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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.07.2025

Atmosphärisch und verstörend, aber nicht ganz meins

Das Beste sind die Augen
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Ich bin etwas hin- und hergerissen, wie ich dieses Buch bewerten soll. Das Beste sind die Augen hat definitiv etwas Eigenes, der Schreibstil ist stark, das Tempo stimmig und die Figurenentwicklung gut ...


Ich bin etwas hin- und hergerissen, wie ich dieses Buch bewerten soll. Das Beste sind die Augen hat definitiv etwas Eigenes, der Schreibstil ist stark, das Tempo stimmig und die Figurenentwicklung gut gemacht. Monika Kim weiß, wie man eine düstere, dichte Stimmung erzeugt, und ich mochte, wie sie gesellschaftliche Themen wie Rassismus und Sexismus verarbeitet.

Trotzdem bin ich emotional nicht richtig reingekommen. Ich konnte mich weder wirklich mit der Hauptfigur noch mit der Handlung verbinden. Vieles fühlte sich für mich eher wie eine surreale Momentaufnahme an als eine durchgehende Geschichte. Es gab Stellen, die mich fesselten, aber insgesamt hat es mich nicht so berührt oder erschüttert, wie es offenbar bei vielen anderen der Fall war.

Das Ende kam mir etwas abrupt vor, als würde etwas fehlen, das ich nicht ganz benennen kann. Vielleicht wollte das Buch gar nicht alles auflösen, aber genau das hat mich mit einem eher leeren Gefühl zurückgelassen.

Unterm Strich: kein schlechtes Buch, nur nicht das Richtige für mich. Ich würde definitiv noch mal etwas von Monika Kim lesen, aber dieses hier bleibt wohl bei einem einmaligen Versuch.

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Veröffentlicht am 28.06.2025

Zwischen Tanz und Täuschung - zu wenig Fantasy für mich!

A Dance of Lies
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3,5 Sterne (aufgerundet: 4*)

Ich bin ein bisschen hin- und hergerissen von A Dance of Lies. Es gab Momente, in denen ich wirklich drin war, in der Welt, in Vasalies Kopf, im Netz aus Lügen und Machtspielchen. ...

3,5 Sterne (aufgerundet: 4*)

Ich bin ein bisschen hin- und hergerissen von A Dance of Lies. Es gab Momente, in denen ich wirklich drin war, in der Welt, in Vasalies Kopf, im Netz aus Lügen und Machtspielchen. Aber genauso oft wurde ich auch wieder rausgerissen. Und obwohl ich nicht bereue, es gelesen zu haben, hinterlässt es bei mir ein leicht enttäuschtes Gefühl. Gerade weil ich mir viel von der Darstellung chronischer Krankheit in einem Fantasy-Setting erhofft hatte und das leider nicht ganz aufgegangen ist.

Vasalie ist eigentlich eine spannende Figur: eine Tänzerin, gebrochen durch eine lange Zeit im Kerker, körperlich und seelisch gezeichnet. Ihre Reise von der Verzweiflung zurück zu einer Form von Selbstermächtigung war stellenweise berührend. Aber das, was als “Behinderung” eingeführt wurde, blieb für mich zu oberflächlich. Sie soll geschwächt sein, ja, doch sie tanzt, kämpft und spioniert oft, als hätten sie diese zwei Jahre kaum mitgenommen. Ich hätte mir da mehr Tiefe und Kontinuität gewünscht, vor allem, weil die Grundidee so wichtig und vielversprechend war.

Spannend fand ich dagegen den politischen Rahmen, die Versammlung mit ihren Intrigen, der Konkurrenz zwischen den Königsbrüdern, der unterschwelligen Spannung und all den kleinen Machtspielen. Auch die Mischung aus Tanz und Spionage hatte ihren Reiz. Was mir weniger gefallen hat, war die Vielzahl potenzieller Love Interests. Ich hatte das Gefühl, dass die Geschichte nicht so recht wusste, auf welche Richtung sie hinauswill, was nicht unbedingt schlecht sein muss, aber hier wirkte es eher wie unnötiges Drama als echte Entwicklung.

Der Schreibstil selbst war sehr durchwachsen. Teilweise sehr bildhaft und emotional, an anderen Stellen aber überladen und etwas zu bemüht poetisch. Gerade der Anfang zog sich für mich, während das Ende deutlich an Fahrt aufnahm und für einen gelungenen Cliffhanger sorgte.

Unterm Strich war A Dance of Lies ein lesenswertes Buch mit einigen starken Momenten, vor allem was Atmosphäre und Grundkonzept angeht. Aber ich habe nicht genug Verbindung zu den Figuren aufbauen können, und das Potenzial, besonders im Hinblick auf das Thema chronische Krankheit, wurde nicht ausgeschöpft. Wer gern in Intrigen abtaucht, langsame Romanzen und eine winzige Prise Fantasy ohne Magie mit politischer Note mag, wird hier sicher auf seine Kosten kommen. Für mich bleibt es ein solides, aber nicht überragendes Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Emma Ferrari überzeugt erneut - Ein köstlich-kriminelles Vergnügen!

Mord nach Rezept
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Emma Ferrari überzeugt erneut - Ein köstlich-kriminelles Vergnügen!

Mit dem zweiten Fall rund um Emma Ferrari hat mich Sabine Steck wieder mitten ins Herz von Himmelsricht katapultiert, und zwar direkt ...

Emma Ferrari überzeugt erneut - Ein köstlich-kriminelles Vergnügen!

Mit dem zweiten Fall rund um Emma Ferrari hat mich Sabine Steck wieder mitten ins Herz von Himmelsricht katapultiert, und zwar direkt hinein in das aufregende Finale eines kulinarischen Wettbewerbs. Schon nach den ersten Seiten war ich wieder vollkommen drin im Geschehen und in dieser so tollen "Ermittler"-Gruppe, als wäre ich nie weg gewesen. Emma und die anderen Damen, die man bereits aus dem ersten Fall kennt, sind für mich mittlerweile wie alte Bekannte/Freunde: sympathisch, bodenständig und mit einer feinen Nase für Ungereimtheiten. Umso schöner, dass Emma sich in diesem Band nicht nur ihrem Feinkostladen widmet, sondern auch gleich wieder auf Mördersuche geht, dieses Mal in einem wirklich delikaten Umfeld.

Die Atmosphäre im Buch ist herrlich lebendig und bodenständig: Man meint, die Düfte des Risottos in der Nase zu haben und die Spannung auf dem Dorfplatz fast greifen zu können. Die Figuren sind wunderbar gezeichnet, manche angenehm/unangenehm vertraut, andere neu, aber alle mit Ecken, Kanten und ganz viel Persönlichkeit. Gerade das Zusammenspiel zwischen Emma und ihren Freundinnen bringt viel Wärme und Witz mit.

Die Handlung selbst ist zwar nicht allzu überraschend, aber das stört überhaupt nicht. Vielmehr lebt das Buch vom Weg zur Auflösung: von den vielen kleinen Details, die Emma so wunderbar zusammenfügt, von den zwischenmenschlichen Spannungen, die sich wie Gewürze durch die Geschichte ziehen, und von der charmanten Mischung aus Ernst und Augenzwinkern.

Für mich ist „Mord nach Rezept“ ein idealer Krimi für alle, die Spannung ohne blutige Grausamkeiten lieben, mit viel Herz, regionalem Flair und einer Prise italienischem Temperament. Und das Beste: Am Ende gibt’s sogar noch etwas für den Gaumen.

Klare fünf Sterne von mir und eine große Vorfreude auf Emmas nächsten Fall!

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Veröffentlicht am 17.06.2025

Drachen, Drama, Dilemma

A Fate Forged in Fire – Aus Flammen geboren
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Ich hatte definitiv Spaß mit A Fate Forged in Fire. Dieses Buch ist wie ein heißblütiger Ritt auf einem temperamentvollen Drachen, du weißt nicht immer, wohin die Reise geht, aber runter willst du trotzdem ...

Ich hatte definitiv Spaß mit A Fate Forged in Fire. Dieses Buch ist wie ein heißblütiger Ritt auf einem temperamentvollen Drachen, du weißt nicht immer, wohin die Reise geht, aber runter willst du trotzdem nicht.

Aemyra ist absolut keine klassische Heldin. Sie ist überheblich, manchmal herrlich nervig und trifft Entscheidungen, bei denen ich kurz vorm Augenrollen war. Aber wenigstens bleibt sie sich treu. Sie weiß, dass sie die Thronerbin ist, muss aber ausharren, bis der aktuelle Herrscher ablebt. Leider läuft dabei nichts nach Plan, und plötzlich steckt sie mitten in einer politischen Schachpartie, verheiratet mit einem Mann, den sie angeblich töten will.

Fiorean, ihr „Feind“, ist natürlich düster, geheimnisvoll und emotional zerzaust. Eine Kombination, die mich jedes Mal aufs Neue abholt. Die Chemie zwischen den beiden war heftig, auch wenn sie sich mehr anschmachten als küssen. Aber das hat das Knistern nur verstärkt.

Was mir wirklich gefallen hat, war der Aufbau der Welt: Matriarchat, Magie, Drachen mit eigenen Persönlichkeiten (bitte mehr davon im nächsten Band!), politische Intrigen und eine ziemlich düstere Atmosphäre. An manchen Stellen hat mich die Vielzahl an Begriffen und Namen kurzzeitig verwirrt, aber sobald man drin ist, zieht es einen richtig rein.

Nicht alles war perfekt, ich hätte mir etwas mehr Tiefe bei den Nebenfiguren gewünscht, und anfangs hat’s ein bisschen gedauert, bis die Handlung richtig Fahrt aufgenommen hat. Aber ab etwa der Hälfte konnte ich nicht mehr aufhören. Und dann dieses Ende!

Insgesamt ein sehr gelungener Auftakt mit Luft nach oben, und ich werde definitiv weiterlesen. Denn eins ist sicher: ich muss wissen, ob Aemyra endlich auf diesem verdammten Thron landet, und ob ihr „Feind“ wirklich so feindlich bleibt.

4 von 5 Sternen – Für Drachen, Drama, sexy Feinde und eine Protagonistin, die mich zwar oft genervt, aber nie gelangweilt hat.

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Hochspannend, anders, absolut fesselnd, ein Thriller-Highlight!

Locked in
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„Locked In“ von Henri Faber war für mich ein ganz besonderes Leseerlebnis. Ich konnte das nicht mehr weglegen. Wer auf der Suche nach einem Thriller ist, der sich mutig vom typischen Genre-Einheitsbrei ...

„Locked In“ von Henri Faber war für mich ein ganz besonderes Leseerlebnis. Ich konnte das nicht mehr weglegen. Wer auf der Suche nach einem Thriller ist, der sich mutig vom typischen Genre-Einheitsbrei abhebt, sollte sich diesen unbedingt näher anschauen.



Schon die Grundidee hat mich sofort gepackt: Ein Täter im Koma, ein Professor mit einer gewagten Methode, und die verzweifelte Suche nach einem noch lebenden Opfer. Dieser ungewöhnliche Einstieg schießt einen direkt mitten hinein in eine Geschichte, die vor Spannung nur so knistert.



Besonders gut gefallen hat mir die Erzählweise, aus der Ich-Perspektive, was bei Thrillern eher selten ist. Dadurch war ich den Figuren besonders nah, konnte ihre Gedanken und Zweifel hautnah miterleben. Henri Faber versteht es meisterhaft, vielschichtige Charaktere zu zeichnen: Paul Maertens, der knurrige Ermittler mit Ecken und Kanten, und Professor Linde, der mit seiner ganz eigenen Tragik überzeugt, haben mich beide sehr beeindruckt.



Was das Buch für mich besonders stark gemacht hat, ist die konstant andauernde Spannung. Immer, wenn ich dachte, ich hätte den Plot durchschaut, kam eine Wendung, die alles wieder auf den Kopf stellte. Das war kein reiner Show-Effekt, sondern gut durchdacht und stimmig in die Geschichte eingebettet. Ich war mehrfach sprachlos, und das passiert mir selten.



Knackig kurze Kapitel, häufige Perspektivwechsel, rasante Entwicklungen, es wird nie langweilig. Und obwohl es manchmal fordernd war, den vielen Fährten zu folgen, war genau das auch der Reiz an dieser Geschichte.



Für alle, die Thriller abseits des Mainstreams lieben und auf komplexe Figuren, dichte Atmosphäre und clevere Wendungen stehen: Absolute Empfehlung von mir!

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