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Kastainenecker

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.04.2019

Pia Korittkis 14., absolut spannender Fall

Ostseeangst
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Während sich Kommissarin Pia Korittki in Eva Almstädt’s vierzehnten Kriminalroman „Ostseeangst“ in ihre Arbeit stürzt, um sich von dem schmerzlichen Verlust ihres Freundes Lars abzulenken, entdeckt Becca ...

Während sich Kommissarin Pia Korittki in Eva Almstädt’s vierzehnten Kriminalroman „Ostseeangst“ in ihre Arbeit stürzt, um sich von dem schmerzlichen Verlust ihres Freundes Lars abzulenken, entdeckt Becca Merthien im Verlauf ihrer Wanderkajaktour mit einigen Jugendlichen, eine abgetrennte Hand. Zunächst kann die Polizei weder etwas zum Verbleib des dazugehörigen Körpers entdecken, noch die Identität des Verstümmelten ermitteln. Zu allem Überfluss verschwindet schließlich auch noch Becca Merthien als wichtige Zeugin und Pia wird in diesem Zuge auf weitere Vermisstenfälle aufmerksam. Währenddessen versucht sie die Bewohner des in der Nähe gelegenen Dorfes wenigstens ein wenig zur Mitarbeit zu bewegen und stößt dabei auf den von Geheimnissen und Ungereimtheiten nur so brodelnden und offensichtlich in Familienstreitigkeiten verstricken Bauernhof der Familie Schuster.


Für mich ist das nicht nur das erste Buch der Autorin Eva Almstädt gewesen, sondern auch der erste Fall Pia Korittkis, den ich mitverfolgt habe, weshalb ich völlig unvoreingenommen an das Buch herangehen konnte. Schon als ich das Buch schließlich in den Händen gehalten habe, hat mich das Cover mit seinem starken Kontrast zwischen dem Orange des Namens der Autorin und den finsteren Wolken des Hintergrundbildes – was eine düstere, spannende, absolut zur Handlung passende Atmosphäre schafft – überzeugt.
Schon das erste Kapitel begann für mich spannend und zwar in einer Form, welche die Autorin dass gesamte Buch durchgehalten hat. Sehr lobenswert, weil ich dadurch stetig am lesen geblieben bin und gar nicht die Chance hatte, dass Interesse zu verlieren. Dass erreicht Eva Almstädt zum einen durch den Umstand, dass obwohl ich die ganze Zeit versucht habe, mit Pia zusammen zu ermitteln und vielleicht vor ihr, den Täter zu erraten, ich immer im dunklen tappte. Ich hatte nur eine dumpfe Ahnung, dass meine verdächtige Person ebenfalls ein Geheimnis hütet, was dann aber auf so viele der Charaktere zutraf, dass ich nichts schlechtes vermutete. Es ist der Autorin damit also vorzüglich gelungen, ihr Buch für mich spannend zu halten, mich in die Irre zu führen und mit ihrem Ende zu überraschen. Unterstützt wurde die abwechslungsreiche Ermittlung durch äußerst facettenreichen, authentischen Charaktere, deren jeweiligen Geschichten der Leser erst nach und nach erfuhr, sowie nachvollziehen konnte. Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist die Nebenhandlung aus Pia’s Leben, in welchem sie versucht, mit ihrem Verlust aus der Handlung des vorherigen Buches fertig zu werden und dabei trotzdem eine gute Mutter für ihren kleinen Sohn, Felix, zu sein. Diese Situation hat die Geschichte noch einmal aufgelockert und die Spannung zudem weiter gesteigert, aus meiner Sicht. Ein weiterer positiver Aspekt besteht für mich daran, dass man mir als Leser so interessante Einblicke in die Polizeiarbeit gewährte, was die Autorin in ihrer Geschichte nicht nur durch Details einführte, sondern auch durch die Zusammenarbeit Pia’s mit einer anderen Abteilung – die ja nicht immer unkompliziert verlief – unterstrich. Für mich war dadurch der Lesespaß absolut gegeben und ich bin vollkommen zufrieden, mit der Umsetzung des Buches. Es ist sogar eher so, dass ich, als ich den Klappentext las, mit viel weniger Spannung und so interessanten Charakteren gerechnet hätte.


Zusammenfassend kann ich dieses Buch wirklich empfehlen, zumindest, wenn man Spaß an Krimis mit überraschenden Wendungen, die aber auch immer wieder durch alltägliche Situationen aus dem Leben der Ermittlerin aufgelockert werden, hat und gerne in die alltägliche Polizeiarbeit verschiedener Bereiche blicken möchte. Dabei ist es nicht mal zwingen nötig, die Bände in einer Reihenfolge zu lesen, da das Buch in sich abgeschlossen ist und ich zu keiner Zeit das Gefühl hatte, viel aus dem vorherigen Handlungen verpasst zu haben.
Eva Almstädt’s Krimi ist spannend, abwechslungsreich und überraschend, also absolut empfehlenswert!

Veröffentlicht am 11.06.2019

Da werden Erinnerungen an die Schulzeit wach!

Fünf Sterne für dich
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In Charlotte Lucas neustem Buch „Fünf Sterne für dich“ stürzt sich die begeisterte Quereinsteigerin Pia Flemming in ihren Beruf als Lehrerin, in welchem sie prompt die Leitung einer Klasse mit ihrem Kollegen ...

In Charlotte Lucas neustem Buch „Fünf Sterne für dich“ stürzt sich die begeisterte Quereinsteigerin Pia Flemming in ihren Beruf als Lehrerin, in welchem sie prompt die Leitung einer Klasse mit ihrem Kollegen Tom Wohlfahrt übernehmen darf. Bei einem Elternabend lernt Konrad Michaelsen die Klassenlehrer, Pia und Tom, seiner Tochter Mathilda kennen. Um sich nicht allzu sehr bei Pia’s absolut durchstrukturierten, umfassenden Elternabend zu langweilen, wendet sich Konrad seiner Lieblingsbeschäftigung zu, mit welcher er auch sein Geld verdient: Er verfasst Rezensionen und schreibt in diesem Sinne auch eine kurze, aber weniger freundliche Bewertung über beide Klassenlehrer. Blöd nur, dass ausgerechnet Pia diese in die Hände bekommt und bald ihren Rachefeldzug gegen den frisch ernannten Elternsprecher beginnt. Dabei muss sie sich zudem um eine sehr zerstrittene Klasse kümmern, in welcher Themen wie Mobbing und Ausgrenzung eine große Rolle spielen.

Den Titel halte ich für absolut passend, denn er spielt perfekt auf Konrads Job und so viele Facetten innerhalb des Buches an, unter anderem natürlich, auf seine Bewertung Pia betreffend, welche er später sicher noch einmal ändern muss, sodass ich mir keinen passenderen Titel vorstellen könnte!
Besonders gut gefallen hat mir an dem Buch, dass Themen wie Mobbing und Ausgrenzung aufgegriffen werden, was in heutigen Schulen kein unbekanntes Problem ist. Die Autorin schafft es dabei wunderbar zu beweisen, wie sinnfrei und willkürlich solche Attacken in der Regel sind und dass daher gar nicht immer ein Grund für die Ausgrenzung eines Mitschülers vorliegt.
Die Wahl der Charaktere empfand ich in diesem Sinne als sehr passend gewählt, denn sie konnten die Geschichte sehr authentisch stützen und dem Leser das Gefühl vermitteln, annähernd reale Personen vor sich zu haben. Pia Flemming wirkt nach außen sehr jung, etwas unsicher oder unerfahren, übereifrig, lieb und nett. Im Laufe der Handlung zeigt sie aber, was wirklich in ihr steckt, was ich nicht als Wandlung bezeichnen würde, denn der Leser und die anderen Charaktere lernen schlicht weitere Seiten der jungen Frau kennen. Denn Pia kann selbstbewusst sein und sich gegen andere Menschen behaupten. Sie ist kreativ, einfühlsam, taktvoll und aus ganzem Herzen eine Lehrerin, weshalb sie zu gern kostbare Freizeit für ihre Schützlinge opfert, denn deren Wohlbefinden hat oberste Priorität. Ihr anfänglicher Gegenspieler Konrad dagegen ist sehr verschlossen und in sich zurückgezogen, was mit seiner Vergangenheit zusammen hängt. Er versteckt seine Verletzlichkeit und Unsicherheit hinter einem verletzenden, hart urteilenden Mann, dem aber alles an seiner Tochter liegt.
Richtig Schwung in die Geschichte können aber auch Tom Wohlfahrt, Mathilda, der ausgegrenzte Finn-Lasse und die schwierige Mitschülerin Pauline zusammen mit ihrer Mutter Frau Richter bringen, denn sie haben genauso starke Persönlichkeiten, wie die beiden Protagonisten.
Während der ganzen Zeit habe ich das Buch nur so verschlungen und konnte mich, zu meinem Beschämen, nicht an Leseabschnitte halten, denn es war einfach zu spannend. Als Leser möchte man unbedingt wissen, wie sich die Situation der beiden sehr starken Hauptcharaktere Pia und Konrad weiter entwickelt und wie sie die Konflikte rund um und in Mathildas Klasse lösen. Außerdem möchte man selbstverständlich auch erfahren, welches schreckliche Geheimnis Mathildas Vater Konrad mit sich herumschleppt und ihn so zurückgezogen hat werden lassen. Dass dabei vor allem Pia zeigt, wie Facettenreich ihr Charakter ist, hat mich sehr gefesselt und fasziniert. Unterstützt wird das ganze durch den häufig erheiternden Schreibstil der Autorin, die es schafft, selbst ernste Themen – wie Mobbing – nett zu verpacken, ohne dass dabei die Ernsthaftigkeit verloren geht, was definitiv eine bewundernswerte Eigenschaft ist.
Das Ende war mir persönlich doch etwas zu abrupt, denn nachdem die Autorin Konrad’s Geheimnis so lange herausgezögert hat, hätte ich mir da doch etwas mehr Text erhofft und war über die kurze Abhandlung regelrecht enttäuscht.

Dieses Buch hat absolut gehalten, was der Klappentext versprochen hat und ist daher nur empfehlenswert, zumindest wenn man an einer süßen Liebesgeschichte, mit viel Witz aber auch sehr aktuellen und ernsthaften Themen mit denen Kinder heute definitiv belastet werden, interessiert ist. Dieses Buch ist lustig, spannend und brandaktuell Schulthemen betreffend!

Vielen Dank, dass ich dieses Manuskript vorab lesen durfte und die Chance hatte, der Autorin Fargen zu stellen (welche sie leider nicht beantworten konnte, was schade ist)!

Veröffentlicht am 28.05.2019

süße Geschichte, mit schönen Naturbeschreibungen

Libellensommer
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Die fünfzehnjährige Jodie aus Antje Barbendererdes Buch „Libellensommer“ lernt an einer Tankstelle den Indianer Jay kennen, weiß aber nicht, dass sie keinen Tag später mit ihm durch die Wildnis streifen ...

Die fünfzehnjährige Jodie aus Antje Barbendererdes Buch „Libellensommer“ lernt an einer Tankstelle den Indianer Jay kennen, weiß aber nicht, dass sie keinen Tag später mit ihm durch die Wildnis streifen wird, fernab jeder Zivilisation, nachdem er sie vor einem übergriffigen Truckfahrer rettete. Nur notgedrungen nimmt Jay sie mit in die kanadische Wildnis, führt sie zu dem kleinen Indianerlager, in dem er mit seinen Freunden, seiner Familie lebt. Diese Reise soll das Leben der ängstlichen, vielleicht etwas unreifen Jodie von Grund auf verändern, denn sie lernt eine Welt fernab von Süßigkeiten, Luxus und ja, Zeit, lieben, die so voller Magie in ihrer Schlichtheit ist.


Die ängstliche Jodie mit einem unheimlichen Laster zu Süßigkeiten, sowie einer nicht ganz so versteckten Schwärmerei zu ihrem Internetfreund Tim steht einem wortkargen, nachdenklichen Indianerjungen gegenüber, der in seinem kurzen Leben bereits viel erleben musste und mit diesen Ereignissen in der Natur reifte. An Jay’s Seite durchläuft Jodie eine überraschende Wandlung, lernt was wichtig im Leben ist und beginnt, ihr eigenes Handeln, ihre eigenen Fehler zu hinterfragen. Diese Wandlung war für mich sehr interessant zu beobachten.
Loben hervorwähnen möchte ich insbesondere die detaillierten Naturbeschreibungen der Autorin, die dem Leser das Gefühl vermitteln können, selbst fernab der Zivilisation in Kanada zu sein. Bei diesem Schreibstil fällt das Auge für’s Detail der Autorin stark auf und bringt dem Leser dabei nicht nur die Natur Kanadas näher, sondern zeigt auch dass moderne Leben eines winzigen Indianerstammes im einundzwanzigsten Jahrhundert.
Gleich anfangs habe ich mich für das Buch begeistern können, dass vielleicht nicht die typische Art der Spannung bereithält, aber durch seine Magie in Sachen Naturbeschreibung und dem Umstand, dass man lernt die Welt einmal von einer ganz anderen Seite aus zu betrachten, trotzdem sehr überzeugt. Für mich wird das Leben der Indianer im einundzwanzigsten Jahrhundert sehr gut und nachvollziehbar dargestellt, während man sich mit der pubertierenden, anfangs noch sehr unreifen Jodie trotzdem gut identifizieren kann. Mein Lesespaß blieb bis zur letzten Seite erhalten, was nicht zuletzt dem Thema des Buches und dem Schreibstil der Autorin zu verdanken ist!

Zusammenfassend kann ich dieses Buch jedem empfehlen, der sich für das Leben der Ureinwohner Amerika’s zur heutigen Zeit interessiert und dabei auch sehen möchte, wie ein Mädchen langsam erwachsen wird.

Veröffentlicht am 28.05.2019

Beeindruckend, berührend und mutmachend!

Speechless - [Sprachlos]
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Kein anderes Buch, hat jemals diese Reaktion in mir hervorrufen können, wie Hannah Harrington’s „Speechless“.

Chelsea liebt Klatsch und Tratsch, sie kann eigentlich kein Geheimnis für sich behalten. ...

Kein anderes Buch, hat jemals diese Reaktion in mir hervorrufen können, wie Hannah Harrington’s „Speechless“.

Chelsea liebt Klatsch und Tratsch, sie kann eigentlich kein Geheimnis für sich behalten. Und so ist es auch kaum verwunderlich, dass sie auf einer Party, nachdem sie unfreiwillig Zeuge einer intimen Situation zwischen zwei ihrer Mitschüler geworden ist, diese outet. Die Folgen könnten kaum schrecklicher sein, denn Noah wird zusammengeschlagen und fällt ins Koma. Chelsea, die ihr Herz am richtigen Fleck hat, wird von Gewissensgebissen geplagt, hat jedoch versprochen, nicht zu sagen, dass welcher ihrer Mitschüler als Täter in Frage kommt. Kaum packt Chelsea vor der Polizei aus, ist sie in der Schule bei allen durch und fällt in der imaginären Beliebtheitsliste wohl in den Minusbereich. Täglich muss sie sich mit den oftmals nicht nur verletzenden, sondern bösartigen Mobbing ihrer Mitschüler auseinandersetzen, kann sich aber nicht groß wehren, weil sie sich geschworen hat, niemals wieder in eine Situation zu kommen, in der sie besser den Mund gehalten hätte. Chelsea hat ein Schweigegelübde abgelegt, sie schweigt dreißig Tage, vor allem um sich selbst zu bestrafen für das, was sie Noah und dessen Freund angetan hat. Dass ihr von ganz besonders unerwarteter Seite verziehen wird und sie lernt, was wirklich wichtig im Leben ist, damit hätte sie wohl nie gerechnet.


Das Cover ist schlicht und hat mich nicht besonders angesprochen, aber dafür kann sich der Inhalt wirklich blicken lassen! Die Autorin schafft es perfekt, eine Situation zu konstruieren, die in unserer heutigen Welt nicht ganz undenkbar ist. Chelsea wählt einen ungewöhnlichen Weg, mit ihren Schuldgefühlen und den Zurückweisungen ihrer Mitschüler umzugehen, indem sie einen Monat lang schweigt. So ungewöhnlich diese Idee ist, sie ist offensichtlich effektiv und zeigt, wie viel man auch ohne Worte übermitteln kann. Dass das Leben auch ohne Worte funktionieren kann und wie mächtig Stille ist. Für mich als Leser war diese Wandlung von einer sehr lauten Chelsea, die nichts für sich behalten konnte, zu einer stillen, sprachlosen Chelsea extrem interessant. Mitfühlend kann der Leser verfolgen, wie Chelsea in der Schule dranglasiert wird, von ihren eigentlichen Freunden. Und wie sie sich dagegen behauptet, ohne ein Wort zu sagen. Jeder der selbst einmal in dieser Situation war – gemobbt, ausgeschlossen und gemieden zu werden – wird Chelsea besonders bewundern. Aber auch sehen können, wie sie mit ihrem Leben fertig wird und an Stärke dazu gewinnt. Dies ist eine Geschichte über die Macht der Worte, über die Kraft der Freundschaft und was vor allem wahre Freundschaft ausmacht. Diese Geschichte zeigt, was es bedeutet zu vergeben. Sich und anderen. Ich kann nicht wirklich in Worte fassen, was dieses Buch in mir auslöste, als ich es das erste Mal las (denn wie oft ich es bisher gelesen habe, kann ich nicht mehr sagen.. 10 mal? 20 mal? Öfter?). Als ich es das erste Mal zuende las, schlug ich es zu, legte mich einen Moment schweigend auf den Rücken, brachte das Buch nach unten, ging wieder hoch, kehrte um, nahm das Buch wieder und begann es, keine fünf Minuten nach Beendigung von vorne zu lesen. Wieder bis zum Ende durch. Ich kann nicht genau sagen, was mich nach wie vor so sehr in beschlag nimmt, fasziniert, aber dieses Buch ist ganz sicher lesenswert, denn es zeigt soviel auf, in einer dabei so normalen Welt, wie du und ich sie jeden Tag vor unserer Tür finden. Werte wie Toleranz werden durch dieses Buch perfekt übermittelt und machen einem Leser klar, dass es völlig okay ist, so zu sein, wie man ist.

Ich halte dieses Buch vor allem in der Pubertät für absolut lesenswert! Ich kann es nur aus vollem Herzen weiter empfehlen und jedem nahe legen, der neugierig ist zu sehen, wie ein Mädchen ohne Worte klar kommen kann und lernt, was Vergebung bedeutet.

Veröffentlicht am 28.05.2019

Lesenswert und tief berührend

Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen.
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Leni ist ein ganz gewöhnliches Mädchen in ihrem letzten Schuljahr voller Träume und Wünsche, bis sich plötzlich etwas in ihr verändert, dass sie anfangs nicht klar benennen kann und es ihr schnell unmöglich ...

Leni ist ein ganz gewöhnliches Mädchen in ihrem letzten Schuljahr voller Träume und Wünsche, bis sich plötzlich etwas in ihr verändert, dass sie anfangs nicht klar benennen kann und es ihr schnell unmöglich macht, einen Fuß in die Schule zu setzen. Nachdem sie mit ihren verzweifelten Eltern Unmassen Ärzte abklapperten, wird eine zermürbende Diagnose aufgestellt, die Leni nicht soviel Hoffnung macht, ihr Leben je so wie früher leben zu können. Zunehmen verzweifelt, zieht sich Leni von ihrem Leben zurück, immer wieder geschüttelt von schrecklichen Panikattacken, Angstzuständen und einer Depression, die ihr zunehmend den Lebensmut rauben und ihr zeigen, vor welchen Scherbenhaufen von Leben sie steht, bis sie auf Matti trifft, einem Jungen in ihrem Alter, auf dessen Schultern ein ganz anderes Päckchen ruht, mit dem er genauso wenig fertig wird, wie Leni. Die beiden gehen auf eine verrückte, unerwünschte Reise, durch ihr Leben, in dem sie ihren Ängsten, Hoffnungen und Wünschen begegnen und lernen, mit diesen auf ihre Art fertig zu werden.

Gleich ins Auge sticht dieses wunderschöne Cover, mit seinen blau, grün und schwarz Schattierungen, auf denen sich eine weiße Schrift abzeichnet. Allein der Titel von Ava Reed’s Buch „Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen.“ hat mir eine Gänsehaut über den Körper gejagt, weil er doch so wahr ist, in diesem Titel soviel steckt.
Das Buch beginnt mit einem sehr persönlichen Vorwort der Autorin, dass meine Achtung das erste Mal vor ihr wachsen lässt. Es folgt die emotionale Geschichte eines Mädchens – immer wieder unterstützt von selbstgezeichneten Tagebucheinträgen, die in ihrer Kürze soviel aussagen und dabei Leni’s Situation dem Leser so verständlich machen können – dass mit einer Krankheit fertig werden muss, mit der viele Menschen heutzutage zumindest am Rande in Berührung kommen. Diese Geschichte ist auf eine völlig andere Art spannend, als so viele andere Bücher. Als Leser ist man besorgt um Leni, man möchte ihr helfen aber weiß genauso wenig wie sie, wie man dass anstellen sollte. Es gibt keine Medikamente für Leni’s Krankheit und doch kann man in diesem Buch eine ganz überraschende Wandlung eines vielseitigen Charakters beobachten. Leni und Matti wachsen in dieser Geschichte über sich hinaus und gehen auf ihre Art mit ihrem Schicksal um. Tief berührend endet die Geschichte schließlich und man stößt als Leser auf ein noch viel, viel persönlicheres Nachwort der Autorin, dass für mich wohl das beste und berührendste des ganzen Buches war. In einer beneidenswerten Offenheit erklärt die Autorin, wie sie zur Grundidee des Buches gelangte, indem sie ihre eigene Situation schildert. Mit mutmachenden Worten richtet sie sich dabei direkt an den Leser und alle Menschen, denen es ähnlich wie Matti oder Leni geht. Dabei hat sie zumindest mich mitten ins Her getroffen. Mir standen die Tränen in den Augen, nicht nur einmal. Die Offenheit und die persönliche Natur Ava Reeds hat mich tief berührt, dass werde ich wohl nie vergessen. Dabei konnte man viel aus diesem Buch lernen, vor allem, wie wichtig es ist, immer weiter zu kämpfen, selbst wenn es keinen Weg zu geben scheint.

Wer bereit ist, eine Geschichte mit authentischen Charakteren, die einen nicht nur zum nachdenken, sondern vielleicht auch zum weinen bringen können und einem dabei soviel vermitteln und einer Autorin, die offen über (psychische) Krankheiten spricht, sollte dieses Buch unbedingt lesen!