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Veröffentlicht am 29.07.2025

Hitlers Vermächtnis

Goebbels' Schatten
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Hans-Peter de Lorent hat einen Tatsachenroman geschrieben, große Teile orientieren sich an der historischen Wahrheit, sehr viele Dokumente sind in das Buch eingeflossen. Es gibt aber auch fiktionale Teile, ...

Hans-Peter de Lorent hat einen Tatsachenroman geschrieben, große Teile orientieren sich an der historischen Wahrheit, sehr viele Dokumente sind in das Buch eingeflossen. Es gibt aber auch fiktionale Teile, von denen man sich aber vorstellen kann, dass es sich so oder ähnlich zugetragen hat.

Das Buch widmet sich zunächst einmal den letzten Tagen des Nazi-Regimes im Führerbunker. Das Propagandaministerium gibt immer noch Durchhalteparolen an die Bevölkerung weiter, obwohl doch jeder sehen kann, dass die Russen täglich näherkommen und der Krieg verloren ist. Dennoch darf die Wahrheit nicht laut gesagt werden, nur unter der Hand bereiten sich auch die Nazi-Größen auf ihre Flucht oder ihren Freitod vor.

Die Geschichte der letzten Tage war mir durchaus bekannt, nicht bekannt war mir der Name Dr. Werner Naumann, der zweite Mann hinter Goebbels und sein designierter Nachfolger im Propagandaministerium. Als seine Bemühungen, die Nazis wieder an die Macht zu bringen, 1953 scheiterten, war das vor meiner Zeit und später wurde es sehr ruhig um ihn.

Die Passagen, die über die allgemein bekannte Lektüre hinausgehen, waren durchaus lesenswert. Die Jugend Goebbels, der sich erst selbst vom Schreiber zum Redner ausbilden musste, seine Probleme mit seinen Altersgenossen, das war interessant. Auch die Passagen über die Filmgrößen und Schriftsteller der damaligen Zeit waren aufschlussreich.

Nach dem Freitod von Hitler und Goebbels wendet sich das Buch dann dem eigentlichen Thema zu, dem Werdegang von Werner Naumann, seiner Flucht aus dem Führer-Bunker, seinem Untertauchen und seiner „Auferstehung“ Anfang der 50er Jahre. Sein Erleben der letzten Tage mit Hitler und Goebbels versieht ihn in den Augen seiner ehemaligen Kollegen und Mitarbeiter mit einem „Heiligenschein“. Wer kann schon von sich sagen, bis zuletzt dabei gewesen zu sein und Hitlers Vermächtnis entgegen genommen zu haben. Diese letzten Worte Hitlers an ihn „Ich setze auf Sie…. die Leute, die uns treu ergeben sind, wieder zusammenzubringen“ sind für Naumann für sein weiteres Leben bestimmend.

Nach den aufsehenerregenden Prozessen in Nürnberg hätte man damit gerechnet, dass sich die Besatzungsmächte auch in der zweiten Reihe umsehen würden und Täter zur Rechenschaft ziehen würden. Ganz im Gegenteil: nach den schon Ende der 40er Jahre sichtbar werdenden Problemen mit den Russen, war es den Amerikanern wichtiger, das Land schnell wieder regiert zu wissen und dafür griff man auch auf Verwaltungsleute und Juristen aus der Nazi-Zeit zurück. Mir drängte sich der Verdacht auf, dass lediglich die Engländer darauf achteten, die früheren Machthaber nicht wieder zu Ehren kommen zu lassen.

Für mich war „Goebbels‘ Schatten“ ein lesenswertes Buch, das mich dazu anspornt, mich zu den im Buch genannten Namen einmal weiter zu informieren und mir entsprechende Bücher zu besorgen. Beispielsweise hätte ich Hanns-Martin Schleyer in der Riege der alten Kollegen und Seilschaften nie erwartet.

Das Ende kam etwas abrupt, einige Worte mehr zu Naumanns weiterem Werdegang, der doch immerhin Geschäftsführer in mehreren Unternehmen der Quandt-Gruppe wurde, wären für mich noch wünschenswert gewesen. Auch zu seiner Familie, die aber sowieso nur am Rande eine Rolle spielt, gibt es keine weiteren Informationen.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Liegestuhl-Lektüre für faule Sommertage

Verlorene Provence
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Ein Mord vor laufender Kamera – der zwölfte Band der Provence-Krimi-Reihe von Autor Pierre Lagrange. Frühling in Südfrankreich: Während in Cannes die glamourösen Filmfestspiele stattfinden, wird im Hinterland ...

Ein Mord vor laufender Kamera – der zwölfte Band der Provence-Krimi-Reihe von Autor Pierre Lagrange. Frühling in Südfrankreich: Während in Cannes die glamourösen Filmfestspiele stattfinden, wird im Hinterland der Provence ein Remake des französischen Thriller-Klassikers »Die Mörderischen« gedreht – mit internationaler Star-Besetzung. Als einer der Hauptdarsteller vor laufender Kamera erschossen wird, mogelt sich der Ex-Commissaire Albin Leclerc mitsamt seinem Mops Tyson in die Ermittlungen. Die Zahl der Verdächtigen ist groß, denn scheinbar jeder hat ein Motiv, vom eifersüchtigen Schauspieler über den rivalisierenden Regisseur bis zum undurchsichtigen Produzenten. Als es einen weiteren Mordanschlag gibt, wird Albin und Tyson klar: Ein Killer ist am Set. Und er ist noch nicht fertig.

Die ehemaligen Kollegen haben mittlerweile zähneknirschend akzeptiert, dass Albin bei fast jedem Mordfall in der Provence mitermittelt und den Fall meistens auch zu einer Lösung bringt.

Pierre Lagrange hat hier Anleihen bei einem tatsächlichen Fall in den USA genommen, als Alec Baldwin versehentlich am Set mit einem geladenen Gewehr eine Kamerafrau erschoss, auch in diesem Fall waren keine Platzpatronen verwendet worden, sondern scharfe Munition.

In der Provence geht das Töten jedoch weiter und so wird schnell klar, dass die scharfe Munition mit Absicht verwendet wurde. Nur, wo ist das Motiv? Warum musste der Hauptdarsteller sterben?

Castel und Theroux, die beiden Kommissare sowie Albin Leclerc ermitteln in diesem Fall in seltener Eintracht und wie so oft hat Albin das richtige Näschen und seine vielen Gespräche führen ihn endlich auf die richtige Spur. Mops Tyson ist dabei nicht selten ein Türöffner, sowohl am Set als auch darüber hinaus.

Ich fand das Buch lesenswert, man fliegt nur so durch die Seiten, es ist eine wunderbare Lektüre für faule Urlaubstage im Liegestuhl oder am Strand.


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Veröffentlicht am 22.07.2025

Retourkutsche auf afrikanisch

Das Geschenk
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Berlin wacht eines Morgens auf und ist von Elefanten bevölkert. In der Spree, vor dem Bundeskanzleramt, am Brandenburger Tor, überall tummeln sich die Dickhäuter.
Die Befürchtung, dass es sich um einen ...

Berlin wacht eines Morgens auf und ist von Elefanten bevölkert. In der Spree, vor dem Bundeskanzleramt, am Brandenburger Tor, überall tummeln sich die Dickhäuter.
Die Befürchtung, dass es sich um einen terroristischen Anschlag handeln könnte, wird schnell widerlegt, denn im Bundeskanzleramt meldet sich der Präsident von Botswana. Als Reaktion auf das Verbot der Einfuhr von Jagdtrophäen, also hier in erster Linie Elfenbein, hat die Regierung von Botswana dem deutschen Volk 20.000 Elefanten geschenkt, die nach und nach per Flugzeug in Schönefeld eintreffen und sich überall in der Hauptstadt verteilen. Schon in kürzester Zeit herrscht das totale Chaos. Die Umweltschützer verlangen, dass sich der Mensch dem Tier unterordnet, alle anderen Politiker sind dagegen. Und die Rechte nutzt die ganze Situation für Panik- und Stimmungsmache aus.

Der Elefantendung überall in der Stadt sorgt dafür, dass sich Pflanzen, die bisher nicht in Deutschland heimisch waren, ungehindert ausbreiten. Es dauert nicht lange, und der Reichstag, das Brandenburger Tor und wichtige Gebäude sind unter den wuchernden Pflanzen begraben. Aber immerhin ist so immer genug Futter für die Elefanten vorhanden. Der Elefantendung wird zwar zum Exportschlager, dafür leiden aber die meisten anderen Industriezweige und die heimische Landwirtschaft.
Und trotzdem, zunächst einmal versucht man verzweifelt, das Volk für die Elefanten zu begeistern. Die Geburt eines Elefantenbabies wird live im Fernsehen übertragen, eine Romanze zwischen einem asiatischen Elefantenbullen und einer afrikanischen Elefantenkuh wird mit fragwürdigen Mitteln gefördert und als Multikulti ausgeschlachtet, frei nach dem Motto, selbst die Tierwelt hege keine Ressentiments gegen andersartige Artgenossen.
Das Buch ist in vier Kapitel gegliedert, in nur vier Begriffen wird die Überforderung des Staates mit dieser Situation klargemacht. Deutschland verlangt von Ländern im Süden Afrikas den Schutz von bestimmten Tierarten und stellt sie über die Bedürfnisse ihrer Bürger. Botswana hat den Spieß umgedreht und verlangt nun von Deutschland das Gleiche und droht mit weiteren Lieferungen, wenn den Elefanten auch nur ein Haar gekrümmt werden sollte.
Die absurde Situation macht uns klar, dass wir nicht immer mit unseren Maßstäben messen können.
Das Buch ist anders geschrieben als „Trophäe“, wo die Überlegungen und Gedanken von White Hunter einen sehr viel größeren Raum einnehmen. An mancher Stelle hätte ich mir gewünscht, dass dem Gespräch zwischen Kanzler Winkler und Präsident Teboga noch etwas mehr Platz eingeräumt worden wäre und die Unterschiede in der Sichtweise aus den verschiedenen Kulturen heraus noch näher beleuchtet worden wären.
Hier liegt der Fokus mehr auf den Handlungen, den Reaktionen der Politiker, wie sie mit der ungewohnten Situation umgehen. Das ist zum einen ihre kurzsichtige Betrachtungsweise, das immer nur Schielen nach dem nächsten Wahltermin, es gibt auch Verweise auf tatsächliche Ereignisse in der Vergangenheit, die auch der Hilflosigkeit entsprangen, aber Mut machen sollten „Wir haben schon so viel überwunden, dass wir auch das hinbekommen. Wir schaffen das!“
Letztendlich aber stellt man sich der Realität, auch wenn man damit seine eigenen Ideen verrät und seine Überzeugungen mit Füßen tritt. Aber immerhin dient es der Machtsicherung!

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Veröffentlicht am 20.07.2025

Übergangsband

Madame le Commissaire und die gefährliche Begierde
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Dieses Mal geht es bei Madame le Commissaire und ihrem Assistenenten Apollinaire um einen Fall, der eigentlich gar kein richtiger ist, denn die meisten Polizeistationen hätten ihn relativ schnell zu den ...

Dieses Mal geht es bei Madame le Commissaire und ihrem Assistenenten Apollinaire um einen Fall, der eigentlich gar kein richtiger ist, denn die meisten Polizeistationen hätten ihn relativ schnell zu den Akten gelegt.

Isabelle Bonnets Freundin Clodine wird eines Tages frühmorgens nackt am Strand von Pampelonne aufgegriffen, sie ist verwirrt und kann sich an nichts erinnern. Am Arm trägt sie ein auffälliges Armband. Darüber hinaus scheint ihr nichts passiert zu sein. Die Polizei geht von KO-Tropfen aus.

Apollinaire findet bald ähnlich gelagerte Fälle, keine der Frauen wurde vergewaltigt oder verletzt. Eine Frau allerdings vertrug das Betäubungsmittel nicht und starb daran, später findet sich ein weiterer Hinweis auf einen ähnlichen Fall in einer anderen Region, bei der die Frau verwirrt aus dem Fenster sprang und sich dabei tödlich verletzte.

Grund genug also, den Fällen nachzugehen, zumal auf der Polizeitstation in Fragolin gerade ganz wenig zu tun ist.

Ich fand den Fall nicht besonders spannend, obwohl ich durchaus verstand, dass ein Angriff mit KO-Tropfen jemanden sehr verunsichert und verletzt zurücklassen kann. Apollinaire kann durch seine Recherchen den Fall einer Lösung näherbringen, aber wir erleben auch zum ersten Mal, dass Isabelle nicht ganz bei der Sache ist. Sie macht Fehler. Das ist möglichweise bedingt durch die Veränderungen im zwischenmenschlichen Bereich, die sich gerade für Isabelle ergeben. Und der Cliffhanger zum Schluss deutet daraufhin, dass Isabelle im nächsten Band schwierige Zeiten bevorstehen könnten.

Auch wenn dieser Band für mich nicht zu den stärksten zählte, so bin ich doch gespannt auf den Folgeband.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Zusammenstoß der Kulturen und Moralvorstellungen

Trophäe
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White Hunter – steinreich, Amerikaner und begeisterter Jäger hatte schon fast alles vor dem Lauf seines Gewehrs. Nur ein Nashorn fehlt ihm noch zu den Big Five und genau dieses bietet ihm sein Freund van ...

White Hunter – steinreich, Amerikaner und begeisterter Jäger hatte schon fast alles vor dem Lauf seines Gewehrs. Nur ein Nashorn fehlt ihm noch zu den Big Five und genau dieses bietet ihm sein Freund van Heeren zum Abschuss an. Hunter reist nach Afrika, begibt sich auf die Jagd, aber ein Wilderer schnappt ihm das Nashorn vor der Nase weg. Seine Enttäuschung ist grenzenlos, aber van Heeren weiß einen Ausweg.

Das Buch ist sehr eindrücklich geschrieben. Jäger werden sich in den Schilderungen ganz oft wiederfinden, die Beschreibung der Jagd, der langen Verfolgung einer Beute und der Gefahr, die immer auch mit der Großwildjagd verbunden ist, nimmt sehr viel Raum ein. Man ist auf jedem Schritt der Jagd mit dabei, erlebt den Adrenalin-Schub mit, wenn das Wild sich plötzlich zeigt. Und man erlebt die Enttäuschung mit, wenn der Wind dreht und das Tier Witterung aufnimmt und flüchtet. Welcher Augenblick ist der perfekte, wann kann man das Tier so treffen, dass es mit einem Schuss getötet wird. Zögern kann bestraft werden, in Sekunden ist die einmalige Gelegenheit vorbei und ergibt sich auch nicht wieder. Hunter erinnert sich immer wieder an die Jagden zusammen mit seinem Großvater und seinem Vater. Alle waren begeisterte Großwildjäger, wobei die Herangehensweise sich in den letzten 70 Jahren grundlegend geändert hat.

Jagden sind heute eine Einnahmequelle für das Land, sie müssen teuer bezahlt werden, damit der restliche Tierbestand geschützt werden kann. Geschossen wird überdies nur das Wild, das entweder alt und schwach ist oder für die Herde nicht von Vorteil ist. Hege wird großgeschrieben. Und so sind Jagdlizenzen ein effizienterer Weg des Tierschutzes als der Naturschutz selbst, der viel zu oft von Wilderern ausgehebelt wird. Dem Tier muss ein Wert beigemessen werden, für den es sich lohnt, es zu schützen und das ist der Preis für eine Jagdlizenz.

Hunter ist wohlhabend genug, sich seinen Traum erfüllen zu können. Dennoch ist ihm das Nashorn vor der Nase weggeschnappt worden und er fühlt sich um seine Trophäe betrogen. Diese Situation nutzt van Heeren aus. Er schlägt Hunter vor, er möge anstatt der Big Five doch die Big Six anstreben. Und diese Alternative ist für Amerikaner und Europäer eine moralische Herausforderung und eigentlich undenkbar.

Umso verwirrter ist er, dass diese Option bei den Afrikanern auf Zustimmung trifft.

In Gaea Schoeters Buch treffen zwei ganz verschiedene Denkrichtungen aufeinander, man könnte es auch einen Clash of Cultures nennen und es ist erstaunlich, dass das Undenkbare dann doch so begründet wird, dass man dieser Begründung folgen kann.

Und doch hat sich immer wieder alles in mir dagegen gewehrt, solchen Gedanken überhaupt zu folgen. Den Ausgang des Buches empfand ich dementsprechend als ausgleichende Gerechtigkeit.

Das Buch ist ausgesprochen lesenswert, es konfrontiert uns Europäer mit der Tatsache, dass unser Blick auf Afrika noch immer von der Kolonialzeit geprägt ist. Unsere Vorfahren haben dafür gesorgt, dass die Menschen von ihrem Land vertrieben wurden, damit sie ungestört jagen konnten. Heute sehen wir die Menschen dort als Bewohner der Dritten Welt an, dabei haben wir eine Menge dazu beigetragen, dass sie das geworden sind. Unsere Moral ist ein Luxusprodukt, das sich in Afrika kaum jemand leisten kann. Hier herrscht Pragmatismus vor, auch wenn er gegen unsere Moralvorstellungen verstößt.

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