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Veröffentlicht am 19.10.2020

Spannend, emotional, skurril - ein ungewöhnliches Lesevergnügen. Absolut lesenswert !

Frau Morgenstern und der Verrat
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Zum zweiten Mal schickt Marcel Huwyler Violetta Morgenstern und ihren Partner in crime, den Ex-Söldner Miguel Schlunegger auf die Jagd. So skurril ihre Namen, so ungewöhnlich ist ihre Aufgabe. Als Mitglieder ...

Zum zweiten Mal schickt Marcel Huwyler Violetta Morgenstern und ihren Partner in crime, den Ex-Söldner Miguel Schlunegger auf die Jagd. So skurril ihre Namen, so ungewöhnlich ist ihre Aufgabe. Als Mitglieder des (geheimen) Tell-Ministeriums beseitigen sie möglichst diskret Personen, die dem Schweizer Staat schaden. Dieses Mal werden sie einer Soko zugeteilt, die einen Anschlag auf die aufstrebende und beliebte Politikerin Felicitas Saminada aufklären sollen. Schnell tauchen vermeintliche Beweise, Attentäter und Motive auf, doch jeder Fortschritt in der Ermittlung wirft neue Fragen auf. Während Miguel Schlunegger hautnah ermittelt und in die Schusslinie gerät, entdeckt Violetta ein Familiengeheimnis, das es in sich hat.

Auch wenn dies der zweite Band von "Frau Morgenstern ..." ist, kann man den Band gut separat lesen. Einige Verweise auf den ersten Band erklären sich von selbst und beeinflussen die Handlung nicht. Allerdings empfinde ich es fast als Verlust, den ersten Band nicht gelesen zu haben (was ich definitiv noch nachholen werden), denn für mich war "... und der Verrat" einer der besten und überraschendsten Kriminalromane, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Was ich erwartet habe (nach der Beschreibung), war einen überdrehten, vielleicht klamaukiger Roman, der mich gut unterhält. Was ich bekommen habe, war einen spannenden Politikkrimi, mit einer wendungsreichen Handlung, die mich bis zum Schluss gefesselt hat. Dazu ungewöhnliche Charaktere mit skurriler Biographie (auch in den Nebenrollen), die aber niemals in billigen Klamauk abrutschen. Ganz im Gegenteil, gerade die Hauptcharaktere haben eine emotionale Tiefe, die einen jederzeit mitfühlen und häufig auch mitleiden lässt.

Zu all den inhaltlichen Stärken des Buches kommt positiv noch Marcel Huwylers Gefühl für Sprache hinzu. Oftmals schafft er es mühelos, in einem Satz poetisch, lustig, überraschend und ungewöhnlich zu sein. Vieles bleibt wie Kopfkino lange vor Augen und im Gedächtnis. Mein persönlicher Lieblingssatz: "Die Welt da draussen leuchtete fluffig und honigfarben wie in einem Film mit Til Schweiger.""

Fazit: Diesen Kriminalroman sollte man sich nicht entgehen lassen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.08.2020

Zähe Jagd nach der eigenen Identität

Der Trakt
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Der Weg durch den nächtlichen Park, der Überfall – all das weiß sie noch, als sie aus dem Koma erwacht. Ihre Erinnerung ist völlig klar: Sie heißt Sibylle Aurich, ist 34 Jahre alt, lebt mit Mann und Kind ...

Der Weg durch den nächtlichen Park, der Überfall – all das weiß sie noch, als sie aus dem Koma erwacht. Ihre Erinnerung ist völlig klar: Sie heißt Sibylle Aurich, ist 34 Jahre alt, lebt mit Mann und Kind in Regensburg. Sie scheint fast unversehrt. Und doch beginnt mit ihrem Erwachen eine alptraumhafte Suche nach sich selbst. Zwar hat Sibylle ihr Gedächtnis behalten, die Welt aber hat offenbar die Erinnerung an Sibylle verloren: Ihr Mann kennt sie nicht, von ihrem eigenen Hochzeitsfoto starrt ihr das Gesicht einer Fremden entgegen, und niemand hat je von ihrem Sohn Lukas gehört! Wurde er entführt? Hat er nie existiert? Und wem kann sie überhaupt noch trauen?

Die Handlung in Arno Strobels Thriller "Der Trakt" beginnt vielversprechend: nach einer Flucht aus dem Keller einer Klinik, muss Sibylle Aurich erkennen, dass niemand weiß, wer sie ist. Aber stimmen ihre Erinnerungen nicht oder ist sie das Opfer einer Verschwörung. Und so läuft Sibylle Aurich durch Regensburg und München und weiß nie, wem sie trauen kann. Leider fehlt dieser Jagd die Spannung und der rote Faden. Vieles ist zufällig und wirkliche Spannung kommt nicht auf. Am schlimmsten ist es, dass mich auch Sibylles Schicksal nicht wirklich packen konnte, obwohl immer wieder ihre Verzweiflung durchscheint. Auch der Showdown und die Auflösung sind recht flach geraten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.06.2020

Spannend, aber mit offenem Ende

Der Würfelmörder
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In Helsingborg häufen sich brutale Morde. Gleich drei Mordfälle fordern die Ermittler der Helsingborger Polizei. Daher muss auch Kommissar Fabian Risk, eigentlich wegen der vorangegangenen Ereignisse beurlaubt, ...

In Helsingborg häufen sich brutale Morde. Gleich drei Mordfälle fordern die Ermittler der Helsingborger Polizei. Daher muss auch Kommissar Fabian Risk, eigentlich wegen der vorangegangenen Ereignisse beurlaubt, wieder zurückkommen, denn zwischen den Morden scheint es keinen Zusammenhang zu geben. Der Mord im Flüchtlingswohnheim zeigt keine Anzeichen für Fremdenhass. Der Tote im Einkaufszentrum ist eine grausame Hinrichtung und eine junge Frau wurde in ihrer eigenen Wohnung vergiftet. Doch was ist das Motiv für diese Morde? Doch vielleicht ist genau das der Zusammenhang. Was, wenn der Mörder einfach nur töten will? Aber wie fasst man einen Mörder, der kein Motiv hat?
Die Spannung des Buches resultiert auch aus der Vielzahl der kriminalistischen Themen, allerdings sind es meines Erachtens zu viele: Rechtsextremismus und Fremdenhass, Pädophilie, Jugendkriminalität, Stalking und Ermittlungen in den Reihen der Polizei. Fabian Risk vermutet unter den Kollegen einen Serien-Mörder, gegen den er parallel zur eigentlichen Untersuchung ermittelt.
Um das Buch allerdings wirklich genießen zu können, sollte man einiges beachten. Das Buch wird als Dilogie angekündigt, und wirklich muss man nach „Der Würfelmörder“ auch den zweiten Teil „Die Rückkehr der Würfelmörders“ lesen. Zum Glück habe ich beide Bände als Rezensionsexemplare gewonnen, als Leser und Käufer hätte ich mich über den Kauf nur des ersten Bandes geärgert, da er ohne den zweiten Band zu viele (um nicht zu sagen alle) Fragen offen lässt. Zwar sind viele Täter ermittelt, doch ihre Schuld bleibt zweifelhaft, und auch Fabian Risks Ermittlung bricht so unvermittelt am Ende des Buches mit einem recht mageren Cliffhanger ab, dass man erst einmal das nächste Kapitel sucht. So wirkt es leider nach einem Trick, den Leser auch zum Kauf des zweiten Buches zu bringen.
„Der Würfelmörder“ erschien schon 2019 unter dem Titel „10 Stunden tot“ im Ullstein-Verlag. Ein Titel, der sich mir nicht erschließt. Mit dem neuen Cover und dem neuen Titel werden nun die beiden Werke als Dilogie vermarktet. Doch auch das ist irreführend, denn es handelt sich um die Bände

4 und

5 der Fabian Risk-Reihe. Viele Ereignisse um Fabians Risks Familie sind wohl erst richtig verständlich, wenn man auch die Vorgängerbände gelesen hat.
Das Buch selbst allerdings ist spannend und flüssig geschrieben. Der Spannungsbogen ist hoch, manche Szenen sind in der Beschreibung kaum zu ertragen, doch findet Ahnhem zum Glück immer rechtzeitig die Grenze des Erträglichen. Doch die Erwartungen an die Fortsetzung sind jetzt extrem hoch. Ich hoffe, dass alle Fragen dann geklärt werden, ansonsten ist dieser (Doppelband) ein Flop. Ich hoffe das Beste und gebe 4 von 5 Sternen (eigentlich 3,5 von 5).

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.06.2020

Spannende Handlung - blasse Protagonisten

Die Frequenz des Todes
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Ein panischer Notruf geht in der Leitstelle der Berliner Feuerwehr ein: „Hilfe, mein Baby ist weg! Hier ist nur Blut …“. Dann folgen Kampfgeräusche und der Kontakt bricht ab. Oswald Holder vom LKA bittet ...

Ein panischer Notruf geht in der Leitstelle der Berliner Feuerwehr ein: „Hilfe, mein Baby ist weg! Hier ist nur Blut …“. Dann folgen Kampfgeräusche und der Kontakt bricht ab. Oswald Holder vom LKA bittet den akustischen Phonetiker Matthias Hegel, genannt Auris, der wegen Mordverdachts im Gefängnis sitzt, Informationen aus diesem Tonfragment zu ziehen. Doch Hegel verfolgt eigene Pläne, und für diese spannt er die True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge ein. Doch außer den Umständen der Kindesentführung, stellen sich viele Fragen – angefangen damit, warum Oswald gerade Hegel um Hilfe bittet. Und Jula will sich diesmal nicht von Hegel manipulieren lassen, zumal dieser Informationen über ihren Bruder Moritz besitzt.
Nachdem der erste Band mit einem Cliffhanger endete, der viele Fragen offen ließ, spinnt Vincent Kliesch die Geschichte um Jula Ansorge und Matthias Hegel im zweiten Auris-Band weiter, indem er, während Jula und Hegel versuchen, das entführtes Baby zu finden, sparsam neue Informationen zu Julas Bruder Moritz und zu Hegels Vergangenheit aufdeckt. Diese sind zum Teil spannend und manchmal auch überraschend, schaffen es allerdings nicht, wie auch im ersten Band, den beiden Protagonisten wirkliche charakterliche Tiefe zu geben. Gerade Hegel bleibt vor allem eins – geheimnisvoll, aber leider auch unpassend emotionslos und blass. Schade, denn von der Grundidee her ist er spannend angelegt. Seine Ausführungen zur Phonetik und seine Methoden, die dieses Mal einen breiteren Raum einnehmen, sind wirklich interessant. Jula Ansorge, die im ersten Band oft unsympathisch und eigensinnig wirkte, bekommt dieses Mal mehr Charakter. Ihr Beruf als True- Crime-Podcasterin wird immer wieder erwähnt, spielt aber, außer dass sie regelmäßig Sprachnachrichten aufnimmt, selbst wenn sie sich einer unbekannten Gefahr nähert, nur eine untergeordnete Rolle. Dass sie diesmal im Duell mit Hegel Stärke zeigt, gibt der Figur einen guten neuen Zug. Aber auch bei ihr ist noch Luft nach oben.
Die Baby-Entführung, in der Jula mit Hegel ermittelt, ist spannend, allerdings auch an einigen Stellen zu überladen. Das Handeln der Personen ist nicht immer nachvollziehbar. Zudem war mir einiges, was überraschend wirken sollte, schon sehr schnell klar, der entscheidende Twist in der Handlung ist nicht wirklich neu. Spannend zu lesen ist es bestimmt.
Insgesamt besser als der erste Teil, ein gut zu lesender Page-Turner mit einigem noch nicht genutztem Potential. Und der Cliffhanger weist wohl auch schon auf Band 3 hin, in dem das Geheimnis um Julas Bruder, eine Geheimorganisation und vielleicht auch zwei Männer im Mittelpunkt stehen werden.

  • Cover
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Veröffentlicht am 14.06.2020

Wenn die Vergangenheit sich wiederholt ...

Wie viele willst du töten
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Nachdem Ellery Hathaway mit vierzehn Jahren als einziges Mädchen aus den Fängen des Serienkillers F.M. Coben befreit werden konnte, lebt sie vierzehn Jahre später ein neues Leben als Polizistin in einem ...

Nachdem Ellery Hathaway mit vierzehn Jahren als einziges Mädchen aus den Fängen des Serienkillers F.M. Coben befreit werden konnte, lebt sie vierzehn Jahre später ein neues Leben als Polizistin in einem kleinen Ort. Keiner kennt ihre Vergangenheit, keiner kennt ihren Geburtstag. Doch seit drei Jahren bekommt sie zu ihrem Geburtstag eine anonyme Glückwunschkarte geschickt, kurz darauf verschwindet eine Person aus ihrem Umfeld spurlos. Ahmt jemand die Cobens Taten nach? Da niemand ihr glaubt, bittet sie den FBI-Agenten Reed Markham um Hilfe, der Mann, der sie damals aus Cobens Fängen befreien konnte. Doch diese Vergangenheit hat weder Ellery noch Reed je losgelassen.

Joanna Schaffhausen hat einen spannenden Thriller geschrieben, der seine Spannung vor allem darus bezieht, dass Ellery und Reed die schlimmen Taten Cobens nicht aus ihrem Leben verbannen können. So wird ihre Jagd nach einem Serienkiller vor allem von der Frage geprägt, ob Ellery und Reed dem anderen und sich selber trauen können und ob es überhaupt einen Serienkiller gibt. Ellerys Psyche ist dabei sehr bedrückend, mal hat man Mitleid mit ihr, mal ist sie durch ihre abweisende Art, der als Selbstschutz dient, auch dem Leser unzugänglich. Reed muss sich immer wieder fragen, ob er wirklich Ellery oder nicht doch sich selber helfen will. Die Jagd entwickelt sich langsam, aber spannend und treibt auf den Höhepunkt zu.

Leider geht dem Thriller genau dann die Luft aus, denn das Ende kommt ziemlich plötzlich und gerät recht oberflächlich. Schade.

Für einen spannenden Lesetag ist dies ein gelundener Thriller. Da dies der Auftakt zu einer Reihe sein soll, kann man gespannt sein, wie diese weitergeführt wird und wie weit Ellerys und Reeds Vergangenheit dann eine Rolle spielen wird.

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