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Veröffentlicht am 24.03.2021

Weiter geht die Reise

Kaleidra - Wer die Seele berührt
2

Obwohl das vermutlich nicht möglich ist, hatte ich an den zweiten Band von Kira Lichts neuer Trilogie Kaleidra noch größere Erwartungen als an den ersten, der mich vor allem mit seinen Details und seiner ...

Obwohl das vermutlich nicht möglich ist, hatte ich an den zweiten Band von Kira Lichts neuer Trilogie Kaleidra noch größere Erwartungen als an den ersten, der mich vor allem mit seinen Details und seiner außergewöhnlichen Umsetzung von sich überzeugen konnte. Wie sah es jetzt aber mit "Wer die Seele berührt" aus?

! Spoilerwarnung !
Eine Spoilerwarnung vorweg. Es handelt sich hierbei (wenn das nicht schon ersichtlich geworden ist) um einen Fortsetzungsband. Wer den ersten Band also nicht gelesen hat und das noch irgendwann einmal vorhaben sollte, dem wird an dieser Stelle freundlich geraten mit dem Lesen aufzuhören. Es besteht die Möglichkeit mit Spoilern lesespaßvernichtender Natur konfrontiert zu werden. Danke für die Aufmerksamkeit.

Inhalt:
Gut, nachdem das geklärt ist, weiter zum Inhalt. "Wer die Seele berührt" schließt nahtlos an die (kliffhangerartigen)Geschehnisse seines Vorgängers an. Nachdem Emilia von ihrem Kindheitsfreund Matti ausgeknockt wurde, kommt sie in der Quecksilberloge von Washington D.C. wieder zu sich. Dort trifft sie auf Professor Avalanche, den Meister selbiger Loge, der mittlerweile auch Ben unter seine Kontrolle gebracht hat. Der skrupellose Wissenschaftler will von unseren Alchemisten nur eins. Sie sollen zusammen mit Matti das Wasser des Lebens fertigbrauen, egal zu welchem Preis. Harte Zeiten stehen bevor und Emilia weiß nicht mehr, wer Feind und wer Freund ist. Als schließlich auch noch eine Expedition nach Kaleidra ansteht, ist das Chaos perfekt.

Meine Meinung:
Der zweite Teil der Geschichte um Kaleidra ist vor allem eins: Anders als ich erwartet hatte.
Nun muss man vielleicht dazu sagen, dass ich mir nicht ganz sicher bin, was genau ich eigentlich erwartet hatte, aber ich kann definitiv sagen, dass mich vieles an dem Buch überrascht hat.

Darunter fällt zunächst einmal die Handlung an sich. Zweite Bände haben es naturgemäß immer etwas schwerer als ihre Vorgänger. Das gilt vor allem Trilogien. Die Aufgabe eines guten zweiten Bandes ist es meiner (persönlichen) Meinung nach, die Geschehnisse und offenen Enden des ersten Bandes aufzunehmen und weiterzuentwickeln, ohne aber zu viel vorwegzunehmen (damit man den Abschluss genießen kann). Die große Kunst dabei ist, das Buch so zu gestalten, dass es sich nicht zieht und der Leser nicht die Lust daran verliert. Man braucht also vor allem eine starke Handlung.
Die Handlung des zweiten Bandes hat mich dahingehend überrascht, dass sie wesentlich geradliniger ist, als die des ersten. Wo "Wer das Dunkel ruft" so unübersichtlich in seinen Informationen und Handlungssträngen war, ist dieses Buch geradezu ein Musterbeispiel für eine geradlinige Handlung. Zwar gibt es die massiven Informationsfluten immer noch, aber im offenen Gegensatz zum ersten Teil gibt es hier fast keine Nebenhandlungsstränge und Abschweifungen in der Handlung. Das macht das Buch gut und (im Vergleich zum ersten Teil) geradezu flüssig lesbar. Die Geschichte selbst ist spannend und beinhaltet immer wieder neue Drehungen und Wendungen, die das Leseerlebnis auf eine neue Stufe bringen. Vieles aus dem ersten Band wird wieder aufgegriffen, man erhält Antworten auf einige Fragen (die aber irgendwie nur noch mehr Fragen aufwerfen, aber egal. Es macht Spaß, Theorien aufzustellen.) und langsam finden die vorangegangenen Geschehnisse zueinander. Nach dem (doch teilweise etwas verwirrenden) ersten Teil der Geschichte ist dieser Handlungsaufbau (mal wieder hervorragend unterstützt durch Kiras tollen Schreibstil) eine willkommene und erfrischende Abwechslung, die mir nur noch mehr Lust darauf macht herauszufinden, wo dieses fantastische Handlungskonstrukt hinführen wird.

Ebenfalls wieder toll umgesetzt wurde das naturwissenschaftliche Thema des Buches. Kira Licht hat einfach ein Talent dafür, technische Elemente mit Fantasy zu verbinden, ohne, dass es zu schwerwiegend oder zu kompliziert wirkt. Die doch etwas düstere Handlung wird gut durch diese zusätzlichen Infoelemente aufgelockert, sowie durch den geschickt eingesetzten Humor.

Aber auch die Charaktere stehen dem in nichts nach. Nachdem mein Wunsch scheinbar erhört wurde und Emilia doch wesentlich weniger Charakteren als im ersten Teil vorgestellt wurde, konnte man endlich mal einen guten und näheren Blick auf die bereits eingeführten Charaktere werfen.
(Hinweis: Auch wenn die neu eingeführten Charaktere ebenfalls ohne Ausnahme spannend und einprägsam waren, möchte ich hier aus spoilertechnischen Gründen nicht näher auf sie eingehen. Es macht mehr Spaß, sich beim Lesen mit ihnen zu beschäftigen :D)
Lange Geschichte kurz: Emilia konnte mich wieder in voller Bandbreite von sich überzeugen. Sie war schon im ersten Band eine unglaublich starke Protagonistin, aber gerade in diesem Buch (wo sie sich schon ein wenig an ihre Umstände gewöhnt hat) kann sie wirklich zeigen, was in ihr steckt. Und das ist wesentlich mehr, als man so denken mag. Auch von Ben hat man mehr zu sehen bekommen. Auch wenn ich von Ihm als Charakter immer noch nicht zu 100% überzeugt bin (was nichts heißen muss, weil er trotzdem ein sehr gut gemachter Charakter ist), hat es mich sehr gefreut, andere Seiten an ihm zu sehen und die Entwicklung seiner Beziehung mit Emilia zu beobachten. Ich bin gespannt, zu erfahren, wie die Geschichte der beiden enden wird.

So toll das Buch auch sein mag, es gibt kleinere Abstriche. Die Geschichte an sich und die Figuren sind zwar allesamt toll gemacht, jedoch hatte ich stellenweise das Gefühl, dass ihre Handlungen nicht ganz zusammenpassen. Das mag zwar nicht unbedingt ein Kritikpunkt sein; es besteht ja immerhin noch die Möglichkeit, dass das alles geplant ist und hinterher noch Sinn ergibt (sollte das so sein, entschuldige ich mich hiermit in aller Form). Trotzdem kamen mir manche Aktionen doch sehr undurchsichtig vor.
Ein anderer Punkt ist, dass die Geschichte trotz allem doch noch ziemlich lückenhaft ist. Das ist kein Fehler, sondern ein eigener Charakterzug des Buches, der erst dafür sorgt, das die Geschichte das werden kann, wozu sie bestimmt ist. Nur leider ist das dem Lesegefühl dennoch ein wenig abträglich. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass es sich gerade deswegen lohnt, das Buch nach Abschluss der Geschichte noch einmal in die Hand zu nehmen und alles rückblickend zu betrachten. Bestimmt gibt es vieles, das einem erst auffällt, wenn man die ganze Geschichte kennt. Es gehört ja auch ein Stück weit zu einem guten Buch, das man beim Lesen immer wieder etwas neues entdeckt :)

Fazit:
"Kaleidra - Wer die Seele berührt" ist in vielerlei Hinsicht ein hervorragender Fortsetzungsband, der die ureigene Handschrift von Kira Licht trägt. Trotz leichter Abstriche hat es mir viel Spaß gemacht, das Buch lesen zu dürfen und mich mit anderen darüber auszutauschen (an dieser Stelle noch einmal vielen Dank an die Bastei Lübbe, die mir das Buch im Zuge einer Leserunde zur Verfügung gestellt hat). Es gibt immer wieder Neues zu entdecken und ich kann es kaum erwarten, wie die Geschichte um unsere Alchemisten weitergeht. Danke an Kira Licht für dieses tolle Buch.

Für eine hervorragende Leistung mit kleineren Abstrichen, die ihrem Vorgänger in nichts nachsteht gibt es daher von mir 4 1/2 von 5 Sternen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 17.02.2021

Elaina auf Reisen

Elainas Reise 01
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Inhalt
"Elainas Reise" oder "Majo no Tabitabi" (Die Reise einer Hexe) im japanischen Original handelt von Elaina, deren Traum es seit jeher war, wie die Hauptperson ihres Lieblingsbuches als Hexe auf Reisen ...

Inhalt
"Elainas Reise" oder "Majo no Tabitabi" (Die Reise einer Hexe) im japanischen Original handelt von Elaina, deren Traum es seit jeher war, wie die Hauptperson ihres Lieblingsbuches als Hexe auf Reisen zu gehen. In diesem Werk erzählt Elaina dabei rückblickend von ihren Abenteuern.

Hintergrundinformationen
Dem Manga gehen bereits eine Light Novel Serie, sowie ein Anime voraus, die beide unterschiedliche Aspekte von Elainas Geschichte genauer beleuchten. Meine Meinung zu diesem Manga basiert mit diesen beiden alternativen Formaten im Hinterkopf.

Meine Meinung
Die Geschichte um Elaina ist von der interessanten Sorte. Erzählt wird sie in einer Art Tagebuchform, in der Elaina zwar von ihren Abenteuern berichtet, aber auch immer wieder rückblickend ihre eigenen Gedanken dazu beiträgt. Das wirklich Interessante dabei ist, dass Elaina auf ihren Reisen nicht nur schöne Dinge erlebt, sondern auch Leid, Elend und Verzweiflung. Die Geschichte hat ein Talent dafür große Zwiespältigkeit aufzuzeigen. Sind einige ihrer Abenteuer Balsam für die Seele oder bringen einen zum Lachen, schaffen andere Angst, Unwohlsein oder tiefe Frustration.
Im ersten Band erfährt man zudem etwas über Elainas Vorgeschichte. Mein Kritikpunkt an der Mangaversion ist dabei leider der extrem verwirrende Aufbau der Geschichte. Hat man keine der anderen beiden Alternativen vorher gesehen, kommen einem die einzelnen episodischen Geschichten wie aus dem Zusammenhang gerissen vor und es ist schwer, die eigentliche Handlung nachzuvollziehen.
Womit der Manga allerdings punkten kann sind die Zeichnungen. Sie sind schön und detailliert. Vor allem die ganzseitigen Illustrationen sind toll.
Die Geschichte ist trotz der teilweise schwerwiegenden Thematiken leicht zu lesen und eignet sich aufgrund der Episodenform gut für zwischendurch.
Was dem aber im Weg steht, sind die Probleme, die die Geschichte an sich (in allen Versionen) mit sich bringt.
"Elainas Reise" hat im Prinzip alles um ein hervorragendes Werk sein zu können. Allerdings mangelt es an der allgemeinen Umsetzung.
Angefangen bei den Charakteren. Elaina als Hauptperson bringt ziemlich viel mit. Sie ist schön, talentiert und (was mir am besten gefallen hat) nicht die sympathischste Person. Ich hab es bisher nur selten erlebt, das die Hauptfigur einer Geschichte nicht direkt sympathisch ist (weil man ja die ganze Zeit mit ihr verbringt), aber hier ist es so. Obwohl Elaina auch positive Eigenschaften hat, werden hier auch ihre negativen Seiten offen gezeigt. Sie ist zwar freundlich und geduldig, aber auch eitel, großspurig, egoistisch und von sich überzeugt. (Allein schon deswegen ergibt ihre Hintergrundgeschichte für mich wenig Sinn). Abseits davon ist ihr Charakter allerdings ziemlich flach und ziemlich vorhersehbar. Das gleiche gilt auch für die Nebencharaktere, die auftreten (vor allem die wiederkehrenden). Obwohl einige in diesem Zusammenhang durchaus Potential haben, bleibt doch viel von dem auf der Strecke, was hätte genutzt werden können. Man kann einfach keine wirkliche Bindung mit ihnen aufbauen. Ich weiß nicht, wie der Rest der Geschichte im Manga dargestellt werden wird, aber gerade die Mangaversion hat mir besonders das Gefühl gegeben, dass die Geschichte nur so vor sich hinplätschert. Obwohl Potential besteht, hinterlassen die Episoden einfach nicht den Endruck, den sie haben könnten und vieles passiert viel zu schnell.
Das Ergebnis gleicht daher leider mehr einem unausgereiften Storyboard als einer Geschichte, die alles hätte haben können.

Dementsprechend gibt es daher von mir 3 von 5 Sternen für einen Manga der zwar vieles bietet, aber nicht ganz von sich überzeugen kann.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.02.2021

Der Magiket ist eröffnet

Mika's Magic Market 01
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"Mika's Magic Market - A witch's printing office" handelt von Mika Kamiya, die es von ihrem Arbeitsplatz beim "Comiket" (der größten japanischen Messe für Comics und dergleichen) in eine Fantasy-Parallelwelt ...

"Mika's Magic Market - A witch's printing office" handelt von Mika Kamiya, die es von ihrem Arbeitsplatz beim "Comiket" (der größten japanischen Messe für Comics und dergleichen) in eine Fantasy-Parallelwelt verschlagen hat. Wie in jeder Fantasy-Parallelwelt gibt es auch hier Magie, nur, dass Mika leider nicht besonders begabt darin ist. Was nun also tun, um zurück nach Hause zu kommen?
Mikas Antwort: Sie gründet eine Magie-Messe, um jemanden zu finden, der ihr helfen kann. Zumindest war das ursprünglich mal der Plan...

Meine Meinung
Um es vorweg zu nehmen: Mika's Magic Market ist keine Geschichte, die großartig von ihrer Story oder ihren Charakteren lebt. Vielmehr ist er nur zu Comedy-Zwecken gedacht. Wer also auf eine spannende Handlung hofft, wird hier entsprechend enttäuscht werden.
Für das, was die Serie aber anstrebt, ist sie relativ gut gemacht. Im Endeffekt ist sie eine Parodie auf die japanische Comic-Industrie mit leichtem Fantasy-Twist. Dabei wird nicht nur das Verlagswesen und die Druckereien, sondern auch das Genre der Isekai (Parallelwelt) Geschichten und vor allem der Comiket ordentlich auf die Schippe genommen.
Nun muss man folgendes dazu sagen: Die Geschichte lebt von ihren Anspielungen. Ein Großteil der Witze basiert auf der Funktionsweise des Comiket und sind daher im deutschen Raum (selbst mit den Randanmerkungen, die doch auch sehr spärlich sind) nicht instinktiv ohne Hintergrundwissen verständlich. Da er zudem nicht viel an Action, Tiefgang oder irgendetwas Außergewöhnlichem hat, ist der Manga eigentlich nicht für den deutschen Markt geeignet. Wer es allerdings trotzdem einmal mit ihm versuchen möchte, bekommt eine humorvolle Geschichte mit schönen Zeichnungen, die nicht viel Gehirnschmalz erfordert und gut zur Entspannung oder für zwischendurch geeignet ist. Da es allerdings nicht wirklich Entwicklungspotential gibt, frage ich mich doch, was eventuell noch kommen mag.

Für diese durchschnittliche aber trotzdem humorvolle Leistung gibt es von mir drei Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.01.2021

Tauche ein in die geheimnisvolle Welt der Alchemisten

Kaleidra - Wer das Dunkel ruft
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Kaleidra - Wer das Dunkel ruft ist der Auftaktband zu Kira Lichts neuer Urban Fantasy Trilogie. Als großer Fan des Genres und Kira Licht im allgemeinen, hatte ich an das Buch hohe Erwartungen. Dazu, ob ...

Kaleidra - Wer das Dunkel ruft ist der Auftaktband zu Kira Lichts neuer Urban Fantasy Trilogie. Als großer Fan des Genres und Kira Licht im allgemeinen, hatte ich an das Buch hohe Erwartungen. Dazu, ob es diesen gerecht werden konnte, später. Allerdings kann ich soviel schon vorweg sagen: Es hat -zumindest bei mir- richtig Eindruck hinterlassen.

Erst einmal kurz zum Inhalt: Emilia Pandolfini, 17 Jahre jung, beheimatet in Rom, liebt nichts so sehr wie Rätsel. Je komplizierter, desto besser. Als sie mit ihrer Klasse einen Ausflug ins Museum macht, entdeckt sie, dass sie den Inhalt eines geheimnisvollen, alten, verschlüsselten Manuskriptes ohne Probleme lesen kann. Eins der größten Rätsel der Menschheit! Zunächst denkt sich Emilia nicht viel dabei, zumal sich der Inhalt nur als unverständliches Kauderwelsch entpuppt. Das ändert sich allerdings schnell als sie kurz darauf von einem düsteren, verschlossenen (aber attraktiven) jungen Mann angesprochen wird. Bei selbigem handelt es sich um Ben, einen Alchemisten des Goldordens. Er offenbart Emilia, dass auch sie eine Alchemistin (des Silberordens) ist und führt sie in eine Welt, die jenseits ihrer Vorstellungskraft liegt. Denn Ben braucht unbedingt ihre Hilfe um eins der größten Rätsel aller Zeiten zu lösen. Aber nicht nur er ist hinter der jungen Silberalchemistin her.

Ich bin kein Experte für Auftaktbände, da ich in meinem Leben noch nicht viele Trilogien gelesen habe. Aber vieles hat mir an dem Buch sehr gut gefallen. Allein die Idee ist fantastisch. Man muss zwar sagen, dass die Geschichte an sich relativ klassisch (Mädchen trifft auf Junge; sie versuchen zusammen ein Geheimnis zu lüften; wer kennt das nicht?) und auch das Thema Alchemie (selbst in Jugendbüchern) nicht unbedingt etwas neues ist. Allerdings ist die Idee, oder besser gesagt wie diese Themen hier umgesetzt wurden, einfach abgefahren und mit nichts zu vergleichen, dass ich je gelesen habe.
Man erlebt Emilia und Ben, wie sie durch einen astreinen Abenteuerroman mit stapfen, der Indiana Jones oder den Dan Brown-Büchern in nichts nachsteht. Zusätzlich gibt es ein Element der Magie mit einem ganz besonderen Twist: Die Magie in diesem Buch beruht auf den technischen Grundlagen der Chemie. Das ist eine schöne Eigenschaft, weil man sie nicht in jedem klassischen Buch findet. Es hat mir gut gefallen, weil das Buch dadurch für mich viel realitätsnäher gewirkt hat.
Das Zusammenspiel all dieser Komponenten sorgt dafür, dass man eine Geschichte liest, die einem auf der einen Seite wahnsinnig vertraut und bekannt vorkommt, aber auf der anderen etwas komplett neues ist, das mich einfach nur begeistert hat. Es macht süchtig und ich will unbedingt mehr davon.

Die Charaktere stehen dem im nichts nach. Unsere Protagonistin Emilia ist an sich ein völlig normales Leben und erwartet gerade zu Beginn der Geschichte nicht, dass irgendetwas Außergewöhnliches in ihrem Leben passieren könnte. Ich muss sagen, dass ich gerade zu Beginn nicht viel mit ihr anfangen konnte. Je mehr ich allerdings gelesen habe, umso mehr hat sie mich von sich überzeugt. Dabei ist es nicht ihre Charakterentwicklung, die mich so fasziniert hat, sondern der Charakter, den sie schon längst hat. Sie ist sehr lebensnah, leidenschaftlich, launisch und vor allem mutig. Sie mag ihre Macken haben, aber selten ist mir in einem Jugendbuch eine Protagonistin begegnet, die so charakterlich stark war. Emilia kann sich nicht nur selbst in allen Situationen behaupten, sondern ist auch sehr mitfühlend und pflichtbewusst. Die Macken, die sie hat (vor allem, dass sie manchmal über die Stränge schlägt), machen sie nur überzeugender und liebenswerter. Auf der anderen Seite steht Ben. Im Gegensatz zu Emilia kann ich zu ihm (zumindest objektiv) nicht viel sagen. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass mir von ihm genau das Bild vermittelt wurde, dass ich von ihm haben soll. Ich finde seine Motivationen sehr nachvollziehbar, auch wenn er für mich stellenweise zu aufgesetzt wirkt, was vermutlich sogar beabsichtigt ist XD. Jedenfalls bin ich gespannt, wie es für ihn weitergeht.
Bei den Nebencharakteren sticht einem vor allem eins ins Auge. Es sind so unglaublich viele. Praktisch bei jeder Gelegenheit wird Emilia irgendwem Neuen vorgestellt. Obwohl die Anzahl überwältigend ist, kann man die Nebencharaktere aber gut unterscheiden. Jeder von ihnen hat eine eigene Persönlichkeit, eigene Handlungsmuster, Macken, Überzeugungen und Motivationen, die gut herausgearbeitet wurden und die es leicht machen, die Charaktere zu verstehen und voneinander zu unterscheiden. Allerdings hoffe ich wirklich, dass die allermeisten schon vorgestellt wurden und in den anderen Büchern nicht nochmal dieselbe Menge an Neuzugängen zu verzeichnen sind. Ich glaube, das würde mein Kopf nicht mehr mitmachen XD.

Kulisse der Handlung ist die ewige Stadt Rom. Kira Licht ist mir vor allem deswegen im Gedächtnis hängen geblieben, weil die Beschreibung der Handlungsorte die sie wählt, immer so authentisch und überzeugend wirkt. Das ist auch hier nicht anders. Diese ganzen kleinen Details, die sie erwähnt, machen die Geschichte für mich erst komplett.

Nun zu den Kritikpunkten. Die Handlung ist wahnsinnig komplex. Eigentlich ist das kein Kritikpunkt, denn gerade diese Komplexität gibt der Geschichte erst die nötige Tiefe, die braucht, um überzeugend zu wirken und Eindruck zu hinterlassen. Was allerdings ein wenig für Probleme sorgen könnte, ist das Drumherum. Zum einen passiert unglaublich viel auf der Handlungsebene. Teilweise bekommt man sogar das Gefühl einige Handlungsstränge komplett vergessen zu haben, bis sie wieder aufgegriffen werden, da die Komplexität der Haupthandlung so dominant ist. Zum anderen bekommt man mindestens genauso viele zusätzliche Informationen über alles mögliche vermittelt. Dazu gehören vor allem Chemie, aber auch das Gesellschaftssystem und die Welt der Alchemisten, so wie seiner Funktionsweise, Philosophie, Psychologie, Kryptologie und noch einiges mehr. Es ist auf jeden Fall mal viel recherchiert worden :). All das ist aber notwendiger Bestandteil der Geschichte und es ist nicht möglich, die Geschichte ohne diese Informationen ausreichend verstehen zu können. Auch deshalb bin ich froh, sie bekommen zu haben.
Dieser Nachteil wird allerdings gut durch den Schreibstil wieder ausgeglichen. Der Humor der Charaktere, die zeitgemäße Sprache, die Beschreibung der Situationen und vor allem die Art und Weise wie die Informationen an der richtigen Stelle in der richtigen Form eingestreut werden, sorgen dafür, dass man das Buch weiterlesen will. Es ist ein echter Pageturner. Von den ganzen Informationen raucht einem zwar der Kopf, aber man fühlt sich nicht überladen.
Oder, um es mit anderen Worten zu sagen: Diese Geschichte konnte so nur von Kira Licht geschrieben werden. Mit einem atemberaubenden Ergebnis.

Zusammengefasst kann ich also folgendes sagen: Ich hatte meinen Spaß mit Kaleidra. Es war toll, die Welt der Alchemisten kennenzulernen, mit den Charakteren mitzurätseln und die wildesten Theorien aufzustellen. ich weiß gar nicht, ob ich noch bis nächstes Jahr auf die Fortsetzung warten kann XD.

Von mir gibt es 4 1/2 Sterne (mit Tendenz zu fünf), da ich das Buch liebe.

PS: Danke an die Bastei Lübbe dafür, dass sie mir das Buch im Rahmen einer Leserunde zur Verfügung gestellt hat, damit ich mich mit anderen darüber austauschen durfte, um mir eine adäquate Meinung zu bilden.
Danke an Kira Licht für die Antworten auf meine (vielen) Fragen und dafür, dass sie diese Geschichte erzählt.

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Veröffentlicht am 18.12.2020

Alles neu, jetzt noch besser

QualityLand 2.0
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Qualityland 2.0 ist der geistige und inhaltliche Nachfolger zu Mark-Uwe Klings (wer hätte es gedacht) Qualityland. Nachdem ich Qualityland vor ein paar Jahren selbst in Rekordzeit durchgehört habe, war ...

Qualityland 2.0 ist der geistige und inhaltliche Nachfolger zu Mark-Uwe Klings (wer hätte es gedacht) Qualityland. Nachdem ich Qualityland vor ein paar Jahren selbst in Rekordzeit durchgehört habe, war ich auf diese Fortsetzung besonders gespannt.

Kurz zum Inhalt:
Qualityland 2.0 fängt genau da wieder an, wo sein Vorgänger aufhörte. Wer nun also den ersten Band noch nicht gehört/gelesen hat, dem empfehle ich wärmstens an dieser Stelle mit dem Lesen der Rezension aufzuhören. Es besteht SPOILERGEFAHR!

JohnOfUs, der frisch gewählte Präsident des Landes der Superlative ist von uns gegangen, nur Minuten nach Amtsantritt erschlagen von Martin Vorstand. Damit sehen sich alle Beteiligten mit einem neuen Problem konfrontiert: Wie soll es nun weitergehen?
Wie bereits sein Vorgänger ist auch Qualityland 2.0 in mehrere parallel zueinander verlaufende Handlungsstränge gegliedert.
Den Anfang macht Kiki Unbekannt. Nach ihrem Handlungsstrang ist die Geschichte benannt. Peters Bekanntschaft aus dem ersten Band ist drauf und dran herauszufinden, wer sie eigentlich ist und wo ihre Ursprünge liegen. Dabei stehen ihr nur zwei Sachen im Weg. Ein fehlendes Passwort und ein riesiger ferngesteuerter Killerroboter, der sie gerne tot sehen möchte. Am besten sofort.
Aisha Ärztin, JohnOfUs ehemalige Wahlkampfberaterin hat derweil anderes zu tun. Nachdem dieser sie allein gelassen hat, ist sie nun Assistentin des Vizepräsidenten Tony Parteichef, der sich bereits im ersten Band als nicht sehr zuverlässig herausgestellt hat. Aber Aisha hat größere Probleme als den unfähigen Politiker. Der dritte Weltkrieg hat stattgefunden. Nur weiß keiner, warum eigentlich. Sie könnte wirklich die Hilfe von John gebrauchen.
Martin Vorstand bereut inzwischen seinen Ausraster und versucht alles in seiner Macht stehende zu tun, um seine Beteiligung an dem Roboterattentat aus dem Netz entfernen zu lassen. Nur scheinen neuerdings seine Maschinen mit ihm auf dem Kriegsfuß zu stehen. Hat da etwa jemand seine Finger im Spiel?
Und Peter Arbeitsloser, unser Hauptcharakter? Nun ja, Peter steckt in allem ein bisschen mit drin. Nach der Lösung von Peters Problem geht sein Leben wieder den gewohnten Gang. Durch eine Reihe an unwahrscheinlichen Kettenreaktionen, wird er allerdings in eine Geschichte mithineingezogen, die scheinbar kompetenzmäßig über ihm steht.

Meine Meinung:
Man muss sagen, dass es wirklich schon ein paar Jahre her ist, seit ich den ersten Band von Qualityland gehört habe. Als ich den zweiten Band angefangen hab, hatte ich also nur noch das gröbste vom Inhalt im Kopf. Gerade deshalb ist es mir ein bisschen schwer gefallen, in die Geschichte hineinzukommen. Es wird (gerade zu Anfang) wenig von dem erläutert, was im Vorband passiert ist. Je weiter man allerdings kommt, umso mehr ist die Geschichte wieder im Kopf.
Das größere Problem ist aber, dass sich der Anfang echt lange zieht. Die Geschichte ist ohne Zweifel gut gemacht, dennoch fehlt es ihr, gerade in den ersten Kapiteln, in denen die Grundlagen für das gelegt wird, was später geschieht, ein wenig an Bewegung und vor allem an Spannung. Daran ändert auch der Humor leider nicht viel. Ähnlich wie im ersten Band, ist der Humor zwar da und es gibt einige echt witzige und gut ausgearbeitete Stellen, aber es fehlt der Geschichte einfach an der Leichtigkeit, die es braucht, damit diese Elemente voll zur Geltung kommen (auf der anderen Seite sind sie aber gerade das, was die Geschichte gut zu verstehen macht).
Mit anderen Worten: Der Einstieg in die Geschichte war schwer. Umso positiver war ich aber vom Rest überrascht. Hinter den Anfangsschwierigkeiten findet sich eine Story die mit gutem Pacing, ihrer Kreativität und ihrer guten Ausarbeitung überzeugen kann. Man kann sich gut in die Charaktere hineinversetzen, versteht ihre Handlungen, ihre Überzeugungen und bekommt ein Gefühl für die Situationen, in denen sie sich befinden. Gerade das Ende hat mir sehr gut gefallen und macht Lust auf mehr.

Für diese gute Leistung mit Starterschwierigkeiten gibt es von mir 3 1/2 Sterne. Viel Spaß beim Hören :)

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