Profilbild von Jasminleon

Jasminleon

Lesejury Star
offline

Jasminleon ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Jasminleon über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.10.2021

Eine anspruchsvolle und rätselhafte Geschichte!

Die Dornen der Stille
0

Am 13. August 2021 ist ein weiterer Psychothriller von Astrid Korten erschienen. "Die Dornen der Stille" ist ein bewegender und verstörender Psychothriller, der im Independently Published-Verlag erschienen ...

Am 13. August 2021 ist ein weiterer Psychothriller von Astrid Korten erschienen. "Die Dornen der Stille" ist ein bewegender und verstörender Psychothriller, der im Independently Published-Verlag erschienen ist.


"Alles begann, als David Wood zu uns kam, auch der Beginn eines neuen Lebens. Ich war stolz, dass er da war, bis zu dem Vorfall mit Aileen…“

Der dreiundsechzigjährige Drehbuchautor Alexander Martin wendet sich an die West Vancouver Police Division, weil er ein Verbrechen verhindern will. Im Befragungszimmer trifft er auf Inspector Constable Abbott, der eine Vergewaltigungsserie und einen Mord aufklären muss. Alex überlässt dem Ermittler sein Tagebuch. Nachdem Abbott die Aufzeichnungen gesichtet hat, häutet er Alex wie eine Zwiebel. Fast, ohne dass sie es merken, verbinden sich die Grübeleien der beiden Männer und das Tasten nach dem Sinn einer Tat mit einer geheimnisvollen, rätselhaften Geschichte um ein Geheimnis, das zwischen Alex und seinem Pflegebruder David steht…


In dieser rätselhaften Geschichte entwickelten sich schnell einige Fragen, auf dessen Antworten ich natürlich sehr gespannt war. Ich habe mir regelmäßig den Kopf zerbrochen und ich habe viele Vermutungen aufgestellt, sodass ich einige Abschnitte schon fast analysiert habe. Bei einigen Protagonisten wurde das Verhalten bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ausführlich beschrieben, wo ich mir im weiteren Verlauf spektakulärere Wendungen erhofft habe. So erging es mir bis zum Schluss, wo für mich noch viele Fragen offen waren. Alexs' Eltern, die am Anfang eine große Rolle gespielt haben, konnte ich die ganze Zeit über nicht wirklich einschätzen, da mir auch hier einige Andeutungen zum mitspekulieren auf dem Weg mitgegeben wurden. Unklarheiten wurden meiner Fantasie selbst überlassen, was ich schade fand. Denn ich hätte schon gerne gewusst, wie nah ich mit meinen Vermutungen lag.

Das Buch ist als Tagebuch aufgebaut, wo Alex seine Geschichte erzählt. Zwischendurch wurde in den Befragungsraum gewechselt, wo Inspector Constable Abbott immer mehr Abgründe erfährt, die zwischen Alex und seinem Pflegebruder David stattgefunden haben sollen. Vermutungen und Täuschungen ergeben ein Ende, was ich persönlich erst beim wiederholten mal durchlesen verstanden habe. Denn das Finale empfand ich als sehr verwirrend und schwer zu verstehen. Da auch hier meine Fantasie gefordert wurde, konnten mich die letzten Seiten leider nicht überzeugen. Den Anfang fand ich unheimlich spannend und teilweise sehr brutal, doch beim letzten Drittel hatte ich immer wieder Schwierigkeiten, der Handlung zu folgen. Sehr verworrene Gedanken und Nebensächlichkeiten haben die Handlung in den Hintergrund gedrängt. Das Buch ist anspruchsvoll geschrieben, sodass man immer wieder auch zwischen den Zeilen lesen sollte.

Die Eltern von Alex waren schon sehr speziell. Sie kümmerten sich permanent um andere Menschen und genossen so den Ruf der Gutmenschen. Ich nahm an, dass die Beziehung zwischen ihm und seiner Schwester deshalb nicht so innig war, wie es sein sollte. Obwohl in der Familie von außen alles harmonisch wirkte, trog mit Sicherheit der Schein. Irgendwie hatte ich permanent das Gefühl, dass die Eltern hier doch nicht ihr wahres Gesicht gezeigt haben. Alex ist der Hauptprotagonist und durch seine detaillierten Schilderungen besitzt er eine enorme Tiefe. Dieser Charakter hat mich auf eine verstörende Reise, die aus Wahn und Realität bestand, geschickt. Er liebt die Ruhe und ist am liebsten alleine. Obwohl er soziale Kontakte pflegt, ist keine Freundschaft oder Beziehung eng. Warum er sich davor gescheut hat, kam Stück für Stück ans Licht. Auch die Entwicklung von David und das Miteinander leben der beiden unter einem Dach, hat nicht nur schöne Seiten offenbart. Warum Davids' Kindheit nicht leicht war und weshalb er einen Platz in Alexs' Familie eingenommen hat, wurde von der Autorin ebenfalls deutlich und ausführlich geschildert.

Die Atmosphäre ist meistens sehr melancholisch und geheimnisvoll, der Schreibstil flüssig, detailliert und oft poetisch. Diese Geschichte ist keine Lektüre für zwischendurch, denn diesmal musste ich mich sehr konzentrieren, damit ich keine wichtigen Details überlese. "Die Dornen der Stille" ist atmosphärisch, spannend und verwirrend, aber ich war wie erwähnt am Ende zu sehr verwirrt. Das spezielle Ende erlaubt wieder Spielraum für eigene Spekulationen, wenn ich es richtig verstanden habe. Die letzten Seiten haben mich leider nicht umgehauen, was ich diesmal sehr schade finde. Von mir gibt es 3,5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.10.2021

Ein gut durchdachter Thriller mit einem krassen Finale!

Botschaft in Stücken
0

Wer auf der Suche nach eiskalter Spannung und Nervenkitzel ist, dem empfehle ich "Botschaft in Stücken - ein Norwegen-Thriller" von Cole Brannighan, der am 17. September 2021 im Edition Krimi Verlag erschienen ...

Wer auf der Suche nach eiskalter Spannung und Nervenkitzel ist, dem empfehle ich "Botschaft in Stücken - ein Norwegen-Thriller" von Cole Brannighan, der am 17. September 2021 im Edition Krimi Verlag erschienen ist. Was mir hier sehr gut gefallen hat, war der eingebaute schwarze Humor. Er hat der Handlung das gewisse Etwas gegeben, der nicht albern rüberkam, im Gegenteil. Dadurch wurde der Thriller erst recht sehr authentisch. Auch war dies zwischendurch immer wieder eine gelungene Abwechslung, wenn Magnus Farstad mit der Zeit nicht mehr zwischen Realität und Wahnsinn entscheiden konnte. Er ist der Hauptprotagonist und da aus seiner Sicht geschildert wurde, konnte ich mich super in seine missliche Lage hineinversetzen. Wie er vom eitlen, schon ziemlich arroganten und reichen Schnösel zum seelischen Wrack wurde, konnte ich während der Handlung gut mitverfolgen. Denn während er auf der Suche nach einem Psychopathen ist, kommen aus seinem Umfeld immer mehr Geheimnisse ans Licht, die Magnus' Fassade brechen lassen. Dass seine Vergangenheit ihn einholt, damit hat er nicht gerechnet.  

Worum geht es? Bankdirektor Magnus Farstad hat ein gutes Leben, bis eines Tages ein blutiges Päckchen vor seiner Haustür liegt. Der Inhalt: eine menschliche Nase. Die Botschaft dazu: die schriftgewordene Hölle. Ein grausamer Sadist treibt sein Spiel mit ihm, zerstückelt Menschen und raubt dem beschaulichen Odda am norwegischen Sørfjord den Atem. Um seinem Peiniger auf die Schliche zu kommen, wird Magnus selbst kriminell und verstrickt sich in die Geheimnisse und Intrigen, die unter der Oberfläche seiner kleinen Gemeinde brodeln. Dabei ahnt er nicht, was der Sadist wirklich mit ihm vorhat...  

Dieser wendungsreiche Thriller ist wie erwähnt sehr authentisch und durch den lockeren, modernen und flüssigen Schreibstil habe ich das Buch schnell durchgelesen. Nicht nur Magnus Farstad bildet mit seiner verzweifelten Suche einen Handlungsstrang. Er wechselt sich mit einem weiteren ab, wo zur selben Zeit eine junge Frau um ihr Leben und um ihren Verstand kämpft. Zwischendurch meldet sich der Täter, der Magnus Körperteile zuschickt, zu Wort. Denn er überrascht ihn nicht nur mit blutigen Accessoires, jede Sendung enthält einen Brief, der Magnus Gänsehaut beschert. In diesen Briefen schildert der Psychopath detailliert, wie er die Körperteile abtrennt, seine Gründe dafür behält er sich für das spannende und unvorhersehbare Finale auf. Wem die abgetrennten Körperteile gehören, hat nicht nur bei Magnus für einen großen Spannungsmoment gesorgt.  

Da Magnus als erfolgreicher Bankdirektor mehr Freunde als Feinde hat, sucht er zuerst in diesem Radius. Doch als er dort nicht fündig wird, geraten sogar seine Arbeitskollegen und wenigen Freunde in Verdacht, ihn schaden zu wollen. Er entwickelt eine sehr ausgeprägte Paranoia, die sich für ihn und sein Umfeld als große Gefahr darstellt. Dies fand ich spannend mitzuerleben, denn auch ich habe immer wieder mitgerätselt. Auf den wahren Täter bin ich jedoch nicht gekommen, das überraschende Ende ist unheimlich gelungen und gut durchdacht. Die letzten Seiten haben mir wirklich Gänsehaut beschert.  

Nach fast jedem kurzen Kapitel gab es kurze Zitate oder Aussagen von weiteren Protagonisten, über die ich mich jedes Mal köstlich amüsiert habe. Hier kam der schwarze Humor hervorragend zur Geltung und er hat zu den Charakteren der jeweiligen Protagonisten wunderbar gepasst. Magnus kommt sehr lebendig rüber, er ist wie die restlichen Charaktere gut ausgearbeitet. Die komplette Handlung ist logisch und gut durchdacht aufgebaut, die Spannung steigert sich im Verlauf immer mehr, es fängt nach einem emotionalen Prolog eher ruhiger an. Mir hat dieser Thriller richtig gut gefallen, besonders wegen dem skurrilen Humor und dem wirklich krassen und überraschenden Ende! Die Atmosphäre passte sich den jeweiligen Handlungen immer super an.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Handlung
Veröffentlicht am 17.10.2021

Ein grausames Spiel und eine Extremsituation in der Kölner Kanalisation!

Stadt des Zorns
0

Am 13. September 2021 ist der Thriller "Stadt des Zorns" von Marc Meller erschienen, der im Ullstein-Verlag (ich habe den Thriller als E-Book gelesen: Ullstein eBooks) erschienen ist. Dieser Escape-Room-Thriller ...

Am 13. September 2021 ist der Thriller "Stadt des Zorns" von Marc Meller erschienen, der im Ullstein-Verlag (ich habe den Thriller als E-Book gelesen: Ullstein eBooks) erschienen ist. Dieser Escape-Room-Thriller ist die Fortsetzung von "Raum der Angst". Obwohl ich ein Fan von Exit Games bin, konnte mich die Fortsetzung nicht komplett überzeugen, was beim Vorgänger schon der Fall war. Aber meine Neugier auf diesen Psychothriller war so groß, dass ich diesem hier eine Chance gegeben habe.

Zum Inhalt: Eine ganze Stadt wird zum Escape-Room. Er nennt sich Janus und hat alles perfekt geplant: Blockierte Straßen und Schienen, eine Stadt im Chaos, Menschen in Todesangst. Aber was aussieht wie ein Anschlag, ist in Wirklichkeit ein Spiel. Und du hast nur eine Chance zu überleben: Du musst besser sein als er, seinen Fallstricken ausweichen und alle Rätsel lösen, um von einem Raum in den nächsten gelangen. Denn Janus hat ein Meisterwerk geschaffen: eine ganze Stadt als Todesfalle. Hannah weiß, was das bedeutet, sie hat als Einzige Janus' letztes Exit-Game überlebt. Hauptkommissar Kappler versucht, Hannah zu retten und den Killer zu stoppen. Doch das Spiel, das in den Katakomben der Stadt beginnt, übersteigt ihre schlimmsten Alpträume...

Den Anfang fand ich unheimlich spannend, da es einen rasanten Einstieg gab, der mir unheimlich gut gefallen hat. Nur leider konnte sich der Spannungsbogen meiner Meinung nach nicht halten, da sich langweilige und unnötige Längen eingeschlichen haben, die mir die Spannung genommen haben. Hier kam für mich das Escape-Room Feeling nicht besonders gut rüber. Der erste Teil hat mich mit spannenden, brutalen und mysteriösen Rätseln unterhalten, was hier nicht der Fall war. In diesem Band gab es diese zwar auch, jedoch nicht so intensiv. Die Atmosphäre, die dazu gepasst hätte, kam einfach nicht rüber. Zahlreiche Diskussionen zwischen Hannah und einer Gruppe von Umweltaktivisten, die in Köln in einen großen Alptraum hineingeraten sind, haben mich irgendwann genervt. Dieses unnötige Geplänkel hat auch die Protagonisten nicht hervorheben können, da mich kein Charakter aus der Gruppe überzeugen konnte. Selbst Hannah konnte mich diesmal nicht überzeugen, denn hier habe ich deutlich gemerkt, wie sie nach dem Vorfall aus dem ersten Band abgestumpft ist. Ihre Gedanken und Handlungen fand ich teilweise unlogisch und überhaupt nicht mehr sympathisch. Keiner außer Hannah besitzt auch nur annähernd einen Funken Tiefe, sie waren für mich allesamt blasse Teilnehmer. Dafür, dass es für die Gruppe ein Wettlauf gegen die Zeit sein sollte, konnte ich dessen Angst und Zusammenhalt, die zwangsläufig entstehen muss, gar nicht bemerken. Es wurde ständig rumgezickt, von einer Ausnahmesituation habe ich nicht viel gemerkt.

Eine Gruppe von Umweltaktivisten, die Köln lahmlegt, verursacht totales Chaos, das zum sozialen Kollaps führt. Diese Situationen wurden gut beschrieben und ich konnte mir diese krasse Ausnahmesituation bildlich gut vorstellen. Doch dass die Aktivisten hinters Licht geführt wurden, damit haben sie nicht gerechnet. Sie haben gedacht, dass sie für eine gute Sache kämpfen, aber nur einer hatte Kontakt mit ihrem Auftraggeber. Dass es Janus war, erfahren sie in der Kanalisation von Hannah, die ebenfalls dort hingelockt wurde. Es herrscht permanentes Misstrauen zwischen der Gruppe und Hannah, denn sie glauben ihr anfangs nicht, dass ein hochintelligenter und psychotischer Killer hinter dem ganzen steckt. Jeder Ort, wo sie hingeführt werden, ertappt sich als Todesfalle, der man nur entkommen kann, wenn man Janus' Rätsel oder Aufgaben löst…

Authentisch ist die Handlung zwar nicht, jedoch gab es schon Stellen, die mir gut gefallen haben und wo ich überrascht wurde. Denn gerade kurz vor Ende wurde ich mit einer Wendung überrascht, die dem Autor gelungen ist. Was diesmal Janus' Ziel war und warum er Köln in Angst und Schrecken versetzt hat, wurde gut umgesetzt. Auch der Schreibstil gefiel mir wieder unheimlich gut, denn durch den lockeren und flüssigen Schreibstil konnte ich den Thriller sehr gut lesen, an den kurzen Kapiteln und den detaillierten Beschreibungen habe ich ebenfalls nichts auszusetzen.

Hauptkommissar Kappler, den ich schon aus dem ersten Band kenne, wurde gut dargestellt. Er tut alles dafür, Janus endlich in die Finger zu bekommen und Hannah zu retten, die er telefonisch nicht erreichen kann. Er stellt schnell eine Verbindung zu der Situation in Köln und Hannahs Verschwinden her, da sie dort bei ihrer Schwester zu Besuch ist. Obwohl Kappler in Köln gar nicht ermitteln darf, gibt er die Suche nach Hannah nicht auf. Auch sein eigenes Leben setzt er dabei aufs Spiel. Er und Hannah, diese Beziehung hat mich etwas verwirrt. Obwohl hier sehr deutlich zu verstehen war, dass diese nur auf freundschaftliche Ebene basiert, hatte ich das Gefühl, dass Kappler sich da in etwas verrannt hat. Seine Sorge um das Opfer Hannah war zwar nachzuvollziehen, doch für mich waren seine Sorgen um die Frau, die seit dem vorherigen Vorfall mit Janus nicht mehr die alte ist, zu extrem. "Stadt des Zorns" kann man gut ohne Vorkenntnisse des Vorgängerbands lesen. Um einige Situationen jedoch besser verstehen zu können, empfehle ich den ersten Thriller zuerst zu lesen. Für mich war das Buch nicht schlecht, jedoch hat mich der Inhalt auch nicht vom Hocker gehauen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.10.2021

Ein eiskalter und unvorhersehbarer Thriller!

Der Eisjunge
0

"Der Eisjunge" von Max Bentow ist ein Thriller, der am 13. September 2021 im Goldmann-Verlag erschienen ist. Dies ist mittlerweile der neunte Fall für Nils Trojan, ein sympathischer und sensibler Ermittler ...

"Der Eisjunge" von Max Bentow ist ein Thriller, der am 13. September 2021 im Goldmann-Verlag erschienen ist. Dies ist mittlerweile der neunte Fall für Nils Trojan, ein sympathischer und sensibler Ermittler bei der fünften Berliner Mordkommission, der bei seinen Mordermittlungen bis an die Grenzen seiner Belastbarkeit geht. Auch in diesem grausamen Fall gibt es für Trojan keine Verschnaufpause, denn nach seinem längerem Urlaub muss er sofort wieder an die Arbeit und die schreckliche Realität hat ihn wieder komplett im Griff. Diesmal verschont ihn seine Angst wieder nicht, doch dank einem mitgebrachtem Souvenir aus dem Urlaub, welches gleichzeitig als Skill gegen seine Panikattacken dient, hilft ihm diese schreckliche Mordreihe aufzuklären.

Um was es geht: Nils Trojan ist eben zurück von seiner Auszeit auf einer Insel, da wird er schon an einen neuen Tatort gerufen. Im ersten Moment glaubt er, in einen absurden Albtraum geraten zu sein: Es sieht aus, als würde ein Tier über dem Opfer kauern, denn der Mörder hat das Fell eines Rehs über die getötete junge Frau drapiert. Wenig später ereignet sich der zweite Mord, und wieder sind Mensch und Tier auf makabre Weise ineinander verschlungen. Aber was will der Täter mit seiner grausamen Botschaft mitteilen? In einem verlassenen Haus im Umland von Berlin stößt Trojan auf eine Fährte – und erkennt zu spät, dass er in eine mörderische Falle geraten ist...

Extrem spannend und mit einem großen Überraschungsmoment am Ende ist es Max Bentow wieder einmal gelungen, mich mit seinem originellen Psychothriller bestens zu unterhalten. Nichts und niemand ist hier wie es zuerst scheint, denn der Autor spielt nicht nur geschickt mit meinen Gedanken, auch wurde ich mit Wendungen überrascht, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet habe. Denn sie waren überhaupt nicht vorhersehbar, sodass dieser bizarre Plot bei mir wirklich für eiskalte Gänsehautmomente gesorgt hat. Durch gekonnt gesetzte Cliffhänger wurde ich die ganze Zeit gezwungen, weiterzulesen. Auch der Schreibstil ist unglaublich authentisch, rasant, flüssig, facettenreich, packend und spannend. Jede Handlung wurde real und es entstanden unheimlich klare Bilder. Max Bentow beschreibt zwar detailliert, aber er verliert sich nicht darin. Deshalb wurde es mir zu keiner Zeit langweilig.

Großartige und unvorhersehbare Wendungen haben mich umgehauen. Ich hatte Einblicke in die Abgründe einer menschlichen Psyche, die Tatmotive des Täters haben mich nicht nur überrascht, sondern auch wirklich geschockt. Kurz vor Ende erfuhr ich grausame Details aus dem Leben des Täters, da er da aus seiner Sicht schildert und ich so verstehen konnte, was ihn zu den schrecklichen Morden angetrieben hat. Wie sich sein Leben entwickelt hat und was durch seinen Kopf ging, konnte ich deshalb sehr gut verstehen und nachvollziehen. Er hat nichts dem Zufall überlassen und seine Taten sorgfältig und geschickt geplant, damit ein besonders heftiges Finale entsteht. Ich hatte einige Miträtselmomente in einem gelungenem Verwirrspiel.

Die Handlung hat mich von der ersten bis zur letzten Seite in den Bann gezogen. Kurze, abwechslungsreiche und rasante Kapitel, die aus verschiedenen Perspektiven geschrieben werden, haben für einen schnellen Lesefluss gesorgt. Auch die Protagonisten kommen gut zur Geltung, was mir besonders gut gefallen hat. Sie besitzen Tiefe, die sich schnell entwickelt hat. Es herrscht durchgehend eine düstere und bedrückende Atmosphäre, die perfekt zur Handlung passt. Besonders erschütternde Details, die am Ende als Licht kamen, haben mich wirklich schockiert. Gleichzeitig hatte ich jedoch auch etwas Mitleid mit dem Täter. Nachdem ich das Buch beendet habe, ist mir die Lust auf Granatäpfel deutlich vergangen. Deshalb werde ich in Zukunft bestimmt beim Anblick dieser Frucht an diesen genialen Psychothriller erinnert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.10.2021

Eine spannende Handlung, die Sneijders' emotionale Seite zum Vorschein bringt!

Todesschmerz
0

Von Anfang an verfolge ich die Maarten S. Sneijder-Reihe von Andreas Gruber, sodass die Freude bei "Todesschmerz", den neuesten und mittlerweile sechste Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez-Thriller, sehr ...

Von Anfang an verfolge ich die Maarten S. Sneijder-Reihe von Andreas Gruber, sodass die Freude bei "Todesschmerz", den neuesten und mittlerweile sechste Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez-Thriller, sehr hoch war. Dieses Werk, welches am 13. September 2021 im Goldmann-Verlag erschienen ist, hat mich auf 592 Seiten wieder einmal bestens unterhalten. Wenn es nach Maarten S. Sneijder geht, müsste ich meine Rezension in drei knappen und präzisen Sätzen äußern. Denn der etwas andere Profiler und forensische Kriminalpsychologe, der aus den Niederlanden stammt, am Wiesbadener BKA arbeitet und an der dortigen Akademie den Nachwuchs ausbildet, begibt sich wieder einmal mit seinem ebenfalls außergewöhnlichem Team auf eine spannende und rasante Mörderjagd.

Zum Inhalt: Mitten in den brisanten Ermittlungen um einen Verräter in den eigenen Reihen werden BKA-Profiler Maarten S. Sneijder und sein Team abgezogen und nach Norwegen geschickt, um den Mord an der deutschen Botschafterin aufzuklären. Doch das Motiv bleibt rätselhaft, und die norwegische Polizei verweigert die Zusammenarbeit. Sneijder muss kreativ werden – und macht damit einen besonders mächtigen Gegner auf sich aufmerksam. Als dann noch ein erstes Mitglied von Sneijders Team einem kaltblütigen Killer zum Opfer fällt, steht Sneijder vor seiner bisher größten Herausforderung…

Nach einem vielversprechenden Prolog entwickeln sich zwei Handlungsstränge, die am Anfang erst einmal nicht viel miteinander zu tun haben. Doch im weiteren Verlauf verbinden sich diese gut durchdacht und logisch miteinander, sodass ich mittendrin einiges zum Spekulieren hatte. Der Schreibstil von Andreas Gruber ist sehr spannend, flüssig und authentisch, abgerundet mit einer guten Portion Humor. Auch bildlich konnte ich der Handlung sehr gut folgen. Abwechslungsreiche, detaillierte Schauplätze und interessante Protagonisten mit Ecken und Kanten runden diesen Thriller ab. Nicht nur Sneijder und sein Charakter kommen hier wieder sehr gut zur Geltung. Auch sein Team, welches aus Horowitz, Tina Martinelli, Marc Krüger, dem ehemaligen Verbrecher Krzysztof und natürlich Sabine Nemez, seinem Eichkätzchen besteht, sorgen für großartigen Lesespaß. Obwohl mir die Truppe sehr ans Herz gewachsen ist, musste ich leider auch Abschied nehmen. Denn dieser Fall, der Sneijder alles abverlangt, ist nicht nur kompliziert und sehr komplex, auch wird das ganze für ihn sehr persönlich, sodass er, besonders am Ende, seine emotionale Seite zeigt. Diese kommt äußerst selten zum Vorschein, denn er ist schon eine extrem schräge Figur. Er ist ein Kotzbrocken, er hasst Menschen, er klaut Bücher, er ist schwul, er spricht mit Leichen, er hat Cluster-Kopfschmerzen und akupunktiert sich überall selbst. Dazu raucht er Joints, wenn ihm danach ist und er ist süchtig nach Vanilletee. Ich mag ihn sehr, da er einen sehr hohen Unterhaltungswert bietet und dem Thriller das Gewisse Etwas gibt.

Das Finale hat mich überrascht, da es hier zu einer Wendung kam, mit der ich nicht gerechnet habe. Kurz vor der Auflösung hatte ich schließlich einen Verdacht, da der Autor dazu immer mehr Puzzleteile gestreut hat. Jedoch fand ich die Handlung, die mit dem Prolog zu tun hatte, sehr vorhersehbar. Da ich mit meinem Täterverdacht richtig lag, wurde mir dieser Spannungsmoment auf diese Weise genommen. Die Gründe dieser grausamen Taten waren mir jedoch bis zur Auflösung unklar. "Todesschmerz" besitzt einen guten Spannungsbogen, der zwischendurch durch einige Längen unterbrochen wurde. Diese zogen sich dann etwas, trotzdem hat mir der gesamte Inhalt wieder gut gefallen. Das Ende, welches mit einem fiesen Cliffhanger abschließt, verspricht eine ultraspannende Fortsetzung. Von mir gibt es vier Leichenlächeln.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere