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Veröffentlicht am 01.01.2026

Würdest du bleiben, wenn deine Ketten fallen?

To Love a God
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Aurora ist geschockt: Als Colden nach seiner Verwundung in Elysion erwacht, kann er sich an die letzten Jahrhunderte nicht mehr erinnern. Vor ihr steht nicht mehr der Gott und Exarchion, in den sie sich ...

Aurora ist geschockt: Als Colden nach seiner Verwundung in Elysion erwacht, kann er sich an die letzten Jahrhunderte nicht mehr erinnern. Vor ihr steht nicht mehr der Gott und Exarchion, in den sie sich verliebt hat und der ihre Gefühle erwiderte. Er hat außerdem vergessen, wer bzw. was Aurora wirklich ist, nämlich der heiligste Gegenstand der Götter: das Atherionzepter – in Menschenform. Doch als wäre dieser Umstand nicht schon schwierig genug, so hat sich durch das Einsetzen ihrer Macht im Kampf gegen den Exarchen Galadon ein Riss am Himmel gebildet, aus dem etwas und jemand aus der zerstörten Götterwelt auf die Erde gefallen ist. Wird Colden trotz seines Gedächtnisverlustes an seinen Plänen zum Umsturz Galadons festhalten? Und welche Rolle wird Aurora dabei spielen?
Band 2 war ein action- und gefühlsgeladenes Jahreshighlight! Wo Band 1 bildgewaltig und schockierend war, geht es im zweiten Teil gefühlsmäßig und in der Figurendarstellung und -entwicklung in die Tiefe. Wenn ich diese Geschichte in einem Wort zusammenfassen sollte, müsste ich dafür „intensiv“ wählen. Denn nichts anderes ist es! Die Story ist brutal, gewaltig, ergreifend, auf so vielen Ebenen bewegend und sie geht einem unter die Haut!
Aurora entwickelt sich als Protagonistin sehr authentisch weiter. Sie ist eine starke weibliche Figur, reflektiert, wenig impulsiv, altruistisch und hat weniger selbstzerstörerische Tendenzen als noch in Band 1. Ich mag diese ganz eigene Beziehung und Interaktion zwischen ihr und Colden sehr. Über ihn und seine Vergangenheit lernen wir auch endlich mehr, ebenso wie über die von Zak und Brynn, die ich als Nebenfiguren auch enorm zu schätzen weiß.
Zum Inhalt kann und mag ich nicht mehr sagen, ohne zu spoilern. Nur so viel sei verraten: Es nahm ungeahnte Wendungen für mich. Zu Beginn der Geschichte war mir absolut nicht klar, wo das Ganze hinführen wird. Und darauf war ich sehr gespannt! Band 3 wird ein fulminantes Finale, so viel steht auf jeden Fall fest!

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Veröffentlicht am 12.12.2025

Was wäre, wenn deine (Hexen-)Träume wahr werden würden?

Cassandra Morgan, Band 1 - Der goldene Schlüssel
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Cassandra Morgan lebt im schlimmsten Mädcheninternat ganz Englands. Als ihre Mutter sie vor sieben Jahren dort abgab, versprach sie, sie würde wiederkommen. Doch nun wurde sie für tot erklärt und das Internat ...

Cassandra Morgan lebt im schlimmsten Mädcheninternat ganz Englands. Als ihre Mutter sie vor sieben Jahren dort abgab, versprach sie, sie würde wiederkommen. Doch nun wurde sie für tot erklärt und das Internat will Cassandra in ein Waisenhaus weitergeben. Bevor das passieren kann, flieht sie mit der Hilfe des komisch geformten Schlüssels, den ihre Mutter ihr zur Aufbewahrung gegeben hat. Schon nach kurzer Zeit gerät sie in das Visier von Goblins, die Kinder fangen und nach Faerie verkaufen wollen. Als Cassandra dann von einem sprechenden Kater gerettet wird, der ihr von ihrer Tante, der Haghexe von Hagley, berichtet, beginnt sie die Geschichten aus ihren Märchenbüchern zu glauben. Denn Faerie existiert wirklich und ihre Tante ist die Wächterin der Grenze zwischen dem magischen Land und unserer Welt. Dort angekommen beginnt Cassandra ebenfalls eine Ausbildung als Hexe, jedoch treibt sie dauerhaft eine Frage um: Wo ist ihre Mutter, die ebenfalls eine Hexe ist? Ist sie vielleicht in Faerie und benötigt ihre Hilfe?
„Cassandra Morgan“ ist das Erstlingswerk der Autorin Skye McKenna und an einigen Stellen merkt man der Geschichte dies auch an. Daher zunächst zum Negativen, weil es mich doch sehr beschäftigt hat: Diese Erzählung besitzt viele lose Enden, Leerstellen und Zeitsprünge, die die Figuren- und Beziehungsentwicklung stören und teilweise sogar hemmen. Das beste Beispiel hierfür ist Cassandras Tante Miranda, mit der im Verlauf der Geschichte nur wenig Interaktion auftritt. Dadurch bleibt der erste (doch ein wenig negative) Eindruck einer Frau, die ihre Nichte eigentlich gar nicht im Haus haben möchte, lange erhalten. Es wird uns Leserinnen keine Möglichkeit geboten, in die Innenwelt der Haghexe sehen zu können. Erst gegen Ende (und durch eine dritte Perspektive) wird uns ihre Gefühlswelt ein Stück weit näher gebracht. Aber insgesamt bleibt sie recht blass und undurchsichtig. Ihre Nichte Cassandra hingegen erlebt eine 180 Grad Wendung von der verhuschten, Streit vermeidenden Internatsschülerin hin zu einer abenteuerlustigen, impulsiv handelnden Junghexe, die aber keinerlei Ahnung von den Gepflogenheiten und Regeln der magischen Welt hat, sich aber dennoch unbedarft und kopfüber in sie hinein stürzt. So recht passt das für mich nicht zusammen. Immer wieder missachtet sie die Regeln ihrer Tante und gerät dadurch in Gefahr. Ein gutes Beispiel für junge Leserinnen? Ich glaube nicht. Aber es gibt sie trotzdem, die versöhnlichen Szenen, in denen Cassandra ihre Freundschaften priorisiert, in denen sie sich selbst zurückstellt. Und dies sind die Abschnitte, in denen sie sich als Figur weiterentwickelt. Aber sie sind rar gesät.
Des Weiteren hätte ich mir eine noch detaillierte Beschreibung von Faerie gewünscht. Es bleibt ein mysteriöser Ort, über den wir kaum etwas erfahren. Einzig aus Cassandras Märchenerfahrung erhalten wir splitterhaft Informationen über die Bewohner. Ich hoffe sehr, dass in den Folgebänden dazu mehr Informationen gegeben werden.
Insgesamt war die Geschichte aber spannend aufgebaut, hatte Twists und Aha-Momente, mit denen ich nicht gerechnet hatte, es gab herzergreifende Szenen und tolle tierische magische Begleiter. Es las sich locker weg, war nicht langatmig und ist auch für erfahrenere Jungleser*innen geeignet, da die Schrift recht groß gedruckt ist und die 400 Seiten daher wie im Flug vorüberziehen.
Ein echter Hingucker ist es dank der Covergestaltung ja sowieso! Der Buchschnitt und das Cover passen wunderbar zusammen, die Illustrationen geben einen Vorgeschmack auf magische Wesen in einem Waldsetting. Und auch, wenn ich Menschen auf Covern nicht mag, so passt die Darstellung der Protagonistin hier für mich zu hundert Prozent. Ich bin sehr gespannt, wo sich die Folgebände farblich und gestalterisch bewegen werden!
Wer Hexen und magische Wesen mag, das Abenteuer in einem verwunschenen Wald sucht und starke Mädchen gern hat, der sollte sofort mit Cassandra und ihrer Freundin Rue in den Hag aufbrechen. Ich freue mich jedenfalls darauf, das nächste Geheimnis mit Cassie zu lösen!

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Veröffentlicht am 15.11.2025

Die Konflikte spitzen sich zu!

Royal Institute of Magic, Band 4 - Die geheimnisvolle Legende
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Ben Greenwoods Zeit als Lehrling am Royal Institute of Magic könnte so entspannt sein… Wenn da nicht die Sache mit dem Wiederfinden der Rüstung von Queen Elizabeth I. wäre. Ja, und natürlich, wenn es seinen ...

Ben Greenwoods Zeit als Lehrling am Royal Institute of Magic könnte so entspannt sein… Wenn da nicht die Sache mit dem Wiederfinden der Rüstung von Queen Elizabeth I. wäre. Ja, und natürlich, wenn es seinen Mitlehrling Aaron nicht gäbe. Denn dieser besteht auf die Austragung des verschobenen Zauberattacke-Spiels – ein Wettkampf zwischen zwei Teams, von dem Ben nicht einmal die Regeln kennt. Außerdem steht die Abschlussprüfung der Klasse 2 und die Versetzung in Klasse 3 an. Kann Ben allen Aufgaben gerecht werden? Und wie lange werden die Dunkelelfen sich noch in Schach halten lassen? Nachrichten über Angriffe sind mittlerweile an der Tagesordnung in der magischen Welt…
Die Story dieses Bandes schließt nahtlos an die Geschehnisse aus Band 3 an. Die drei Freunde Ben, Charlie und Natalie entdecken einen Hinweis auf den nächsten Rüstungsteil, nämlich den Brustpanzer. Doch um diesen geht es erst ab ca. der Mitte des Buches. Vorher muss Ben sich seinem Widersacher Aaron stellen und wir Leser*innen lernen endlich, was ein Zauberattacke Spiel ist. Ich mochte die Idee des Wettkampfs, der sich aus verschiedenen Spielen (Catch the flag aus Percy Jackson und Quidditch aus Harry Potter) zusammensetzt. Zudem gefiel mir der Umstand, dass Ben nicht der Überflieger ist, der sich zwar überhaupt nicht mit dem Spiel auskennt, es aber trotzdem locker aus dem Ärmel schüttelt, sondern dass er sich mit William einen fähigen Teamleiter und Trainer ins Boot geholt hat. Denn mal ehrlich: In allem perfekt sein wäre ja auf Dauer langweilig und ziemlich unrealistisch…
Auch die Lehrinhalte und Prüfungen des Instituts sind nicht auf der Strecke geblieben, was mir sehr gefiel, denn dies macht nun einmal einen großen Teil dieser Geschichte aus. Ebenso wie die Freundschaft zwischen Ben, Charlie und Natalie, die in diesem Band kurz ein paar Risse bekommt. Aber auch das gehört zum Leben dazu und macht die Story umso authentischer.
Das Tempo der Erzählung nimmt dann ab ca. der Hälfte des Buches richtig an Fahrt und Spannung auf: Wir lernen nämlich mit den Zwergen eine neue Gruppe magischer Wesen kennen. Ab diesem Moment hatte mich die Geschichte wieder vollkommen eingefangen und das Weltensetting, das sich hier um einiges vergrößerte, zeigte erneut sein volles Potenzial. Victor Kloss gelingt es wirklich von Band zu Band, dieser Erzählung einen weiteren fantastischen Aspekt hinzuzufügen.
Einzig das Cover passt dieses Mal nicht so recht zum Inhalt, aber darüber kann ich hinwegsehen. Ich freue mich unglaublich auf die letzten beiden Bände und bin sehr gespannt, ob Ben das Schwert und seine Eltern wiederfinden kann!

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Idee super, Umsetzung leider mit Schwächen

Felix Green – Geisterseher und Geheimagent
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Würdest du deinem Mitschüler glauben, wenn er dir sagt, dass du heute einen Unfall haben wirst und dich dabei verletzt? Nein? Willkommen im Leben von Felix Green. Sein toter Großvater zeigt ihm Zukunftsvisionen ...

Würdest du deinem Mitschüler glauben, wenn er dir sagt, dass du heute einen Unfall haben wirst und dich dabei verletzt? Nein? Willkommen im Leben von Felix Green. Sein toter Großvater zeigt ihm Zukunftsvisionen von Überfällen, Unfällen und gefährlichen Situationen, die Felix zu verhindern versucht, indem er die betroffenen Menschen davor warnt. Doch niemand glaubt ihm – im Gegenteil: Man wirft ihm vor, die Ereignisse selbst herbeigeführt zu haben! Als er wieder einmal zum Schulleiter zitiert wird, steht er dort jedoch nicht seinem Direktor gegenüber, sondern einem Mädchen namens Lydia, die ihm erzählt, dass er eine besondere Gabe hat und ab sofort in London auf eine geheime Schule für Traumweber und Geisterseher gehen kann. Doch selbst mit Anleitung werden Felix‘ Visionen nur noch düsterer und er sieht in einem Albtraum, dass ein Dämon die Magische Meile und die Geisterseher bedroht. Werden seine Warnungen diesmal ernst genommen?
Diese Geschichte hat so viel Potenzial! Sie hat ein bisschen was von Harry Potter (Setting), ein wenig von Peter Grant und den Flüssen von London (Geister) und einen Hauch vom Goldenen Kompass (Seelentiere) – Magie, Geister und Geheimnisse und das alles vor Londoner Kulisse unter dem Deckmantel einer Geheimorganisation. So weit, so gut und so außergewöhnlich und nicht 0-8-15. Aber leider, leider wird das Potenzial nicht vollends ausgeschöpft. Die Story wirkt etwas gehetzt, denn nach einer Einführung folgen plötzlich Zeitsprünge, die so stark raffen, dass ich das Gefühl hatte, sehr viel Essenzielles verpasst zu haben, besonders in Bezug auf die Figurenentwicklung und das Worldbuilding, was meiner Meinung nach so wichtig gewesen wäre. Die Welt rund um den Geheimdienst der Geisterseher ist sehr komplex und man benötigt etwas Zeit um sich reinzufinden. Doch kaum ist das Gröbste erklärt und Felix hat eine vage Vorstellung von dem, was auf ihn zukommen wird, wird eine Raffung vorgenommen und wir können an den ersten drei Monaten seines Einstiegs in den Geheimdienst nicht teilhaben. Mich persönlich hat das sehr gestört und ich konnte dadurch keinen tiefgreifenden Zugang zum Protagonisten aufbauen, denn diese entstandene Leerstelle war für mein Leseerlebnis zu groß, leider.
Die Komplexität der Geheimdienstwelt und der „Magischen Meile“ in Kombination mit teils doch sehr heftigen und anschaulich beschriebenen Monstern und Ereignissen (Achtung, Spoiler: Tod!) lässt mich zu dem Schluss kommen, dass eine Leseempfehlung ab 10 Jahren nicht altersgemäß ist. Ich denke, dass 12 Jahre eine bessere Altersgrenze darstellt.
Positiv aufgefallen sind mir die Themenaspekte ADHS und damit einhergehend Probleme wie Dyskalkulie und Dyslexie, Impulskontrollstörung und die Wut darüber, nicht verstanden zu werden. Viele Leser*innen, egal ob jung oder alt, können sich sicherlich in Felix wiederfinden. Diesen Rezipienten kann diese Geschichte auch Mut machen, denn sie haben keine Krankheit oder Störung, die nicht in das enge Korsett unserer Gesellschaft passt, sondern ihre Stärken liegen einfach an anderer Stelle. Dadurch sind diese Personen aber nicht weniger wert – im Gegenteil! Die starke Botschaft dieses Buches ist: Sei, wer du bist, mit all deinen Schwächen und den daraus resultierenden Stärken – auch wenn du letztere manchmal erst suchen und finden musst!
Ich werde die Reihe rund um Felix Green und den Geheimdienst der Geisterseher auf jeden Fall weiterverfolgen und hoffe einfach auf mehr Tiefgang in den Folgebänden.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Magische Wesen, Steampunk und eine liebenswerte Protagonistin

Nelly Emberwing (1). Die verbotenen Wesen von Rustgate
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Nelly hat es geschafft: Eine reiche Familie aus Rustgate hat sie als Dienstmädchen aus dem Waisenhaus geholt. Sie darf sogar als Ersatzzofe mit ihrer Herrin in den berühmten Sternenzirkus! Dort erlebt ...

Nelly hat es geschafft: Eine reiche Familie aus Rustgate hat sie als Dienstmädchen aus dem Waisenhaus geholt. Sie darf sogar als Ersatzzofe mit ihrer Herrin in den berühmten Sternenzirkus! Dort erlebt sie bisher nie Gesehenes: Einen Direktor, der Beißer – eine Mischung aus Fledermaus und Ratte – zähmt, eine Fee, die vom Hochseil fällt, und einen Magier, der Menschen verschwinden lassen kann. Das Besondere daran: Diese sogenannten Chimären sind in Rustgates Öffentlichkeit verboten bzw. nicht gern gesehen. Denn vor 15 Jahren tat sich plötzlich ein Riss in der Erde der Stadt auf und brachte diese Wesen aus einer anderen Welt hervor. Nachdem Nelly von ihrer Herrin entlassen wird, weil sie sich mit dem Chimären-Magier unterhalten hat, schließt sie sich selbst dem Zirkus an und wird die „Hüterin der Chimären“. Bald schon ist sie nicht nur für die Beißer zuständig, sondern auch für das drachenähnliche Wesen, das in Nellys Obhut schlüpft…
Kira Gembri ist hier wieder einmal ein wunderbarer Auftakt-Band gelungen! Sie entführt uns dieses Mal in eine Welt, die historisch im 19. Jahrhundert zu verorten ist, in der Standesdünkel an der Tagesordnung sind, ebenso wie Ausbeutung und die Faszination am Fremdartigen – was aber natürlich niemand zugeben würde! Dazu mischt sie eine Prise Steampunk, was den krassen Gegensatz zwischen technologischem Fortschritt und dem Vorhandensein von magischen Wesen und einer Klassengesellschaft noch deutlicher hervortreten lässt. In der Geschichte herrscht eine Faszination gegenüber Neuem und Altem vor, was ihr eine ganz eigene Atmosphäre verleiht. Ich habe mich sofort eingefunden in Rustgate und seiner doch etwas verzwickten Lage. Der Fantasie zuträglich sind besonders auch die schwarz-grauen Illustrationen von Thomas Goldschalt, die an strategisch günstigen Positionen in der Geschichte immer wieder auftauchen und bestimmten Figuren oder Ereignissen zugeordnet sind. So können auch Kinder schnell erkennen, wer gerade im Fokus steht bzw. wo das Geschehen sich derzeit abspielt.
Besonders gut gefallen mir die kurzen, überschaubaren Kapitel, die in sich abgeschlossene Erzählsequenzen beinhalten. Für junge Lesende und/oder Vorlesende ein klarer Vorteil! Auch die Themen dieser Geschichte sind altersgemäß dargestellt und regen trotzdem zum Nachdenken und zum gemeinsamen Aufarbeiten an, denn nie waren sie aktueller als gerade jetzt! Andersartigkeit, Fremdenhass, Ausbeutung, Diskriminierung und Standesunterschiede stehen Freundschaft, Zusammenhalt, gefundener Familie, Mut und Hoffnung gegenüber. Und ja, auch Tierquälerei ist im Zusammenhang mit der Zirkusthematik ein Aspekt dieser Geschichte. Wenn wir unseren Kindern nicht ein Umdenken in dieser Richtung aufzeigen wollen und können, wem denn dann? Kira Gembri versteht es auf großartige, einfühlsame und dennoch eindeutige Weise, auf diese Themen hinzuweisen und auch Alternativen aufzuzeigen. Ausgrenzung entsteht in unseren Köpfen und Andersartigkeit muss nichts Schlechtes sein!
Das beste Beispiel dieser Geschichte ist die Protagonistin Nelly. Sie entwickelt sich zu einer sehr starken, mutigen und trotz ihrer Vorgeschichte und Erlebnissen wahrlich altruistischen Figur, die kleinere Schwächen hat – ja, Diebstahl ist nicht in Ordnung! –, aber das Herz absolut am rechten Fleck trägt. Es war mir eine große Freude, ihre Freundschaft mit Camou verfolgen zu können und ich bin so gespannt auf die Folgebände! Apropos Camou: Ich bin ja eigentlich überhaupt kein Fan von menschlichen Figuren auf dem Buchcover, weil ich lieber meiner eigenen Fantasie freien Lauf lasse, aber dieses Cover ist einfach nur wunderschön und exakt so, wie ich mir Nelly und ihren kleinen Drachen vorgestellt habe! Es ist einfach im Gesamten stimmig mit dem Straßensetting von Rustgate im Hintergrund und der Farbauswahl.
Im Herbst 2026 geht die Reise hoffentlich zurück nach Rustgate. Ich hoffe, Nelly sammelt bis dahin nicht allzu viele weitere Chimären auf… Sicher sein kann man sich da bei ihr aber nicht!

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