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Veröffentlicht am 19.02.2026

Wenn Menschen das Schicksal kontrollieren wollen

Real Americans
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„Real Americans“ ist der zweite Roman der US-amerikanischen Schriftstellerin Rachel Khong.
Eine Auster ziert das Cover in einem zarten Türkis, für mich ein Symbol für Verschlossenheit, andererseits aber ...

„Real Americans“ ist der zweite Roman der US-amerikanischen Schriftstellerin Rachel Khong.
Eine Auster ziert das Cover in einem zarten Türkis, für mich ein Symbol für Verschlossenheit, andererseits aber auch ein Symbol für Luxus, für eine teure Delikatesse, die gut zu Champagner passt. Beide Konnotationen passen gut zum Inhalt des Buches.
Auch der Titel des Buches wirft Fragen auf: Wer ist ein echter Amerikaner? Wir wissen, es ist ein Land von Einwanderern aus allen Ländern dieser Welt, einige früher, andere erst im 20. Jahrhundert. Und doch fühlen sich offenbar viele auch nach Generationen noch nicht richtig heimisch geworden.
Das Buch ist in drei Abschnitte eingeteilt und jeder Abschnitt ist aus Sicht einer anderen Person geschrieben.
• Abschnitt 1 aus Sicht von Lily, der Tochter chinesischer Einwanderer nach den USA zwischen 1999 - 2003
• Abschnitt 2 aus Sicht von Nick, Sohn von Lily ab 2021
• Abschnitt 3 aus Sicht von May, Mutter von Lily und Großmutter von Nick im Jahr 2030

Lily, eine junge Frau chinesischer Abstammung, aber schon in den USA geboren und aufgewachsen, arbeitet unentgeltlich als Praktikantin in einer Werbeagentur.
Bei der Weihnachtsfeier lernt sie den Neffen ihres Chefs kennen. Matthew ist der Erbe eines Pharma-Imperiums und steinreich, aber auch er hadert mit der Familie, den Erwartungen, dem vielen Geld, das ihm zur Verfügung steht. Die beiden verbringen ein Jahr zusammen, dann trennen sie sich, um sich zwei Jahre später wiederzutreffen und erneut der Anziehungskraft des jeweils anderen zu erliegen.
Die beiden heiraten und in China während einer Geschäftsreise wird ihr erstes Kind geboren. Aber Lily hat irgendwie immer noch das Gefühl in einem Traum gefangen zu sein, sie kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass ihr das tatsächlich passiert. Sie passt nicht in die neue Umgebung. In China spürt sie zum ersten Mal der Vergangenheit ihrer Mutter nach, die vor der Kulturrevolution eine vielversprechende Biologin und Wissenschaftlerin war. Ihre Eltern haben ihr nie von der Vergangenheit erzählt.

Im Jahr 2021 ist Nick bereits ein Teenager. Dieser Teil des Buches ist aus seiner Sicht geschrieben.
Lily hatte sich früh von Matthew getrennt, die Gründe erfahren wir erst nach und nach. Lily zog mit ihrem kleinen Sohn an die Westküste auf eine Insel vor Seattle. Nick wuchs in einfachen Verhältnissen auf, Lily wollte ihrem Sohn eine ganz normale Kindheit ermöglichen, fernab von Luxus und zu viel Berieselung durch die Medien.
Nun ist er an der Schwelle zum Erwachsenwerden und seine Mutter hat ihm immer noch nicht gesagt, wer sein Vater ist. Nach einem Gentest meldet sich einige Zeit später Matthew bei ihm, die beiden treffen sich, wann immer Matthew an der Westküste zu tun hat und Zeit erübrigen kann.
Er ist von seiner Mutter darauf getrimmt, Dinge aus eigener Kraft zu schaffen, jetzt erlebt er zum ersten Mal, wie wichtig ein großer Name im Hintergrund sein kann. Er entscheidet sich für ein Studium an der Yale University, nimmt es aber letztendlich seinem Vater übel, dass der Name Maier ihm die Zusage verschafft hat.
Auch mit seiner Mutter überwirft er sich, er wirft ihr vor, ihn belogen zu haben und bricht den Kontakt ab.

Der dritte Abschnitt führt uns in die Zukunft und ist aus Sicht von May, Lilys Mutter und Nicks Großmutter geschrieben. Aus der brillanten Wissenschaftlerin ist eine verarmte alte Frau geworden, ihr Mann ist lange vor ihr gestorben und sie lebt in der Nähe ihrer Tochter in San Francisco, ohne sie je zu sehen. Auch hier ist der Kontakt abgebrochen, auch wenn May ihn sich sehnlichst wünscht. Nick, ihr unbekannter Enkel lebt ebenfalls in San Francisco und trifft eines Tages zufällig auf seine Großmutter. Im Gespräch zwischen Großmutter und Enkel füllen sich nun alle Leerstellen.
Im Verlauf des Buches gibt es viel Unausgesprochenes, vieles bleibt offen. Manchmal fügt es sich im nächsten Abschnitt zusammen. Nick, der sich auch nie wirklich in sich selbst ruhend fühlte, findet wichtige Antworten für sich in den Gesprächen, sowohl mit seinem Vater, seinem Großvater väterlicherseits und seiner Großmutter.

Jede Generation hatte Entscheidungen für die jeweils nächste Generation getroffen, durchaus in bester Absicht, aber nicht in Übereinstimmung mit ihren Wünschen. Diese Entscheidungen und die fehlende Flexibilität, auch davon abzulassen, trug viel dazu bei, dass die Generationen sich entfremdeten. Erst Großmutter und Enkel, die sich gar nicht kennen, können unvoreingenommen aufeinander zugehen. Und sie tun das, was zwischen May und Lily oder zwischen Lily und Nick nie möglich war, sie reden endlich ehrlich miteinander.
Generationenkonflikte, die Frage nach Identität und kulturelle Assimilation sind aber nur einige Themen, die im Buch angesprochen werden. Genmanipulation, Geschwisterkonkurrenz, Erziehungsmethoden, das sind ganz unterschiedliche Komplexe, die eine größere oder mindere Rolle im Buch spielen.
Für mich war es ein sehr lesenswertes Buch, das ich gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Der Hund kommt immer zuerst

Das letzte Kind hat Fell
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Angelika und Hans haben sich einen Lebenstraum erfüllt und verbringen ihren Ruhestand in der Nähe von Faro. Sie haben dort ein Häuschen gekauft und renoviert und leben sich gerade ein. Angelika steht kurz ...

Angelika und Hans haben sich einen Lebenstraum erfüllt und verbringen ihren Ruhestand in der Nähe von Faro. Sie haben dort ein Häuschen gekauft und renoviert und leben sich gerade ein. Angelika steht kurz vor ihrem 70. Geburtstag und dazu haben sich ihre Tochter Sandra und ihr Enkel Finn angesagt. Sandra ist LKW-Fahrerin und in ganz Europa unterwegs. Finn ruht sich nach einem BWL-Studium auf Bürgergeld aus, sein Lebensweg ist noch sehr offen, Finn will Fun und eine Dating-App vermittelt ihm wechselnde männliche Bekanntschaften.
Angelika ist die Seele der Familie, während ihrer Berufsjahre war sie Erzieherin und auch jetzt versucht sie noch, die Tochter und den Enkel in die richtigen Bahnen zu lenken. Ihr gefällt weder das Nomadenleben ihrer Tochter noch die Lethargie ihres Enkels. Die Homosexualität ist allerdings kein Thema, damit haben sich beide Großeltern arrangiert.
Ehemann Hans ist ein Bücherwurm, am liebsten verkriecht er sich den ganzen Tag hinter seinen Büchern. Jedoch war es Angelika gelungen, ihn zu einem Ausflug in die Umgebung zu überreden und auf diesem Ausflug läuft ihnen eine Mischung aus Labrador und Schäferhund zu. Sie lässt sich nicht abwimmeln, sitzt ganz bald bei ihnen im Auto und da niemand für den Hund in dieser Einöde zuständig zu sein scheint, darf er mitfahren.
Fellina bleibt also zunächst einmal bei ihnen und lebt sich sehr schnell ein, zumal sie von Angelika wie ein Nesthäkchen behandelt wird, das letzte Kind hat Fell.
Fellina bringt sehr bald deutlich mehr Abwechslung in ihr Leben, vor allem erweist sie sich als Kontaktanbahner mit der Nachbarschaft in gutem wie im schlechten Sinne.
Wir erleben im Buch den Aufenthalt der gesamten Familie während Angelikas Geburtstag, tauchen in die Familiengeschichte ein und erleben neue Weichenstellungen. Ich würde das Buch als Wohlfühlbuch bezeichnen, ohne großartige Höhen und Tiefen, auch wenn die Autorin versucht hat, noch einige Spannung in der Handlung unterzubringen.
Für mich ein lockeres Lesevergnügen zwischen vielen Krimis.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Das Kreuz mit dem Kreuz

Vino, Mord und Bella Italia! Folge 8: Unheilige Geschäfte
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Anna ist in der Toskana heimisch geworden, selbst ihre Mutter hat sich zu einem erneuten Besuch angesagt, um ihrer Freundin Giovanna im Restaurant zur Hand zu gehen und neue Ideen zu verwirklichen.

Im ...

Anna ist in der Toskana heimisch geworden, selbst ihre Mutter hat sich zu einem erneuten Besuch angesagt, um ihrer Freundin Giovanna im Restaurant zur Hand zu gehen und neue Ideen zu verwirklichen.

Im Dorf ist seit kurzem ein Padre aus dem Vatikan zu Gast, der die Kunstschätze der Gemeinde inventarisieren will. Don Benedetto führt ihn herum und lässt ihn sogar predigen. Die Kirche selbst ist zur Zeit eine Baustelle, Loris hat dort einen großen Restaurierungsauftrag erhalten und arbeitet vom Gerüst aus.

Unter diesem Gerüst entdecken Tameo und Peppo eines Abends einen schwer verletzten Don Benedetto und kurz darauf den ermordeten Padre Salvatore. Die Gerüchteküche brodelt, wer könnte diesen Herren der Kirche etwas zuleide tun?

Der mittlerweile in Fontenaia eingewöhnte Kommissar Vico mit seinen Mitarbeitern Flavia und Marco nehmen sich des Falls an, selbst Anna wird einbezogen. Vico weiß ihre Menschenkenntnis und ihre Kommunikationsfähigkeiten mittlerweile zu schätzen und nimmt sie sogar zu Wohnungsbegehungen mit. Auch ihre Beobachtungsgabe hilft den Kommissaren oft bei der Lösung ihrer Fälle.

Wie so oft stellt sich die Lösung des Falles doch etwas anders dar, als zunächst angenommen, auf jeden Fall gibt es wieder ein spannendes Finale und Anna ist wieder mittendrin. Es ist ein versöhnliches Ende, das auch die neuen Entwicklungen in Fontenaia mit einbezieht. Menschlich ist aus dem etwas bärbeißigen Kommissar mittlerweile ein zwar immer noch durchsetzungsfähiger aber auch verständnisvoller Vorgesetzter geworden, mit dem seine Mitarbeiter gut zusammenarbeiten können. Fontanaia wird er wohl erhalten bleiben.

Insgesamt ist es wieder ein sehr gut lesbarer Cozy Crime und die Toskana scheint sogar im Spätherbst noch ihre Reize zu haben.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Die Bedeutung der Ehre

Solothurn ruft nach Vergeltung
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Schon das Cover ist ein Hingucker, es zeigt den Gerechtigkeitsbrunnen in Solothurn. Tatsächlich ist Justitia mit verbundenen Augen dargestellt, und ich habe mich schon zu Anfang gefragt, ob das als Hinweis ...

Schon das Cover ist ein Hingucker, es zeigt den Gerechtigkeitsbrunnen in Solothurn. Tatsächlich ist Justitia mit verbundenen Augen dargestellt, und ich habe mich schon zu Anfang gefragt, ob das als Hinweis auf den Inhalt des Buches verstanden werden soll?
Um was geht es?
Regisseur Tom Kurti soll an den Solothurner Filmtagen für seine umstrittene Dokumentation über Frauenhass und Femizid ausgezeichnet werden. Leider erlebt er diese Auszeichnung nicht mehr, kurz vorher wird er ermordet und gefunden wird er ausgerechnet von Pia, der Tochter von Chefermittler Dominik Dornach. Zwar finden sich schon in den sozialen Netzwerken eine ganze Reihe von Drohungen gegen ihn, hauptsächlich aus dem ultrarechten Spektrum, aber Dominik stellt schnell fest, dass es noch andere Hintergründe gibt, die tiefer in die Vergangenheit gehen. Ein Fall von Femizid, den er als junger Polizeibeamter mit zu bearbeiten hatte, ist ihm da besonders in Erinnerung und es gibt Parallelen zu dem jetzigen Fall. Damals waren die Ermittlungen von den Vorgesetzten eher schlampig geführt worden.
Schon allein durch die Auffindesituation ist auch dieses Mal wieder Pia direkt in den Fall involviert und sie agiert weiterhin so, wie wir sie kennen: impulsiv, sehr hilfsbereit aber ohne viel nachzudenken oder andere in ihre Gedanken mit einzubeziehen.
Dominik scheint dieses Mal nicht so ganz bei der Sache zu sein, glücklicherweise stehen seine Ex-Partnerinnen ihm immer noch nah und übernehmen einen Teil der Ermittlungen.
Bei den Solothurn-Krimis sind Beruf und Privates nie so genau zu trennen, da Tochter Pia immer eine Rolle spielt. Ich fand das Verhältnis von Privatem zu Beruflichem aber ausgewogen und die Ermittlungen spannend. Zwischenzeitlich hatte der Krimi sogar etwas von einem Thriller und erinnerte an James Bond-Szenen.
Der Abschluss kam tatsächlich überraschend, war aber schlüssig und bestätigte mich in meiner Ansicht, dass nichts eine gute, neutrale und umfassende Ermittlung ersetzen kann. Nur so kann der Gerechtigkeit Genüge getan werden. Und so schlagen wir dann auch wieder den Bogen zur Justitia mit den verbundenen Augen. Jetzt könnten wir ihr den Schal allerdings abnehmen.
Ich habe in vorangegangenen Rezensionen Christof Gasser schon für seine spannenden Krimis gelobt und das wiederhole ich auch dieses Mal gerne wieder.

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Veröffentlicht am 05.02.2026

Eine wie sie lässt sich durch nichts und niemanden aufhalten

Stürmische Klippe
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Liv Lammers‘ zehnter Fall ist brisanter denn je und hält die erfahrene Ermittlerin auf dem sturmumtosten Sylt gefangen. Eigentlich war sie mit ihrem Lebenspartner Sebastian auf der Insel, um endlich einen ...

Liv Lammers‘ zehnter Fall ist brisanter denn je und hält die erfahrene Ermittlerin auf dem sturmumtosten Sylt gefangen. Eigentlich war sie mit ihrem Lebenspartner Sebastian auf der Insel, um endlich einen Erbstreit mit ihrer Schwester beizulegen. Da erreicht sie ein Anruf ihrer Chefin Hilke Hasselbrecht. In einer Villa in Rantum gab es einen Anschlag auf eine bekannte Politikerin, sie möge sie dort unterstützen.
Tatsächlich trachtet offenbar jemand Armgart Zabrowsky nach dem Leben und hat ihr bei dem morgendlichen Surfgang aufgelauert und sie unter Wasser gezogen.
Kann das Motiv im privaten Bereich liegen? Oder hat es mit ihrer Vergangenheit als Richterin zu tun?
Kann es auch mit ihren Plänen für Sylt zusammenhängen?
In der Villa haben sich illustre Persönlichkeiten von Sylt versammelt. Eigentlich war der 60. Geburtstag der Anlass für die Einladung, dem sollten aber politische Gespräche und Weichenstellungen folgen, die unter keinen Umständen nach draußen dringen sollten.
In einem zweiten Handlungsstrang gerät Sebastian trotz seiner Hilfeleistung an einer ehemaligen Patientin in große Schwierigkeiten und muss feststellen, dass es Kollegen gibt, die ihm seine gute Stellung und seinen Erfolg nicht gönnen.

Alles passiert vor dem Hintergrund eines verheerenden Sturmes, so dass auch keine Unterstützung vom Festland gerufen werden kann, als die Ereignisse in der Politikervilla eskalieren. Keine Straße ist mehr passierbar, Bäume sind reihenweise umgefallen, der Hindenburgdamm ist überschwemmt, kein Zug fährt mehr und auch die Schiffe haben den Betrieb eingestellt.

Auch der 10. Krimi von Sabine Weiss ist spannend, mit den Grundstücksspekulationen auf Sylt, den Tourismus-Plänen und dem Aufweichen des Naturparks Wattenmeer werden aktuelle Probleme angesprochen. Im zweiten Handlungsstrang geht es um Gewalt in Beziehungen und Femizide.
Für mich war es der zweite Krimi mit Liv Lammers und ich bin durchaus auch auf die Vorgängerbände noch gespannt.



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