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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.12.2020

Alles neu, jetzt noch besser

QualityLand 2.0
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Qualityland 2.0 ist der geistige und inhaltliche Nachfolger zu Mark-Uwe Klings (wer hätte es gedacht) Qualityland. Nachdem ich Qualityland vor ein paar Jahren selbst in Rekordzeit durchgehört habe, war ...

Qualityland 2.0 ist der geistige und inhaltliche Nachfolger zu Mark-Uwe Klings (wer hätte es gedacht) Qualityland. Nachdem ich Qualityland vor ein paar Jahren selbst in Rekordzeit durchgehört habe, war ich auf diese Fortsetzung besonders gespannt.

Kurz zum Inhalt:
Qualityland 2.0 fängt genau da wieder an, wo sein Vorgänger aufhörte. Wer nun also den ersten Band noch nicht gehört/gelesen hat, dem empfehle ich wärmstens an dieser Stelle mit dem Lesen der Rezension aufzuhören. Es besteht SPOILERGEFAHR!

JohnOfUs, der frisch gewählte Präsident des Landes der Superlative ist von uns gegangen, nur Minuten nach Amtsantritt erschlagen von Martin Vorstand. Damit sehen sich alle Beteiligten mit einem neuen Problem konfrontiert: Wie soll es nun weitergehen?
Wie bereits sein Vorgänger ist auch Qualityland 2.0 in mehrere parallel zueinander verlaufende Handlungsstränge gegliedert.
Den Anfang macht Kiki Unbekannt. Nach ihrem Handlungsstrang ist die Geschichte benannt. Peters Bekanntschaft aus dem ersten Band ist drauf und dran herauszufinden, wer sie eigentlich ist und wo ihre Ursprünge liegen. Dabei stehen ihr nur zwei Sachen im Weg. Ein fehlendes Passwort und ein riesiger ferngesteuerter Killerroboter, der sie gerne tot sehen möchte. Am besten sofort.
Aisha Ärztin, JohnOfUs ehemalige Wahlkampfberaterin hat derweil anderes zu tun. Nachdem dieser sie allein gelassen hat, ist sie nun Assistentin des Vizepräsidenten Tony Parteichef, der sich bereits im ersten Band als nicht sehr zuverlässig herausgestellt hat. Aber Aisha hat größere Probleme als den unfähigen Politiker. Der dritte Weltkrieg hat stattgefunden. Nur weiß keiner, warum eigentlich. Sie könnte wirklich die Hilfe von John gebrauchen.
Martin Vorstand bereut inzwischen seinen Ausraster und versucht alles in seiner Macht stehende zu tun, um seine Beteiligung an dem Roboterattentat aus dem Netz entfernen zu lassen. Nur scheinen neuerdings seine Maschinen mit ihm auf dem Kriegsfuß zu stehen. Hat da etwa jemand seine Finger im Spiel?
Und Peter Arbeitsloser, unser Hauptcharakter? Nun ja, Peter steckt in allem ein bisschen mit drin. Nach der Lösung von Peters Problem geht sein Leben wieder den gewohnten Gang. Durch eine Reihe an unwahrscheinlichen Kettenreaktionen, wird er allerdings in eine Geschichte mithineingezogen, die scheinbar kompetenzmäßig über ihm steht.

Meine Meinung:
Man muss sagen, dass es wirklich schon ein paar Jahre her ist, seit ich den ersten Band von Qualityland gehört habe. Als ich den zweiten Band angefangen hab, hatte ich also nur noch das gröbste vom Inhalt im Kopf. Gerade deshalb ist es mir ein bisschen schwer gefallen, in die Geschichte hineinzukommen. Es wird (gerade zu Anfang) wenig von dem erläutert, was im Vorband passiert ist. Je weiter man allerdings kommt, umso mehr ist die Geschichte wieder im Kopf.
Das größere Problem ist aber, dass sich der Anfang echt lange zieht. Die Geschichte ist ohne Zweifel gut gemacht, dennoch fehlt es ihr, gerade in den ersten Kapiteln, in denen die Grundlagen für das gelegt wird, was später geschieht, ein wenig an Bewegung und vor allem an Spannung. Daran ändert auch der Humor leider nicht viel. Ähnlich wie im ersten Band, ist der Humor zwar da und es gibt einige echt witzige und gut ausgearbeitete Stellen, aber es fehlt der Geschichte einfach an der Leichtigkeit, die es braucht, damit diese Elemente voll zur Geltung kommen (auf der anderen Seite sind sie aber gerade das, was die Geschichte gut zu verstehen macht).
Mit anderen Worten: Der Einstieg in die Geschichte war schwer. Umso positiver war ich aber vom Rest überrascht. Hinter den Anfangsschwierigkeiten findet sich eine Story die mit gutem Pacing, ihrer Kreativität und ihrer guten Ausarbeitung überzeugen kann. Man kann sich gut in die Charaktere hineinversetzen, versteht ihre Handlungen, ihre Überzeugungen und bekommt ein Gefühl für die Situationen, in denen sie sich befinden. Gerade das Ende hat mir sehr gut gefallen und macht Lust auf mehr.

Für diese gute Leistung mit Starterschwierigkeiten gibt es von mir 3 1/2 Sterne. Viel Spaß beim Hören :)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.10.2020

Tauche ein in die geheimnisvolle Welt der Alchemisten

Kaleidra - Wer das Dunkel ruft
4

Kaleidra - Wer das Dunkel ruft ist der Auftaktband zu Kira Lichts neuer Urban Fantasy Trilogie. Als großer Fan des Genres und Kira Licht im allgemeinen, hatte ich an das Buch hohe Erwartungen. Dazu, ob ...

Kaleidra - Wer das Dunkel ruft ist der Auftaktband zu Kira Lichts neuer Urban Fantasy Trilogie. Als großer Fan des Genres und Kira Licht im allgemeinen, hatte ich an das Buch hohe Erwartungen. Dazu, ob es diesen gerecht werden konnte, später. Allerdings kann ich soviel schon vorweg sagen: Es hat -zumindest bei mir- richtig Eindruck hinterlassen.

Erst einmal kurz zum Inhalt: Emilia Pandolfini, 17 Jahre jung, beheimatet in Rom, liebt nichts so sehr wie Rätsel. Je komplizierter, desto besser. Als sie mit ihrer Klasse einen Ausflug ins Museum macht, entdeckt sie, dass sie den Inhalt eines geheimnisvollen, alten, verschlüsselten Manuskriptes ohne Probleme lesen kann. Eins der größten Rätsel der Menschheit! Zunächst denkt sich Emilia nicht viel dabei, zumal sich der Inhalt nur als unverständliches Kauderwelsch entpuppt. Das ändert sich allerdings schnell als sie kurz darauf von einem düsteren, verschlossenen (aber attraktivem) jungen Mann angesprochen wird. Bei selbigem handelt es sich um Ben, einem Alchemisten des Goldordens. Er offenbart Emilia, dass auch sie eine Alchemistin (des Silberordens) ist und führt sie in eine Welt, die jenseits ihrer Vorstellungskraft liegt. Denn Ben braucht unbedingt ihre Hilfe um eins der größten Rätsel aller Zeiten zu lösen. Aber nicht nur er ist hinter der jungen Silberalchemistin her.

Ich bin kein Experte für Auftaktbände, da ich in meinem Leben noch nicht viele Trilogien gelesen habe. Aber vieles hat mir an dem Buch sehr gut gefallen. Allein die Idee ist fantastisch. Man muss zwar sagen, dass die Geschichte an sich relativ klassisch (Mädchen trifft auf Junge; sie versuchen zusammen ein Geheimnis zu lüften; wer kennt das nicht?) und auch das Thema Alchemie (selbst in Jugendbüchern) nicht unbedingt etwas neues ist. Allerdings ist die Idee, oder besser gesagt wie diese Themen hier umgesetzt wurden, einfach abgefahren und mit nichts zu vergleichen, dass ich je gelesen habe.
Man erlebt Emilia und Ben, wie sie durch einen astreinen Abenteuerroman mit stapfen, der Indiana Jones oder den Dan Brown-Büchern in nichts nachsteht. Zusätzlich gibt es ein Element der Magie mit einem ganz besonderen Twist: Die Magie in diesem Buch beruht auf den technischen Grundlagen der Chemie. Das ist eine schöne Eigenschaft, weil man sie nicht in jedem klassischen Buch befindet und es hat mir gut gefallen, weil das Buch dadurch für mich viel realitätsnäher gewirkt hat.
Das Zusammenspiel all dieser Komponenten sorgt dafür, dass man eine Geschichte liest, die einem auf der einen Seite wahnsinnig vertraut und bekannt vorkommt, aber auf der anderen etwas komplett neues ist, dass mich einfach nur begeistert hat. Es macht süchtig und ich will unbedingt mehr davon.

Die Charaktere stehen dem im nichts nach. Unsere Protagonistin Emilia ist an sich ein völlig normales Leben und erwartet gerade zu Beginn der Geschichte nicht, dass irgendetwas Außergewöhnliches in ihrem Leben passieren könnte. Ich muss sagen, dass ich gerade zu Beginn nicht viel mit ihr anfangen konnte. Je mehr ich allerdings gelesen habe, umso mehr hat sie mich von ihr überzeugt. Dabei ist es nicht ihre Charakterentwicklung, die mich so fasziniert hat, sondern der Charakter, den sie schon längst hat. Sie ist sehr lebensnah, leidenschaftlich, launisch und vor allem mutig. Sie mag ihre Macken haben, aber selten ist mir in einem Jugendbuch eine Protagonistin begegnet, die so charakterlich stark war. Emilia kann sich nicht nur selbst in allen Situationen behaupten, sondern ist auch sehr mitfühlend und pflichtbewusst. Die Macken, die sie hat (vor allem, dass sie manchmal über die Stränge schlägt), machen sie nur überzeugender und liebenswerter. Auf der anderen Seite steht Ben. Im Gegensatz zu Emilia kann ich zu ihm (zumindest objektiv) nicht viel sagen. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass mir von ihm genau das Bild vermittelt wurde, dass ich von ihm haben soll. Ich finde seine Motivationen sehr nachvollziehbar, auch wenn er für mich stellenweise zu aufgesetzt wirkt, was vermutlich sogar beabsichtigt ist XD. Jedenfalls bin ich gespannt, wie es für ihn weitergeht.
Bei den Nebencharakteren sticht einem vor allem eins ins Auge. Es sind so unglaublich viele. Praktisch bei jeder Gelegenheit wird Emilia irgendwem Neuem vorgestellt. Obwohl die Anzahl überwältigend ist, kann man die Nebencharaktere aber gut unterscheiden. Jeder von ihnen hat eine eigene Persönlichkeit, eigene Handlungsmuster, Macken, Überzeugungen und Motivationen, die gut herausgearbeitet wurden und die es leicht machen, die Charaktere zu verstehen und voneinander zu unterscheiden. Allerdings hoffe ich wirklich, dass die allermeisten schon vorgestellt wurden und in den anderen Büchern nicht nochmal dieselbe Menge an Neuzugängen zu verzeichnen sind. Ich glaube, das würde mein Kopf nicht mehr mitmachen XD.

Kulisse der Handlung ist die ewige Stadt Rom. Kira Licht ist mir vor allem deswegen im Gedächtnis hängen geblieben, weil die Beschreibung der Handlungsorte die sie wählt, immer so authentisch und überzeugend wirkt. Das ist auch hier nicht anders. Diese ganzen kleinen Details, die sie erwähnt, machen die Geschichte für mich erst komplett.

Nun zu den Kritikpunkten. Die Handlung ist wahnsinnig komplex. Eigentlich ist das kein Kritikpunkt, denn gerade diese Komplexität gibt der Geschichte erst die nötige Tiefe, die braucht, um überzeugend zu wirken und Eindruck zu hinterlassen. Was allerdings ein wenig für Probleme sorgen könnte, ist das Drumherum. Zum einen passiert unglaublich viel auf der Handlungsebene. Teilweise bekommt man sogar das Gefühl einige Handlungsstränge komplett vergessen zu haben, bis sie wieder aufgegriffen werden, da die Komplexität der Haupthandlung so dominant ist. Zum anderen bekommt man mindestens genauso viele zusätzliche Informationen über alles mögliche vermittelt. Dazu gehören vor allem Chemie, aber auch das Gesellschaftssystem und die Welt der Alchemisten, so wie seiner Funktionsweise, Philosophie, Psychologie, Kryptologie und noch einiges mehr. Es ist auf jeden Fall mal viel recherchiert worden :). All das ist aber notwendiger Bestandteil der Geschichte und es ist nicht möglich, die Geschichte ohne diese Informationen ausreichend verstehen zu können. Auch deshalb bin ich froh, sie bekommen zu haben.
Dieser Nachteil wird allerdings gut den Schreibstil wieder ausgeglichen. Der Humor der Charaktere, die zeitgemäße Sprache, die Beschreibung der Situationen und vor allem die Art und Weise wie die Informationen an der richtigen Stelle in der richtigen Form eingestreut werden, sorgen dafür, dass man das Buch weiterlesen will. Es ist ein echter Pageturner. Von den ganzen Informationen raucht einem zwar der Kopf, aber man fühlt sich nicht überladen.
Oder, um es mit anderen Worten zu sagen: Diese Geschichte konnte so nur von Kira Licht geschrieben werden. Mit einem atemberaubenden Ergebnis.

Zusammengefasst kann ich also folgendes sagen: Ich hatte meinen Spaß mit Kaleidra. Es war toll, die Welt der Alchemisten kennenzulernen, mit den Charakteren mitzurätseln und die wildesten Theorien aufzustellen. ich weiß gar nicht, ob ich noch bis nächstes Jahr auf die Fortsetzung warten kann XD.

Von mir gibt es 4 1/2 Sterne (mit Tendenz zu fünf), da ich das Buch liebe.

PS: Danke an die Bastei Lübbe dafür, dass sie mir das Buch im Rahmen einer Leserunde zur Verfügung gestellt hat, damit ich mich mit anderen darüber austauschen durfte, um mir eine adäquate Meinung zu bilden.
Danke an Kira Licht für die Antworten auf meine (vielen) Fragen und dafür, dass sie diese Geschichte erzählt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 04.08.2020

Es ist kompliziert

A is for Abstinence
3

A is for Abstinence ist die Fortsetzung von Kelly Orams Jugendbuch V is for Virgin, das Ende Mai erschienen ist. Im Vorhinein sollte daher gesagt werden, dass meine Meinung von diesem Buch auch stark von ...

A is for Abstinence ist die Fortsetzung von Kelly Orams Jugendbuch V is for Virgin, das Ende Mai erschienen ist. Im Vorhinein sollte daher gesagt werden, dass meine Meinung von diesem Buch auch stark von seinem Vorgänger abhängt, von dem ich leider nicht wirklich begeistert war. Da ich Kelly Oram aber trotz allem als Autorin schätze (nicht zuletzt wegen Cinder & Ella, welches sehr empfehlenswert ist), hatte große Hoffnungen an die Fortsetzung. Daher waren meine Eindrücke beim Lesen sehr vielfältig. Aber alles der Reihe nach.

Story: Wer nicht den ersten Band gelesen hat, sollte an dieser Stelle eventuell lieber aufhören zu lesen, sonst besteht Spoiler-Gefahr ;)
Das zweite Buch beginnt nicht exakt da, wo sein Vorgänger endete, sondern etwas früher. Kyle Hamilton (bereits gut bekannt aus Band Eins…hoffe ich mal) erzählt die Geschichte dahinter, wie es ihn eigentlich in die Cliffhanger-Talkshow verschlagen hat und wie es für ihn und Val jetzt genau weitergehen soll. Denn für Kyle ist eine Sache klar. Er will Val für sich gewinnen. Endgültig dieses Mal. Die Frage ist nur vielmehr, ob Val das auch will.
Viel Gerede in kurz: Das ganze Buch handelt im Endeffekt davon, wie Kyle versucht Val von sich zu überzeugen (auch der Ausgang dürfte an der Stelle schon zu erahnen sein). Damit ist eigentlich auch schon alles gesagt, was zu sagen ist.

Meine Meinung: Das Buch hat einige schöne und gut ausgestaltete Seiten. Dazu gehören vor allem die zeitgemäße Sprache und der pfiffige Humor. Diese beiden Elemente sorgen dafür, dass ein angenehmes Lesegefühl unabhängig von der eigentlichen Story entsteht. Außerdem sind die Nebencharaktere (wie es auch schon im Vorgänger war) gut gemacht und bereichern die Geschichte ungemein. Es kommt durch sie zu einigen tiefgründigen und storytragenden Szenen (das betrifft vor allem Robin).
Hier kommt allerdings auch schon der erste Kritikpunkt. Es mag zwar stimmen, dass die Nebencharaktere in Ordnung sind, aber leider gilt das nicht für die Hauptcharaktere. Ich wünschte, sie hätten auch nur einen Bruchteil der Tiefe gezeigt, die ich von ihnen (ich hoffe zu Recht) erwartet hatte. Die Sache ist, dass das Buch unglaublich viel Potenzial hatte. Es ist auch möglich, dass meine Erwartungen einfach überzogen waren. Dennoch hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass sowohl Val als auch Kyle (gut, hauptsächlich Val) praktisch keinerlei Tiefe in ihrer Ausgestaltung (Es unterscheidet sich nicht viel vom Vorgänger, außer das Kyle nicht mehr ganz so aufdringlich ist.) hatten oder es zumindest einen Anhaltspunkt für ähnliches gab. Alles, was sie getan haben war zwar logisch nachvollziehbar (stellenweise leider sogar nicht mal das), aber zeigte keinerlei emotionale oder charakterliche Tiefe. Zwischendurch kam es mir vor als wäre die Beziehung der beiden so flach wie das Papier, auf dem sie geschrieben ist. Ich kann nicht mit letzter Sicherheit sagen, was genau nicht gepasst hat, aber für mich war das alles schlicht und ergreifend nicht überzeugend, geschweige denn mitreisend. Das wird leider auch nicht besser, wenn man die Story an sich betrachtet. Es ist irgendwie wie in einem klischeehaften 0815 Hollywoodfilm zu sitzen, nur, dass es hier nicht einmal richtig Drama gibt. Die Geschichte tröpfelt nur so vor sich hin. Im Großen und Ganzen passiert nicht viel und das, was passiert ist, geht leider stark in die falsche Richtung. Um das kurz zu erläutern: Der Hauptrund, aus dem ich das erste Buch nicht gemocht habe war, dass das, was geschrieben und vermittelt wird im offenen Gegensatz zu dem steht wofür das Buch eigentlich stehen sollte. Es werden einfach, trotz gutem Vorsatz die falschen Werte vermittelt, was sehr schade ist. Genau das passiert hier auch, nur, dass es hier nicht so chaotisch ist, wie im ersten Band. Das ist leider auch der Grund, aus dem ich das Buch nicht weiterempfehlen kann und will, auch wenn es sich wirklich gut als Unterhaltungslektüre zum Lachen eignet und den Leuten, die auf Liebesgeschichten, die sich fernab der Realität und Vernunft befinden, viel Spaß und Freude bringen würde. Ich schätze, man muss einfach ein bestimmter Typ von Leser sein, um die Geschichte voll genießen zu können. Trotz sämtlicher Bemühungen meinerseits, gehöre ich leider nicht dazu.

Fazit: Das Buch ist sehr unterhaltsam und humorvoll, allerdings gibt es signifikante Schwächen in Hinsicht auf die Hauptcharaktere, die Story und vor allem die fehlerhafte Message. Mit beiden Augen zugedrückt und mit Blick auf die Lesergruppe, der das Buch viel Freude bereiten könnte, gebe ich daher 2 1/2 Sterne, was genau die Hälfte der Sterneskala ist. Ich würde das Buch gerne besser als neutral bewerten, aber die doch deutlichen Mängel machen das unmöglich.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

PS: Vielen Dank an die Bastei Lübbe, die mir das Buch freundlicherweise im Rahmen einer Leserunde überlassen und mir die Möglichkeit gegeben haben, mich mit anderen darüber auszutauschen und mir adäquate Meinung zu bilden.

  • Cover
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Gefühl
Veröffentlicht am 31.07.2020

Auf in ein neues Abenteuer!

Is it Wrong to Try to Pick up Girls in a Dungeon 01
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In Fujino Oomoris Mangaserie "Is it wrong to try to pick up girls in a dungeon?" oder auf japanisch (gekürzt) "DanMachi" gelangen wir in eine Fantasywelt, die im Grunde ein Spielplatz für Götter verschiedenster ...

In Fujino Oomoris Mangaserie "Is it wrong to try to pick up girls in a dungeon?" oder auf japanisch (gekürzt) "DanMachi" gelangen wir in eine Fantasywelt, die im Grunde ein Spielplatz für Götter verschiedenster Religionen ist.

Die Ausgangshandlung ist dabei eigentlich relativ simpel. Den Göttern der Welt ist ihre Heimat in den Wolken zu langweilig geworden. Deshalb begeben sie sich auf die Erde, um den Menschen dort mit ihren Kräften beim Bekämpfen von übernatürlichen Monstern im sogenannten Dungeon zu helfen. Der Dungeon ist im Grunde eine riesige vielschichtige im Untergrund beheimatete Höhle, die Monster erschafft. Diese sind zwar nicht direkt für das Leben der Menschen auf der Erdoberfläche gefährlich, aber durch ihr besiegen erhält man Kristalle, die sich gegen Geld eintauschen lassen.
In dieser Welt begegnen wir dem Jungen Bell Cranel, kaum einen Monat Abenteurer, der große Pläne hat. Zusammen mit der Göttin Hestia, die unter ihresgleichen nicht sehr hoch angesehen ist, versucht er an die Spitze der Abenteurergesellschaft zu gelangen. Grund dafür sind nicht etwa der Ruhm, Ehre und Geld, nein, wieso oft geht es um ein Mädchen. Zu Bells Pech handelt es sich dabei um die Star-Abenteurerin Aiz Wallenstein, bei der er zunächst kaum Chancen zu haben scheint. Doch eines Tages -so schwört er sich- wird er an ihrer Seite stehen.

Der erste Band von DanMachi ist der Auftakt zu einer herzlichen Geschichte, die vor allem mit viel Witz, Charme und ungewöhnlichen Wendungen punkten kann. Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung von Bell Cranel, der nicht nur an seinen Erfahrungen, sondern auch an seinen Gefühlen wächst. Immer wieder gerät er in seltsame, witzige, aber auch gefährliche Situationen, für die er größtenteils gar nichts kann und muss lernen, damit umzugehen. Je mehr er erlebt, desto mehr wächst auch die Welt um ihn herum, was nicht immer von Vorteil ist.

Neben seiner Geschichte kann DanMachi aber auch mit hochqualitativen Zeichnungen punkten. Vor allem was Bell und Aiz, aber auch die Hintergründe, Monster und Götter angeht. Auch die Sprechblasen sind genau in der richtigen Größe gehalten und sehr gut und einfach zu verstehen.

Insgesamt ist DanMachi rundum gelungen und für ein Manga seines Genres sehr gut gemacht. 4 1/2 Sterne von mir :)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.04.2020

Trefft die bewaffneten Detektive

Bungo Stray Dogs 01
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Inhalt:
Atsushi Nakajima, 18 Jahre alt, hat leider nicht viel Glück im Leben. Scheinbar ohne jeglichen Grund wird er eines Tages aus dem Waisenhaus rausgeschmissen, worauf hin er erst einmal eine Zeitlang ...

Inhalt:
Atsushi Nakajima, 18 Jahre alt, hat leider nicht viel Glück im Leben. Scheinbar ohne jeglichen Grund wird er eines Tages aus dem Waisenhaus rausgeschmissen, worauf hin er erst einmal eine Zeitlang ohne Essen oder Trinken in der Gegend herumirrt. Und als wäre das alles noch nicht schlimm genug, wird er auf einmal von einem Tiger verfolgt. Kurz vor dem Verhungern und am Ende seiner Kräfte trifft er auf Osamu Dazai, einen selbsternannten Selbstmordfanatiker (der natürlich auch erst einmal aus dem Hafenbecken gezogen werden muss), der zufälligerweise Mitglied einer Organisation ist, die sich selbst die "bewaffneten Detektive" nennt. Diese Detektei der besonderen Art übernimmt die Fälle, die jenseits der Kompetenz (oder auch der Vorstellungskraft) der örtlichen Polizei liegt. Wie der Zufall so will, ist auch diese derzeit mit der Suche nach einem Tiger beschäftigt...

Persönliche Meinung:
Bungou Stray Dogs ist eine außergewöhnlich Geschichte, die vor allem mit ihrer Einzigartigkeit punkten kann. Trotz der massiven Ladung an Informationen die man bekommt (es gibt beinahe keine Seite auf der nicht nicht irgendeine Anmerkung gemacht wird) und, dass man zumindest den Hauch einer Ahnung von Literatur haben sollte (das ist zwar nicht zwingend notwendig, man versteht die Geschichte auch ohne, aber das Wort "bungou" im Titel, weißt darauf hin, dass es hier Autoren eine Rolle spielen; es ist lustiger, wenn man sich ein wenig schlau macht), wird einem nicht langweilig.
Die Geschichte selbst mag zunächst einmal relativ verwirrend erscheinen und es ist auch zugebener Maßen nicht leicht (gerade als Anfänger), den Überblick zu behalten. Aber überwindet man diese Grenze, wird man in eine fabelhafte Welt eingeführt, in der nichts so ist, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Die Geschichte lebt durch ihre Drehungen und Wendungen, durch die Personen, die in ihr agieren, durch ihr toll inszeniertes Setting und ihren genau darauf abgestimmten Zeichenstil. Würde auch nur eines dieser Elemente fehlen, würde dem Manga ein großer Teil verloren geben.
Besonders beeindruckend sind dabei die Charaktere. Jeder Charakter der in die Geschichte eingeführt wird kommt nicht nur mit einem eigenen ganz speziellen Design, sondern auch mit von Grund auf komplett verschiedenen, individuellen Persönlichkeiten, Hintergrundgeschichten, Motiven und Zielen. Zusätzlich trägt (beinahe) jede Figur den Namen eines berühmten (zumeist japanischen) Autors und verfügt zudem über einzigartige übernatürliche Kräfte, die genau auf die Autorennamen abgestimmt sind. Selten (ich würde beinahe sogar sagen, in dem Ausmaß habe ich das noch nie gesehen) wird Charakterpotenzial so sehr ausgeschöpft wie hier.
Das gleiche gilt für die Zeichnungen. Diese sind nicht nur ungewöhnlich detailliert, sondern strahlen auch durch ihren einzigartigen Stil einen gewissen Charme aus, der Lust auf mehr macht und der sowieso schon genialen Geschichte das gewisse Extra verleiht. Das Pacing der Seiten ist gut und sorgt für eine gute und leichte Lesbarkeit, trotz der übermäßigen Textmenge.

Fazit:
Im Endeffekt kann man jedem, der bereits ein oder zwei Manga-Serien in seinem Leben gelesen hat diesen hier nur ans Herz legen. Das Lesen erfordert zwar etwas Mühe, aber wird am Ende definitiv mit einer tollen Geschichte und einzigartigen Charakteren belohnt. Es ist für jede Gattung älterer Leser irgendetwas dabei, das zum weiterlesen anregt (Sei es Action, Crime, Comedy, besonderes Interesse an Hintergrundgeschichten oder was auch immer). Es ist nicht möglich hier vom Inhalt auf die Geschichte zu schließen (warum das so ist weiß man leider nur, wenn man's gelesen hat). Trotzdem gibt es bestimmt wenig, das so gut ist, wie das hier.

Gesamtbewertung:
4 1/2 von 5 Sternen (wegen des erhöhten Leseaufwands)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere