Spannung vermittelt.


Fazit:
Ich habe den Roman "Für immer ist die längste Zeit" grundsätzlich gern gelesen und fand vor allem die ungewöhnliche Erzählperspektive bereichernd und berührend.

Veröffentlicht am 31.03.2018

Romantische Lektüre – ein Schmöker mit Italien-Flair

Brausepulverherz
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Jiara studiert in Hamburg, wo sie mit ihrem Freund Jonas lebt, verbringt aber in jedem Jahr ihre Semesterferien in einem kleinen Ort in Italien bei Dario, in dessen Trattoria sie jobbt. In diesem Sommer ...

Jiara studiert in Hamburg, wo sie mit ihrem Freund Jonas lebt, verbringt aber in jedem Jahr ihre Semesterferien in einem kleinen Ort in Italien bei Dario, in dessen Trattoria sie jobbt. In diesem Sommer trifft sie Darios Freund Milo, einen unabhängigen Musiker, der sich nicht an Regeln hält und ein ziemlicher Frauenheld ist. Milo hat sich vor Jahren von seiner Familie losgesagt, weil ein langweiliger Bürojob ihm keinen Spaß macht, und möchte sich auch in der Liebe auf keinen Fall binden.

Meine Meinung:
In „Brausepulverherz“ erzählt Leonie Lastella eine unterhaltsame und mitreißende Liebesgeschichte auf spritzige Art und Weise abwechselnd aus der Sicht von Jiara und Milo. Die Seiten atmen das Flair von Italien, man spürt die Hitze, die im Sommer in dem kleinen Ort Finale an der italienischen Riviera herrscht, riecht Basilikum, Tomaten und den Pizzaofen in der kleinen Trattoria und kann sich gut in die Sommerferien-Atmosphäre hineinversetzen.
Die Geschichte ist zwar eher ein wenig oberflächlich und vorhersehbar, aber dies habe ich bei diesem Genre nicht anders erwartet. Insgesamt ist sie nett erzählt, romantisch und hat mich berührt.
Die Charaktere sind zwar nicht extrem vielschichtig gezeichnet, aber Jiara und Milo machen im Laufe der Geschichte durchaus eine Entwicklung durch und stellen fest, was für sie im Leben wirklich wichtig ist.

Fazit:
Der Roman ist locker-leichte Unterhaltungslektüre mit einer romantischen und berührenden Liebesgeschichte.

Veröffentlicht am 27.03.2018

Perfekte Kombi aus Nordseeinsel und Buchhandlung - erzeugt Urlaubsgefühle

Die kleine Inselbuchhandlung
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Greta ist Anfang 40 und jettet als Flugbegleiterin bei der Lufthansa um die Welt. Als sie jedoch auf einem Flug nach Shanghai einen Zusammenbruch hat, fährt sie für ein paar Tage zu ihrer Tante auf eine ...

Greta ist Anfang 40 und jettet als Flugbegleiterin bei der Lufthansa um die Welt. Als sie jedoch auf einem Flug nach Shanghai einen Zusammenbruch hat, fährt sie für ein paar Tage zu ihrer Tante auf eine Nordseeinsel. um sich zu erholen.
Dort ergibt es sich, dass sie einen Bücherflohmarkt aufbaut, um ihrer Tante zu helfen. Dies macht ihr so viel Spaß, dass mehr daraus werden kann...
Auf der anderen Seite scheint es jemandem nicht zu gefallen, dass Greta auf der Insel ist, und es passieren seltsame Dinge. Auch in der Liebe ist Greta hin- und hergerissen, als der attraktive Pilot Florian sie auf der Insel besucht.


Meine Meinung:
Durch den flüssigen Schreibstil bin ich sofort gut in die Geschichte hineingekommen und habe die Lektüre sehr genossen.
Die Atmosphäre auf der Nordseeinsel wurde so gut beschrieben, dass ich fast die salzige Luft schmecken und Wind und Sonne auf der Haut spüren konnte.
Auch der Bücherflohmarkt bzw. dessen weitere Entwicklung werden so nett beschrieben, dass ich ihn mir sehr gut vorstellen konnte und mich bei dem "Besuch" und beim Lesen grundsätzlich sehr wohlgefühlt habe.

Die Personen waren mir gleich sympathisch. Zum Teil werden auch sehr nette und witzige Details rund um die Insulaner beschrieben (z.B. die Vorliebe der Pastorin für erotische Literatur oder ein Faible der Tante für abgefahrene T-Shirts mit Comicfiguren), was mich das eine oder andere Mal zum Schmunzeln gebracht hat.

Der Roman hatte für mich genau die richtige Spannung als Unterhaltungslektüre, auch wenn vielleicht manche Wendung auch vorhersehbar war.

Leider war das Buch viel zu schnell ausgelesen, aber es hat mir - wenn es auch nicht unbedingt den ganz großen Tiefgang hat - sehr schöne Stunden beschert.


Fazit:
Diese zauberhafte Buch mit der Verbindung der beiden sehr ansprechenden Themen Nordseeinsel und Buchhandlung hat mir ein Wohlfühl-Leseerlebnis geschenkt und mich von innen gewärmt. Es wäre auch als Urlaubslektüre (nicht nur an der Nordsee) ideal!

Veröffentlicht am 23.03.2018

Russland in den 1990er Jahren - Begegnung mit einer fremden, spannenden Welt

Blasse Helden
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Der Deutsche Anton geht in den 1990er Jahren nach Moskau, um als Rohstoffhändler zu arbeiten und um das reiche kulturelle Leben und die vielen Freiheiten dort zu genießen.
Er will sich nicht fest binden ...

Der Deutsche Anton geht in den 1990er Jahren nach Moskau, um als Rohstoffhändler zu arbeiten und um das reiche kulturelle Leben und die vielen Freiheiten dort zu genießen.
Er will sich nicht fest binden und genießt die Unverbindlichkeit und die Freizügigkeit in Jelzins Russland.
Neben vielen kulturellen Ereignissen, wie Theater- oder Konzertbesuchen, die einen großen Stellenwert in seinem Leben einnehmen, haben es ihm die russischen Frauen angetan.
Wenn er es nicht vermeiden kann, ist er auch für seinen Chef geschäftlich unterwegs, z.B. zu einem Kohlebergwerk in Sibirien oder auf der Suche nach einem Liegeplatz in einem Schwarzmeerhafen in der Ukraine.


Meine Meinung:
Der Roman hat mich sofort in seinen Bann gezogen und mir ist beim Lesen das eine oder andere Mal der Mund offen stehen geblieben, da der Autor die Atmosphäre so unglaublich gut rüberbringt.
Das Russland der 1990er Jahre war für mich eine völlig fremde Welt und mich haben die beschriebene Korruption, die z.T. sehr freizügigen und ungeregelten Zustände sehr zum Staunen gebracht.
Grundsätzlich war der Schreibstil dabei nicht immer ganz leicht zu lesen; ich musste mich stark konzentrieren und einige Spezialbegriffe oder Anspielungen auf Literatur, Theater, Konzert nachschlagen.

Den "blassen Helden" Anton lernen wir als Leser gut kennen, was nicht heißt, dass er sympathisch ist oder uns für sich einnimmt. Er handelt nicht verantwortlich, sondern genießt die Freiheiten und die Unverbindlichkeit im Russland der 1990er Jahre.

Ich habe beim Lesen dieses Romans unglaublich viel gelernt. Meines Erachtens hat der Klappentext nicht zu viel versprochen, denn ich konnte nach der Lektüre des Romans nun besser verstehen, wie sich die Situation in Russland zur heutigen Herrschaft Putins entwickeln konnte.


Fazit:
"Blasse Helden" ist für mich ein großer, lehrreicher, faszinierender Roman!