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Veröffentlicht am 03.08.2025

Fesselnd verpackte Gesellschaftskritik

Babel
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Der chinesische Waisenjunge Robin wird von seinem Vormund aus seinem Heimat geholt, um ein anscheinend besseres Leben in England zu führen. Er beginnt sein Studium in Babel, einem Ort, der die besten Übersetzer ...

Der chinesische Waisenjunge Robin wird von seinem Vormund aus seinem Heimat geholt, um ein anscheinend besseres Leben in England zu führen. Er beginnt sein Studium in Babel, einem Ort, der die besten Übersetzer des Landes ausbildet, um mit ihrer Hilfe das Silberwerken zu ermöglichen.

Das Buch wurde mir mit den Worten empfohlen, dass „Babel“ Harry-Potter für Erwachsene wäre. Im ersten Moment stimmt dies sicher auch: Robin ist ein armer Waisenjunge mit einem verblüffenden Talent für Sprachen, der gemeinsam mit seinen Freunden die ersten Jahre in Babel absolviert und dabei die Magie des Silberwerken kennen lernt. Damit hören für mich die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf.

Sehr schnell wird deutlich, dass der Schein trügt und das Studium nur eine Form der Ausnutzung ist. Der ganze Roman ist sehr gesellschaftskritisch und zeigt auf, wie der Reichtum der westlichen Welt durch die Ausbeutung anderer Länder ermöglicht wurde oder auf Kosten der eigenen schwächeren Mitglieder der Gesellschaft.

Das Buch gibt einen Überblick über die Bedeutung von Sprache und Übersetzung, aber auch historische Einblicke in die Zeit des Kolonialismus. Es geht um Macht, Unterdrückung und Ausbeutung. Obwohl mir vieles schon bekannt war, hat mit mir erst der Roman wirklich bewusst gemacht, wie weit die Tragweite der damaligen Strukturen ist. Wenn man es liest, sollte man damit leben können darauf hingewiesen zu werden, dass man auch heute noch Teil des Systems ist.

Verblüffend fand ich an dem Roman, dass ich genauso wie Robin einige Zeit gebraucht habe, um die Ungerechtigkeit in der Welt wirklich zu sehen. Ich wollte mit Robin in Babel bleiben und mit ihm gemeinsam mehr über die Bedeutung der Sprache und die Tücken der Übersetzung lernen. Ich wollte nicht der Wahrheit ins Auge sehen und akzeptieren, dass es auch eine Entscheidung für Unterdrückung ist, wenn man sein gewohntes Leben weiterführt.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass ich mit den Protagonisten nicht wirklich warm geworden bin. Trotz vieler Erklärungen und Beschreibungen konnte ich ihr Handeln oft nicht verstehen, besonders zum Ende hin wurde es mir zu extrem. Sie sind mir nicht ans Herz gewachsen und waren mir zeitweise sogar fast unsympathisch.

Nichtsdestotrotz hat mich das Buch zum Nachdenken gebracht und auch einige Zeit nach dem Lesen noch beschäftigt. Viel zu oft verschließen wir die Augen vor der Realität, auch wenn wir es eigentlich besser wissen müssten.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.07.2025

Düster und anders...

The Book Eaters
5

Beschrieben wird die Geschichte der Buchesserin Devon, wie sie ihren Sohn vor der Verfolgung durch ihre eigene Familie beschützt und in einer weiteren Zeitebene, wie es zu den Ereignissen im Jetzt gekommen ...

Beschrieben wird die Geschichte der Buchesserin Devon, wie sie ihren Sohn vor der Verfolgung durch ihre eigene Familie beschützt und in einer weiteren Zeitebene, wie es zu den Ereignissen im Jetzt gekommen ist.

Die Idee von Buchessern gefällt mir, weil es einfach mal etwas völlig anderes ist und dem ganzen einen besonderen Rahmen gibt. Im Vordergrund steht aber ein völlig anderes Thema: Die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind, sowohl mit ihren schönen als auch ihren Schattenseiten. Im ganzen Roman geht es um die Frage, wie weit man wirklich gehen würde, um das eigene Kind zu beschützen, welche Grenzen es gibt und welche Zweifel dabei auftreten. Devon wächst in einem System auf, welches Frauen vollständig instrumentalisiert und in einen goldenen Käfig zwängt. Notgedrungen flieht sie mit ihrem Sohn, jedoch zu einem hohen Preis, der sie selbst immer wieder an ihre Grenzen bringt und ehrlich gesagt den Leser auch. Das Buch ist nicht blutrünstiger als andere Fantasy-Romane, aber durch die ständige Auseinandersetzung mit Gewalt und Diskriminierung gegenüber Frauen und Kindern ist es nicht immer leicht zu verarbeiten.

Devon war für mich als Person sehr glaubhaft und ich konnte mich gut in ihre Zerrissenheit hineinversetzen. Bei jeder Handlung steht sie vor der Frage, ob sie ihr Kind beschützen soll und damit in Kauf nimmt anderen zu schaden, einschließlich sich selbst. Die Hoffnungslosigkeit und die Zweifel klingen im ganzen Buch mit, jeder kleine Hoffnungsschimmer wird innerhalb kürzester Zeit zerstört.

Der Roman spielt in zwei Zeitebenen, es reißt einen aber nie aus der Story raus, sondern erklärt und unterstützt immer den vorhergegangen Abschnitt. Auch wenn mich mehrere Ebenen sonst immer stören, fand ich es hier wirklich gut gemacht.

Das World-Building fand ich dagegen eher begrenzt. Auch wenn Buchesser eine für mich neue Idee waren und ich die Beschreibung der verschiedenen Häuser der Familien sehr faszinierend fand, hatte ich mir mehr vom Thema erhofft.

Insgesamt haben mich aber die düstere Stimmung und der völlig andere Ansatz von diesem Buch überzeugt. Auch wenn nicht alles ganz rund war und ich das Ende nicht passend fand, würde ich es wieder lesen.

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  • Fantasy
Veröffentlicht am 29.07.2025

Unser Lieblingsgespenst ist wieder unterwegs

Huuu-Berta - Ein kleines Gespenst zum Geburtstag
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Eigentlich darf ich gar keine Rezension zu diesem Buch schreiben, da ich ein viel zu großer Fan von dem kleinen süßen Gespenst Huuu-Berta bin. Selten habe ich eine so sympathische Kinderbuchfigur kennen ...

Eigentlich darf ich gar keine Rezension zu diesem Buch schreiben, da ich ein viel zu großer Fan von dem kleinen süßen Gespenst Huuu-Berta bin. Selten habe ich eine so sympathische Kinderbuchfigur kennen gelernt, die Kindern wichtige Werte vermitteln, ohne dabei bevormundend oder nervig zu sein.

Im ersten Band von Huu-Berta macht das kleine Gespenst ihren ersten Ausflug in die Menschenwelt und lernt dort den Jungen Ben kennen, der sie am Schluss zu seinem Geburtstag einlädt. In diesem Kinderbuch nun geht Huuu-Berta mit ihrer kleinen und frechen Fledermaus-Freundin Flitzi zu besagtem Geburtstag und erlebt dort viele Abenteuer, findet ein kleines Geschwistergespenst (die werden in der Gespensterwelt einem nämlich zugeweht) und löst unter anderem das Rätsel um eine Schatzsuche. Auch wenn man den zweiten Band sicher unabhängig vom ersten lesen kann, würde ich trotzdem empfehlen beide zu lesen, da der erste Band ebenfalls sehr schön ist und die Entwicklung der einzelnen Figuren so deutlicher wird.

Huuu-Berta und ihre Freunde sind sehr herzlich und vermitteln gut, wie wichtig Freundschaft ist. Aber auch das Thema kleine Geschwister wird ausführlicher behandelt, da das kleine Gespenst auf Gespensterchen Huuu-Go aufpassen muss, der zwar zuckersüß ist, aber sich mit den Gefahren in der Menschenwelt noch nicht so auskennt und vielleicht auch etwas mehr Blödsinn im Kopf hat als Huuu-Berta. Der Geburtstag wird natürlich ebenfalls gefeiert, aber nicht unbedingt so, wie man es kennt. Normalerweise sind aber ja auch keine Gespenster und Fledermäuse dabei…

Mir gefallen die liebvollen Zeichnungen und die farbenfrohe Gestaltung des Buches sehr gut. Obwohl das Cover sehr pink aussieht, ist das Buch sowohl für Mädchen als auch Jungen geeignet. Genauso würde ich der Alterseinschätzung ab 5 Jahren zustimmen. Sicher können schon Kleinere etwas mit dem Buch anfangen, aber es gibt insgesamt mehr Text als Bilder und für manches müssen die Kinder bereits etwas älter sein, um den Witz dahinter zu verstehen und es richtig feiern zu können.

Am Ende gibt es noch Basteltipps und ein Kuchenrezept, sowie einen Vordruck für kleine Buttons, die man nach jedem Kapitel vorne einkleben kann (Tipp: Klettband nutzen, um sie wiederverwenden zu können).

Insgesamt bin ich wieder einmal völlig begeistert und das Gesamtpaket hat für mich alles, was ein gutes Kinderbuch braucht.

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  • Thema
Veröffentlicht am 30.05.2025

Sympathischer, ungruseliger Geist sucht...

Ghosted
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Emily wurde vor 8 Monaten von ihrem Freund Andy geghosted, seitdem versucht noch mehr als bisher sich und ihr Leben zu optimieren, um ihre Kindheit in armen Verhältnissen zu vergessen und für sich selbst ...

Emily wurde vor 8 Monaten von ihrem Freund Andy geghosted, seitdem versucht noch mehr als bisher sich und ihr Leben zu optimieren, um ihre Kindheit in armen Verhältnissen zu vergessen und für sich selbst eine bessere Zukunft aufzubauen. Als bei einer ihrer Partys der Strom ausfällt und die Gäste auf die Idee kommen und ein Quija-Brett zu nutzen, um Geister zu beschwören, erfährt Emily überraschend die Wahrheit über Andy: er hat sie nicht geghosted, sondern ist wirklich gestorben und das unter bisher ungeklärten Umständen. Bei den Forschungen über Andys plötzlichen Tod erfährt Emily viel über sich, ihre Beziehungen und beginnt zu hinterfragen, ob ihre momentane Lebensweise wirklich die beste für sie ist.
Emily ist ein schwieriger Charakter: in armen Verhältnissen aufgewachsen, vom Vater früh verlassen, hat sie das Gefühl nicht genügend wert zu sein und versucht dies zu kompensieren, indem sie jeden Ratschlag und Hinweis von Instagram und Co. umzusetzen versucht und das ohne Rücksicht auf Verluste. Ihre Lebensweise und Beziehungen müssen in ihr neues Lebenskonzept passen, welches ihr eine sichere und angenehme Zukunft verspricht.

Auch wenn ich verstehen kann, dass Emily aufgrund ihrer Kindheit diese ganzen Anstrengungen unternimmt, fiel es mir doch manchmal schwer sie sympathisch zu finden. Es war oft einfach zu extrem, wie sie sich verhalten hat und wie es sich auf den Umgang mit ihren Mitmenschen ausgewirkt hat. In vielen Situationen schwankte ich dagegen zwischen Mitleid und Fremdschämen, was dem Ganzen doch einiges an Humor genommen hat.
Gerettet hat für mich dagegen das ganze Buch Andy: Er ist witzig, herzlich und ein durch und durch direkter, offener Mensch. Szenen mit ihm haben mich oft zum Lachen gebracht und ich hab jetzt auf jeden Fall einen neuen Lieblingsgeist. Er ist zwar meist eher ein etwas zu groß geratener Kindskopf, aber seine Zuneigung gegenüber der echten Emily ist einfach nur süß.

Das Buch war sehr angenehm und flüssig zu lesen, trotzdem kann ich es keine leichte, sommerliche RomCom nennen, dafür waren mir die Themen doch zu vielschichtig. Andy ist ein sehr lustiger Geist, aber ist er viel zu früh gestorben und viele Szenen, die sich mit seinem Tod befassten, haben mich ganz schön traurig gemacht. Auch Emilys Kindheitsgeschichten haben mich sehr mitgenommen und mich oft eher mit einem beklommenen Gefühl zurückgelassen, was für mich nicht in eine RomCom reingehört.

Andererseits bekommt das Buch eindeutig Bonuspunkte, weil es einfach mal etwas anderes ist und sich mit aktuellen Themen auseinandersetzt. Auch wenn ich etwas mehr Liebe erwartet habe, hat mich das Buch trotzdem gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Schwieriges Thema einfach nähergebracht

Das Parlament der Tiere
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Das Eichhörnchen Emily entdeckt bei sich im Wald einen immer größer werdenden Baum, der schon bald die leckersten Pfirsiche trägt. Innerhalb kürzester Zeit möchten alle Tiere die saftigen Früchte essen. ...

Das Eichhörnchen Emily entdeckt bei sich im Wald einen immer größer werdenden Baum, der schon bald die leckersten Pfirsiche trägt. Innerhalb kürzester Zeit möchten alle Tiere die saftigen Früchte essen. Doch bevor die Pfirsiche im Gerangel zerstört werden, versucht Emily mit den anderen Tieren gemeinsam eine Lösung zu finden, um sie gerecht aufzuteilen.

In dem Kinderbuch wird auf einfache und anschauliche Weise beschrieben, warum man zunächst überhaupt eine Regierung benötigt, aber auch wie diese gebildet wird, was demokratisch bedeutet oder nach welchen Prinzipien die Ressourcen aufgeteilt werden können. Dabei werden zwar ein paar Fachbegriffe genutzt, die aber sowohl innerhalb des Buches, als auch am Ende erklärt werden. Selbst ich als Erwachsene konnte noch etwas lernen oder zumindest mein Schulwissen wieder etwas auffrischen.

Teils fand ich die Begriffe gerade für kleinere Kinder (das Buch soll ab 4 Jahre sein) etwas schwieriger. Der Begriff „Abgeordnete“ wird mit dem Wort „Vertreter“ erläutert, was für meine Kinder nicht verständlicher war. Auch „Mehrheit“ musste weiter erklärt werden, da sie den Begriff „Hälfte“ nicht kannten. Doch auch ohne diese Fachbegriffe wurde den Kinder deutlich, dass man miteinander reden muss, um eine Lösung zu finden, die für die meisten akzeptabel ist.

Trotzdem kann man das Buch sogar gut mit jüngeren Kindern lesen, wenn es einem nicht nur um die politischen Aspekte geht. Das Buch ist bunt bebildert mit vielen verschiedenen Tieren, die sich um essen streiten. Das verstehen auch die Kleineren schon sehr gut. Auch das man sich am Ende wieder mit seinen Freunden verträgt, selbst wenn man vorher unterschiedlicher Meinung war und sich gestritten hatte, ist eine wichtige Botschaft.

Bei älteren Kindern sorgt das Buch dagegen sicher für einigen Diskussionsbedarf. Welche Verteilung ist gerecht? Dürfen auch gemeine Tiere Pfirsiche bekommen? Wer entscheidet darüber? Und muss man Entscheidungen akzeptieren, auch wenn sie einem selbst nicht gefallen, nur weil es die Mehrheit so möchte?

Die Bilder haben die Geschichte sehr gut unterstützt, sodass man den Plot fast ohne Text nachvollziehen kann. Mir persönlich hat der Stil der Zeichnungen zwar nicht immer so gut gefallen, aber die Tiere sehen schon niedlich aus und auch die Farben in dem Buch sind sehr angenehm und entsprechen den natürlichen Farben des Waldes.

Sehr schön fand ich die Idee, dass man am Anfang des Buches den QR-Code für ein Pfirsichkuchen-Rezept findet. Es scheint einfach zu sein, sodass auch Kinder gut mithelfen können. Ausprobiert habe ich es zwar noch nicht, ich werde es aber auf jeden Fall nachholen, sobald meine Kinder und ich uns demokratisch für dieses Rezept entschieden haben…

In diesen politisch schwierigen Zeiten halte ich es für ein gutes Buch, um einen ersten Einblick in die Thematik zu bekommen. Es zeigt nicht nur, warum man eine demokratisch gewählte Regierung benötigt, sondern auch, wie wichtig ein gutes Miteinander ist.

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