Es geht auch ohne Beichtstuhl
MirabellentageMein erster Roman von Martina Bogdahn und mein erster Eindruck ist positiv! Ich bin in eine Welt eingetaucht, die ich nicht kenne, ins katholische, fiktive Dorf Blumfeld in Bayern, mit all seinen urigen ...
Mein erster Roman von Martina Bogdahn und mein erster Eindruck ist positiv! Ich bin in eine Welt eingetaucht, die ich nicht kenne, ins katholische, fiktive Dorf Blumfeld in Bayern, mit all seinen urigen und kauzigen Bewohnern und Geschichten.
Der Leser lernt sie alle kennen und fast würde ich sagen, auch lieben, die Bewohner und die Geschichten auch. Letztere erfährt man von der Haushälterin des verstorbenen Pfarrers Josef, man könnte beinahe meinen, sie wäre seine Witwe, aber nein, das geht ja nicht, sie war wirklich nur die Haushälterin. Und nun steht sie da mit ihrem Talent (sie kann nämlich so gut wie alles) und bekommt im Handumdrehen einen neuen Pfarrer ins Haus. Fridtjof, ein Norddeutscher wie er im Buche steht, und dessen Predigten sogar zum Nachkochen anregen. Aber da will ich nicht vorgreifen.
Anna, die Haushälterin, mit Mitte 50 noch längst nicht in Rente, versucht den „Neuen“ so gut es geht in die Geheimnisse von Blumfeld einzuweihen. Dass ihre Dorfgeschichten manchmal etwas lang werden, nun ja, das muss der Fridtjof wie der Leser aushalten, wenn er wissen will, wie die Geschichte ausgeht.
Was die Anna selbst betrifft, so braucht sie keinen Beichtstuhl, sie geht lieber auf den Dachboden und erzählt alles, was sie bedrückt, den ausgeknockten Heiligenfiguren. Der Fridtjof staunt nicht schlecht, als er das erste Mal unters Dach steigt im Pfarrhaus.
Der verstorbene Pfarrer Josef - der recht jung mit 57 Jahren beim heimlichen Kuchenschmaus um Mitternacht das Zeitliche segnete - hatte einen letzten frommen Wunsch, den nun die Anna erfüllen will, und bei diesem Vorhaben bekommt sie auch kräftige Unterstützung. Unter anderem ist da Manfred Tanner, der ehemalige Fahrschullehrer, mit dem sie sich verbündet, oder er sich mit ihr, ganz wie man es liest. Und die Asche soll ins Meer, koste es was es wolle.
Der schöne Mirabellenbaum in Pfarrers Garten hat natürlich auch seine Auftritte, die schönste Idee jedoch kommt von den Pfadfindern, die wollen nun endlich mal Schnaps brennen. Man kann ihn direkt auf der Zunge schmecken!
Es gibt traurige und tiefgründige Momente im Buch, einige lustige und manches kommt einem recht spanisch, nein, italienisch vor. Für Abwechslung ist jedenfalls gesorgt.
„… Das Leben ist am Ende doch so etwas wie eine Reise.“ sagt die vom Schicksal gebeutelte Frau Schuster zur Anna. Wie recht sie hat.
Das Cover ist eines der schönsten, das derzeit auf den Ladentischen liegen kann, selbst wenn die Rückseite nach oben schaut.
Fazit: Wer gern liebevoll erzählte Geschichten liest und sich davon in den siebten Lesehimmel bringen lassen will, der ist bei „Mirabellentage“ genau richtig.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.