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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.08.2025

Zwischen zwei Welten – Eine stille Reise voller Gefühl

Onigiri
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Yuko Kuhns Roman Onigiri ist ein stilles, bewegendes Porträt einer Familie zwischen Deutschland und Japan. Aki begleitet ihre demenzkranke Mutter Keiko auf eine letzte Reise in deren Heimat – eine Reise ...

Yuko Kuhns Roman Onigiri ist ein stilles, bewegendes Porträt einer Familie zwischen Deutschland und Japan. Aki begleitet ihre demenzkranke Mutter Keiko auf eine letzte Reise in deren Heimat – eine Reise voller Erinnerungen, Emotionen und Selbstfindung.

Die sanfte, fast poetische Sprache erzeugt Tiefe, auch wenn die häufigen Zeitsprünge und der fragmentarische Stil gelegentlich verwirren. Die Rückblicke wirken teils authentisch und spannend, stellenweise aber etwas zu detailliert. Trotzdem verleiht der biografisch wirkende Stil der Geschichte Glaubwürdigkeit.

Die Themen Kultur, Identität, Demenz und familiäre Bindungen werden sensibel verarbeitet. Besonders berührend: Keikos Aufblühen in Japan und Akis langsames Verständnis für die Stärke ihrer Mutter. Auch psychische Belastungen innerhalb der Familie und kulturelle Gegensätze werden einfühlsam dargestellt.

Onigiri ist kein lauter Roman, sondern einer, der nachhallt. Wer sich auf die ruhige Erzählweise und kulturelle Tiefe einlässt, wird mit bewegenden Momenten und viel Gefühl belohnt.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Starker Anfang, schwaches Finale – zwischen Gänsehaut und Gähnen

Pretty Perfect
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Ich war sofort Feuer und Flamme, als ich die Beschreibung gelesen habe: Ein luxuriöses Resort in Big Sur, eine abgelegene Lage, ein toter Bräutigam im Pool, perfekt für ein stimmungsvolles, spannendes ...

Ich war sofort Feuer und Flamme, als ich die Beschreibung gelesen habe: Ein luxuriöses Resort in Big Sur, eine abgelegene Lage, ein toter Bräutigam im Pool, perfekt für ein stimmungsvolles, spannendes Setting. Die ersten Kapitel haben mich richtig reingezogen, und ich hatte das Gefühl, mich auf ein echtes Highlight im Stil von Agatha Christie einzulassen.

Leider hielt der Zauber nicht bis zum Ende. Nach dem fesselnden Einstieg wurde die Geschichte für meinen Geschmack zu überladen und unnötig kompliziert. Es gab einfach zu viele Nebenhandlungen, gestohlene Kunstwerke, verschwundene Personen, kryptische Rückblicke. Da ging für mich der eigentliche Nervenkitzel rasch verloren. Ich hatte manchmal das Gefühl, die Geschichte wusste selbst nicht so recht, wohin sie wollte.

Ellery als Hauptfigur mochte ich durchaus. Ihre persönliche Geschichte, ihr Schmerz und ihre Entwicklung waren glaubwürdig und emotional, das hat mich berührt. Aber der Rest drumherum? Eher zäh. Ich musste mich immer wieder motivieren, weiterzulesen, obwohl das Buch eigentlich gar nicht so lang ist.

Die Atmosphäre war toll, keine Frage, aber das alleine reicht leider nicht. Am Ende blieb bei mir eher das Gefühl zurück, dass hier viel Potenzial liegen gelassen wurde.

Kein Reinfall, aber leider auch kein Pageturner.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Stimmungsvolles Zeitbild mit kleineren Schwächen

Die Porzellanmanufaktur – Zerbrechlicher Frieden
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Ich liebe historische Romane und war deshalb sehr gespannt auf Die Porzellanmanufaktur – Zerbrechlicher Frieden von Stefan Maiwald. Die Nachkriegszeit, ein traditionsreiches Familienunternehmen und zwei ...


Ich liebe historische Romane und war deshalb sehr gespannt auf Die Porzellanmanufaktur – Zerbrechlicher Frieden von Stefan Maiwald. Die Nachkriegszeit, ein traditionsreiches Familienunternehmen und zwei Schwestern, die sich behaupten müssen, das klang nach einer vielversprechenden Mischung. Und tatsächlich bietet die Geschichte atmosphärisch viel: Der Wiederaufbau, der Kampf ums wirtschaftliche Überleben, persönliche Verluste und auch zarte Bande zu den Amerikanern bilden ein stimmiges Gesamtbild.

Trotzdem hat mich das Buch nicht vollständig abgeholt. Es war eher ein eher langsames Annähern. Die Charaktere, besonders die beiden Schwestern, bleiben anfangs recht zurückhaltend und brauchten für meinen Geschmack zu lange, um greifbarer und nahbarer zu werden. Erst im späteren Verlauf konnte ich besser mit ihnen mitfiebern. Ein paar Nebenfiguren gingen mir hingegen völlig verloren, sie wurden eingeführt, dann aber nicht weiterentwickelt.

Trotzdem gab es viele gelungene Momente. Besonders kleinere, intime Szenen empfand ich als sehr lebendig und fein beobachtet. Auch der historische Hintergrund wurde sehr stimmig eingeflochten, ohne zu belehren.

Insgesamt ein solider Reihenauftakt mit Atmosphäre und gut recherchiertem Zeitkolorit, aber auch einigen Längen und stilistischen Stolpersteinen. Ich bin dennoch neugierig, wie es weitergeht. Potenzial für die Folgebände ist auf jeden Fall da.

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Veröffentlicht am 30.07.2025

Zwischen Schein und Sein - eine magisch-melancholische Reise

Glory of Broken Dreams (Devil's Dance 1)
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„Glory of Broken Dreams“ ist ein Buch, das mich mit seinem besonderen Setting sofort neugierig gemacht hat. Ein luxuriöses Hotel, das mehr zu sein scheint als nur ein Ort, eher eine Art Figur für sich ...

„Glory of Broken Dreams“ ist ein Buch, das mich mit seinem besonderen Setting sofort neugierig gemacht hat. Ein luxuriöses Hotel, das mehr zu sein scheint als nur ein Ort, eher eine Art Figur für sich , war für mich einer der großen Reize dieser Geschichte. Und auch wenn ich mit manchen Aspekten gehadert habe, bin ich insgesamt zufrieden zurückgeblieben.

Charlotte und Willem, eine Tänzerin mit großen Träumen und ein Boxer mit schwerem Gepäck, sind zwei Charaktere, die sich langsam annähern und deren Entwicklung man aus zwei Perspektiven miterlebt. Gerade Willem konnte ich emotional gut (be)greifen, seine Zerrissenheit war für mich nachvollziehbar. Charlotte war mir dagegen manchmal ein bisschen zu weit weg, obwohl ich sie gern begleitet habe. Es hat mir gefallen, dass die Autorin beiden genug Raum gibt, ihre eigenen Geschichten zu erzählen, ohne dass die Liebesgeschichte zu viel überdeckt.

Ruby Brauns Stil ist gewohnt atmosphärisch. Sie schafft es, Bilder im Kopf entstehen zu lassen, ohne sich in Details zu verlieren. Besonders gut hat mir gefallen, wie sie sensible Themen angeht, achtsam, aber ohne sie zu sehr zu beschönigen. Es gibt Passagen, die sind bedrückend, aber auch solche, die Hoffnung spenden. Das hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Ein kleiner Wermutstropfen war für mich die Vielzahl an offenen gebliebenen Fragen. An manchen Stellen hatte ich das Gefühl, dass sich die Geschichte ein wenig verzettelt. Vielleicht klärt sich vieles im zweiten Band, aber mir hätte ein klarerer Fokus im ersten schon gereicht. Auch die Dynamik zwischen den Figuren hat noch Luft nach oben, an manchen Stellen wirkte sie etwas sprunghaft.

Trotzdem: Wer Geschichten mit düsterem Charme, einem Hauch Magie und leisen Zwischentönen mag, wird hier fündig. Für mich war es eine Mischung aus leuchtenden Momenten und kleinen Schatten, die am Ende aber eine insgesamt runde Leseerfahrung ergeben.

4 Sterne und Vorfreude auf Band zwei.

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Veröffentlicht am 24.07.2025

Geheimnisse hinter duftenden Mauern - atmosphärisch und besonders

Lavender House
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Lavender House hat mich positiv überrascht. Zwar ist es ein klassischer Whodunit, doch das Setting macht den Unterschied: Ein abgeschottetes Anwesen in den 1950ern, bewohnt fast ausschließlich von queeren ...


Lavender House hat mich positiv überrascht. Zwar ist es ein klassischer Whodunit, doch das Setting macht den Unterschied: Ein abgeschottetes Anwesen in den 1950ern, bewohnt fast ausschließlich von queeren Figuren. Das bringt eine besondere Dynamik und emotionale Tiefe mit sich.

Evander Mills, einst Polizist, wird nach seinem Outing gefeuert. Als ihn eine trauernde Witwe bittet, den Tod ihrer Frau zu untersuchen, landet er in einem Haushalt, der ihm erstmals echte Zugehörigkeit ermöglicht. Doch hinter der Fassade brodelt es, und der Tod der Matriarchin wirft viele Fragen auf.

Der Kriminalfall ist solide, wenn auch nicht in jeder Wendung überraschend. Dafür glänzt das Buch mit seinen vielschichtigen Charakteren und der stimmigen Atmosphäre. Besonders Andy als Hauptfigur wirkt sehr menschlich, verletzlich, zerrissen, glaubwürdig.

Etwas Luft hätte man der Geschichte nehmen können: Einige Motive wiederholen sich, und das Tempo ist nicht immer gleichmäßig. Dennoch: Wer Krimis mit Herz und historischem Flair mag, wird hier fündig.

Ich hoffe sehr, dass es mit Andy weitergeht.

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