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InaVainohullu

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Veröffentlicht am 18.09.2019

Ein solider Auftakt, für mich allerdings kein Highlight.

Ashes and Souls - Schwingen aus Rauch und Gold
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So sehr ich Ava als Autorin, aber auch als Mensch schätze und liebe: Mit Ashes & Souls hat sie mich leider nur teilweise überzeugen können und wenn ihr hier jetzt eine Lobeshymne erwartet dann muss ich ...

So sehr ich Ava als Autorin, aber auch als Mensch schätze und liebe: Mit Ashes & Souls hat sie mich leider nur teilweise überzeugen können und wenn ihr hier jetzt eine Lobeshymne erwartet dann muss ich euch leider direkt enttäuschen, denn: Ja, mir hat das Buch gefallen, aber Nein: Es war für mich leider kein Highlight.

Nach dem Tod ihrer Mutter, begibt sich Mila, auf der Suche nach ihren Wurzeln, nach Prag. Dort versucht sie die Geheimnisse um ihre Existenz, aber auch den Grund dafür, warum sie dem Tod geweihte Menschen erkennen kann, zu ergründen. Ihre einzigen Anhaltspunkte sind jedoch ausschließlich ein altes Polaroid und eine Adresse.

Tariel ist ein Ewiger, deren Aufgabe es ist, die Welt im Gleichgewicht zu halten. Schatten und Licht, Gut und Böse, Leben und Tod. Sein Auftrag: Einen Fehler zu finden, der die Welt schon seit gut 12 Jahren ins Wanken bringt und diesen auszumerzen. Auf seiner Suche trifft er auf Mila, der er sich in einer für sie brenzligen Lage zeigt, obwohl es ihm eigentlich untersagt ist.

Doch Mila weckt sein Interesse und das wiederum ruft seinen Gegenspieler Asher auf den Plan, der Tariel eigentlich nur in seine Pläne pfuschen möchte, dann aber recht schnell erkennt, das Mila besondere Kräfte besitzt. Und eh er sichs versieht, ist es mit seiner ewigen Ruhe vorbei, denn er verliert nicht nur sein Herz an das Mädchen, sondern muss sie auch um jeden Preis schützen.

Was mich zu Beginn sehr störte, war die Tatsache, dass man recht schnell drei Perspektiven präsentiert bekommt, die aber irgendwie kryptisch wirken, aus denen man sich nur wenig Informationen ziehen kann und die aus jeder der drei Hauptfiguren ein Riesen-Geheimnis machen. Das sorgte bei mir vor allem deshalb für Verwirrung, weil die Kapitel immer dann wechselten, wenn es gerade ansatzweise spannend wurde und man dachte, dass man jetzt ein wenig mehr über die Charaktere erfährt. Und auch darüber was sie sind, welche Kräfte sie haben.

Ich empfand dieses Unwissen und die Sparsamkeit der Informationen tatsächlich als ein bisschen nervig, andererseits trieb mich meine dadurch angestachelte Neugier aber auch an, immer weiter lesen zu wollen, um herauszufinden, was wirklich abgeht.

Und meine Geduld wurde in der zweiten Hälfte belohnt, denn hier beginnen endlich die Fäden zueinander zu finden und man blickt so langsam durch. Zudem entwickelt sich hier auf sehr zarte Weise eine schöne Liebesgeschichte, mit der man mich ja meistens wirklich kriegen und für sich gewinnen kann.

Avas Schreibstil ist flüssig und leicht, wird in der zweiten Hälfte durchaus spannender. Hin und wieder hätte ich mir allerdings ein wenig mehr Tiefe in Bezug auf die Charaktere und auch in der Handlung gewünscht, die sich für mich doch recht vorhersehbar entwickelt hat, was ich aber einfach mal auf die Tatsache schiebe, dass ich nicht nur eine Vielleserin bin, sondern auch darauf, dass ich immer häufiger merke, wie mich Romane, die auf eine jugendliche Zielgruppe ausgelegt sind, nerven. Einfach deshalb, weil sie fast immer einem bestimmten Schema folgen.

Nichtsdestotrotz konnte mich das Buch in anderen Punkten aber auch wieder begeistern. Asher ist ein Charakter dem man einfach direkt verfällt, sofern man eh schon eine Schwäche für vermeintlich "böse" Charaktere hat. Außerdem hat er zwei Hunde, die man trotz ihres vielen Sabbers einfach nur lieben muss.

Auch die Idee fand ich super spannend. Klar gibt es reichlich Bücher über Gut und Böse, die sich ein Gefecht liefern, aber Ava hat hier ihr ganz eigenes Ding gemacht und das hat mir richtig gut gefallen.

Mit der zweiten Hälfte hat sie mich generell gut gekriegt und der wirklich böse Cliffhanger am Ende, der verstärkt den Wunsch unbedingt wissen zu wollen, wie es weiter geht.

Mit einer Wertung tu ich mir jetzt allerdings tatsächlich schwer, weil ich ja normalerweise keine halben Cupcakes vergebe, ich schwanke hier allerdings so stark zwischen 3 und 4, dass ich mich auf sehr sehr gute 3,5 festlegen möchte.

Veröffentlicht am 08.09.2019

Eine Geschichte zum Verlieben ! Durch und durch einfach nur schön !

New Promises
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Bereits mit NEW BEGINNINGS hat mich Lilly Lucas ja total verzaubert, "unmöglich dass sie da jetzt noch einen drauf setzen kann", dachte ich. Doch NEW PROMISES steht dem Vorgänger in nichts nach und hat ...

Bereits mit NEW BEGINNINGS hat mich Lilly Lucas ja total verzaubert, "unmöglich dass sie da jetzt noch einen drauf setzen kann", dachte ich. Doch NEW PROMISES steht dem Vorgänger in nichts nach und hat mich ganz genau so begeistern können.

Izzy und Will sind seit Sandkastenzeiten die allerbesten Freunde. Doch schon seit einigen Jahren sind da zumindest bei Izzy viel tiefere Gefühle als Freundschaft. Sie liebt Will aus tiefstem Herzen. Und obwohl das für ganz Green Valley sichtbar zu sein scheint, checkt Will einfach mal gar nichts. Die Frauen liegen ihm zu Füßen und das nutzt er auch ziemlich gut aus. Izzy schluckt all die Frauen die bei ihm ein und aus gehen, aber es verletzt sie sehr.

Umso mehr genießt sie deshalb die Aufmerksamkeit, die ihr Hollywoodstar Cole Jacobs zuteil werden lässt, der nach Green Valley gekommen ist, um sich auf eine neue Rolle vorzubereiten. Izzy soll ihm Ski-Unterricht geben und obwohl sie erst ziemlich genervt von seinem Auftreten und seinem lästigen Selfie-Geposte ist, nähern sich die beiden einander an, je mehr Zeit sie gemeinsam auf der Piste verbringen.

Und ausgerechnet Will gefällt diese Entwicklung so gar nicht....

Ich liebe liebe liebe Lilly Lucas, für diese beiden zauberhaften Romane, mit all seinen liebenswerten Charakteren und dieser atemberaubenden Kulisse. Sie sind ein geschriebenes Stars Hollow für mich und ich fühle mich in beiden Geschichten so wohl, dass ich am liebsten dort einziehen und für immer bleiben würde.

New Promises ist eine durch und durch süße Geschichte, die ich an einem einzigen Tag einfach mal so weggesuchtet habe.

Izzy und Will, generell alle Bewohner in Green Valley, habe ich längst in mein Herz geschlossen. Hier stehen die beiden aber natürlich viel mehr im Fokus und man bekommt noch mehr Eindrücke von Izzys Gefühlswelt. Ich konnte so gut mit ihr mitfühlen und mich in sie hineinversetzen. Sie ist so rettungslos und haltlos in Will verliebt und obwohl sie ihn an Silvester geküsst hat, scheint er nicht zu kapieren, dass er die EINE direkt vor seiner Nase hat. Man möchte ihn permanent schütteln.

Izzy ist so ein toller Charakter, ich liebe ihren bissigen Humor, ihren Sarkasmus, ihre Stärke und ihre Loyalität, ihren Freunden und ihrer Familie gegenüber. Überhaupt finde ich die Verbindung, die Izzy mit Will und auch mit Ryan teilt so großartig. Sie sind seit ihrer Kindheit die dicksten Freunde, können sich immer aufeinander verlassen und bilden irgendwie immer eine Einheit. Lena, um die es in Band 1 geht, ergänzt die Clique mittlerweile und ist ebenfalls nicht mehr wegzudenken.

Ich mag auch Will unglaublich gerne und obwohl er so ein vermeintlicher Aufreißer ist, würde er eine Frau nie ausnutzen. Er ist einer von den guten Jungs, durch und durch, nur ein bisschen begriffsstutzig. Und eifersüchtig, haha. Denn als Cole auf den Plan tritt, da checkt er, zumindest ganz langsam, was Izzy ihm eigentlich wirklich bedeutet.

Es ist so eine schöne Geschichte, ich kann das nicht oft genug sagen. Es ist einfach alles stimmig, auch wenn der Ausgang natürlich vorhersehbar ist und man hofft und irgendwie unterschwellig weiß, dass am Ende alles gut ausgeht. Der Weg dorthin war super zu lesen, trotz all der Irrungen und Wirrungen und dem Aneinandervorbeireden und "Nicht wissen wie man zu seinen Gefühlen stehen soll", dass ja in manchen Büchern schon mal nervig sein kann. War hier überhaupt nicht der Fall.

Ich liebe es einfach ! Und ihr solltet unbedingt zu den Büchern greifen, wenn ihr Lust auf eine einfach nur schöne Liebesgeschichte habt, in die man sich einfach hineinfallen lassen kann.

Veröffentlicht am 02.09.2019

Eins meiner Highlights 2019 ! Rhys Geschichte ging mir so tief unter die Haut und direkt ins Herz !

Finde mich. Jetzt
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Diese wunderbare Herbstneuerscheinung wurde mir bereits Ende Januar diesen Jahres zum Vorablesen vom Verlag angeboten und ich habe mich darüber nicht nur wahnsinnig gefreut, sondern war auch sofort Feuer ...

Diese wunderbare Herbstneuerscheinung wurde mir bereits Ende Januar diesen Jahres zum Vorablesen vom Verlag angeboten und ich habe mich darüber nicht nur wahnsinnig gefreut, sondern war auch sofort Feuer und Flamme, nachdem ich den Klappentext zu Lesen bekam. Wer mich kennt, der weiß, das ich sehr sehr gerne New Adult Romane lese, am besten mit ganz viel Gefühl, aber auch mit ein bisschen Tiefgang.

Und genau ein solcher Roman ist "Finde Mich. Jetzt" von Kathinka Engel.

Ein zutiefst gebrochener, junger Mann. Eine starke, selbstbewusste und unabhängige Frau. Eine Liebe, die alle Hürden überwindet und die so tief greift, das mir beim Lesen vor lauter Gefühl fast das Herz explodiert wäre.

Rhys saß sechs lange Jahre unschuldig im Jugendknast. Jetzt wird er in die Freiheit entlassen. Einerseits erleichtert, andererseits sehr ängstlich und zögerlich wagt er sich in dieses neue Leben, von dem er nicht weiß, was es ihm zu bieten hat. Womit er ganz sicher nicht gerechnet hat, ist allerdings, dass die quirlige und weltoffene Tamsin in sein Leben stolpert, seine sorgsam errichteten Mauern wie ein Orkan niederreißt und ihm zeigt, das es auch für ihn einen Platz in der Welt gibt und dass das Leben unglaublich schön sein kann.

Tamsin ihrerseits ist aus dem goldenen Käfig, den ihre Eltern um sie herum gebaut haben, ausgebrochen. Damit sie wirklich frei sein kann, zieht sie ans andere Ende des Landes um Literatur zu studieren und auch sie hätte niemals geahnt, das dieser Weg sie in die Arme ihrer großen Liebe treibt.

Doch die Beziehung der Beiden ist alles andere als einfach. Tamsin muss erst lernen, sich mit ihrem Temperament und ihrem Lebensfrohsinn ein bisschen zurückzunehmen, um Rhys nicht zu überrumpeln. Und der muss wiederum lernen, sich zu öffnen, sich Tamsin anzuvertrauen, Hilfe anzunehmen und Gefühle zuzulassen.

Die Entwicklung der Geschichte ist, klar, etwas vorhersehbar, denn auch Kathinka Engel erfindet das Rad nicht komplett neu. Es gibt einige praktische Zufälle, die sich wunderbar passend ins Geschehen einfügen, worüber man jedoch hinwegsehen kann, da die Geschichte einfach unglaublich berührend geschrieben ist und mich so manches Mal auch echt erschüttert hat.. Sie ist so emotional, das meine Gedanken und mein Herz manchmal gar nicht hinterherkamen. Es gab Szenen, da war mein Herz ganz leicht und voller Glück, während ich aber zeitgleich ein paar Tränchen verdrücken musste. Es gab lustige Momente und sehr ernste. Selbst die Spannung kommt nicht zu kurz, besonders am Ende des Buches.

Der Schreibstil ist also sehr mitreißend und eingängig. So sehr sogar, das ich mal wieder eine ganze Nacht zum Tag gemacht und einfach durchgelesen habe.

Ebenfalls sehr gefallen, haben mir die Charaktere, wobei ich sagen muss, das mir Tamsin manchmal ein wenig zu unbekümmert in ihrer Art und zu locker in ihren Aussagen war. Manche Dialoge wirkten von ihrer Seite daher hin und wieder wie verbales Abwinken und ein wenig aufgesetzt. Ändert aber nichts an der Tatsache, das ich sie unglaublich toll fand.

Viel besser gefallen hat mir allerdings Rhys, an den ich definitiv mein Herz verloren habe.

Seine Sichtweise und Geschichte ist unglaublich intensiv und ging mir so krass unter die Haut, dass es bis bis heute nachhallt.

Er wirkte auf mich, wie ein aus dem Nest gefallenes Küken, das plötzlich ganz auf sich allein gestellt ist und erst lernen muss, zu leben. Er hat seine komplette Jugend verpasst und benimmt sich deshalb manchmal wie ein kleiner Junge. Unsicher und zurückhaltend. Es fällt ihm schwer, Hilfe zuzulassen und anzunehmen. Menschen zu vertrauen und Freundschaften zu schließen. Trotzdem, auch wenn es immer wieder einen inneren Kampf bedeutet, springt er über seinen Schatten, öffnet sich und lässt zu, das Menschen in sein Leben treten.

Auch die Nebencharaktere wie Amy und Malik fand ich großartig und ich freue mich so sehr, in den beiden Folgebänden mehr über sie zu erfahren.

Ich könnte noch ewig weiterschreiben und schwärmen, möchte aber nicht zu viel vorwegnehmen, weil ich natürlich hoffe, das möglichst viele von Euch jetzt Lust bekommen haben, das Buch selbst zu lesen. Ich kann es euch wirklich nur ans Herz legen. Es ist wunderschön, herzzerreißend und hat unglaublich viele Facetten. Ich liebe es abgöttisch.


Veröffentlicht am 28.08.2019

Eine fantastische, neue Idee, die gut umgesetzt wurde ! Mehr davon !

Kristallblau - Magisches Blut
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Endlich ein neues Buch von Amy Ewing ! Wer mir auf dem Blog folgt oder auch in den Social Medias, der weiß sicherlich, dass ich von der JUWEL-REIHE absolut begeistert war. Und genau deshalb, war ich auch ...

Endlich ein neues Buch von Amy Ewing ! Wer mir auf dem Blog folgt oder auch in den Social Medias, der weiß sicherlich, dass ich von der JUWEL-REIHE absolut begeistert war. Und genau deshalb, war ich auch Feuer und Flamme für den neuen Roman der Autorin, auch wenn diesem Buch bereits viele negative Stimmen vorausgegangen sind.

Denn im englischsprachigen Raum kam das Buch nur bedingt bei den Fans an und hat viel negative Kritik einstecken müssen. Ob berechtigt oder nicht, davon wollte ich mich dann natürlich selbst überzeugen.

Amy Ewing schreibt keine gewöhnlichen Geschichten, dem sollte man sich vorab schon bewusst sein. Bei der Juwel-Reihe hat sie einige wirklich kontroverse Themen verarbeitet, die mich im ersten Moment schockiert haben. Bei KRISTALLBLAU stand vor allem "Queer-Bashing" als Kritikpunkt im Fokus und ich will gar nicht abstreiten, dass es vielleicht zutrifft, da ich aber in der Beziehung nicht betroffen bin, mich folglich auch nicht wirklich mit dem Thema auskenne, hatte ich natürlich einen sehr objektiven Blick auf alles, was in der Geschichte um Sera passiert und muss sagen, dass mir das Buch recht gut gefallen hat.

Sera ist eine Cerulean und lebt in einer Stadt im Weltall, die durch ein faszinierend funkelndes Band mit einem Planeten verbunden ist, aus dem die Stadt Ressourcen zieht. Man kann das alles wirklich schwer erklären, weil die Stadt der Cerulean und auch ihr ganzes Lebenskonzept sehr komplex ist.

Und damit bin ich auch direkt schon beim ersten positiven Punkt: Der Weltentwurf hat mir unglaublich gut gefallen. Amy Ewing beschreibt alles sehr bildhaft und gut vorstellbar und man möchte sich gerne in den Nacht- und Taggärten der Cerulean verlieren.

Die Ceruleans selbst sind ausschließlich Frauen, leben meist in Dreierkonstellationen zusammen und ziehen ihre Töchter groß.Ihre Körper sind silbern, ihre Haare blau. Sie sind ein sehr harmonisches und gläubiges Volk. Und folgen den Worten ihrer Hohepriesterin bedinungslos. Sera bricht aus diesem Gerüst jedoch ein wenig aus, denn sie ist absolut wissbegierig, hinterfragt vieles und sie lechzt nach mehr. So gerne würde sie einmal den Planeten unter ihnen besuchen. Das ihr dieser Wunsch bald auf unangenehme Art und Weise erfüllt wird, das ahnt sie nicht.

Der Planet, der mit Seras Stadt verbunden ist, ist in zwei verfeindete Kontinente aufgeteilt: KAOLIN und PELAGO. Hier spielt sich der zweite Teil der Geschichte ab und wir lernen das Zwillingspaar Leo und Agnes kennen, die sowohl optisch als auch charakterlich nicht unterschiedlicher sein könnten. Agnes muss sich dem patriarchalischem System von Kaolin fügen. Hier haben Männer das Sagen und eine Frau braucht für jedes bisschen die Einverständnis eines verwandten oder angeheirateten Mannes. Solche Systeme regen mich grundsätzlich gerne auf, Agnes mildert es aber ein wenig ab, da sie sich nichts gefallen lässt. Sie ist eine sehr kluge Protagonistin, die die Wissenschaft liebt und am liebsten Zeit in ihrem hauseigenen Labor verbringt. Ihr Ziel ist die Universität in Pelago und dafür ist sie bereit zu kämpfen. Ich mochte Agnes sehr, was man von ihrem Bruder Leo zuerst leider nicht behaupten kann.

Leo ist zunächst ein richtig ätzender Charakter, gänzlich unsympathisch. Er eifert seinem Vater, einem gefeierten Theaterregisseur nach, der die Leute um sich herum wie Dreck behandelt. Leo ist verzogen und selbstsüchtig. Zum Glück erlebt er im Verlauf der Geschichte eine komplette Wandlung, erkennt, dass die Dinge die sein Vater leistet, gar nicht so erstrebenswert sind, wie er dachte.

Und als er sich schließlich mit seiner Schwester zusammentut, da fing ich sogar an ihn ein wenig zu mögen.

Ich will bei meinen Beschreibungen nicht so sehr in die Tiefe gehen, weil es in diesem Buch wirklich viele interessante Themen und Parts gab und ich nicht unabsichtlich etwas vorwegnehmen will. Aber ich kann Euch sagen, dass die Geschichte, auch wenn sie sich stellenweise ein wenig lahm entwickelt, echtes Potenzial hat.
Amy Ewing ist echt ein Ausbund an grenzenloser Fantasie. Während die Welt der Cerulean irgendwie magisch erscheint, ist Old Port, die Stadt in der Agnes und Leo Leben eine Mischung aus viktorianischer Ära und Moderne. Außerdem beschreibt sie ihre eigene "Freakshow", es gibt magische Wesen, die der Vater der Zwillinge für seine eigenen Zwecke fängt und "ausstellt", was mich gleichermaßen fasziniert, wie auch abgeschreckt hat. Und ich fand die Themenfülle ziemlich interessant, auf beiden Seiten.

Ich muss nochmal auf das "Queer Baiting" zurückommen, weil ich diesen Kritikpunkt einfach nicht verstehen kann. Es wird kritisiert, dass Sera, als eine Cerulean, die ja nun nur unter Frauen aufwächst, die Beziehungen unter einander hegen, sich später in einen Mann verliebt und das muss ich hier einfach mal klar dementieren, denn ich habe dieses Gefühl, dass sie sich von einem männlichen Charakter angezogen fühlt, nicht als Liebe, sondern als reine Neugier empfunden. Und selbst wenn, wieso sollte sie sich nicht von einem Mann angezogen fühlen dürfen. Nur weil sie von einem Planeten kommt, auf dem Frauen Beziehungen miteinander haben ? Es gibt ja gar keine Möglichkeit, hier eine heterosexuelle Beziehung einzugehen, woher soll sie also wissen, ob sie sich nicht vielleicht zu Männern hingezogen fühlen könnte ?

Wäre dies jetzt bei Agnes der Fall, die sich ganz offensichtlich von Frauen angezogen fühlt, dann würde mich das alles sehr wundern, aber bei Sera hat mich das überhaupt nicht gestört.

Sorry, das geht einfach über meinen Verstand hinaus, vielleicht auch einfach deshalb, weil mich dieses Thema selbst nicht betrifft und so habe ich daran überhaupt nichts Verwerfliches gefunden und kann hier keine Kritik anbringen.

Im Übrigen gibt es in diesem ersten Band auch gar keine Liebesgeschichte im klassischen Sinne, es geht natürlich viel um die Verbundenheit zwischen Geschwistern und um freundschaftliche oder mütterliche Liebe, aber dabei bleibt es, was ich überhaupt nicht schlimm fand. Dafür punktet Amy Ewing mit ganz anderen Dingen.

Ich fand diesen Auftakt wirklich mehr als gelungen, die Idee ist grandios und ich bin schon so gespannt, wie sich alles weiterentwickeln und wie die Fäden am Ende zusammenlaufen werden. Lediglich im Mittelteil hätte ein wenig mehr Spannung aufkommen dürfen. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt, den ich habe !

Ach und das Cover, aber dafür gibt es keinen Punktabzug, denn oft ist es ja schwierig, die Rechte am Original zu bekommen. Ich finde das deutsche Cover wunderschön, ohne Frage, passender ist allerdings das Amerikanische, denn es spiegelt einfach einen wichtigen Teil der Geschichte wider. Aber man kann halt leider nicht alles haben. So what !

Veröffentlicht am 27.08.2019

Ein großartiger Roman über das Schicksal eines Dorfes zu Zeiten der DDR.

Kastanienjahre
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Ich wage mich lesetechnisch ja sehr gerne auch mal aus meiner Komfortzone und entdecke Geschichten für mich, die ich vielleicht nicht gelesen hätte, wenn man mich nicht mit der Nase darauf stößt. So geschehen ...

Ich wage mich lesetechnisch ja sehr gerne auch mal aus meiner Komfortzone und entdecke Geschichten für mich, die ich vielleicht nicht gelesen hätte, wenn man mich nicht mit der Nase darauf stößt. So geschehen bei KASTANIENJAHRE von Anja Baumheier, deren Debüt mir dem Titel nach, tatsächlich geläufig war, das ich aber bisher nicht gelesen habe.

In ihrem neuen Roman entführt uns die Autorin in ein Mecklenburgisches Dorf an der Ostsee, in die 1950er Jahre, kurz nach Gründung der DDR.
Peleroich ist ein beschauliches kleines Dorf, in dem jeder jeden kennt und alle irgendwie miteinander verwurzelt scheinen.

Elise wächst hier in den 1960er Jahren wohlbehütet auf und obwohl die Zeiten nicht immer leicht waren und sie 20 Jahre später Paris ihre Heimat nennt, ist ihr Herz auch immer noch in Peleroich zuhause. Hier hat sie sich das erste Mal verliebt, hier hat sie ihre ersten Nähversuche gestartet, hier hat sie aber auch Menschen verloren, die Auswirkungen des Sozialismus zu spüren bekommen.

Nun soll das Dorf dem Erdboden gleichgemacht werden, denn wie so viele Dörfer im Osten Deutschlands, ist auch Peleroich mittlerweile fast vollständig unbewohnt. All die glücklichen Momente scheinen vergessen, zurückgeblieben ist nur Tristesse und ein Geheimnis, welchem Elise auf den Grund gehen will, nachdem sie ein mysteriöser Brief erreicht....

Anja Baumheier hat mich bereits nach wenigen Seiten in eine Art Bann gezogen, aus dem ich mich nicht mehr lösen wollte. Jetzt ist dieses Genre ja für mich ziemlich untypisch, allerdings bin ich absolut interessiert und neugierig, wenn es um das Thema DDR und Wende geht, einfach, weil ich damals viel zu jung war, um das alles richtig mitzubekommen. Natürlich habe ich den Mauerfall miterlebt und kann mich auch sehr gut daran erinnern, doch ich habe keine Vorstellung wie das Leben in der DDR gewesen sein muss.

Und das ist etwas, dass dieser Roman in meinen Augen unglaublich gut widerspiegelt.
Die Autorin erzählt im Zeitraffer aus Sicht mehrerer Personen. So lernen wir erst Elises Mutter kennen und erfahren, wie sie und ihr Mann Karl sich kennen und schon sehr früh auch lieben gelernt haben. Von der Heirat zur Geburt von Elise, ihr Heranwachsen, behütet und vom ganzen Dorf beschützt. Wie sie Henning kennenlernt, der ihr Fels wird und wie sie sich aber auch in Jakob, den Enkel des Pfarrers verliebt. Wie sie später selbst schwanger wird und heiratet und so fort.

Der Roman vermittelt neben der Schilderung des Alltäglichen außerdem, und zwar sehr eindringlich, ein Gefühl dafür, wie schwierig die Zeiten mitunter waren, wenn es plötzlich keine Waren für die Regale mehr gab oder man nicht mehr an Stoffe kam, wie sich die Lage mit dem Mauerbau zuspitzte und welche Auswirkungen dies auf die einzelnen Dorfbewohner und auch auf deren Zusammenleben hatte. Und natürlich gibt es auch einen Einblick, was mit dem Mauerfall kam, denn in unserer Vorstellung da waren wohl alle Menschen froh, dass sie nicht mehr eingesperrt waren, doch tatsächlich hatte die Wende auch so seine Tücken und hatte extreme Auswirkungen auf die kleinen Unternehmen und die einzelnen Menschen. Ich fand das unglaublich bewegend und interessant.

Die Figuren waren allesamt so authentisch und greifbar, dass ich mich in Peleroich wirklich zuhause fühlte und mich sehr gut in die Gemütslagen der einzelnen Personen hineinversetzen konnte.Ich fühlte mich mit ihnen allen verbunden, naja, außer vielleicht mit Bürgermeister Ludwig, der ein absoluter Fan des sozialistischen Systems und somit ein gesetzestreuer Bürger war, der es den Dorfbewohnern nicht immer leicht machte.

KASTANIENJAHRE ist für mich ein absolut brillant geschriebener und recherchierter Roman, der mich angestachelt hat, unbedingt mehr über das Leben in der DDR wissen und mehr Bücher aus diesem Genre lesen zu wollen, weshalb ich mir auch direkt, nachdem ich das Buch ausgelesen hatte, erst einmal Anja Baumheiers Debütroman KRANICHLAND gekauft habe.

Von mir gibt es deshalb eine ganz große Leseempfehlung !!!