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Veröffentlicht am 24.08.2018

Von einer Frau, die die eigenen Träume aufgibt, um für Andere dazusein

Beim Ruf der Eule
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Zusammenfassung:
Maeve Maloney ist eine robuste alte Lady, die eine kleine, von den Eltern geerbte, Pension am Meer führt. Sie hat sich auf die Beherbergung von Menschen mit Behinderungen spezialisiert. ...

Zusammenfassung:
Maeve Maloney ist eine robuste alte Lady, die eine kleine, von den Eltern geerbte, Pension am Meer führt. Sie hat sich auf die Beherbergung von Menschen mit Behinderungen spezialisiert. Eines Tages steht Vincent Roper vor der Tür, ihre Jugendliebe und der einzige Mensch, der noch von ihrer Zwillingsschwester Edie weiß. Sie versucht Vincent wieder loszuwerden, zu schmerzvoll sind die Erinnerungen und Schuldgefühle.
In einem Nebenstrang geht es im Steph und Len, 2 Menschen mit Down-Syndrom, die Maeve in der Pension helfen und sich ineinander verliebt haben.

Meine Meinung:
Mich konnte das Buch leider nicht begeistern. Es beginnt mit dem anstrengenden Schreibstil. Es gibt viele Zeitsprünge, manchmal in einer Zeile. Erschwert wird das noch durch den Umstand, dass der Zeitstrang, der in den 1950iger Jahren spielt, im Präsenz und der Zeitstrang der in der Gegenwart spielt, im Präteritum geschrieben ist. Das hat meinen Lesefluss sehr behindert. Ich habe das Buch immer wieder weggelegt und musste mich selbst motivieren, es zu Ende zu lesen.

Die Geschichte zieht sich zäh dahin, es passiert kaum etwas. Man tappt die ganze Zeit im Dunkeln, was nun damals mit Edie geschehen ist, warum Maeve ihren Verlobten Frank nicht geheiratet hat und welche Rolle Vincent spielt, der doch immer für Maeve da ist und sich so herausragend gut kümmert.
Die Figuren konnten mir nicht ans Herz wachsen. Maeve ist und bleibt eigenwillig und nicht besonders liebenswürdig obwohl sie ein wirklich guter Mensch ist.

Interessant dagegen sind die Passagen über Menschen mit Down-Syndrom. Hier spürt man das Wissen der Autorin.
Am besten hat mir das Schlusswort der Autorin gefallen, dass mir wohl am längsten in Erinnerung bleiben wird.

  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Umsetzung
Veröffentlicht am 16.08.2018

Ein Stoffling!

Das rote Kleid
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Ich konnte anfangs nichts mit der Idee von Kleidungsstücken, die eine Seele haben und sprechen können, anfangen. Welch abstruser Gedanke! Sowas kann doch nicht gut werden! Nachdem ich im Buchladen dann ...

Ich konnte anfangs nichts mit der Idee von Kleidungsstücken, die eine Seele haben und sprechen können, anfangen. Welch abstruser Gedanke! Sowas kann doch nicht gut werden! Nachdem ich im Buchladen dann doch nicht an dem wunderscönen Cover vorbeigehen konnte (auch das Hörbuch ist nämlich wirklich nett aufgemacht), sage ich nun: Doch, kann es!
Guido Maria Kretschmer liest die Anascha so wunderbar einfühlsam, dass es eine Wonne ist, zuzuhören, ich habe jede einzelne Minute genossen. Für die Stimmen der anderen Kleidungsstücke hat er die wunderbaren Thalbach Frauen ins Team geholt, eine großartige Entscheidung, niemand hätte das besser lesen können!
Anascha ist ein rotes Seidenkleid, noch ganz neu, sie weiß nichts über die Welt. Im Laufe des Buches wird sie Freunde finden, mit deren Hilfe so manche Herausforderung meistern und am Ende ihr Zuhause finden. Natürlich kommen auch Menschen im Buch vor, es gibt eine Liebesgeschichte und einen richtigen Machtkampf.
Während man der Geschichte folgt, spürt man die große Liebe des Autors zur Kleidung. Die Schreibweise ist ganz leicht und poetisch, dabei trotzdem spannend und irre witzig. Am Ende bleiben Gedanken darüber, wie man mit seiner eigenen Kleidung umgeht.

Was mir am Besten gefallen hat: die wunderbaren Zitate!
Da sagt Guido Maria Kretschmer z.B. so Sachen wie: "Aufmerksamkeit und Pflege geben uns Energie." oder "Die Alten wissen um die Kraft der Erfahrungen. Das verbindet uns mit den Menschen nur leider haben die es im Vergleich zu uns vergessen." Das sind alles Aussagen, die mich zum Nachdenken darüber anregen, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen.
Eine Sache hat mir nicht so gut gefallen. Im letzten Kapitel wird berichtet, was aus den einzelnen Kleidungsstücken geworden ist. Das hätte ich nicht unbedingt gebraucht.

Für mich ist es ein rundum gelungenes Buch, das ich gerne weiterempfehle!

Veröffentlicht am 02.08.2018

„Der Mensch sieht nur, was er erwartet“

Der Sommer der Pinguine
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Das kleine Büchlein erzählt die Geschichte der Annetta Robington, die in einer Buchhandlung der britischen Hauptstadt erfährt, dass Pinguine mitten unter uns Menschen leben. Der Buchhändler selbst ist ...

Das kleine Büchlein erzählt die Geschichte der Annetta Robington, die in einer Buchhandlung der britischen Hauptstadt erfährt, dass Pinguine mitten unter uns Menschen leben. Der Buchhändler selbst ist ein Spheniscidae, er bittet Mrs Robington, die Erkenntnis für sich zu behalten. Nach Überwindung des 1. Schreckens beobachtet die Hauptprotagonistin ihre Mitmenschen genauer und erkennt noch mehrere Pinguine. Sie schließt die Wesen in ihr Herz und es fällt ihr fällt im Laufe des Buches auch zu, sich tatsächlich für das Geheimnis der liebenswerten Tiere einzusetzen.

Das charmante Buch bringt uns die Pinguine näher und stellt die These auf, dass der Mensch viele seiner Errungenschaften (seien es Entdeckungen von Kontinenten oder Erfindungen) nur von den Spheniscidaen abgeschaut hat oder zumindest später dran war als sie. Wobei der Pinguin durchaus als Parabel dienen kann.

Sehr aufgewertet wird das Buch durch die tollen Illustrationen.

Mein Lohn als Leser ist es unter anderem auch, mich mit den schwer ertragbaren ethnischen Wahrheiten, wie wir als Mensch mit den Tieren umgehen, auseinanderzusetzen. Diese Passagen bringt Thomas Montasser so humorvoll an den Leser, dass das Buch nichts von seiner Liebenswürdigkeit verliert. Die Geschichte ist fantasievoll, sehr unterhaltsam und sprachlich ein Genuss.

Veröffentlicht am 17.07.2018

Wenn man sich in einen Ort und alles, was mit ihm zu tun hat, verliebt

Das kleine französische Landhaus
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Emmy lebt eine vorhersehbare Alltagsroutine wie im Hamsterrad: sie reißt sich für ihren Marketingjob den A... auf und lebt mit einem langweiligen mürrischem Buchhalter zusammen in einer steril eingerichteten ...

Emmy lebt eine vorhersehbare Alltagsroutine wie im Hamsterrad: sie reißt sich für ihren Marketingjob den A... auf und lebt mit einem langweiligen mürrischem Buchhalter zusammen in einer steril eingerichteten Wohnung, die nichts von ihrem persönlichen Stil widerspiegelt. Das da irgendwas nicht stimmen kann, ist ihr jedoch nicht bewußt. Beim ersten gemeinsamen Urlaub seit Jahren geht alles schief aber Emmy erkennt an den Folgen was sie eigentlich will. Sie wandelt sich vom Fußabtreter, den sie anfangs mit vollem Bewusstsein gibt, zur selbstbestimmten Frau und findet den Mut, ihr Leben komplett umzukrempeln.
Leider wurde die wirklich schöne Grundidee nicht besonders gut umgesetzt. Zu viele (hoch emotionale) Dinge passieren in zu kurzer Zeit, das wirkte auf mich unglaubwürdig.
Allerdings versetzt einen die Autorin mit ihren Beschreibungen von schmackhaftem Essen, verträumten Landschaften, urigen Häusern und gemütlichem Beisammensein versetzt in Urlaubstimmung. Und genau zu diesem Zweck ist das Buch auch empfehlenswert - als leichte Urlauslektüre. Vielleicht in Frankreich?

  • Cover
  • Charaktere
  • Handlung
  • Atmosphäre
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 28.06.2018

Die große Liebe ist nicht immer romantisch

Alles Begehren
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"Ruth Jones‘ Roman »Alles Begehren« erzählt die Geschichte einer Amour Fou und erinnert uns schmerzlich daran, dass wir nie wissen, ob das Gras auf der anderen Seite nicht grüner ist – wir jedoch mit dem ...

"Ruth Jones‘ Roman »Alles Begehren« erzählt die Geschichte einer Amour Fou und erinnert uns schmerzlich daran, dass wir nie wissen, ob das Gras auf der anderen Seite nicht grüner ist – wir jedoch mit dem Versuch, es herauszufinden, das Stück Gras, auf dem wir selbst gehen, zerstören können."
Der Roman spielt zwischen 1985 als sich Callum und Kate kennenlernen und 2002 als sie sich wiedertreffen.
Beim ersten Zusammentreffen ist nur Callum gebunden. Er ist verheiratet und erwartet mit seiner Frau Bellinda gerade das 3. Kind. Kate dagegen ist jung, ungebunden und nimmt sich, was sie will. Es kommt zu einer heftigen Affaire zwischen den beiden, die Callum beendet, als Bellinda davon erfährt.
2002 sind beide gebunden - Callum immer noch mit Bellinda, Kate hat Matt geheiratet und ist Mutter einer Tochter.

„Du. Wirst mir. Das Herz. Brechen, Callum MacGregor.“ Kate, Seite 17

„Es gab immer nur dich, Callum. Ich liebe Matt von ganzem Herzen. Aber es gab immer nur dich.“ Kate, Seite 292

„Wenn du mich wieder verlässt, sterbe ich.“ Kate, Seite 454

Kate war mir zu Beginn des Buches sehr unsympathisch aber das wandelt sich im Laufe des Buches. Sie liebt Callum, immer schon. Das Ende ihrer Affaire hat sie tief verletzt. Und obwohl sie als erfolgreiche Schauspielerin, mit einem wunderbaren Ehemann, der alles für sie tut und der süßen Tochter ein tolles Leben führt, zögert sie keine Sekunde, sich Callum wieder zu nähern, als sie die Chance dazu bekommt.
Es erscheint einem als Leser so falsch, dass Callum und Kate ihre Affaire neu beginnen aber ist es das wirklich? Für Kate nicht.
Für Bellinda dagegen schon. Callums Frau ist für mich die Heldin der Geschichte, sie trägt alle Sympathien, ist stark, kämpft für ihre Familie und ist konsequent.
Und ich weiß gar nicht, ob sie ohne ihren Ehemann nicht sogar besser dran ist. Callum ist schwach, er nimmt sich das Beste von beiden Frauen, will sich nicht entscheiden, ist bequem. Ich meine, ein Mann der seine junge Frau mit 2 einhalb Kindern betrügt - was soll man dazu noch sagen?!
In einer Nebengeschichte lernt man außerdem Hettie kennen, sie ist die liebenswürdige beste Freundin von Matt. Hettie läuft ihrer großen Liebe nach, ist immer für Kates Mann und dessen Tochter da, muss aber leider auch eine große Enttäuschung einstecken.

Mir hat der Stil der Autorin sehr gut gefallen. Die Geschichte wird spannend erzählt, oft wird die Handlung aus verschiedenen Sichtweisen beschrieben, so dass man das Fühlen aller Beteiligten gut nachvollziehen kann. Ich wollte das Buch gar nicht aus der Hand legen. Trotzdem bezieht die Autorin nie Stellung, sie erzählt einfach nur die Geschichte.

Ich hatte zusätzlich zum Buch das Vergnügen, auch das Hörbuch zu hören. Die Stimme von Julia Nachtmann setzt die Geschichte wunderbar um - intensiv und gefühlvoll.

  • Cover
  • Stimme
  • Handlung
  • Thema
  • Charaktere