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Veröffentlicht am 15.09.2016

✎ Susanne Beyer & Martin Doerry - »Mich hat Auschwitz nie verlassen«

»Mich hat Auschwitz nie verlassen«
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Von Anfang an stand fest, dass dies keine leichte Lektüre wird, aber ich interessiere mich sehr für solche Geschichten und habe keinen (leider, aber auch Gott sei Dank), der mir darüber erzählen kann. ...

Von Anfang an stand fest, dass dies keine leichte Lektüre wird, aber ich interessiere mich sehr für solche Geschichten und habe keinen (leider, aber auch Gott sei Dank), der mir darüber erzählen kann. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass ich auch dieses Buch unbedingt lesen wollte.
Womit ich nicht gerechnet hätte, ist, dass ich das Buch zwischenzeitlich weglegen muss. Klar rechnet man hier mit vielen Emotionen, Grausamkeiten, Wahrheiten, die man eigentlich nicht wahr haben möchte.. Dennoch war ich überwältigt. Denn obwohl ich bereits Bücher wie "Das Mädchenorchester in Auschwitz" und "Das Tagebuch der Anne Frank" kenne, war es einfach heftig, zu lesen, was diese Menschen durchmachen mussten..
Die Geschichten werden von Bildern begleitet, die ich mir nicht genauer anschauen konnte, obwohl sie nichts Tragisches zeigen. Manchmal sieht man die Nummer, die sie in Auschwitz bekamen, manchmal ein Profil, selten sehr alte Fotos,.. - aber alle berührten mich auf eine Art und Weise, wie ich sie nicht zu beschreiben vermag..
Aber am schwersten waren Sätze wie "[...] weil man mir nicht einmal zuhören wollte." (S. 168) oder "Uns wurde häufig gesagt, wir sollten die Vergangenheit vergessen und uns aus dem Staub machen." (S. 136) Ich kann das echt nicht nachvollziehen.. und es macht mich noch trauriger, als ich sowieso schon bin..
Für mich das bisher beste Buch zu einem Teil unserer Geschichte, der wahrscheinlich an Grausamkeiten kaum zu überbieten ist. Es ist nicht sensationslüstern, sondern eine würdevolle Erinnerung an die letzten Überlebenden von Auschwitz. Aber eine Lektüre, die man nicht mal eben so nebenbei verschlingt.
Ich glaube, man sollte solche Bücher vermehrt in den Schulen einsetzen, denn ich erinnere mich nicht wirklich an den Geschichtsunterricht, den ich hatte, aber dieses Buch wird wohl nie wieder aus meinem Kopf verschwinden..

©2016

Veröffentlicht am 15.09.2016

✎ Lilly Lindner - Die Autobiographie der Zeit

Die Autobiographie der Zeit
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Ich dachte, Lilly Lindners Bücher könnte ich blind kaufen.. Nachdem mir 'Was fehlt, wenn ich verschwunden bin' und 'Splitterfasernackt' so super gefallen haben, wollte ich auch unbedingt die anderen Werke ...

Ich dachte, Lilly Lindners Bücher könnte ich blind kaufen.. Nachdem mir 'Was fehlt, wenn ich verschwunden bin' und 'Splitterfasernackt' so super gefallen haben, wollte ich auch unbedingt die anderen Werke von ihr lesen.. und warum nicht mit dem neusten beginnen?!
Leider konnte es mich überhaupt nicht überzeugen..

Vielleicht wollte die Autorin wirklich mal was Neues wagen - nicht nur (wahre) Geschichten über Menschen schreiben. Für mich jedoch hat das Buch schon während des Lesens an Bedeutung verloren und nun - ein paar Tage später - weiß ich schon nicht mehr genau, was genau geschehen ist - wenn denn etwas geschehen ist..

In ihren anderen beiden Werken bin ich versunken - hier habe ich einfach keinen Zugang gefunden.. Mir sind zwar einige Zitate ins Auge gefallen, aber durch die Tatsache, wie das Buch aufgebaut ist, denke ich, dass einfach manchmal auch zu viel unterbrochen wurde. Man könnte die Kapiteleinteilungen vielleicht auch als Luftholen sehen, aber ich muss nicht nach jedem Satz Luftholen oder nachdenken. Durch die Einteilung hat mir Frau Lindner manchmal etwas aufzwingen wollen, was ich so nicht gemocht habe.

Ich denke, Lilly Lindner hat sich hier einer Herausforderung gestellt, die sicher gelungen ist: Ausbrechen aus der Masse. Die schwermütige Sprache, die Kapiteleinteilungen, der Verlauf einer (für mich nicht vorhandenen) Geschichte, die Interpunktion, die (nicht)Greifbarkeit des Inhaltes,..

Es ist kein Werk, was man so runterliest. Sprachgewalt, für die die Autorin bekannt ist, spricht auch aus diesen Zeilen. Am Inhalt fehlte es mir aber.
Es ist sicher eine nette Kleinigkeit - für jemanden, der etwas damit anfangen kann. Mir wird es jedoch leider nicht lange in Erinnerung bleiben..

©2016

Zitate:

"In der grenzenlosen Weite der Unendlichkeit gibt es nur eine Grenze - die im Gehirn eines Menschen." (S. 11)

"Ich sah mich um und wusste: Einsamkeit - das sind Menschen. In einem besetzten Raum." (S. 28)

"Ich liebte Musik. Bis ich mich in der Stille verlor." (S. 43)

"»Hass hat genauso viele Buchstaben wie Liebe. Nur dass Liebe einen mehr hat.«" (S. 53)

"»Die Zeit an und für sich ist simpel - es gibt Entscheidungen, die man trifft, und Entscheidungen, von denen man getroffen wird.«" (S. 63)

"Gewalt ist eine Sprache, die keine Übersetzung braucht." (S. 103)

"Solange wir Schönheit definieren, werden wir sie niemals finden." (S. 213)

Veröffentlicht am 15.09.2016

✎ Lance Rubin - Denton Little 1 Bin mal kurz tot

Bin mal kurz tot
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Ein Buch, an das ich keine Erwartungen hatte..
Ich weiß auch gar nicht, warum es damals auf meiner Wunschliste gelandet ist, aber als ich es letztens wieder sah, dachte ich mir: Warum nicht ausprobieren?!
Ich ...

Ein Buch, an das ich keine Erwartungen hatte..
Ich weiß auch gar nicht, warum es damals auf meiner Wunschliste gelandet ist, aber als ich es letztens wieder sah, dachte ich mir: Warum nicht ausprobieren?!
Ich war dann auch echt überrascht, dass es teilweise so tiefgründig zugeht. Anfangs hab ich hier und dort einfach nur mal geschmunzelt, aber nach und nach wurde ich stellenweise doch sehr nachdenklich. Das verliert sich dann irgendwann wieder, weil es in Richtung Krimi geht - es ist also ein Mix aus allem: Jugend, Krimi, Humor, Weisheiten,..
Man sollte hier keine tiefgründige Geschichte erwarten, zumal diese auch aus der Sicht von dem 17-jährigem Denton erzählt wird. Manche Aussagen fand ich dennoch gut: "Ich werde dein Leben feiern, wenn du gestorben bist." (S. 146) oder "Offen zu den Leuten sein. [...] Ihnen etwas Aufrichtiges über sie zu sagen, das ihnen ein gutes Gefühl gibt. Und das ihnen hilft, sich selbst besser zu verstehen." (S.246) sind zum Beispiel solche Situationen, die mir einmal mehr zeigten, was manchmal wichtig(er) ist..
Ein bisschen schade fand ich, dass das Ende so abrupt kam. Kaum ein Hinweis war zu finden, wie sich die Geschichte entwickeln würde. Aber vielleicht war das auch Absicht, weil Lance Rubin das Augenmerk in diesem Teil auf etwas anderes legen wollte - was ihm wiederum super gelungen ist. Ich zumindest hab mir so manches Mal meine Gedanken darum gemacht, wie es wäre, sein Sterbedatum zu kennen..

Ich hab zufällig gesehen, dass es wohl noch einen 2. Teil zu Denton dieses Jahr geben soll. Ich glaube, den werde ich mir dann auch gönnen, denn die ein oder andere Frage hätte ich schon gern noch beantwortet.

©2016

Veröffentlicht am 15.09.2016

✎ Danielle Vega - Survive the Night

Survive the night
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Jugendbuch ab 14 Jahre?!? Entschuldigung, aber beim besten Willen nicht! Ich mein, ich hab schon manchmal schlucken müssen.. und ich will gar nicht wissen, wie Jugendliche auf einige dieser Szenen reagieren.. ...

Jugendbuch ab 14 Jahre?!? Entschuldigung, aber beim besten Willen nicht! Ich mein, ich hab schon manchmal schlucken müssen.. und ich will gar nicht wissen, wie Jugendliche auf einige dieser Szenen reagieren.. Es trägt zu Recht den Hinweis 'Thriller'! Und als Film wäre es bestimmt auch nicht für 14-Jährige freigegeben..

Als ich vom Verlag gefragt wurde, ob ich dieses Buch lesen und rezensieren mag, habe ich relativ schnell zugesagt, denn Psycho-Horror-Thriller lese ich in letzter Zeit viel zu wenig..

Der Anfang des Buches ist noch relativ verhalten. Man lernt die Umgebung kennen, erfährt ein paar Sachen aus der Vergangenheit. Aber es sprang noch nicht wirklich der Funke über. Hier hätte ich das Werk auch problemlos Jugendlichen empfohlen.

Als die Freunde dann im Untergrund sind, wird es dann schon interessanter. Zwar hatte ich die ganze Zeit Probleme, mir diesen Ort wirklich vorzustellen, aber meine Nerven waren trotzdem zum Zerreißen. Das lag vor allem an dem sehr beschreibenden Schreibstil, der bei den Horrorelementen verwendet wurde. Und spätestens da sagte ich mir: Das gehört nicht in die Jugendbuchabteilung!

Die Auflösung des Ganzen ist dann wieder so typisch Jugendbuch: einfach, unspektakulär und ein wenig abrupt.

Auf mich wirkte die Geschichte schon ziemlich überzeugend. Als ich über den Beginn hinaus war, war ich gefangen - und ich fand es erstaunlich, welche Wirkung dies alles auf einen haben kann. Aber auch die anderen Beschreibungen, die Casey aus ihrer Sicht erzählt, wirken sehr authentisch.

Auch wenn das Werk bestimmt belehren soll / will, finde ich es für 14-Jährige nicht ganz angemessen - dafür sind die Beschreibungen an manchen Stellen einfach zuuu genau, ja geradezu brutal. Für (junge) Erwachsene hingegen könnte der Anfang ein k.o.-Kriterium sein, denn der passt genau in die Zielgruppe des Verlags.

©2016

Veröffentlicht am 15.09.2016

✎ Ramona S. - Seelentaumel

Seelentaumel
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Nachdem ich 'Janes Seelenreise' gelesen hatte und mich beim Starks-Sture Verlag erneut ein wenig umsah, fiel mir dieses Buch ins Auge. Eigentlich ist es mit anfangs gar nicht aufgefallen, da sich die beiden ...

Nachdem ich 'Janes Seelenreise' gelesen hatte und mich beim Starks-Sture Verlag erneut ein wenig umsah, fiel mir dieses Buch ins Auge. Eigentlich ist es mit anfangs gar nicht aufgefallen, da sich die beiden Cover so dermaßen ähneln, dass es da schnell zu einer Verwechslung kommen kann. Das finde ich etwas schade, denn obwohl beide das gleiche Thema beinhalten, ist deren Umsetzung doch total anders - und jedes auf seine eigene Weise interessant.

Ramona S.' Buch ist ehrlich und reflektierend. Nichts beschönigend und Hoffnung machend.

Manche bemängeln ihre fehlende Professionalität beim Schreiben. Aber sie ist einfach ein Mensch, der sich mit seiner Krankheit, mit seinem von der Gesellschaft aufgezwungenem Stempel auseinandergesetzt hat und ihn loswerden wollte.
Durch ihren einfachen Schreibstil fühlte ich mich nicht überfordert und konnte somit ihrer Geschichte lauschen. Ihre Gefühle hat sie toll zu beschreiben gewusst und ich konnte gut in sie hineinversetzen und mit ihr mitfühlen.

Ich finde es gut, dass sie aufzeigt, wie Borderliner reagieren können, aber nicht müssen - es ist ihre persönliche Geschichte.

Krass finde ich, wie Ärzte teilweise reagierten. Es hat mich richtig erschrocken zu lesen, welche Worte sie an den Kopf geschmissen bekommen hat:

"»Haben Sie eine Borderline-Störung?«, fragte der Arzt. [...] »Wie bekommt man das eigentlich? Wird das vererbt?«" (S. 9)

Besonders hat mir am Schluss gefallen, dass einige (Fach)Begriffe noch erklärt wurden - das fand ich einen runden Abschluss.

Ich möchte dieses Buch gerne weiterempfehlen. Nicht nur Betroffenen oder Angehörigen. Auch Menschen, die vielleicht nicht wissen, ob sie an BPS leiden, weil sie zwar mit sich selbst zu kämpfen haben, aber nicht den Mut besitzen, sich Hilfe zu holen. Manchmal ist der Weg bestimmt steinig und schwer, aber irgendwann gerät man sicher an den richtigen Menschen, der einem die Hilfe bietet, die man individuell braucht.

©2016

weitere Zitate:

"Viele Menschen urteilen erbarmungslos über das, was sie nicht verstehen, aber sie wagen keinen Blick hinter die Fassaden." (S. 124)

"Tatsachen hören nicht aus zu existieren, nur weil man sie zur Seite schiebt!" (S. 121)

"Meine Schnittverletzungen schmerzen höllisch. Ich bin gezeichnet und voller Hämatome. Ausgelaugt schleppe ich mich ins Bad, ziehe mich an und gehe nur wenig später in aufrechter Haltung zur Arbeit. Ein neuer Tag hat begonnen und niemand wird etwas bemerken." (S.10)