Nichts für schwache Nerven
God of Malice - Gefährliche LiebeNichts für schwache Nerven.
Und genau das macht God of Malice gleichzeitig so schwierig und so fesselnd.
Ich gebe ehrlich zu: Nach den ersten ein, zwei Kapiteln stand ich kurz davor, das Buch abzubrechen. ...
Nichts für schwache Nerven.
Und genau das macht God of Malice gleichzeitig so schwierig und so fesselnd.
Ich gebe ehrlich zu: Nach den ersten ein, zwei Kapiteln stand ich kurz davor, das Buch abzubrechen. Der Einstieg ist kompromisslos hart, verstörend und wirft die Leser:innen ohne Vorwarnung mitten hinein in eine Geschichte, die mit klassischen Romantik-Erwartungen konsequent bricht. Dark Romance eben und zwar in ihrer rohesten Form.
Was man dem Genre lassen muss: Es braucht keinen langen Anlauf. Die Geschichte ist sofort da, die Dynamik zwischen Glyndon und Killian eskaliert schnell, und genau das hat mich trotz meiner anfänglichen Abwehr weiterziehen lassen. Triggerwarnungen sind hier absolut essenziell, denn Themen wie Stalking, Machtmissbrauch, psychische Gewalt und nicht einvernehmliche Situationen spielen eine zentrale Rolle.
Mit fortschreitender Handlung, etwa ab dem dritten Kapitel, wurde das Buch für mich zugänglicher. Nicht, weil es „harmlos“ wird, sondern weil sich die Figuren öffnen und die Geschichte mehr Tiefe bekommt. Der Schreibstil ist intensiv, atmosphärisch und sehr einnehmend. Besonders die Perspektivwechsel zwischen Glyndon und Killian sorgen dafür, dass man tiefer in dieses toxische, düstere Geflecht hineingezogen wird, als einem vielleicht lieb ist.
Killian Carson ist kein klassischer Love Interest. Er ist manipulativ, kalt, beängstigend, für mich lange Zeit schlicht unerträglich. Die angedeutete neurodivergente Darstellung empfand ich zudem kritisch und problematisch umgesetzt. Trotzdem: Als Figur funktioniert er innerhalb dieser Geschichte. Nicht sympathisch, aber konsequent gezeichnet.
Glyndon hingegen hat mich überrascht. Nach außen wirkt sie wie das „nette Mädchen“, doch unter der Oberfläche brodelt viel mehr, Unsicherheit, Wut, verdrängte Sehnsüchte. Gerade diese Ambivalenz macht sie glaubwürdig und stark geschrieben.
Ich schwankte während des Lesens ständig zwischen Abscheu, Wut, Faszination und einer widerwilligen Anziehung. Vieles war nicht mein Fall, manches hat mich ehrlich abgestoßen und dennoch konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Gegen Ende empfand ich die Dynamik als etwas „einvernehmlicher“, zumindest emotional greifbarer, auch wenn expliziter Consent weiterhin fehlt.
Die Nebenfiguren, das Universitätsgeflecht und die geheimen Strukturen im Hintergrund verleihen der Geschichte zusätzliche Spannung. Es ist eine Welt voller Brüche, Grauzonen und moralischer Abgründe, kantig, unbequem, aber genau dadurch so wirksam.
Fazit
Es ist kein Wohlfühlbuch und definitiv nichts für Leser:innen mit sensiblen Triggern. Wer Dark Romance mag, bekommt hier genau das, was der Titel verspricht: etwas Gefährliches, Unsauberes, Emotionales.
Für mich bleibt es ein Buch, das ich nicht lieben, aber auch nicht vergessen kann, brutal, verstörend, überraschend fesselnd. Dark Romance ist und bleibt nicht mein Lieblingsgenre, doch dieses Buch hat gezeigt, warum es so viele Leser:innen in seinen Bann zieht.