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InaVainohullu

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Veröffentlicht am 09.05.2021

Hat gute, aktuelle Aspekte, ist aber auch etwas unrund.

Such a Fun Age
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SUCH A FUN AGE war ein Roman, der mich, um ganz ehrlich zu sein, etwas ratlos zurücklasst.

Kiley Reid erzählt in ihrem Debüt, die Geschichte von Emira, die als Babysitterin für die Familie von Alix Chamberlain ...

SUCH A FUN AGE war ein Roman, der mich, um ganz ehrlich zu sein, etwas ratlos zurücklasst.

Kiley Reid erzählt in ihrem Debüt, die Geschichte von Emira, die als Babysitterin für die Familie von Alix Chamberlain arbeitet.
Emira ist eine junge Schwarze, die ein bisschen struggled, was sie mit ihrem Leben anfangen soll und will, Alix ist eine weiße Privilegierte, erfolgreich, gut betucht, der man zunächst ein Helfersyndrom zuschreiben möchte, was aber eigentlich keines ist, sondern sich eher als ein "Sich selbst in den Mittelpunkt stellen" entpuppt, was einem einerseits recht schnell klar wird, sich in der Geschichte aber erst so richtig entwickelt, als Kelley Copeland auftaucht.

Kelley wird in einem Supermarkt Zeuge, wie man Emira versucht dort festzuhalten, weil sie nach 21 Uhr mit Briar, der älteren Tochter der Chamberlains unterwegs ist. Vom Sicherheitsmann und einer Kundin, wird ihr, nur aufgrund ihrer Hautfarbe unterstellt, das Kind gekidnappt zu haben, obwohl Emira tatsächlich einfach nur ihren Job macht. Kelley filmt das Ganze, doch Emira macht ihm schnell klar, dass sie nicht will, dass dieses Video öffentlich gemacht wird.

Die Wege der Beiden kreuzen sich einige Zeit später wieder und sie werden zu einem Paar. Emira ahnt allerdings nicht, dass auch Alix und Kelley sich kennen und plötzlich beginnt eine sehr leise Schlacht um Emiras "Gunst", die aber im Kern überhaupt nichts mit ihr selbst zu tun hat, sondern eher ein Kampf um den jeweils eigenen Stolz ist.
Emira ist für Beide nur ein sehr praktischer Spielball.

Natürlich geht es aber nicht nur um Privilegien und um den eigenen Status, sondern auch um Rassismus, der unterschwellig in den Protagonisten verankert ist. Sie handeln sehr oft, ohne nachzudenken oder auch nur zu erahnen, was das in Emira auslöst. Die Eine will sich als guter Mensch darstellen, was ansich schon völlig absurd ist, weil man dazu keinen schwarzen Babysitter braucht, was total rassistisch ist, hallo ?! Der Andere hingegen fetischisiert das Ganze, ist fixiert darauf, sich als Weißer immer mit schwarzen Freunden und Freundinnen zu umgeben, seine Freundinnen mit Miss anzusprechen und Dinge zu mögen, die man ganz offensichtlich schwarzen Menschen zuzuschreiben.

Ich saß beim Lesen mehrfach fassungslos da und dachte mir nur so: What the F***?

Den Aspekt, wie sich die eigenen Figuren sehen, darstellen und zu Rassismus stehen, obwohl sie selbst offensichtlich rassistische Gedanken haben, die sie gar nicht checken, fand ich spannend und interessant. Regt auf jeden Fall auch zum Nachdenken und zur Selbstreflektion an.

Auch den Schreibstil mochte ich sehr, doch es fehlte mir deutlich an Spannung, an mehr offensichtlichem Fingerzeig und an Emiras Aktivität. Sie wirkt oft so passiv, nimmt Vieles hin, um Konflikten aus dem Weg zu gehen. Einerseits sicher verständlich, andererseits hat mir ihr Schweigen aber auch manchmal wütend gemacht.

Und auch mit dem Ende bin ich nur so halb glücklich, weil ich einfach das Gefühl habe, dass keine der Figuren irgendetwas gelernt hat. Ich hoffe dafür, dass die künftigen Leser:innen dafür umso mehr daraus mitnehmen. Mir ging es jedenfalls so.


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Veröffentlicht am 03.05.2021

Ich mochte es, habe aber auch ein paar Kritikpunkte

Everything We Had
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Kate lebt in London und träumt von einem eigenen Cafè. Als sie die Chance bekommt, eine tolle Immobilie zu mieten und sich nach ihren Wünschen selbstständig zu machen, da greift sie zu. Doch leider hat ...

Kate lebt in London und träumt von einem eigenen Cafè. Als sie die Chance bekommt, eine tolle Immobilie zu mieten und sich nach ihren Wünschen selbstständig zu machen, da greift sie zu. Doch leider hat sie die Rechnung ohne Aidan, den Neffen, der Besitzerin gemacht. Denn auch Aidan will den Laden unbedingt haben, um seine eigene Buchhandlung zu eröffnen. Eigentlich wäre die Kombination von Büchern, Gebäck und Cafè ein wahres Träumchen, doch leider können sich Aidan und Kate so gar nicht leiden. Und deshalb schließen sie eine Wette ab: Wer am Ende des ersten Jahres, weniger Einnahmen hatte, muss das Feld räumen.

Kate kämpft mit köstlichen Mitteln und ist motiviert, gegen Aidan zu gewinnen. Doch ein schwer traumatisches Erlebnis, zieht sie immer wieder runter und bestimmt ihre Gedanken und auch ihren kompletten Alltag. Und obwohl sie eine Meisterin darin ist, sich nach außen hin zu verstellen, merkt ausgerechnet Aidan, dass irgendetwas nicht stimmt.....

EVERYTHING WE HAD war mein erster Roman von Jennifer Bright, die ich schon seit ein paar Jahren als Bloggerin kenne und deren Account ich sehr mag. Umso neugieriger war ich also auch auf ihren Roman, der mich dann jedoch nicht komplett überzeugen konnte.

Aber das Positive zuerst: Ich mochte sowohl Kate als auch Aidan als Protagonisten sehr gerne. Beide wollen sich einen großen Traum erfüllen und sind nicht gerade begeistert, dass sie sich einen Laden teilen müssen. Dementsprechend explosiv ist ihre Zusammenarbeit, was mich wirklich amüsiert hat.

Auch die Themen, denen sich die Autorin hier annimmt fand ich sehr stark und auch eine mutige Wahl, denn wann immer es um sexuelle Gewalt, Angstzustände, Panikattacken und mental health im Allgemeinen geht, braucht es sehr viel Fingerspitzengefühl, welches die Autorin hier meines Erachtens nach, bewiesen hat.
Zudem gibt es eine ausdrückliche Triggerwarnung und die wirklich schlimme Szene ist zwar schockierend beschrieben, aber nicht unnötig detailliert.

Außerdem fand ich den Umgang damit sehr authentisch und nachvollziehbar. Ich konnte mich sehr gut in Kate hineinversetzen und habe ihre Ängste, Sorgen und auch ihre Schuldgefühle verstanden und mochte die Art und Weise, wie sie daran arbeitet, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. Auch positiv fand ich hier, dass sich die Problembewältigung nicht auf eine Wunderheilung durch Liebe stützt, wie das besonders in diesem Genre immer wieder mal vorkommt und in meinen Augen absolut falsche Vorstellungen vom Heilungsprozess an die Leser:innen vermittelt. Hier wurde das also sehr gut umgesetzt.

Auch die Liebesgeschichte, die sich im Verlauf entwickelt fand ich süß, ABER....

Damit komme ich zu den Punkten, die mir in der Umsetzung nicht ganz so gut gefallen haben. Da ist zum Einen der rasante Wandel zwischen Kate und Aidan. Mir ging das alles recht schnell vom "Ich kann dich nicht leiden" bis hin zum ersten "Ich liebe dich", besonders weil es Kate nicht leichtfällt, Anderen zu vertrauen.

Der zweite Punkt waren die praktischen Fügungen, von denen es zwei gab, auf die ich hier aber nicht näher eingehen kann, weil das zwangsläufig spoilern würde.

Und der letzte Punkt ist die Tatsache, dass sich am Ende die Ereignisse fast ein wenig überschlagen und sich alle Probleme und Ängste, etc. zu leicht aufklären.

Ich bin ehrlich, ich tu mir mit der Sterne-Wertung hier etwas schwer, denn einerseits würde ich aufgrund der Kritikpunkte nur 3 Sterne vergeben, andererseits gab es aber auch viel Positives und der Schreibstil war so flüssig und trotz der Thematik leicht, sodass ich das Buch in einem Rutsch gelesen habe, was sich wiederum Positiv auf die Wertung auswirkt. Weil ich also irgendwie zwischen 3 (zu wenig) und 4 (aufgrund der Kritik nicht ganz angemessen) schwanke, geh ich den äußerst seltenen Mittelweg und vergebe sehr gute 3,5 Sterne.

  • Cover
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Veröffentlicht am 26.04.2021

Ein rundum schöner, zweiter Band.

Walk through HOPE
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Auch mit dem zweiten Band ihrer "faith.hope.love"-Reihe ist es Felicitas Brandt gelungen, mich zu begeistern, mich zu amüsieren und mein Herz zu berühren. So ist New Adult, wie ich es gerne häufiger finden ...

Auch mit dem zweiten Band ihrer "faith.hope.love"-Reihe ist es Felicitas Brandt gelungen, mich zu begeistern, mich zu amüsieren und mein Herz zu berühren. So ist New Adult, wie ich es gerne häufiger finden und lesen möchte.

Eine realitätsnahe Geschichte mit starken Protagonisten, in dem es keine unnötig aufgebauschten Dramen, sondern sanfte Charakterentwicklungen gibt.

Lia will ihre Freundschaft zu Izzy kitten, wobei sie sich gar nicht mal sicher ist, was überhaupt zwischen ihnen passiert ist. Izzy hat plötzlich kaum noch auf Nachrichten reagiert und sich irgendwie zurückgezogen und genau deshalb packt Lia einfach ihren Koffer und macht sich auf die Reise nach Lokvard an det Ostseeküste. Dort trifft sie jedoch nicht nur Izzy, sondern auch schon nach kurzer Zeit auf Milan und obwohl es hier vordergründig erst einmal um Freundschaften geht, erleben wir schon bald auch eine einfühlsame Liebesgeschichte, die unter die Haut geht.

Felicitas Brandt hat eine sehr facettenreiche Geschichte geschrieben und vor allem hat sie starke Protagonisten geschaffen. Lia ist ein herzlicher, vorurteilsfreier und weltoffener Mensch, sie ist mutig und tough und versucht überall zu helfen, wo es geht. Milan ist zunächst etwas distanziert, wirkt oft sehr wütend, spricht nicht über seine Gefühle und kämpft mit äußeren und vor allem inneren Narben. Im Verlauf erlebt er für mich eigentlich die größte Wandlung.

Auch das Setting mochte ich sehr. I mean: Strand, Meer, Liebe. Besser geht es eigentlich kaum. Ich fand die Beschreibungen so detailliert und schön, ich wäre am liebsten direkt selbst los, um eine Runde am Meer spazieren zu gehen.

Und auch den Schreibstil fand ich wunderschön. Flüssig und leicht, an den richtigen Stellen tiefgründig, spannend oder dramatisch. Immer mit einer Brise Humor gespickt und auch christliche Werte und der Glaube an Gott fließen hier wieder mit ein, ohne überbordend oder ein Fingerzeig zu sein.

Mir hat es wirklich unglaublich gut gefallen und ich freue mich wahnsinnig auf den letzten Band.

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Veröffentlicht am 25.04.2021

Ein schöner, wenngleich nicht ganz runder, Ausflug in die 1950er.

Der Eissalon
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"Der Eissalon" von Anna Jonas entführt uns ins Jahr 1957. Der 2. Weltkrieg liegt 12 Jahre zurück, doch seine Auswirkungen sind nach wie vor spürbar. Viele Menschen sind traumatisiert, kämpfen mit ihren ...

"Der Eissalon" von Anna Jonas entführt uns ins Jahr 1957. Der 2. Weltkrieg liegt 12 Jahre zurück, doch seine Auswirkungen sind nach wie vor spürbar. Viele Menschen sind traumatisiert, kämpfen mit ihren Verlusten oder schlimmen Träumen, Wohnraum befindet sich in der Erneuerung und das Frauenbild ist ein stark konservatives.

Auch Karina von Oedingshof macht mit Letzterem Erfahrung. Als Tochter aus gut situierter Hoteliersfamilie wird ihr das Privileg zuteil, das heimische Koblenz zu verlassen und eine Ausbildung auf einer Restaurantschule zu machen. Dort lässt sie sich jedoch vom Charme ihres Lehrers einwickeln, wird beim "Anbändeln" erwischt und fliegt von der Schule. Die Situation, dass man sie selbst als liderlich bezeichnet, während der Lehrer nur eine Verwarnung bekommt, beschämt Karina so sehr, dass sie die Familie vorerst gar nicht informiert, sondern sich in Bonn ein Zimmer zur Miete sucht.

Bei Erika, die im Krieg ihre Familie verloren hat, findet sie einen Platz und trifft dort auf deren zweiten Mieter Ricardo, der nach dem Krieg aus Italien zurück nach Deutschland kam und neben seinem Kellnerjob, selbstgemachtes Eis verkauft. Aus ihrer beiden Geschichten wird bald Eine, denn Karina ist fest entschlossen, ihr eigenes Ding durchzuziehen, ganz egal, was die Familie sagt.

Und so eröffnen sie und Ricardo schon bald ihren "Eissalon" und werden ein Paar, dass sich mit vielerlei Hindernissen konfrontiert sieht.

Der Einstieg in die Geschichte gelang mir schnell und hat mir besonders deshalb so viel Freude gemacht, weil Karina entschlossen ist, mit vielen Konventionen zu brechen. In den 1950ern war Gleichberechtigung doch eher ein Fremdwort. Frauen hatten zu heiraten und sich danach um Kinder und Haushalt zu kümmern. Unterstanden so lange ihrem Vater oder einem älteren Bruder. Karina ist es bereits vor ihrer Ausbildung gelungen, sich durchzusetzen, um diese auch absolvieren zu können und versucht nach ihrem Rauswurf nun alleine zurecht zu kommen. Sie möchte ihrer Familie, besonders dem Vater beweisen, dass sie es auch selbst zu etwas bringen kann und hat keine Lust, einem Mann nur als schmückendes Beiwerk zu dienen.

Auch Erika, ihre Vermieterin, die im Krieg all ihre Lieben verlor, kämpft gegen das verkrustete Frauenbild, besonders als sie einen jüngeren Mann kennen lernt. Die Freundinnen versuchen ihr diese "Affäre" auszureden, denn das gäbe ja Gerede. Ob sie das wirklich wolle. Und Erika hadert, lang und oft. Doch auf die Liebe muss man sich manchmal einfach einlassen.

Ich mochte die Charaktere sehr, selbst wenn viele und vieles eher undurchsichtig blieb und auch besonders bei Ricardo oft nicht zu spüren war, ob er denn nun echte Gefühle für Karina hegt oder nicht. Es gibt hier keine Herzkribbelmomente, sondern die Liebe kommt eher schleichend und unterschwellig, was sicher gut zu der Zeit passt, in der der Roman spielt. Frauen wurde es von Haus aus schwerer gemacht als Männern und Männer hatten oft mit den Erlebnissen zu kämpfen, die sie im Krieg sehen und erleben mussten. Es war sicher keine einfache Zeit, für niemanden, auch wenn sich das Land 1957 langsam wieder im Aufschwung befand.

Die Geschichte hatte im Gesamten ihre schönen, guten und unterhaltsamen Momente, besonders die entstehenden Freundschaften mochte ich sehr, andererseits war sie aber an vielen Stellen doch viel zu seicht und es gibt einiges an Drama, dass man sicher hätte abkürzen können. Das Ende kam überraschend plötzlich und war für meinen Geschmack nicht ganz rund. Irgendwie fehlte mir da noch wenigstens ein Epilog, aber das ist wie immer wohl Geschmackssache.

Der Schreibstil war leicht und flüssig zu lesen, lediglich die Wortwiederholungen waren etwas nervig, besonders das Wort "gewiss". Ich musste, wann immer es wieder auftauchte, ein Augenrollen schon unterdrücken, weil es einfach ständig vorkam, obwohl es viele Synonyme gibt, die man stattdessen hätte benutzen können.

Setting, Zeit und Flair dagegen mochte ich wirklich gerne, weil man doch ein bisschen was über die Nachwehen des Krieges lesen konnte, die jeden einzelnen Charakter auf die ein oder andere Art im Griff haben. Und tatsächlich habe ich zu keiner Zeit, auch nur im Ansatz gemerkt, dass ich hier den dritten Band einer Reihe lese. Mir war nicht einmal bewusst, dass es schon zwei Romane gibt, die sich mit anderen Mitgliedern aus Karinas Familie befassen.

Fazit: eine leichte, nicht ganz runde, aber durchaus unterhaltende Lektüre.

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Veröffentlicht am 18.04.2021

Ein schräger Roadtrip, mit ernsthafter und gut umgesetzter Thematik

Unpregnant - Der Trip unseres Lebens
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Wenn man hört, dass es da zwei Autor:innen gibt, die versucht sind, eine humorvolle Story über Abtreibung zu schreiben, dann macht das zunächst ehrlich gesagt, erst einmal stutzig. Denn geht das überhaupt ...

Wenn man hört, dass es da zwei Autor:innen gibt, die versucht sind, eine humorvolle Story über Abtreibung zu schreiben, dann macht das zunächst ehrlich gesagt, erst einmal stutzig. Denn geht das überhaupt ?

Jenni Hendriks und Ted Caplan haben ihre Idee großartig umgesetzt und bewiesen: Ja, das geht !

Mit UNPREGNANT haben sie einen turbulenten und auch irgendwie herrlich schrägen Young Adult Roman geschrieben, der sich irgendwo zwischen Road Trip, Coming of Age und weiblicher Selbstbestimmung bewegt, der aber eben auch Freundschaft und ernste Thematiken wie Abtreibung, Stalking und toxische Beziehung behandelt und somit eine wirklich kluge Mischung aus Vielem ist, dass zum Nachdenken anregt und trotzdem stark unterhält.

Veronica ist die perfekte Vorzeigeschülerin. Sie ist beliebt, Jahrgangsbeste, mit dem bestaussehendsten Typen der ganzen Schule liiert und hat eine glorreiche Zukunft vor sich. Doch diese ist plötzlich gefährdet, als Veronica feststellt, dass sie schwanger ist. Wie konnte das nur passieren ? Sie und Kevin haben immer verhütet. Und was soll sie jetzt machen ?

Sie entscheidet sich für eine Abtreibung und trifft hier direkt auf eine der größten Hürden der Handlung. Denn Veronica lebt in Missouri. Abtreibungen werden zwar geduldet und auch gemacht, aber nur mit der Einverständnis der Eltern. Und genau die kann Veronica nicht in ihr Geheimnis einweihen, denn ihre Familie ist sehr gläubig und wenn sie ihren Eltern beichten würde, was passiert ist und das sie überhaupt schon Sex hatte, dann würde sich die Geschichte ihrer Schwester wiederholen und man würde sie in eine Ehe pressen, die sie noch gar nicht will. Für die sie außerdem viel zu jung ist und die ihr ihre Pläne fürs College zunichte machen würden.

Leider ist ihr auch Kevin keine Hilfe, denn der vertritt ähnliche Ansichten, wie die Familie.

Ausgerechnet die durchgeknallte Bailey, mit der Veronica früher einmal eng befreundet war, wird zu ihrer Komplizin und für die beiden Mädels beginnt ein abgedrehter Road Trip nach Albuqerque, auf dem sie nicht nur zu ihrer Freundschaft zurückfinden, sondern auch irgendwie zu sich selbst.

Ich fand die Geschichte unglaublich gut geschrieben und besonders der Umgang mit dem Thema Abtreibung hat mir gefallen, auch wenns mich aufgrund des Umgangs der Leute damit, total wütend gemacht hat. Die amerikanischen Rezensionen zum Buch spiegeln ganz gut wider, wie verbohrt besonders in den USA darauf gepocht wird, dass Abtreibung verwerflich ist und wie viel Arbeit dort und eigentlich überall auf der Welt noch geleistet werden muss, um Abtreibungen legal zu machen! Der Roman beschönigt das Thema aber auch nicht. Veronica macht sich reichlich Gedanken dazu, die man vor allem zwischen den Zeilen herauslesen kann. Es ist also keineswegs so, dass sie sich die Entscheidung leicht macht oder es gar durch Leichtsinn auf eine Schwangerschaft hat ankommen lassen. Die Umsetzung fand ich also sehr gut.

Ein weiterer Punkt in der Handlung, den ich sehr mochte, war die Freundschaft zwischen Bailey der Außenseiterin und Veronica. Obwohl die beiden bis zu Middleschool dicke Freundinnen waren, hatten sie ab dem ersten Highschooljahr plötzlich keinen Kontakt mehr. Und auf der wirklich abgefahrenen Reise nach Albuquerque haben sie Zeit, all die Dinge aufzuarbeiten, die sie auseinander getrieben haben. Diese Reise verändert sie beide und lässt sie reifer werden.

Einen Punkt Abzug gibt es dafür, dass es im Verlauf immer wieder mal Stellen gibt, in denen unerkennbar plötzlich Szene oder Tag wechseln, was mich ein paar Mal komplett aus dem Lesefluss gerissen hat. Das fand ich etwas nervig, und auch ne potenzielle Triggerwarnung hätte nicht geschadet, weil es einfach doch um triggernde Themen wie Abtreibung und toxische Beziehung geht.


Aber der Rest: TOP !

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