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Veröffentlicht am 27.03.2025

Ernst aber auch super süß

The Lesbiana's Guide to Catholic School
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"the lesbiana's guide to catholic school" ist eins dieser Bücher, bei denen ich am Anfang noch nicht weiß, wie sehr sie mir gefallen werden.

(Ich empfehle die Content Note zu berücksichtigen, allerdings ...

"the lesbiana's guide to catholic school" ist eins dieser Bücher, bei denen ich am Anfang noch nicht weiß, wie sehr sie mir gefallen werden.

(Ich empfehle die Content Note zu berücksichtigen, allerdings enthält diese auch spoiler.)

Mir gefällt die Gleichzeitigkeit, die dieses Buch lebt und die Charakterentwicklung, nicht nur von Yamila. Schwere Themen verbinden sich mit so richtig cheesy Wohlfühl-Momenten. Angst steht neben Hoffnung und die Charaktere versuchen alle ihren Weg zu finden. Die Beziehungen der Charaktere untereinander empfand ich als sehr schön geschrieben, insbesondere die Geschwisterbeziehung von Yamila und Cesar. Jedenfalls war ich nach dem ersten großen Plottwist sehr am mitfiebern, mitbangen und mithoffen. Es ist nicht langweilig geworden, aber auch nicht so auf Spannung ausgelegt, dass die kleine Momente zu kurz kamen. Insgesamt beeindruckt mich die Feinfühligkeit der Erzählung, die Nuanciertheit mit der Themen, Lebensumstände und Persönlichkeiten verbunden und das Erleben der einzelnen Charaktere ausgelotet wird.

Ich konnte immer wieder sehr mit den Charakteren mitfühlen, aber auch sehr von ihnen lernen.

Es ist eine wunderbare coming-out und erwachsen-werden Geschichte. Eine über Familie, Religion, Liebe, Kultur, Rassismus. Ich glaube, es ist bisher das beste Sapphic Jugendbuch, was ich gelesen habe.

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Veröffentlicht am 27.03.2025

Kurzrezension: intensiv

Louder Than Hunger
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In "louder than hunger" lesen wir Jake's Tage-/Notizbuch während seiner Esstörung. Wir lesen von "der Stimme", die ihm Freund und Trost, aber vielleicht auch Schaden ist. Von den Dingen, die ihm wichtig ...

In "louder than hunger" lesen wir Jake's Tage-/Notizbuch während seiner Esstörung. Wir lesen von "der Stimme", die ihm Freund und Trost, aber vielleicht auch Schaden ist. Von den Dingen, die ihm wichtig sind, wie Gedichten und Musicals. Von den Menschen in seinem Leben, seiner Großmutter.

Die Seitengestaltung und der Schreibstil sind kreativ, da ist Bewegung und Fahrt in der Typographie. Manchmal las es sich dadurch zu schnell, aber insgesamt hat es mich sehr angesprochen. Ich finde die Erzählung sehr intensiv und immersive, für mich war das okay, insbesondere, da ich ab einem bestimmten Punkt bis zum Ende durchgelesen habe.

Ich mag Jake und wünsche ihm ein derbe gutes Leben!

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, es behandelt eindrücklich das Erleben von Anorexie.

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Allround Highlight

If We Were Gods
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Am Anfang dachte ich noch so, okay, definitiv nicht schlecht, aber vielleicht hatte ich zu hohe Erwartungen. Doch dann hat mich die Geschichte mit Haut und Haar verschlungen. Sie hat alles, Abenteuer, ...

Am Anfang dachte ich noch so, okay, definitiv nicht schlecht, aber vielleicht hatte ich zu hohe Erwartungen. Doch dann hat mich die Geschichte mit Haut und Haar verschlungen. Sie hat alles, Abenteuer, Freundschaft, Liebe, Wissbegierigkeit; der große Taumel des junge-Erwachsene-seins, nur mit Magie. Und was für welcher, ein ausgeklügeltes, faszinierendes System das gleichzeitig so logisch, richtig, ja, normal scheint. Als wäre die Welt wirklich so und ich wüsste es nur nicht. Diese Geschichte wird so real wie selten ein Fantasybuch. Das Buch selber entwickelt eine Art Sog, parallel dazu, wie auch unsere Protagonist*innen sich der Faszination, dem Rausch der Macht nicht entziehen können. Dieses Buch hat mich trunken gemacht und ich habe es geliebt.

Sehr gut gefallen hat mir auch die Selbstverständlichkeit mit der die Autorin die Vielfalt von uns Menschen abbildet. Im Charakter, sexueller Anziehung, Sprache, Aussehen...
Alle Hauptpersonen sind so feinfühlig und vielschichtig geschrieben, bekommen ihre Momente und intimen Details, die sie nach und nach konturieren und so lebensecht ausmachen. Auch, wenn das Buch Olivia's Sicht zentriert, dominiert sie die Geschichte nicht unangenehm, im Gegenteil. Die sechs Charaktere wachsen zu einer Gruppe zusammen und machen alle, mühelos zusammen und gleichzeitig als Einzelpersonen oder in Untergruppen, die Dynamik dieser Geschichte aus.
Alles ist immer in Bewegung und Beziehung, die Spannung baut sich unerbittlich auf und doch wird ihr von der Autorin kein einziges Thema geopfert. Freundschaft, Liebe, Familie, Begabung, Magie, Persönlichkeitsentwicklung: statt in der Spannung unterzugehen trägt die Art wie sie alle Raum bekommen nur zu ihr bei.
Dieses Buch ist sein eigener magischer Zirkel. Es hat mich bewegt, unterhalten und komplett für sich eingenommen.

Das Einzige, was mich etwas gestört hat, ist wie viel Alkohol in dem Buch getrunken und erwähnt wird. Es gibt, außer einer Person über deren Gründe nie wirklich gesprochen wird, wenig Gegengewicht zum Konsum. Ich fand diese andauernde beschwipst- bis Betrunkenheit leicht unangenehm. Allerdings bietet sie eine interessante Parallele zur Machttrunkenheit der Charaktere und passt durchaus zur Geschichte.

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Veröffentlicht am 27.02.2025

lesenswerter Roman zur deutschen Psychiatriegeschichte

Gespensterfische
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"Gespensterfische" ist ein Buch, das Kreise dreht, auch um sich selbst. Im Zentrum eine kaum zu Greifende Idee davon, was eine psychiatrische Anstalt ist. Dann, immer wieder, eindrücklich klare Momentaufnahmen: ...

"Gespensterfische" ist ein Buch, das Kreise dreht, auch um sich selbst. Im Zentrum eine kaum zu Greifende Idee davon, was eine psychiatrische Anstalt ist. Dann, immer wieder, eindrücklich klare Momentaufnahmen: das ist diese Klinik.

Das Thema, stilistisch wie inhaltlich: der Resonanzraum. Das erste Kapitel beschreibt den Ausgangspunkt, eine bestimmte Zeit, ein bestimmter Ort, bestimmte Personen. Davon aus kreist die Erzählung dann, durch die Zeiten dieser Klinik und durch ihre Menschen, deren Familien und kreist durch diese Menschen auch über die Anstaltswege hinaus. Erfahrungen, Gedanken, Gefühle stehen nebeneinander, überlagern sich, eben stilistisch tatsächlich wie ein großer Raum voller Stimmen. Als Gegengewicht die Klarheit der Bilder die Protagonistin Laura zeichnet.
Immer wieder war mir das zu viel - zu viele Zeiten, zu viele Personen mit ihren vielfältigen Verstrickungen - um den Überblick zu behalten und einen Sinn in der Erzählung zu finden. Aber, wie das beim Kreisen, bei Ellipsen, wohl so ist, kam es dennoch immer wieder zusammen, verbanden sich die Einzelteile eben doch immer wieder zu einem Bild, nur um dann kaleidoskopisch wieder auseinander zu fallen.
Emotional erging es mir genauso wie kognitiv, manche Kapitel haben mich tief berührt, komplett abgeholt, andere wirkten, zunächst, deplatziert. Zwischenzeitlich hat mich der große Fokus auf die psy*arbeitenden geärgert, auch die Gewalt blieb irgendwie doch umschifft. Aber genau dieses Umschiffen, die Beobachtung und eben doch subtil schonungslose Bloßstellung dessen, was das heißt, ist für mich im Verlauf zum Herzstück und großen Verdienst dieses Buches geworden. Da ist für meinen Geschmack vielleicht zu wenig Wut in der Erzählung, dafür aber fein sezierte Scham und Schuld.
Ich weiß nicht, wie das auf Menschen wirkt, die wenig historisches Vorwissen haben, denke aber schon, dass die konkreten Hinweise im Buch reichen müssten, um folgen zu können.

Insgesamt halte ich "Gespensterfische" für einen gelungenen Roman über die Psychiatriegeschichte, der voller zitierwürdiger Passagen zumindest der Vergangenheit kritisch begegnet.

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Veröffentlicht am 25.02.2025

Über Familie und Kinder, die pflegen

Die erste halbe Stunde im Paradies
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Ein Buch über pflegende Kinder. Düster, aber distanziert und gleichzeitig, voller Liebe. "die unerträgliche Gleichzeitigkeit unvereinbarer Gefühle." (s.250).

Anne und Kai sind Geschwister. In der Gegenwart ...

Ein Buch über pflegende Kinder. Düster, aber distanziert und gleichzeitig, voller Liebe. "die unerträgliche Gleichzeitigkeit unvereinbarer Gefühle." (s.250).

Anne und Kai sind Geschwister. In der Gegenwart ist Anne auf einem Pharmakongress als Kai anruft, weil er sonst niemanden hat, der ihn aus der Entzugsklinik abholen kann. In der Vergangenheit haben die beiden ihre Mutter gepflegt.
Aus Annes Perspektive erfahren wir, was das für eine Kindheit war. Aber Kais Anruf und seine plötzliche Wieder-Anwesenheit bringt Annes Funktionieren durcheinander.

Die Sprache spiegelt Anne's kühle Klarheit. An der Oberfläche ruht es still, darunter türmen sich die Emotionen.

Ich finde, es geht immer wieder um das Aushandeln von Würde. Der der Mutter, der der Kinder, der der Familie. Niemand gewinnt, niemand ist so wirklich im Unrecht, aber okay ist die Situation trotzdem nicht, auch Jahre später in der Gegenwart der Erzählung.

Wir dürfen als Lesende dabei sein, erstaunlicherweise fühlt sich diese intime Erzählung trotzdem sehr einladend an. Die Worte fließen, auch, wenn sich die Gefühle aufstauen. Das ist ein kleines stilistisches Wunder, wie leicht sich der Roman liest ohne dass inhaltlich etwas beschönigt wird.

Kinder, die pflegen sind, finde ich, selten Thema. Janine Adomeit nimmt sich der Thematik respektvoll und nuanciert an, das gefällt mir sehr.

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