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Veröffentlicht am 12.12.2020

Unterhaltsames Lesevergnügen – Agatha Christie im Reich der Märchen

Erkül Bwaroo fischt im Trüben
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Erkül Bwaroo, Elf-Detektiv mit einem großem Ego, lernt auf einer Urlaubsreise den Fischer Sebastian kennen. Dessen Frau Ilsebill hat ihn verlassen, nachdem ein verzauberter Fisch ihr den Wunsch nach einem ...

Erkül Bwaroo, Elf-Detektiv mit einem großem Ego, lernt auf einer Urlaubsreise den Fischer Sebastian kennen. Dessen Frau Ilsebill hat ihn verlassen, nachdem ein verzauberter Fisch ihr den Wunsch nach einem Schloss erfüllt hat. Während Sebastian lieber in der Fischerhütte geblieben ist, lebt Ilsebill auf dem Schloss, umgeben von einer großen Anzahl von illustren und seltsamen Gäste, von denen die wenigsten es gut mit ihr meinen, wie Bwaroo feststellt. Und schon bald wird aus einem Mörderspiel tödlicher Ernst.
Dieser Märchen-Krimi von Ruth M. Fuchs, mittlerweile der siebte Band aus der Erkül Bwaroo-Reihe, bietet ein unterhaltsames und ungewöhnliches Lesevergnügen. Ganz im Geiste von Agatha Christie ermittelt Bwaroo in einem Mordfall und die Verdächtigen sind Elfen, Sirenen, Faun, Gargoyle oder Märchenfiguren. Dass das Ganze so viel Spass macht zu lesen, liegt daran, dass Ruth Fuchs es jederzeit gelingt, diese Märchenwelt und ihre Bewohner ganz normal zu beschreiben. Die Verdächtigen haben alle ihre Geheimnisse und handeln aus Liebe, Neid, Eifersucht und Gier. Bwaroos Ermittlungen schreiten gemütlich voran (vor allem wenn er den Gargoyle Hubert befragt) und enden in einer Christie-würdigen Enttarnung des Täters. Alles ist mit einem gewissen Maß an Humor geschrieben, besonders wenn die Märchenwelt auf recht menschliche Weise durchbrochen wird, z.B. wenn Jogger und Drama-Queens plötzlich eine Rolle spielen.
Ein gelungener und ungewöhnlicher Krimi und eine wunderbare Hommage an die Queen of Crime.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.11.2020

Spannender Thriller zum Thema Gewalt

Der Heimweg
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Jules Tannberg sitzt am Begleittelefon, ein Service für Frauen die nachts auf ihrem Heimweg Angst bekommen und eine beruhigende Stimme zur Sicherheit brauchen. Er telefoniert mit Klara, einer verstörten ...

Jules Tannberg sitzt am Begleittelefon, ein Service für Frauen die nachts auf ihrem Heimweg Angst bekommen und eine beruhigende Stimme zur Sicherheit brauchen. Er telefoniert mit Klara, einer verstörten jungen Frau, die auf der Flucht ist, vor ihrem brutalem Ehemann und einem psychotischen Killer, der sie vor einiger Zeit schon einmal überfallen und mit Blut ein Datum an ihre Schlafzimmerwand gemalt hat: Das Datum ihres Todestages, und dieser Tag hat gerade begonnen …
Sebastian Fitzek hat mit „Der Heimweg“ wieder einen spannenden Pageturner geschrieben, den man wegen seiner kurzen Kapitel und den vielen Cliffhangern nur schwer aus der Hand legen kann. Die vielen Wendungen in der Geschichte, bis man nicht mehr weiß, was Wahrheit und was Wahn ist, führen zwar (man möchte bei Fitzek fast sagen: natürlich) dazu, dass die Handlung oftmals sehr überzogen wirkt, aber wie sich am Ende die beim Lesen entstandenen Fragezeichen (meistens) auflösen, ist schon beeindruckend und ist sehr unterhaltsam.
Dieses Mal hat Fitzek sich des Themas „Gewalt“ angenommen, vornehmlich um die Gewalt gegenüber Frauen und in der Familie. Das ist zuweilen schon harte Kost, was Fitzek hier bietet, lässt einen aber auch vielleicht mal über die realen Hintergründe nachdenken. Zum Beispiel, was die Gewalt mit den Opfern macht (und auch mit den Tätern).
Recht nett liest sich auch, Fitzeks kurzes Nachwort zu diesem Roman, warum er immer über Gewalt schreibt

  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.11.2020

Unterhaltsames Prequel, das aber oft zu routiniert ist

Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit
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Mit „ Kingsbridge – Der Morgen einer neuen Zeit“ legt Follett den vierten Band der „Kingsbridge“-Reihe vor, der als Prequel die Entstehung von Kingsbridge beschreibt und im Jahre 997 nach Christus beginnt.
Der ...

Mit „ Kingsbridge – Der Morgen einer neuen Zeit“ legt Follett den vierten Band der „Kingsbridge“-Reihe vor, der als Prequel die Entstehung von Kingsbridge beschreibt und im Jahre 997 nach Christus beginnt.
Der junge Bootsbauer Edgar muss, nachdem sein Heimatdorf Combe bei einem Wikingerüberfall zerstört worden ist, mit seiner Familie ganz von vorne anfangen, die normannische Prinzessin Ragna wagt eine Heirat mit einem sächsischen Adligen, der ehrgeizige Bischof Wynstan will mit allen Mitteln seine Macht vergrößern und der junge Mönch Aldred träumt von ideellen Werten.
Die Lebenswege und Schicksale dieser vier Personen treffen immer wieder aufeinander und sind untrennbar miteinander verwoben. In einer Zeit voller Gewalt und Kampf um die Macht, wo selbst der König die Gesetze nicht immer durchsetzen kann, erleben sie den Übergang ins englische Mittelalter und den Beginn des Ortes Kingsbridge.
Ken Follett schafft es schnell, den Leser mit allen wichtigen Figuren vertraut zu machen. Der Wikingerüberfall am Anfang bietet gleich alles, was man von Follett gewohnt ist: viel Gewalt, die das Schicksal der Hauptperson, hier Edgar auf brutale Weise verändert. Insgesamt ist ihm eine interessante, lesenswerte historische Geschichte gelungen, die sich leicht lesen lässt und meistens gut unterhält.
Allerdings merkt man dem Buch auch an, dass es mit einer großen Routine geschrieben ist. Schmerzlich vermisst man bei den Charakteren die Grautöne. Es ist schnell klar, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört und auch ihr Schicksalsweg ist meistens schon klar vorgezeichnet, so dass große Überraschungen in der Handlung Mangelware sind. Gerade das Ende des Romans leidet darunter, da vieles zu routiniert und glatt abgehandelt wird, zudem wirkt das Ende eher kitschig. Ein paar Ecken und Kanten hätten der Handlung und den Charakteren gut getan, und auch die Nebenfiguren sind eher blass.
Insgesamt aber ein nettes Lesevergnügen, dem aber die Tiefe fehlt.

  • Cover
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Thema
Veröffentlicht am 19.10.2020

Spannend, emotional, skurril - ein ungewöhnliches Lesevergnügen. Absolut lesenswert !

Frau Morgenstern und der Verrat
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Zum zweiten Mal schickt Marcel Huwyler Violetta Morgenstern und ihren Partner in crime, den Ex-Söldner Miguel Schlunegger auf die Jagd. So skurril ihre Namen, so ungewöhnlich ist ihre Aufgabe. Als Mitglieder ...

Zum zweiten Mal schickt Marcel Huwyler Violetta Morgenstern und ihren Partner in crime, den Ex-Söldner Miguel Schlunegger auf die Jagd. So skurril ihre Namen, so ungewöhnlich ist ihre Aufgabe. Als Mitglieder des (geheimen) Tell-Ministeriums beseitigen sie möglichst diskret Personen, die dem Schweizer Staat schaden. Dieses Mal werden sie einer Soko zugeteilt, die einen Anschlag auf die aufstrebende und beliebte Politikerin Felicitas Saminada aufklären sollen. Schnell tauchen vermeintliche Beweise, Attentäter und Motive auf, doch jeder Fortschritt in der Ermittlung wirft neue Fragen auf. Während Miguel Schlunegger hautnah ermittelt und in die Schusslinie gerät, entdeckt Violetta ein Familiengeheimnis, das es in sich hat.

Auch wenn dies der zweite Band von "Frau Morgenstern ..." ist, kann man den Band gut separat lesen. Einige Verweise auf den ersten Band erklären sich von selbst und beeinflussen die Handlung nicht. Allerdings empfinde ich es fast als Verlust, den ersten Band nicht gelesen zu haben (was ich definitiv noch nachholen werden), denn für mich war "... und der Verrat" einer der besten und überraschendsten Kriminalromane, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Was ich erwartet habe (nach der Beschreibung), war einen überdrehten, vielleicht klamaukiger Roman, der mich gut unterhält. Was ich bekommen habe, war einen spannenden Politikkrimi, mit einer wendungsreichen Handlung, die mich bis zum Schluss gefesselt hat. Dazu ungewöhnliche Charaktere mit skurriler Biographie (auch in den Nebenrollen), die aber niemals in billigen Klamauk abrutschen. Ganz im Gegenteil, gerade die Hauptcharaktere haben eine emotionale Tiefe, die einen jederzeit mitfühlen und häufig auch mitleiden lässt.

Zu all den inhaltlichen Stärken des Buches kommt positiv noch Marcel Huwylers Gefühl für Sprache hinzu. Oftmals schafft er es mühelos, in einem Satz poetisch, lustig, überraschend und ungewöhnlich zu sein. Vieles bleibt wie Kopfkino lange vor Augen und im Gedächtnis. Mein persönlicher Lieblingssatz: "Die Welt da draussen leuchtete fluffig und honigfarben wie in einem Film mit Til Schweiger.""

Fazit: Diesen Kriminalroman sollte man sich nicht entgehen lassen.

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Veröffentlicht am 31.08.2020

Zähe Jagd nach der eigenen Identität

Der Trakt
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Der Weg durch den nächtlichen Park, der Überfall – all das weiß sie noch, als sie aus dem Koma erwacht. Ihre Erinnerung ist völlig klar: Sie heißt Sibylle Aurich, ist 34 Jahre alt, lebt mit Mann und Kind ...

Der Weg durch den nächtlichen Park, der Überfall – all das weiß sie noch, als sie aus dem Koma erwacht. Ihre Erinnerung ist völlig klar: Sie heißt Sibylle Aurich, ist 34 Jahre alt, lebt mit Mann und Kind in Regensburg. Sie scheint fast unversehrt. Und doch beginnt mit ihrem Erwachen eine alptraumhafte Suche nach sich selbst. Zwar hat Sibylle ihr Gedächtnis behalten, die Welt aber hat offenbar die Erinnerung an Sibylle verloren: Ihr Mann kennt sie nicht, von ihrem eigenen Hochzeitsfoto starrt ihr das Gesicht einer Fremden entgegen, und niemand hat je von ihrem Sohn Lukas gehört! Wurde er entführt? Hat er nie existiert? Und wem kann sie überhaupt noch trauen?

Die Handlung in Arno Strobels Thriller "Der Trakt" beginnt vielversprechend: nach einer Flucht aus dem Keller einer Klinik, muss Sibylle Aurich erkennen, dass niemand weiß, wer sie ist. Aber stimmen ihre Erinnerungen nicht oder ist sie das Opfer einer Verschwörung. Und so läuft Sibylle Aurich durch Regensburg und München und weiß nie, wem sie trauen kann. Leider fehlt dieser Jagd die Spannung und der rote Faden. Vieles ist zufällig und wirkliche Spannung kommt nicht auf. Am schlimmsten ist es, dass mich auch Sibylles Schicksal nicht wirklich packen konnte, obwohl immer wieder ihre Verzweiflung durchscheint. Auch der Showdown und die Auflösung sind recht flach geraten.

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