Profilbild von Irismaria

Irismaria

Lesejury Profi
offline

Irismaria ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Irismaria über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.01.2019

Familiensaga in einer bewegten Zeit

Jahre aus Seide
1

"Jahre aus Seide" ist der erste Teil einer Familiengeschichte von Ulrike Renk. Nach ihrer wunderbaren Ostpreußen Saga hat sich die Autorin wieder mit einer wahren Familiengeschichte befasst und sie als ...

"Jahre aus Seide" ist der erste Teil einer Familiengeschichte von Ulrike Renk. Nach ihrer wunderbaren Ostpreußen Saga hat sich die Autorin wieder mit einer wahren Familiengeschichte befasst und sie als Grundlage für einen Romanzyklus genommen. Diesmal geht es in den ganz westlichen Teil Deutschlands, nach Krefeld. Dort steht das Schicksal der Familie Meyer im Blick: der Vater ist Reisender Schuhverkäufer, die Mutter kümmert sich (unterstützt von einigen Hausangestellten) um Haushalt, Kindererziehung und das gesellschaftliche Leben der Familie. Und es gibt die beiden Mädchen Ruth und Ilse, die zu Beginn der Geschichte noch im Vorschulalter sind. Familie Meyer ist jüdisch, was für sie aber eher Tradition als Religion bedeutet, denn eigentlich fühlen sie sich als Deutsche. Karl Meyer hat ein erfolgreiches Händchen sowohl bei seinen geschäftlichen Aktivitäten als auch im Kontakt mit anderen Menschen und so gelingt es ihm, Wohlstand anzuhäufen, für seine Familie ein neues Haus zu bauen und immer wieder Menschen durch Anstellung oder finanzielle Unterstützung unter die Arme zu greifen. Das Buch umfasst die Zeit Ende der 20er Jahre bis zur Pogromnacht 1938 und im Verlauf der Geschichte erlebt man, wie sich die Stimmung in Deutschland immer mehr gegen nichtarische Menschen wendet und die Ausgrenzung vor allem von Juden immer weiter voranschreitet. Diskussionen innerhalb der jüdischen Gemeinde darüber, ob man besser bleibt oder auswandert und mit welchen Schwierigkeiten das verbunden ist finden sich in diesem Buch genauso wie die liebevoll erzählten ersten Verliebtheiten von Ruth oder ihre Begeisterung über schöne Stoffe, die sie in der Villa des Nachbarn kennen lernt. Auch die unterschiedlichen wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland baut die Autorin immer wieder geschickt ein. Gerade zu Anfang ist der Roman geprägt von einem harmonischen Familienleben und ohne große tragische Zwischenfälle. Das mag für manchen geübten Romanleser ungewöhnlich sein, entspricht aber der tatsächlichen Geschichte der Familie auf deren Erinnerungen das Buch beruht.
Wie eigentlich alle Bücher von Ulrike Renk hat mir auch "Jahre aus Seide" sehr gut gefallen und ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Geschichte
  • Figuren
  • Authentizität
Veröffentlicht am 24.01.2017

fesselnder historischer Roman mit sympathischer Hauptfigur

Die Tochter des Fechtmeisters
1

"Die Tochter des Fechtmeisters" von Sabine Weiß ist ein historischer Roman, der im 16. Jahrhundert spielt. Es geht um zwei Brüder, die ihre Mutter durch ein unfaires Gerichtsurteil verlieren und sich danach ...

"Die Tochter des Fechtmeisters" von Sabine Weiß ist ein historischer Roman, der im 16. Jahrhundert spielt. Es geht um zwei Brüder, die ihre Mutter durch ein unfaires Gerichtsurteil verlieren und sich danach alleine durchschlagen müssen und um Kaiser Rudolf, der sich mehr für technische Spielereien und alchemistische Versuche interessiert als um sein Reich, was dazu führt, dass seine Absetzung geplant wird. Vor allem aber geht es ums Fechten und eine Familie, die sich dieser Kunst verschrieben hat. Fechtmeister Fritjoff lebt in Rostock und unterrichtet dort Schüler. Auch seine achtzehnjährige Tochter Clarissa gehört dazu und darf trotz der Bedenken der Mutter mit nach Frankfurt reisen, wo ein großes Schaufechten statt findet, bei dem einige der Schüler zu Fechtmeistern gekürt werden sollen. Man merkt, dass die Autorin viel recherchiert hat, denn die Fechtszenen sind gekonnt und mit der passenden Begrifflichkeit dargestellt.
Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, die Szenen bildhaft dargestellt und die Personen lebendig gezeichnet. Gut gefallen hat mir, dass der Charakter einer Person nicht nach ein paar Sätzen klar wird, sondern sich auch Entwicklungen und Wandlungen ergeben. Auch die Liebe kommt nicht zu kurz, ist aber nicht das dominierende Thema. Nebenbei erfährt man viel über die gesellschaftliche Situation und die religiösen und politischen Konflikte kurz vor Beginn des 30jährigen Krieges.
Mein Fazit: fesselnder historischer Roman mit sympathischer Hauptfigur und Fechten als ungewöhnlicher Thematik

  • Cover
  • Charaktere
  • Gefühle
  • Recherche
  • Schreibstil
Veröffentlicht am 15.09.2016

gelungenes Eintauchen in die Atmosphäre des London vor 100 Jahren

Die rubinrote Kammer
1

"Die rubinrote Kammer" von Pauline Peters ist ein historischer Krimi, der 1907 in London und Umgebung steht. Das Buch ist der Auftakt einer neuen Krimireihe, mit der jungen Victoria Bredon als Hauptfigur. ...

"Die rubinrote Kammer" von Pauline Peters ist ein historischer Krimi, der 1907 in London und Umgebung steht. Das Buch ist der Auftakt einer neuen Krimireihe, mit der jungen Victoria Bredon als Hauptfigur. Victoria ist aus gutem Hause, arbeitet als Fotografin, sympathisiert mit der Suffragettenbewegung und lebt nach dem Tod ihres Vaters mit Haushälterin und Butler. Die junge Frau erfährt von einem Adligen, Sir Francis, beunruhigende Dinge über ihre eigene Vergangenheit. Kurz darauf wird Sir Francis ermordet. Victoria geht der Sache auf den Grund, unterstützt wird sie bei ihren Ermittlungen vom Butler Hopkins, der Victorias Vertrauter ist. Daneben spielt auch die Liebe eine Rolle, so hat sich Victoria in den adligen Randolph verliebt, aber auch der Journalist Jeremy Ryder spielt eine Rolle in ihrem Leben. "Die rubinrote Kammer" ist flüssig geschrieben und man kann sich wunderbar in die damalige Zeit zurück versetzen und über die Etikette der Gesellschaft den Kopf schütteln. Geschickt baut die Autorin interessante Orte in die Handlung ein, etwa ein geheimes Nobelbordell, einen Pub, ein Herrenhaus und einen Ball mit Anwesenheit des Königs. Hier wird das Leben vor 100 Jahren lebendig. Der Fall ist lange sehr undurchsichtig, klärt sich aber am Ende, die Krimihandlung ist nicht zu brutal beschrieben. Die Figuren sind sympathisch bis skurril und bieten Potential für weitere Fälle. Spannung, Liebe, eine ungewöhnliche junge Frau als Hauptfigur und ein gelungenes Eintauchen in die Atmosphäre des London vor 100 Jahren – diese Auftakt der Krimireihe gefällt mir und ich freue mich auf weitere Abenteuer!

  • Atmosphäre
  • Charaktere
  • Handlung
  • Lesespaß
  • Cover
Veröffentlicht am 06.11.2020

spannende Vorgeschichte zum Kingsbridge-Epos

Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit
0

Als ich die Ankündigung zu Ken Folletts neuestem Roman gelesen habe, der inhaltlich vor seinen Hauptwerken "Die Säulen der Erde" und "Die Tore der Welt" spielt, habe ich mich riesig auf das Buch gefreut. ...

Als ich die Ankündigung zu Ken Folletts neuestem Roman gelesen habe, der inhaltlich vor seinen Hauptwerken "Die Säulen der Erde" und "Die Tore der Welt" spielt, habe ich mich riesig auf das Buch gefreut. "Die Säulen der Erde" habe ich vor sicher schon 30 Jahren gelesen, es war einer meiner ersten historischen Romane und ich war ganz begeistert. In "Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit" geht es um England im Jahre 997. Einfälle von dänischen Wikingern bedrohen die Küstenbewohner und machen ihnen das Leben zur Hölle. So wird auch das Dorf der Hauptfigur Opfer eines solchen Überfalls: der junge Schiffsbauer Edgar verliert seinen Vater und die Existenz der Familie, die daraufhin in ein kleines Dorf umzieht. Aus diesem Dorf wird sich später Kingsbridge entwickeln. Folletts verwendet in dem gut 1000-seitigen Schmöker bekannte Elemente wie ein machtgieriger Bischof, skrupellose Regionalfürsten, die schöne und kluge Adlige Ragna aus der Normandie, den wissenshungrigen Mönch Aldred und den jungen Schiffsbauer Edgar. Auch wenn die Handlung in gewisser Weise vorhersehbar ist und die Personen sich schnell in ein gut-böse Schema einordnen lassen habe ich den Roman doch mit großen Vergnügen gelesen und mit Spannung das Schicksal der Hauptfiguren mitverfolgt. Follet schriebt einfach sehr spannend und lebendig. Interessant waren für mich auch einige historische Hintergründe aus dieser doch eher unbekannten Zeit, so etwa dass damals Sklaven gehalten wurden und Männer und Frauen mehrere Ehepartner haben konnten. Ich kann "Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit" auf jeden Fall empfehlen

  • Cover
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Thema
Veröffentlicht am 06.05.2020

Schicksal einer jüdischen Familie

Die verlorene Tochter der Sternbergs
0

"Die verlorene Tochter der Sternbergs" ist ein Roman von Armando Lucas Correa, in dem es um das Schicksal einer jüdischen Familie aus Berlin im Nationalsozialismus geht. Amanda Sternberg ist Buchhändlerin ...

"Die verlorene Tochter der Sternbergs" ist ein Roman von Armando Lucas Correa, in dem es um das Schicksal einer jüdischen Familie aus Berlin im Nationalsozialismus geht. Amanda Sternberg ist Buchhändlerin aus Leidenschaft und ihr Mann ein gefragter Herzspezialist. Als sie heiraten und ihre Kinder Lina und Viera zur Welt kommen, ahnen sie noch nicht wie sehr der Aufstieg der Nationalsozialisten ihr Leben prägen wird. Doch dann werden die Bücher aus Amandas Laden verbrannt und Ehemann ins Konzentrationslager gebracht. Er organisiert, dass seine Frau und die Kinder Deutschland verlassen. Die sechsjährige Viera fährt auf einem Auswanderer Schiff nach Kuba, wo sich ihr Onkel um sie kümmern soll, während Amanda und die kleine Lina nach Frankreich fliehen. Doch auch dort sind sie nicht sicher, denn durch den Krieg reicht der Arm der Nationalsozialisten auch in das beschauliche französische Dörfchen, in dem sie untergekommen sind. Das Buch basiert auf tatsächlichen Lebensgeschichten jüdischer Menschen und ist ein bedrückendes Zeugnis der damaligen Gräueltaten. Man erlebt mit, wie die gutbürgerliche Existenz der Sternbergs immer mehr zerbricht und sie sich vor Entscheidungen gestellt sehen, ein kleines Kind ganz alleine über den Ozean zu schicken oder auf der Flucht zu sein. Leider hat sich der Autor nicht auf die Hauptfiguren konzentriert, sondern es tauchen immer wieder neue Schauplätze und Schwerpunkte auf, so dass einerseits Fragen offen bleiben und andererseits wichtige Figuren wie aus dem Nichts erscheinen. Davon abgesehen ist das Buch ein empfehlenswerter Roman über eine unrühmliche Zeit unserer Geschichte.

  • Cover
  • Thema
  • Geschichte
  • Erzählstil