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Karolina_Hruskova

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.03.2025

Phänomen OnlyFans: Mom-Edition

Only Margo
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Aus meiner Sicht ist der Roman nur alleine wegen seines Covers eine 10/10! Aber auch der Inhalt ist überzeugend: Margo, eine junge Studentin, verliert das pull out game mit ihrem Collegeprofessor und wird ...

Aus meiner Sicht ist der Roman nur alleine wegen seines Covers eine 10/10! Aber auch der Inhalt ist überzeugend: Margo, eine junge Studentin, verliert das pull out game mit ihrem Collegeprofessor und wird ungewollt schwanger. Beistand erhält sie nur von ihrem Vater, einem Ex-Wrestler mit Drogenproblemen. Um Geld zu verdienen, beginnt Margo schließlich mit OnlyFans. Klingt völlig schräg und ist auch genau das.

Und trotzdem steckt hinter Margos Geschichte noch so viel mehr als eine abgefahrene Kombination aus Babys, Wrestling und OnlyFans. Von Anfang an wird ihr vorgeschrieben, was das Beste für sie sei. Sie wird unterschätzt, klein geredet und bevormundet. Margo erwacht dann jedoch endlich aus ihrer anfänglichen Starre, als sie begreift, dass sie auch als Mutter selbstbestimmt leben und Geld verdienen kann, indem sie (aus der Not heraus) mit OnlyFans beginnt. Zuerst zaghaft und unsicher, versucht sich Margo an der neuen Einnahmequelle – und blickt schon bald auf wachsenden Erfolg, vor allem durch die Tipps ihres Vaters. Margo entwickelt sich zu einer selbstbewussten jungen Mutter, die äußerst engagiert ihr Business vorantreibt.

Gleichzeitig stößt sie auf Widerstand, denn sie sei als Sexarbeiterin eine Enttäuschung als Tochter, eine schlechte Mutter und verantwortungslos ihrem Baby gegenüber. Ich mochte die Kritik, die Rufi Thorpe an der Gesellschaft verübt. Warum wird eine Frau verurteilt, nur weil sie Sexarbeiterin ist? Verurteilt von Behörden, vom Vater des Kindes, von der eigenen Mutter – letztere haben Margo vorher auf unterschiedliche Art im Stich gelassen. Auch die Misogynie, der Margo im OnlyFans-Kontext gegenübersteht, war leider viel zu real. Ich kann mich nicht entscheiden, was ich schlimmer finde.

»Only Margo« war einfach nur schön zu lesen. Der Schreibstil war leicht und unterhaltsam und hat damit eine Geschichte, die nicht schriller auf Missstände hätte deuten können, herrlich verpackt. Im gleichen Zug deckt »Only Margo« ein Armutszeugnis auf, das so traurig ist, dass man eigentlich nur verzweifelt darüber lachen möchte. Ich bin wirklich froh, dass ich Margo kennenlernen konnte!

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Veröffentlicht am 10.03.2025

Ich liebe diese Bridget-Jones-Vibes!

No Hard Feelings
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Ich liebe Geschichten, die relatable sind und die mir zeigen, dass man mit dem eigenen schrägen Verhalten nicht alleine ist. Geschichten, die diese gewissen Bridget-Jones-Vibes haben. Und »No Hard Feelings« ...

Ich liebe Geschichten, die relatable sind und die mir zeigen, dass man mit dem eigenen schrägen Verhalten nicht alleine ist. Geschichten, die diese gewissen Bridget-Jones-Vibes haben. Und »No Hard Feelings« habe ich genau deshalb nur so verschlungen!

Penny ist 26 und ziemlich lost in ihrem Leben. Ihre Arbeit erfüllt sie nicht, ihr Freundeskreis hängt sie ab im Erwachsenwerden und ihre Beziehung mit Max ist eigentlich keine wirkliche Beziehung. Auf der einen Seite mochte ich Penny wegen ihrer Planlosigkeit, ihrer Authentizität und weil sie einfach wie jeder junge Erwachsene erst Orientierung im Leben braucht. Gleichzeitig fand ich sie manchmal aber auch sehr anstrengend, insbesondere wenn es um Max ging. Der war nämlich eine wandelnde red flag und Penny war leider punktuell sehr, sehr farbenblind.

Das Blatt hat sich dann gewendet, als Penny endlich anfing, sich und ihr Verhalten zu reflektieren. Ihre neuen Gedankengänge haben mir sehr gut gefallen und haben deutlich gezeigt, dass sie auf dem richtigen Weg war. Ihre Entwicklung und Erkenntnisse waren ermutigend und definitiv etwas, an das man hin und wieder wahrscheinlich selbst erinnert werden muss: Es ist okay, wenn man nicht perfekt ist. Wichtig ist nur, dass die Menschen um einen herum das auch akzeptieren - genauso wie wir unsere Liebsten für ihre Eigenheiten niemals verurteilen sollten.

Ich mag »No Hard Feelings« wirklich sehr. Die Charaktere waren ehrlich und direkt aus dem wahren Leben gegriffen, die Story hat sich wunderbar und leichtfüßig entwickelt und der Schreibstil war irgendwo zwischen ironisch und lustig-unterhaltsam. Ein absolutes Wohlfühlbuch!

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Bin zutiefst beeindruckt

Erdbeeren und Zigarettenqualm
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Ja, ja und ja zu »Erdbeeren und Zigarettenqualm«! Anfangs war ich skeptisch wegen des Du-Erzählers, weil mir die Art der Erzählung fremd und gewöhnungsbedürftig war. Doch schon bald war die Geschichte ...

Ja, ja und ja zu »Erdbeeren und Zigarettenqualm«! Anfangs war ich skeptisch wegen des Du-Erzählers, weil mir die Art der Erzählung fremd und gewöhnungsbedürftig war. Doch schon bald war die Geschichte genau deshalb unfassbar intensiv und gewann zunehmend an Nähe, bis es sich plötzlich wie meine eigene Geschichte angefühlt hat.

Über einige Jahre hinweg begleitet man die namenlose und junge Protagonistin auf der Suche nach ihrer Identität und beobachtet dabei, wie sie die Kontrolle und sich selbst verliert. Madeline Docherty nutzt eine ehrliche, unbeschönigte und einfache Sprache, die auf gnadenlose Weise den Strudel der Selbstzerstörung und Teilnahmslosigkeit wiedergibt, in den die Protagonistin nach und nach gerät.

Über allem schwebt die chronische Erkrankung der Protagonistin. Bis sie die Diagnose Endometriose erhält, ist sie längst Opfer falscher Behandlungen, Ignoranz, ihrer Selbstzweifel und des Leidensdrucks geworden. Madeline Docherty macht eindringlich auf die Erkrankung und deren Auswirkungen aufmerksam und verwebt im Roman die mentalen und physischen Konsequenzen mit der Erkundung der eigenen Identität und Sexualität, mit dem Erwachsenwerden, Frausein, mit Verantwortung und Beziehungen. Auch Schmerz in jeglicher Form ist allgegenwärtig. Oft stolpert die Protagonistin, wird aber jedes Mal von Ella und ihrer gemeinsamen Freundschaft aufgefangen. Bis Grenzüberschreitungen tiefe Risse in die Freundschaft treiben und die Stabilität verschwindet.

»Erdbeeren und Zigarettenqualm« ist ein eindrucksvolles und außergewöhnliches Debüt, das mich insbesondere durch seine Nähe und emotionale Verbundenheit von sich überzeugt hat. Eine ganz große Empfehlung und mit Madeline Docherty definitiv auch eine Autorin, auf deren weitere Werke ich jetzt schon sehr gespannt bin.

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Veröffentlicht am 11.02.2025

Ausdrucksstarkes Debüt

Wenn wir lächeln
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Genauso sprunghaft wie der Roman gestaltet ist, sind auch meine Gedanken dazu. Da für mich kein roter Faden erkennbar und die Erzählung sehr konfus war, hat die Story noch lange nachgehallt. Vieles ist ...

Genauso sprunghaft wie der Roman gestaltet ist, sind auch meine Gedanken dazu. Da für mich kein roter Faden erkennbar und die Erzählung sehr konfus war, hat die Story noch lange nachgehallt. Vieles ist fein versteckt zwischen den Zeilen und erst auf den zweiten Blick sichtbar.

Durch episodenhafte Einblicke zeichnet sich ein Bild von Jara, Anto und ihrer Freundinnenschaft ab. Beide brauchen einander: Anto ist laut, braucht Aufmerksamkeit, eine Bühne für ihren Charakter. Jara blickt zu ihr auf, lässt sich leiten, bietet Anto den benötigten Raum. Ihre Schwesternschaft ist geprägt von Wut und Gewalt, von Zusammenhalt und füreinander da sein. Von Grenzen überschreiten, Limits testen. Immer mehr. Auf diese Weise dem Druck der Gesellschaft antworten.

Doch als eine Ausnahmesituation eintritt, hat sich die Freundinnenschaft bereits verändert. Zuerst nicht greifbar, nicht benennbar, bemerkt Jara rückblickend schließlich die Entfremdung zwischen sich und Anto. Ihre Beziehung wirkt hinter der Fassade, ihrer Wut, sehr fragil.

Während des Lesens habe ich mich oft gefragt, wer Jara ohne Anto eigentlich wäre. Ihre Individualität geht unter, sie wird von Anto geformt. Bruchstückhaft erzählt Jara von ihren Erinnerungen und ihrem leisen Ausbruch aus der Freundinnenschaft. Dass die Ausnahmesituation sie aufwühlt und verwirrt, ist sprachlich sowie erzählerisch abgebildet. Geschichte und Sprache haben aufeinander abgefärbt: Der Ton war hart und kaschierte dabei viele Unsicherheiten.

Ich werde »Wenn wir lächeln« gerne irgendwann wieder lesen, denn es hat viel mehr zu erzählen, als man beim ersten Mal wahrnimmt. Es war eine bedeutungsschwere, laute, sehr intensive, aber auch nachdenkliche Geschichte über zwei Freundinnen, die sich gefunden und miteinander verloren haben. Ein gelungenes Debüt!

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Kommt leider nicht ganz an Band 1 heran

The Dixon Rule
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Nachdem mich Band 1 der Reihe begeistert hat, war ich natürlich sehr gespannt darauf, ob Band 2 mithalten kann. Die Antwort lautet: bedingt. Der Umgang mit einem Thema hat mir leider nicht zugesagt, deshalb ...

Nachdem mich Band 1 der Reihe begeistert hat, war ich natürlich sehr gespannt darauf, ob Band 2 mithalten kann. Die Antwort lautet: bedingt. Der Umgang mit einem Thema hat mir leider nicht zugesagt, deshalb fällt es mir schwer, hier auch fünf Sterne zu vergeben.

Gelesen hat sich »The Dixon Rule« wieder sehr gut. Der Schreibstil war flüssig, es war unterhaltsam, dynamisch und an den passenden Stellen humorvoll.
Diana hat mit ihrer nicht nachvollziehbaren Abneigung gegen Shane anfangs genervt. Ihn fand ich hingegen einfach nur witzig. Leider war mir lange nicht klar, worauf die Geschichte eigentlich hinaus wollte. Alles wirkte erst einmal wie ein Kuddelmuddel.

Für gutes Fake Dating bin ich generell immer zu haben - aber ganz ehrlich: Es hätte besser sein können. Es war in Ordnung, keine Frage, und war auch natürlich in die Handlung integriert. Aber auf mich wirkte es eher nur als eine Randerscheinung. Schade, ich hatte mir mehr davon erhofft. Die letzten Kapitel waren mir dann auch too much, zu überdramatisiert und unnötig. Zur Handlung hat es nur noch wenig beigetragen.

Mein größter Kritikpunkt wäre dann erneut Diana bzw. auch Elle Kennedy als Autorin, denn mir hat es überhaupt nicht gefallen, wie die Situationen mit ihrem Ex-Freund gehandhabt wurden. Hier hätte ich mir deutlich mehr Stärke erhofft. Denn es ist immer die Sprache davon, dass NA-Romane auch eine Vorbildfunktion haben - dann sollten sie dem auch gerecht werden.

Alles in einem fand ich »The Dixon Rule« okay. Es hat Spaß gemacht zu lesen, wenn auch die Handlung diesmal ausbaufähig bleibt.

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