Sehr ruhig und langatmig
MelkenIch habe „Melken“ über ein paar Abende gelesen und bin zwiegespalten – im guten Sinn. Das Buch erzählt keine große Handlung, sondern beobachtet: den Rhythmus im Stall, müde Hände, das Wetter, das alles ...
Ich habe „Melken“ über ein paar Abende gelesen und bin zwiegespalten – im guten Sinn. Das Buch erzählt keine große Handlung, sondern beobachtet: den Rhythmus im Stall, müde Hände, das Wetter, das alles bestimmt, und Menschen, die mehr verschweigen als sagen. Genau das macht seinen Reiz aus. Die Sprache ist schlicht, manchmal fast protokollarisch, und ja, einige Absätze fühlen sich absichtlich lang an – wie Wartezeit zwischen zwei Handgriffen. Wer Tempo und Plot-Twists sucht, findet sie nicht; wer sich auf Alltagspräzision einlassen kann, bekommt viel zurück.
Besonders geblieben ist mir der alte Bauer, der mit knappen Sätzen ganze Landschaften aufzieht, und die Szene im Regen, in der nichts „passiert“ und trotzdem alles klar wird. Nicht jedes Kapitel trägt gleich gut, stellenweise hätte ich mir etwas mehr Kante gewünscht, aber insgesamt wirkt das Buch stimmig und respektvoll gegenüber seiner Welt.
Mein Fazit: kein Lieblingsbuch, aber eines, das nachwirkt – wie Heugeruch in der Jacke am nächsten Tag.