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Veröffentlicht am 10.04.2021

Harter Stoff aus Berlin!

Der Libanese
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"Der Libanese" ist ein Hardboiled-Krimi von Clemens Murath und dem Verlag Heyne Hardcore, der Auftakt einer Krimiserie um Ermittler Frank Bosman. Politisch stimmt hier rein gar nichts und es wird mit illegalen ...

"Der Libanese" ist ein Hardboiled-Krimi von Clemens Murath und dem Verlag Heyne Hardcore, der Auftakt einer Krimiserie um Ermittler Frank Bosman. Politisch stimmt hier rein gar nichts und es wird mit illegalen Methoden ermittelt, von denen selbst ich das erste Mal lese. Drogenhandel, Prostitution, eine Geiselnahme und wer die größte Macht über Berlin hat, bieten in einem rasanten und krassen Krimi mit einem geschickten und gut durchdachten Plot auf jeden Fall unterhaltsame Lesestunden. Wer auf rassistische Anfeindungen sensibel reagiert, der sollte lieber einen großen Bogen um das Buch mit aktuellen Themen machen. Auch sollte man bei der Clan und Gossensprache nicht kleinlich sein. Auf jeden Fall ist hier immer wieder ein interessanter Wortschatz eingebaut, besonders der von den Libanesen. Ich fand ihn oft sehr amüsant, gelacht habe ich auf jeden Fall oft. Das "Alter" und "Du Opfer, ich weiß, wo Du wohnst oder aussiehst" ist bei einigen ja auch im normalen Leben der gängige Wortschatz. Das macht den Krimi sehr authentisch, im Gegensatz zu einigen Handlungen. Der Schreibstil gefällt mir richtig gut, denn er ist unheimlich flüssig, locker und vor allem modern. Die Protagonisten kommen alle zu Wort, so konnte ich dessen Gedanken und Handlungen besser nachvollziehen. Clan-Kriminalität wird ausführlich und realistisch beschrieben, der Autor hat hier leider die harte Realität aufgegriffen. Die Libanesen nehmen hier viel Raum ein, während die Albaner sich im Hintergrund halten. Jedoch merkt man deutlich die Bedrohung, die von ihnen ausgeht. 

Frank Bosman führt mit seinem Team vom LKA einen ziemlich hoffnungslosen Kampf gegen Arslan Aziz, den Kopf einer libanesischen Großfamilie, die das Drogengeschäft in Berlin weitgehend kontrolliert. Als die albanische Mafia aggressiv auf den Markt drängt und Arslans Bruder Tarik einen Konkurrenten ermordet, sieht Bosman die Chance, den ganzen Clan zur Strecke zu bringen. Doch die Festnahme endet blutig und Bosman kommt schwer unter die Räder. Nicht nur hat er die internen Ermittlungen wegen der tödlichen Schießerei am Bein, sondern er muss sich einer blutjungen Augenzeugin erwehren, die ihn jederzeit in den Knast bringen kann. Als wäre das noch nicht genug, stellt sich heraus, dass sein Schwager Harry, ein windiger Filmproduzent, in den Fall verwickelt ist. Er schuldet Aziz eine Menge Geld, das er nicht zurückzahlen kann …

Verschiedene, brutale und spannende Handlungsstränge, die alle auf eine gewisse Weise zusammengehören, gehen auf die Konten von Arslan und Tarik Aziz. Der knallharte LKA-Ermittler Frank Bosman aus Berlin Jagd diesen mächtigen Gangsterclan, dabei ist ihm jedes, aber auch wirklich jedes Mittel recht. Mit seiner dicken illegalen Geldrolle pellt er im Stundentakt Scheine ab, um an Informationen zu gelangen und Bedürftigen unter die Arme zu greifen. Wenn Haustüren gewaltsam mit der Ramme geöffnet werden, dann hat das LKA wieder einmal Überraschungsbesuche unternommen. Interne Polizei-Wettbewerbe, wer jeden Monat am geilsten und brutalsten mit der Tür ins Haus fällt, sind mittlerweile Kult bei Bosman und seinen Kollegen. Mit seinem Kollegen Schuster hat er den perfekten Partner gefunden, denn er schreckt genauso wenig von illegaler Ermittlungsarbeit ab. Nachdem ihm Aziz wieder einmal durch die Lappen gegangen ist stellt Bosman klar, das er noch deutlicher zeigen muss, wer in Berlin das Sagen hat. Dabei begegnet ihn ein Pack nach dem anderen. 

Die Protagonisten sind bunt gemischt und dessen Charaktere sind gut ausgearbeitet, im Gegensatz zu Bosman. Obwohl er der Hauptprotagonist ist, wurde ich mit ihm nie ganz warm. Seine distanzierte und sture Art konnte mich oft nicht überzeugen. Er ist teilweise emotionslos und egoistisch. Die Aziz-Brüder sind aggressiv, beide wollen Ihr Revier beherrschen. Während Tarik ganz gerne vollen Körpereinsatz zeigt, seine Fäuste sprechen lässt und gelegentlich ein Messer zückt, ist Arslan eher der hinterhältige Typ, der Probleme auf seine ganz spezielle Art löst. Swingerkönig Rainer Butt und korrupte Banker kommen hier ebenfalls vor. Harry, Bosmans’ Schwager und erfolgloser Filmproduzent lässt sich auf ein heikles Geschäft mit Tarik ein. Nachdem er sein Geld gewaschen hat, kann er es ihm nicht mehr zurückzahlen. Zwei Messerstiche dank Tarik sind nur der Anfang. Während er zu flüchten versucht wird er dann schließlich auch noch entführt, Waterboardingaktionen haben ihn besonders zugesetzt. Die drei Obervolldeppen Luis, ein spanischer Yogalehrer mit prallem Hoseninhalt, Bong-Bobo der von einem eigenen Imbiss träumt und Uwe der Nazi wollen ebenfalls an das große Geld gelangen und starten eine Aktion, die von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Aber versuchen kann man es ja. Die weiblichen Protagonisten wie Bosmans' Schwester und Harrys’ Frau Helen, die sich erfolglos als Schauspielerin versucht, kommt hier auch gut rüber. Am allerbesten gefällt mir Nikki, die Augenzeugin der Schießerei wo Bosman den Drogendealer auf offener Straße abknallt. Sie ist TV-Praktikantin und anstatt Bosman zu erpressen, entdeckt sie dank ihm Ihre neue devote Seite, die sie in Ihren Sexblogs teilt. Die Damen sind nicht die hellsten Leuchten, jedoch passen sie hier gut rein. Ein Journalist, der über die Libanesen berichtet, bereut seine Reportage kurze Zeit später, da er dank Arslan unfreiwillig die griechische Sexualität kennenlernen musste und es werden Zeugen und Spitzel auf spezielle Weise zum Schweigen gebracht. Dieser bunt gemischte Haufen, der zum Berliner Clan- und Drogenmilieu passt, hat mir sehr gut gefallen und er hat mich wie erwähnt oft zum Lachen gebracht. 

Es werden mehrere Plots überkreuzt, die für rasante Action sorgen. Langeweile? Gibt es hier zu keiner Zeit. Denn der Autor, der ein erfolgreicher Drehbuchautor ist weiß, wann er zur richtigen Zeit das Tempo erhöhen muss, damit er seine Leser/innen komplett in den Bann zieht. Bei mir hat es auf jeden Fall geklappt und ich freue mich wahnsinnig auf den nächsten Band. Obwohl harte und obszöne Sexszenen nicht jedermanns Sache in einem Krimi sind, bekommt "Der Libanese" von mir verdiente fünf Sterne. 

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.04.2021

Leider hat mich dieser Thriller nicht vom Hocker gehauen!

Geiger
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"Geiger" ist der erste Band der schwedischen Geiger-Thriller-Reihe von Gustaf Skördeman und dem Verlag Bastei Lübbe. Diese Geschichte ist in die Kategorie Spionage/Politthriller einzuordnen, womit ich ...

"Geiger" ist der erste Band der schwedischen Geiger-Thriller-Reihe von Gustaf Skördeman und dem Verlag Bastei Lübbe. Diese Geschichte ist in die Kategorie Spionage/Politthriller einzuordnen, womit ich anhand des Covers und dem Klappentext nicht mit gerechnet hätte. Leider ist dieser Thriller in meinen Augen für mich sehr irreführend, besonders das Cover zeigt ein total falsches Bild vom Inhalt. Das winterlich kalte Cover hat mich sofort angesprochen und es gefällt mir auch sehr gut, aber in der Geschichte sind es in Schweden konstant 30 Grad, beneidenswertes Badewetter und die Protagonisten schwitzen aus allen Poren. Es ist nicht eine einzige Schneeflocke erwähnt worden, deshalb frage ich mich, was der Autor sich hierbei gedacht hat.

Der Inhalt laut Klappentext: Das Festnetz-Telefon klingelt, als sie am Fenster steht und ihren Enkelkindern zum Abschied winkt. Agneta hebt den Hörer ab. "Geiger", sagt jemand und legt auf. Agneta weiß, was das bedeutet. Sie geht zu dem Versteck, entnimmt eine Waffe mit Schalldämpfer und tritt an ihren Mann heran, der im Wohnzimmer sitzt und Musik hört. Sie setzt den Lauf an seine Schläfe – und drückt ab. Als Kommissarin Sara Nowak von diesem kaltblütigen Mord hört, ist sie alarmiert. Sie kennt die Familie seit ihrer Kindheit …

Hier habe ich nicht herauslesen können, dass es sich um einen reinen Spionagethriller und vielen Erzählungen über Geschichte und Politik handelt. Der Kalte Krieg, die Stasi, KGB, der schwedische Geheimdienst, DDR – ellenlange Erzählungen über diese Themen sind zwar interessant, die ich in einen Thriller aber nicht so gerne lese. Für Leser/innen die sich dafür interessieren, werden in diesem Thriller aufblühen. Es gibt auch einige Seiten, in denen Terrornetzwerke von heute Pate gestanden haben. "Geiger“ nimmt seine Leser mit in die Zeit des Kalten Krieges, als sich die Welt mit Atomwaffen auszulöschen drohte. Das hat der Spannung meiner Meinung nach extrem geschadet. Da hätte ich mir auch direkt ein Geschichtsbuch schnappen können. Ich fand es ziemlich anstrengend zu lesen, sehr viele komplexe Themen werden hier zur gleichen Zeit verarbeitet. Außerdem geht es um einen ehemaligen, sehr beliebten TV-Moderator Onkel Stellan Broman, der seine große Villa für die schwedische Elite (Fernsehstars, Politiker, Botschaftsangehörige, alles hohe Tiere die Rang und Namen in der Politik hatten) für widerliche Machenschaften zu Verfügung gestellt hat. Dass der hier in der Gegenwart gealterte Gutmensch mit Spionage und Übergriffen in Verbindung gebracht wird, kommt nach und nach ans Licht, nachdem die Geheimagenten-Oma Agneta ihren Mann nach einem Anruf ohne mit der Wimper zu zucken abknallt. Dass sie spurlos verschwindet und auf ihrer Flucht weitere Gegner abknallt, darauf kommt die schwedische Polizei nicht. Stattdessen wird der Mordfall als Einbruch abgestempelt.

Hauptprotagonistin und Kommissarin bei der Sitte Sara Nowak ermittelt heimlich, obwohl sie für den Fall gar nicht zuständig ist. Wenn sie gerade nicht in ihrer Vergangenheit rumwühlt, haut sie verbotenerweise Freier um, da sie offensichtlich ein großes Aggressionsproblem hat. Sie kennt die Familie Broman seit kleines Kind und sie fühlt sich für die Aufklärung verantwortlich. Was sie am Ende herausbekommt hat nicht nur sie erschüttert. Denn dies war eine lang ersehnte überraschende Wendung, die ich ganz gelungen fand. Saras Privatleben nimmt sehr viel Spielraum ein, dadurch wurde sie mir trotzdem nicht sympathischer.

Bis auf das letzte Drittel konnte mich der Plot leider nicht überzeugen und ich war froh, als ich endlich die letzte Seite erreicht habe. Für die 500 Seiten habe ich über eine Woche gebraucht, ich konnte die Geschichte nicht lange am Stück lesen. Der Schreibstil ist recht flüssig, aber der hohe Politikanteil hat mir gar nicht zugesagt. Ich wurde mit diesen Themen ins kalte Wasser geschmissen, insgesamt kann ich "Geiger" leider nur mit 2,5 Sterne bewerten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.04.2021

Auch der elfte Zons-Thriller bieten rasante und spannende Handlungen!

Stummes Opfer: Thriller
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Der Tod ist manchmal näher, als du
glaubst …

Der 11. Zons-Thriller "Stummes Opfer" von Catherine Shepherd und dem Kafel-Verlag ist am 26. März 2021 erschienen und bietet wieder wie gewohnt spannende Lesestunden. ...

Der Tod ist manchmal näher, als du
glaubst …

Der 11. Zons-Thriller "Stummes Opfer" von Catherine Shepherd und dem Kafel-Verlag ist am 26. März 2021 erschienen und bietet wieder wie gewohnt spannende Lesestunden. Die Zons-Thriller bieten direkt zwei spannende Thriller in einem Buch. Aus der Gegenwart und der Vergangenheit aus dem Mittelalter gibt es immer eine unterhaltsame Geschichte, dessen Fälle sich in Zons am Niederrhein abspielen. Hier wechselt die Handlung immer zwischen dem Zons der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her, dessen Fälle die Autorin geschickt miteinander verbindet. In diesem Thriller sorgen die Hauptprotagonisten Bastian Mühlberg aus dem Mittelalter und Oliver Bergmann aus der Gegenwart wieder für eine Menge Nervenkitzel.

In der Gegenwart wird die Einweihungsfeier eines außergewöhnlichen Bauwerks schlagartig zu einem Albtraum. Die Leiche eines jungen Mannes wird in der Empfangshalle entdeckt, einbetoniert in eine Säule. Kriminalkommissar Oliver Bergmann findet die Hälfte eines uralten Siegels bei dem Toten. Die Inschrift verheißt nichts Gutes und tatsächlich stößt Oliver kurz darauf auf ein weiteres Todesopfer: die Schwester des jungen Mannes. Sie hält das passende Gegenstück des Siegels in der Hand. Obwohl alle Spuren auf eine Beziehungstat hindeuten, ahnt Oliver, dass mehr hinter den Morden steckt. Schon bald sieht er sich einem eiskalten Serienkiller gegenüber, der bereits sein nächstes Opfer im Visier hat.

Zons im Jahre 1502 hält ebenfalls eine mysteriöse Handlung parat, denn Bastian Mühlenberg wirft der armen Gertrude ein paar Münzen zu. Wenig später ist sie spurlos verschwunden. Das Amulett, das sie stets bei sich trug, liegt noch dort, wo Bastian die Alte zuletzt gesehen hatte. Niemals hätte sie es freiwillig abgelegt. Doch nicht nur sie, auch andere Bettlerinnen sind plötzlich, wie vom Erdboden verschluckt. Bastian kann sich keinen Reim darauf machen. Schließlich gibt es bei den Bettelweibern nichts zu holen. Erst als eine der Frauen tot in den Tiefen des Waldes gefunden wird, erkennt Bastian die schreckliche Wahrheit. Ein Serienmörder treibt sein Unwesen, und Bastian weiß nicht, ob er ihn noch aufhalten kann.

Beide Handlungsstränge sind von Anfang an spannend und mysteriös. Ich als Leserin wurde wieder fleißig zum Miträtseln angeregt und ich wurde ständig mit neuen Wendungen überrascht.
Auf die Täter kam ich in beiden Zeiten nicht von alleine darauf, obwohl ich mir ständig das Hirn zermartert habe. Grausame Morde, die mit hinterlassenen Siegeln zu tun haben und plötzlich verschwundene Bettelweiber enthalten rasante und nervenaufreibende Handlungen. Überwiegend liest man aus der Sicht von Bastian Mühlberg und Oliver Bergmann. Aber auch Nebencharaktere kommen zu Wort, was die Spannung erhöht und man automatisch ständig über das Warum miträtselt. Die geschickt platzierten Cliffhanger am Ende der Kapitel wecken die Neugier und somit fiel es mir auch hier wieder sehr schwer, das Buch an die Seite zu legen. Schauplätze werden bildlich super beschrieben und sorgen für klare Bilder, die Charaktere der Protagonisten kommen sehr lebendig, sympathisch und menschlich rüber. Der flüssige und angenehme Schreibstil sorgt obendrein für einen schnellen Lesefluss.

Architektur spielt in "Stummes Opfer" eine große Rolle, dessen Geschichten der Opfer weit in die Vergangenheit zurückreicht. Dieser interessante Plot enthält auch historische und kulturelle Details parat. Die geschilderten Schwierigkeiten mit dem neuen Kreisarchiv in Zons entsprechen der Realität. Die meisten Orte, die im Thriller beschrieben werden, existieren wirklich. Das macht die Handlungen besonders authentisch und noch interessanter. Am Anfang des Buches findet man eine handgezeichnete Karte, die den historischen Stadtkern von Zons darstellt.
Insgesamt ist der 11. Zons-Thriller wieder ein rundum gelungenes Werk.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.04.2021

Ein spannendes Abenteuer zwischen Rom und Florenz!

Höllenkind
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Alter römischer Adel, düstere Geheimnisse im Vatikan und ein unerbittlicher Rächer, der seine Feinde Dantes neun Kreise der Hölle durchschreiten lässt!

"Höllenkind" von Veit Etzold und dem Verlag Droemer ...

Alter römischer Adel, düstere Geheimnisse im Vatikan und ein unerbittlicher Rächer, der seine Feinde Dantes neun Kreise der Hölle durchschreiten lässt!

"Höllenkind" von Veit Etzold und dem Verlag Droemer Knaur ist der achte Fall für Hauptkommissarin Clara Vidalis, die die Abteilung für Pathopsychologie am LKA 113 in Berlin leitet. Dieser Thriller hat mir wieder sehr gut gefallen, denn er hat mir spannende Unterhaltung geboten und mir eine Menge Gänsehautmomente beschert.

Es ist ein einmaliges Ereignis für den Vatikan und ganz Rom: Im Vatikan sollen sich die Adelsfamilien Sforza und Visconti durch eine prunkvolle Hochzeit in der Sixtinischen Kapelle verbinden. Doch mitten in den Feierlichkeiten färbt sich das weiße Kleid der Braut auf einmal rot und sie bricht tot zusammen. Der Ermittler Commendatore Adami ahnt, dass es nicht bei diesem einen ungewöhnlichen Mord bleiben wird. Hilfesuchend wendet er sich an die Pathopsychologin Clara Vidalis, die bereits in einem Fall von Satanismus involviert gewesen war.

Nachdem Clara Vidalis sich nicht von ihrem letzten Fall erholen konnte, wo es um die Jagd nach dem Blutgott ging, muss sie zwangsweise Urlaub nehmen. Um nervigen Journalisten die ihr ständig im Nacken sitzen und schweren Vorwürfen aus dem Weg zu gehen, lässt sie sich auf ein paar Tage Urlaub in Florenz ein. Doch kurz nach ihrer Ankunft und nachdem ihr Portemonnaie gestohlen wurde, wird sie von einem Gardisten der Schweizer Garde des Vatikans aufgesucht. Sie soll im Auftrag von Kardinal Julio in Rom den ungewöhnlichen und mysteriösen Todesfall von Aurelia Sforza näher untersuchen. Zusammen mit ihrem Ehemann Prof. Martin Friedrich (MacDeath), Profiler, Mediziner und ausgebildeter Psychiater der die Abteilung für operative Fallanalyse am LKA 113 leitet, beginnt ein spannendes, rasantes und gefährliches Abenteuer zwischen mehreren Städten. Obwohl der Autor hier auf den Spuren von Dan Brown wandelt, ist ihm ein gelungener Plot gelungen, der von Anfang bis Ende gut durchdacht und unheimlich spannend ist.

Grausame und verstörende Kapitel aus Rumänien haben zwischendurch für Entsetzen gesorgt, nach und nach haben sich diese Kapitel geschickt zum Rest der Geschichte eingefügt. Der Thriller beinhaltet insgesamt vier Bücher, die jeweils sehr kurze Kapitel haben. Einige Cliffhanger haben zum weiterlesen angeregt, auch der Schreibstil ist verständlich, flüssig und authentisch. Mir haben die Kapitel wo MacDeath zu Wort kommt auch wieder gut gefallen, da seine humorvolle Art sehr sympathisch rüberkommt und ich seine Vorträge über Serienmörder sehr interessant finde. Er wäre ein Gentleman, wenn er nicht auf Partys von „postmortalen Schändungen“ oder „ödipaler Kastrationsangst“ sprechen würde. Er und Clara Vidalis ergeben ein sympathisches und authentisches Team ab. Mir hat dieser Teil wieder sehr gut gefallen und ich empfehle ihn ohne Wenn und Aber weiter.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 02.04.2021

Spannende Einblicke aus dem Alltag eines Rechtsmediziners!

Wenn die Toten sprechen
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Zum Gruseln und Mitfiebern: Spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin!

Ein mumifizierter Fuß wird im U-Bahn-Schacht gefunden – was ist passiert? Woran stirbt eine gesunde junge Frau nach einem Date? Und ...

Zum Gruseln und Mitfiebern: Spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin!

Ein mumifizierter Fuß wird im U-Bahn-Schacht gefunden – was ist passiert? Woran stirbt eine gesunde junge Frau nach einem Date? Und was hat ein Mann zu verbergen, der seine tote Ehefrau kilometerweit im Kofferraum transportiert? Ob tragische Unfälle, Gewalttaten oder Krankheiten – Claas Buschmann erkennt, woran der Mensch vor ihm gestorben ist. In diesem Buch erzählt er von den spektakulärsten Fällen in seiner Laufbahn als Rechtsmediziner und von denen, die ihn am meisten bewegten.

Jeden Tag vor einer Leiche stehen? Nichts für schwache Nerven. Für Claas Buschmann ist genau das seine tägliche Arbeit – früher als Rettungsassistent und heute als Rechtsmediziner. Wann ist die Person gestorben? Und woran? War es ein natürlicher Tod, ein Unfall oder gar Mord? Diesen Fragen spürt er jeden Tag nach und leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur Ermittlungsarbeit in einem Todesfall. Zu seinem Job gehört auch, dass er den Sektionssaal verlassen muss und an Fundorte fährt, um im Beisein der Polizei Leichen zu begutachten. In diesem Buch erzählt er von den spektakulärsten Fällen in seiner Laufbahn – und von denen, die ihn am meisten bewegten.

"Wenn die Toten sprechen: Spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin" von Claas Buschmann und dem Ullstein-Verlag ist ein Muss für alle True-Crime-Fans. Hier erzählt der Rechtsmediziner, der aktuell Oberarzt der Berliner Rechtsmedizin ist, über seinen Alltag und über zwölf spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft hilft er, neben Tötungsdelikten auch Suizide oder Kunstfehlervorwürfe medizinisch aufzuklären. Privat geht es bei ihm lebendiger zu: unter dem Namen Dr. Boogie gibt er Jazz-Konzerte am Piano. Außerdem ist er leidenschaftlicher AC/ DC-Fan.

Die Fälle, von denen der Rechtsmediziner hier schildert, sind teilweise ungerecht, unglaublich, zum mitfiebern oder einfach nur zum Kopfschütteln. Jeder Fall ist kurz aber detailliert mit Hintergrundinformationen geschildert, der neunte Fall "Selbstjustiz" und der zehnte Fall "Der Kiessee" haben mich besonders geschockt. Der Autor schreibt authentisch und locker aus seiner Sicht, wie die Fälle sich damals zugetragen und ihn besonders bewegt haben. Früher war er Rettungsassistent, auch aus dieser Zeit erzählt er informativ und spannend. Wie hart dieser Job ist und wie sehr er die Psyche belasten kann war mir ehrlich gesagt bis zu diesen Schilderungen nicht ganz klar. Deshalb an dieser Stelle meinen größten Respekt an alle Rettungssanitäter und Assistenten. Für Claas Buschmann ist der Beruf als Rechtsmediziner deshalb besser zu ertragen, denn er gib den Toten eine letzte Stimme und hilft so, durch akribische Arbeit und geschultem Blick, bei der Tätersuche. Auch wenn es Fälle gibt, die ihn sehr an die Nieren gehen, darf er sich von Emotionen nicht leiten lassen.

Da die Arbeit eines Rechtsmediziners sehr vielfältig ist und er nicht nur mit Toten arbeitet, erzählt er neben Obduktionen wie er Tatorte aufsucht, vor Gericht aussagt und sogar Fehler von Kollegen, die sogenannten Kunstfehler, aufdeckt. Ich finde seine Tätigkeit sehr interessant und vielfältig, auch ein Einblick in den Sektionssaal wurde bildhaft geschildert.
Auch gibt es Fälle, dessen Verfahren eingestellt werden, weil man nicht genug Beweise hat. Der Autor sagt hierzu zwar seine Meinung die sachlich und persönlich ist, es darf ihn aber nicht frustrierten. Die kompletten Fälle sind alle sehr gut verständlich ohne kompliziertes Fachchinesisch beschrieben, Laien wie ich werden keine Probleme mit den Schilderungen haben. Ich brauchte neben dem lesen nicht noch nebenbei zu googeln, weil ich bestimmte Begriffe nicht verstanden habe. Es wird nicht mit zusätzlicher Brutalität ausgeschmückt, aber die in diesem Buch beschriebenen Fälle aus der Rechtsmedizin sind allesamt dem wahren Leben entnommen. Alle Namen der genannten Personen und Orte des Geschehens wurden anonymisiert. Etwaige Übereinstimmungen oder Ähnlichkeiten wären rein zufällig. Die angeführten Dialoge und Äußerungen Dritter sind nicht wortgetreu zitiert, sondern ihrem Sinn und Inhalt nach wiedergegeben.

Claas Buschmann betont am Ende noch einmal deutlich, dass es in der Rechtsmedizin meistens heiter zugeht. Es ist nicht alles so grausam und verstörend wie in seinen beschriebenen Fällen.




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