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Veröffentlicht am 28.11.2022

Politische und private Krisen in der Weimarer Republik - mitreißende, lesenswerte Fortsetzung

Kinderklinik Weißensee – Tage des Lichts (Die Kinderärztin 3)
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„Es fühlte sich an, als würde sie von einem Zeitstrudel durch jeden einzelnen Tag gewirbelt werden. Nicht einmal auf dem See kam sie zur Ruhe. Ihr Blick glitt nicht, er huschte über die Umgebung, ohne ...

„Es fühlte sich an, als würde sie von einem Zeitstrudel durch jeden einzelnen Tag gewirbelt werden. Nicht einmal auf dem See kam sie zur Ruhe. Ihr Blick glitt nicht, er huschte über die Umgebung, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Dabei hätte ein Herbsttag kaum idyllischer sein können als der heutige.“

Während sich in der Weimarer Republik die politische Lage immer prekärer entwickelt, finden auch die Schwestern Marlene und Emma nicht zur Ruhe. Marlene und ihr Mann Maximilian hadern mit ihrer Kinderlosigkeit. Marlene, Ärztin in der Kinderklinik Weißensee, ist völlig überarbeitet und beschließt schweren Herzens, die Klinik zu verlassen. Sie hofft, dass sich ihr Traum vom Muttersein leichter verwirklichen lässt, wenn sie weniger Stress hat. Doch dann hört sie von Alexander Flemmings zufälligen Entdeckung des Penicillins. Sie erkennt die unglaublichen Möglichkeiten, die das Medikament bietet. Schnell gerät ihr Entschluss, sich aus der Medizin zurückzuziehen, ins Wanken…Ob das ihrem Mann Maximilian gefällt?
Für Marlenes Schwester Emma läuft es beruflich prima. Bis zur Oberschwester hat sie sich hochgearbeitet, doch dann taucht eine ehemalige Widersacherin an der Klinik auf und Emma bekommt mächtig Gegenwind. Emmas Sohn Theo hat ebenso Probleme. Am Gymnasium läuft es nicht gut für ihn. Dann lernt er einen Mitschüler näher kennen, der ihm neue Möglichkeiten aufzeigt, die seinen sozialdemokratischen Eltern gar nicht gefallen dürften…

Autorin Antonia Blum erzählt abwechselnd aus Marlenes und Emmas Sicht. Sie schreibt leicht, gut verständlich und flüssig.
Das einprägsame Cover, diesmal sind zwei Kinder von hinten zu sehen, die auf die Klinik blicken, ist sofort als Teil der Buch-Reihe zu erkennen.

Beide Protagonistinnen Marlene und Emma werden sehr sympathisch und einnehmend dargestellt. Die Schwestern sind absolut ehrlich, denken stets an andere und haben sich durch harte Arbeit selbstständig aus der Armut befreit. Ihre Disziplin ist bewundernswert. Marlene ist noch ein bisschen ehrgeiziger als ihre Schwester, für Emma steht mehr das Menschliche, der Umgang mit den Patienten und weniger die Forschung in der Medizin im Vordergrund. Dass die beiden bemerkenswerten Frauen schwere Krisen durchlaufen, ließ mich beim Lesen nicht kalt. Ich litt mit ihnen und hoffte für sie. Eine Reihe weiterer netter Figuren bereichern die Geschichte, Willy Pinke, Albert Kolpetzky oder Elwira Scharinski. Aber auch wirklich unangenehme Zeitgenossen wie Theodors Lehrer Rademacher oder die neue Oberin mischen das Geschehen kräftig auf und sorgen für viele Konflikte.

Auch der dritte Teil liest sich wunderbar leicht und unkompliziert. Die gesamte Geschichte um Emmas und Marlenes Schicksal ist derart fesselnd, dass es für mich unmöglich ist, die Serie nicht weiterzulesen.
Die Sorgen von Emmas Sohn Theo, seine ersten Erfahrungen mit der nationalsozialistischen Bewegung stimmen nachdenklich, gehen nahe, machen traurig. Einmal mehr wird klar, wie stark Politik in das Leben der Menschen eingreifen kann.
Wer die ersten beiden Bücher der Reihe mochte, wird sicher auch vom dritten Band um die Kinderklinik Weißensee „Tage des Lichts“ begeistert sein. Allen anderen Fans von historischen Schmökern seien zunächst die ersten Bände ans Herz gelegt, denn mit Vorwissen bietet der dritte Band ein umso größeres Lesevergnügen.

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Veröffentlicht am 17.11.2022

Zeitgeschichte sehr packend erzählt - gelungene Fortsetzung

Berlin Friedrichstraße: Tränenpalast
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Die Geschichte der Freunde Robert, Ella, Ilse und Johannes geht weiter. Sie haben den Krieg überlebt, doch die tiefen Wunden der zurückliegenden schrecklichen Ereignisse sind noch nicht verheilt. Roberts ...

Die Geschichte der Freunde Robert, Ella, Ilse und Johannes geht weiter. Sie haben den Krieg überlebt, doch die tiefen Wunden der zurückliegenden schrecklichen Ereignisse sind noch nicht verheilt. Roberts Tochter Lilly ist nun Mutter von Zwillingen, Cornelia und Anne. Die beiden wachsen in Ostberlin auf. Lilly arbeitet als Lehrerin, Johannes betreibt nach wie vor seinen Kiosk am Bahnhof Friedrichstraße. Als die politischen Zustände nach dem Mauerbau immer prekärer werden und nicht nur die Zwillinge von Freiheit träumen, droht eine Katastrophe.

Ulrike Schweikert erzählt chronologisch, klar und anschaulich in gut verständlicher Sprache. Sie widmet sich dabei immer wieder den individuellen Situationen ihrer verschiedenen Figuren.
Sprecherin Sabine Arnold liest angenehm betont, abwechslungsreich und mitreißend. Ich war rasch von ihrem Vortrag gefesselt, konnte mich sofort in die Geschichte hineinversetzen.

Cornelia und Anne sind zwar Zwillinge, haben aber durchaus unterschiedliche Persönlichkeiten. Cornelia wirkt eher forsch und selbstbewusst, während sich die gewissenhafte Anne oft zurückhaltend und nachdenklich gibt. Beide werden nachvollziehbar und sympathisch dargestellt, wie die anderen Figuren auch: der melancholische, immer etwas traurig scheinende Robert, sein geselliger Freund Johannes, der für alle ein offenes Ohr hat, die kreative Ilse, die sich unter Künstlern zu Hause fühlt, die patente, zupackende Ella und natürlich Lilly, die ihre Familie zusammenhält. Die bunte Figurenkonstellation, die zudem ein besonderes Geheimnis umgibt, hat mich überzeugt.

Was es für die Menschen wirklich hieß, in der DDR zu leben, macht Ukrike Schweikert anhand der mitreißenden Geschichte um ihre Figuren sehr deutlich. Sie füllt einmal mehr Zeitgeschichte mit Leben und Gefühl, macht sie für ihre Leser und Hörer sehr nachvollziehbar und nachfühlbar. Ich habe mit Lillly, Cornelia, Anne und ihren Freunden gelitten, die Geschichte hat mir erneut bewusst gemacht, welche Auswirkungen Unfreiheit und Diktatur haben, was sie mit den Menschen machen. Mir hat der zweite Teil der Serie „Berlin Friedrichstraße- Tränenpalast“ sogar noch besser gefallen als der erste. Wer sich für Zeitgeschichte und historische Romane interessiert, dem kann ich die Reihe uneingeschränkt weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 14.11.2022

Rundum gelungene Fortsetzung des Gute-Laune-Sommerabenteuers

Tschakka! – Jetzt wird’s stachelig
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Nun sind sie zu dritt. Gemeinsam mit Fritzi alias der rosaroten Rächerin genießen Einstein, Stoneman, und Tabea, Tschakka, ihre Ferien im Wohnei Dörte und ihrem geheimen Garten. Um Zwergseidenhuhn Mafalda ...

Nun sind sie zu dritt. Gemeinsam mit Fritzi alias der rosaroten Rächerin genießen Einstein, Stoneman, und Tabea, Tschakka, ihre Ferien im Wohnei Dörte und ihrem geheimen Garten. Um Zwergseidenhuhn Mafalda müssen sie sich jetzt keine Sorgen mehr machen, da sie mit Artgenossin Rosella nun Gesellschaft hat. Leider verhält sich plötzlich Einstein komisch. Was ihn bedrückt, möchte er jedoch nicht verraten. Und dann zeigen sich am helllichten Tag Igel in Dörtes Garten. Was ist da los? Schließlich taucht noch Gunzelman, der wahre Besitzer von Dörte, auf. Ist der Ferientraum nun schon vorbei?

Mara Andreck erzählt witzig, unterhaltsam und spritzig, locker-leicht aus Tabeas Sicht in der ersten Person. Ihre direkte Sprache wirkt authentisch und kindgemäß. Sprecherin Monika Oschek liest die Geschichte lebendig, betont und temperamentvoll vor. Das Hörbuch richtet sich an Kinder ab sechs Jahren.

Tabea ist eine nette, unkomplizierte, sympathische, aufgeweckte Hauptfigur, die bei Kindern sicher gut ankommt. Und auch ihre Freunde Fritzi und Einstein sind nette Charaktere. Fritzi ist nicht die rosa Prinzessin, die sie zu sein scheint. Sie ist spontan und packt Dinge an. Einstein ist ein treuer Freund, der sich manchmal zu viele Gedanken macht. Und dann gibt es noch den nervigen Luis, der dem Trio immer auf den Fersen ist und droht, den Spaß zu verderben. Er darf unter keinen Umständen von Dörte erfahren. Die tierischen Figuren, die Hühner Maffalda und Rosella und natürlich Kröthilde, komplettieren die bunte Figurentruppe.

Tschakkas Ferien gehen aufregend weiter. Ob der Spaß Bestand hat?
Auch diesmal machen Tschakka und Co die Welt im Kleinen zu einem bisschen besseren Ort, denn sie retten eine Igelfamilie und setzen sich für umweltfreundliche Verwendung von Düngern ein. Wie nebenbei erfährt man einiges über Igel, Pflanzen und Alternativen zu schädlichen Pestiziden. Mara Andreck geht sensibel auf ihre Zielgruppe ein, was Einstein beschäftigt, kennen Kinder vielleicht auch aus eigener Erfahrung. Tschakka und Co zeigen, wie interessant Natur und Umwelt, wie spannend der Alltag und wie spannend und ereignisreich Ferien daheim sein können. Ihre Erlebnisse sorgen für viel Spaß, machen Lust auf Ferien, Natur, Familie und Freundschaft. Eine rundum gelungene Guten-Laune-Fortsetzung des erfrischenden Sommerabenteuers.

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Veröffentlicht am 14.11.2022

Originelle, ein bisschen verrückte und spannende Geschichte mit wichtiger Botschaft

Der Junge, der die Welt verschwinden ließ
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„Geschichten handeln oft von guten Menschen, die etwas Schlechtes tun, und diese Geschichte ist keine Ausnahme.“

Harrison ist fasziniert von allem, was mit Sternen und Planeten zu tun hat. Eigentlich ...

„Geschichten handeln oft von guten Menschen, die etwas Schlechtes tun, und diese Geschichte ist keine Ausnahme.“

Harrison ist fasziniert von allem, was mit Sternen und Planeten zu tun hat. Eigentlich ist er ein wirklich netter Junge, der fast alles alles richtig macht. Aber er hat ein großes Problem: Wenn Harrison wirklich wütend ist, sieht er absolut rot, verliert sich in seiner Wut und ist dann nicht mehr ansprechbar.
Bei der Geburtstagsfeier seines Feindes Hector Broom, der ihn immer heimlich piesackt, passiert nach einem von Harrisons Wutanfällen etwas Seltsames. Shelly, eine Astronautin, die mit den Kindern feiert, schenkt Harrison zum Abschluss einen ominösen schwarzen Ballon. Dieser stellt sich als schwarzes Loch heraus. Harrison lässt alles darin verschwinden, was ihm nicht gefällt: ekliges Essen, aggressive Hunde, Schulbücher und sogar Menschen. Doch dann rutschen in das Loch auch versehentlich Dinge, die er eigentlich mag. Ob Harrison es schafft, alles wieder zurückzuholen?

Autor Ben Miller schreibt lebendig, abwechslungsreich und gut verständlich in der dritten Person Vergangenheit. Teilweise ist die äußerliche Textgestaltung dem Inhalt angepasst, wenn die Kinder die Augen zumachen, ist der Text beispielsweise auf dunklem Hintergrund zu lesen, die Wörter eines Countdowns sind in Schlangenlinien gedruckt oder das Wort „Bämm!“ steht in einer Zeile alleine für sich. Die Geschichte wird durch einige hübsche, kleine, individuelle Illustrationen ergänzt, die Szenen aus der Handlung zeigen. Am Anfang jedes Kapitels ist das Bild von Harrison mit seinem schwarzen Luftballon zu sehen.
Das Buch richtet sich an Kinder ab acht Jahren zum Selberlesen.

Harrison, der Held mit der einen großen Schwäche ist ein Charakter, in den sich viele Kinder bestimmt gut hineinfühlen können. Er kommt mit anderen aus, ist rücksichtsvoll, auf ihn kann man sich verlassen. Nur seine Wutanfälle, die er nicht in den Griff bekommt, machen Harrison zu schaffen. Viele Kindern haben sicher auch schon die Erfahrung gemacht, dass sie in manchen Situationen die Kontrolle verlieren. Im Laufe der Geschichte gewinnt Harrison einen anderen Blick auf seine Anfälle.

Wird Harrison den Inhalt des Schwarzen Lochs retten können? Seine Mission führt ihn bis nach Chile. Die Idee zur Geschichte ist wirklich phantasievoll, faszinierend, spannend und witzig und regt zu Gedankenspielen an. Gegen Ende wird die Handlung dann ziemlich abgedreht. Aber Harrison lernt dabei einiges über sich selbst, die Wut, Hindernisse im Leben, Mut und Prioritäten. Auch wenn es manchmal ganz schön große Herausforderungen und Ärgernisse zu bewältigen gibt, die das Leben unangenehmer machen, gehören die einfach zu einem erfüllten Leben dazu und irgendwann findet jeder hoffentlich einen Weg damit umzugehen.
„Der Junge, der die Welt verschwinden ließ“ ist ein ungewöhnliches, originelles Kinderbuch, schräg und verrückt, komisch wie aufregend und dabei auch ziemlich klug.

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Veröffentlicht am 12.11.2022

Eine wunderbare Hausgemeinschaft - humorvolle, warmherzige Freundschaftsgeschichte mit liebenswerten, drolligen Figuren

Dachs und Rakete. Ein Haus voller Freunde
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Herr Dachs und die Schnecke Rakete wohnen nun schon länger in der Stadt. Nicht zuletzt durch ihr Zutun ist die Hausgemeinschaft immer enger zusammengewachsen. Als das Ehepaar Horn mit einem besonderen ...

Herr Dachs und die Schnecke Rakete wohnen nun schon länger in der Stadt. Nicht zuletzt durch ihr Zutun ist die Hausgemeinschaft immer enger zusammengewachsen. Als das Ehepaar Horn mit einem besonderen Auftrag für Herrn Dachs auftaucht - das Stopfen von Fußballlöchern in der Wand- kommt Herrn Dachs eine wunderbare Idee, an der alle Bewohner ihre Freude haben. Auch Senor Tortuga, der in einer misslichen Lage steckt, wird mit vereinten Kräften geholfen. Dachs und Rakete müssen zudem ihre Qualitäten als Babysitter beweisen. Und dann erleben sie noch einen Theaterabend, der völlig anders abläuft als die Zuschauer erwarten.

Jörg Isermeyer schreibt kindgemäß und gut verständlich in der Gegenwart. Wörtliche Rede und viele lautmalerischen Ausdrücke gestalten den Text sehr lebendig. Kai Schüttlers bunte, lustige und ausdrucksstarke Bilder illustrieren die Geschichte sehr passend. Die motivierenden Bilder machen allen Kindern sicher viel Spaß.
Das Vorlesebuch richtet sich an Kinder ab vier Jahren.

Wirklich gelungene Charaktere hat sich Jörg Isermeyer ausgedacht. Herr Dachs ist ein kreativer Tüftler wie aus dem Bilderbuch. Er hat immer eine passende Idee auf Lager. Aufgrund seiner gutmütigen, naiven, teils kindlichen Art stolpert er häufig in ziemlich amüsante Situationen.
Seine Freundin Rakete ist etwas vorsichtiger und zurückhaltender, hat aber mittlerweile auch Freude am umtriebigen Leben in der Stadt. Im Haus leben weitere ganz unterschiedliche Personen: die gesellige Oma Käthe, Theaterenthusiast Herr K, die hilfsbereiten Ponys Peter, Paul und Mary oder die quirligen, selbstbewussten Meerschweinchenkinder. In diesem Haus ist immer was los.

Dass das Leben in der Stadt nicht zwingend anonym und einsam sein muss, beweisen Dachs und Rakete. Sie müssen sich an die Gewohnheiten der Städter erst noch gewöhnen und erleben dabei einige schräg-komische Momente, die immer wieder zum Lachen bringen. Herr Dachs zeigt den Städtern, dass man sich manchmal auch auf andere Blickweisen einlassen sollte, denn das kann durchaus bereichernd sein.
„Dachs und Rakete - ein Haus voller Freunde“ ist eine warmherzige, phantasievolle, aufregende, aber dennoch gemütliche Freundschaftsgeschichte, die garantiert die Stimmung hebt. Dachs und Rakete muss man einfach mögen.

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