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Veröffentlicht am 25.05.2025

Geschichtsbewussten Umgang mit Wörtern einüben

Verbrannte Wörter
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"Verbrannte Wörter" beschäftigt sich mit der Evaluation bestimmter Wörter die unter dem Verdacht stehen, Vokabular der Nationalsozialisten gewesen zu sein. Das Buch ist alphabetisch aufgebaut, mit einem ...

"Verbrannte Wörter" beschäftigt sich mit der Evaluation bestimmter Wörter die unter dem Verdacht stehen, Vokabular der Nationalsozialisten gewesen zu sein. Das Buch ist alphabetisch aufgebaut, mit einem Register am Ende und kann insofern gut als Nachschlagewerk, wie wir es von Duden-Publikationen kennen, verwendet werden. Jedes Wort bekommt seinen eigenen Artikel, in dem die linguistischen Ursprünge des Wortes, seine Verwendung oder Nichtbelegbarkeit in nationalsozialistischen Schriften, sowie seine inhaltliche Relevanz für nationalsozialistische Werte und zuletzt die Gebraucgsentwicklung nach dem "dritten Reich" betrachtet werden. Jeder Artikel schließt mit einem kurzen Fazit und einer Empfehlung, in der die persönliche Stimme des Autors deutlich wird. In der Einleitung findet sich ein Überblick über die Stilmittel und den Kontext von nationalsozialistischer Sprache über einzelne Wörter hinaus.

Es mag erstaunen, wie oft das Fazit des Autors in einer unbedenklichen oder eingeschränkten Nutzungsfreigabe mündet. Das gute an dem Buch ist, dass die Artikel wirklich kompakt vorher alles notwendige liefern, damit wir als Lesende unser eigenes Urteil bilden können. Dabei fällt insbesondere die Zitatfülle positiv auf, auch wenn diese eine durchgehende Lektüre (im Kontrast zur Wörterbuchverwendung) anstrengend macht. Der Autor geht sowohl in der Wortauswahl, als auch in den Artikeln auf jüngere Debatten ein. So wird im Artikel zu "Heil Hitler" die Verwendung des "deutschen Grußes" insgesamt betrachtet, nicht nur die Worte selbst. Manchmal konnte ich Aussagen des Autors nicht ganz nachvollziehen, zum Beispiel, seine Feststellung, dass das Wort "asozial" heute kaum noch verwendet wird, obwohl es mir, leider, durchaus häufiger begegnet.

Die Mischung der Wörter war meine Meinung nach gut gelungen und die Artikel sind für jeden Wissensstand gut anknüpfbar. Bei Wörtern, die ich vorher schon richtig dem Nazivokabular zugeordnet hatte, habe ich meine Begründung schärfen können, bei manchen Wörtern war ich überrascht zu lernen, dass sie bei weitem nicht so nationalsozialistisch waren, wie von mir angenommen und bei anderen tat sich eine viel deutlichere Verbindung zum und Prägung im Nationalsozialismus hervor. Es waren auch ein paar Wörter vertreten, die mir zuvor gänzlich unbekannt waren.

Insgesamt empfand ich die Lektüre als lehrreich und bereichernd und werde das Buch als Nachschlagewerk sicherlich weiter benutzen.

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Veröffentlicht am 21.05.2025

Schönes Cover, inhaltlich nicht bereichernd

Die Autistinnen
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Das eindrücklichste an "die Autistinnen" ist die Besessenheit der Autorin Autismus zu diagnostizieren. Anhaltspunkte braucht sie dafür nicht viele, es wird munter spekuliert und das Ergebnis als Fakt dargestellt. ...

Das eindrücklichste an "die Autistinnen" ist die Besessenheit der Autorin Autismus zu diagnostizieren. Anhaltspunkte braucht sie dafür nicht viele, es wird munter spekuliert und das Ergebnis als Fakt dargestellt. Es ist ermüdend und auch einfach unangenehm zu lesen. Es wird sicherlich Personen in der Vergangenheit gegeben haben, die heute eine Autismus Diagnose erhalten hätten. Aber wir wissen es nicht und können nur darüber spekulieren. Welchen Wert hat das? Müssen wir als autistische Menschen sämtliche Poetinnen, Philosphinnen und überhaupt Menschen, deren Worte und Werke mit unserer Erfahrung resonieren als ebenfalls autistisch deklarieren? Ich halte das für eine gefährliche und schlicht absurde Herangehensweise.

Die Autorin versucht auch ein paar Fakten zu Autismus und insbesondere autistischen Frauen darzulegen, aber auch hier hatte ich den Eindruck, dass die Sorgfalt gefehlt hat unterschiedliche Evidenzgrade wiederzugeben. Ihr Versuch "hochfunktionalen Autismus" als Kategorie und Buchfokus zu rechtfertigen wirkte auf mich dissonant.

Interessant waren die Einblicke in die Erfahrung der Autorin, diese kamen leider unter den anderen beiden Aspekten zu kurz.

Tja nun, schönes Cover, aber inhaltlich nicht bereichernd.

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Veröffentlicht am 14.05.2025

Spannend, berührend, gutes Romantasy

Heartless Hunter. Der rote Nachtfalter, Band 1
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Wirklich gutes Romantasy begegnet mir selten, oft wird einer der beiden Aspekte vernachlässigt und oft ist dieser Aspekt das Fantasy. Nicht so bei "heartless hunter". Romance und Fantasy greifen nahtlos ...

Wirklich gutes Romantasy begegnet mir selten, oft wird einer der beiden Aspekte vernachlässigt und oft ist dieser Aspekt das Fantasy. Nicht so bei "heartless hunter". Romance und Fantasy greifen nahtlos ineinander, sind jeweils für sich gesehen stark und werden zusammen zu etwas Größerem als ihre Teile.

Die Geschichte um Rune, die Hexe die als roter Nachfalter andere Hexen rettet, und Gideon, den Hauptmann der Blutwache der Hexen jagt, insbesondere den roten Nachfalter, ist durchweg spannend. Das Spiel der beiden ist einfach toll zu lesen, ihnen zu zu schauen, wie sie mit Witz und Geschick einander umgarnen, als Leser nie ganz sicher, welche Finte als nächstes kommt. Ich war da durchaus parteiisch für Rune, aber die Autorin schafft es von Anfang an vielschichtige Charaktere zu schaffen, bei denen es kein einfaches schwarz-weiß gibt. Dazu tragen auch die gelegentlichen Perspektivwechsel zwischen Gideon und Rune bei. Die Auswahl der Charaktere, die rund um die beiden im Fokus stand habe ich als rund empfunden, nicht zu viel "Ablenkung" aber genug für Kontext und das Gefühl einer lebendigen Welt.

Magie und der Umgang mit ihr ist zentral im Konflikt zwischen Rune und Gideon und immer präsent in der Welt in der sie sich bewegen. Mir gefällt die gefühlte Tiefe im Worldbuilding, die hauptsächlich durch kleine Kontextualisierungen, Erinnerungen und Beschreibungen wie nebenbei entsteht, obwohl deutlich die Spannung und die Beziehung zwischen Rune und Gideon im Vordergrund steht. Ich habe sehr mitgefiebert, manchen plottwist geahnt und bin von manch anderem gekonnt überrascht worden. Ich hatte Freude am Lesen, möchte wissen, wie es im nächsten Band weitergeht und gehe gut unterhalten aus der Geschichte. Aus meiner Sicht also alles, was ich von einer guten Romantasy erhoffe.

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Veröffentlicht am 24.04.2025

Zurück in der Welt der Bücher

Liga Lexis – Blutrote Tinte
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Mit seiner Fähigkeit eine ganze Menge Action, Geheimnisse aufdecken und Liebe(skummer) überzeugend in wenigen Tagen stattfinden zu lassen erinnert mich "Liga Lexis" an die Edelstein Trilogie. Ebenso gemeinsam ...

Mit seiner Fähigkeit eine ganze Menge Action, Geheimnisse aufdecken und Liebe(skummer) überzeugend in wenigen Tagen stattfinden zu lassen erinnert mich "Liga Lexis" an die Edelstein Trilogie. Ebenso gemeinsam haben die beiden Reihen eine Fantasywelt in der ich so richtig eintauchen kann und wie sie mich zum prust-lachen bringen. Oder anders gesagt: der zweite "Liga Lexis" Band ist feinstes Jugendbuch-Fantasy.

Zum zweiten Mal werden wir Lesenden nach Bookford Manor und in die Lexis eingeladen. Die Hauptfigur einer beliebten Buchreihe ist gestorben und die Auswirkungen auf die Welt der Migra sind beängstigend. Natürlich versucht Annie zu helfen, immerhin kann sie Dinge, die für die anderen Migra undenkbar scheinen. Aber wohin führt sie ihre Waghalsigkeit?

Mein lieblingsteil ist ohne Frage der, in dem Annie sich in neue Teile der Buchwelt vorwagt. Trotz aller Spannung und Bedrohung kommt da so viel Freude und Staunen aus den Beschreibungen und Buchwelt-Referenzen.
Auch die Freundschaft zwischen Annie, Mac und Fitz ist genau die richtige Mischung aus füreinander-da-sein, sich-gegenseitig-auf-den-keks-gehen und einander-zu-fragwürdigen-Aktionen-überreden. Die Drei sind eine tolle Truppe und wir Lesende durch die Erzählweise mittendrin.
Über Caspian erfahren wir ein paar neue Dinge, nachdem wir uns am Ende des ersten Buches fragen mussten, was an ihm denn nun wirklich echt war. Annie's Liebeskummer-Zwiespalt wächst mit der Komplexität von Caspian.
Und nicht nur in Caspians Vergangenheit gibt es Dinge, die das Verständnis der Gegenwart verändern. Auch Annies rätselhafte Herkunft und ihre besonderen Fähigkeiten scheinen wichtig zu sein.
Annie's Ringen um einen - um ihren - Platz in der Welt der Migra trägt dieses Buch.

Was ich mir zum Ende irgendwie noch nicht vorstellen kann, ist, wie diese Reihe im nächsten Band abgeschlossen werden soll. Nicht nur, weil noch so viel offen ist, auch, weil ich mich noch gar nicht bereit fühle Abschied von dieser von Bücherliebe getragenen Welt zu nehmen.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Was erzählen wir uns über psychische Zustände?

Sich selbst fremd
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Ich habe Rachel Avivs "sich selbst fremd" gelegentlich auf den Lesestapeln Psychiatrie-kritischer Menschen gesehen und es dann ohne große Überlegungen ausgeliehen, als es in der Stadtbibliotek bei den ...

Ich habe Rachel Avivs "sich selbst fremd" gelegentlich auf den Lesestapeln Psychiatrie-kritischer Menschen gesehen und es dann ohne große Überlegungen ausgeliehen, als es in der Stadtbibliotek bei den Sachbuch Neuanschaffungen stand. Meine Erwartungen waren entsprechend diffus und ich recht offen zu schauen, was das nun für ein Buch ist.

Die Leitfrage ist die, nach den Narrativen, den Geschichten über unsere psychischen Zustände, die uns erzählt werden und die wir selber erzählen. In gut recherchierten Lebensberichten mit vielen (Fach-)Zitaten versucht die Autorin diese Narrative herauszuarbeiten und fragt, was ihr Einfluss auf die Leben gewesen sein mag. Ich habe die Herangehensweise als journalistisch-respektvoll erlebt und mit einer Tendenz zur differenzierten Antwort, bei der kein Narrativ unbedingt "wahrer" oder "falscher" als ein anderes ist. "Heilung" und "Verderben" scheinen in jedem Narrativ angelegt zu sein. Im ersten Lebensbericht hat mir noch der Kommentar, die Einordnung der Autorin, gefehlt und obwohl dies in den späteren Lebensberichten mehr wird, bleibt doch deutlich die Notwendigkeit sich eine eigene Meinung zu bilden und die Schilderungen selber abzuwägen. Die implizite Frage, was erzähle ich mir - und was lasse ich mir erzählen - und was macht das mit meinem Leben, empfand ich als unbequem, aber wichtig.

Die Lebensberichte fand ich gut ausgewählt, sie decken wesentliche Narrative ab und stellen ihre Probleme und Reibungspunkte untereinander gut heraus.

Mein erster Eindruck ist also durchaus positiv, aber es ist auch kein Buch, dass ich ganz oben auf eine psy*Leseempfehlungsliste setzen würde. Es hat mich zum Nachdenken angeregt, aber mich insgesamt weniger beschäftigt als manch anderes Buch.

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