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Veröffentlicht am 21.09.2025

Welches Motiv führte zum Mord?

Mostviertler Bauern
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Zeitgleich mit dem Almabtrieb wird das 50jährige Bestehen der Mostviertler Alm gefeiert, zahlreiche Gäste, darunter auch Polit-Prominenz sind der Einladung gefolgt. Elisabeth Wagner wird als Funktionärin ...

Zeitgleich mit dem Almabtrieb wird das 50jährige Bestehen der Mostviertler Alm gefeiert, zahlreiche Gäste, darunter auch Polit-Prominenz sind der Einladung gefolgt. Elisabeth Wagner wird als Funktionärin des Bauernverbandes die Festrede halten, doch schon zu Beginn wird sie von Zwischenrufen der unzufriedenen Bauern unterbrochen. Erst dem Landeshauptmann gelingt ist, den Zorn der Bauern von der Funktionärin weg auf Brüssel umzuleiten. Am nächsten Morgen wird die Leiche Elisabeth Wagners in einer Kuhtränke gefunden.

Es handelt sich um den 8. Band der Mostviertler Reihe von Helmut Scharner. Für mich war es der erste Band der Reihe.

Major Brandner und Inspektorin Lindner sind die Ermittler in diesem Mordfall und sie stellen fest, dass mehrere Personen ein Motiv hatten, sich an Elisabeth zu rächen.

Jedes Kapitel beginnt zunächst einmal mit Ort und Datum. Wir wechseln von Türnitz nach St. Pölten und Wien und zurück, zeitlich spielt sich das Geschehen zwischen dem 02. und 08. Oktober ab. Die beiden Ermittler treten hin und wieder gemeinsam auf, oft ermitteln sie aber auch parallel und konzentrieren sich auf verschiedene Verdächtige. Während Major Brandner dabei eher gesetzeskonform vorgeht, geht Annika Lindner auch schon mal unkonventionelle Wege, die aber dann später auch zur Lösung des Falles beitragen. Die Abstimmung zwischen den beiden funktioniert reibungslos.

Es ist gerade Wahlkampf und dem Landeshauptmann ist es gar nicht recht, so in den Fokus von Ermittlungen zu geraten. Immerhin war er am Tatort auf der Alm anwesend und außerdem mit dem Opfer seit Jahrzehnten gut bekannt. Er bleibt zwar immer verbindlich, aber der Druck auf die Ermittler, hier schnell zu einer Lösung des Falles zu kommen, ist schon merklich. Dazu kommt, dass die Frau, die die Leiche von Elisabeth Wagner gefunden hat, ihren eigenen Social-Media-Account nutzt, um die Zahl ihrer Follower zu erhöhen. Trotz der Warnung der Polizei stellt sie das Video online, das die Auffindesituation der Leiche zeigt. Für sie ist es eine Möglichkeit, Geld zu verdienen und der eintönigen Arbeit im Gasthaus ihres Mannes zu entkommen.

Für mich blieb der Krimi bis zum Schluss spannend, tatsächlich wurde erst auf den letzten Seiten klar, welches Motiv zur Rache denn nun wirklich ausschlaggebend für das Verbrechen war. Auch wenn Annikas unkonventionelle Methoden durchaus zur Auflösung des Falles beitrugen, so war mir ihre Nähe zu Verdächtigen doch manchmal etwas zu eng. Sie hat Glück, dass ihr guter Draht zu ihrem Vorgesetzten ihr da Rückendeckung verschafft.


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Veröffentlicht am 15.09.2025

Wenn der Zeitgeist sich dreht

Die Frauen jenseits des Flusses
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Es ist das Jahr 1965 und die Welt ist im Wandel. Die behütete, junge Frances McGrath sucht einen anderen Weg für sich, als zu heiraten und Kinder zu bekommen. Die Heldenwand ihres Vaters hat sie inspiriert, ...

Es ist das Jahr 1965 und die Welt ist im Wandel. Die behütete, junge Frances McGrath sucht einen anderen Weg für sich, als zu heiraten und Kinder zu bekommen. Die Heldenwand ihres Vaters hat sie inspiriert, auch sie wäre gerne eine Heldin und sie ahnt nicht, dass für Frauen in ihrer Familie dieser Weg nicht vorgesehen ist. Sie macht eine Ausbildung als Krankenschwester und meldet sich für den Krieg in Vietnam. Kurz vor ihrer Abreise erhält die Familie die Nachricht, dass ihr Bruder in Vietnam gefallen ist. Ihren Eltern fällt es nun umso schwerer, auch sie noch ziehen zu lassen.

Dass der Weg zum Heldendasein aber ein sehr steiniger ist, gepflastert mit Toten, mit Verlusten, mit Enttäuschungen, mit Trauer, das hat niemand vorhergesagt.

Frankies Zeit in Vietnam ist geprägt von unsäglichem Leid, von Verletzungen und Sterben. Aber auf der anderen Seite ist da auch die Kameradschaft sowohl mit Ärzten als auch mit den Schwestern. Trotz dem Leid, das ihnen täglich begegnet, genießen sie die wenige freie Zeit, als ob es ihre letzte Stunde wäre.

Die Zeit in Vietnam macht aber nur die erste Hälfte des Buches aus. Irgendwann ist der Militärdienst vorbei und die Heimat ruft. Und die Rückkehr war für Frankie ganz anders, als sie es erwartet hatte und als es die Armeezeitungen, die man in Vietnam lesen konnte, vorhergesagt hatten.

In den USA hatte sich die Meinung in den 60er Jahren total gedreht. Aus Heldenverehrung war Verachtung geworden, die Soldaten, die nach Hause kamen wurden angespuckt und beschimpft. Sie wurden als Mörder gebrandmarkt. Sie hätten Befehle verweigern müssen, was bekanntlich während eines Krieges nicht ganz einfach ist. Die Politiker machen es sich leicht. Wenn sie ein Gewissen haben, treten sie zurück und zeigen sich nicht mehr ganz so oft in der Öffentlichkeit. Die Soldaten müssen ein ganzes Leben mit ihren Traumata leben, die Verletzungen quälen sie und keiner fühlt sich dafür zuständig. Den Frauen hat man nicht einmal eine Traumabewältigung zugestanden, offiziell gab es ja keine amerikanischen Frauen in Vietnam. Und gerade ihnen konnte man nicht den Vorwurf machen, Menschen erschossen oder Giftgas eingesetzt zu haben. Im Gegenteil: die Schwestern versuchten, sowohl vietnamesische als auch amerikanische Patienten zu behandeln und zu heilen.

Und so war es nur gut, wenn man Freundinnen hatte, mit denen man die schrecklichen Erinnerungen teilen konnte. Ethel und Barb begleiten sie über viele Jahre und sind ihr in ihren Depressionen eine wertvolle Stütze.

Für mich stand der Feminismus gar nicht so sehr im Vordergrund. Natürlich war der Vietnamkrieg mit allen seinen Facetten kein Ruhmesblatt für die USA. Aber dafür waren die Politiker und die militärische Führung verantwortlich und nicht die Soldaten. Die Soldaten wurden mit falschen Versprechungen in den Krieg gelockt und der Zeitgeist drehte sich während ihrer Abwesenheit. Fast 60.000 Soldaten starben während ihres Einsatzes, darunter auch eine kleinere Anzahl von Krankenschwestern und es war nicht fair, ihnen selbst die Schuld an ihrem Tod zu geben. Das Veteranendenkmal war das Mindeste, das man ihrer Erinnerung widmen konnte.

Ich fand es wichtig, dass Kristin Hannah dieses Buch geschrieben hat. Zum einen habe ich eine Menge über das Amerika der 60er Jahre und über den grausamen Krieg in Vietnam erfahren, zum anderen zeigt es aber auch, wie wankelmütig der Zeitgeist ist. Gerade verehrte man noch die Kriegshelden des 2. Weltkriegs und wenig später wurden Soldaten zu Mördern. Und so war das Buch für mich auch ein Anti-Kriegs-Epos, weil es den Soldaten und dem ärztlichen Personal Namen und ein Gesicht gab und die Einzelschicksale hinter dem großen Geschehen damit sichtbar machte. Ich habe über lange Passagen mit Frankie gelitten. Erst der Schluss hat mich ein wenig mit ihrem Schicksal versöhnt.

Für mich war es bislang das Lesehighlight dieses Jahres, ich mag es, wenn mich Bücher noch lange beschäftigen und ich hätte dem Buch auch 6 Punkte gegeben.

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Veröffentlicht am 05.09.2025

Ostfrieslandkrimi

Die Leiche auf dem Krabbenkutter. Ostfrieslandkrimi
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Auf einem Krabbenkutter im Greetsieler Hafen wird die Leiche einer Frau entdeckt. Sie wurde ermordet. Der Kutter wird gerade für Filmaufnahmen verwendet und die Ermordete gehörte zu den Schauspielerinnen.

Die ...

Auf einem Krabbenkutter im Greetsieler Hafen wird die Leiche einer Frau entdeckt. Sie wurde ermordet. Der Kutter wird gerade für Filmaufnahmen verwendet und die Ermordete gehörte zu den Schauspielerinnen.

Die beiden Kommissare Ruth Fasan und Hagen Reese ermitteln zunächst einmal im unmittelbaren Umfeld der Crew. Tatsächlich ergeben sich hier auch bereits einige Motive, denn Anne Jaffer, die ermordete junge Frau, hatte sich bereits einigen Ärger zugezogen und vor allem die Männer vor den Kopf gestoßen.

Dann aber fällt ein junger Mann mit Parka auf, die Kapuze über den Kopf gezogen, der sich im Umfeld der Dreharbeiten herumtreibt. Was hat es damit auf sich?

Ich fand die Handlung spannend und wendungsreich, die Kommissare, hier vor allem Ruth Fasan, überlegt und besonnen. Aber auch Hagen Reese überrascht mit Handlungen, die nicht immer dem polizeilichen Vorgehen entsprechen, dafür den Fall aber deutlich schneller zu einer Auflösung bringen.

Der Krimi wäre für mich eine sehr geeignete Lektüre für Strandnachmittage auch gerne außerhalb von Greetsiel.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Die Polizei Greetsiel ermittelt

Die Leiche am Greetsieler Hafen. Ostfrieslandkrimi
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Dies ist bereits der 12. Band einer Reihe, die 2021 ihren Anfang nahm. Alle Fälle spielen in Greetsiel, die mit dem Auflösen der Fälle beauftragten Kommissare sind Ruth Fasan und ihr junger Kollegen Hagen ...

Dies ist bereits der 12. Band einer Reihe, die 2021 ihren Anfang nahm. Alle Fälle spielen in Greetsiel, die mit dem Auflösen der Fälle beauftragten Kommissare sind Ruth Fasan und ihr junger Kollegen Hagen Reese.

Am frühen Morgen wird im Schöpfwerk von Greetsiel die Leiche des Schöpfwerkmeisters entdeckt, der durch stumpfe Gewalteinwirkung ums Leben gekommen ist. Gefunden hat die Leiche ein junger Mann, der sein Geld mit Influencing mehr schlecht als recht verdient. Aber mit diesem Todesfall schnellen seine Klickzahlen nach oben, denn er hat die Leiche fotografiert und kommentiert auch die vermeintlichen Hintergründe.

Ruth Fasan hatte sich eigentlich ein paar ruhige Tage mit ihrer erwachsenen Tochter vorgenommen, die gerade zu Besuch bei ihr ist. Der Mord unterbricht die gemeinsame Zeit und Clarissa muss sich ihren Zeitvertreib nun woanders suchen. Sie findet ihn ausgerechnet bei dem jungen Kollegen des toten Schöpfwerkmeisters, Henrik Looster.

Doch Henrik Looster steht unter Druck. Er hatte häufiger Meinungsverschiedenheiten mit seinem Kollegen auch öffentlich ausgetragen, es gibt Filmdokumente dazu, die von dem Influencer Steffen Grootje ins Netz gestellt wurden. So scheint zunächst alles auf seine Schuld hinzudeuten.

Die beiden ermittelnden Kommissare sind sympathisch und gut aufeinander eingespielt. Der Krimi ist gut geschrieben und liest sich flüssig. Allerdings umfasst das Buch auch nur 133 Seiten und das ist an einem Nachmittag zu schaffen.
Der Leser blieb lange im Unklaren, dabei gab es eigentlich nur wenige Personen im Umfeld des Toten, die für die Tat in Frage kamen.

Der Preis von knapp € 13 scheint mir angesichts der Kürze des Krimis etwas zu hoch gegriffen, andererseits kann einem die Lektüre natürlich auch verregnete Tage an der Nordsee etwas verkürzen und andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung sind auch nicht kostenlos.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Millie sollte man nicht unterschätzen

Sie kann dich hören
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Ich hatte Band 1 im letzten Jahr gelesen und war ziemlich angetan, weil die Handlung so wenig vorhersehbar war. Alles war immer ganz anders, als man es angenommen hatte.

Die Autorin bleibt ihrem Stil ...

Ich hatte Band 1 im letzten Jahr gelesen und war ziemlich angetan, weil die Handlung so wenig vorhersehbar war. Alles war immer ganz anders, als man es angenommen hatte.

Die Autorin bleibt ihrem Stil treu. Millie hat beschlossen, ihr Leben in den Griff zu bekommen und ein Studium der Sozialarbeit begonnen. Sie hat einen Anwalt, Brock, kennengelernt, der sich eine engere Beziehung mit ihr wünscht. Allerdings weiß er noch nichts von ihrem Vorleben.

Um ihr Studium zu finanzieren verdingt sie sich als Haushaltshilfe bei einem reichen New Yorker Ehepaar. Allerdings lernt sie die Ehefrau nie kennen, diese versteckt sich in einem Gästezimmer, ihr Mann erzählt ihr täglich von Migräne, Schwächeanfällen, Müdigkeit. Millies Neugier und Skepsis sind geweckt, vor allem als sie irgendwann Blutflecken an der zu waschenden Kleidung entdeckt. Sie verdächtigt den Ehemann, seine Frau zu misshandeln.

Millie wäre nicht Millie, wenn sie nicht gegen jedes vermutete Unrecht ankämpfen würde. Ihrem Freund gegenüber verstrickt sie sich allerdings immer mehr in Widersprüche und Ausreden.

Im zweiten Teil lernen wir dann die andere Seite kennen und stellen fest, dass Millie sehr gezielt angeheuert wurde. Ihr Verhalten hatte man genau vorausgesehen und einkalkuliert und hatte auf diese Weise leichtes Spiel mit ihr.

Ich hatte mich bereits darauf eingestellt, einige Überraschungen zu erleben und sie blieben auch nicht aus. Millie ist eine Kämpfernatur und hat seit ihren letzten schlechten Erfahrungen einiges dazugelernt.

Ihr Freund Brock war zwar nett, ihr aber nicht wirklich gewachsen. Gut, dass Enzo irgendwann wieder auftaucht und ihr mit Rat und Tat zur Seite steht.

Auch dieser Band las sich leicht und flüssig und hielt einiges an Unvorhergesehenem bereit. Dennoch erinnerte er mich an vieles, das ich bereits aus Band 1 kannte, von daher entscheide ich mich nicht für die volle Punktzahl.

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