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Veröffentlicht am 22.04.2026

Persona nun grata!

Sharing – Willst du wirklich alles teilen?
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Ihr Sharing Unternehmen läuft gut, Markus und Bettina Kern sind zufrieden. Ihre Idee, dass teilen ökologischer ist als besitzen, bekommt bei vielen Zuspruch. Doch genau dieses Motto wird dem Paar zum Verhängnis. ...

Ihr Sharing Unternehmen läuft gut, Markus und Bettina Kern sind zufrieden. Ihre Idee, dass teilen ökologischer ist als besitzen, bekommt bei vielen Zuspruch. Doch genau dieses Motto wird dem Paar zum Verhängnis. Denn Bettina wird entführt und festgehalten.

Die Folgen dieser Entführung werden im Darknet geteilt und Markus wird erpresst. Wenn er seine Frau lebend wiedersehen will, muss er tun, was von ihm verlangt wird. Als Tochter Leonie auch in diese Erpressung hineingezogen wird, sieht Markus sich vor den Trümmern seines Lebens. Ein Wettlauf gegen die Zeit und die Entführer beginnt.


Was Arno Strobel hier geschrieben hat, ist harte Kost und ganz sicher nichts für sensible Leser. Roh, brutal und ein Psychoschocker par excellence.

Markus Frau und die 15-jährige Tochter Leonie werden entführt. Wie diese Entführungen ausgehen, verrate ich hier nicht. Man sollte sich aber auf einiges gefasst machen betreffend Gewalt, Erpressung und grauenhaften Situationen.

Der Carsharingbesitzer sieht sich mit einer abscheulichen Form des "Teilens" konfrontiert. Er wird aus perfiden Gründen zu einer "Persona non grata". Markus Verzweiflung, seine Ohnmacht und die Versuche seine Familie zu retten, haben etwas, was mich im Innersten getroffen hat. Kaum auszudenken, was er durchmachen muss. Dazu kommt, dass sich der Protagonist(und wir Leser) immerzu fragen muss, wem er trauen kann und wer ein falsches Spiel mit ihm spielt. Sind die Ermittler wirklich echt? Kann er seinen Schwiegereltern, einem befreundeten Paar oder der besten Freundin seiner Frau trauen? Wer verrät ihn an die Polizei, die Markus verbissen sucht?

Betroffen haben mich auch die kursiv geschriebenen Kapitel aus der Sicht der Opfer gemacht. In denen wird detailliert beschrieben, was sie erleben.

Gleichzeitig hat mich die Frage nach dem Grund des Ganzen durch das Buch getrieben. Sehr kreativ die Auflösung, die sich Herr Strobel da ausgedacht hat. Das meine ich weder ironisch noch abwertend, sondern anerkennend.

Ein Psychothriller, der mit Recht seinen Namen trägt.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Highlight

Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermittelt
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Drei Nachbarsjungen spielen im Wald, direkt neben ihrem Zuhause in Trelleborg, Südschweden. Zwei kehren zurück, der achtjährige Robin verschwindet spurlos.

Polizeimeisterin Gunni Hilding, die sich in ...

Drei Nachbarsjungen spielen im Wald, direkt neben ihrem Zuhause in Trelleborg, Südschweden. Zwei kehren zurück, der achtjährige Robin verschwindet spurlos.

Polizeimeisterin Gunni Hilding, die sich in der Gegend bestens auskennt, wird überraschend in das Dezernat für Gewaltverbrechen integriert. Nicht einfach für die junge Polizistin, denn sie kennt viele der involvierten Personen von früher.

Fünf Jahre später wird wieder ein Kind vermisst und nur Gunni stellt die Parallelen zu dem Fall rund um den achtjährigen Robin her.



Dies ist der äusserst gelungene Auftakt in eine neue Thrillerreihe, die in der südlichsten Provinz von Schweden handelt. Es geht zur Sache. Skandi - Crime vom Feinsten ist nicht nur ein Werbeslogan, sondern genau das, was ich mit diesem Buch bekommen habe.

Viele falsche Spuren, die der Autor gelegt hat, haben mich durch das Buch getrieben. Wer ist für die Tat an den kleinen Jungen verantwortlich? Ist es einer der Spielkameraden oder der im Dorf bekannte Einsiedler, genannt Ekel-Bengt? Oder hat etwa der Stiefvater seine Hände im Spiel? Auch zwei junge Männer, die in der Nähe wohnen, sind äusserst verdächtig. Ebenso wie der kinderlose Mann aus der Nachbarschaft. Es ist und bleibt bis zum Schluss spannend, denn die Auflösung erfährt man erst auf den allerletzten Seiten des Buches.

Wir erleben hier, in diesem ersten Band, die Einführung in eine äusserst interessante Ermittlerin. Gunni Hilding, die sich aus der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas loseisen konnte, wirkt unsicher und leicht gehemmt. Damit ist sie sehr überzeugend. Denn die junge Polizeimeisterin sieht sich plötzlich mit Idolen aus ihrer Jugendzeit konfrontiert, mit denen sie nun zusammenarbeiten soll. Sie verfügt über ein unheimlich gutes Gespür für Zeugen, Verdächtige und Teammitglieder. Jetzt muss sie nur noch lernen, sich durchzusetzen und nicht vor Ehrfurcht zu erstarren. Aber das wird schon. Denn schliesslich ist das hier ja der Auftakt. Das offene Ende in ihrem Privatleben bereitet den Übergang zu Band zwei vor.

Wohltuend empfand ich den Aufbau der Geschichte. Mattias Edvardsson erzählt chronologisch und ohne komplizierte Perspektiven und Ortswechsel. Tatsächlich gibt es auch nur zwei Zeitebenen. Ein Teil handelt 1989 und der zweite Teil 1994, mit fast denselben Figuren wie zuvor. Mit dieser Einfachheit im Aufbau kann man sich völlig auf den Inhalt konzentrieren, was ich sehr geschätzt habe.

Für mich ist dieses Buch ein Highlight und ich werde mir weiter Bände vormerken.

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Veröffentlicht am 18.04.2026

Cleverer Plot

Nebelbeute
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Die Jagd beginnt!

Vor allem, wenn es nach Mila Weiss von der Sonderermittlungsgruppe vier geht. Sie fährt in die Berge, denn der gesuchte Johannes Toblach soll sich in einem abgelegenen Dorf aufhalten. ...

Die Jagd beginnt!

Vor allem, wenn es nach Mila Weiss von der Sonderermittlungsgruppe vier geht. Sie fährt in die Berge, denn der gesuchte Johannes Toblach soll sich in einem abgelegenen Dorf aufhalten. Mila will ihn endlich stellen und erfahren, wo die beiden entführten Mädchen Romy und Mathilda sind.

Als sich die junge Kommissarin nicht mehr meldet, ist die Gruppe vier zutiefst beunruhigt. Ihr Leiter, Jakob Krogh, ordnet an, dass nach Mila gesucht wird. Da in dem Dorf Menschen ermordet werden, befürchten die Ermittler, dass der Serienmörder auch ihre Kollegin in seiner Gewalt hat.


Anders als bei seinem Vorgänger "Aschesommer" hatte ich Anpassungsschwierigkeiten mit diesem dritten Band. Ich habe befürchtet, dass sich die ganze Story um den altbekannten und perfiden Täter Johannes Toblach und Mila Weiss dreht. Also eine Ausweitung von Band zwei ist. Bis dann ein toter Mann, aufgehängt und grausig inszeniert, entdeckt wird. Es geht danach Schlag auf Schlag, denn schon bald wird ein Mann in der örtlichen Sägerei ermordet aufgefunden. Auch damit ist es nicht vorbei mit gruseligen Passagen, denn eine besondere Überraschung wird aus dem See gehoben.

Genau hier hat Benjamin Cors draufgesetzt an Spannung, Nervenkitzel und Wendungen. Ich habe zeitweise atemlos die Seiten umgeblättert.

Ich denke anders als beim zweiten Teil sollte man hier, bei Teil drei, Vorwissen haben. So, dass man einordnen kann, weshalb Mila so verbissen nach Toblach sucht.

Das Setting ist sehr gelungen. Ein kleines Dorf mit einer Kneipe, in der sich das soziale Leben abspielt. Die Einheimischen sind teilweise sehr zugeknöpft und misstrauisch gegenüber Fremden. Unter diesen Bedingungen sind die Ermittlungen weder einfach noch fruchtbar. Für logisch aufgebaute Ermittlungsergebnisse ist mir Benjamin Cors bekannt. In "Nebelbeute" ist ihm das auch wieder hervorragend gelungen. Was zu Beginn einseitig erschien, entpuppt sich schlussendlich zu einem abwechslungsreichen, überraschenden Thriller mit einem cleveren Plot!

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Psychothriller vom Feinsten!

Die Fremde in meinem Haus
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Suzie Jukes und Gabe Thompson sind Vollblutmusiker und können von ihrem Erfolg leben. Als sie ein Nachricht bekommen, wird das Leben des Paares jedoch bis in die Grundmauern erschüttert. Die Absenderin, ...

Suzie Jukes und Gabe Thompson sind Vollblutmusiker und können von ihrem Erfolg leben. Als sie ein Nachricht bekommen, wird das Leben des Paares jedoch bis in die Grundmauern erschüttert. Die Absenderin, Anna, glaubt, dass Suzie ihre Mutter ist und sie vor 15 Jahren zur Adoption freigegeben hat. Suzie nimmt Kontakt zu Anna auf, denn sie hat diese Entscheidung die letzten 15 Jahre jeden Tag bereut.

Anna, die in einer Adoptivfamilie aufgewuchs, hat es nicht gut getroffen und so beschliessen Suzie und Gabe den Teenager bei sich aufzunehmen. Doch sehr schnell verändert sich das Mädchen und verstrickt sich in Lügen und Anschuldigungen. Bis die Zustände unhaltbar werden ... doch längst können Suzie und Gabe nicht mehr frei darüber entscheiden, was mit Anna geschehen soll.


JP Delaney hat mit "Die Fremde in meinem Haus" einen Psychothriller geliefert, den ich fast in einem Rutsch durchgelesen habe. Was dort in der Patchworkfamilie geschieht, ist Psychothriller vom Feinsten, psychologisch hervorragend ausgearbeitet und von den verschiedensten Seiten beleuchtet.

Die Themen sind nicht ohne. Von Missbrauch über Drogenkonsum bis zu körperlichen und verbalen Aggressionen taucht man ein in eine Welt der zur Adoption freigegebenen Kinder. Kinder, die noch als Jugendliche damit hadern. Die psychischen Auswirkungen einer Adoption wird von drei Seiten beleuchtet. Aus der Sicht der abgebenden Mutter, der Adoptionsfamilie und des Kindes. Dazu kommt die rechtliche und offizielle Seite, die des Jugendamtes. Da sich die Geschichte in London abspielt, hier mit dem britischen Adoptionssystem und der Arbeit des Jugendamtes. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass in England sogenannte Later Life Letters, Lebensbriefe, seit 2005 verpflichtend sind.

Ich gestehe, dass ich überrascht war. Denn die Story nahm einen für mich mehr als überraschenden Weg. Weit weg vom Schema solcher Geschichten. Für einmal ist nicht das Umfeld des adoptieren Kindes das Problem, wie sonst oft. Der Psychoterror kommt von ungeahnter Seite. Die Wendung möchte ich hier nicht detailliert offenlegen. Der Autor hat jedoch eine völlig neue Dynamik in die Geschichte einfliessen lassen.

JP Delaney hat eine gute Mischung zwischen spannenden Szenen und ruhigeren Passagen erwischt. Bei ersteren bin ich oft dagesessen und konnte kaum glauben, wie abgrundtief böse und gestört jemand sein kann. Bei letzteren hat oft unterschwellig die sich anbahnende Bedrohung durchgedrückt.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Zäh wie Kaugummi!

Dunkelmann
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Agentin Maja Brink wird in die Türkei geschickt. Dort wird sie bei dem gefährlichen Einsatz verletzt und muss zurück nach Dänemark. Statt ihre Genesung voranzutreiben, hat sie sofort einen neuen Fall auf ...

Agentin Maja Brink wird in die Türkei geschickt. Dort wird sie bei dem gefährlichen Einsatz verletzt und muss zurück nach Dänemark. Statt ihre Genesung voranzutreiben, hat sie sofort einen neuen Fall auf dem Tisch.

Eine chinesische Gruppe hat es auf Dänemark abgesehen und Analyst Daniel Hartmann vom dänischen Geheimdienst ist sich sicher, dass Maja Brink die richtige Agentin für diesen brisanten Fall ist. Maja übernimmt den Fall, obwohl sie mit ihrer Familie hätte Urlaub machen sollen.

Rasch wird aufgedeckt, dass ein Mitglied der chinesischen Delegation unter falschem Namen in Kopenhagen aufkreuzt.


Agententhriller? Tönt spannend und der Klappentext verspricht eine fesselnde Story, die vielleicht Parallelen zu der Realität hat. Dachte ich.

Leider habe ich mich praktisch über die ganze Geschichte leicht gelangweilt. Oft habe ich den roten Faden nicht gesehen. Denn es wird mal hier, mal da erzählt und die Zusammenhänge sind manchmal schwer zu durchblicken. Einmal ist Maja in der Türkei, mal in Kopenhagen, mal befasst sie sich mit einem Fall, dann wieder mit dem anderen. Die Handlung rund um Hartmann ist zum Glück beständiger.

Beide leben in schwierigen Beziehungen. Diese kränkeln vor allem, weil berufliche Belange immer Vorrang haben. Da ist zum Beispiel Daniel Hartmann, dessen Frau Isabella einen Podcast veröffentlicht, der ihm aus irgendeinem Grund nicht ins Konzept passt. Der Podcast handelt von den internen Verhältnissen beim PET und Daniels Chef will diesen verhindern. Die Gründe dafür habe ich bedauerlicherweise nicht nachvollziehen können.

Aber auch die Beziehung zwischen Maja und Freund Jonas ist brüchig, da ein geschäftlicher Anruf für sie immer Vorrang hat. Sogar in der Paartherapie, die sie starten, geht sie vor die Türe um zu telefonieren.

Ich denke es hätte der Spannung gutgetan weniger Privates zu erzählen. Und andererseits die Arbeit des Geheimdienstes so zu erzählen, dass auch ein Leser ohne einschlägige Erfahrung durchblicken kann. Man merkt halt durch die detaillierten Beschreibungen schon, dass einer der Autoren jahrelang Leiter des Geheimdienstes war. Da war viel Insider Wissen, verschachtelte Arbeit und Hintergründe, die ich oft nicht einordnen, geschweige denn verstehen konnte.

Mich hat das Buch entäuschenderweise weder gepackt noch hat es mir gefallen. Tatsächlich hatte ich so meine Probleme und ich musste mich durchbeissen. Zäh wie Kaugummi!

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