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Veröffentlicht am 20.08.2025

Von verbuggten Genen, einem spurlos verschwunden Jungen, unvernünftigen, aber goldrichtigen Entscheidungen und echten Helden

Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?
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Dass Johnny immer wieder in Schwierigkeiten gerät, liegt nur an seinen verbuggten Genen. Und gerade jetzt geht es in seinem Leben besonders rund. Sein Klassenkamerad Amin, mit dem Johnny bisher nichts ...

Dass Johnny immer wieder in Schwierigkeiten gerät, liegt nur an seinen verbuggten Genen. Und gerade jetzt geht es in seinem Leben besonders rund. Sein Klassenkamerad Amin, mit dem Johnny bisher nichts zu tun hatte, ist nämlich spurlos verschwunden. Als Johnny erfährt, dass Amin, der aus Afghanistan stammt und ohne seine Eltern in einer Flüchtlingsunterkunft lebt, kurz vor seinem Verschwinden noch bei ihm geklingelt hat, möchte er unbedingt herausfinden, was Amin von ihm wollte und wo er steckt. Ist er etwa entführt worden? Je mehr Johnny sich in den Fall verbeißt, desto komplizierter wird es für ihn. Ob er Amin am Ende retten kann?


Die Geschichte ist in der ersten Person aus Johnnys Perspektive geschrieben. Johnny erzählt gut verständlich und unterhaltsam mit viel Humor, wie er von Amins Verschwinden erfährt und was er alles unternimmt, um ihn aufzuspüren. Das Buch ist lebendig und abwechslungsreich formuliert, so lässt es sich mühelos flüssig vorlesen. Man fühlt sich beim Lesen persönlich und direkt von Johnny angesprochen. Die Wortwahl wirkt dabei authentisch und modern, genauso könnte sich ein Kind in Johnnys Alter ausdrücken.
Ebenso wie potentielle, originelle Schlagzeilen aus Johnnys Fantasie sind im Buch immer wieder Auszüge aus einem Notizbuch Amins abgedruckt. Neben kurzen Texten in einfachem Deutsch aus Amins Sicht handelt es sich dabei auch um lustige, phantasievolle Zeichnungen von Amin, die die Seiten auflockern, neugierig machen und motivieren.
Das Buch richtet sich an Kinder ab neun, zehn Jahren, eignet sich aber auch perfekt zum Vorlesen zuhause oder in der Schule, liefert es doch einige Anlässe für spannende Gespräche.

Wäre Johnny mein eigenes Kind, kostete das sicher ganz schön viele Nerven. Der aufgeweckte Junge zieht das Chaos scheinbar magisch an. So gerät er in der Schule immer wieder in Konflikte und ist beim Direktor schon fast Stammgast. Definitiv trifft Johnny nicht immer die vernünftigsten Entscheidungen, aber im Buch heißt es sehr treffend: „Dummheiten muss man machen, solange man jung ist. Später wird man ekelhaft vernünftig.“ Und im Grunde ist Johnny ein absolut patenter Junge, der genau weiß, was richtig und falsch ist und der das Herz am rechten Fleck hat. Er lernt im Verlauf nicht nur einiges über Amin, sondern auch über das Leben. Dabei wird er auch für andere zum echten Helden, weil er endlich die Aufmerksamkeit erhält, die er schon viel länger verdient und gebraucht hätte. Und auch der stille Amin, der Leuten direkt „ins Herz sehen kann“ rückt aus dem Hintergrund ins Geschehen und wird nun gesehen. Die beiden Jungen sind tolle Charaktere, die es nicht einfach haben und mit so manchen Widrigkeiten zu kämpfen haben. Nicht nur die Erwachsenen schränken sie ein und unterstützen sie zu wenig, auch Klassenkamerad Matteo legt ihnen Steine in den Weg und versucht sogar Johnny in der Klasse zu isolieren. Unverhofft erhält Johnny aber auch Hilfe von Menschen, die ganz anders sind als gedacht.

Extrem spannend und aufregend, was Johnny bei der Suche nach Amin erlebt. Ein echter Abenteuerkrimi! Hauptfigur Johnny ist ein liebenswerter, herrlich chaotischer Held, den man sich vielleicht nicht direkt als Vorbild nehmen sollte, aber von dem auch Erwachsene noch einiges lernen können. Gemeinsam mit Johnny erfahren die Leser viel über die Situation von Flüchtlingskindern, die hier anhand Amins Beispiel sehr eindrucksvoll und mitfühlend aus Johnnys unvoreingenommener, kindlicher Sicht dargestellt wird. Johnny mag mitunter naiv wirken, macht sich aber viele kluge Gedanken. So erkennt er zum Beispiel, wie kompliziert die Sache mit der Wahrheit ist, denn die ist genausowenig schwarz und weiß wie das Leben selbst. Und Kinder wie Johnny machen es definitiv noch bunter. Die Welt könnte durchaus ein paar Johnnys mehr vertragen.
„Von Null auf Held“ ist ein mitreißendes, einfühlsam und herrlich leicht und erfrischend erzähltes Kinderbuch über kleine große Helden und wahre Freundschaft. Hier werden aktuelle Probleme einmal direkt aus der Sicht von Betroffenen beleuchtet und Schwache erhalten eine Stimme. Absolut lesenswert!

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Veröffentlicht am 20.07.2025

2500 Tierarten in spektakulären Fotos

National Geographic Kids - Lexikon der Tiere
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Tierlexika gibt es viele. Dieses ist aber ein ganz besonderes.
Selten habe ich so viele atemberaubende, faszinierende Tierfotos in einem Buch gesehen.
Das Buch ist in acht Kapitel gegliedert. Das erste ...

Tierlexika gibt es viele. Dieses ist aber ein ganz besonderes.
Selten habe ich so viele atemberaubende, faszinierende Tierfotos in einem Buch gesehen.
Das Buch ist in acht Kapitel gegliedert. Das erste führt in die Welt der Tiere ein, widmet sich allgemeinen Themen wie Fortpflanzung oder Artenschutz. Im zweiten bis siebten Kapitel werden wichtige Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien, Fische und wirbellose Tiere vorgestellt. Eine Liste mit mehr als tausend weitere Vertretern aus den vorherigen Kategorien beinhaltet das achte Kapitel.
Neben verschiedenen Fotos, übersichtlichen Schaubildern und einer Legende zu verwendeten Symbolen finden sich in der Einleitung auch Karten. Die folgenden fünf Kapitel präsentieren mit zahlreichen Bildern und kurzen Texten sehr viele Vertreter einzelner Tierarten. Dabei werden mit Hilfe von Symbolen (zu Bedrohungslage und Lebensraum) und in Steckbriefen mit den Kategorien Größe, Verbreitung und Nahrung wichtige Informationen zu den speziellen Tieren gegeben.
Nach Kapitel acht, in dem weitere Tiere tabellarisch mit Merkmalen wie Größe, Verbreitung, Lebensraum und Ernährung aufgelistet sind, ist noch ein Glossar abgedruckt, in dem wichtige Fachbegriffe erklärt werden. Die letzten Seiten umfassen ein alphabetisches Tiernamenregister mit Seitenangaben.

Alle Sachtexte sind klar, verständlich und kindgerecht formuliert. Highlight und große Stärke des Buchs sind aber die farbenprächtigen, spektakulären Tierfotos. Jedes einzelne Bild ist ein echtes Kunstwerk.
Das Buch richtet sich an Kinder ab sieben, acht Jahren, aber auch an erwachsene Tierfans.

Wie im Klappentext beworben, ist das „Lexikon der Tiere“ tatsächlich ein „Muss für Tierliebhaber“: Aus den Texten erfährt man sehr viel Grundsätzliches, Interessantes, Faszinierendes und Wissenswertes über Tiere. Mit Hilfe des Lexikons lassen sich garantiert Referate für die Schule zu verschiedenen Tierthemen gestalten. Ideal eignet sich das Buch aber auch zum Schmökern. Wer hier einfach nur herumblättert, wird garantiert schnell in den Bann der Fotos gezogen, taucht komplett ein in die großartige Tierwelt mit ihren schillernden Farben. Ein Buch zum immer wieder Staunen und Entspannen, ein echter Augenschmaus.
Kleiner Hinweis: Das Buch ist bereits unter anderem Namen, mit anderem Cover und Layout und in etwas größerem Format in einem anderen Verlag erschienen.

Ein Buch, 2500 Tierarten in faszinierenden Bildern - ein rundum gelungenes Lexikon für alle großen und kleinen Tierfans

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Veröffentlicht am 03.07.2025

Ein Alptraum in der schwedischen Wildnis - packender, leicht und flüssig zu lesender Krimithriller

Der Weg – Jeder Schritt könnte dein letzter sein
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„Ein beklemmendes Gefühl breitet sich in mir aus, sickert wie Eiswasser durch meinen Körper, bis es sich in meinem Bauch zu einer grauenvollen Gewissheit verdichtet.
Ich bin ganz allein hier draußen. Und ...

„Ein beklemmendes Gefühl breitet sich in mir aus, sickert wie Eiswasser durch meinen Körper, bis es sich in meinem Bauch zu einer grauenvollen Gewissheit verdichtet.
Ich bin ganz allein hier draußen. Und ich habe keine Ahnung, wo ich bin.“

Sehr lange hat Julia nichts mehr von ihrer besten Freundin Nicki gehört. Doch als Julia sich nach sehr kurzer Beziehung mit Lars verlobt, lädt diese sie völlig überraschend zu einer Junggesellenabschiedswanderung nach Schweden ein. Nicki wirkt auf dem Wandertrip von Beginn an abwesend, abweisend und in sich gekehrt. Der Wanderung startet zu allem Überfluss auch noch mit einem Unwetter. Nach der ersten stürmischen Nacht im Zelt wacht Julia plötzlich alleine auf. Nicki ist spurlos verschwunden. Julia ist in der Wildnis nun auf sich alleine gestellt, ohne Orientierung zudem - hatte Nicki doch im Vorfeld die Routenplanung übernommen. Wird sie zurückfinden und was ist mit Nicki passiert?

Aus Julias Sicht wird erzählt, was während der Wanderung passiert. In Rückblenden schildert die Autorin zusätzlich, wie Julias und Nickis Freundschaft entstand und wie es zur gegenwärtigen Situation kam. Die Geschichte liest sich sehr unkompliziert und flüssig. Es war für mich sehr leicht, mich im Geschehen zurechtzufinden.

Julia war mir recht sympathisch, doch wirkt sie ein wenig naiv. Die Beziehung zu ihrer besten Freundin Nicki ist leider seit längerem nicht mehr so intensiv. Nicki hat sich zurückgezogen, scheint sich nicht für Julias Beziehung mit Lars zu interessieren und spricht nicht über ihren eigenen Kummer. Was ist da nur los?
Auch wenn einige Charaktere durchaus etwas überzeichnet sind, bietet die Figurenkonstellation sehr viel Potential für so manche interessante Entwicklungen.

Wird Julia allein in der Wildnis zurechtkommen? Warum benimmt Nicki sich so seltsam? Welches Geheimnis verbirgt sie?
Rebecca Russ erzählt sehr spannend, liefert den Lesern durch die Rückblenden nach und nach immer mehr Puzzleteile, so dass diese sich nach und nach ein Gesamtbild von der Lage machen können. Dabei wird im Verlauf eine ganz besondere Wendung präsentiert, die für mich durchaus überraschend kam. Auch wenn die Auflösung und vor allem Julias Verhalten am Ende mich nicht hundertprozentig überzeugten, hat mich der Krimi prima unterhalten. Er liest sich angenehm und flüssig: ein packender, leichter Thrillersnack für eine kurzweilige Leseauszeit, ideal z.B. als Urlaubslektüre.

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Veröffentlicht am 03.06.2025

Wenn ein Ereignis alles verändert - Familiendrama mit schwieriger Mutter-Töchter- Konstellation

Die Garnett Girls
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„Die jungen Leute sind nicht faul. Es ist nur so, dass das Aufwachsen heutzutage leicht beschissen ist- die Welt hat sie im Stich gelassen.“

Die Garnett-Girls sind die drei Schwestern Sasha, Imogen und ...

„Die jungen Leute sind nicht faul. Es ist nur so, dass das Aufwachsen heutzutage leicht beschissen ist- die Welt hat sie im Stich gelassen.“

Die Garnett-Girls sind die drei Schwestern Sasha, Imogen und Rachel sowie ihre Mutter Margo. Seit der alkoholkranke Vater Richard die Familie eines Tages verlassen hat, haben sie gemeinsam schwere Zeiten durchlebt. Dass Margo sich nach Richards Auszug lange Zeit nicht selbst um ihre Töchter kümmern konnte und Rachel früh viel Verantwortung für ihre jüngeren Schwestern übernehmen musste, wirkt immer noch nach. Rachel lebt mit Mann und Kindern in der Nähe von Margo auf der Isle of Wight im Haus der Familie, obwohl sie sich selbst etwas ganz anderes wünscht. Autorin Imogen scheint zur Freude ihrer Mutter nun endlich unter die Haube zu kommen und ist mit dem verlässlichen, aber wenig aufregenden William verlobt. Richtig glücklich fühlt sie sich dabei nicht. Die temperamentvolle Sasha ist beruflich viel in der Welt unterwegs, ihr tyrannischer Ehemann Phil zeigt für die Probleme von Sashas Familie keinerlei Verständnis. Die Spannungen werden bei jedem Zusammentreffen der Familie intensiver. Es droht der große Knall…

Georgina Moore schreibt in der dritten Person, nimmt dabei abwechselnd die Sichtweisen ihrer vier Protagonistinnen ein. Hauptsächlich werden die aktuellen Entwicklungen beschrieben, mitunter werden in Rückblenden auch vergangene wichtige Momente dargestellt. Der Roman liest sich verständlich, lebendig und recht flüssig.

Im Mittelpunkt des Buchs stehen die komplizierten Familienverhältnisse der Garnett-Girls. Der Verlust des Vaters prägt alle Schwestern nach wie vor stark. Obwohl Mutter Margo Richard totschweigt und sie ihn für sein Verschwinden und die Zerstörung der Familie hasst, definiert sie sich noch immer über die besondere, leidenschaftliche Beziehung, die sie mit ihm verband. Sie übt direkt und indirekt viel Einfluss auf ihre Töchter aus. Rachel fühlt sich beispielsweise verpflichtet, ihrer Mutter nachzueifern und möchte ihr unbedingt gefallen. Sie fasst endlich den Mut, Margo zu gestehen: „Aber so ein Leben will ich nicht führen. Es ist so, als hätte ich mir deins ausgeliehen. Ich meine, die Insel, Sandcove. Du und Gabriel, ihr habt es ausgesucht und ich habe einfach mitgespielt und gehofft, dass es für mich passen würde. Aber das stimmt nicht.“
Auch Imogen möchte jeden Konflikt mit ihrer Mutter vermeiden. Sie geht eine Verlobung ein, weil sie weiß, dass das von ihr erwartet wird.
Sasha, die Imogen neidet, dass deren schriftstellerisches Talent bei Margo mehr gilt als alle Stärken und Interessen Sashas, zeigt sich rebellischer und weniger harmoniebedürftig als ihre Schwestern. Ihr Ehemann Phil unterstützt sie überhaupt nicht. Er ist ein echtes Ekel und nicht die einzige unsympathische Figur im Roman.
Obwohl ich das Verhalten der Personen meist nachvollziehen konnte und die Familienkonstellation sehr interessant und reizvoll fand, mochte ich die meisten Charaktere leider gar nicht.

Definitiv ist „Die Garnett-Girls“ kein „Feel-Good-Roman“. Eine dramatische Entwicklung folgt auf die nächste. Das war mir teilweise etwas zuviel des Guten. Bestimmte „wuchtige“, laute Charaktere trinken oft zu viel Alkohol, haben sich wenig im Griff und erdrücken so häufig die Handlung. Sie lassen dann kaum Raum für leisere, nachdenklichere Zwischentöne.
Der bei all den Katastrophen, Konflikten und Schicksalsschlägen letztlich intensive Zusammenhalt der Familie hat mich beeindruckt. Die außergewöhnliche Verbindung der Schwestern lässt sie ihre Probleme angehen. Das hat mir gut gefallen, denn letztlich ist Familie eben nicht immer eine Bürde, sondern oft auch eine Chance und Möglichkeit, Schwierigkeiten gemeinsam zu lösen und sich gegenseitig zu unterstützen. Daher habe ich den Roman trotz der herausfordernden, anstrengenden Figuren stellenweise recht gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 03.06.2025

Ein Doppelmord in einer Familie und viele dunkle Geheimnisse - ein fesselnder Cold-Case-Krimi

Die unsichtbare Hand
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Wegen einer unschönen Auseinandersetzung mit einem Kollegen hat Ghostwriterin Olivia seit einem Jahr keine beruflichen Aufträge mehr. Doch dann fordert der berühmte Schriftsteller Vincent Taylor sie persönlich ...

Wegen einer unschönen Auseinandersetzung mit einem Kollegen hat Ghostwriterin Olivia seit einem Jahr keine beruflichen Aufträge mehr. Doch dann fordert der berühmte Schriftsteller Vincent Taylor sie persönlich zur Unterstützung seiner Arbeit an seinen Memoiren an. Der Auftrag hat es in sich: Was niemand weiß, Vincent ist Olivias Vater, zu dem sie seit längerer Zeit keinen Kontakt mehr hat. In seinem neuen Buch will Vincent den mysteriösen Tod seiner Geschwister Poppy und Danny näher beleuchten. Die beiden wurden vor rund 50 Jahren ermordet aufgefunden. Vincent gilt seitdem als Mörder seiner Geschwister, ohne dass dies jedoch je bewiesen wurde. Olivia beschließt, mit ihrem Vater zusammenzuarbeiten. Wird sein neues Buch nun endlich die Wahrheit ans Licht bringen?

Die Geschichte wird multiperspektivisch erzählt. Olivia schildert, was sie während der Arbeit am Buch mit ihrem Vater und bei der Recherche in dessen Heimatort Ojai erlebt. In Rückblenden werden zudem die Geschehnisse an bestimmten Tagen kurz vor dem Mord aus Vincents und Poppys Sicht dargestellt. Der klare, flüssige Schreibstil liest sich durchgehend leicht und angenehm.

Auch wenn Olivia selbst nicht immer ganz offen und ehrlich ist - z.B. ist sie nicht in der Lage, mit ihrem Lebensgefährten über die Geschichte ihrer Familie zu sprechen- möchte sie unbedingt herausfinden, was sich im Zusammenhang mit dem Doppelmord wirklich ereignete. Olivias Vater Vincent leidet an Lewy-Körperchen-Demenz und ist zeitweise verwirrt. Zudem macht es den Eindruck, als wäre er auch in klaren Momenten ein unzuverlässiger Erzähler. Vincent spart bewusst Details aus, so wirkt seine Sicht der Dinge nicht ganz objektiv. Vincents Person gibt den Lesern Rätsel auf, er ist ein spannender Charakter, der die Personenkonstellation sehr interessant gestaltet.

Wer hat Danny und Poppy umgebracht? Immer mehr Geheimnisse kommen ans Licht, dabei werden sehr überzeugend verschiedene Fährten gelegt, die die Erwartungen der Leser gezielt lenken. Autorin Julie Clark schildert Olivias Suche nach der Wahrheit äußerst packend. Beim Lesen fieberte ich mit, konnte es kaum erwarten, endlich selbst zu wissen, was 1975 wirklich geschah. Der Plot ist für mich insgesamt stimmig und gekonnt konstruiert, durch seine zahlreichen Wendungen hat der Roman mich stetig bei der Stange gehalten. Vor allem gegen Ende ein absolut lesenswerter, psychologisch raffinierter Pageturner, der mich bestens unterhalten hat.
„Die unsichtbare Hand“ hat alles, was mein persönliches Krimileserinnenherz begehrt.

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