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Veröffentlicht am 09.05.2026

Gezeitenmagie vs. Sumpfspinnerzauber

Magic of Moon and Sea. Die Königin der Glasinsel
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Nachdem Ista Flit und ihre Freunde die bösen Machenschaften der angehenden Gouverneurin von Shelwich aufgeklärt haben, ist es nun an der Zeit, dem mysteriösen Schlüssel zu folgen, denn Istas Vater ihr ...

Nachdem Ista Flit und ihre Freunde die bösen Machenschaften der angehenden Gouverneurin von Shelwich aufgeklärt haben, ist es nun an der Zeit, dem mysteriösen Schlüssel zu folgen, denn Istas Vater ihr hinterlassen hat. Er bringt sie auf die andere Seite des Flusses, auf die Glasinsel, von der die Stadtbewohner sagen, es würde auf ihr spuken. Was nur könnte ihren Pa hierher getrieben haben? Die Antwort findet Ista schnell: Er wurde von den Sumpfspinnern hergelockt, um Musik für sie zu machen. Sie beherrschen die Insel mit ihrer Magie und treiben die Dorfbewohner gern in ihr Unglück. Wie soll Ista ihren Vater nur aus den Fängen dieser vergnügungssüchtigen Monster befreien? Denn auch sie hört bereits den Klang der Musik, der sie unaufhörlich näher in den Palast der Sumpfspinner zieht…
Band 2 hat nichts von der düsteren Stimmung aus Band 1 verloren. Und doch ist die Atmosphäre eine andere: Ista ist nicht länger die eigenbrötlerische Alleingängerin, die den Kampf gegen die Welt im Sologang bestreiten wollte. Sie hat nun gute Freunde, die ihr zur Seite stehen und ihr auch ungefragt zu Hilfe eilen. Nat und Ruby sind hier deutlicher präsent und gewinnen an Tiefe, was mir sehr gut gefiel. Die Themen Freundschaft, Zusammenhalt, Loyalität und Familie spielen in diesem Band (wieder) eine große Rolle. Auch die Gezeitenmagie ist wieder präsent, jedoch nicht ganz so stark wie im vorherigen Teil. Im Fokus steht eher die bösartige Magie der Sumpfspinner, die die Gezeitenmagie außer Kraft setzen und übertrumpfen kann.
Ich muss dennoch sagen, dass mir die Geschichte zu langsam in Gang kam. Es dauerte bis ins letzte Drittel bevor Schwung in das Geschehen kam. Ab da konnte mich das Buch mit seiner Spannung und seinen ungeahnten Wendungen abholen, aber vorher hatte ich so manches Mal das Gefühl, die Seiten ziehen sich nur so dahin. Was ich sehr schade finde, denn ich mag den Erzählstil, das Weltensetting und die Figuren recht gern.
Nichtsdestotrotz würde ich die Dilogie weiterempfehlen, denn Ista ist mir als Figur sehr ans Herz gewachsen. Ihr Mut, ihr steiniger Weg zum Vertrauen und ihre bedingungslose Loyalität gegenüber ihren Freunden und ihrer Familie sind herzerwärmend.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

„Alles, was ich tat, tat ich für die Rebellion.“ – Markus Söder

Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5)
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Marc-Uwe und das Känguru rebellieren! Mit ihren alten Weggefährten Friedrich-Wilhelm, Herta und Krapotke sitzen sie wieder in ihrer Stammkneipe „Bei Herta“ und sinnieren über die Gesellschaft, die Superreichen, ...

Marc-Uwe und das Känguru rebellieren! Mit ihren alten Weggefährten Friedrich-Wilhelm, Herta und Krapotke sitzen sie wieder in ihrer Stammkneipe „Bei Herta“ und sinnieren über die Gesellschaft, die Superreichen, die Social Media-Seuche, die Rettung der Welt, die Klimakrise und über die CDU/CSU. Dabei stellen sie fest: So kann es mit der Welt nicht weitergehen! Nach dem gescheiterten Versuch, die Welt mit dem Asozialen Netzwerk zu verändern, bleibt ihnen nur die offene Rebellion. Und damit möglichst viele Leute mit ins Boot geholt werden, geht das Känguru neue Wege und verwendet dafür ein Medium des 21. Jahrhunderts: einen Podcast, aufgenommen bei Herta. Auf der Suche nach neuen Rekruten entsteht die ein oder andere neue Geschäftsidee, Wetten werden abgeschlossen und natürlich gibt es Streit darüber, wer das Bad putzt und wer den letzten Mango Joghurt essen darf.
Ich hatte mich sehr auf das Comeback der verrücktesten WG Deutschlands gefreut und wurde in weiten Teilen auch wieder hervorragend zeitpolitisch-aktuell unterhalten. Über die Sticheleien gegenüber Friedrich März, Markus Söder und Konsorten konnte ich herzhaft lachen, dennoch war es im Gesamtpaket ein wenig zu viel CDU/CSU-Bashing und zu wenig anderes. Das letzte Quäntchen zum vollends gelungenen Werk fehlte, so wie beispielsweise bei Band 3: Der Schredder war ein so genialer Widersacher, da kann Jens Spahn nicht einmal im Ansatz mithalten. Vielleicht hätte eine Alice Weidel Chancen, aber die bekam in diesem Band leider keinen Gastauftritt.
Die Lesung durch den Autor selbst war wie immer grandios! Marc-Uwe Klings Werke kann man einfach nicht anders konsumieren als durch seine eigene, vorgelesene Interpretation. Ich war auf jeden Fall gut unterhalten, aber der fünfte Band hatte bei weitem nicht so viel Nachklang wie die vorherigen Werke.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Hallowe'en naht und die Straßen nach Faerie können sich öffnen…

Cassandra Morgan, Band 2 - Die magische Flöte
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Cassandra Morgan hat während der Sommerferien fleißig geübt, damit sie im Herbst weitere Hexenprüfungen ablegen kann. Denn ihr vorrangiges Ziel ist weiterhin das Finden ihrer Mutter Rose, die vor sieben ...

Cassandra Morgan hat während der Sommerferien fleißig geübt, damit sie im Herbst weitere Hexenprüfungen ablegen kann. Denn ihr vorrangiges Ziel ist weiterhin das Finden ihrer Mutter Rose, die vor sieben Jahren nach Faerie aufgebrochen zu sein scheint. Doch nach den Ferien bringt ihr Onkel Elliot seinen Sohn Sebastian nach Hagley, um den Cassandra sich kümmern soll, denn ihre Tante Miranda, die Haghexe, muss zur Gerichtsverhandlung von Renata Rawlins, die im Frühjahr den Goblins dabei geholfen hatte, mehrere Kinder nach Faerie zu entführen. Allerdings nutzen Cassie und ihre Freundinnen Rue und Tabitha die Abwesenheit der Oberhexe für einen unerlaubten Ausflug in den Hag, denn dort wollen sie an Informationen darüber gelangen, welches Wesen sich der Bewohner von Hagley bemächtigt und was für einen Schatz dieses Wesen im Auftrag des Erlkönigs von Faerie sucht. Dabei geraten die Hexenfreundinnen (mal wieder) in ganz schönen Ärger…
Der zweite Band dieser Reihe gefiel mir deutlich besser als der Vorgänger, denn dieses Mal ist das Thema klarer erkennbar: Der Fokus liegt hier auf dem Gewähren von zweiten Chancen, auf einem Perspektivwechsel und dem Einräumen von Vertrauensvorschüssen. Es werden zwei Storylines parallel verfolgt, die sich hin und wieder kreuzen: Die Suche nach Rose Morgan und der Versuch des Erlkönigs, in die Welt außerhalb von Faerie einzudringen. Somit werden einige Fragen aus dem ersten Band erneut angeschnitten, teilweise ausgeweitet und beantwortet, das Warum jedoch bleibt weiterhin offen.
Cassandra, Rue und Tabitha haben nichts von ihrer Abenteuerlust und ihrem Hang zum Missachten von Anweisungen verloren, dennoch wirken sie nicht so rebellisch wie im ersten Band. Denn, und das muss wohl auch die Haghexe eingestehen, sie erreichen ihre Ziele und helfen bei Problemen – auch, wenn sie selbst für manche Krisen verantwortlich sind. Cassandra erscheint jedenfalls ein wenig gereifter und reflektierter, weniger naiv als noch zu Beginn ihrer Geschichte. Sie scheint ihren Platz in der Hexengesellschaft von Hagley gefunden zu haben und das merkt man der Figur auch an. Ihr Verhandlungsgeschick mit magischen Wesen verbessert sich stetig und das nicht nur zu ihrem eigenen Vorteil, sondern auch zu dem der Faerie-Wesen. Cassandra Morgan findet ihren eigenen Stil und ich denke, sie wird eine neue Zeit in Hagley einläuten, was den Umgang mit Magischen angeht.
Die grafische Gestaltung ist auch dieses Mal wieder unübertroffen: Auf ein grün-rotes Cover folgt jetzt ein rot-grünes, erneut mit farbigem Buchschnitt und wunderschöner Darstellung der drei Freundinnen beim Wächter Lailoken auf dem Vor- und Nachsatzblatt. Viktoria Gavrilenko gelingt es auf fantastische Weise, diese magische Welt von Hagley einzufangen und aus unserer Fantasie zu Papier zu bringen.
Ich bin nun sehr gespannt, welche Asse der Erlkönig im nächsten Band aus dem Ärmel schüttelt, um an sein Ziel zu gelangen. Und hoffentlich erfahren wir noch mehr über Rose Morgan und ihren Verbleib.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Ein düsterer Forschungsbericht

Smeralda Bohms Bestiarium
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Smeralda Bohm ist anders als andere Kinder mit 12 Jahren: Sie interessiert sich für Kryptozoologie. Was das ist? Nun, ihr Werkaninchen Kralle zum Beispiel ist ein Kryptid, ein verborgenes Wesen, die Smeralda ...

Smeralda Bohm ist anders als andere Kinder mit 12 Jahren: Sie interessiert sich für Kryptozoologie. Was das ist? Nun, ihr Werkaninchen Kralle zum Beispiel ist ein Kryptid, ein verborgenes Wesen, die Smeralda in ihrem Labor (ihr Kinderzimmer) als Kryptozoologin untersucht. Ihr Ziel ist es, ein Bestiarium mit diesen Wesen zu verfassen und der Wissenschaft zugänglich zu machen. Dabei hilft ihr ihr bester Freund Kenji, der ein unglaublich guter Krypto-Ingenieur ist, leider aber in der Feldforschung nicht mithelfen kann, da er schwer krank und die meiste Zeit an den Rollstuhl gefesselt ist. Alles läuft gut, bis eines Tages ein junger Kommissaranwärter bei Smeralda zuhause auftaucht und ihre Hilfe bei einem unerklärlichen Verbrechen sucht. Als am nächsten Tag dann auch noch ein Elfenjunge in Smeraldas Klasse erscheint und sie umbringen will, weiß sie: In der Welt der Kryptozoologie passiert gerade etwas. Und wer ist eigentlich diese Edith, die Smeralda vor dem Elfenjungen beschützt hat? Weiß sie mehr, als sie zugibt? Smeralda Bohms Forschungen erreichen ein Level, mit dem sie selbst nie gerechnet hätte…
Wer die Polidori-Reihe von Anja Fislage kennt, der weiß: Es wird düster und gruselig! So auch hier, in der Pontifarstraße der 1988er. Smeralda ist eine Eigenbrötlerin, die - so stellt sich im Verlauf heraus - ein großes Trauma mit sich herumträgt. Und ja, möglicherweise auch autistische Züge. Das macht sie aber in ihrer Art umso charmanter. Kommunikation zwischen Menschen ist nicht ihre Spezialität – wie sie gern und oft betont. Man könnte sie schon fast „schrullig“ nennen: Sie fühlt sich nur in ihrem Kryptozoologinnenkittel wohl, duldet keine Störungen und benötigt strikte Ablaufmuster – ob im Alltag oder bei ihrer Forschung. Für junge Leser*innen, die noch keine Berührungspunkte mit Neurodivergenz haben, könnte Smeralda sicherlich etwas befremdlich erscheinen, denn die Thematik wird auch nirgendwo in der Geschichte angesprochen. Diesen Umstand finde ich ein bisschen schade, denn man könnte hier doch zumindest im Ansatz darauf eingehen. Auch das Thema Trauma, welches Smeralda definitiv durch den Angriff auf ihre Mutter davongetragen hat, wird nicht weiter thematisiert. Dafür muss ich leider einen Stern abziehen, da ich es als vertane Chancen ansehe.
Die Aufmachung des Bestiariums ist wieder einmal grandios. Im Stil eines Notizbuches mit Tinten- und Kakaoflecken, mit Blaupausen von Gerätschaften, mit beigefügten handschriftlichen Seiten und Polaroidfotos hält der Leser/die Leserin einen Bericht der Geschehnisse vom November 1988 in Händen. Helge Vogt hat die beschriebenen Kryptiden großartig als Illustration umgesetzt, danke dafür! Das ganze Bestiarium lebt davon. Wer sich nicht von speziellen Figuren abschrecken lässt und nicht extrem schreckhaft ist, wird mit Smeralda ein spannendes Abenteuer erleben!

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Taschentücher werden dringend empfohlen!

Heartbreak Hotel
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Das „Heartbreak Hotel“ ist eine wunderbare Graphic Novel für Heranwachsende, die sich früher oder später mit dem Thema Herzschmerz auseinandersetzen müssen. Oder vielleicht sogar wollen? Und für Lesende, ...

Das „Heartbreak Hotel“ ist eine wunderbare Graphic Novel für Heranwachsende, die sich früher oder später mit dem Thema Herzschmerz auseinandersetzen müssen. Oder vielleicht sogar wollen? Und für Lesende, die Comics vor Romanen bevorzugen. Die Autorin und die Illustratorin haben gemeinsam ein wunderbar detailreiches, ergreifendes und unglaublich intensives Werk geschaffen! Der Zeichenstil trifft genau meinen Geschmack: Die Panels sind mit sehr viel Hingabe fürs Detail gestaltet, wodurch ich oft innegehalten habe, um mir die Besonderheiten genauer anzusehen. Denn es gibt sie nicht ohne Grund! So sind zum Beispiel die Rückschauen der Teenager farblich bunt gehalten, wohingegen die Szenen im Heartbreak Hotel einheitlich-unifarben von zart rosa bei Maya, über hellblau bei Martin, hellviolett bei Fiona bis hin zu grau-blau bei Finn reichen. So behält jede Figur ihre Individualität und den Raum für ihre eigene Geschichte. Denn wir haben hier vier Heranwachsende an dem bzw. einem (sie sind ja schließlich noch jung…) Scheideweg ihres Lebens, der sie in ihrer Existenz an einen Punkt der Selbstfindung gebracht hat. Gemeinsam mit den Figuren durchleben wir den Moment, der sie ins Heartbreak Hotel gebracht hat, vereint fühlen wir ihre Emotionen und gehen mit ihnen kurzzeitig in ein fiktives Was-wäre-wenn. Am Ende bleibt jedoch die Erkenntnis, dass die vier das Heartbreak Hotel nur verlassen können, wenn sie ihre gebrochenen Herzen gemeinschaftlich heilen. Es ist eine Ermunterung und ein Erinnern daran, dass es immer einen Ausweg aus solchen Situationen gibt, dass das Leben trotz allem weiterhin lebenswert ist und weitergeht, und dass es wichtig und richtig ist, um Hilfe zu bitten und diese auch anzunehmen! Die Grundidee dazu gefällt mir wirklich gut, denn kaum jemand versteht den Schmerz eines Teenagers besser als ein anderer Heranwachsender. ABER, und hier muss ich leider einen Stern abziehen: Mir fehlen Hinweise – ob nun in einem Vor- oder Nachwort oder innerhalb der Geschichte selbst – zum Thema Hilfesuchen bei professionellen psychologischen Beratungsstellen. Damit würde dieses Buch seiner Vorbildfunktion in vollem Umfang gerecht werden, finde ich. Denn wenn wir nicht schon Jugendliche bzw. Heranwachsende darüber aufklären, dass es völlig angebracht und in Ordnung ist, sich Hilfe in Form von Therapien oder Arztbesuchen zu holen, wie sollen wir dann als Gesellschaft jemals das Stigma abstreifen, das wir noch immer mit einer Therapie verbinden? Hier haben
Autorinnen und der Verlag eine Chance verschenkt, finde ich. Beim Thema Triggerwarnung bin ich etwas zwiegespalten, aber vielleicht wäre ein Hinweis auf Tod, Unfall, Depressionen und Isolation sinnvoll.
Das „Heartbreak Hotel“ ist eine Geschichte über den ersten Herzschmerz, das Erleben und Durchleben von Emotionen, das Erlernen des Umgangs damit, aber auch die Aneignung von Akzeptanz, besonders im Hinblick auf die Veränderungen, die das Erlebte in ihrem Leben bedeuten. Jung waren wir alle einmal, daher denke ich, dass alle Lesenden sich ein Stück weit – und wenn es auch nur ganz am Rande ist – in irgendeiner Form in einem der vier Protagonisten wiederfinden können.

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