Interessanter Auftakt mit tollem Magiesystem
Verlorenes Herz (The Last Bloodcarver, Band 1)Verlorenes Herz von Vanessa Lee hat mich als Reihenauftakt wirklich positiv überrascht. Vor allem durch seine Atmosphäre und das ungewöhnliche Magiekonzept, das ich in dieser Art vorher noch nie gelesen ...
Verlorenes Herz von Vanessa Lee hat mich als Reihenauftakt wirklich positiv überrascht. Vor allem durch seine Atmosphäre und das ungewöhnliche Magiekonzept, das ich in dieser Art vorher noch nie gelesen habe. Die Geschichte fühlt sich von Beginn an eher düster und beklemmend, und genau das hat mich sehr schnell hineingezogen.
Im Mittelpunkt steht Nhika, die mit einer Fähigkeit lebt, die zugleich ihre größte Stärke und ihre größte Gefahr ist. Die Idee, Körper allein durch Berührung manipulieren zu können, wird hier nicht romantisiert, sondern konsequent als etwas Bedrohliches und moralisch verwerfliches dargestellt. Nhika ist keine perfekte Heldin sondern hatte für mich schon fast morally grey Aspekte, was sie sehr greifbar und glaubwürdig.
Das Worldbuilding konnte mich auch überzeugen und unterstreicht die Atmosphäre im Buch. Der technokratische Stadtstaat Theumas wirkt kalt, kontrollierend und gnadenlos, was ein starker Kontrast zu Nhikas Herkunft und dem Glauben an ihre Gabe darstellt. Die Mischung aus Fantasy, medizinischen Elementen und dem spannenden Krimiplot funktioniert für mich gut. Besonders die Mordermittlungen haben der Geschichte einen klaren Spannungsbogen gegeben und dafür gesorgt, dass man immer weiter lesen möchte.
Der Schreibstil ist angenehm flüssig und gut lesbar. Im Mittelteil hatte die Handlung für mich ein paar Längen, wo einige Szenen straffer hätten erzählt werden können. Auch manche Nebenfiguren blieben für mich eher blass, was vermutlich dem Aufbau eines ersten Bandes geschuldet ist. Die Dynamik zwischen Nhika und Ven Kochin ist interessant, bleibt aber noch zurückhaltend, was ich hier weder als klaren Plus- noch Minuspunkt empfunden habe. So bleibt noch Spannung für den nächsten Band.
Das Ende zieht das Tempo noch einmal deutlich an und hinterlässt genau die richtige Art von Cliffhanger. Es werden neue Fragen aufgeworfen, Gefahren deutlicher gemacht und man merkt , dass hier auf einen Folgeband hingearbeitet wird.
Insgesamt gefällt mir die Geschichte gut und würde es weiterempfehlen.