Geschichtsbewussten Umgang mit Wörtern einüben
Verbrannte Wörter"Verbrannte Wörter" beschäftigt sich mit der Evaluation bestimmter Wörter die unter dem Verdacht stehen, Vokabular der Nationalsozialisten gewesen zu sein. Das Buch ist alphabetisch aufgebaut, mit einem ...
"Verbrannte Wörter" beschäftigt sich mit der Evaluation bestimmter Wörter die unter dem Verdacht stehen, Vokabular der Nationalsozialisten gewesen zu sein. Das Buch ist alphabetisch aufgebaut, mit einem Register am Ende und kann insofern gut als Nachschlagewerk, wie wir es von Duden-Publikationen kennen, verwendet werden. Jedes Wort bekommt seinen eigenen Artikel, in dem die linguistischen Ursprünge des Wortes, seine Verwendung oder Nichtbelegbarkeit in nationalsozialistischen Schriften, sowie seine inhaltliche Relevanz für nationalsozialistische Werte und zuletzt die Gebraucgsentwicklung nach dem "dritten Reich" betrachtet werden. Jeder Artikel schließt mit einem kurzen Fazit und einer Empfehlung, in der die persönliche Stimme des Autors deutlich wird. In der Einleitung findet sich ein Überblick über die Stilmittel und den Kontext von nationalsozialistischer Sprache über einzelne Wörter hinaus.
Es mag erstaunen, wie oft das Fazit des Autors in einer unbedenklichen oder eingeschränkten Nutzungsfreigabe mündet. Das gute an dem Buch ist, dass die Artikel wirklich kompakt vorher alles notwendige liefern, damit wir als Lesende unser eigenes Urteil bilden können. Dabei fällt insbesondere die Zitatfülle positiv auf, auch wenn diese eine durchgehende Lektüre (im Kontrast zur Wörterbuchverwendung) anstrengend macht. Der Autor geht sowohl in der Wortauswahl, als auch in den Artikeln auf jüngere Debatten ein. So wird im Artikel zu "Heil Hitler" die Verwendung des "deutschen Grußes" insgesamt betrachtet, nicht nur die Worte selbst. Manchmal konnte ich Aussagen des Autors nicht ganz nachvollziehen, zum Beispiel, seine Feststellung, dass das Wort "asozial" heute kaum noch verwendet wird, obwohl es mir, leider, durchaus häufiger begegnet.
Die Mischung der Wörter war meine Meinung nach gut gelungen und die Artikel sind für jeden Wissensstand gut anknüpfbar. Bei Wörtern, die ich vorher schon richtig dem Nazivokabular zugeordnet hatte, habe ich meine Begründung schärfen können, bei manchen Wörtern war ich überrascht zu lernen, dass sie bei weitem nicht so nationalsozialistisch waren, wie von mir angenommen und bei anderen tat sich eine viel deutlichere Verbindung zum und Prägung im Nationalsozialismus hervor. Es waren auch ein paar Wörter vertreten, die mir zuvor gänzlich unbekannt waren.
Insgesamt empfand ich die Lektüre als lehrreich und bereichernd und werde das Buch als Nachschlagewerk sicherlich weiter benutzen.