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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.01.2026

Motivationssprüche und oberflächliche Tipps

Reden ist Silber, Schreiben ist Gold
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Thomas Brezina hat über 600 Bücher in verschiedenen Genres verfasst, die in über 40 Ländern gelesen werden und sich über 45 Millionen Mal verkauft haben. Deshalb war ich schon sehr gespannt darauf, was ...

Thomas Brezina hat über 600 Bücher in verschiedenen Genres verfasst, die in über 40 Ländern gelesen werden und sich über 45 Millionen Mal verkauft haben. Deshalb war ich schon sehr gespannt darauf, was er zum Thema Schreiben zu sagen hat und welche Tipps er angehenden Autor(inn)en gibt. Das Ergebnis war allerdings eher enttäuschend.
Immerhin ist der Stil ganz angenehm, die Ausführungen lesen sich flott. Dass der Autor mit den Lesern per Du ist, sorgt zwar einerseits für eine gewisse Nähe, wirkt jedoch streckenweise anbiedernd.
Vor allem aber ist das Werk inhaltlich ziemlich dünn. Von den ohnehin nur 250 Seiten sind viele lediglich halb bedruckt oder werden überhaupt leergelassen (damit man sich dort Notizen machen kann.) Ansonsten besteht ein großer Teil entweder aus persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen – nach dem Motto „So mache ich es, aber Du musst selbst den Weg finden, der für Dich/ Dein Buch am besten passt.“ – oder allgemeinen Motivationssprüchen. Dazwischen gibt es natürlich auch immer wieder echte Ratschläge, beispielsweise dazu, wie man eine geeignete Geschichte findet, wie man Figuren entwickelt oder einen Dialog gestaltet. Diese sind allerdings meist oberflächlich und haben mir keine wesentlichen neuen Erkenntnisse beschert.
Nun ist es zugegeben lobenswert, dass der Autor sich trotz all seiner Erfolge nicht als großer Zampano aufspielt, der den einzig wahren Weg zum Besteller kennt. Den durch die Inhaltsangabe geweckten Erwartungen wird das Buch aber eben nicht gerecht.

Veröffentlicht am 07.01.2026

Vier Kurz-Krimis mit Weihnachtsstimmung

Christbaum, Mord und Engelshaar
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Manfred Baumann hat für diesen Band vier Krimis verfasst, die sich rund um das Thema Weihnachten (bzw Silvester) drehen.
Zunächst muss das bereits aus anderen Werken des Autors bekannte Team um Kommissar ...

Manfred Baumann hat für diesen Band vier Krimis verfasst, die sich rund um das Thema Weihnachten (bzw Silvester) drehen.
Zunächst muss das bereits aus anderen Werken des Autors bekannte Team um Kommissar Martin Merana in einem Todesfall im Umfeld der spektakulären Fernseh-Show „The Golden Christmas Tree“ ermitteln. Anschließend ist der Mord an einer streitbaren Journalistin aufzuklären, die sich unter anderem gegen „machoide“ Weihnachtsmänner ausgesprochen hat, bevor im Londoner Sherry Club ein seltsames Wichtelgeschenk einige Fragen aufwirft. Zuletzt gibt es ein klassisches „Whodunit“, das in einem wegen eines Lawinenabgangs von der Außenwelt abgeschnittenen Ferienhaus spielt.

Angesichts der Kürze der einzelnen Episoden darf man hier keinen großen Spannungsbogen erwarten. Die Geschichten sind aber gut konstruiert und regen zum Miträtseln an, wobei der Täter meist erratbar, jedoch auch nicht zu offensichtlich ist.
Außerdem treten so manche interessanten oder skurrilen Personen auf, die für einigen Unterhaltungswert sorgen, und die immer wieder in die Handlung eingewobenen Informationen rund um Weihnachten, beispielsweise zu diversen Bräuchen, tragen zur richtigen Stimmung bei.
Insgesamt ist dies also eine passende Lektüre zur (Vor)weihnachtszeit.

Veröffentlicht am 07.01.2026

Amüsanter Regionalkrimi aus dem Burgenland

Kopftuchmafia
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Dieser von dem österreichischen Kabarettisten Thomas Stipsits verfasste und bereits mit dem Autor in der Hauptrolle verfilmte Kriminalroman spielt im burgenländischen Stinatz, einem Dorf, in dem sich gut ...

Dieser von dem österreichischen Kabarettisten Thomas Stipsits verfasste und bereits mit dem Autor in der Hauptrolle verfilmte Kriminalroman spielt im burgenländischen Stinatz, einem Dorf, in dem sich gut 60% zur kroatischen Volksgruppe bekennen und das trotz einer Einwohnerzahl von nur knapp 1300 nicht nur fünf Wirtshäuser beherbergt, sondern auch mit einigen bekannten Künstlern in Verbindung steht:
Inspektor Sifkovits vom Landeskriminalamt Eisenstadt wird in seine alte Heimat Stinatz entsandt, um den Mord an einer jungen Frau aufzuklären, die ausgerechnet am Tag ihrer Hochzeit getötet wurde. Er wohnt dort bei seiner Mama Baba, die ihn gemeinsam mit ihren Freundinnen (der namensgebenden Kopftuchmafia) mit allerlei Hintergrundinformationen zu den beteiligten Personen versorgt, und trifft zahlreiche alte Freunde und Bekannte.

Wie bei Regionalkrimis üblich, tritt die eigentliche Krimihandlung hier öfters in den Hintergrund zugunsten des Lokalkolorits. Der Erzählstil ist angenehm und gemächlich, Actionszenen sucht man vergeblich. Obwohl sämtliche Beschreibungen eher sparsam ausfallen, sind Personen und Situationen bildhaft vor meinem inneren Auge entstanden. Auch spürt man die Sympathie des Autors für Stinatz und seine Bewohner.
Die Auflösung am Ende ist allerdings nicht wirklich überraschend und die Erklärung, wie Sifkovits auf den Täter gekommen ist, wirkt nicht ganz überzeugend. Außerdem hätte die Geschichte mehr als 180 Seiten verdient gehabt.
Wer über ein paar Schwächen hinwegsehen kann, wird hier aber sicher gut unterhalten werden.

Veröffentlicht am 07.01.2026

Was ist eine Hexe?

Hexen
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Die Antwort auf diese Frage hat sich einerseits im Lauf der Jahrhunderte stark gewandelt, weist andererseits aber doch immer wieder erstaunliche Parallelen auf.
Die Autorin hat hier 13 Fälle von „Hexerei“ ...

Die Antwort auf diese Frage hat sich einerseits im Lauf der Jahrhunderte stark gewandelt, weist andererseits aber doch immer wieder erstaunliche Parallelen auf.
Die Autorin hat hier 13 Fälle von „Hexerei“ aus den letzten 500 Jahren ausgewählt, die sich in unterschiedlichen Ländern und vor unterschiedlichen historischen und gesellschaftlichen Hintergründen ereignet haben. An diesen Beispielen wird illustriert, welche Umstände dazu führen können, dass eine Person (meist eine Frau) als Hexe wahrgenommen wird und wie der Umgang mit Hexen und die „wissenschaftliche“ und juristische Bewertung von Hexerei in der jeweiligen Epoche ausgesehen haben. Außerdem zeigt sich, dass sowohl den als Hexen verfolgten Menschen als auch den Hexenjägern einige Charakteristika gemein sind.
Die Zusammenstellung der einzelnen Episoden ist durchaus interessant und regt dazu an, Vergleiche zu ziehen und sich zu dem einen oder anderen Ereignis weiter zu informieren.
Die Ausführungen bleiben allerdings sehr an der Oberfläche. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit den eigentlichen Ursachen für „Hexenjagden“, die unter anderem auch breiter angelegte soziologische und eventuell wirtschaftliche Rahmenbedingungen und erst recht psychologische Faktoren miteinbeziehen müsste, findet nicht statt.
Gestört hat mich außerdem die nervige Art des Genderns, die noch dazu inkonsistent ist. So werden beispielsweise „Nachbar:innen“ oder „Bürger:innen“ gegendert, „Hexenjäger“ aber nicht. (Obwohl es zumindest in der Gegenwart definitiv auch Hexenjägerinnen gibt.)

Veröffentlicht am 04.01.2026

Wie sich Informationsnetzwerke auf die Gesellschaft auswirken

NEXUS
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Der Historiker Yuval Noah Harari befasst sich in seinem neuen Werk mit Informationsnetzwerken und damit, wie diese sich durch das Aufkommen künstlicher Intelligenz verändern.
Er beginnt mit einem Überblick ...

Der Historiker Yuval Noah Harari befasst sich in seinem neuen Werk mit Informationsnetzwerken und damit, wie diese sich durch das Aufkommen künstlicher Intelligenz verändern.
Er beginnt mit einem Überblick über die Geschichte der Informationsverarbeitung, beschreibt die Folgen von bisherigen Weiterentwicklungen in diesem Bereich (zum Beispiel Erfindung der Schrift oder des Buchdrucks) und überlegt vor allem, was diese für die jeweilige Gesellschaft bedeuteten. Schon dabei wird klar, dass die meisten Entwicklungen sowohl positive als auch negative Auswirkungen hatten. So konnte der Buchdruck zur Verbreitung von Wissen dienen, trug aber auch zu den Hexenjagden zu Beginn der Neuzeit bei, und moderne Kommunikationssysteme und Massenmedien machten sowohl Massendemokratien als auch Totalitarismus erst möglich.
Anschließend lotet er aus, was sich durch die neuen „anorganischen Netzwerke“ ändern könnte und wird. Er erklärt, weshalb die KI-Revolution sich grundlegend von bisherigen Revolutionen in der Informationstechnologie unterscheidet und wie unser aller Leben davon beeinflusst werden wird, dass immer mehr KIs als zusätzliche Akteure in Netzwerken in Erscheinung treten, die bisher Menschen vorbehalten waren. Er konzentriert sich dabei vor allem auf negative Aspekte der KI: Seine Beispiele erstrecken sich von ihrer Fehlerhaftigkeit bzw unerwünschten Konsequenzen von schlecht formulierten Zielvorgaben über die Existenz eines niemals müde werdenden Netzwerks als ultimatives Überwachungsinstrument oder von Sozialkreditsystemen, die zum Ende der Privatsphäre führen, bis hin zu der Gefahr, dass Computer eines Tages ihre eigenen Mythologien erfinden oder dass die Welt durch einen „Silicon Curtain“ in unvereinbare Sphären unterteilt wird.
Der Autor ist von seinem Background her nicht unbedingt ein Experte für Informatik. Aus dieser Ecke kommende Veröffentlichungen zum Thema KI gibt es aber ohnehin schon genug. Hier wird dafür ein neuer Blick auf die Materie geworfen, der hilft, Zusammenhänge zu verstehen und die verschiedenen Innovationen und „Erfolge“, über die in den Medien immer wieder mal berichtet wird, zu einem größeren Bild zusammenzufügen. Gerade der Vergleich mit historischen Entwicklungen ist dabei besonders aufschlussreich. Auch dürfte der Inhalt gründlich recherchiert sein, wie die zahlreichen Anmerkungen belegen.
Der einzige Kritikpunkt könnte eventuell darin bestehen, dass der Autor die KI zu negativ darstellt. Mögliche positive Auswirkungen werden höchstens gelegentlich in einem Nebensatz erwähnt. Auch hierzu ist aber zu sagen, dass es genügend andere Veröffentlichungen gibt, in welchen die KI geradezu gefeiert und als Lösung für diverse Probleme verkauft wird.
Insgesamt ist dies daher eine interessante Lektüre, die wohl jedem neue Einsichten bieten kann, unabhängig davon, ob und wie intensiv man sich zuvor schon mit dem Thema KI beschäftigt hat.