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Veröffentlicht am 27.01.2026

Nichts für schwache Nerven

God of Malice - Gefährliche Liebe
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Nichts für schwache Nerven.
Und genau das macht God of Malice gleichzeitig so schwierig und so fesselnd.

Ich gebe ehrlich zu: Nach den ersten ein, zwei Kapiteln stand ich kurz davor, das Buch abzubrechen. ...

Nichts für schwache Nerven.
Und genau das macht God of Malice gleichzeitig so schwierig und so fesselnd.

Ich gebe ehrlich zu: Nach den ersten ein, zwei Kapiteln stand ich kurz davor, das Buch abzubrechen. Der Einstieg ist kompromisslos hart, verstörend und wirft die Leser:innen ohne Vorwarnung mitten hinein in eine Geschichte, die mit klassischen Romantik-Erwartungen konsequent bricht. Dark Romance eben und zwar in ihrer rohesten Form.

Was man dem Genre lassen muss: Es braucht keinen langen Anlauf. Die Geschichte ist sofort da, die Dynamik zwischen Glyndon und Killian eskaliert schnell, und genau das hat mich trotz meiner anfänglichen Abwehr weiterziehen lassen. Triggerwarnungen sind hier absolut essenziell, denn Themen wie Stalking, Machtmissbrauch, psychische Gewalt und nicht einvernehmliche Situationen spielen eine zentrale Rolle.

Mit fortschreitender Handlung, etwa ab dem dritten Kapitel, wurde das Buch für mich zugänglicher. Nicht, weil es „harmlos“ wird, sondern weil sich die Figuren öffnen und die Geschichte mehr Tiefe bekommt. Der Schreibstil ist intensiv, atmosphärisch und sehr einnehmend. Besonders die Perspektivwechsel zwischen Glyndon und Killian sorgen dafür, dass man tiefer in dieses toxische, düstere Geflecht hineingezogen wird, als einem vielleicht lieb ist.

Killian Carson ist kein klassischer Love Interest. Er ist manipulativ, kalt, beängstigend, für mich lange Zeit schlicht unerträglich. Die angedeutete neurodivergente Darstellung empfand ich zudem kritisch und problematisch umgesetzt. Trotzdem: Als Figur funktioniert er innerhalb dieser Geschichte. Nicht sympathisch, aber konsequent gezeichnet.
Glyndon hingegen hat mich überrascht. Nach außen wirkt sie wie das „nette Mädchen“, doch unter der Oberfläche brodelt viel mehr, Unsicherheit, Wut, verdrängte Sehnsüchte. Gerade diese Ambivalenz macht sie glaubwürdig und stark geschrieben.

Ich schwankte während des Lesens ständig zwischen Abscheu, Wut, Faszination und einer widerwilligen Anziehung. Vieles war nicht mein Fall, manches hat mich ehrlich abgestoßen und dennoch konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Gegen Ende empfand ich die Dynamik als etwas „einvernehmlicher“, zumindest emotional greifbarer, auch wenn expliziter Consent weiterhin fehlt.

Die Nebenfiguren, das Universitätsgeflecht und die geheimen Strukturen im Hintergrund verleihen der Geschichte zusätzliche Spannung. Es ist eine Welt voller Brüche, Grauzonen und moralischer Abgründe, kantig, unbequem, aber genau dadurch so wirksam.

Fazit
Es ist kein Wohlfühlbuch und definitiv nichts für Leser:innen mit sensiblen Triggern. Wer Dark Romance mag, bekommt hier genau das, was der Titel verspricht: etwas Gefährliches, Unsauberes, Emotionales.
Für mich bleibt es ein Buch, das ich nicht lieben, aber auch nicht vergessen kann, brutal, verstörend, überraschend fesselnd. Dark Romance ist und bleibt nicht mein Lieblingsgenre, doch dieses Buch hat gezeigt, warum es so viele Leser:innen in seinen Bann zieht.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Was wäre, wenn der Tod ein Callcenter eröffnet?

Whispers of Destiny
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Was wäre, wenn der Tod ein Callcenter eröffnet?
Genau mit dieser herrlich schrägen und gleichzeitig erschreckend plausiblen Idee startet Whispers of Destiny und zieht einen ziemlich schnell hinein in eine ...

Was wäre, wenn der Tod ein Callcenter eröffnet?
Genau mit dieser herrlich schrägen und gleichzeitig erschreckend plausiblen Idee startet Whispers of Destiny und zieht einen ziemlich schnell hinein in eine Zukunft, die weh tut, weil sie gar nicht so weit weg wirkt.

Wir schreiben das Jahr 2096: Überbevölkerung, Ressourcenknappheit, Säureregen, ein rigides Stufensystem. Wer unten lebt, lebt gefährlich. Blue gehört zu diesen Menschen. Als sie erfährt, dass ihre Lebenszeit fast abgelaufen ist, bekommt sie ein Angebot, das man eigentlich nicht ablehnen kann: Arbeiten für Death Call, das Callcenter des Todes, im Tausch gegen weitere Lebensjahre. Der Preis? Entscheidungen über Leben und Tod.

Justine Pust erzählt diese Geschichte mit einem Stil, der locker, direkt und oft überraschend witzig ist, ohne jemals die Schwere der Themen zu verraten. Schwarzer Humor trifft auf Gesellschaftskritik: Kapitalismus, Klassismus, Konsum, Klimakrise, politische Verantwortung, alles schwingt mit, manchmal subtil, manchmal bitterböse. Der Tod selbst („Mister“, bitte!) ist dabei eine der spannendsten Figuren: ruhig, ironisch, fast sympathisch und damit umso beunruhigender.

Blue ist keine glatte Heldin. Sie ist frech, zynisch, impulsiv, manchmal anstrengend, aber genau deshalb glaubwürdig. Ihre inneren Konflikte, ihr Widerstand gegen ein zutiefst ungerechtes System und die moralischen Dilemmata, in die sie gerät, tragen den Roman. Nicht jede Nebenfigur bekommt maximale Tiefe und das Weltenbuilding bleibt stellenweise bewusst vage, doch das passt zum Tempo und Fokus der Geschichte. Hier geht es weniger um perfekte Systeme als um Entscheidungen und deren Konsequenzen.

Auch die romantischen Elemente fügen sich eher leise ein und stehen klar im Schatten der großen Fragen:
Wer darf leben? Wer entscheidet das? Und was macht diese Macht mit einem Menschen?

Fazit:
Whispers of Destiny ist keine leichte Fantasy-Satire, auch wenn es sich stellenweise so anfühlt. Es ist eine rasante, kluge und oft überraschend emotionale Dystopie mit bissigem Humor, klarer Haltung und vielen Denkanstößen. Nicht perfekt, aber mutig, originell und lange nachhallend.
Ein Buch für alle, die sich auf moralische Grauzonen einlassen wollen und die keine Angst davor haben, dass Unterhaltung auch unbequem sein darf.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Verbotene Gefühle & zweite Chancen

Where Good Girls go to Die (Good Girls 1)
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Mit Where Good Girls Go to Die eröffnet Holly Renee ihre Good-Girls-Reihe mit einer emotionalen Second-Chance-Romance, die vor allem von unausgesprochenen Gefühlen, inneren Konflikten und einer spürbaren ...

Mit Where Good Girls Go to Die eröffnet Holly Renee ihre Good-Girls-Reihe mit einer emotionalen Second-Chance-Romance, die vor allem von unausgesprochenen Gefühlen, inneren Konflikten und einer spürbaren Anziehung lebt.

Der Einstieg ins Buch war für mich zunächst etwas holprig, doch mit jeder Seite entwickelte sich die Geschichte weiter und spätestens nach kurzer Zeit konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Der Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm zu lesen, wodurch man schnell vorankommt und regelrecht durch die Seiten fliegt.

Im Mittelpunkt stehen Livy und Parker, die eine gemeinsame Vergangenheit verbindet, die sie bis heute nicht loslässt. Vier Jahre nach ihrem schmerzhaften Bruch treffen sie wieder aufeinander, unter Umständen, die kaum komplizierter sein könnten: Livy arbeitet in einem Stripclub, Parker steht kurz vor seiner Hochzeit. Alte Gefühle, ungeheilte Wunden und verdrängte Sehnsüchte prallen frontal aufeinander.

Die Geschichte wird aus beiden Perspektiven erzählt und wechselt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dieser Aufbau sorgt dafür, dass sich ihre Beziehung Stück für Stück erschließt und ihre Dynamik gut nachvollziehbar bleibt. Livy ist eine starke, direkte Protagonistin mit Ecken und Kanten. Hinter ihrer toughen Fassade steckt viel Verletzlichkeit, die sehr feinfühlig dargestellt wird. Parker hingegen verkörpert den klassischen Bad-Boy-Typ: verschlossen, impulsiv und emotional schwer beladen. Seine innere Zerrissenheit macht ihn greifbar, auch wenn man sich als Leser*in stellenweise mehr Klarheit und Kommunikation von ihm wünscht.

Die Chemie zwischen Livy und Parker ist jederzeit spürbar. Das Brother’s-Best-Friend- und Forbidden-Love-Motiv verleiht der Geschichte zusätzlichen Reiz und sorgt für dieses permanente Ziehen zwischen Nähe und Abstand. Unterstützt wird das Ganze von lebendigen Nebenfiguren, die Humor, Leichtigkeit und echte Found-Family-Vibes einbringen.

Entgegen der Erwartungen ist das Buch nicht besonders spicy, vor allem zu Beginn kaum, erst gegen Ende wird es intensiver. Insgesamt bleibt die Handlung eher ruhig, was der Geschichte aber nicht schadet. Allerdings geht das hohe Erzähltempo zum Schluss etwas zulasten der emotionalen Tiefe: Einige Konflikte lösen sich recht schnell auf, wo man sich mehr Raum für Gespräche und Verarbeitung gewünscht hätte.

Where Good Girls Go to Die ist ein emotionaler, kurzweiliger Reihenauftakt mit viel Herzklopfen, spürbarer Anziehung und klassischen Romance-Tropes. Trotz kleiner Schwächen in der Tiefe überzeugt das Buch als leichte, unterhaltsame Lektüre für zwischendurch, perfekt für alle, die Second Chance, Brother’s Best Friend und verbotene Gefühle lieben.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Ein Traum aus Magie, Rache und leisen Gefühlen

Dreams Lie Beneath
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Mit Dreams Lie Beneath entführt Rebecca Ross ihre Leser:innen in das Reich Azenor, eine Welt, in der Albträume nicht nur existieren, sondern in jeder Neumondnacht Wirklichkeit werden. Es ist eine düstere, ...

Mit Dreams Lie Beneath entführt Rebecca Ross ihre Leser:innen in das Reich Azenor, eine Welt, in der Albträume nicht nur existieren, sondern in jeder Neumondnacht Wirklichkeit werden. Es ist eine düstere, zugleich aber erstaunlich sanfte Fantasywelt, in der Angst greifbar ist und Magie Schutz wie Bürde zugleich bedeutet. Allein diese Grundidee verleiht der Geschichte von Beginn an eine besondere Atmosphäre, die sich wie ein Schleier über jede Seite legt.

Im Mittelpunkt steht Clementine, die gemeinsam mit ihrem Vater als Traumhüterin lebt und die Bewohner ihrer Stadt vor den materialisierten Albträumen beschützt. Ihr Leben ist ruhig, sinnvoll und von Verantwortung geprägt, bis zwei fremde Magier auftauchen, sie in einem Wettkampf besiegen und ihr damit nicht nur ihr Amt, sondern auch ihr Zuhause nehmen. Getrieben von Wut, Verlust und dem Wunsch nach Vergeltung greift Clementine zu drastischen Mitteln: Sie verändert mithilfe von Magie ihr Aussehen, nimmt eine neue Identität an und tritt ausgerechnet an der Seite ihres Rivalen Phelan erneut als Hüterin an. Was als Rache beginnt, entwickelt sich langsam zu einer Zusammenarbeit, die von Misstrauen, unausgesprochenen Gefühlen und inneren Konflikten geprägt ist.

Die Geschichte setzt klar auf ein Enemies-to-Lovers- beziehungsweise Rivals-to-Lovers-Motiv, bleibt dabei aber angenehm zurückhaltend. Die Romance nimmt Raum ein, drängt sich jedoch nie in den Vordergrund. Vielmehr steht das Fantasyabenteuer im Fokus: der Fluch von Azenor, die Herkunft der Albträume, verborgene Wahrheiten und die Frage, welchen Preis Magie fordert. Gerade im letzten Drittel gewinnt die Handlung deutlich an Dynamik. Wendungen, Enthüllungen und ein emotionales Finale sorgen dafür, dass die Geschichte noch einmal spürbar an Tiefe und Spannung zulegt.

Besonders hervorzuheben ist die Atmosphäre des Romans. Sie ist weich, verträumt und stellenweise fast märchenhaft, ohne ihre dunklen Untertöne zu verlieren. Das Setting wirkt behaglich, manchmal beinahe vertraut, auch wenn ihm stellenweise etwas mehr Eigenständigkeit gutgetan hätte. Die Traumwelt selbst besitzt enormes Potenzial, das jedoch nicht immer vollständig ausgeschöpft wird. Viele faszinierende Ansätze bleiben eher angedeutet, wo man sich als Leser:in mehr Detailtiefe und Ausarbeitung wünschen würde.

Auch die Figurenzeichnung ist nicht durchgehend gleich stark. Clementine ist grundsätzlich eine sympathische, gütige und reflektierte Protagonistin, doch ihr Wandel und insbesondere ihre zweite Identität bleiben emotional etwas unscharf. Ähnlich verhält es sich mit Phelan, der zwar durch seine Zurückhaltung und seine Gefühle nahbar wirkt, insgesamt aber stellenweise noch nicht ganz ausgereift erscheint. Interessanterweise stechen viele Nebenfiguren stärker hervor und wirken besonders authentisch und facettenreich.

Der Schreibstil von Rebecca Ross bewegt sich zwischen schlichter Klarheit und wunderschönen, poetischen Momenten. Manche Formulierungen besitzen echte Magie, andere wirken noch etwas unausgereift, gelegentliche Wiederholungen fallen auf. Dennoch liest sich der Roman angenehm flüssig und trägt die Geschichte zuverlässig bis zum Ende.

Insgesamt ist Dreams Lie Beneath eine in sich abgeschlossene Fantasygeschichte mit einer wundervollen Grundidee, sanfter Romance und einer Atmosphäre, die lange nachhallt. Nicht maximal episch und nicht in allen Aspekten voll ausgereizt, aber durchgehend unterhaltsam, emotional stimmig und magisch. Ein Buch wie ein Traum, den man nicht sofort vergisst und das man mit einem leisen Lächeln beendet.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Zwischen Roulettekessel und Selbstverlust

Der Spieler
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Mit Der Spieler legt Fjodor M. Dostojewski einen schmalen, aber inhaltlich dichten Roman vor, der sich kompromisslos mit Spielsucht, Macht, Abhängigkeit und zerstörerischer Liebe auseinandersetzt. Der ...

Mit Der Spieler legt Fjodor M. Dostojewski einen schmalen, aber inhaltlich dichten Roman vor, der sich kompromisslos mit Spielsucht, Macht, Abhängigkeit und zerstörerischer Liebe auseinandersetzt. Der Text trägt spürbar autobiografische Züge und genau diese Nähe zur eigenen Erfahrung verleiht der Geschichte ihre schonungslose Intensität.

Im Zentrum steht ein junger Mann, innerlich zerrissen zwischen seiner obsessiven Liebe zu Polina und der berauschenden Verheißung des Roulettetisches. Das Glücksspiel ist hier weit mehr als bloße Kulisse: Dostojewski beschreibt den Ablauf, die Atmosphäre und vor allem die Sogwirkung des Spiels mit beklemmender Präzision. Man spürt förmlich das fiebrige Hoffen, das nervöse Kalkulieren und den jähen Absturz, bis klar wird, dass der Protagonist längst nicht mehr spielt, sondern selbst gespielt wird.

Sprachlich ist der Roman anspruchsvoll und kritisch, stellenweise bewusst provokativ. Die häufig eingestreuten französischen Passagen, leider ohne Übersetzung, können irritieren und ein Gefühl von Distanz erzeugen, beeinträchtigen das grundsätzliche Verständnis jedoch nicht. Auch die Figuren werden zu Beginn recht überfallartig eingeführt, was kurzfristig Orientierung verlangt. Doch Dostojewski gleicht dies aus, indem er Beziehungen und Abhängigkeiten immer wieder aufgreift und vertieft. Mit jeder Seite fügt sich das Beziehungsgeflecht klarer zusammen.

Besonders gelungen ist der Tonfall, mit dem Dostojewski Tragik und grotesken Humor verbindet. Die moralische und seelische Dekadenz der Figuren ist erschütternd und zugleich stellenweise bitterkomisch überzeichnet. Ein echtes Highlight ist das Auftreten der Tante: ihr Verhalten, ihr Glück (oder vielmehr Unglück) am Roulette und ihre respektlose Direktheit bringen eine fast absurde Leichtigkeit in die ansonsten düstere Erzählung.

Fazit:
Der Spieler ist ein psychologisch präzises, sprachlich starkes Werk über Liebe, Geld und Sucht, über Menschen, die glauben zu handeln, und doch längst getrieben sind. Anspruchsvoll, stellenweise sperrig, aber insgesamt sehr eindrucksvoll.

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