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JohannaMaus

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.06.2025

Zwischen Macht und Moral

Aus Angst
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„Aus Angst“ von Jörg Kirchner ist ein packender Wirtschaftskrimi, der mehr ist als nur ein spannendes Buch über Erpressung und Umweltskandale. Er ist ein Roman über Schuld, Angst und die Zerbrechlichkeit ...

„Aus Angst“ von Jörg Kirchner ist ein packender Wirtschaftskrimi, der mehr ist als nur ein spannendes Buch über Erpressung und Umweltskandale. Er ist ein Roman über Schuld, Angst und die Zerbrechlichkeit von Loyalität in einer Welt, in der Recht und Moral oft nur Werkzeuge wirtschaftlicher Interessen sind.

Der Protagonist George Klein, einst ein gefeierter Anwalt, kehrt nach einem persönlichen Tiefschlag in den Beruf zurück – nicht aus Überzeugung, sondern weil sein Bruder ihn um Hilfe bittet. Was wie eine Chance auf Rehabilitation aussieht, wird jedoch schnell zu einer gefährlichen Gratwanderung: Wem kann er trauen? Und welche Rolle spielt sein eigener Bruder wirklich?

Kirchner erzählt präzise, fundiert und mit spürbarer Kenntnis der Materie. Die wirtschaftlichen und juristischen Hintergründe sind klug eingeflochten, ohne den Lesefluss zu bremsen. Besonders gut ist die Atmosphäre gelungen, die in den glatten Kanzleifluren genauso greifbar ist wie in den dunklen Ecken eines Skandals, der lieber vertuscht werden soll.

Die psychologische Entwicklung der Hauptfigur ist glaubwürdig und intensiv. George wirkt weder als Held noch als Opfer, sondern als Mensch mit Fehlern, Ängsten und einem brüchigen Kompass. Auch das Verhältnis zwischen den Brüdern sorgt für emotionale Tiefe und wirft spannende moralische Fragen auf.

Einziger Wermutstropfen: Einige Nebenfiguren, insbesondere auf der Seite der Aktivisten, hätten etwas mehr Tiefe verdient. Dennoch bleibt die Geschichte durchgehend spannend und überrascht mit gut platzierten Wendungen.

Fazit: Ein intelligenter, atmosphärischer Thriller mit realitätsnahem Bezug, der uns daran erinnert, wie dünn die Grenze zwischen Recht und Unrecht in der Welt der Mächtigen sein kann. Empfehlenswert für alle, die gerne tiefgründige Spannung mit gesellschaftlicher Relevanz lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.06.2025

Ein persönliches Buch mit spirituellem Fokus – nicht nur für Eingeweihte

Wir sind alle medial!
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In „Wir sind alle medial!“ bietet Sabrina Lara Huber einen sehr persönlichen Einblick in spirituelle Erfahrungen und die Verbindung zur geistigen Welt. Die Autorin erzählt offen aus ihrem Leben, beschreibt ...

In „Wir sind alle medial!“ bietet Sabrina Lara Huber einen sehr persönlichen Einblick in spirituelle Erfahrungen und die Verbindung zur geistigen Welt. Die Autorin erzählt offen aus ihrem Leben, beschreibt ihre Entwicklung, ihren Umgang mit schwierigen Erlebnissen und wie sie mithilfe ihrer medialen Wahrnehmung daran arbeitet.

Ich bin selbst kein Experte auf diesem Gebiet, fand das Buch aber dennoch gut lesbar und inhaltlich interessant. Die ehrliche Art, mit der Sabrina ihre Geschichte teilt, macht es leicht, sich darauf einzulassen, auch wenn man vielleicht nicht jede spirituelle Erfahrung direkt nachempfinden kann. Manche Abschnitte haben mich zum Nachdenken gebracht, andere waren für mich eher schwer greifbar.

Mit manchen Formulierungen oder dem Design des Buches konnte ich mich persönlich nicht ganz anfreunden, was aber nur ein kleiner Kritikpunkt ist.

Insgesamt ist es ein ehrliches, persönliches Buch, das einen Einblick in eine andere Wahrnehmungswelt gibt und für alle geeignet ist, die offen für spirituelle Themen sind oder neugierig darauf, wie Medialität im Alltag erlebt werden kann.

Veröffentlicht am 31.05.2025

Leben bis zum letzten Atemzug

Nicht tot zu sein, ist noch kein Leben
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„Nicht tot zu sein, ist noch kein Leben“ ist ein Roman, der lange nachhallt. Er beschäftigt sich mit dem hochsensiblen und zugleich extrem wichtigen Thema des assistierten Suizids und erzählt dabei die ...

„Nicht tot zu sein, ist noch kein Leben“ ist ein Roman, der lange nachhallt. Er beschäftigt sich mit dem hochsensiblen und zugleich extrem wichtigen Thema des assistierten Suizids und erzählt dabei die bewegende Geschichte einer tiefen Freundschaft zwischen zwei Frauen, die sich seit dem Studium kennen.

Besonders beeindruckt hat mich, wie sachlich und gleichzeitig emotional Lou Bihl schreibt. Der Roman klärt auf, berührt und regt zum Nachdenken an. Der innere Konflikt von Helena als Ärztin und Freundin ist sehr nachvollziehbar geschildert. Die Handlung ist realitätsnah und obwohl schwere Themen behandelt werden, gelingt es der Autorin, auch Leichtigkeit und Lebensfreude einzuflechten.

Besonders mochte ich die vielen kleinen Details: die roten Akzente, die wunderbar zum Cover passen, das Glossar am Ende des Buches, das medizinische Fachbegriffe verständlich erklärt, sowie die aufgeführten Quellen, die dabei helfen, sich über das Thema Sterbehilfe weiterzubilden.

Für mich ist es ein wichtiges und gelungenes Buch mit viel Tiefe. Ein Stern Abzug, weil ich mit der teilweise blauen Schrift aus irgendeinem Grund nicht so gut klarkam, sie schwierig zu lesen fand und mir das Ende in seiner Inszenierung etwas zu glatt wirkte. Dennoch: 4 von 5 Sternen und eine klare Leseempfehlung für alle, die sich mit Leben, Sterben und ethischen Fragen auseinandersetzen möchten.

Veröffentlicht am 31.05.2025

Ein Kunstwerk für Herz und Seele

Wo de lu - Mein Weg - Der blaue Keks
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„Wo de lu – Mein Weg – Der blaue Keks“ ist kein gewöhnliches Buch. Es ist ein stilles, visuelles Meisterwerk, das auf leisen Sohlen die großen Themen des Lebens streift: Verlust, Liebe, Einsamkeit und ...

„Wo de lu – Mein Weg – Der blaue Keks“ ist kein gewöhnliches Buch. Es ist ein stilles, visuelles Meisterwerk, das auf leisen Sohlen die großen Themen des Lebens streift: Verlust, Liebe, Einsamkeit und Hoffnung. In zarten Bildern und kurzen, eindringlichen Texten erzählt Jidi von der Reise des mysteriösen Mannes V und der kleinen Huan, eine Reise durch Landschaften, Erinnerungen und menschliche Schicksale.

Mich hat besonders berührt, wie sehr dieses Buch zum Nachdenken anregt. Jede einzelne Begegnung mit den Menschen, denen V und Huan auf ihrer Reise begegnen, wirkt wie ein kleines Spiegelbild des Lebens. Die Geschichten bleiben bewusst fragmentarisch und offen, nicht weil sie unvollständig wären, sondern weil sie zum Weiterdenken anregen.

Die Illustrationen verdienen besondere Erwähnung. Jidis Spiel mit Farben – vor allem das durchgängige Violett-Blau – ist nicht nur stilistisch herausragend, sondern transportiert auch eine Stimmung zwischen Melancholie und Wärme. Ihre Bilder erzählen oft mehr als die Worte selbst. Besonders schön ist die parallele Darstellung des chinesischen Originaltexts. Auch wenn ich kein Chinesisch lesen kann, hat dies die Verbindung zur Herkunft der Geschichte vertieft.

Was mich nachhaltig beeindruckt hat, ist die persönliche Note der Künstlerin. Am Ende jedes Kapitels gewährt Jidi kleine Einblicke in ihre Gedanken, Erfahrungen und die Entstehung der Geschichten. Vor allem ihr Nachwort, in dem sie offen über den Verlust ihrer Mutter spricht, hat mich tief bewegt. Es zeigt, wie viel Echtheit und Gefühl in diesem Band stecken.

„Der blaue Keks“ ist ein Buch, das man nicht einfach nur liest, sondern erlebt. Es ist ideal für alle, die leise Bücher lieben, die voller Schönheit, Nachdenklichkeit und Emotionen sind. Für mich ist es ein Werk, zu dem ich immer wieder greifen werde, wenn mir die Worte fehlen, denn es zeigt, dass Bilder manchmal mehr sagen als tausend Worte.

Veröffentlicht am 29.05.2025

Zwischen Vorgartenidyll und Rebellion – bitterböse, witzig und überraschend tief

Vollblutspießer
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Ein schwarzhumoriger Roman, der nicht nur unterhält, sondern auch nachdenklich stimmt – genau mein Ding! „Vollblutspießer“ hat mich mit seinem ungewöhnlichen Cover und dem herrlich schrägen Humor direkt ...

Ein schwarzhumoriger Roman, der nicht nur unterhält, sondern auch nachdenklich stimmt – genau mein Ding! „Vollblutspießer“ hat mich mit seinem ungewöhnlichen Cover und dem herrlich schrägen Humor direkt angesprochen. Zwar habe ich anfangs mit Max, dem Protagonisten, eher gefremdelt, doch mit der Zeit wurde ich überrascht: Mal mochte ich ihn mehr, mal weniger, aber seine Entwicklung und seine Zerrissenheit haben mich nicht mehr losgelassen.

Chris Nolde beleuchtet mit spitzer Feder und viel Ironie ein sehr ernstes Thema: den inneren Konflikt zwischen Angepasstheit und Selbstverwirklichung. Zwischen „normalem“ Leben mit Bürojob, Kind und Spieleabend und der Sehnsucht nach Freiheit, Bedeutung und künstlerischer Entfaltung. Dass Max sich plötzlich in einem radikalen Kollektiv wiederfindet, klingt einerseits absurd, andererseits aber auch erschreckend realistisch.

Der Humor ist trocken und manchmal düster, was den Ton des Buches so besonders macht. Gleichzeitig gibt es viele leise Momente, die zum Nachdenken anregen. Über Lebenswege, Entscheidungen und den Wunsch, mehr vom Leben zu wollen, ohne genau zu wissen, was dieses „Mehr“ eigentlich sein soll.

Trotz meiner anfänglichen Skepsis gegenüber Max war für mich klar: Kein Punktabzug. Gerade seine Ambivalenz hat ihn so greifbar gemacht. Ich habe das Buch verschlungen und oft inne gehalten, um einzelne Sätze auf mich wirken zu lassen.

Fazit: Ein Buch, das gleichermaßen unterhält und aufwühlt, mit klugen Gedanken, bissigem Humor und einer mutig und originell erzählten Story. Von mir gibt es verdiente 5 von 5 Sternen.