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Veröffentlicht am 23.02.2024

Schöner Krimi für den nächsten Urlaub in der Toskana

Vino, Mord und Bella Italia! Folge 1: Das vergiftete Fest
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Fontenaia ist ein kleines Dorf in der malerischen Toskana. Dort hat Anna das verfallene Haus ihrer Oma geerbt. Es hängen schöne Kindheitserinnerungen daran und deswegen möchte sie es auf jeden Fall erhalten. ...

Fontenaia ist ein kleines Dorf in der malerischen Toskana. Dort hat Anna das verfallene Haus ihrer Oma geerbt. Es hängen schöne Kindheitserinnerungen daran und deswegen möchte sie es auf jeden Fall erhalten. Allerdings wird das teuer und Anna hat wenig Geld.

Ihr neuer Job als Kellnerin beschert ihr schon in den ersten Tagen gleich zwei Todesfälle. Dummerweise hatte sie die tödlichen Cocktails gemischt und gerät daher unter Mordverdacht. Zeitgleich wird im Wald ein menschliches Skelett gefunden und auch hier ist von einem lange zurückliegenden Mord auszugehen.

Mit der Aufklärung beauftragt wird Commissario Vico Martinelli, zunächst einmal eher unwillig bei der Sache. Hier lastet die „Ruhe und Beschaulichkeit wie ein zu schweres Betttuch auf Vico, seit er in die Pampa strafversetzt worden war“. Er tut das Naheliegendste und verdächtigt die Kellnerin Anna und ihre Kollegin Chiara.

Das kann Anna nicht auf sich sitzenlassen, sie startet ihre eigenen Ermittlungen und tritt in so manches Fettnäpfchen.

Der Krimi ist zunächst einmal das, was er zu sein vorgibt, nämlich ein Cozy Crime. Das kleine Dorf Fontenaia ersteht vor unseren Augen, wir können uns vorstellen, wie der kleine Tameo und sein Hund durch die Hecken aufs Grundstück krabbeln und auch der marode Zustand des Hauses wird so geschildert, dass jeder Leser meint, in einer Bruchbude zu stehen. Allerdings einer Bruchbude, die gerettet werden kann.

Was mir an Cozy Crimes gefällt, ist, dass sie nicht grausam oder blutrünstig sind, den Leser aber trotzdem an der Lösung eines Kriminalfalles mitwirken lassen. Und den beiden Autoren ist es hier gelungen, mich lange im Unklaren zu lassen. Das Ganze gewürzt mit einer Prise Humor ergibt einen gut zu lesenden Krimi für den nächsten Urlaub in der Toskana.

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Veröffentlicht am 22.02.2024

Wer ist der eingemauerte Tote?

Madame le Commissaire und die Mauer des Schweigens
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Aus dem Nachlass des ehemaligen Bürgermeisters soll ein Gemeindezentrum errichtet werden. Dafür müssen einige Häuser in Fragolin weichen. Während des Abrisses einer Garage findet man hinter einer zusätzlich ...

Aus dem Nachlass des ehemaligen Bürgermeisters soll ein Gemeindezentrum errichtet werden. Dafür müssen einige Häuser in Fragolin weichen. Während des Abrisses einer Garage findet man hinter einer zusätzlich eingezogenen Wand ein Skelett.

Niemand wird vermisst und die Tat könnte lange zurückliegen. Daher werden zunächst einmal die ehemaligen Besitzer des Hauses eruiert. Ein Immobilienmakler, unsympathischer Typ mit krimineller Vergangenheit, kann leider nicht dafür verantwortlich gemacht werden. Die Besitzer davor rücken in den Blick. Während Madame le Commissaire sich nur halb konzentriert den Ermittlungen zuwendet, hat sie mehr mit ihren Beziehungen zu tun. Von Nicolas hat sie länger nichts gehört, er hat sie nur um Geduld gebeten. Plötzlich erreicht sie sein Anruf aus einem Gefängnis in Marokko. Ihm wird Drogenschmuggel vorgeworfen.

Anders als ich es aus den vorangegangenen Krimis gewohnt war, nehmen in diesem Fall die persönlichen Interessen der Commissaire einen größeren Platz ein. Der lange zurückliegende Fall des eingemauerten Skeletts interessiert sie weniger, das überlässt sie größtenteils ihrem Assistenten Apollinaire. Erst zum Schluss hin beschäftigt dann doch beide die Lösung des Falles, die sich dem Leser aber schon vorher erschlossen haben wird.

Mir schien es so, dass der Krimi als ein Übergangskrimi zu sehen ist. Der nächste scheint wieder spannender zu werden, zumindest deutet der Ausblick etwas in diese Richtung an.

Das Lebensgefühl Südfrankreichs mit guter Küche, kaltem Rosé, verschwiegenen Badebuchten und pulsierenden Badeorten, mit einem herrlichen Hinterland und Dörfern wie Fragolin spielen natürlich weiterhin eine Rolle und machen den Krimi zu einem Wohlfühlkrimi. Ganz so stark wie manche seiner Vorgänger war er allerdings nicht. Trotzdem lese ich weiter, denn Madame le Commissaire ist mir mittlerweile ans Herz gewachsen.

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Veröffentlicht am 22.02.2024

Ladies, wir haben nicht nur Abendessen gemacht, wir haben Geschichte geschrieben!

Eine Frage der Chemie
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Elisabeth Zott ist Wissenschaftlerin, sie ist Chemikerin und liebt ihren Beruf. Sie lebt in den 60er Jahren in den Vereinigten Staaten, es könnte aber auch Europa gewesen sein. Sie hätte liebend gerne ...

Elisabeth Zott ist Wissenschaftlerin, sie ist Chemikerin und liebt ihren Beruf. Sie lebt in den 60er Jahren in den Vereinigten Staaten, es könnte aber auch Europa gewesen sein. Sie hätte liebend gerne promoviert, das hatte ihr Doktorvater ihr vereitelt. Mittlerweile arbeitet sie an einem Institut im Süden von Kalifornien und erfährt von Vorgesetzten und Kollegen nicht die Unterstützung oder Kollegialität, die ihr eigentlich zusteht. Ganz im Gegenteil!

Elisabeth ist keine durchschnittliche Frau. Sie fordert ihr Recht ein und stößt damit mehr als einmal auf unüberwindliche Hindernisse. Aber sie hat auch einmal Glück, denn sie lernt den berühmtesten Wissenschaftler des Instituts, Calvin Evans, kennen und lieben. Evans wurde nicht nur schon mehrere Male für den Nobelpreis vorgeschlagen, er ist auch jemand, der Vorurteile nicht zu kennen scheint. Für ihn ist Elisabeth die beste Partnerin, die er sich vorstellen kann. „Wenn Beziehungen ein Puzzle sind, dann war ihres von Anfang an vollständig“.

Zwei Jahre lang sind die beiden glücklich, dann beendet ein Unglück diesen wunderbaren Zustand und Elisabeth muss feststellen, dass sie schwanger ist. Sie ist nicht verheiratet und erwartet ein uneheliches Kind, in den 60er Jahren ein Kündigungsgrund und der Beginn des sozialen Abstiegs.

Der reine Zufall verschafft ihr nach der Geburt ihrer Tochter den Job einer „Fernsehköchin“ bei einem regionalen Sender. Sie macht daraus eine Chemie-Lehrstunde und eine Nachhilfestunde in Selbstwertschätzung für die Frauen vor den Bildschirmen, zunächst nur in Kalifornien, später im ganzen Land. Und sie straft damit alle Männer Lügen, die ihr diesen Erfolg neiden und nicht zugetraut haben, allen voran den Direktor des Senders. Auch wenn es Fiktion ist, selbst der spätere Präsident der USA lobte sie mit den Worten: „Diese Zott, das ist eine patente Frau!“

Elisabeth Zott ist stur, sie kann nicht verstehen, dass eine vernünftige Position sich nicht durchsetzt, dass die Hälfte der Bevölkerung in Unwissenheit und ihre Arbeit für minderwertig gehalten wird, dass selbst Frauen manipuliert werden, ihr feindlich gegenüberzustehen und ihr das Leben schwerzumachen. Miss Frask, die selbst von Promotion und Aufstieg träumte, war bereit, ihr in einem ihrer schwersten Momente im Leben in den Rücken zu fallen. Erst als sie selbst abserviert wird und merkt, dass man sich ihrer nur bedient hat, schließt sie sich mit Elisabeth zusammen.

Man hat oft das Gefühl, man liest die Biografie einer außergewöhnlichen Frau, die ihren Weg nach vielen Hindernissen doch noch fand. Dabei ist alles Fiktion. Aber es könnte genau so gewesen sein. Elisabeths Vorbild, ihr Herangehen an Herausforderungen, ihr Starrsinn waren notwendig, um ein Umdenken in den Köpfen zu erzwingen.

Es war ihre Unerbittlichkeit, gepaart mit der Einsicht, dass man Freunde braucht und manchmal auch kooperieren muss, die ihr letztendlich zum Erfolg verhalf.


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Veröffentlicht am 16.02.2024

Es hätte so perfekt sein können

Goldküste
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Catherine Bissegger hat mit ihrem Erstlingswerk „Goldküste“ einen starken Krimi geschrieben.

Die Handlung spielt am Zürichsee. Ein Flarzhaus in Küsnacht bei Zürich brennt nieder und in den Trümmern finden ...

Catherine Bissegger hat mit ihrem Erstlingswerk „Goldküste“ einen starken Krimi geschrieben.

Die Handlung spielt am Zürichsee. Ein Flarzhaus in Küsnacht bei Zürich brennt nieder und in den Trümmern finden sich zwei verkohlte Leichen. Die beiden Kommissare Nadine Santi und Yves Harder stehen vor einem Rätsel. Während eine der Leichen recht bald identifiziert werden kann, tappen sie bei der weiblichen Leiche lange im Dunkeln.

Das Buch ist so aufgebaut, dass es in verschiedenen Zeitebenen spielt. Die Realität, das sind die Monate August und September 2022, hier folgen wir der Auffindung der beiden Toten, den ersten Befragungen im Bekanntenkreis, den Gedanken und Handlungen der beteiligten Personen. Gleichzeitig gibt es aber auch immer wieder Rückblicke in die Zeit von 2004 bis fast in die Gegenwart. Hier handelt es sich um Tagebucheinträge von Anna Cerny, die die Hintergründe für den Leser beleuchten. Einige wenige Rückblicke gehen sogar zurück in die 70er Jahre, hier fand ich es zu Anfang ein wenig schwierig, einen Zusammenhang herzustellen. Das ergab sich aber mit der Zeit.

Die Tagebucheinträge künden von einer großen Liebe, eine Floristin wird zur Gattin eines der bestbezahlten Anwälte der Schweiz, eines Architekten großer Firmenzusammenschlüsse, eines charismatischen Mannes. Sie künden von einer scheinbar perfekten Familie, vor allem, als den beiden dann nach einigen Jahren ein Sohn geboren wird.

Das Buch ist von Anfang bis Ende spannend, oft wird man auf falsche Fährten gelockt und scheint der Lösung ganz nah zu sein. Und dann ist doch wieder alles ganz anders.

Auch die beiden Ermittler bilden ein kompetentes Duo und endlich einmal hat man auch nicht das Gefühl, dass die einzelnen Dienststellen oder Kommissariat und Staatsanwaltschaft sich das Leben gegenseitig schwermachen. Ihre Herangehensweise an die Lösung fand ich professionell, gut gefallen hat mir aber auch ihr Auftritt zum Abschied des Kollegen aus der Wirtschaftskriminalität. Und wenn es nur ein Zeichen für ein ausgezeichnetes Arbeitsklima in der Behörde war.

Das Schweizer Lokalkolorit fand ich ganz charmant, ich habe oft geschmunzelt, wie viele Unterschiede es doch zwischen dem Schwyzerdütsch und Hochdeutsch gibt. Ich bin sicher, die Ortsbeschreibungen entsprechen auch den Tatsachen, nur leider kenne ich mich am Zürichsee nicht aus.

Mir hat das Buch gut gefallen, zumal es auch vom psychologischen Standpunkt aus betrachtet einiges an Tiefgang aufweist.

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Veröffentlicht am 14.02.2024

Nicht ein zweites Mal versagen

Grenzfall – In den Tiefen der Schuld
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Es handelt sich um den 4. Fall für Alexa Jahn und Bernhard Krammer, die beiden grenzübergreifenden Ermittler, die erst spät feststellen durften, dass sie Tochter und Vater sind.

Roza, die Innsbrucker ...

Es handelt sich um den 4. Fall für Alexa Jahn und Bernhard Krammer, die beiden grenzübergreifenden Ermittler, die erst spät feststellen durften, dass sie Tochter und Vater sind.

Roza, die Innsbrucker Kollegin Krammers, ist verschwunden. Sie verschwand an einem Freitagnachmittag aus der Polizeibehörde und es sah aus wie eine Flucht. In ihrer Wohnung wird am Samstagmorgen ein toter Mann gefunden, angetan mit einer Tauchermaske. Niemand kennt diesen Mann.

Krammer will den Fall nicht an die große Glocke hängen, weil er Angst hat, dass seine temperamentvolle Kollegin Dreck am Stecken haben könnte, er will zunächst den Hintergrund ein wenig ausleuchten. Die Tauchermaske führt die Ermittler an den Walchensee, also auf die deutsche Seite, wo Alexa und ihr Kollege Florian dazukommen und die Ermittlungen übernehmen.

In diesem Kriminalfall nehmen die persönlichen Beziehungen zwischen Alexa und Bernhard ziemlich viel Raum ein. Die beiden entdecken zwar immer wieder Gemeinsamkeiten, dass sie darüber reden würden, so weit sind sie aber noch lange nicht. Daher spielt sich viel in der Gedankenwelt der beiden ab und das hat schon mal seine Längen. Ansonsten zieht sich der Mittelteil des Buches etwas dahin, auch wenn natürlich die Suche nach Rosza fortgesetzt wird und ganz langsam etwas mehr Licht ins Dunkel kommt.

Kursive Einschübe helfen dem Leser, weiter in die Vorgeschichte einzutauchen. Da sind zwei Frauen aus Ungarn, die in ihrer Jugend ihre Seelenverwandtschaft entdecken und sich anfreunden. Besonders Krztina scheint das Pech und Unglück gepachtet zu haben und dabei war sie doch immer nur auf der Suche nach der Liebe. Die andere Person, die sich später für eine Polizeilaufbahn entscheidet, ist Roza.

Das Buch hat ein spannendes Finale, zwischendurch hat es mich nicht unbedingt gefesselt. Aber ich kannte die ersten drei Teile und werde der Reihe wahrscheinlich auch in Zukunft treu bleiben. Es ist ein schneller Krimi für zwischendurch.

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